Grundeis

Liebe Bürgerpostleser, 

am 9. Januar 2026 hatte ich etwas Zeit, mich in Balingen umzusehen. Das Zollernschloß an der Eyach gelegen, macht einen tollen Eindruck. Am beeindrucktesten war ich aber von etwas anderem, was ich so noch nie gesehen habe. Ich sah Eis, das unter Wasser war. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht, Eis ist über 10 Prozent leichter als Wasser und liegt deswegen im Regelfall oben auf. Schaut die Bilder an das Eis liegt eindeutig unter dem fließenden Wasser.

Ein echter Hammer. Also einmal tief durchschnaufen, ein Video in den Status stellen und hoffen, dass jemand eine Erklärung hat. Axel Ortlieb aus dem Münstertal antwortete und schrieb: „Bei uns hieß es früher Grundeis. Mir wurde gesagt, wenn der Bach von unten zufriert, ist das Grundeis. Das entsteht sehr selten und nur bei tiefen Minustemperaturen“. Hut ab Alex, kann ich da nur sagen. Normalerweise gefriert Wasser von oben. Denn es hat bei plus vier Grad die höchste Dichte und fällt nach unten. Aber, wenn es lang saukalt ist, dann gefriert der Bach auch von unten zu, weil dann in der Gewässersohle Minustemperaturen erreicht. Das kann man ruhig den Oberhammer nennen. 

In der Grafik sind die Temperaturen in Balingen vor dem 9. Januar dargestellt. Dort ist zu sehen, dass die Mitteltemperatur seit dem 22. Dezember 2025 bis zum 7. Januar 2026, also 17 Tage lang immer unter 0 Grad lag. Etliche Tage zeigten Mittelwerte um die minus 5 Grad und darunter. Auf jeden Fall so, dass anscheinend Grundeis entstehen konnte. Jetzt weiß ich auch, was der Hintergrund für den Spruch ist, „mir ging der A….. auf Grundeis“. 

Etwas Interessantes fand ich in der Pressemitteilung Nr. 1/2009 des Bayerisches Landesamtes für Umwelt und des Wasserwirtschaftsamtes München. „Wenn das Grundeis nicht frühzeitig beseitigt wird, kann es auch bei normaler Wasserführung zu starken Winterüberschwemmungen kommen“, so LfU-Präsident Albert Göttle. „Am Schwebelbach im Norden Münchens sind daher die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamtes München zusammen mit den technischen Hilfskräften im Dauereinsatz. In Wathosen stehen die Männer mit ihren sogenannten Abeislanzen im eiskalten Wasser und hacken das Grundeis auf, damit die Strömung es wegschwemmt“. Das hört sich richtig spannend an.

Dieses Bild zeigt die Situation an der Breg bei Hüfingen vor etlichen Jahren. Das dicke Eis nach langer Frostperiode wurde durch ansteigendes Wasser gebrochen und die Eisschollen ans Ufer abgelegt. Das ist der klassische Fall des Zufrierens von oben.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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