Neue Leiterin vom GVV-Umweltbüro

Zum Jahresbeginn 2026 übernimmt Wiltrud Siegfried aus Hüfingen die Leitung des GVV-Umweltbüros.

Die Bauingenieurin hat an der TU Kaiserslautern studiert, wohnt seit 5 Jahren in Hüfingen und möchte künftig stärker Brücken schlagen – zwischen Verwaltung, Ehrenamt und Landwirtschaft.

Von der neuen Leiterin erhoffen sich die Mitgliedsgemeinden neue Impulse für den Umwelt- und Naturschutz, eine offenere Kommunikation und eine bessere Vernetzung der Projekte in der gesamten Region.

Wir haben mit ihr über ihre Pläne, Ziele und den Blick auf die kommenden Aufgaben gesprochen.

Wiltrud Siegfried am Mühlebach
Wiltrud Siegfried ab Januar 2026 Leiterin des GVV Umweltbüros

Fragen an die neue Leiterin des GVV-Umweltbüros

1. In den vergangenen Jahren war die Zusammenarbeit zwischen dem Umweltbüro und den ehrenamtlich Engagierten nicht immer ganz einfach.
Was möchten Sie anders machen, um künftig ein besseres Miteinander zwischen Haupt- und Ehrenamt zu erreichen?

2. Nach außen war vom Umweltbüro bisher eher wenig zu hören.
Wie wichtig ist Ihnen eine aktive Öffentlichkeitsarbeit – und planen Sie, den Austausch auch mit dem ehrenamtlichen Naturschutz und dem BLHV stärker zu suchen?

3. Der Schwerpunkt der bisherigen Arbeit lag deutlich in Donaueschingen.
Werden künftig auch die anderen Mitgliedsgemeinden mehr Beachtung finden – etwa durch die Vorstellung von Projekten in Gemeinde- oder Ortschaftsratssitzungen?

4. Sie sind die wahrscheinlich die Erste im Umweltbüro, die nicht in Donaueschingen wohnt.
Wie empfinden Sie das – eher als Nachteil oder vielleicht sogar als Chance, mit einem neuen, unabhängigen Blick auf die Region zu schauen?

Das 1. Fröhliche Hüfinger Kippenpulen

Beim 1. Fröhlichen Hüfinger Kippenpulen hatten die Freunde der Natur Hüfingen schlagkräftige Hilfe von den City Cleaners Germany – Schwarzwald-Baar-Kreis mit Miriam Steup und Georg Bentele aus Bad Dürrheim. Dank ihrer Hilfe ist die Hauptstrasse jetzt kurzfristig hübscher anzuschauen und das Kippenpulen wurde richtig fröhlich. Wir werden es im Frühjahr wiederholen und bis dahin haltet bitte unsere Umwelt sauber!

alle fünf vor dem Kirchturm
Miriam Steup, Thomas Kring, Hannah M Jaag, Norbert Deininger, Georg Bentele
gesammelte Kippen in Hüfingen
Kippenhaufen vor Gully

Jede einzelne achtlos weggeworfene Kippe verseucht unser Wasser, schädigt Bodenorganismen, tötet Amphibien und Insekten. Die Nanopartikel mit den Toxinen und das Plastik belasten unsere Umwelt dauerhaft.

Poster Umweltproblem Zigarettenkippe
600 Kippen in Messbecher
Cellulose-Acetat Fasern auf Straßen und Wegen
Kippen vor Gully
stopp! Kippen

Hüfingen Kippenfrei!

Hüfingen im Mai 2025

Liebe Hüfingerinnen,
liebe Hüfinger,

es ist mir ein großes Anliegen, dass Zigarettenkippen nicht mehr in der Natur und auch nicht auf der Straße entsorgt werden!

Deswegen haben wir ein kleines Projekt mit Taschenaschenbecher gestartet.


Im Rahmen dieses Projektes haben wir Taschenaschenbecher auf einschlägigen Bänken verteilt. Diese dürfen gerne gefüllt oder auch mitgenommen werden.

Des weiteren gibt es unser Taschenaschenbecher zu verschenken:

  • Im Krokodil
  • In Rosis Blumenstudio
  • In der Tourist-Info

Genaueres kann man auch auf der Webpage der Freunde der Natur Hüfingen nachlesen:
Hüfingen kippenfrei

Vorher, währenddessen und auch nach dem Rauchen: Menschen, Amphibien, Fische, Insekten, Pflanzen – alles Leben wird beeinträchtigt.
Bitte haltet unsere Umwelt gesund!

Inhalsstoffe von Tabak

Infos von: proRauchfrei

Teer

Teer verklebt die Flimmerhärchen in den Atemwegen und der Lunge. Dadurch bedingt kann beispielsweise Staub nicht mehr abgehustet werden. Als Folge davon lagern sich Staubpartikel und daran haftende Schadstoffe und Krankheitserreger in den Atemwegen und der Lunge ab.

Teer wird u. a. im Straßenbau verwendet und wurde im Jahr 2002 im Zusammenhang mit dieser Anwendung als überwachungsbedürftiger, gefährlicher Abfall eingestuft (Abfallschlüssel 17 03 01 – kohlenteerhaltige Bitumengemische).

Bei einem täglichen Konsum von einer Schachtel Zigaretten nimmt die Lunge im Laufe eines Jahres etwa die Menge Teer auf, die eine handelsübliche Teetasse fassen kann.

Quecksilber

Quecksilber wirkt u.a. als Zellgift auf Proteine, daher sind lösliche Verbindungen des Quecksilbers giftig. Quecksilber-Dämpfe gelangen z. B. durch die Schleimhäute und über die Lunge in den Körper und werden im zentralen Nervensystem sowie in der Niere eingelagert, wo sie ihre toxische Wirkung entfalten. Bei einer chronischen Quecksilber-Exposition kommt es zu Mattigkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwund, Abfall der Konzentrationsfähigkeit, Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Zittern, Haarausfall und Depressionen.

Quecksibler wird industriell u. a. im Bereich der Schädlingsbekämpfung und bei Spezialleuchtmitteln eingesetzt. Früher wurde Quecksilber auch bei der Herstellung von Amalgamplomben verwendet. Bei der Zigarettenherstellung wird Quecksilber zur Reinigung der Tabakblätter eingesetzt.

Auf normalem Wege tritt bei regelmäßigen Fischessern eine erhöhte Queck-silberkonzentration auf. Besonders belastet sind hier Hai, Schwertfisch, Markrele, Marlin und Thunfisch (Stand 5. 2. 2003). Auch in Gemüse ist in den letzten Jahren ein Ansteig der Quecksilberbelastung nachzuweisen (bedingt durch Schädlingsbekämpfungsmittel) – besonders belastet sind Blattgemüse.

Arsen

Arsen ist ein Element der Stickstoffgruppe, zusammen mit den ebenfalls giftigen Elementen Phosphor, Antimon und Bismut. Arsen hat halbmetallischen Charakter, wobei es in seinen metallischen Eigenschaften zwischen Phosphor und Antimon steht. Wie Phosphor ist es als Stickstoffgruppenelement sehr reaktionsfreudig und kommt in vielerlei organischen und anorganischen Verbindungen vor.

In der Natur vorkommend findet man das goldgelbe Arsentrisulfid, das unter dem Namen Auripigment oder Rauschgelb von Malern als Goldersatz verwendet wurde. Da die so gemalten Bilder eine gewisse Giftigkeit verbreiteten, wird es heute in geschlossenen Räumen nicht mehr benutzt.

Organische Arsen-Verbindungen wurden vor der Penicillin-Ära zur Chemotherapie der Syphilis und verschiedener Protozoen-Erkrankungen benutzt. Damit war Arsen eines der ersten Antibiotika (anti: gegen, bios: leben, z. B. Salvarsan). Es bringt Kleinstlebewesen, besonders Parasiten, schnell den Tod. Leider zu leicht auch dem Wirt. Diese Eigenschaft von Arsen, sich gerne an Parasiten und anderen Mikroben zu vergreifen, war lange Zeit Grund für eine der hauptsächlichen gewerblichen Verwendungen von Arsen: Es wurde und wird noch in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Dabei können Rückstände zu schädlichen Anhäufungen auf Obst, Früchten und sogar im Tabak führen. Im Tabak war es (zumindest bis 1951) in zunehmendem Maße vorhanden (1932: 12,6 Mikrogramm, 1951: 42 Mikrogramm). Dort erhöht es die anderen kanzerogenen Eigenschaften der Zigaretten.

In folgenden Industriezweigen ist Arsen zu finden: Arzneimittelherstellung, Bergbau/Hüttenwesen, Druckereitechnik, Lederwarenherstellung, Sprengstoffindustrie; außerdem ist Arsen Bestandteil von Klärschlämmen und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Toxizität von Arsen und seinen Verbindungen ist unterschiedlich. Metallisches Arsen und schwer lösliche Sulfide sind fast ungiftig, während 3-wertiges Arsen hoch giftig ist. Beim Einatmen von Arsendämpfen werden Schleimhautreizungen, Lungenödeme, Störungen der Nieren- und Leberfunktionen verursacht. Eine Vergiftung äußert sich in Hautreizungen, Kopfschmerzen oder sogar in Tumorbildung.

Cyanide

Cyanide sind Salze der Blausäure (Cyanwasserstoffsäure), die das giftige Cyanid-Anion enthalten. CN sind industriell im Bergbau/Hüttenwesen, in der Metallverarbeitung und Galvanik, in Schädlingsbekämpfungsmitteln, in Farben und Lacken sowie in Erdöl und Kohle zu finden. In diesen Betrieben sind die CN besonders in den Abwässern eine Problemsubstanz. Cyanide wirken toxisch, wenn Blausäure durch Hydrolyse freigesetzt wird, der entstandene Cyanwasserstoff wirkt durch Lähmung des Atemzentrums sofort tödlich.

Cyanide sind für Menschen und Tiere, insbesondere Fische. aber auch Algen hochgiftig. Nach Auskunft des Umweltbundesamtes kann freies Cyanid schon bei einer Konzentration von 40 Millionstel Gramm (Mikrogramm) pro Liter Forellen töten.

Blausäure

Blausäure, also Cyanwasserstoff, ist eine farblose, nach Bittermandeln riechende, sehr giftige und schnellwirkende Substanz, die über die Blockade von Atmungsenzymen die Verbrennung des Sauerstoffs in den Zellen verhindert. Die Wirkung der Blausäure führt damit zu einer Art innerem Ersticken.

Es sei erwähnt, dass bei der Verbrennung von Polyurethanen, also von zahlreich verwendeten Kunststoffen, Blausäure freigesetzt wird. Daher können u. U. sogar Wohnungsbrände zu tödlichen Blausäurevergiftungen führen. Dabei gilt als Faustformel, dass von den dabei entstehenden giftigen Gasen rund 1/3 Kohlendioxid/Kohlenmonoxid, 1/3 Rauchgase und 1/3 Blausäure sind. Ansonsten kommen Vergiftungen mit Blausäure in der metallverarbeitenden und chemischen Industrie, bei der Schädlingsbekämpfung sowie bei der Verschwefelung organischen Materials vor. Weiterhin enthält Tabakrauch teilweise erhebliche Blausäurekonzentrationen.

Nitrosamine

Nitrosamine kommen in der Umwelt des Menschen in vielen Bereichen, u.a. auch in Nahrungsmitteln, Tabak, Kosmetika, Bedarfsgegenständen aus Latex u.a.m. vor (exogene Belastung).

Auch im menschlichen Organismus selbst ist eine Nitrosaminbildung möglich (endogene Belastung), da sowohl die Umwelt als auch die Nahrung nitrosierbare Amine und nitrosierende Stoffe enthält (z. B. Nitrit oder Stickoxide). Bei diesen Substanzen handelt es sich um „Vorläufer“ der Nitrosamine, die erst nach dem Übergang aus dem Produkt in den Speichel oder Magensaft des Menschen durch chemische Reaktion mit Nitrit zu den krebserzeugenden Nitrosaminen umgewandelt werden können.

Die krebserzeugende Wirkung beruht auf reaktiven Metaboliten der Nitrosamine im Stoffwechsel, die mit der Erbsubstanz DNA reagieren, sie dadurch schädigen und Tumore auslösen können. Beim Menschen ist aufgrund der niedrigen Dosierung die Latenzzeit sehr lang, sodass ein kausaler Zusammenhang schwierig zu beweisen ist.

Eine grundsätzlich unschädliche Konzentration kann für Nitrosamine ebenso wenig wie für andere krebserzeugende Stoffe ermittelt werden. Jedoch nimmt die mutmaßliche kanzerogene Wirkung ab, wenn die aufgenommene Menge abnimmt. Heute stellen neben Tabakrauch vor allem Gewürze, gepökelte Fleischwaren und geräucherter Bacon (Frühstücksspeck), denen zwecks Umrötung und Konservierung Nitritpökelsalz zugesetzt wurde, die Hauptnitrosaminquelle dar.

Eine detaillierte Auflistung gibt es auf den Seiten vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: https://service.bmel.de/tabakerzeugnisse/

Tabakanbau

Kinderarbeit im Tabakanbau ist sehr gefährlich und weltweit verboten. Trotzdem arbeiten in allen bedeutenden Tabakanbauländern Kinder auf den Feldern.

Kinder auf den Feldern

Allein in Malawi arbeiten etwa 78.000 Kinder auf den Tabakplantagen. Aber auch in Brasilien, Indonesien, den USA und anderen Ländern ist Kinderarbeit im Tabakanbau weit verbreitet.

Kinder ab 5 Jahren bereiten Saatbeete vor, indem sie Felder umgraben und Bäume fällen. Sie jäten Unkraut auf den Feldern, sie düngen den Tabak und sie sprühen Pestizide, ohne Schutzkleidung zu tragen.

Bei der Ernte der grünen Tabakblätter setzen sie sich der Gefahr einer Nikotinvergiftung aus. Denn sie nehmen das Nikotin aus den Blättern durch die Haut in den Körper auf. Schon eine kleine Menge des Nervengifts führt bei ihnen zur Nikotinvergiftung: Die Grüne Tabakkrankheit verursacht Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Schwächeanfälle.

Kinder in Malawi nehmen bis zu 54 Milligramm Nikotin pro Tag über die Haut auf, zeigt eine Studie von Plan International. Das ist soviel Nikotin wie in 50 Zigaretten enthalten ist.

Mehr Infos bei Unfairtobacco: https://unfairtobacco.org


Nashornkäfer

Liebe Bürgerpostleser,

schaut, was ich Euch heute anbieten kann, den Nashornkäfer. Nicht weil ich ihn gefunden hätte, sondern weil Frau Marion Wagner aus Abtsgmünd mir Ende Juni 2025 die Käferbilder schickte. Eigentlich wollte ich damals schon etwas schreiben, aber Marion meinte, wir sollten abwarten, ob sich nicht auch Larven fänden. Dann am 28. September kam die freudige Nachricht, dass eine Larve aufgetaucht ist. Ich hab kurz vorher gedacht, ob das noch etwas wird. Manchmal gibt es so etwas wie Gedankenübertragung, Tage später schickte Sie mir noch weitere zwei jüngere Larven. 

Jetzt, was sagt man dazu? Hat jemand schon diesen imposanten 4 cm langen Käfer, gesehen? Ich schätze, die wenigsten von uns. Was denkt Ihr, ist es ein Männchen? Ja, so ist es. Hat das Weibchen auch Hörner? Nein hat es nicht. Hier gibt es Fotos: https://www.natur-in-nrw.de/HTML/Tiere/Insekten/Kaefer/Scarabaeoidae/TK-3326.html.

Die Frage, wie das bei Nashörnern ist, steigt automatisch in den Fokus. Was meint Ihr? Also KI gibt als Antwort: „Beide Geschlechter tagen Hörner, die der Weibchen sind typischerweise länger und dünner als die der Männchen“. Die Weibchen schützen damit ihre Jungen, und was die Männer machen, bedarf keiner Erklärung. 

Nun zum Nashornkäfer. Der Grund, wieso er selten zu sehen ist, liegt daran, dass er sich bei Tag nicht blicken läßt, er ist dämmerungs- und nachtaktiv. Marion hat ihr Exemplar auch nur gefunden, weil es tot war. Kurzer Einschub, wie lange leben die großen Käfer wie zum Beispiel Hirsch- und Moschusbockkäfer? Vier bis sechs Wochen, also relativ kurz. Die Ernährung der erwachsenen Nashornkäfer ist bisher nicht ganz geklärt. Wenn sie in ihrem kurzen Leben überhaupt Nahrung aufnehmen, ernähren sie sich vermutlich von Baumsäften. Lang ist dagegen die Larvenzeit, beim Nashornkäfer drei bis fünf Jahre je nach den Umweltbedingungen. Man muss sagen,  der Mensch hat die Lebensbedingungen für ihn deutlich verbessert durch große Sägemehlhaufen an Sägewerken und anderen holzverarbeitenden Betrieben, durch Haufen von Rindenmulch und durch Komposte. Früher war er angewiesen auf den Mulm abgestorbener großer Bäume. Das gibt es nur noch selten. Das Bild unten zeigt das Gartenbeet von Marion, mit Pferdeäpfeln seit drei Jahren aufgefüllt. Sie freut sich am reichen Ertrag der Zucchini und Paprikapflanzen. Dort hat sie die Larven gefunden

Die Larve ist in der Lage, Zellulose zu verdauen. Allerdings hat man im Darm keine Enzyme gefunden, die zum Abbau aber nötig sind. Man hat festgestellt, dass sich im Enddarm eine Gärkammer befindet, in der Bakterienarten den Abbau vornehmen. Jetzt kommt ein Hammer: Die Larven verdauen zum Teil diese Bakterien, was für sie zur Proteinquelle wird.

Marion, Dir ein dickes Dankeschön für die Überlassung der Bilder. Dadurch wurde dieser Beitrag möglich.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Nistkästenpflege auf der Jungviehweide

Bei der Nistkästenpflege auf der Jungviehweide in Mundelfingen

Auf der Jungviehweide wurden 2021 von der Sparkasse Schwarzwald Baar  und dem Nabu Schwarzwald-Baar Nistkästen aufgebaut. Diese gilt es im Spätsommer zu reinigen.

Fast alle Vögel die Nistkästen nutzen, bauen ihr neues Nest auf das Alte des Vorjahrs. Das heißt, wenn die Kästen nicht gereinigt werden, werden sie mit den Jahren immer voller. Dann haben Räuber wie Marder und Eichhörnchen leichtes Spiel. Sie können einfach in den Kasten „hineingreifen“ und so leicht Beute machen. Das Ausräumen kann also lebenswichtig für die Vögel sein! Hinzu kommt natürlich die Gefahr von Verunreinigungen wie Parasiten, Milben und Flöhen.

Warum im Spätsommer oder Frühherbst?

Im September ist die letzte Brut sicher vorbei und es sind noch keine Wintergäste in den Kästen. Wintergäste können sein: Fledermäuse, Siebenschläfer, Meise, Kleiber, Spatzen, Zaunkönige, Kleintiere wie Hasel- oder Waldmaus, aber auch Ohrwürmer, Florfliegen, Wespen- und Hummelköniginnen .

Da manche Tiere die Kästen auch als Schlafplatz nutzen können, empfiehl es sich vor der Reinigung anzuklopfen.

Nistkästen auf der Jungviehweide

Am Samstag 18. Oktober 2025 trafen wir uns wieder auf der Jungviehweide, um die Nistkästen zu reinigen.
Vielen Dank an die Helfer!


Am Samstag 19. Oktober 2024 trafen wir uns auf der Jungviehweide, um die Nistkästen zu reinigen.
Dieses Jahr kam unser Bürgermeister Patrick Haas und Ortsvorsteher Michael Jerg dazu, um sich zu informieren.


Am Samstag 21. Oktober 2023 trafen wir uns wieder auf der Jungviehweide um Nistkästen zu reinigen. Im Anschluss an die praktische Arbeit fand die Mitgliederversammlung statt.
Vielen Dank an die Helfer!


Am Samstag, 17. September 2022 trafen wir uns auf der Jungviehweide um die rund 30 Nistkästen zu reinigen. Die Kontrolle ergab, dass in fünf Kästen Kohlmeisen gebrütet haben. In je zwei Kästen wohnten Wespen und Hornissen. Sehr erfreut zeigte sich das siebenköpfige Team von den zwei gefundenen Siebenschläfer Nestern. Im Anschluss an die praktische Arbeit fand die Mitgliederversammlung statt.


Streicheleinheiten für den Klimaschutz

Der Landrat rät dem Unbequemen,
Die Sache nicht mehr aufzunehmen.
Es wollen Presse auch und Funk
Sich nicht mehr mischen in den Stunk
Der Mensch steigt von den Barrikaden – 
Er ist zum Richtfest eingeladen.

Eugen Roth: Ermüdung (1948)

Nun ist es soweit: Die Betontürme stehen und können, wenn auch noch ohne Rotoren obendrauf, stolz der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Hunderte Neugierige kommen zum Tag der offenen Tür beim Windpark Länge“ berichtet der Schwarzwälder Bote am 1. Oktober 2025 unter der Überschrift „So sieht es im Windradturm aus“. Für den Vorstand der Betreibergesellschaft sei die Veranstaltung „ein Volltreffer“ gewesen. Eine nicht enden wollende Menschenschlange habe sich vor dem Turm eingefunden, „um einen Blick ins Innere des Bauwerks zu ergattern“. Neben dessen Türe präsentieren sich plakativ die Betreibergesellschaft und ihre Kommanditisten, daneben sind (wie in Eiszeithöhlen) Abdrucke farbiger Hände zu bestaunen. Wie sollen die bloß gedeutet werden? Sind´s überschwängliche Sympathiebekundungen oder sollten sich hier schon Windkraftgegner mit abwehrendem Geschmier verewigt haben?

Der Turm vom Windpark Länge unten mit der Infotafel: Der Windpark Länge besteht aus 6 modernen Windkraftanlagen Nordex N-163. Betreibergesellschaft ist die Solarcomplex GmbH Windpark Länge.

Der Blick ins Turminnere dürfte die Besucher auch etwas abgelenkt haben vom Staunen über das Ausmaß der Baustelle rundherum wie über den gewöhnungsbedürftigen Umgang mit dem herbstlich verfärbtem Wald, und dies gedanklich mal sechs: an allen sechs Standorten – inklusive der  inzwischen auf über Kreisstraßenbreite ausgebauten Zufahrtswege mit ihren für den Transport von Kränen und Rotorflügeln üppig erweiterten, vom Gehölz geräumten Radien.

Nicht etwa nur ins Turminnere, sondern buchstäblich in die Röhre schauen unterdessen die Gegner von der hiesigen Bürgerinitiative, die sich mit Gutachten, Petitionen und Verwaltungsgerichtsverfahren so energisch gegen das Projekt gewehrt hatten. Die Beanspruchung des Längewalds, so spendet ihnen der Chef der Betreiberfirma zur Feier des „Tages des offenen Bauwerks“ Trost, erfordere ja doch nur einen „relativ geringen Flächenverbrauch“, vergleiche man ihn mit dem Braunkohleabbau in der Lausitz. Ist damit jetzt alles gesagt zu den Fragen einer Verhältnismäßigkeit von Eingriffen in ein bisher gänzlich unzerschnittenes und unvorbelastetes, ökologisch hochwertiges Waldgebiet und dem erhofften Nutzen für den Klimaschutz?

Neue Akzente im herbstlich verfärbten Längewald

Für den erwarteten Besucherandrang am „Tag des offenen Bauwerks“ hatte man eine stattliche Zahl von blauen Dixi-Klos herbei geschafft und sogar einen Partyservice engagiert, um es an nichts fehlen zu lassen „trotz schwieriger Anfahrt und eines mehrere hundert Meter langen Fußmarsches“. Als ob man sich nach über 12 Jahren kontroverser Diskussion um den Windpark nicht auch mal etwas spendabel zeigen dürfte. „An Stehtischen und auf Sitzgelegenheiten“, so beschreibt der Schwarzwälder Bote die Stimmung, „ging es beim Publikum im geselligen Beisammensein zumeist um die Notwendigkeit erneuerter Energien, insbesondere der Windenergie. Doch auch Bedenken gab es.“

Noch sind es ja nur sechs solcher Türme geworden, wo es ursprünglich ja elf  werden sollten, bevor die im Blumberger Teil der Länge agierende Betreiberfirma Insolvenz angemeldet hatte. Doch nach den Plänen des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg bleibt die gesamte Länge Vorranggebiet, sodass die Blumberger wie auch die Geisinger ja wohl noch nacharbeiten müssen. Ade Längewald – wird die Badische Alb vollends zum Albtraum? 

Wer oder was ist der GVV?

aktualisierter Beitrag vom 18. Januar 2021

Der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen (GVV) ist ein Zusammenschluss der Städte Donaueschingen, Bräunlingen und Hüfingen, unter dessen Dach die Verbandskläranlage , das Umweltbüro und die vorbereitende Bauleitplanung verwaltet wird.

Für Hüfingen ist der GVV sozusagen ein Überbleibsel aus 1973 als sich die Stadt erfolgreich gegen die Übernahme von Donaueschingen gewehrt hatte.

Demo in Bad Dürrheim am 17. März 1973
Demo in Bad Dürrheim am 17. März 1973

Jetzt will ich mich auf die „vorbereitende Bauleitplanung“ konzentrieren und versuchen zu erklären, was das ist.

Flächennutzungsplan

Der Flächennutzungsplan (vorbereitender Bauleitplan) ist laut Wikipedia ein Planungsinstrument (Planzeichnung mit Begründung) der öffentlichen Verwaltung im System der Raumordnung, mit dem die städtebauliche Entwicklung der Gemeinden gesteuert werden soll.

Um es etwas salopp zu sagen: Auf dem Flächennutzungsplan wird die Nutzung vom Boden bestimmt, der sich auf der Gemeindefläche befindet.

Was der GVV auf seinen Flächen für die Nutzung erlaubt, kann man hier nachlesen: Flächennutzungsplan

Die Nutzung der Flächen ist nicht festgeschrieben, sondern wird regelmäßig den Forderungen der Gemeinderäte und Bürgermeister angepasst.

Wenn also zum Beispiel eine Gemeinde ein neues Gewerbegebiet möchte, wird hierfür vom GVV der Flächennutzungsplan geändert. Dies kann man auf den Seiten der GVV nachschauen.

Auch dürfen verschiedene Ämter, Verbände oder Bürgerinnen und Bürger hierzu eine Stellungnahme abgeben. Diese Stellungnahmen und deren Abwägungen werden auch auf den Seiten des GVV veröffentlicht. Diese Abwägungen kommen in eine Tabelle und werden von einem hierfür bezahlten Ingenieurbüro verworfen, bzw. es schreibt einen Satz der zur Stellungnahme passt und dann „wird nicht gefolgt“.

Änderungen des Flächennutzungsplans

Um den Flächennutzungsplan anzupassen gibt es ein Männergremium das den neuen Plan abnickt. Bei diesem Ausschuss stellt Donaueschingen sechs Männer und Hüfingen und Bräunlingen jeweils drei.

Diese zwölf Männer treffen sich etwa drei Mal im Jahr um, unter anderem, die neuen Baugebiete auf dem Flächennutzungsplan festzuschreiben. Dies geschieht öffentlich und wird von der Stadt Donaueschingen vorher und nachher gut dokumentiert.

Hierbei haben die Männer sich Einstimmigkeit zur Kür gemacht und ihr Altersdurchschnitt beträgt über 60 Jahre.

Diese überwiegend alten Männer bestimmen also welcher Teil unserer Natur als nächstes versiegelt wird und welcher Acker als nächstes den Landwirten genommen wird.

Nutzen des Flächennutzungsplans

Nach den Ausführungen kann sich jeder selbst den Grund von dem Verfahren ausmalen. Das Vorgehen soll aus Gründen der Planungssicherheit die immer weiter fortschreitende Versiegelung demokratisch legitimieren, da die alten Männer von den Fraktionen bestimmt wurden, die bei den Gemeinderatswahlen die Mehrheit hatten. Auch aus diesem Grund wäre es wichtig gewesen, eine etwas höhere Wahlbeteiligung zu haben. Leider ist den meisten Menschen dies alles egal.

Tod der Singschwäne

Was die wenigsten wissen, bei Hüfingen gab es mal große Bestände an Zugvögeln, darunter sogar eine Kolonie Singschwäne die jeden Herbst und Winter bei uns auf der Riedbaar anzutreffen war.

Tod der Singschwäne

Auszüge aus dem Buch von Eva Zeller 1983

Da nach Artikel 17 des Grundgesetzes in der Bundesrepubik Deutschland jedermann das Recht hat, sich einzeln oder gemeinschaftlich mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an Regierung, Verwaltung oder Volksvertretung zu wenden, wandte sich ein namhafter Zoologe (Prof. Dr. Günther Reichelt), nunmehr in der Eigenschaft eines Petenten, im Namen einer von ihm ins Leben gerufenen Aktionsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz schriftlich mit bald aktenordnerfüllenden Petitionen und, als auch das nichts fruchtete, demonstrativ mit einer Unterschriftensammlung von sage und schreibe fünftausend Namen samt Adressen an das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt seines Bundeslandes mit der schon nicht mehr dringlich, vielmehr inständig, ja beschwörend zu nennenden Bitte, eine, wie es wörtlich hieß, planfestgestellte Trasse einer zu bauenden Straße um des Himmels willen nicht durch ein Ried zu leiten – welches auf beigefügtem Lageplan deutlich schwarz gestrichelt eingetragen war und das nicht nur neuerdings nach §16 des Landschaftsschutzgesetzes besonderem Schutz unterstehe, sondern auch nach Umfang und Artenbestand als national bedeutsames Feuchtgebiet einzustufen sei, weil nämlich hier, und zwar im direkten Bereich der geplanten Trasse, die Brutgebiete hochseltener Vögel wie des Großen Brachvogels, der Saatgans, des Zwergtauchers, der Löffel-, Reiher-und Pfeifente, vor allem aber die Traditionsplätze zur Überwinterung der weltweit vom Aussterben bedrohten und auf der Roten Liste als gefährdet geführten Singschwäne lägen, deren Erlöschen mit dem Bau der Straße als besiegelt angesehen werden könne, denn Ersatzgelände in unmittelbarer Nähe stehe nicht zur Verfügung, und selbst wenn es zur Verfügung stünde, was die Singschwäne betreffe, die seien nachweislich seit Jahrhunderten auf die rätselhafteste Weise auf diesen Platz fixiert, mit vorzüglicher Hochachtung . .

Reiherenten auf der Brigach.

beigefügt wurden der durch die genannte Unterschriftensammlung bekräftigten Petition nicht nur ein Gutachten des Max-Planck-Institutes für Verhaltensphysiologie sowie diverse Bescheide international anerkannter Ornithologen, sondern auch stattlich vergrößerte Farbfotos, auf welchen man im Hintergrund den Zwiebelkirchturm des Dorfes erkennt, in dessen Nähe das Feuchtgebiet liegt, und im Vordergrund die Schwäne sitzen sieht, sieben Schwäne im eisblauen Schnee mit ihren äugenden, gemalten Augen und gelbschwarzen Schnäbeln; andere Aufnahmen zeigen sie fliegend vor einer Wintersonne mit zwei Nebensonnen, das Flugbild jedes einzelnen Schwanes mythisch noch immer, unerwartet mythisch schon wieder, weil es, wenn es im Augenblick des Flügelabschlags festgehalten wurde, an einen Starfighter oder an einen noch waghalsiger hinzielenden ferngesteuerten Flugkörper erinnert;

Singschwäne auf dem Bodensee.

der Petition wurde ferner beigelegt ein von Verkehrsexperten minuziös ausgearbeiteter Umplanungsplan, will sagen ein Alternativvorschlag, welcher die Wunschtrasse der Singschwäneliebhaber in einer neuen, das auch auf diesem Plan schwarz schraffierte Ried umgehenden Linienführung. zeigt, und zwar so, daß weder verkehrstechnische Verschlechterungen noch Mehrkosten sich ergäben;

belehrt durch den Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, welcher die neugeplante Straße zwar für rechtlich unanfechtbar erklärte, andererseits aber den Verfechtern des in der Tat bedenkenswerten und wohlbegründeten Alternativvorschlags zu bedenken gab, daß ihre neue Straße sich viel zu weit der bebauten Ortsgrenze des Dorfes X näherte, so daß die Zumutbarkeitsgrenze der Lärmbelästigung bei weitem überschritten werden würde; kurz, ein Vergleich der festgestellten mit der Wunschtrasse ergebe aus der Sicht des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr aller Voraussicht nach erhebliche Konflikte mit Grundstückseignern; eine so umfassende nachträgliche Änderung der Planung würde zu hartnäckigstem Widerstand von Neubetroffenen führen, weswegen das Ministerium beantrage, daß der Petition nicht abgeholfen werden könne, zur gefälligen Kenntnisnahme aller Mitglieder des Petitionsausschusses Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz…

woraufhin die unbelehrbaren Petenten, penetrant wie sie waren, sich auf juristische Spitzfindigkeiten verlegten, etwa in Frage stellten, ob eine Ortsgrenze, die ein Zementwerk aufweise und ein Gelände, auf dem zu Schrottpaketen geschnittene Autos gestapelt seien, als bewohnt angesehen werden könne; ob die Gleichstellung des Planfeststellungsverfahrens Bundesstraße mit derjenigen einer Landstraße gesetzlich vertretbar sei und ob das zuständige Fachministerium für Straßenbau und das für den Natur- und Landschaftsschutz sich nicht erneut ins Benehmen setzen müßten, um alle Gesichtspunkte der Aktionsgemeinschaft prüfen zu können,

womit sich ein gutes Jahr gewinnen ließ, in dessen Herbst die Schwäne kamen, wie sie immer gekommen sind, und das, obgleich sie hier nichts zu suchen haben, denn eigentlich hätten sie, wie ihre Artgenossen es seit Schwanengedenken gehalten haben, weiter bis an den wirtlichen Bodensee fliegen sollen; es muß da aber einmal ein Schwanenpaar mit den jungen Schwänen durch einen Sturm oder ein Gewitter zur Notlandung gezwungen worden sein, und das just zu der Zeit, in der allein den Jungtieren starr und unauslöschlich eingeprägt wird, wo ihres Bleibens ist, wenn in den nordischen Brutgebieten die Seen zufrieren;

dank einer Mühle friert ein Stück der Donau nie zu; oberhalb des Wehrs staut, verbreitert und beruhigt sich der Fluß, hier dürften die Schwäne einen russischen oder finnischen See wiedererkannt haben; unterhalb des Wehrs ist das Wasser gut durchwirbelt, so daß es auch in den kältesten Wintern nicht zur Eisbildung kommen kann; so, sagen die Experten, könnte das erste Überwintern der ersten, aus der Luft geworfenen Schwäne sehr wohl geglückt sein, nachts auf dem Wasser, tagsüber im Schnee; die Erfahrung, hier überleben zu können, ließ die erwachsengewordene Schwänegeneration im nächsten Jahr auch nicht mehr weiter südlich fliegen, und in unbeirrbarer Übereinkunft auch die übernächste nicht; nichts in der Welt konnte und kann den Vögeln mehr weismachen, es gebe etliche Flugkilometer weiter ein viel wärmeres Winterquartier;

es konnte dann noch ein Jahr hingebracht werden mit Entkräftungen des Einwandes seitens des Ministeriums für den Natur- und Landschaftsschutz, die planfestgestellte Trasse habe die Belange des Naturschutzes hinlänglich berücksichtigt, mittlerweile werde sogar ernsthaft angezweifelt, ob das behauptete Feuchtgebiet überhaupt noch bestehe, die seltenen Tierarten nicht längst ausgestorben seien infolge welcher widrigen Umstände auch immer; die Farbfotos mit dem Kirchturm am Horizont könnten genausogut Montagen sein und besagten überhaupt nichts; aus diesem Grunde und weil es sich bei den Petenten um seriöse, bekannte und zum Teil durchaus sehr angesehene Einzelpersonen und Vereinigungen handele, werde man dem Petitionsausschuß als auch allen mit der Sache befaßten Regierungsvertretern einen Termin für einen Lokalaugenschein vorschlagen…

dazu mußte der Winter abgewartet werden; Treffpunkt der Mitglieder des Petitionsausschusses Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz und der Vertreter des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt, des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, insbesondere des Fachressorts für Straßenbau und des Fachressorts für den Natur- und Landschaftsschutz, als auch des Bürgermeisters und seines Stellvertreters aus dem dem Feuchtgebiet angrenzenden Dorf war eine Ausflugsterrasse vor einem Ausflugsrestaurant, an deren ummauertem Rand ein verschneites Fernrohr mit Münzeinwurf stand;

Riedbaar bei Neudingen.

wenn sich der Nebel schon gehoben hätte, hätte jeder, der dazu aufgelegt gewesen wäre, für zwei Groschen das Streitobjekt aus der Vogelperspektive in Augenschein nehmen können; den Donaubogen, der die von bereiften, nahegerückten Wäldern umstandene Hochebene im Drittelkreis anschneidet, vom Wind säuberlich aufgeräumte Felder, an jedem Widerstand zusammengefegter Schnee, weiß nachgezogene Ackerfurchen mit schönen Haarnadelkurven an den Rainen, die schrägen Dächer der Mühle zwischen einer Pappelzeile; von dem verschneiten Autofriedhof nur einen Kran, aber klar umrissen und unverrückbar das Zementwerk; neben den Rechtecken der Hochöfen und stumpfen Kegeln der Silos und hinter den noch höheren Schlacken-bergen bescheiden der von den Farbfotos her bekannte Zwiebelturm;

die einzige Dame der Besichtigungsgesellschaft, eine Abgeordnete des Fachministeriums für den Natur- und Landschaftsschutz, bestieg in weißen Pelzstiefeln die Zementstufe vor dem Fernrohr, steckte zwei Groschen in den Geldschlitz, drückte ein Auge zu, das andere an die Linse, bewegte das Fernrohr hin und her, tastete nach der Justierungsschraube, in der Hoffnung, das vergrößerte, nur scheinbar nähergerückte Bild der Landschaft trotz des Nebels erkennen zu können, trat kopfschüttelnd und über sich selber lachend zurück und sagte, sie habe aber ein Maiskolbengerippe zu Gesicht bekommen und einen Sperling, der sich daran zu schaffen gemacht habe, pfiffig wie ein Clown habe der ausgesehen mit schwarzen Flecken auf den weißen Backen;

nachdem im Restaurant Tische für das Mittagessen reserviert worden waren, näherte man sich in sechs Autos dem womöglich gar nicht mehr vorhandenen Nässegebiet; während der kurzen Talfahrt legte die Dame, die das Maiskolbengerippe und den Sperling so angelegentlich betrachtet hatte, auf ihrem Rücksitz den Kopf so weit in den Nacken, daß sie die tiefhängenden Wolken und die unter ihnen schwimmenden Baumkronen als Abziehbilder auf der schrägen Heckscheibe kleben und sich wieder ablösen und wegdrehen sah;

der Gründer der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz schlug vor, auf einem Waldparkplatz zu parken und die letzten paar hundert Meter zu Fuß zurückzulegen, mit diesem Ansinnen überschreite er hoffentlich nicht die Zumutbarkeitsgrenze der Herrschaften; leider sei es überaus fraglich, ob auch nur ein einziger der auf diesen Lebensraum angewiesenen Vögel sich blicken lassen würde; für das Erscheinen der Schwäne könne er seine Hand auch nicht ins Feuer legen, die säßen in ihren Schneegruben, gerne an Maulwurfshügel angelehnt, und besonders die Jungen mit ihren blaugrau gesprenkelten Federn tarnten sich bis zur Unsichtbarkeit, nur die Sonne könne sie hervorlocken; es sei voreilig gewesen, das Mittagessen um Punkt dreizehn Uhr bestellt zu haben; ob die Herren von der Regierung sich vorstellen könnten, wieviel Geduld die Belauschung der Tiere gekostet habe, bis endlich die Aufnahmen gemacht werden konnten; sollten die Schwäne nicht geruhen, sich jetzt zu präsentieren, würde wohl als bewiesen gelten, daß die Fotos nur von der Oper der Landeshauptstadt entliehene und auf künstlichen Schnee gesetzte Schwanenattrappen zeigten, die sonst Lohengrins Schiff über die Bühne zögen oder als Schicksalsjungfrauen Schwanengestalt angenommen hätten, um den Menschen wahrzusagen, wie das Los ihnen fallen werde; und das wäre dann der Beweis für die immerwährende Gültigkeit der Legende von der Verwandlungsfähigkeit der Schwäne; diese hier seien solcher fabelhaften Fähigkeiten allerdings verlustig gegangen, sie könnten sich in nichts verwandeln, falls man ihnen ihre Lebensbedingungen entzöge, und was hülfe es ihnen, wenn sie den ganzen Bodensee gewönnen, ihre mitgeborene Erfahrung hieße sie dort nicht niedergehen, sondern eben nur hier an ihrem Donauufer, wo sie schon im nächsten Jahr nicht mehr werden bleiben können wegen der Bagger und Planierraupen und Erdtransporter und Walzen; ihr letzter Flug müsse nicht ausgedacht werden,

mit solchen und ähnlichen Reden hielt der Petent sich dicht neben oder hinter dem Bürgermeister des Zwiebelturmdorfes; falls nämlich allen Petitionen und Aberpetitionen nicht abgeholfen werden würde – womit zu rechnen war -, wollte der Petent versuchen, ein Äckerchen im Übernachtungsgebiet der Schwäne käuflich zu erwerben; als Grundstückseigentümer sähe er sich dann in die Lage versetzt, gegen den Bau der planfestgestellten Straße Einspruch zu erheben, weil es sich um gar keine Bundes-, sondern um eine Landstraße handelte; als Naturschützer befand er sich in ungleich ohnmächtigerer Lage, denn Schwäne sind nun einmal keine Personen, deren Rechte man einklagen könnte,

man kam nur langsam voran in den stillen, atemgebenden Wäldern, die der frisch gefallene Schnee schier unbetretbar erscheinen ließ, das Weiße, Leichte, Bauschige drückte noch nichts nieder, ließ selbst den Grashalm in einer gefrorenen Pfütze geschmückter aussehen, als etwas so Unscheinbarem zukommt; gut so, vielleicht würde der von Schneestaub und Nebel durchrieselte Wald dem Petenten zur Seite stehen, vielleicht würde bald auch die Sonne noch mitspielen, zart besetzte Brombeerranken durchleuchten und aus den bereiften Federkronen des Schierlings wer weiß was für Kostbarkeiten machen,

eine kurze Wegstrecke hoffte der Petent, es könnte eine Unschuld des Auges sich wiederherstellen bei den Besichtigern, auf die er so sehr angewiesen sein würde, falls die Schwäne sich zeigen sollten; beim Heraustreten der Gesellschaft aus dem Wald fuhr höchst zweckdienlich und lautstark ein Schwarm Schnatterenten aus schneetrockenem Gebüsch, aber was half’s, wo keiner sich auskannte mit dem
Federvieh,

Singschwan auf dem Bodensee.

ein dem Gelände durch den Schnee noch angepaßterer Weg führte ohne Spur in die weiße Übernachtungsfläche der Schwäne und weiter in Richtung Donau, deren Verlauf eine von Pappeln gestrichelte Nebelbank ahnen ließ; der verengte Himmel und das durch den Dunst gefilterte Licht machten einen Innenraum aus dem Ried, die es in Augenschein zu nehmen hatten, stapften im Gänsemarsch – angeführt vom Bürgermeister – einer in die Fußstapfen des Vordermanns, ihr Atem kam stoßweise sichtbar aus ihren Mündern,

vereinzelte Bäume, Sträucher, Schober steckten im Schneenebel, jeder herausragende Stein hatte einen Schneedeckel oder konnte auch ein sich tarnender Singschwan sein oder seine Attrappe, welcher kommende Generationen in die gläsernen Augen sehen und sie anstelle eines lateinischen Wortes noch Singschwäne nennen können; bei der indirekten Beleuchtung waren die Spuren des Hungers auf der gefrorenen Schneedecke nur im nächsten Gesichtskreis zu erkennen; die Dame in den Pelzstiefeln scherte aus der Reihe und beugte sich alle paar Schritte über eine vergessene Schrift, die sie in ihrer Kindheit einmal hatte entziffern können: den Keil des hoppelnden Hasen, die Blüte des schnürenden Fuchses und ganz leicht eingeritzt das Geläuf vieler Vögel,

das Unternehmen Ried wäre nichts als ein winterlicher Betriebsausflug geblieben, hätte die Sonne nicht binnen weniger Minuten aufgeräumt mit dem Halblicht und allen Verschwommenheiten; diese Herabkunft des Lichtes wäre schon starstechend genug gewesen, um die Inspizienten zum Staunen zu bringen; sie sollten nun aber auch der Schwäne ansichtig werden, denn vier der Schneeverwehungen erwiesen sich als solche; bewegungslos, als hätten sie sich selber etwas angetan mit ihren schwarzen Schnabelspirzen, saßen sie wie sich’s gehört auf den gestrichelten Linien, und die Beugung ihrer Hälse war durch keine Bewegung zu überbieten; starren Auges sahen sie den in breiter Front langsam Näherrückenden entgegen, den Menschentieren, die sich durch barbarische Fertigkeiten ausweisen und immer schuldunfähig zur Tatzeit sind;

vor deren Augen machten die schweren Vögel ein paar torkelnde Schritte, streckten die Hälse, spannten die Flügel weit aus und trieben flatternd die Luft unter sich; ihre Schatten schwebten über den Schnee; den halboffenen Mündern derer nach zu schließen, die den Davonfliegenden nachsahen, muß einer der Schwäne den hohen, langhinhallenden Schrei ausgestoßen haben, der ihm den Namen gegeben hat und dessen er nur in Todesnot mächtig ist; selber Klage erhebend, flogen die Schwäne ruhigen Flügelschlags hinter dem Zwiebelturm davon, als schwane ihnen, daß der siebente Landtag des Deutschen Bundeslandes, in dessen Machtbereich ihre Überlebensflächen lagen, auf seiner vierundfünfzigsten Sitzung beschließen werde, daß besagter Petition der Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz nicht abgeholfen werden könne,

weil die planerischen Zielvorstellungen des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt im Benehmen mit dem Fachministerium für Straßenbau dem todsicher zu erwartenden Kraftfahrzeugbedarf besser entgegenkomme, weil die Gradiente der festgestellten Straße den Geländeformen harmonischer folgen und weniger zusammengehörige landwirtschaftliche Nutzflächen durchschneiden werde als die Wunschstraße der Petenten, und schließlich weil das Leistungsvermögen der festgestellten Trasse infolge günstigerer Steigungsverhältnisse um rund fünfzehn Prozent höher sein werde…

Soll nach den Singschwänen auch ausgerottet werden: Der Komoran.

Seit 1984 gibt es keine Singschwäne mehr auf der Riedbaar

Hier in Südbaden werden wir seit sehr langem von Holzköpfen regiert, deren einzige Tradition es ist, auf Kosten der nächste Generation sich ihre Taschen zu füllen. Die Holzköpfe des 7. Landtages sind inzwischen wohl alle tot.
Was haben sie uns hinterlassen als betonierte Erde?
Ein Haufen neuer Holzköpfe!

Aber auch die werden ihr erbeutetes Geld nicht ins Grab mitnehmen können.

Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026

Das Rebhuhn übernimmt ab Januar 2026 das Amt des aktuellen Jahresvogels, dem Hausrotschwanz. Mit 81.855 Stimmen (44,5 Prozent) ergatterte der Hühnervogel den Pokal, dahinter, mit deutlichem Abstand auf Platz zwei: die Amsel mit 49.011 Stimmen (26,6 Prozent). Die beiden nachtaktiven Jägerinnen landeten auf Platz drei und vier: die Waldohreule mit 23.352 Stimmen (12,7 Prozent) und die Schleiereule mit 21.556 Stimmen (11,7 Prozent). Für den Zwergtaucher stimmten lediglich 8.270 Teilnehmende (4,5 Prozent). Die fünf Vögel standen vom 2. September bis 9. Oktober 2025 öffentlich zur Wahl, jeder der Kandidaten brachte seine eigene Forderung zum Naturschutz mit.  

Unten noch ein paar Fotos aus 2022 vom Riedsee, damit jeder sehen kann, welchen Vogel ich gewählt habe. Rebhühner gibt es hier wohl leider keine mehr.

Waldohreule an den Riedseen

Waldohreulen mit drei Ästlingen an unseren Riedseen am 8. Juni 2022 von Thomas Kring

Starke Eschen – ein Nachruf?


Um die Baumart Esche steht es nicht gut. In ganz Europa grassiert das Eschentriebsterben, verursacht von einem aus Fernost eingeschleppten Pilz mit dem so possierlichen Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen. Vielerorts hat man sie schon aufgegeben, zumal längs von Wegen und Straßen, wo Gefahr droht von herab brechenden Ästen, gar von umstürzenden Baumleichen. Für unsere Waldökosysteme, aber auch für die gesamte Kulturlandschaft wäre es nach dem Ulmensterben, das ja ebenfalls durch einen invasiven Pilz ausgelöst worden war, ein weiterer schlimmer Verlust, der weit über den holzwirtschaftlichen Nutzen hinausreicht. Auch wenn der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der Esche in der Öffentlichkeit nie an die Prominenz kapitaler Eichen- und Lindengestalten herangereicht hat. Und das, obwohl sie in der germanischen Mythologie ja schon den Weltenbaum Yggdrasil gestellt hatte, den Schutz- und Schicksalsbaum und Sitz der Götter.

Hofesche am Burgbacherhof (2016)

Der Schutz von Bäumen als Naturdenkmäler war erstmals im anbrechenden 20. Jahrhundert so richtig in Gang gekommen. Was einherging mit der Dokumentation und Veröffentlichung besonders „bemerkungswerter“ Exemplare in „Baumbüchern“. In Preußen und Hessen, in Elsass-Lothringen, im Großherzogtum Baden wie im Königtum Württemberg erschienen sie zumeist reich bebildert, um so auf die oft genug durch die Industrialisierung, auch durch die Intensivierung von Forst- und Landwirtschaft bedrohten Schätze aufmerksam zu machen. Es fällt dabei auf, dass sowohl in Württemberg wie auch in Baden die Baumart Esche deutlich unterrepräsentiert war im Vergleich zu den weitaus spektakuläreren Eichen, Linden und Tannenriesen. Im von Forstassessor Otto Feucht 1911 im Auftrag der Königlich württembergischen Forstdirektion verfassten Schwäbischen Baumbuch*1 wird seltsamerweise unter all den aufgeführten Baumveteranen nur eine einzige Esche erwähnt: Und die stand nicht in freier Natur, sondern im Schlosspark von Friedrichshafen und war eine Sonderform der Baumart: „Ziemlich unerkannt bleibt ein starkes Exemplar unserer heimischen Esche (Umfang 2,33 m)…, dessen Blätter durchweg nicht gefiedert, sondern einfach-eiförmig gesägt sind.“ Diese Spielart der Esche (var. monophyllos) finde sich in Württemberg wild vor allem im Stromberggebiet. Mehr wusste er über die Eschen, über die Gewöhnliche mit gefiederten Blättern wie über die Einblättrige, nicht zu berichten.

Ludwig Klein, Großherzoglich badischer Geheimer Hofrat und ord. Botanikprofessor, Leiter des Botanischen Instituts wie des Botanischen Gartens der TH Karlsruhe, veröffentlichte 1908 Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden*2, in dem er der Esche ein ganzes Kapitel widmete. Leider gelang ihm nur ein einziges Foto der Baumart; es zeigt unmittelbar neben einem Haus in Rötenbach ein noch recht schmächtiges Exemplar mit ausgedehnten Überwallungen einer früheren Brandbeschädigung. Lebhaft beklagt der Autor, dass Eschen in den Auewaldungen zwar eine Baumhöhe von bis 45 m erreichen können, doch seien außergewöhnliche Bäume hier leider nicht mehr zu finden, „da die Esche wie andere wertvolle Nutzhölzer längst hiebsreif zu sein pflegt, ehe sie außergewöhnliche Stärke erreicht hat.“ 

Umso erfolgreicher ist er im höheren Schwarzwald auf seiner Suche nach im Freistand erwachsenen Eschen, zumeist Hofeschen. „Die schönste Esche, die mir im Schwarzwalde (erst im Spätsommer 1907) bekannt wurde, ein wahres Prachtexemplar des freiständigen Baumes, steht, 25 m hoch (!), im Grasgarten des Hierahofes, etwa 20 Minuten südöstlich von Saig, in einer Meereshöhe von 945 m. Der Stamm von 4,88 m Umfang teilt sich schon in 3 m Höhe in drei mächtige stammähnliche Äste, die sich ihrerseits in insgesamt 15 starke und sehr lange Äste aufteilen.“ Das Alter des Baums schätzte Klein auf mindestens 200 – 250 Jahre. Derart starke Gebirgseschen seien im Schwarzwald sonst nirgends mehr zu finden. Klar, dass auch der Botanikprofessor in seinem Eschenkapitel deren „einfachblättrige Spielart“ erwähnt, die er – leider ebenfalls ohne fotografischen Beleg – im äußersten Norden des badischen Stiefels verortet. Dass sich mit dieser Unterart ein Jahrhundert später die vage Hoffnung verbinden würde, sie könnte womöglich resistenter sein gegen eine die Baumart europaweit bedrohende Seuche aus Fernost namens Eschentriebsterben, konnte der Botanikprofessor Ludwig Klein freilich noch nicht ahnen.

Esche am Hierahof 1977…
…und 2016

Dass auch ich vor knapp einem halben Jahrhundert auf der Fährte von Ludwig Klein mit großen Erwartungen den Hierahof ansteuern sollte, entsprang einer beruflichen Pflichtübung. Denn von meinem obersten Dienstherrn, dem Stuttgarter Forstminister, hatte ich den Auftrag erhalten, nachzuprüfen und zu dokumentieren, was denn von den „Prachtexemplaren“ der Baumbücher der Jahrhundertwende eigentlich die zwei Weltkriege überlebt hatte und noch auffindbar war. Aus der Recherche entstand 1978 mein Bildtextband Begegnung mit Bäumen*3, und darin beschrieb ich den Hofbaum, belegt durch ein Schwarzweißfoto mitsamt Personenstaffage zur Vermittlung der Stärke des Stammes,  frei weg als „unstreitig schönste und gewaltigste Esche des Landes“. Sie hatte seit Ludwig Kleins Besuch vor abermals siebzig Jahren nochmals kräftig an Umfang zugelegt: „Nun misst sie 6,40 Meter“, hielt ich fest, „was einen Durchmesserzuwachs von 64 Zentimetern ergibt! Die Krone des Baumes ist voll und gesund. Doch während die Altbäuerin ein wenig gedankenverloren an der dem Hof zugewandten Seite des Stammanlaufs mit der Heugabel tief in Hohlräumen und morschem Holz herumstochert, erzählt sie uns von einer denkwürdigen Begebenheit, die für den Baum Folgen haben sollte: Am Vorabend ihrer Hochzeit vor nun schon fünfzig Jahren hat der Nachbarssohn – Gott hab ihn selig – hier eine Sprengladung entzündet. War´s Scherz, war´s Kummer: der Anfang vom Ende des stolzen Baumes war vorgezeichnet.“ 

Doch auch weitere vierzig Jahre später, im Winter 2016, war die Esche noch immer nicht am Ende, wie ich mich vergewisserte, auch wenn im Land bereits das Eschentriebsterben wütete. Offenbar hatte sie die Wunde der Sprengladung besser überwallt, als von der Altbäuerin damals befürchtet. Dennoch hatten sich inzwischen Baumchirurgen der Krone angenommen, hatten sie mit einem Stahlseil verspannt und auch einige vermorschende Äste gekappt. 

Auch im jüngsten, 2022 erschienenen Baumbuch Baumschätze Baden-Württembergs*4 wird sie noch beschrieben und in grün belaubtem Zustand fotografiert. „Die früher einmal riesige Krone“, schränkt der Verfasser, Jürgen Blümle, allerdings ein, „ist heute sehr stark reduziert, denn der alte Hofbaum kämpft ums Überleben.“ Doch er kann jetzt auch auf ein Deutsches Baumarchiv verweisen, dem der Baum, bei einem geschätzten Alter von 300 – 350 Jahren, als älteste Esche Deutschlands gilt.

Zu Lebzeiten Ludwig Kleins befand sich die allerstärkste lebende Esche Badens allerdings nicht im Hochschwarzwald, sondern im F.F. Schlossgarten zu Donaueschingen. Er scheint sie selbst nicht vor Ort aufgesucht und bewundert zu haben, sondern musste dazu als Gewährsmann den Gartenbaudirektor Berndt zitieren: „Der etwa 250 – 300 Jahre alte, knorrige Baum hat 1,25 m über dem Boden einen Stammumfang von rund 5 m. Über dieser Höhe sind stark ausladende Wülste und über diesen beginnt die Teilung in verschiedene baumstarke Äste, zwischen und über denen eine Holzgalerie eingebaut ist.“ 1922, anlässlich der ersten Donaueschinger Musiktage, inspirierte der Baum den Komponisten Richard Strauß dazu, am Serenadenabend auf der beleuchteten Altane Mozarts Kleine Nachtmusik spielen zu lassen; seitdem trug der Baum den Namen „Richard-Strauß-Esche“. Letztmals wurde sie 1949 beschrieben, nun mit einem Stammumfang von 11,79 m. Mit seiner asphaltierten Empore, die über eine gewundene Treppe bestiegen werden konnte, soll der Baum mit seiner altersgrauen furchigen Rinde mehr und mehr einem Elefanten geglichen haben, weshalb er im Volksmund zuletzt auch schlicht „Elefantenbaum“ genannt wurde. Seine sterblichen Überreste sollen in den frühen 1960er Jahren aus Verkehrssicherungsgründen endgültig beseitigt worden sein.

Eine Kleine Nachtmusik auf der Richard-Strauß-Esche im F.F. Schlosspark 1921

Auch an weiteren beeindruckend starken und höchst vitalen Eschen sollte es im Quellenlandkreis (mit seinen zahlreichen Orts- und Bachnamen, in denen an die Baumart erinnert wird wie Escheck, Eschbach, Ober- oder Niedereschach und selbst in Donau-eschingen) aber auch weiterhin nicht fehlen*5, ob im Unterhölzer Wald oder auf dem Wartenberg. Im Spätfrostklima der Baar kommt ihnen zupass, dass sie im Frühjahr erst sehr spät auszutreiben pflegen. Die unstreitig prächtigste Hofesche mit einem Brusthöhenumfang von 6, 30 steht bislang hart an der Hocheinfahrt des Burgbacherhofs am Brogen auf Gemarkung Buchenberg. Wie alle Hofeschen dürfte auch sie einst „geschneitelt“, das Eschenlaub vor allem in Notzeiten als Viehfutter verwendet worden sein – eine uralte Nutzungsform, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.

Doch seit dem 3. November 2023 scheint auch ihr Schicksal besiegelt zu sein: der Hof ist einem Brand zum Opfer gefallen. Weit über die Hälfte der gewaltigen Eschenkrone ist dabei so massiv beschädigt worden, dass ein neuerliches Austreiben kaum mehr vorstellbar ist – selbst bei dieser für ihre Überlebensfähigkeit durch immer neue Stockausschläge und Überwallungen, auch durch ihre tiefe Verwurzelung so unverwüstlichen Baumart. Oder sollte etwa Ludwig Kleins Beispiel von jener Esche aus Rötenbach, die ihre Brandverletzungen einfach überwallt hatte, am Ende doch noch einen Hoffnungsfunken weiterglimmen lassen? Die Brandruine auf dem Brogen mit der versengten Esche neben der Hofeinfahrt – ein Fanal auch für ihr Schicksal in ganz Europa?

Wird die Hofesche den Brand überleben?
Burgbacherhof am 4. 11. 2023
Esche am 27. 10. 2024
Esche am 27. 10. 2024
Esche am 11. Juli 2025
und am 11. Juli 2025


Am Ende ist wohl doch kein Nachruf fällig: Der Burgbacherhof ist wiedererstanden und seine Esche scheint überlebt zu haben. Oder wird sie das Eschentriebsterben doch noch einholen?


 *1Schwäbisches Baumbuch. Hsg. Kgl. Württ. Forstdirektion. Verl. von Strecker & Schröder, Stuttgart 1011.
*2 Klein, L.: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden. Heidelberg 1908.
*3 Hockenjos, W.: Begegnung mit Bäumen. DRW-Verl. Stuttgart 1978.
*4 Blümle, J.: Baumschätze. Oertel & Spörer Verlags GmbH Reutlingen, 2. aktualisierte Aufl. 2023.
*5 Hockenjos, W.: Die Esche – eine verlorene Baumart? In: Schwarzwald-Baar Jahrbuch 2017 S. 254 ff.

Das Ende der Max-Eiche

Was mag wohl dazu geführt haben, dass eine mehrhundertjährige Eiche mit einem Mal umfällt – ohne nennenswertes Sturmgeschehen und ohne Schneelast? Wo uns die Eiche (Quercus robur) doch als Inbegriff von Robustheit und Standfestigkeit gilt. Nun hat es also auch die Max-Eiche getroffen, wie der Schwarzwälder Bote am 27. September berichtet, die Max Prinz zu Fürstenberg (1896 – 1959) geweihte Starkeiche am Südrand der Königswiese; ihr Wurzelbereich sei „total verfault“ gewesen. Auf die Prominenz dieser Eiche hatte bis vor etlichen Jahren ein am Stamm befestigtes hölzernes Halbrelief mit den Lebensdaten  des Prinzen und mit dem heiligen Maximilian (samt Bischofsstab und Schwert) hingewiesen. Es war freilich nicht entwendet worden (wie fälschlicherweise im Buch Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald erwähnt wird), vielmehr hatte es ein aufmerksamer Waldbesucher am Stammfuß aufgelesen und in den FF-Sammlungen abgeliefert.

Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)
Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)

Eichen wurzeln bekanntlich besonders tief, weshalb die Baumart auch als vergleichsweise widerstandsfähig gegen Trockenheit gilt. Dem Stress der Hitzejahre 2018 bis 2023 scheinen manche jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein, speziell auf den zu Stein verbackenen Tonlehm-Standorten des Braunjuras, weshalb es an der Königswiese nicht nur die Max-Eiche getroffen hat: Auch eine zweite Alteiche, diesmal am Nordrand der Königswiese, war ohne Vorankündigung im Spätjahr 2023 einfach umgekippt; auch ihre Wurzeln waren großteils verfault; nichts in ihrer Krone, kein Dürrast und auch kein Baumschwamm hatte auf eine Schwächung hingedeutet. Vieles erscheint daher noch immer rätselhaft an ihrem plötzlichen Ende. Doch fraglos wäre es ein schlimmer Verlust für die Region, wenn es um die prachtvollen Gestalten des Unterhölzers, aus diesem „Zauberreich wie aus Grimms Märchen mit uralten knorrigen Eichen und Buchen“ (K. Kwasnitschka), im Zuge des Klimawandels bald vollends geschehen wäre. „HL Maximilian“, so las es sich auf der hölzernen Tafel zum Andenken an Max Prinz zu Fürstenberg, „bitt für uns“.

Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese
Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese