diesen Augenschmaus möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Es war am Abend vor Christi Himmelfahrt, als ich in unserem Garten diese „Hängepartie“ fotografieren konnte. Sieht das nicht elegant aus, wie die oberste Fliege sich mit ihren Vorderbeinen am horizontalen Stengel aufhängt hat? Grad so, wie wenn sie gleich einen Salto mortale macht will.
Ich kam bisher noch nicht ganz dahinter, was da eigentlich passiert ist. Meine Vermutung ist, dass das hängende Männchen sich paart und das Weibchen zur Stärkung einen Artgenossen aussaugt. Kurz gesagt, Paarung mit Kannibalismus, wann hat das jemals jemand fotografiert? Im Moment bin ich im Internet der Sache auf den Grund gekommen: Es sind Tanzfliegen. Sie sind an dem langen, herausstehenden Saugrüssel leicht zu erkennen. Schauen Sie auf Bild 2 ins Gesicht der hängenden Tanzfliege. Männliche Tiere bieten ein Brautgeschenk in Form eines erbeuteten Insekts an. Dies diene auch der eigenen Sicherheit, denn es komme auch schon mal zu Kannibalismus.
am Vatertag vormittags war ich unterwegs auf der Sperbelhalde, einem kleinen aber feinen Naturschutzgebiet beim Schächer. Ich bin immer wieder fasziniert, was dort alles zu sehen ist. Unter anderem diesen ruhig da sitzenden großen Falter am unteren Bereich eines Holzpfostens. Es gehört Glück dazu, so etwas nicht zu übersehen. Ich denke, die meisten wären dran vorbeigelaufen. Wissen Sie, was es ist? Es gibt zwei Nachtfalter, die es sein könnten, ein Winden- oder ein Ligusterschwärmer. Aufgrund des dunklen Oberkopfes ist es eindeutig ein Ligusterschwärmer. Er übertagt bewegungslos an dem Pfosten, um in der Dämmerung aktiv zu werden. Mit der Zeit dämmerte es mir, dass ich vor knapp elf Jahren schon einmal eine Begegnung mit ihm hatte. Und zwar nicht mit einem, sondern mit zweien, genauer gesagt mit einem Paar bei der Paarung, siehe Bild 3 und 4. Damals stand sogar ein kleiner Beitrag im Südkurier am 7.Juli 2011. Die Paarung fand an einem Brett eines hölzernen Gartenzaunes statt und dauerte damals über 24 Stunden. Was sagt man auch dazu. Wir kennen das ja schon vom Kiefernschwärmer. Nach der Paarung legt das Weibchen bis zu 200 Eier an den Fresspflanzen ab, die da sind, Liguster, Flieder und Eschen.
Der Ligusterschwärmer ist in Europa weit verbreitet. Die Körperlänge beträgt bis zu 6 cm und seine Flügelspannweite reicht von 8 bis 12 cm. Also ganz schön groß. Zum Vergleich, das Tagpfauenauge erreicht nur 5 bis 5,5 cm Spannweite. Der Ligusterschwärmer fliegt ab Mai bis Mitte des Sommers. Die Flugbewegungen des Ligusterschwärmers erinnern stark an einen Kolibri. In diesem Schwirrflug saugt er dann mit seinem fast körperlangen Rüssel den Blütennektar auf. Daher sind die Falter auch für ihre schnellen Flügelschläge bekannt, mit denen sie ein lautes „brummendes“ oder auch „summendes“ Geräusch verursachen. Man könnte sie leicht mit einer Hornisse oder einem Junikäfer verwechseln.
Also, wenn es in der Dämmerung brummt, auch daran denken, dass ein Ligusterschwärmer unterwegs sein könnte. Der Name rührt übrigens daher, dass die Raupe sich am liebsten von Ligusterblättern ernährt.
Jetzt fiel mir noch etwas ein, am 17. August 2006 konnte ich diese herrliche Ligusterschwärmerraupe fotografieren, knapp 10 cm lang und mit Stachel am Ende. Da war sie kurz vor dem Verpuppen.
am Samstag, den 7. Mai 2022 besuchte uns Bernd Münzer. Seltsamer Weise hatte er ein Tontöpfchen dabei und ich war gespannt, was er mitgebracht hatte. Diesen schönen Falter. Was für einer ist das? Es war relativ schnell klar, dass es ein Kiefernschwärmer ist. Aber, was meinen Sie, ein Weiblein oder ein Männlein? Die Auflösung kommt später.
Erinnern Sie sich noch an die Raupe des Kieferschwärmers? Ich hatte Sie beim Beitrag im Oktober 2021 über Raupen aufgeführt. Kollegin Annegret Schulze hat das Bild geschossen und zur Verfügung gestellt. Bis 8 cm lang kann die Raupe werden, in dem Stadium auf dem Bild war sie kurz vor der Verpuppung. Sie verpuppt sich unter Moos in der Nähe ihrer Futterpflanze und überwintert in der Puppenform oft zwei Winter lang. Der Hammer, oder? Ja, aber nicht außergewöhnlich.
Der Name des Falters kommt von der Raupennahrungspflanze. Bis zu 100 Eier legt das Weibchen auf Nadeln junger Triebe von Kiefern, Fichten und gelegentlich Lärchen. Die jungen Raupen fressen tagsüber sehr träge. Die Paarung erfolgt in einem Baum in der Nähe des Schlupfortes des Weibchens und dauert von Nachts bis zur Dämmerung des nächsten Tages. Gigantisch, aber auch nicht ungewöhnlich bei Faltern. Es sind Nachtfalter, die tagsüber gut getarnt an Kiefernstämmen übertagen. Nachts wird an stark duftenden Pflanzen wie zum Beispiel der Heckenkirsche Nektar gelabt. Von der Größe her beträgt die Flügelspannbreite 7 bis 9,6 cm, also nicht gerade klein. Von Mai bis Juli sind die Falter aktiv.
Interessant ist, dass es spezialisierte Feinde gibt: Schlupfwespen und Raupenfliegen legen Ihre Eier in die Raupen, die dann in ihnen parasitieren und sie töten. Auch ein Pilz, die Puppenkernkeule wächst in den Puppen und tötet sie ebenfalls ab. Der Pilz bildet dann an der Körperoberfläche der Puppen seine keulenförmigen und gelborangen Fruchtkörper aus (Wikipedia).
Zum Schluss die Antwort auf die Frage nach dem Geschlecht des Falters, er ist ein Männlein. Zu erkennen an den gezackten Fühlern, die Weibchen haben glatte.
Vielen Dank an Frau Schulze und Bernd Münzer für die Bereitstellung von Raupe und Falter.
als ich am Dienstag, den 10. Mai mit dem Fahrrad ins Geschäft fuhr, hatte ich ein tolles Erlebnis zwischen Hausen vor Wald und Hüfingen gegenüber dem Fahrradweg. Drei Hasen jagten auf einem Acker hintereinander her. Ich näherte mich vorsichtig, stoppte in passendem Abstand, holte die Telekamera hervor und konnte etliche Bilder schießen. Die zwei besten will ich Ihnen präsentieren. Auf Bild 1 sieht man die drei Hasen mit rasanter Geschwindigkeit in einer Linie hintereinander herjagen. Beim ersten sieht man die deutlich längeren Hinterläufe, weshalb Hasen „hoppeln“. Beim dritten Hasen muss man genau schauen, um die nach vorne gerichteten Hinterläufe zu erkennen. Über kurze Strecken kann der Feldhase sehr schnell sein, bis zu 80 Stundenkilometer. Gefällt Ihnen diese Dynamik in der Aufnahme?
Ehrlich gesagt, auf Bild 2 hatte ich gehofft und es ging in Erfüllung. Es war das Abschlussbild. Fantastisch, finden Sie nicht auch? Zwei Hasen, die sich aufrichten und mit den Vorderläufen boxen, der dritte scheinbar unbeteiligt dem Geschehen zu schaut. Klarer Fall, zwei Hasenmänner kämpfen um die Gunst des Hasendame. Jetzt aufgepasst, das könnte so sein. Es könnte aber auch sein, dass die Hasendame mit einem der Herren kämpft, das gäbe es bei Hasen auch. Potz Blitz, wer hätte das gedacht? Mit diesem Verhalten soll die Berührungssperre der sonst einzeln lebenden Hasen überwunden werden. Die Wahl des Partners liegt bei der Häsin. Innerhalb kürzester Zeit paart sie sich mehrmals, so dass selbst innerhalb eines Wurfs Mehrfach-Vaterschaften vorkommen können. Sehr außergewöhnlich ist, dass die Häsin während der Tragezeit erneut trächtig werden kann und sich Embryonen unterschiedlicher Entwicklungsstadien in ihrer Gebärmutter befinden. In der Wissenschaft nennt man das Superfötation. Feldhasen brauchen nichts zu trinken, weil der Wasserbedarf durch die Nahrungsaufnahme gedeckt wird. Bei uns Menschen unvorstellbar. Außerdem bildet sich im Blinddarm des Feldhasen ein vitaminreicher Nahrungsbrei. Nach der Ausscheidung nimmt er diesen speziellen Kot wieder auf und deckt so seinen Vitamin B und K -Bedarf (Caecotrophie). Ein weiterer Feldhasenhammer.
Feldhasen soll es in Deutschland 3 Millionen geben, es waren schon weniger. Trotzdem gehören sie in die dritte von vier Stufen der Gefährdung.
Ich habe mich riesig gefreut, dass ich – wie so oft – Glück hatte mit dieser Hasenbegegnung.
Da verabreden sich zwei Brüder, Mediziner der eine, Forstmann der andere, beide längst im verdienten Ruhestand, zur alljährlichen „Altherrentour“, wie sie (anfangs noch mit dem Alter kokettierend) diese Unternehmung zu bezeichnen sich angewöhnt haben. Und die Spielregel will es seit Jahrzehnten so, dass dabei im Wechsel jeweils einer den andern mit einem noch unbekannten Wanderziel zu überraschen hat. Inzwischen sind sie beide zu ergrauten „älteren Herren“ geworden, und die Touren, die einst noch vorwiegend ins Alpine geführt hatten, sind zunehmend moderater und seniorengemäßer geworden. Diesmal war der Verfasser wieder dran mit der Auswahl des Ziels: Weshalb sollte er dem Bruder nicht auch mal die Schwäbische Alb zumuten, die für den Freiburger bislang weithin terra incognita geblieben war? Als Schüler hatten die Beiden zwar gemeinsam auch mal den Albtrauf abgewandert, doch seither hatten schwäbische Ziele bei den Badenern ihre Zugkraft stark eingebüßt; dafür pflegen sie sich scherzhaft noch heute über „die typischen Albwanderer mit ihren Bundhosen und rot karierten Hemden“ auszutauschen. Als ob derlei Wanderkluft nicht auch auf der Alb längst aus der Mode gekommen wäre.
Als Highlight der Tour war diesmal das Heidentor bei Egesheim ausgesucht worden, die frühkeltische Kultstätte zuoberst auf dem dicht bewaldeten Kamm des Bergrückens Oberburg: ein Ziel, das sich, wie sich zeigen sollte, wochentags (dem Privileg der Ruheständler) trotz Wikipedia-Eintrag und einer Fülle von Hinweisen und Abbildungen im weltweiten Netz gottlob noch immer ganz ohne Mitwandererscharen, ohne Lärm und Mountainbiker aufsuchen lässt. Raubgräber hatten, so liest es sich im Netz, im Steilhang unter dem spektakulären Felsbogen reichlich Gegenstände aus der Hallstatt- und der Latène-Zeit (ab 600 v. Chr.) gefunden, die auf einen weiblichen Fruchtbarkeitskult hindeuten, Funde wie Fibelbruchstücke, Ringe und Glasperlen, aber auch Scherben von Geschirr – für Archäologen Zeugnisse von Opfergaben. Möglicherweise seien auch phallische Nadelfelsen miteinbezogen gewesen, so raunt es im Netz.
Heidentor
Der Waldweg von Egesheim herauf erweist sich dank maßvoller Steigungsgrade als durchaus seniorengerechter Einstieg in die Tour, ja sogar als geteertes Sträßchen, erst die allerletzten Höhenmeter sind auf steilem Fußpfad zu meistern. Dass den Buchen beidseits mit zunehmender Meereshöhe vermehrt Fichten, aber auch Weißtannen beigemischt sind, erinnert den Forstmann i. R. daran, dass der Heuberg ja noch der Südwestalb zugerechnet wird und damit als natürliches Tannen-Verbreitungsgebiet zu gelten hat. Wie mag sich der Wald wohl zur Keltenzeit zusammengesetzt haben? Die lebten doch wohl schon in der Älteren Nachwärme- oder Buchenzeit, die die Späte Wärmezeit (oder Tannenzeit) abgelöst hatte, als Tannen und Buchen hierzulande die Eichenmischwaldzeit beendet hatten – soviel Vegetationsgeschichte war bei ihm hängengeblieben. Irgendwann muss der Wald dann auch mal gerodet worden sein, wie Andeutungen von Ackerrandstufen am Hang vermuten lassen. Nicht weit unterhalb des Wegs fällt eine recht üppig ausgefallene Wildfütterung auf, die ihn auf einen ebenso üppigen Rehwildbestand schließen lässt. Sollte der etwa für das Fehlen jeglicher Tannenjugend unterm Buchenschirm verantwortlich sein?
Nach ausgiebiger Bewunderung des Heidentors führt die Tour (nach der Wanderkarte des Naturparks Obere Donau) weiter über das auf dem Heubergplateau angesiedelte Dorf Bubsheim und weiter zur Burgruine Granegg, auch sie von Wikipedia wärmstens empfohlen, ehe es dann wieder hinab nach Egesheim gehen soll, dem Ausgangs- und Endpunkt der Runde. Vorerst zieht sich das Sträßchen jedoch leicht ansteigend durch den zunehmend von Fichten dominierten Wald, aus dem der Wind Schwaden von gelbem Blütenstaub davonträgt. Am Waldrand angekommen, weitet sich plötzlich der Blick auf die helle Wiesenlandschaft des Heubergs, dazu aber auch auf die Landstraße mit ihrem lebhaften Lkw-Verkehr. Ins Blickfeld gerät nun auch die Wand einer grauen Produktionshalle, die sich beim Näherkommen als Ortsrand von Bubsheim erweist. Bis zum alten Dorfkern ist längeres Asphalttreten angesagt, und bei soviel gerade stattfindender Sanierung verliert sich schließlich sogar die sonst so narrensichere Wegmarkierung des Schwäbischen Albvereins. Immerhin hält ein Pkw und sein einheimischer Fahrer erbarmt sich der Wanderer, indem er sie durch ein weiteres Gewerbegebiet schickt. Sieht also so mittlerweile das Ergebnis schwäbischen Unternehmertums aus, der sprichwörtlichen Schaffigkeit in The Länd und der daraus resultierenden Prosperität – mit ihrem rasant gewachsenen Gürtel aus Gewerbegebieten mitsamt all den Eigenheimen, auch den geschleckten Villen fürs mittlere bis gehobene Management längs der frisch instandgesetzten Dorfstraßen?
Endlich wieder im Wald (und erneut auf geteertem Waldweg), gerät auch die Weißtanne wieder ins Blickfeld der Wanderer: Diesmal im Wildschutzzaun auf zuvor vom Altholz geräumter Parzelle gepflanzte Fichten und Tannen in akkuraten Reihen. Dann sind es auch schlampig hinterlassene Drahtreste von längst ausgedienten oder missratenen Zäunungen. Den Waldparkplatz am Fuß der Burgruine nutzt an diesem Werktag immerhin ein einzelner Pkw, und das zugehörige Pärchen kommt soeben vom Burgbesuch herbeigehüpft – nach Spurenlage scheint es am Wochenende hier sehr viel lebhafter zuzugehen. Die im 11. Jahrhundert hart überm Abgrund auf einem wildzerklüfteten Felszapfen, dem Michelstein, kühn erbaute Burg ist anno 1356 („angeblich“, wie bei Wikipedia und auf analoger Hinweistafel vermerkt ist) teilweise von einem Erdbeben, 21 Jahre später samt dem Dorf Bubsheim von der freien Reichsstadt Rottweil vollends zerstört worden. Ein Vorgang, den man sich wohl nicht anders vorzustellen hat wie es einem inzwischen wieder die allabendlichen Schreckensbilder aus der Ukraine suggerieren. Für die verdienstvolle Sicherung des verbliebenen übersteilen Zahns des Gemäuerrestes ist seit 1931 ein neuer Eigentümer zuständig: der Schwäbische Albverein.
Ruine Michelstein, Burgturm mit Hinweistafel Foto: Peter Kreuzmann, Wikimedia
Arg gelitten haben im Verlauf der jüngsten Trocken- und Hitzejahre offenbar ein paar spindelige Kiefern oben auf dem gemauerten Zahn. Beim Vespern schweift der Blick aber auch über die grün-vitalen Wipfel einiger Weißtannen; lediglich die jüngsten Höhentriebe erscheinen umständehalber stark verkürzt. Wie sie auf dem trockenen Felssporn überhaupt jemals Fuß fassen konnten und sich einstweilen auch der Krise der jüngsten Wärmezeit widersetzen konnten, bleibt schleierhaft. Der Blick aus der Vogelperspektive auf Egesheim hinunter wird dann freilich auch hier eingefangen von ausgedehnten grauen Dachflächen neuzeitlicher Produktionshallen am Rand des alten Dorfkerns.
Beim Abstieg hart der Hangkante entlang sind immerhin auch ein paar Jungtannen zu besichtigen, auch nochmals die Überreste eines Wildschutzzaunes. Dann führt der Fußpfad steil bergab, ehe er in einen nicht minder steilen, von Holzerntemaßnahmen ramponierten Maschinenweg mündet. Am Unterhang sind Baumaschinen dabei, dem Wald eine stattliche Stellfläche abzuringen, deren Zweck sich auch mit forstlich geschultem Auge nicht erschließen lässt. Und der Zugang ins Ortszentrum, zurück zum an der Kirche geparkten Fahrzeug, erfordert erneut Orientierungskünste, denn die Straßen werden soeben frisch hergerichtet.
Die Heimfahrt führt wieder über den Heuberg hinweg nach Spaichingen hinunter. Zum Abschluss ihrer Alb-Tour kehren die Beiden noch zu Kaffe und Kuchen im Gasthaus auf dem Hohenkarpfen ein, dem markanten, einst burggekrönten Weißjura-Zeugenberg. Und auch die Gemäldeausstellung der Kunststiftung im einstigen Hofgut lassen sie sich nicht entgehen. Aus der Wiese gleich nebenan grüßt die beiden Badener bereits – Land Art in The Länd – ein Trachtenmaidli mit Bollenhut in Großformat.
was sagen Sie zu dem schönen Kerle? Jetzt könnte jemand fragen, wieso ich von einem Kerle spreche und nicht von einer Dame, oder? Überlegen Sie einmal kurz, vielleicht kommen Sie drauf, die Lösung folgt bald. Die Käfer entwickeln sich in relativ schwach dimensioniertem, bereits abgestorbenem Nadelholz und sind weit verbreitet. Sie besiedeln häufig die Kronenbereiche der Bäume, so dass sie am ehesten in Häusern gefunden werden, wo überwinternde Käfer aus eingetragenem Brennholz schlüpfen. Was denken Sie, wo ich ihn gefunden habe? Im Holzraum, in dem ich am 29. April wegen der Aprilkälte Holz für den Kachelofen herrichtete, sah ich ihn mit meinen Adleraugen, denn er ist nur etwas größer als ein Zentimeter. Und ich war natürlich erstaunt.
Es ist ein Weißlinierter Kurzdeckenbock (Molorchus minor). Er ist anhand seiner verkürzten Flügeldecken mit den zwei weißen Linien, den verdickten Schenkeln und seiner langen, dünnen Fühler gut zu bestimmen. Die Flügel enden vor den Hinterbeinen, voll krass. Und nun wird die Frage nach dem Geschlecht beantwortet: Die Fühler des Männchens erreichen fast die doppelte Körperlänge. Die des Weichens sind deutlich kürzer. Nicht schlecht der Kerle, der Weißlinierte Kurzdeckenbock, finden Sie das auch?
Friehlingsgfühl mit gruusigem Uusgang En uuglaubliche Storiax usem Wälderwald
Daß es lammfrommi Rösser giht die König, Kaiser, Äbt, Bischöff und Päpst als Zelter dorch ihre grosse Reiche im Abendland geduldig und güetig trait hond , des hommer alle scho glese und in gwaltige Hischtoriefilm gsehne. Und dass beim Weingartner Bluetritt 3000 Roß s` Allerheiligscht und de Wettersege dorch die schee Basilika- Stadt und die Flure rund um des volksfromm Oberschwäbisch Ort traget, des hät mer auch scho mitgriegt. Am Eulogi- Ritt z` Lenzkirch word au im treueschte und hilfreichschte Freund vu iis Menschekinder ghuldigt. Und sogar am Roßfescht z` St. Märge wered all drei Johr a de Schwarzwälder Roß- Olympiade d` strohblonde Schwarzwälder Füchs gsegnet und globt als lammfromme, schaffigi Arbetstier in Feld, Wald und Flur, im Garte des Herrn. Mol ehrlich, hond ihr schomol ebbis vunere Hunde- Goesse oder Schoofprozession ghert ?
Pferdestatue Grosses Ross in St. Märgen. Werk des Bildhauers Franz Gutmann Foto: Frank C. Müller, Baden-Baden
Ufem Helewald im Schwärzebach, im riiche Helewander Buur, isch vor so 200 Johr mol so en blonde Schwarzwälder Fuchs, natierli wars s` Bescht und Schönscht Roß woner je kha hät, uffs mol vertloffe. Ame Sunntig wo d ` Liit und d` Roß Ruhe ghet hond vum Wochetagwerk und verschnuufet hond, sind die müede Gäul uf de Waid gstande und hond gmietlich graset. Und uff oemol isch de Bruu, de Hengscht, uffs mol verschwunde. Wie vum Erdbode verschluckt.
Schwarzwälder Fuchs. Foto: Wikimedia
S’Helewand isch im Hochdaal westlich vu Iisebach wemer im Sunnerank z` Iisebach gege d Hohebbni abbiegt. Es isch en scheene, mächtige Hof uff ere frei, grosse Hofflächi. Fascht scho am Waldrand gege d` Magrutt und Schwärzebach zue und me hät en einmalig scheene Blick übers Wäldermeer vum Oberholz, d` Baarmulde und gege die Schwäbisch Alb. Sogar d` Hohezollerburg kha mer ame klare Tag sehne.
Helewander Hof / Gotthard Hofmaier
Noch eme guete Sunntig- Mittagesse mit Nudlesuppe, Siedfleisch mit Staibeer und guete Salzherdepfel , de Buur hät uf de Kuuscht no e erholsams Schläfli ghalte , hät`s de groß Bue, de Kajethan, uff s` mol gmerkt. Die ganz Familie mit Kind und Kegel isch uusgschwärmt und uusgruckt zum sell prächtig Roß sueche. Sie sind alli Weag abgloffe wo sich des Roß mit sim uusprägte Sinn guet uskennt hät. S` Tal nab gege de Sunnerank, gege de Hohebnibuur, gege Schwärzebach, gege d` Magrutt, gege die Ober – und Unter Schoole. Nähnets hät mer ebbis vu dem Roß gsähne oder au ebbis gschmeckt. Nit emol e Paar frische, dampfendi Roßbolle hät mer gfunde. Wie wenns sech`s i Luft ufglöst het. Bei allne Nochberhöf hät mer nochgfroget und gucket. Des Roß war wie vum Erdbodde verschluckt. Jetzt het mer mol en Indianer zum Fährte sueche guet bruuche kinne. Sogar noch de rossige, hübsche Wälderfüchs- Maidli, die i de nähere Umgebung au uf de Waide graset hond, hät mer guckt, ob der stark Hengst nit uff Brautschau war und vu de Friehlingsgfühl überwältigt wore isch. Nit emol dert war der scharf glade Kaib aaztreffe. S` isch ene nint meh iigfalle. De Buur hät gfluecht. Sakramentiert und gfuuschtet. Immerhin war des Roß so wertvoll wie hit zutag so en Fend- Bulldog- Bolle mit 240 PS.
Vierspänner mit Schwarzwälder Fuchs Foto: Wikimedia
Der Sunntig isch nint meh gsii, der war verkaibet und verdriesslich. D` Knecht , d` Mägt und d` Kinder hond scho gschmeckt und gwisst, dass die näscht Woche nit guet Kirsche Esse sie word mit em Hellewander Buur, mit em stolze Holzkönig vum Schwärzebach. D` Kinder honds no am beschte khaa. Sie sind frieh us de Feddere und noch eme Kriezli us em Wihwasserkesseli vu de guetige Motter sind sie de ganz Tag in de Schwärzebacher Schuel am Ahorn- Wirtshiesli gsii. So hond sie Laune vum Vadder nit so mitkriegt und liede messe. Nu am Obet bim Melke, wo i dere Woche aber au gar nint reacht war, hond sie`s au eweng abgriegt. I de Schuel, i de Wirtshieser, bi de Andachte und bim z` Liicht gau rundum, am Wirtstisch im „Ahorn“, im „Schneckehof“, im „Schwarze Krietz“, im „Bäre“, im „Obere Wirtshuus“ in de Oorne isch die Kummedi natierli meh oder weniger, eher meh wie weniger, schadefroh verkartet und uffbloose wore. Natierli het mers Roß im Helewander zruckgähe wenn mers gfunde het. Am Brandzoache het mer des schee Roß kennt und genau gwisst wem` s ghert. Soviel Aastand, Hilfsbereitschaft und Gmeinsinn isch ufem Wald scho immer ummenand gsi, wenns emol druff aa kumme isch. Wemer au sunscht eweng giffizig und neidisch uf enand gucket hät.
Gasthaus Ahorn etwa 1950
Neid, Habgier und Missgunscht hond aber manchmol au Drama durch Spiele, Suufe, Wiebere und au Bschiesse beim Holz- und Viehhandel aazettlet. De Grossvätterlestriit war allgegewärtig. S` war e uuliedigi, e verdriesslichi Woche ufem Helewand. D ́ Bierin, D` Grosseltere und de Knecht hond alli Händ voll z` dond khet, sie hond alli Zueversicht und Frohmuet uustrahle messe, dass de eigentlich immer grad hängend Huussege nit ganz so krumm und schäps im Huuswese ghanget isch.
Am Samschtigobet noch dere arbetsriiche und uuluschtige, überzwerissne Woche isch d` Grossmotter zum de gheiligt Sunntig iistimme zu de Hofkapelle an Waldroa uffigraitet. Die stoht obe im Weste am Kamm gege de Salehof im Obet- Schatte vu de mächtige Trauf- Tanne. An dem uralte Handelsweg, wo scho d` Kelte vu Tarodunum geg Laubehuuse gwacklet sind, isch noch de Christianisierung vum Wäderwaald des Käppeli baut wore. Später denno wars au de Weag und de Saumpfad uf de Höhe vu fascht immer 1000 m Höhe ver d` Mönch, ver d` Pilger, ver d` Husierer und Handwerksbursche uf de Stöhr. Und später au ver d` Glasträger, d` Uhreträger, d` Strohschuheflechter, d` Bürschtebinder, ver Holz- und Spanschachtlemacher mit ihrne riesige Tragkrätze. Aber au ver d` Hambbis, d` Brigante und zu fascht allne Ziite au leider en Heer- Weag ver die verkummene Soldate mit ehrene liederlichne Maketenderinne. Verbunde hät der schmal Saumweag vor allem d` Talvogtei ( Kirchzarte) über St. Peter, St. Märge, s` Widiwanderegg, de Hohberg, de Brend, Mischtelbrunn mit em Vorderösterreichisch Briilinge, mit de alte Römersiedlung Hifinge und wiiter nuus „ins Schwobe“, wie d Wälder saget.
In dem Käppeli hond die fromme Wandersliit und Saumtierkolonne e kurze Andacht verrichtet und e Stossgebet ghalte fer e guets Glinge, wenn sie draa vorbeigwacklet sind.
S` Grossi hät en frische Feldbluemestruuß abzupft und zämetgwunde, den sie i die Tonvase und Kiebeli am kleine Altärli vu de Kapelle hät innischoppe und schee ännitrapiere hät welle. De aalt Struuß vum letschte Samschtig war bestimmt verbliet und verdooret. Im Schoopesack hät sie de Rosekranz, e Kerzli, Zündhölzli und e kleis Betbuech gschobbet ghet. Zum Heilige Antonius hät sie bete welle. Desell hilft immer wemmer ebbis verlore, verleit oder ebbis verschobbet hät und nimme findet. Die Gebetssprich und Fürbitte zum Wiederfinde vu dem starke und scheene Roß hät sie sich scho die ganz Woch bi de Arbet i de Kuchi und i ihrem liebevoll pflegte Hofgärtli z` reacht gleit und scho eweng uuswendig glehrt.
Bim Uffibaischte an d` Kapelle hät sie sich scho gwunderet dass d` Türe vum Käpelli zu war. Sunscht isch sie immer innizues uffgstande, dass die frisch und trocke Friehlings- Luft inni kunnt und sie nit so vermauchet und vermodderet schmeckt. Schad, do words baigott wieder eweng miechtle und muffle, hät sie denk. Wo sie deno die garrig Türe uffmacht und scho wie gwähnlich mit de Hand as Wihwasserkesseli lange will, waihet ihre en uufromme Guu entgege, der ihre d` Luft fascht abgstellt hät. Vu wege miechtele. S` war uf konn Fall die restlich Weihrauchwolke vu de letzte Andacht und de Nebel vu de Opferkerze, wo ihre entgege gwaihet isch. Nei, Jessesmaraie: En Guu vu Mischt, aalte Fürz und Angstschweiss stinkt ihre vergege. Die überblendete Auge vum helle Sunnelicht gwehnet sich nu langsam a die Duschterniss vu de Kapelle Wa sie denno sieht loht sie wegem Gstank und em Aablick fascht i Ohnmacht kaie. En healle , spitze, verzwieflete Schroa usem sunscht wälderisch eher verschlossen Muul lot sie uffjoddle: „ Heilige Muetter Gottes und alli ihr Heilige, Jesses Gott“ stacklet sie i oe Fiddle inni vergelschteret und verzwieflet.
Helewander Rosskapelle
S` schee Wälderfüchsli, s` bescht, s` sterkscht und s` blondescht Roß vum Helewand und de ganze Gegend liet vor em Altärli. S` Kniebänkli isch zu Kuder und Fetze verdruckt, nu no Spriesseli. De verdtloffe Bruun liet verkrimmt und leblos vor em Altarbild. Nint ischs mit de vorgsehnene fromme Andacht. So schnell die aalte, krumme und wacklige Fiess sie traget, gaitschet sie nab an Helewanderhof und verkündet abghackt, stacklick, im Bläre, mit em Sacktuech vor em Gsiecht, die uubache Uuglücks- Botschaft.
Helewander Rosskapelle Altar
Zertscht monet die Helewander „ Jetzt isch sie übergschnappt “. Schnell sind aber alli uf de Fiess, rennet a d` Kapelle uffi und sehnet mit eigene Auge des gruusig Uuglick: Des verhungeret und verdorschtet Roß liet mit broochen Glotzbeppel vor em Altärli. I sienere Not, noch dem d` Türe innizues hinter ihm für immer am letschte Sunntigmittag zuegschnapt isch, sogar des vu de Oma no vollgfillt Weihwasserkesseli war forztrocke uusgsoffe. Au de Feldstruuss isch rubis und stubis gfresse gsii. S` prächtig Roß isch im Lauf vu de Woche still und liisli, meh oder weniger friedlich, direkt usem Kapelleli in Siebte Rosshimmel uffgfahre.
Daß die Wälderhengstli amel eweng e Lotterlebe führet und nit so ganz bibelfescht sind, des hät mer gwisst und drum hät mer zerscht uf de Nochberwaide bei de Stute gucket. Aber dass des Hengschli am Sunntig sogar Heiligebildli gucket und nit noch de blonde Rössli, des war scho selli neu. So fromm und gottergebe, so keusch, so würdig und seelig, fascht scho heiligmässig isch no nie e Roß im Hochschwarzwald verstorbe. Und sit dem hoasst die Kapelle im Volksmund:
Ich werde es immer für unsinnig halten, technisch sichere Kernkraftwerke, die kein CO2 emittieren, abzuschalten. (Angela Merkel, Physikerin und Bundeskanzlerin kurz vor dem SuperGAU von Fukushima 2011)
Sie lässt uns anscheinend nicht mehr los, die Kontroverse um die Atomkraft, um die böse militärische wie um die (vermeintlich?) gute zivile Nutzung. Beim Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki war ich fünf; da wird es nicht mehr lang gedauert haben, bis ich den Gesprächen der darüber entsetzten Eltern folgen konnte. Denn das japanische Grauen war sicher ein Thema zuhause: War Little Boy nun ein legitimes Mittel zur ultimativen Beendigung des Weltkriegs oder markierte er das schlimmste aller Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung? Auch die Fotos der ausradierten Städte wird man mir schon bald nicht mehr vorenthalten haben, ebenso wie jene von den gewaltigen Blumenkohlpilzen über den zuvor zwangsevakuierten Südseeatollen. Was Kriege anrichten können und was Trümmerlandschaften sind, davon konnte ich mir anfangs der 1950er Jahre auf dem Schulweg zwischen dem Freiburger Lorettoberg (dem Schülerheim) und Freiburg-Herdern, (dem Keplergymnasium) noch selbst ein Bild machen.
Freiburg anno 1945
Da hat es dann schon nicht mehr lang gedauert, bis ich erstmals auch vom „Segen friedlicher Atomkraftnutzung“ erfuhr, gemunkelt wurde darüber sogar in Naturschutzkreisen. Denn in jenen Wirtschaftswunderjahren tobte bereits der „Kampf um die Wutachschlucht“, und der Vater, Hauptnaturschutzwart des Schwarzwaldvereins, war treibende Kraft einer Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Schwarzwald, der ersten Bürgerinitiative der jungen Republik, die sich wehrte gegen die Ableitungspläne der Schluchseewerk AG zum Zweck der Stromgewinnung. Um die 185.000 Unterschriften gegen das Projekt zusammenzubringen, waren unzählige Diavorträge in verrauchten Wirtshaussälen wie in akademischen Hörsälen zu absolvieren, bei denen der Bub in den Ferien zuweilen den Projektor bedienen durfte. Und natürlich durfte er den Vater auch auf seinen Fotoexpeditionen durch die Schlucht begleiten.
Wutach: gerettet in Erwartung nuklearer Versorgungssicherheit?
Wer nach Gründen sucht, weshalb sich Innenminister Karl Filbinger damals vom Widerstand der Naturschützer so sehr beeindrucken ließ, dass die Aufstau- und Ableitungspläne der Wutach 1960 von der Landesregierung schließlich auf Eis gelegt wurden, der kommt an der Einsicht nicht vorbei, dass man in Stuttgart längst auch noch auf eine andere Karte gesetzt hatte: auf die Atomkraft als einer vermeintlich sauberen, schier unerschöpflichen Energiequelle. In Karlsruhe war 1956 auf Initiative des Atomministers Franz Josef Strauß das Kernforschungszentrum gegründet worden als Reaktorbau- und Betriebsgesellschaft mbH. Das Raunen darüber, dass die in den Wasserkraftwerken des Hotzenwalds wie des Hochrheins erzeugte Elektrizität bald ohnehin durch Atomstrom ergänzt werde, ist mir noch in lebhafter Erinnerung. Weshalb sollte da auch noch der letzte ungebändigte Schwarzwälder Wildfluss den Beileitungsplänen der Schluchseewerk AG geopfert werden?
Doch es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, bis es auch im Südbadischen ernst wurde mit der nuklearen Zukunftsmusik: Anfangs der 1970er Jahre wurde bei Breisach ein Kernkraftwerk Süd projektiert, während ein Stück weiter rheinaufwärts, bei Fessenheim, bereits die Franzosen ihr AKW planten. Die Breisacher Planung stieß bei Bauern und Winzern freilich auf heftige Ablehnung, befürchteten sie doch ungünstige klimatische Auswirkungen durch die Abluftfahnen der Nasskühltürme. 1973 verkündete der Rundfunk, dass die Pläne aufgegeben worden seien zugunsten eines Standorts weiter nördlich im Reinauewald bei Wyhl. Doch hier nahm der Kampf gegen ein „Ruhrgebiet am Oberrhein“ nun erst so richtig Fahrt auf: Er sollte zum Geburtsakt der Anti-Atom-Bewegung werden, auch zum Gründungsmythos der Grünen. Nein, unter die Platzbesetzer habe ich mich als junger Forstbeamter nicht getraut, doch die Auseinandersetzungen mit der Polizei und mit der Landespolitik verfolgte ich – zugegebenermaßen – mit klammheimlicher Sympathie. Zumal sich unter den Aktivisten mein Klassenkamerad Walter Moosmann als stimmgewaltiger Barde hervortat. Mit einem der einheimischen „Rädelsführer“ („Nai hemmer gsait!“), dem wackeren Meinrad Schwörer, schaukelte ich später im Kahn durch das Naturschutzgebiet Taubergießen. Und auch dem so heiß umkämpften Bauplatz mit den Überresten des Gemeinschaftszelts der Besetzer statteten wir noch ein Kurzbesuch ab.
Die Keimzelle der Anti-Atomkraft-Bewegung im Wyhler Wald
Im nachfolgenden Jahrzehnt verlagerte sich der Widerstand nach Niedersachsen ins Wendland, wo in den Salzstöcken von Gorleben der nukleare Müll entsorgt werden sollte und wo in der „Freien Republik Wendland“ die Anti-Atomkraft-Bewegung kräftig weiter anschwoll. Noch mehr Sympathie erntete freilich die „Prominentenblockade“ auf der Mutlanger Heide gegen die nuklearen Pershing II Mittelstreckenraketen der US-Armee. Alle protestierten sie gegen die atomare Nachrüstung: die Literatur-Nobelpreisträger Böll und Grass, die Theologen Gollwitzer und Greinacher, der Rhetorikprofessor Walter Jens und natürlich auch die grünen Ikonen Gert Bastian und Petra Kelly. Die Stationierung der Pershing II konnten sie freilich nicht verhindern; dafür sollte das Wettrüsten schließlich zur wirtschaftlichen Überforderung des Ostblocks und – „Gorbi“ sei´s gedankt – zur Wiedervereinigung führen.
Atomkraft als Hoffnungsträger – auch für den Wald?
Als Forstamtsleiter hatte man sich in den 1980er Jahren allerdings auf einem ganz anderen „Kriegsschauplatz“ zu bewähren: Das Waldsterben griff um sich und mit ihm wuchs sprunghaft auch das öffentliche Interesse am Thema Wald wie auch an der Öffentlichkeitsarbeit der Förster. Nicht selten waren hierbei Gratwanderungen zu absolvieren zwischen den dienstlichen Pflichtübungen und der Unterstützung von Aktionen der zunehmend alarmierten Waldfreunde. Beim Rätseln über die Verursacher des Phänomens gelb verfärbter und verlichtender Nadelbaumkronen kristallisierte sich bald der Ferntransport von Schwefeldioxid heraus, vorzugsweise aus den Schloten der Industrie, nebst Stickoxiden auch aus den Auspuffen des Autoverkehrs. Derweil beeilte sich der Donaueschinger Gymnasialprofessor Günter Reichelt, die Waldschäden im Umfeld der mitteleuropäischen Kernkraftwerke zu kartieren. Durch Strahlung ionisiertes und deshalb umso toxischeres SO2 soll es dort, so sein Fazit, zu einer signifikanten Häufung und Verstärkung der Schäden gekommen sein. Was sich bei einer unabhängigen (?) Nachkartierung freilich nicht bestätigen ließ.
Artikel im Schwarzwälder Boten im März 1976
Dennoch soll die Ionisierungshypothese in der Kernkraftbranche für erhebliche Aufregung gesorgt haben. Zugleich verstärkte sie den Zulauf zu den Wald-Demos, nun also auch noch aus dem Lager der Anti-Atomkraft-Bewegung. Eine letzte Großkundgebung fand am 18. Oktober 1986 mit ca. 7.000 Teilnehmern auf dem Thurner bei St. Märgen statt. Veranstalter der autofreien Sternwanderung war die Initiative Schwarzwald, ein Zusammenschluss von 36 Verbänden, Organisationen und Aktionsgruppen. Ihr war es – sehr zur Überraschung der etablierten Parteien – gelungen, Bundespräsident Weizsäcker als Teilnehmer und Redner zu gewinnen. Das Motto der Veranstaltung lautete: ENDLICH HANDELN! FÜR DEN WALD – FÜR DAS LEBEN. Der Präsident, eingeflogen mit dem Hubschrauber, hatte sich sogar Zeit für einen knapp einstündigen Waldspaziergang genommen. Vom Veranstalter war mir die Aufgabe übertragen worden, den hohen Besucher auf die Waldschadenssymptome aufmerksam zu machen. Was mir davon nach 35 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist neben dem drängelnden Schwarm der Presseleute und den Transparente tragenden Demonstranten („Richi – der Wald braucht Dich!“), das war der wache, bisweilen auch leicht skeptische Blick Weizsäckers in die Baumkronen hinauf und die Konzentriertheit, mit welcher er den Ausführungen folgte.
Hoher Waldbesuch. Bild-Zeitung v. 20.8.1986
Dass das Waldsterben bald dennoch aus den Schlagzeilen verschwand und von den Medien allenfalls noch als „sogenanntes Waldsterben“ gehandelt wurde, war vor allem dem schockierendsten Ereignis des Jahres geschuldet: der Havarie des Reaktors in Tschernobyl am 26. April 1986, dessen Fallout bis nach Süddeutschland verdriftet worden war. Das Cäsium134-verstrahlte Wildbret durfte bis auf Weiteres nicht mehr verzehrt werden, was für die Waldverjüngung, speziell für die Wildverbiss-gefährdeten jungen Tannen im heimischen Forstbezirk, nichts Gutes verhieß. In meiner Eigenschaft als Beisitzer des Landesnaturschutzverbandes brachte ich daher im Jagdbeirat der Freiburger oberen Jagdbehörde den Vorschlag ein, die natürlichen Regulatoren von Wildbeständen zu reaktivieren: den Winter (durch Einstellung der Winterfütterung) sowie den natürlichen Fressfeind durch Wiedereinbürgerung des Luchses nach Schweizer und elsässischem Vorbild. Nachdem der Spiegel davon Wind bekommen und darüber berichtet hatte (am 26. 8. 1986 unter der Überschrift Appetit verdorben – Seit Tschernobyl wird kaum noch Wildbret gegessen. Folge: Es wird weniger gejagt, Waldschäden durch Wildverbiss nehmen zu), quollen die Leserbriefspalten der Tageszeitungen über mit empörten Zuschriften aus der Jägerschaft. Weshalb die Idee eine erstaunliche Eigendynamik gewann bis in die Landespolitik hinein. Der Reaktorunfall in der Ukraine war, zu allem Unglück hin, auch noch zum „Urknall“ einer Luchs-Initiative Baden-Württemberg geworden – für mich bis heute das mit Abstand zählebigste Hobby.
Im Chefzimmer des (2005 aufgelösten) staatlichen Villinger Forstamts befand sich ein aus der Stammscheibe eines Tannenriesen gefertigter Tisch. Gefällt worden war der Baum im Zuge von Rodungsmaßnahmen, die für den Bau eines Munitionslagers einer US-amerikanischen Sondereinheit erforderlich geworden waren. Deren Waffen waren nach dem Krieg im Villinger Stadtwald unweit des Klinikums deponiert gewesen, bis sich Stadt, Land und Militärverwaltung 1961 zu einem Flächentausch durchgerungen hatten. Im Staatswalddistrikt Weißwald, ein paar Kilometer südlich der Stadt, entstand ein geheimnisumwittertes Areal mit Bunkern und Mannschaftsräumen, Stacheldraht und scharfen Wachhunden. Vom „möglicherweise düstersten Kapitel der jüngeren Militärgeschichte“ war zuletzt im Sommer 1998 in den Tageszeitungen zu lesen, als in der Villinger Fußgängerzone die Friedensorganisation Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs (IPPNW) Unterschriften sammelte. Eine Petition solle endlich den Nebel lichten, so die Forderung, den Militär- wie Zivilverwaltung über den Weißwald gebreitet hatten. Was war bloß dran an den Gerüchten um dort gelagerte Atomsprengköpfe? Zur Jahrtausendwende, nachdem auch die Franzosen als Nachfolger der Amerikaner abgezogen waren, ist das Lager abgebrochen und renaturiert worden.
Lagerten Atomsprengköpfe unweit der Stadt Villingen-Schwenningen?
In den 1990er Jahren ist der Wald in Mitteleuropa von heftigen Orkanereignissen heimgesucht worden – zuletzt am 26. 12. 1999 durch Orkan „Lothar“ – mit bislang noch nie gemessenen Windgeschwindigkeiten und einem ebensolchen Schadensausmaß. Verdankten sie ihre Entstehung der anthropogen aufgeheizten Wetterküche des Nordatlantiks? Eine Reihe von allzu milden und schneelosen Wintern verstärkte zudem die Gewissheit, dass sich das Klima wandelte, ausgelöst vorwiegend durch den ansteigenden CO2-Ausstoß als Folge der Verbrennung der fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Gas. Aber war das Klima nicht immer schon Schwankungen unterworfen – wie schon „Ötzis“ Wanderung beweist oder die der Walser-Siedler samt Viehherden über den eisfreien Alpenhauptkamm hinweg? Und waren im heimischen Staatswalddistrikt Bubenholz neben dem restaurierten Römerbad nicht einst auch Rebterrassen angelegt worden – Weinbau auf der rauen Baar?
Egal: Die drastische Verminderung der waldschädlichen Immissionen durch Entschwefelungder Großfeuerungsanlagen und Einführung des Katalysators schien ein Kinderspiel gewesen zu sein gemessen an der neuen globalen Herausforderung des Klimawandels und des Klimaschutzes. Wie anders als durch den kompletten Ersatz fossiler Brennstoffe wollte man ihn noch stoppen? Da war es doppelt misslich, dass ausgerechnet die weitgehend CO2-neutrale Kernenergie seit Tschernobyl mehr als nur einen Image-Schaden zu verkraften hatte, der die erste rot-grüne Koalition im Jahr 2000 kurzerhand den Atomausstieg beschließen ließ. Zwar verlängerte die nachfolgende (Merkel-geführte) Bundesregierung wieder die Ausstiegsfrist, doch unterm Eindruck der von einem Tsunami verursachten Kernschmelze von vier Reaktorblöcken des Atomkraftwerks von Fukushima am 11. März 2011 wurde das ultimative Ende der deutschen Atomkraftnutzung auf das Jahr 2022 vorverlegt. Womit die Anti-Atomkraftbewegung ihren Endsieg feiern durfte, sieht man von den eskalierenden Nachhutgefechten um den bestgeeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager ab. Kein anderes Land der Welt hat sich zu einer derart radikalen Abkehr von Kohle, Öl und Atomkraft entschlossen. Umso klammerte man sich – in Ermangelung von Speichermöglichkeiten für die regenerative „Flatterenergie“ – an die Erdgasversorgung aus Sibirien, zu deren Sicherstellung nicht zuletzt die neue Pipeline Nord Stream 2 dienen sollte.
Dank Fridays for Future und nach drei aufeinander folgenden trocken-heißen Sommern mit enormen Dürre- und Borkenkäferschäden war plötzlich auch das Waldsterben wieder in aller Munde. Umso heftiger dreht sich nun alles, national wie international, um die Energiewende, hierzulande insbesondere um Windräder und Solarfelder sowie um deren Kollateralschäden in touristisch attraktiven und ökologisch noch halbwegs intakten Kulturlandschaften, um Bürgerinitiativen und um die Konflikte zwischen Klima-, Arten- und Landschaftsschutz. Weil Baden-Württemberg als windschwächstes Bundesland gilt, müssen die Dimensionen und die Anzahl der benötigten Schwachwindanlagen hier umso monströser ausfallen. So hat die frisch gewählte grün-schwarze Landesregierung im Frühjahr 2021 angekündigt, allein in den Staatswald 1000 Windenergieanlagen stellen zu wollen, höher als der Stuttgarter Fernsehturm! Absehbar wurde damit freilich, dass spätestens bei der nächsten winterlichen „Dunkelflaute“ die grundlastfähigen Energieträger schmerzlich vermisst werden, sollte nicht sogleich mit französischem Atomstrom oder mit Kohlestrom aus den östlichen Nachbarländern ausgeholfen werden. Was außer Gaskraftwerken, die rasch hoch und wieder runter gefahren werden können, bot sich da an zur Überbrückung?
Kein Wunder also, dass insgeheim auch wieder über neuartige Kernreaktoren nachgedacht wurde, mit neuen Sicherheitsstandards und weniger Müll verursachend – dafür aber kaum CO2 emittierend. Während hierzulande in spektakulären Tagesschauszenen ein Kühlturm nach dem andern in sich zusammenbricht, bleibt die Atomkraftnutzung weiterhin ein Tabuthema im öffentlichen Diskurs. Zugleich wächst die Ratlosigkeit, wie angesichts der Widerstände gegen Windparks und Windstromtrassen die deutsche Musterknabenrolle weiterhin durchgehalten werden soll. Derzeit befinden sich, wie sich leicht googeln lässt, weltweit 108 Kernkraftwerke im Bau, mit Abstand die meisten in China und Russland. Neu entflammt sind allerorten auch (zumindest befristete) Laufzeitverlängerungen.
Abluftfahne des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt über den Schwarzwaldhöhen
Schließlich dann der ultimative Schock des 24. Februars 2022: der Überfall Putins auf die Ukraine, nach russischer Sprachregelung als „Militärische Sonderaktion“ verniedlicht und propagiert, einhergehend mit Gräueltaten an der Zivilbevölkerung und mit täglichen TV-Bildern heillos zerbombter Städte – mit Kampfhandlungen auch um die ukrainischen Atomkraftwerke, um Tschernobyl unseligen Angedenkens. Und mit Millionen Kriegsflüchtlingen, mit immer hitzigeren Diskussionen um letztendlich zu beschließende Embargos, um den Stopp von Steinkohle-, Öl- und vor allem Erdgaslieferungen aus Russland.
Während der russische Außenminister mit der Ausweitung seiner „Sonderaktion“ zum Welt-, ja zum Atomkrieg droht, stellt sich unseren Regierenden immer drängender die Frage, ob es angesichts all dieser dramatischen Zuspitzungen tatsächlich der Weisheit letzter Schluss sein kann, zum Jahresende auch die letzten drei noch in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke stillzulegen.
haben Sie eine Vorstellung, was die Spatzen auf unserem Rasen machen? Sie versammelten sich nicht am Futterhaus, sondern in Scharen auf dem Rasen. Ich erzähle und Sie machen sich Gedanken: Am Samstag, den 26. März wurde unser Rasen vertikuliert. Es gab schon einiges Moos zum Wegfahren auf die Kompostanlage. Kurz vor dem großen Regen habe ich dann 4 kg Rasensamen gesät. Muss ich weitererzählen? Die Vögel haben es irgendwie mitbekommen und hatten natürlich Ihre Freude daran. Anita meinte, sie kauft noch eine Runde Rasen, ich jedoch bin der Meinung, dass die Spatzen niemals alles fressen können und noch genügend anwachsen wird. Dr. Otto Kötteritzsch kommentierte zielsicher mit 99 Jahren: „Die haben Dich beobachtet, als Du gesät hast, das nächste Mal musst Du um Mitternacht streuen. Dann passiert nichts“. Andere sagten, wir haben Katzen, da gibt’s so etwas nicht. Tatsache ist, dass ich so etwas noch nie erlebt habe, obwohl ich schon ab und zu Rasen nachgesät habe. Lustig und spannend, was da noch passieren wird.
Gestern Abend schaute ich in den Garten und erblickte einen Vogel im Rasen, bei dem ich kurz überlegen musste, was es ist. Zunächst dachte ich an einen Spatz, aber er war etwas größer und anders gefärbt. Erkennen Sie ihn schon? Ich habe vor drei Jahren über ihn geschrieben, als beim Landratsamtsparkplatz sogar zwei Exemplare sich zeigten. So nebenbei gesagt, ich dachte zunächst es sei ein, höchstens zwei Jahre her, aber auf keinen Fall drei, wie schnell halt die Zeit vergeht. Auf dem ersten Bild zeigt er, wieso er Wendehals heißt, ein geflügeltes Word aus der Wendezeit vor über dreißig Jahren. Und Gottlieb Wendehals ist auch vielen bekannter als der Vogel Wendehals. Der Zugvogel ist bei uns recht selten, umso mehr habe ich mich gefreut, dass er kurz vorbeigeschaut hat. Es gibt nur wenige Brutpaare bei uns, am liebsten hat er Streuobstwiesen mit reichlich Ameisenvorkommen. In der Mundelfinger Jungviehweide habe ich ihn schon über den Sommer gesehen und gehört. Sein Ruf ist eindringlich „gig, gig, gig, gig“, dann ist für mich sonnenklar, der Wendehals ist da. Vielleicht achten Sie in nächster Zeit etwas auf ihn, ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diesen Burschen beobachten könnten. Eins war auch klar, er hat auch im Rasen herumgepickt, aber da weiß ich genau, dass er nach Ameisen gepickt hat und nicht nach Rasensamen.
De Onkel Wilhelm, de Onkel Pater wie d Familie ihm gsait haet, isch im grosse Augsburger Westkrankehuus anne 1973 g‘ storbe. Zwar zimli herzkrank , aber doch nit als Patient. Er war de Krankehuus- Seelsorger. Nuu wer im glaube gstaehlt isch und nerve wie en Hotzewaelder haet , haltet so ebbis uus . Naehnet i de Fuggerstadt isch meh gstorbe und meh vesaehne wore , wie im Westkrankehuus. Vater Abraham hond sie ihm dae und au bei iis de hoem gsait. Wege sim iidrueckliche, biblische uussehne, sim Habitus und sinere direkte, robuschte Gueti.
Die Soutane vu dem maechtige Mannsbild het mer au als Pfadi- Zeltcote naeme kinne und unter dem wallende Schutzschirm hond vill sorge und noet platz ghet . So alttestamentarisch wie er usgsaehne haet , so war au sie innelebe. Respektiifloessend, guetig, schlagfertig, witzig und rustikal volksfromm. Bei me casting fuer en biblische Film ueber de moses und de Vater Abraham het er bestimmt gwunne. Der legendaer, leibhaftig Krankehuus Abraham isch ploezlich doch tot im Bett i sim mit Buecher und Fotosache vollgstopfte Pfarrerzimmerle vum Krankehuus glege. Sie onzige Medizin, die er jede Morge und Obet i me grosse Schluck gnomme haet, war irische, erzkatholische Whiskey. Die Pille und Herztropfe, die ihm die bsorgte Herzdoktore vu de Herzstation im Westkrankehuus gaehe hond , haet er im Glaube a goettliche Vorsehung, a zueversichtliche Medizinglauebige schaechteleeies wieterverschenkt.
Noch de Beerdigung uff em Pallottiner Friedhof z Friedberg haets im barocke Klosterspeisesaal no „a deftige, lustige , altbayrische leich“ gaehe. Des het ihm gfalle. Am dag druff homer sie Pfarrbuddi uusgrummt. De Neffe haet sich fuenf sache us sim Nochlass uussueche derfe:
Sie Glasaug, sie Leica IIIf , sin Ueberseekoffer, sie lederne Doktertasche und : sie „Dual“. Wer jetzt glaubt, des waer en Plattespieler, oder e Tonband, der haet sich ghoerig tauescht.
Anne 1938 hond die Pallottiner obere de forsch jung Pater gi Brasilie zum missioniere gschickt. Er sot dae am Aequator paschtoral de „Weinberg des Herrn bestellen“. De eigentlich Grund aber, dass mer de Pater Wilhelm Hilpert ganz wiet fortgschickt haet , war sie freche schnorre gege die gottlose, herz- und seelelose Nazidubbel. Im frisch ins „Heim ins Reich geholte Salzburg“ , wo er i sichtweite zum Obersalzberg grad no am studiere war, isch es fuer ihn und de Palottiner obere z heiss wore. Hotzewaelder hond scho zu ziite vum Einungsmoeschter Johann Albietz s‘ muul geg s Kloster St. Blasie nit haalte kinne.
Also hond sie ihm, dem bocksboenige hotztebluetige, en grosse Ueberseekoffer kauft und e einfach- Fahrkart vu genua gi rio . I den Koffer haet er nebe de warme Wollsocke vu de motter Sofie, em Sackmesser vum Vater Felix, ere Leica vum lebenslange, guete Doegginger Schulfreund Willi Stark und eme silberne Rosekranz vu de schweschtere und ere Sackuhr vum Vetter Ernst, us em Uhrelade vum Wilhelm rRehle, verpackt. Obedruff, immer griefbar, no die “ Dual“. Uff em schiff ab genua gi Rio/ Brasilie an corco vado, kinnt mer den „Dual“ beim rummuse im Maschineraum mol guet bruuche. Als ehemalige Feinmechaniker haet er Oelgschmack und verschmierti Maschiniste moege. Erscht koennt mer mol im duschtere brasilianische Urwald die „Dual“ bruuche. Dae hond die bestimmt kon Strom und scho gar konni Batterie. Die „Dual“ haet er guet ghuetet , no besser, wie on vu sine Augaepfel. Oes devu haet er naemlich verlore durch d folge vu me Schlangebiss. Des Glasaug han ich beim verdoele vum erb, wie scho gsait, saparalisiere duerfe. Wa aber war die „Dual“ wo er sit em uebersee kai z genua bis is Krankehuus Pfarrzimmer z Augsburg sorfaeltig, wiit ueber 35 Johr, sorgsam behuetet haet?
Es war e Feinmechanik, Hand- Generator- Dynamo Taschelampe us St. George. vu de legendaere Plattespieler Buddi , vu de Dual. Solid baut i me Blechgehauese und fascht uuverwueschtlich. Dass die nit nu sauguete Phono- Maschine baut hond , sogar au mol Motorraeder, sondern au die batterielose Taschelamp, mit 3,8 volt und 0,07 Amp. kah mer im wundersame Phonomuseum am Baereplatz z‘ St. George aagucke.
Dass onni vu dene handbetriebene Generator- Dynamo Taschelampe emol dene Missionskinder im brasilianische Urwald Erleuchtung broocht haet, isch au en verstecklete teil vu de Firmegschicht und en Teil vum Inhalt und vum Geheimnis vum Ueberseekoffer. Wer de gifizig Hotz, de Mensche- und Kinderfreund, de sproochmaechtig Verzehler und Prediger Abraham kennt haet, kha sich leibhaftig vorstelle, wie er dene woudou gwaehnte Heidekinder mit em „Dual“ Laemple d Allmacht Gottes uffblitze lau haet, zoeget haet, erklaert haet und so iidruecklich, nochhaltige Erlauechtung broocht haet. „Es werde licht , und es ward dual licht„. Amend verstoht jetzt jeder , wa des Dual Lichtmaschile vu Santa George fuer de Onkel Wilhelm und jetzt fuer mich bedietet.