S‘ fromm Roß

Friehlingsgfühl mit gruusigem Uusgang
En uuglaubliche Storiax usem Wälderwald

Daß es lammfrommi Rösser giht die König, Kaiser, Äbt, Bischöff und Päpst als Zelter dorch ihre grosse Reiche im Abendland geduldig und güetig trait hond , des hommer alle scho glese und in gwaltige Hischtoriefilm gsehne. Und dass beim Weingartner Bluetritt 3000 Roß s` Allerheiligscht und de Wettersege dorch die schee Basilika- Stadt und die Flure rund um des volksfromm Oberschwäbisch Ort traget, des hät mer auch scho mitgriegt. Am Eulogi- Ritt z` Lenzkirch word au im treueschte und hilfreichschte Freund vu iis Menschekinder ghuldigt. Und sogar am Roßfescht z` St. Märge wered all drei Johr a de Schwarzwälder Roß- Olympiade d` strohblonde Schwarzwälder Füchs gsegnet und globt als lammfromme, schaffigi Arbetstier in Feld, Wald und Flur, im Garte des Herrn. Mol ehrlich, hond ihr schomol ebbis vunere Hunde- Goesse oder Schoofprozession ghert ?

Pferdestatue Grosses Ross in St. Märgen.
Werk des Bildhauers Franz Gutmann
Foto: Frank C. Müller, Baden-Baden

Ufem Helewald im Schwärzebach, im riiche Helewander Buur, isch vor so 200 Johr mol so en blonde Schwarzwälder Fuchs, natierli wars s` Bescht und Schönscht Roß woner je kha hät, uffs mol vertloffe. Ame Sunntig wo d ` Liit und d` Roß Ruhe ghet hond vum Wochetagwerk und verschnuufet hond, sind die müede Gäul uf de Waid gstande und hond gmietlich graset. Und uff oemol isch de Bruu, de Hengscht, uffs mol verschwunde. Wie vum Erdbode verschluckt.

Schwarzwälder Fuchs.
Foto: Wikimedia

S’Helewand isch im Hochdaal westlich vu Iisebach wemer im Sunnerank z` Iisebach gege d Hohebbni abbiegt. Es isch en scheene, mächtige Hof uff ere frei, grosse Hofflächi. Fascht scho am Waldrand gege d` Magrutt und Schwärzebach zue und me hät en einmalig scheene Blick übers Wäldermeer vum Oberholz, d` Baarmulde und gege die Schwäbisch Alb. Sogar d` Hohezollerburg kha mer ame klare Tag sehne.

Helewander Hof / Gotthard Hofmaier

Noch eme guete Sunntig- Mittagesse mit Nudlesuppe, Siedfleisch mit Staibeer und guete Salzherdepfel , de Buur hät uf de Kuuscht no e erholsams Schläfli ghalte , hät`s de groß Bue, de Kajethan, uff s` mol gmerkt. Die ganz Familie mit Kind und Kegel isch uusgschwärmt und uusgruckt zum sell prächtig Roß sueche. Sie sind alli Weag abgloffe wo sich des Roß mit sim uusprägte Sinn guet uskennt hät. S` Tal nab gege de Sunnerank, gege de Hohebnibuur, gege Schwärzebach, gege d` Magrutt, gege die Ober – und Unter Schoole. Nähnets hät mer ebbis vu dem Roß gsähne oder au ebbis gschmeckt. Nit emol e Paar frische, dampfendi Roßbolle hät mer gfunde. Wie wenns sech`s i Luft ufglöst het.
Bei allne Nochberhöf hät mer nochgfroget und gucket. Des Roß war wie vum Erdbodde verschluckt. Jetzt het mer mol en Indianer zum Fährte sueche guet bruuche kinne. Sogar noch de rossige, hübsche Wälderfüchs- Maidli, die i de nähere Umgebung au uf de Waide graset hond, hät mer guckt, ob der stark Hengst nit uff Brautschau war und vu de Friehlingsgfühl überwältigt wore isch. Nit emol dert war der scharf glade Kaib aaztreffe. S` isch ene nint meh iigfalle.
De Buur hät gfluecht. Sakramentiert und gfuuschtet. Immerhin war des Roß so wertvoll wie hit zutag so en Fend- Bulldog- Bolle mit 240 PS.

Vierspänner mit Schwarzwälder Fuchs
Foto: Wikimedia

Der Sunntig isch nint meh gsii, der war verkaibet und verdriesslich. D` Knecht , d` Mägt und d` Kinder hond scho gschmeckt und gwisst, dass die näscht Woche nit guet Kirsche Esse sie word mit em Hellewander Buur, mit em stolze Holzkönig vum Schwärzebach. D` Kinder honds no am beschte khaa. Sie sind frieh us de Feddere und noch eme Kriezli us em Wihwasserkesseli vu de guetige Motter sind sie de ganz Tag in de Schwärzebacher Schuel am Ahorn- Wirtshiesli gsii. So hond sie Laune vum Vadder nit so mitkriegt und liede messe. Nu am Obet bim Melke, wo i dere Woche aber au gar nint reacht war, hond sie`s au eweng abgriegt. I de Schuel, i de Wirtshieser, bi de Andachte und bim z` Liicht gau rundum, am Wirtstisch im „Ahorn“, im „Schneckehof“, im „Schwarze Krietz“, im „Bäre“, im „Obere Wirtshuus“ in de Oorne isch die Kummedi natierli meh oder weniger, eher meh wie weniger, schadefroh verkartet und uffbloose wore. Natierli het mers Roß im Helewander zruckgähe wenn mers gfunde het. Am Brandzoache het mer des schee Roß kennt und genau gwisst wem` s ghert. Soviel Aastand, Hilfsbereitschaft und Gmeinsinn isch ufem Wald scho immer ummenand gsi, wenns emol druff aa kumme isch. Wemer au sunscht eweng giffizig und neidisch uf enand gucket hät.

Gasthaus Ahorn etwa 1950

Neid, Habgier und Missgunscht hond aber manchmol au Drama durch Spiele, Suufe, Wiebere und au Bschiesse beim Holz- und Viehhandel aazettlet. De Grossvätterlestriit war allgegewärtig.
S` war e uuliedigi, e verdriesslichi Woche ufem Helewand. D ́ Bierin, D` Grosseltere und de Knecht hond alli Händ voll z` dond khet, sie hond alli Zueversicht und Frohmuet uustrahle messe, dass de eigentlich immer grad hängend Huussege nit ganz so krumm und schäps im Huuswese ghanget isch.

Am Samschtigobet noch dere arbetsriiche und uuluschtige, überzwerissne Woche isch d` Grossmotter zum de gheiligt Sunntig iistimme zu de Hofkapelle an Waldroa uffigraitet. Die stoht obe im Weste am Kamm gege de Salehof im Obet- Schatte vu de mächtige Trauf- Tanne.
An dem uralte Handelsweg, wo scho d` Kelte vu Tarodunum geg Laubehuuse gwacklet sind, isch noch de Christianisierung vum Wäderwaald des Käppeli baut wore. Später denno wars au de Weag und de Saumpfad uf de Höhe vu fascht immer 1000 m Höhe ver d` Mönch, ver d` Pilger, ver d` Husierer und Handwerksbursche uf de Stöhr. Und später au ver d` Glasträger, d` Uhreträger, d` Strohschuheflechter, d` Bürschtebinder, ver Holz- und Spanschachtlemacher mit ihrne riesige Tragkrätze. Aber au ver d` Hambbis, d` Brigante und zu fascht allne Ziite au leider en Heer- Weag ver die verkummene Soldate mit ehrene liederlichne Maketenderinne. Verbunde hät der schmal Saumweag vor allem d` Talvogtei ( Kirchzarte) über St. Peter, St. Märge, s` Widiwanderegg, de Hohberg, de Brend, Mischtelbrunn mit em Vorderösterreichisch Briilinge, mit de alte Römersiedlung Hifinge und wiiter nuus „ins Schwobe“, wie d Wälder saget.

“Weißlackierter Strohhut” im Hieronymus

In dem Käppeli hond die fromme Wandersliit und Saumtierkolonne e kurze Andacht verrichtet und e Stossgebet ghalte fer e guets Glinge, wenn sie draa vorbeigwacklet sind.

S` Grossi hät en frische Feldbluemestruuß abzupft und zämetgwunde, den sie i die Tonvase und Kiebeli am kleine Altärli vu de Kapelle hät innischoppe und schee ännitrapiere hät welle. De aalt Struuß vum letschte Samschtig war bestimmt verbliet und verdooret. Im Schoopesack hät sie de Rosekranz, e Kerzli, Zündhölzli und e kleis Betbuech gschobbet ghet. Zum Heilige Antonius hät sie bete welle. Desell hilft immer wemmer ebbis verlore, verleit oder ebbis verschobbet hät und nimme findet. Die Gebetssprich und Fürbitte zum Wiederfinde vu dem starke und scheene Roß hät sie sich scho die ganz Woch bi de Arbet i de Kuchi und i ihrem liebevoll pflegte Hofgärtli z` reacht gleit und scho eweng uuswendig glehrt.

Bim Uffibaischte an d` Kapelle hät sie sich scho gwunderet dass d` Türe vum Käpelli zu war. Sunscht isch sie immer innizues uffgstande, dass die frisch und trocke Friehlings- Luft inni kunnt und sie nit so vermauchet und vermodderet schmeckt. Schad, do words baigott wieder eweng miechtle und muffle, hät sie denk. Wo sie deno die garrig Türe uffmacht und scho wie gwähnlich mit de Hand as Wihwasserkesseli lange will, waihet ihre en uufromme Guu entgege, der ihre d` Luft fascht abgstellt hät. Vu wege miechtele. S` war uf konn Fall die restlich Weihrauchwolke vu de letzte Andacht und de Nebel vu de Opferkerze, wo ihre entgege gwaihet isch. Nei, Jessesmaraie: En Guu vu Mischt, aalte Fürz und Angstschweiss stinkt ihre vergege. Die überblendete Auge vum helle Sunnelicht gwehnet sich nu langsam a die Duschterniss vu de Kapelle Wa sie denno sieht loht sie wegem Gstank und em Aablick fascht i Ohnmacht kaie. En healle , spitze, verzwieflete Schroa usem sunscht wälderisch eher verschlossen Muul lot sie uffjoddle: „ Heilige Muetter Gottes und alli ihr Heilige, Jesses Gott“ stacklet sie i oe Fiddle inni vergelschteret und verzwieflet.

Helewander Rosskapelle

S` schee Wälderfüchsli, s` bescht, s` sterkscht und s` blondescht Roß vum Helewand und de ganze Gegend liet vor em Altärli. S` Kniebänkli isch zu Kuder und Fetze verdruckt, nu no Spriesseli. De verdtloffe Bruun liet verkrimmt und leblos vor em Altarbild. Nint ischs mit de vorgsehnene fromme Andacht. So schnell die aalte, krumme und wacklige Fiess sie traget, gaitschet sie nab an Helewanderhof und verkündet abghackt, stacklick, im Bläre, mit em Sacktuech vor em Gsiecht, die uubache Uuglücks- Botschaft.

Helewander Rosskapelle Altar

Zertscht monet die Helewander „ Jetzt isch sie übergschnappt “. Schnell sind aber alli uf de Fiess, rennet a d` Kapelle uffi und sehnet mit eigene Auge des gruusig Uuglick: Des verhungeret und verdorschtet Roß liet mit broochen Glotzbeppel vor em Altärli. I sienere Not, noch dem d` Türe innizues hinter ihm für immer am letschte Sunntigmittag zuegschnapt isch, sogar des vu de Oma no vollgfillt Weihwasserkesseli war forztrocke uusgsoffe. Au de Feldstruuss isch rubis und stubis gfresse gsii. S` prächtig Roß isch im Lauf vu de Woche still und liisli, meh oder weniger friedlich, direkt usem Kapelleli in Siebte Rosshimmel uffgfahre.

Daß die Wälderhengstli amel eweng e Lotterlebe führet und nit so ganz bibelfescht sind, des hät mer gwisst und drum hät mer zerscht uf de Nochberwaide bei de Stute gucket. Aber dass des Hengschli am Sunntig sogar Heiligebildli gucket und nit noch de blonde Rössli, des war scho selli neu.
So fromm und gottergebe, so keusch, so würdig und seelig, fascht scho heiligmässig isch no nie e Roß im Hochschwarzwald verstorbe. Und sit dem hoasst die Kapelle im Volksmund:

„D ` Roßkapelle uffem Helewand“


Atomkraft: Ja bitte…nein danke…ja bitte?

Ich werde es immer für unsinnig halten, technisch sichere Kernkraftwerke, die kein CO2 emittieren, abzuschalten. (Angela Merkel, Physikerin und Bundeskanzlerin kurz vor dem SuperGAU von Fukushima 2011)

Sie lässt uns anscheinend nicht mehr los, die Kontroverse um die Atomkraft, um die böse militärische wie um die (vermeintlich?) gute zivile Nutzung. Beim Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki war ich fünf; da wird es nicht mehr lang gedauert haben, bis ich den Gesprächen der darüber entsetzten Eltern folgen konnte. Denn das japanische Grauen war sicher ein Thema zuhause: War Little Boy nun ein legitimes Mittel zur ultimativen Beendigung des Weltkriegs oder markierte er das schlimmste aller Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung? Auch die Fotos der ausradierten Städte wird man mir schon bald nicht mehr vorenthalten haben, ebenso wie jene von den gewaltigen Blumenkohlpilzen über den zuvor zwangsevakuierten Südseeatollen. Was Kriege anrichten können und was Trümmerlandschaften sind, davon konnte ich mir anfangs der 1950er Jahre auf dem Schulweg zwischen dem Freiburger Lorettoberg (dem Schülerheim) und Freiburg-Herdern, (dem Keplergymnasium) noch selbst ein Bild machen. 

Freiburg anno 1945

Da hat es dann schon nicht mehr lang gedauert, bis ich erstmals auch vom „Segen friedlicher Atomkraftnutzung“ erfuhr, gemunkelt wurde darüber sogar in Naturschutzkreisen. Denn in jenen Wirtschaftswunderjahren tobte bereits der „Kampf um die Wutachschlucht“, und der Vater, Hauptnaturschutzwart des Schwarzwaldvereins, war treibende Kraft einer Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Schwarzwald, der ersten Bürgerinitiative der jungen Republik, die sich wehrte gegen die Ableitungspläne der Schluchseewerk AG zum Zweck der Stromgewinnung. Um die 185.000 Unterschriften gegen das Projekt zusammenzubringen, waren unzählige Diavorträge in verrauchten Wirtshaussälen wie in akademischen Hörsälen zu absolvieren, bei denen der Bub in den Ferien zuweilen den Projektor bedienen durfte. Und natürlich durfte er den Vater auch auf seinen Fotoexpeditionen durch die Schlucht begleiten. 

Wer nach Gründen sucht, weshalb sich Innenminister Karl Filbinger damals vom Widerstand der Naturschützer so sehr beeindrucken ließ, dass die Aufstau- und Ableitungspläne der Wutach 1960 von der Landesregierung schließlich auf Eis gelegt wurden, der kommt an der Einsicht nicht vorbei, dass man in Stuttgart längst auch noch auf eine andere Karte gesetzt hatte: auf die Atomkraft als einer vermeintlich sauberen, schier unerschöpflichen Energiequelle. In Karlsruhe war 1956 auf Initiative des Atomministers Franz Josef Strauß das Kernforschungszentrum gegründet worden als Reaktorbau- und Betriebsgesellschaft mbH. Das Raunen darüber, dass die in den Wasserkraftwerken des Hotzenwalds wie des Hochrheins erzeugte Elektrizität bald ohnehin durch Atomstrom ergänzt werde, ist mir noch in lebhafter Erinnerung. Weshalb sollte da auch noch der letzte ungebändigte Schwarzwälder Wildfluss den Beileitungsplänen der Schluchseewerk AG geopfert werden?

Doch es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, bis es auch im Südbadischen ernst wurde mit der nuklearen Zukunftsmusik: Anfangs der 1970er Jahre wurde bei Breisach ein Kernkraftwerk Süd projektiert, während ein Stück weiter rheinaufwärts, bei Fessenheim, bereits die Franzosen ihr AKW planten. Die Breisacher Planung stieß bei Bauern und Winzern freilich auf heftige Ablehnung, befürchteten sie doch ungünstige klimatische Auswirkungen durch die Abluftfahnen der Nasskühltürme. 1973 verkündete der Rundfunk, dass die Pläne aufgegeben worden seien zugunsten eines Standorts weiter nördlich im Reinauewald bei Wyhl. Doch hier nahm der Kampf gegen ein „Ruhrgebiet am Oberrhein“ nun erst so richtig Fahrt auf: Er sollte zum Geburtsakt der Anti-Atom-Bewegung werden, auch zum Gründungsmythos der Grünen. Nein, unter die Platzbesetzer habe ich mich als junger Forstbeamter nicht getraut, doch die Auseinandersetzungen mit der Polizei und mit der Landespolitik verfolgte ich – zugegebenermaßen – mit klammheimlicher Sympathie. Zumal sich unter den Aktivisten mein Klassenkamerad Walter Moosmann als stimmgewaltiger Barde hervortat. Mit einem der einheimischen „Rädelsführer“ (Nai hemmer gsait!“), dem wackeren Meinrad Schwörer, schaukelte ich später im Kahn durch das Naturschutzgebiet Taubergießen. Und auch dem so heiß umkämpften Bauplatz mit den Überresten des Gemeinschaftszelts der Besetzer statteten wir noch ein Kurzbesuch ab.

Die Keimzelle der Anti-Atomkraft-Bewegung im Wyhler Wald

Im nachfolgenden Jahrzehnt verlagerte sich der Widerstand nach Niedersachsen ins Wendland, wo in den Salzstöcken von Gorleben der nukleare Müll entsorgt werden sollte und wo in der „Freien Republik Wendland“ die Anti-Atomkraft-Bewegung kräftig weiter anschwoll. Noch mehr Sympathie erntete freilich die „Prominentenblockade“ auf der Mutlanger Heide gegen die nuklearen Pershing II Mittelstreckenraketen der US-Armee. Alle protestierten sie gegen die atomare Nachrüstung: die Literatur-Nobelpreisträger Böll und Grass, die Theologen Gollwitzer und Greinacher, der Rhetorikprofessor Walter Jens und natürlich auch die grünen Ikonen Gert Bastian und Petra Kelly. Die Stationierung der Pershing II konnten sie freilich nicht verhindern; dafür sollte das Wettrüsten schließlich zur wirtschaftlichen Überforderung des Ostblocks und – „Gorbi“ sei´s gedankt –  zur Wiedervereinigung führen.

Atomkraft als Hoffnungsträger – auch für den Wald?

Als Forstamtsleiter hatte man sich in den 1980er Jahren allerdings auf einem ganz anderen „Kriegsschauplatz“ zu bewähren: Das Waldsterben griff um sich und mit ihm wuchs sprunghaft auch das öffentliche Interesse am Thema Wald wie auch an der Öffentlichkeitsarbeit der Förster. Nicht selten waren hierbei Gratwanderungen zu absolvieren zwischen den dienstlichen Pflichtübungen und der Unterstützung von Aktionen der zunehmend alarmierten Waldfreunde. Beim Rätseln über die Verursacher des Phänomens gelb verfärbter und verlichtender Nadelbaumkronen kristallisierte sich bald der Ferntransport von Schwefeldioxid heraus, vorzugsweise aus den Schloten der Industrie, nebst Stickoxiden auch aus den Auspuffen des Autoverkehrs. Derweil beeilte sich der Donaueschinger Gymnasialprofessor Günter Reichelt, die Waldschäden im Umfeld der mitteleuropäischen Kernkraftwerke zu kartieren. Durch Strahlung ionisiertes und deshalb umso toxischeres SO2 soll es dort, so sein Fazit, zu einer signifikanten Häufung und Verstärkung der Schäden gekommen sein. Was sich bei einer unabhängigen (?) Nachkartierung freilich nicht bestätigen ließ.

Artikel im Schwarzwälder Boten im März 1976

Dennoch soll die Ionisierungshypothese in der Kernkraftbranche für erhebliche Aufregung gesorgt haben. Zugleich verstärkte sie den Zulauf zu den Wald-Demos, nun also auch noch aus dem Lager der Anti-Atomkraft-Bewegung. Eine letzte Großkundgebung fand am 18. Oktober 1986 mit ca. 7.000 Teilnehmern auf dem Thurner bei St. Märgen statt. Veranstalter der autofreien Sternwanderung war die Initiative Schwarzwald, ein Zusammenschluss von 36 Verbänden, Organisationen und Aktionsgruppen. Ihr war es – sehr zur Überraschung der etablierten Parteien – gelungen, Bundespräsident Weizsäcker als Teilnehmer und Redner zu gewinnen. Das Motto der Veranstaltung lautete: ENDLICH HANDELN! FÜR DEN  WALD – FÜR DAS LEBEN. Der Präsident, eingeflogen mit dem Hubschrauber, hatte sich sogar Zeit für einen knapp einstündigen Waldspaziergang genommen. Vom Veranstalter war mir die Aufgabe übertragen worden, den hohen Besucher auf die Waldschadenssymptome aufmerksam zu machen. Was mir davon nach 35 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist neben dem drängelnden Schwarm der Presseleute und den Transparente tragenden Demonstranten („Richi – der Wald braucht Dich!“), das war der wache, bisweilen auch leicht skeptische Blick Weizsäckers in die Baumkronen hinauf und die Konzentriertheit, mit welcher er den Ausführungen folgte.

Hoher Waldbesuch. Bild-Zeitung v. 20.8.1986

Dass das Waldsterben bald dennoch aus den Schlagzeilen verschwand und von den Medien allenfalls noch als „sogenanntes Waldsterben“ gehandelt wurde, war vor allem dem schockierendsten Ereignis des Jahres geschuldet: der Havarie des Reaktors in Tschernobyl am 26. April 1986, dessen Fallout bis nach Süddeutschland verdriftet worden war. Das Cäsium134-verstrahlte Wildbret durfte bis auf Weiteres nicht mehr verzehrt werden, was für die Waldverjüngung, speziell für die Wildverbiss-gefährdeten jungen Tannen im heimischen Forstbezirk, nichts Gutes verhieß. In meiner Eigenschaft als Beisitzer des Landesnaturschutzverbandes brachte ich daher im Jagdbeirat der Freiburger oberen Jagdbehörde den Vorschlag ein, die natürlichen Regulatoren von Wildbeständen zu reaktivieren: den Winter (durch Einstellung der Winterfütterung) sowie den natürlichen Fressfeind durch Wiedereinbürgerung des Luchses nach Schweizer und elsässischem Vorbild. Nachdem der Spiegel davon Wind bekommen und darüber berichtet hatte (am 26. 8. 1986 unter der Überschrift Appetit verdorben – Seit Tschernobyl wird kaum noch Wildbret gegessen. Folge: Es wird weniger gejagt, Waldschäden durch Wildverbiss nehmen zu), quollen die Leserbriefspalten der Tageszeitungen über mit empörten Zuschriften aus der Jägerschaft. Weshalb die Idee eine erstaunliche Eigendynamik gewann bis in die Landespolitik hinein. Der Reaktorunfall in der Ukraine war, zu allem Unglück hin, auch noch zum „Urknall“ einer Luchs-Initiative Baden-Württemberg geworden – für mich bis heute das mit Abstand zählebigste Hobby. 

Im Chefzimmer des (2005 aufgelösten) staatlichen Villinger Forstamts befand sich ein aus der Stammscheibe eines Tannenriesen gefertigter Tisch. Gefällt worden war der Baum im Zuge von Rodungsmaßnahmen, die für den Bau eines Munitionslagers einer US-amerikanischen Sondereinheit erforderlich geworden waren. Deren Waffen waren nach dem Krieg im Villinger Stadtwald unweit des Klinikums deponiert gewesen, bis sich Stadt, Land und Militärverwaltung 1961 zu einem Flächentausch durchgerungen hatten. Im Staatswalddistrikt Weißwald, ein paar Kilometer südlich der Stadt, entstand ein geheimnisumwittertes Areal mit Bunkern und Mannschaftsräumen, Stacheldraht und scharfen Wachhunden. Vom „möglicherweise düstersten Kapitel der jüngeren Militärgeschichte“ war zuletzt im Sommer 1998 in den Tageszeitungen zu lesen, als in der Villinger Fußgängerzone die Friedensorganisation Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs (IPPNW) Unterschriften sammelte. Eine Petition solle endlich den Nebel lichten, so die Forderung, den Militär- wie Zivilverwaltung über den Weißwald gebreitet hatten. Was war bloß dran an den Gerüchten um dort gelagerte Atomsprengköpfe? Zur Jahrtausendwende, nachdem auch die Franzosen als Nachfolger der Amerikaner abgezogen waren, ist das Lager abgebrochen und renaturiert worden. 

Lagerten Atomsprengköpfe unweit der Stadt Villingen-Schwenningen?

In den 1990er Jahren ist der Wald in Mitteleuropa von heftigen Orkanereignissen heimgesucht worden – zuletzt am 26. 12. 1999 durch Orkan „Lothar“ – mit bislang noch nie gemessenen Windgeschwindigkeiten und einem ebensolchen Schadensausmaß. Verdankten sie ihre Entstehung der anthropogen aufgeheizten Wetterküche des Nordatlantiks? Eine Reihe von allzu milden und schneelosen Wintern verstärkte zudem die Gewissheit, dass sich das Klima wandelte, ausgelöst vorwiegend durch den ansteigenden CO2-Ausstoß als Folge der Verbrennung der fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Gas. Aber war das Klima nicht immer schon Schwankungen unterworfen – wie schon „Ötzis“ Wanderung beweist oder die der Walser-Siedler samt Viehherden über den eisfreien Alpenhauptkamm hinweg? Und waren im heimischen Staatswalddistrikt Bubenholz neben dem restaurierten Römerbad nicht einst auch Rebterrassen angelegt worden – Weinbau auf der rauen Baar?

Egal: Die drastische Verminderung der waldschädlichen Immissionen durch Entschwefelung der Großfeuerungsanlagen und Einführung des Katalysators schien ein Kinderspiel gewesen zu sein gemessen an der neuen globalen Herausforderung des Klimawandels und des Klimaschutzes. Wie anders als durch den kompletten Ersatz fossiler Brennstoffe wollte man ihn noch stoppen? Da war es doppelt misslich, dass ausgerechnet die weitgehend CO2-neutrale Kernenergie seit Tschernobyl mehr als nur einen Image-Schaden zu verkraften hatte, der die erste rot-grüne Koalition im Jahr 2000 kurzerhand den Atomausstieg beschließen ließ. Zwar verlängerte die nachfolgende (Merkel-geführte) Bundesregierung wieder die Ausstiegsfrist, doch unterm Eindruck der von einem Tsunami verursachten Kernschmelze von vier Reaktorblöcken des Atomkraftwerks von Fukushima am 11. März 2011 wurde das ultimative Ende der deutschen Atomkraftnutzung auf das Jahr 2022 vorverlegt. Womit die Anti-Atomkraftbewegung ihren Endsieg feiern durfte, sieht man von den eskalierenden Nachhutgefechten um den bestgeeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager ab. Kein anderes Land der Welt hat sich zu einer derart radikalen Abkehr von Kohle, Öl und Atomkraft entschlossen. Umso klammerte man sich – in Ermangelung von Speichermöglichkeiten für die regenerative „Flatterenergie“ – an die Erdgasversorgung aus Sibirien, zu deren Sicherstellung nicht zuletzt die neue Pipeline Nord Stream 2 dienen sollte.

Dank Fridays for Future und nach drei aufeinander folgenden trocken-heißen Sommern mit enormen Dürre- und Borkenkäferschäden war plötzlich auch das Waldsterben wieder in aller Munde. Umso heftiger dreht sich nun alles, national wie international, um die Energiewende, hierzulande insbesondere um Windräder und Solarfelder sowie um deren Kollateralschäden in touristisch attraktiven und ökologisch noch halbwegs intakten Kulturlandschaften, um Bürgerinitiativen und um die Konflikte zwischen Klima-, Arten- und Landschaftsschutz. Weil Baden-Württemberg als windschwächstes Bundesland gilt, müssen die Dimensionen und die Anzahl der benötigten Schwachwindanlagen hier umso monströser ausfallen. So hat die frisch gewählte grün-schwarze Landesregierung im Frühjahr 2021 angekündigt, allein in den Staatswald 1000 Windenergieanlagen stellen zu wollen, höher als der Stuttgarter Fernsehturm! Absehbar wurde damit freilich, dass spätestens bei der nächsten winterlichen „Dunkelflaute“ die grundlastfähigen Energieträger schmerzlich vermisst werden, sollte nicht sogleich mit französischem Atomstrom oder mit Kohlestrom aus den östlichen Nachbarländern ausgeholfen werden. Was außer Gaskraftwerken, die rasch hoch und wieder runter gefahren werden können, bot sich da an zur Überbrückung?

Kein Wunder also, dass insgeheim auch wieder über neuartige Kernreaktoren nachgedacht wurde, mit neuen Sicherheitsstandards und weniger Müll verursachend – dafür aber kaum CO2 emittierend. Während  hierzulande in spektakulären Tagesschauszenen ein Kühlturm nach dem andern in sich zusammenbricht, bleibt die Atomkraftnutzung weiterhin ein Tabuthema im öffentlichen Diskurs. Zugleich wächst die Ratlosigkeit, wie angesichts der Widerstände gegen Windparks und Windstromtrassen die deutsche Musterknabenrolle weiterhin durchgehalten werden soll. Derzeit befinden sich, wie sich leicht googeln lässt, weltweit 108 Kernkraftwerke im Bau, mit Abstand die meisten in China und Russland. Neu entflammt sind allerorten auch (zumindest befristete) Laufzeitverlängerungen. 

Abluftfahne des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt über den Schwarzwaldhöhen

Schließlich dann der ultimative Schock des 24. Februars 2022: der Überfall Putins auf die Ukraine, nach russischer Sprachregelung als „Militärische Sonderaktion“ verniedlicht und propagiert, einhergehend mit Gräueltaten an der Zivilbevölkerung und mit täglichen TV-Bildern heillos zerbombter Städte – mit Kampfhandlungen auch um die ukrainischen Atomkraftwerke, um Tschernobyl unseligen Angedenkens. Und mit Millionen Kriegsflüchtlingen, mit immer hitzigeren Diskussionen um letztendlich zu beschließende Embargos, um den Stopp von Steinkohle-, Öl- und vor allem Erdgaslieferungen aus Russland.

Während der russische Außenminister mit der Ausweitung seiner „Sonderaktion“ zum Welt-, ja zum Atomkrieg droht, stellt sich unseren Regierenden immer drängender die Frage, ob es angesichts all dieser dramatischen Zuspitzungen tatsächlich der Weisheit letzter Schluss sein kann, zum Jahresende auch die letzten drei noch in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke stillzulegen. 

Kernkraftwerk Leibstadt

Rasenspatzen und Wendehals

Liebe Bürgerpostleser, 

haben Sie eine Vorstellung, was die Spatzen auf unserem Rasen machen? Sie versammelten sich nicht am Futterhaus, sondern in Scharen auf dem Rasen. Ich erzähle und Sie machen sich Gedanken: Am Samstag, den 26. März wurde unser Rasen vertikuliert. Es gab schon einiges Moos zum Wegfahren auf die Kompostanlage. Kurz vor dem großen Regen habe ich dann 4 kg Rasensamen gesät. Muss ich weitererzählen? Die Vögel haben es irgendwie mitbekommen und hatten natürlich Ihre Freude daran. Anita meinte, sie kauft noch eine Runde Rasen, ich jedoch bin der Meinung, dass die Spatzen niemals alles fressen können und noch genügend anwachsen wird. Dr. Otto Kötteritzsch kommentierte zielsicher mit 99 Jahren: „Die haben Dich beobachtet, als Du gesät hast, das nächste Mal musst Du um Mitternacht streuen. Dann passiert nichts“. Andere sagten, wir haben Katzen, da gibt’s so etwas nicht. Tatsache ist, dass ich so etwas noch nie erlebt habe, obwohl ich schon ab und zu Rasen nachgesät habe. Lustig und spannend, was da noch passieren wird. 

Gestern Abend schaute ich in den Garten und erblickte einen Vogel im Rasen, bei dem ich kurz überlegen musste, was es ist. Zunächst dachte ich an einen Spatz, aber er war etwas größer und anders gefärbt. Erkennen Sie ihn schon? Ich habe vor drei Jahren über ihn geschrieben, als beim Landratsamtsparkplatz sogar zwei Exemplare sich zeigten. So nebenbei gesagt, ich dachte zunächst es sei ein, höchstens zwei Jahre her, aber auf keinen Fall drei, wie schnell halt die Zeit vergeht. Auf dem ersten Bild zeigt er, wieso er Wendehals heißt, ein geflügeltes Word aus der Wendezeit vor über dreißig Jahren. Und Gottlieb Wendehals ist auch vielen bekannter als der Vogel Wendehals. Der Zugvogel ist bei uns recht selten, umso mehr habe ich mich gefreut, dass er kurz vorbeigeschaut hat. Es gibt nur wenige Brutpaare bei uns, am liebsten hat er Streuobstwiesen mit reichlich Ameisenvorkommen. In der Mundelfinger Jungviehweide habe ich ihn schon über den Sommer gesehen und gehört. Sein Ruf ist eindringlich „gig, gig, gig, gig“, dann ist für mich sonnenklar, der Wendehals ist da. Vielleicht achten Sie in nächster Zeit etwas auf ihn, ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diesen Burschen beobachten könnten. Eins war auch klar, er hat auch im Rasen herumgepickt, aber da weiß ich genau, dass er nach Ameisen gepickt hat und nicht nach Rasensamen.

Herzliche Grüße

Franz Maus

Nit nuu Plattespieler, mii Dual Dynamo Taschelampe

De Onkel Wilhelm, de Onkel Pater wie d Familie ihm gsait haet, isch im grosse Augsburger Westkrankehuus anne 1973 g‘ storbe. Zwar zimli herzkrank , aber doch nit als Patient. Er war de Krankehuus- Seelsorger. Nuu wer im glaube gstaehlt isch und nerve wie en Hotzewaelder haet , haltet so ebbis uus . Naehnet i de Fuggerstadt isch meh gstorbe und meh vesaehne wore , wie im Westkrankehuus. Vater Abraham hond sie ihm dae und au bei iis de hoem gsait. Wege sim iidrueckliche, biblische uussehne, sim Habitus und sinere direkte, robuschte Gueti.

Die Soutane vu dem maechtige Mannsbild het mer au als Pfadi- Zeltcote naeme kinne und unter dem wallende Schutzschirm hond vill sorge und noet platz ghet . So alttestamentarisch wie er usgsaehne haet , so war au sie innelebe. Respektiifloessend, guetig, schlagfertig, witzig und rustikal volksfromm. Bei me casting fuer en biblische Film ueber de moses und de Vater Abraham het er bestimmt gwunne. Der legendaer, leibhaftig Krankehuus Abraham isch ploezlich doch tot im Bett i sim mit Buecher und Fotosache vollgstopfte Pfarrerzimmerle vum Krankehuus glege. Sie onzige Medizin, die er jede Morge und Obet i me grosse Schluck gnomme haet, war irische, erzkatholische Whiskey. Die Pille und Herztropfe, die ihm die bsorgte Herzdoktore vu de Herzstation im Westkrankehuus gaehe hond , haet er im Glaube a goettliche Vorsehung, a zueversichtliche Medizinglauebige schaechteleeies wieterverschenkt. 


Noch de Beerdigung uff em Pallottiner Friedhof z Friedberg haets im barocke Klosterspeisesaal no „a deftige, lustige , altbayrische leich“ gaehe. Des het ihm gfalle. 
Am dag druff homer sie Pfarrbuddi uusgrummt. De Neffe haet sich fuenf sache us sim Nochlass uussueche derfe: 

Sie Glasaug, sie Leica IIIf , sin Ueberseekoffer, sie lederne Doktertasche und : sie „Dual“. 
Wer jetzt glaubt, des waer en Plattespieler, oder e Tonband, der haet sich ghoerig tauescht. 

Anne 1938 hond die Pallottiner obere de forsch jung Pater gi Brasilie zum missioniere gschickt. Er sot dae am Aequator paschtoral de „Weinberg des Herrn bestellen“. De eigentlich Grund aber, dass mer de Pater Wilhelm Hilpert ganz wiet fortgschickt haet , war sie freche schnorre gege die gottlose, herz- und seelelose Nazidubbel. Im frisch ins „Heim ins Reich geholte Salzburg“ , wo er i sichtweite zum Obersalzberg grad no am studiere war, isch es fuer ihn und de Palottiner obere z heiss wore. Hotzewaelder hond scho zu ziite vum Einungsmoeschter Johann Albietz s‘ muul geg s Kloster St. Blasie nit haalte kinne. 


Also hond sie ihm, dem bocksboenige hotztebluetige, en grosse Ueberseekoffer kauft und e einfach- Fahrkart vu genua gi rio . I den Koffer haet er nebe de warme Wollsocke vu de motter Sofie, em Sackmesser vum Vater Felix, ere Leica vum lebenslange, guete Doegginger Schulfreund Willi Stark und eme silberne Rosekranz vu de schweschtere und ere Sackuhr vum Vetter Ernst, us em Uhrelade vum Wilhelm rRehle, verpackt. Obedruff, immer griefbar, no die “ Dual“. Uff em schiff ab genua gi Rio/ Brasilie an corco vado, kinnt mer den „Dual“ beim rummuse im Maschineraum mol guet bruuche. Als ehemalige Feinmechaniker haet er Oelgschmack und verschmierti Maschiniste moege. Erscht koennt mer mol im duschtere brasilianische Urwald die „Dual“ bruuche. Dae hond die bestimmt kon Strom und scho gar konni Batterie. Die „Dual“ haet er guet ghuetet , no besser, wie on vu sine Augaepfel. Oes devu haet er naemlich verlore durch d folge vu me Schlangebiss. Des Glasaug han ich beim verdoele vum erb, wie scho gsait, saparalisiere duerfe. Wa aber war die „Dual“ wo er sit em uebersee kai z genua bis is Krankehuus Pfarrzimmer z Augsburg  sorfaeltig, wiit ueber 35 Johr, sorgsam behuetet haet? 


Es war e Feinmechanik, Hand- Generator- Dynamo Taschelampe us St. George. vu de legendaere Plattespieler Buddi , vu de Dual. Solid baut i me Blechgehauese und fascht uuverwueschtlich. Dass die nit nu sauguete Phono- Maschine baut hond , sogar au mol Motorraeder, sondern au die 
batterielose Taschelamp, mit 3,8 volt und 0,07 Amp. kah mer im wundersame Phonomuseum am Baereplatz z‘ St. George aagucke. 


Dass onni vu dene handbetriebene Generator- Dynamo Taschelampe emol dene Missionskinder im brasilianische Urwald Erleuchtung broocht haet, isch au en verstecklete teil vu de Firmegschicht und en Teil vum Inhalt und vum Geheimnis vum Ueberseekoffer. Wer de gifizig Hotz, de Mensche- und Kinderfreund, de sproochmaechtig Verzehler und Prediger Abraham kennt haet, kha sich leibhaftig vorstelle, wie er dene woudou gwaehnte Heidekinder mit em „Dual“ Laemple d Allmacht Gottes uffblitze lau haet, zoeget haet, erklaert haet und so iidruecklich, nochhaltige Erlauechtung broocht haet. 
Es werde licht , und es ward dual licht„. 
Amend verstoht jetzt jeder , wa des Dual Lichtmaschile vu Santa George fuer de Onkel Wilhelm und jetzt fuer mich bedietet. 

Elstern

Liebe Bürgerpostleser, 

das hätte ich im Leben nicht gedacht, dass ich zum Thema Elstern und Nestbau einmal etwas schreibe. Aber hören Sie zu: Aus meinem Isolationszimmer hatte ich beruflich über online noch zu arbeiten. Dabei ist mir ein Elsternpaar aufgefallen, das von der Giebelseite her mit Geäst im Schnabel in nordöstliche Richtung flog. Schlagartig war mir klar, dass eine Fichte in Nachbars Garten das Ziel war und der Zweck ein Nestbau. Das zu beobachten, machte meine Isolation bedeutend interessanter. Das Bild unten zeigt das Paar gemeinsam vor dem Nest, der obere Vogel mit einem Zweig im Schnabel. Was ich etwas unheimlich finde ist, wie schwierig es ist, das schwarze Auge im schwarzen Federkleid zu lokalisieren. 

Hätten Sie gedacht, dass ein Elsternpaar das Leben lang zusammenbleibt? Sie können bis zu 15 Jahre alt werden. Der Nestbau geht schnell von Statten. Das hat einen Grund: Ein Elsternpaar baut gleichzeitig bis zu vier/fünf Nester und bezieht zum Schluss das, was ihnen das Sicherste zu sein scheint. Ich wette schon mal, dass dieses Nest bezogen wird, es gibt nicht besseres.

Das nächste Bild zeigt die große Dimension des Nestes. Als einzige Art bauen Elstern ein Dach über das Nest, das ist doch der Hammer. Und der Eingang ist von der Seite, sehen Sie es rechts, wie die Elster das Nest betreten will? Interessanter Weise im Osten, bei uns nicht die Hauptwindrichtung. Ja die denken etwas beim Bauen.

Bild 3 ist ein Ausschnitt von Bild zwei. Schauen Sie sich den Schwanz an, er ist sehr lang. Man vermutet, dass als eine Anpassung ist, damit sie auf Wildpferderücken besser die Balance halten können, wenn sie diese von Insekten befreien. Das ist doch wieder einmal etwas Gigantisches. Es zeigt aber auch, dass die Schwanzfedern schön gestaffelt lang sind, von außen kurz, innen lang und auf der anderen Seite nach außen wieder kurz. Das sieht man auch nicht alle Tage.

Bild 4 zeigt eine Elster, wie sie sich müht, den Eingang zu gestalten. Das Bild habe ich eingestellt, um zu sehen, wie farbenprächtig Flügel und Schwanz bei Sonnenbestrahlung sind, herrlich bläulich der Flügel und grünlich der Schwanz, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen?

Es soll etwa 450.000 Elsternpaare in Deutschland geben und zum Vergleich über 8.000.000 Amsel- und 380.000 Mönchgrasmückenpaare. Elstern sind Allesfresser, Jungvögel und Eier stehen leider auch auf dem Speiseplan. Sie sind sehr intelligente Vögel und luchsen anderen Jägern wie Füchsen auch etwas ab. Sie dürfen außerhalb von Ortschaften zu bestimmten Jagdzeiten bejagt werden. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Lob des Krummwüchsigen

Es ist mir wohl bewusst, dass die Ästhetik nach  einer gewissen strengeren Begrenzung des Begriffes mit Gut und Böse, mit Zweckmäßig und Unzweckmäßig nichts zu tun hat, sondern sich auf das beschränkt, was die Sinne uns übermitteln. (Heinrich von Salisch: Forstästhetik. Berlin 1911)

Der Wald als „Tausendsäulensaal“, bestehend aus schlanken, kerzengeraden und  dicht an dicht stehenden Fichten, hat ausgedient. Dafür hat nicht zuletzt der Klimawandel gesorgt, mit Trockenstress, Käferkalamitäten, Stürmen und Überflutungen nach Starkniederschlägen, aber auch mit neuen Anforderungen der Gesellschaft an den Wald – insbesondere im Hinblick auf seine Funktion als Kohlenstoffsenke. Mit plantagenartigen „Nadelholzfabriken“ ist jedenfalls kein Staat mehr zu machen, so sehr der (Nadel-)Holzmarkt boomt. Im Gefolge der Corona-Pandemie ist auch die Erholungsfunktion der Wälder wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt: Für Zeitgenossen, die an der Kriegsberichterstattung (was für ein altmodischer Begriff aus vermeintlich fernen Zeiten!) oder an der Hektik und den Zumutungen des Alltags zu verzweifeln drohen, die an digitaler Überforderung leiden wie an der fortschreitenden Naturentfremdung, ist der Wald oft letzte Zuflucht und Gegenwelt – wird er zum Psychotop.

So ganz neu und überraschend ist dieser Reflex einer von Krisen gebeutelten Gesellschaft freilich auch wieder nicht; schon Erich Kästner hat ihn auf den Punkt gebracht: 

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden.
Und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen, doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Nicht alle Wälder taugen als Seelentröster, manche bleiben erstaunlich stumm, zumal der großmaschinengerecht erschlossene und „homogenisierte“ Kunstforst, der Wirtschaftswald. Da lobe ich mir den Unterhölzer Wald, das ortsnahe Naturschutzgebiet, vormals Wildpark der Fürsten zu Fürstenberg. Dort haben es mir seit Jahren zwei Buchen besonders angetan, auch wenn ich mich noch nicht dabei ertappt habe, dass ich mit ihnen „wie mit Brüdern“ rede. Ohnehin wäre ja allenfalls „wie mit Schwestern“ zu kommunizieren, gilt die Buche, „Baum des Jahres“ 2022 wie schon 1990, doch als „Mutter des Waldes“. Schon beim allerersten Besuch dort stand für mich fest: Die beiden krummen Baumgestalten scheinen miteinander zu tanzen – so wenig Bäume, bei nüchterner Betrachtung, doch im Stande sind, das Tanzbein zu schwingen. War es ein in Moll gehaltener, Chopin-Walzer, nach dem sich die beiden in meiner Fantasie bewegen oder eher ein heiterer Ringelreigen? Je nach Tages- und Jahreszeit, je nach Gemütsverfassung ließ sich mein Motiv, auch wie es sich über Jahre hinweg im Ordner Buchentanz des heimischen Rechners gespeichert findet, nicht eindeutig einer Stimmungslage zuordnen. Doch die Ästhetik der angedeuteten Tanzbewegung, der Schwung der sich nach außen lehnenden Körper erschien mir von hinreißender Eleganz –  Erlkönigs Töchter (sie wiegen und tanzen und singen dich ein) dürften sich nicht viel verheißungsvoller  bewegt haben.

Zugleich stellt sich – abseits jeglicher Imagination –  dem Forstmann in mir natürlich die Frage nach den natürlichen Ursachen der „Performance“ dieses so augenscheinlich auseinander strebenden wie von einander angezogenen Buchenpaares. Wären die beiden einst am Stammfuß einer herrschsüchtigen Mutterbuche heran gewachsen und hätten sie sich unter deren Geäst und Blätterdach mühsam hervorgekrümmt, so wären ja wohl zumindest noch die vermoderten Andeutungen eines Wurzelstocks zu sehen. Doch der Waldboden zwischen und unter den beiden Tänzerinnen weist keinerlei Spuren davon auf. So bleibt es ihr Geheimnis, wie es zu den Stammverformungen gekommen sein könnte, wo Bäume ansonsten doch stets den direkten Weg nach oben durch den nächstbesten Lichtschacht wählen.

Ästhetik im Wald, Schönheit der Waldnatur findet sich am ehesten noch in geschützten Waldreservaten. Der Autor des 1885 erschienenen Buches „Forstästhetik“, der schlesische Gutsherr und Reichstagsabgeordnete Heinrich von Salisch (s. o.), scheiterte zwar mit seiner Idee, das Fach Forstästhetik in den Lehrplänen der Forstlichen Hochschulen zu verankern, doch seine Motive haben plötzlich wieder an Aktualität gewonnen: Man dürfe nicht erwarten, dass die Bevölkerung einen Wald liebe und schätze, „wenn sie wahrnimmt, dass die Besitzer und berufenen Pfleger des Waldes ihn mit kaltem Eigennutz als Geldquelle ausbeuten unter gänzlicher Missachtung alles dessen, was den Wald eigentlich zum Walde macht.“ Und so ist das Buch ausdrücklich auch der „Schönheit des Wirtschaftswaldes“ gewidmet.

Inzwischen hat mein Buchenpaar leider ausgetanzt. Der letzte Herbststurm hat zugeschlagen und die stammstärkere der Partnerinnen zerbrochen. Wird sich auch künftig noch ein Besuch dort lohnen? Werden Strunk und zerborstener Stamm nächstens zu Brennholz aufgearbeitet und verheizt sein, oder bleiben sie als Totholz stehen und liegen, sodass sie alsbald vom Zunderschwamm besiedelt, von Spechten bearbeitet und schließlich auch wieder dem Nährstoffkreislauf zugeführt werden können – so wie es in intakten Waldökosystemen vorgesehen ist? Gelegentlich werde ich wohl doch wieder vorbeischauen, ihr Beiden.

Lens flare

Liebe Bürgerpostleser, 

haben Sie sich auch schon gewundert, dass bei Sonnenaufnahmen gegenüber der Sonne ein rundes Gebilde zu sehen ist? Vor vielen Jahren war das für mich einmal ein Thema, das aber zugeschüttet wurde. Ich habe das nie mehr im Bewusstsein gehabt, bis der 99-jährige Freund Dr. Otto Kötteritzsch mir einige Bilder schickte. Sie waren gegen die Sonne aufgenommen und zeigten gegenüber der Sonne ebenfalls ein allerdings weißes rundes Gebilde. Da die Sonne, wie auf den Bildern 1 bis 3 unterschiedlich auf den Bildern platziert war, sah man die runden Gebilde auch an verschiedenen Stellen. Da Otto so etwas in seinem Leben noch nie gesehen hatte, fragte er mich, was das sein könnte, was so schnell die Stelle wechselte. Dann war das Thema wieder präsent.

Da ich in Optik kein Held bin, fragte ich Joachim Mayer von fotomayer Hüfingen. Er schrieb mir, das sind Blendenflecke, lens flare genannt. Sie sind das helle Bild der Lichtquelle – in unserem Fall der Sonne -, das durch Reflexionen an einer oder mehreren Linsen im Objektiv entsteht. In meinem Fall an einer Linse. Es hänge von vielen Faktoren ab, wie etwa der Brennweite und der Blende. Die genauen physikalischen Berechnungsgrundlagen kenne er so aber auch nicht. Soweit Joachim Mayer. Was mir aufgefallen ist, dass die Gebilde gegenüber der Sonne im gleichen Abstand vom Bildmittelpunkt entfernt sind wie die Sonne auch, siehe Bilder 1 bis 4. Fällt Ihnen in Bild 4 etwas auf? Man sieht nur einen Halbkreis entsprechend der halb untergegangenen Sonne. Bild 5 zeigt die Sonne fast in der Bildmitte und man sieht keinen Gegenpunkt. Das ist doch auch einmal etwas Interessantes, finden Sie nicht auch?

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Herzliche Grüße

Franz Maus

Scharlachroter Kelchbecherling

Liebe Bürgerpostleser,

Alois Welte aus Mundelfingen hatte in seinem Status Bilder von etwas Rotem drin von einer Wanderung in der Wutachschlucht. Meine Neugier war geweckt. Sie wissen ja von meiner Vorliebe, je „roter“ um so interessanter……Ich fragte dann nach, ob es Pilze seien, was Alois Welte bejahte, aber er kenne sie noch nicht. Ganz so einfach schien das nicht zu sein, zunächst kam „Flammende Herzen“ oder „Purpurroter Prachtbecherling“. Also, ich habe dann mal „Flammende Herzen“ gegoogelt, da kamen verschiedene Süßigkeiten, brennende Herzen und ein Filmtitel von 1978 heraus…… Als ich dann Alois Welte fragte, ob er nicht etwas in der Bürgerpost bringen wolle, verneinte er dies. Wenn ich aber wolle, könne ich das gerne machen und zeitgleich schickte er mir sieben schöne Bilder. Die genaue Bezeichnung nannte er auch, „Scharlachroter Kelchbecherling“. Martin Schwenninger, der sich als Wutachranger bestens in der Schlucht auskennt, habe das bestätigt. 

Der „Scharlachroter Kelchbecherling“ ist ein recht kleiner Schlauchpilz mit einem Fruchtkörper von nur 3 bis 5 cm im Durchmesser. Das auffälligste Merkmal ist die stark rot leuchtende Innenwand. Er besitzt keinen eigenen typischen Geruch. Der Scharlachrote Kelchbecherling ist ausschließlich in den westlichen USA und in Mitteleuropa heimisch. Oftmals treten die Pilze in Herden auf. Sie wachsen auf am Boden liegenden und teilweise verfaulten und bemoosten Zweigen und Stämmen von Laubbäumen, werden dabei teilweise von diesen bedeckt. Scharlachrote Kelchbecherlinge gelten in ganz Deutschland als selten, in den Roten Listen der gefährdeten Großpilze besitzen sie meist den Status „gefährdet“. Die Fruchtkörper erscheinen im zeitigen Frühling nach der Schneeschmelze, bei günstiger Witterung auch schon im späten Winter. Wir wissen, dass normaler Weise die Fruchtkörper bei den Pilzen im Herbst erscheinen, aber es gibt auch Ausnahmen wie in diesem Fall.

Vielen Dank Alois Welte, dass Du diese recht kleinen Pilze gesehen und für einen Beitrag zur Verfügung gestellt hast.

Herzliche Grüße

Franz Maus

Ob wir uns wiedersehen ……..

Was einem einmal durch Mark und Bein gegangen ist, vergisst man nie.

Unvergessen, Alexander Krieger

Donaueschingen 04.03.2022 / Okt. 1962

Jeden Morgen um Halb – Acht zur Schulzeit müht sich ein Mann vom Hindenburgring, durch das Friedensgässle, durch den Lassberg ins neue Gymnasium im Lehen in Donaueschingen. Während man noch das Marmeladenbutterbrot verspeist, sieht man aus dem Esszimmer auf den Gehweg. Ein Mann mit einem Stock humpelt mit von Schmerzen gezeichnetem Gesicht vorbei. Den Stock braucht er, um besser das Gleichgewicht zu halten und die Plagen, die ihm der Beinstumpf bereitet, etwas zu lindern. Die Prothese am Beinstumpf unter dem Bügelfalten Hosenbein muss ihn wohl sehr quälen. Seine Phantomschmerzen sind selbst aus der Distanz zu erahnen. Was Phantomschmerzen sind, weiß ein Quartaner in den 60-er Jahren in der Garnisonstadt aus familiären Gründen. Noch humpeln viele verhärmte Männer mit Krücken unter den Achseln durch die Stadt. Manche fahren auch mit dreirädrigen Gefährten, die sie mit den Armen antreiben und auch lenken, durch die Stadt. Das sind die unglücklichen Vollamputierten ohne Beine. Onkel Albert, dessen Holzfuß meist in der Ecke steht, quälen diese fürchterlichen Phantomschmerzen. Anschaulich und drastisch wurde einem das erklärt. Man weiß von diesen Schmerzen.

Einige Minuten nach dem humpelnden Mann mit dem Stock und der Prothese rennt man auch noch die Paar Meter zur Penne, wo es gerade klingelt.
Erste Stunde Latein bei diesem zwar etwas grimmigen, leidenden, aber dennoch gütigen Mann mit der gekrümmten Haltung. Dann andere Fächer und dann in der letzten Stunde auch noch Griechisch bei diesem Mann. Altphilologe, nennt man diesen strengen, respektierten und gerechten Mann. Anders wie viele seiner traumatisierten Kollegen spricht er nie von seinen sicher fürchterlichen Erfahrungen und Erlebnissen, die ihm das Bein gekostet haben. In den letzten zehn Minuten an diesem Vormittag ist das aber plötzlich ganz anders.

Zwar haben wir die Dramatik dieser Tage im Oktober 1962 am Radio und in Erwachsenen- und Elterngesprächen mitbekommen und gespürt. Aber was nun Studienrat Alexander Krieger erklärt und eindrücklich, eindringlich erläutert geht durch Mark und Bein. Noch heute kann ich die knisternde Atmosphäre und die Aura, die dieser Mann in diesen Minuten erzeugte, fühlen und spüren.

Bewegt, aufgewühlt und tief erschüttert berichtet er von den aktuell ablaufenden Vorgängen in der Kubakrise. Namen wie Nikita Chrustschow, J.F. Kennedy und andere Weltlenker fielen. Atomkrieg, Raketen, Embargo und U- Boote. Noch nie hatte der geschundene Weltkriegsinvalide auch nur ein persönliches Wort über Krieg und Militär in seinem Latein- und Griechischunterricht verloren. Die unerwartete Weltpolitik- Unterrichstminuten beeendete er mit den Worten:

„Es ist nicht sicher, ob wir uns jemals wiedersehen“.

Psychologen reden von vier Erinnerungsebenen. Der Kollektiven, der Kulturellen, der Kommunikativen und der Episodischen. Die Episodische taucht immer wieder mal auf und holt die anderen auch an die Oberfläche.
Denn 60 Jahre später endet ein erschütternd emotionaler Appel eines Staatsoberhauptes, dessen Land barbarisch und menschenverachtend überfallen wird, in einem Videoausschnitt mit einem luxemburgischen Staatsmann mit den gleichen Worten:

„ Es ist nicht sicher, ob wir uns jemals wieder treffen werden“.

Diesmal hören das nicht humanistische Spracheleven, sondern die ganze Weltöffentlichkeit. Und auch die ist, wie damals die Quartaner, zutiefst erschüttert und betroffen.

Immer wieder ist mir der unvergessliche Satz von Herrn Krieger durch den Kopf gegangen. Ob bei Vietnam , Sarajevo, Mauerfall, bei 9/11, bei Afghanistan, Chile, Irak, Syrien, Libyen und nun Ukraine. Schon deshalb haben sich die fünf wenig erfolgreichen, mühsamen Jahre Griechisch mehr als gelohnt.

Oberstudienrat Alexander Krieger bei Schulausflug auf Lindenhof Immendingen (um 1960)

Regenbogen

Liebe Bürgerpostleser, 

der Donnerstag, der 17. Februar 2022 hatte es in sich. Regenbögen, dass die Heide wackelt, etliche waren auch in der Lokalpresse. Durch bestimmte Umstände konnte ich den Regenbogen zweimal erwischen, einmal um 8.21 Uhr vom Badfenster aus und um 9.25 Uhr zwischen Hüfingen und Donaueschingen-Allmendshofen. Erkennen Sie den Unterschied zwischen den beiden?

Ich vermute schon. Der zweite Regenbogen ist flacher als der erste. Man sieht es auch schön an den beiden anderen Bildern, die den Regenbogenfuß zeigen mit ihren unterschiedlichen Winkeln zeigen. Der linke steile Winkel gehört zum 8.21 Uhr Bogen und der flachere zum 9.25 Uhr Bogen. Wir haben das schon einmal beschrieben, vielleicht wissen Sie es noch: Der Winkel zwischen Sonne, Betrachter und Regenbogen ist immer der gleiche. Das heißt, um 8.21 Uhr stand die Sonne tiefer als um 9.25 Uhr, so dass der Regenbogen höher stand als eine gute Stunde später.

Finden Sie es nicht auch beachtlich, dass das so viel ausmacht? Jetzt kommt noch der Gipfel, wenn die Sonne hoch steht um Mittag zur Sommerszeit, dann kann es regnen, so viel es will, es wird kein Regenbogen sichtbar werden. Ist das nicht erstaunlich?

Der Abschluss dieses Regenbogentages war das eindrückliche Abendrot vor meinem Büro in Donaueschingen. Das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Herzliche Grüße

Franz Maus

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