Unter Klima- und Landschaftsschändern

Der Freiburger Windkraftpionier und Chef der Firma Regiowind Andreas Markowsky hat sich seinen Frust von der Seele geschrieben. Sein im Verlag Klimaneutral erschienenes, 72 Seiten umfassendes Büchlein trägt, von den Tageszeitungen wohlwollend besprochen, den reichlich krawalligen Titel Klimaschänder. Und als solche werden darin alle geschmäht, die sich seinen unternehmerischen Vorhaben, dem Bau von Windenergieanlagen, entgegenzustellen wagen, sie verzögert, gar verhindert haben, ganz gleich ob Behörden, Verbände oder Privatpersonen. „Irgendeiner ist immer dagegen“, so überschrieb der Schwarzwälder Bote (v. 12. Februar 2022) seine Buchbesprechung, Windkraft werde in Baden-Württemberg auf vielen Ebenen blockiert. „Klimaschänder“: allenfalls Grab- und Kinderschänder, impliziert der Buchtitel, mögen es noch schändlicher treiben – wird doch beim Klima nichts Geringeres behindert als die Rettung des Planeten! 

Eigentlich sei ja doch die Zustimmung für Windräder zunächst mit 70 Prozent in der Bevölkerung recht hoch, schreibt Markowsky. „Wenn es aber dann konkret wird“, so zitiert ihn der Schwarzwälder Bote, „und eine Anlage gebaut werden soll, sinkt die Zustimmung auf 50 Prozent. Das liegt daran, dass Menschen grundsätzlich Angst vor Veränderungen haben.“ Da würden sich einerseits Touristiker dagegen stemmen, weil sie angeblich die Gäste vertreiben. „In Gemeinden wie St. Peter oder Freiamt lacht man über dieses Argument, weil es nicht stimmt.“ Noch schlimmer sei häufig die Verweigerungshaltung der Behörden vor Ort, weshalb es „völlig offen“ sei, ob die Ampel-Regierung ihre Ambitionen beim Windkraftausbau durchsetzen könne.

Von St. Peter aus unsichtbar, werden die Windräder über St. Märgen zur Bildstörung

Landschaft verstehen. Industriearchitektur und Landschaftsästhetik im Schwarzwald, so lautet der Titel eines 2005 erschienenen Bildtextbandes, den Andreas Markowsky in Auftrag gegeben hatte. Anlass dafür war damals der Streitfall um zwei Windräder auf der Holzschlägermatte am Freiburger Hausberg Schauinsland; das hierfür erstellte Sachverständigengutachten zur Landschaftsverträglichkeit war so grundlegend ausgefallen, dass es auf Wunsch des Auftraggebers auch in üppig bebilderter Buchform erscheinen sollte. Doch als der Gutachter, der Freiburger Richard Schindler, Künstler und Leiter eines „Instituts für Visual Profiling & Visual Resources Development“, den Band der Öffentlichkeit vorstellte, erntete er damit vorwiegend Unverständnis, Hohn und Spott. Nicht beim Auftraggeber, versteht sich, der Betreibergesellschaft „regiowind Verwaltungs-GmbH“; desto mehr in den Leserbriefspalten: Selbst im Leserforum der (ansonsten eher Windkraft-freundlichen) Freiburger Badischen Zeitung mochte niemand applaudieren. Stattdessen beklagte man sich über die Einseitigkeit von Schindlers „Landschaftsbildanalyse“ und deren künstlerische Schalmeienklänge, auch warnte man vor Übertreibungen der Lobbyarbeit oder gratulierte zur Satire. Die Windkraftanlage als „Glücksfall“ für die Schwarzwaldlandschaft, als „skulpturale Bereicherung“, der Schwarzwald als Spielwiese von LandArt-Künstlern, das war den Lesern denn doch zuviel des Guten.

„Erzwingen die Windkraftanlagen eine Fixierung des Blicks? Verhindern sie dadurch die Wahrnehmung der Landschaft? Lenken sie unsere Aufmerksamkeit auf sich?“ (R. Schindler 2005)

Der Windkraftunternehmer und Autor von Klimaschänder scheint unterdessen nichts dazugelernt zu haben. Dass naturnahe, wenig belastete Kulturlandschaften, zumal Vorranggebiete für Erholung und Ökologie vom touristischen Ruf des Schwarzwalds, in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten  deutschlandweit zur äußerst knappen Ressource, ja, zum absoluten Minimumfaktor zusammengeschrumpft sind, ist bei ihm nicht angekommen. Auch dass, neben Klima-, Biotop- und Artenschutz, auch der Landschaftsschutz ein gesetzlich verbriefter, ja sogar im Grundgesetz (Art. 20a) verankerter  Auftrag ist, kann seinen Furor gegen die „Klimaschänder“ nicht besänftigen. Als ob die Rechtsprechung nicht auch den § 1 Abs. 1 Pkt. 3 des Naturschutzgesetzes zu beherzigen hätte, wo es noch immer heißt: „Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlagen des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, dass die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert ist.“ Zugegeben: das Schutzgut „schöne Landschaft“ ist in den immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen längst zu einem windelweichen Kriterium verkommen. 

Windräder der heutigen Generation sind mit bis zu 250 m Gesamthöhe doppelt so hoch wie der Freiburger Münsterturm – sie natur- und landschaftsverträglich erstellen zu wollen, ist bare Illusion. Darf unterm Vorzeichen des Klimawandels nun dennoch jeder als „Klimaschänder“ verunglimpft werden, wer immer sich in sensiblen, bislang noch wenig belasteten Landschaften mit nachvollziehbaren Argumenten gegen die drohende Verspargelung zur Wehr setzt? Müssen wir deren Industrialisierung (durch Überstellung mit „Industriearchitektur“ gigantischen Ausmaßes) tolerieren, weil wir uns doch quasi bereits in einem übergesetzlichen Notstand befinden, in welchem wir  uns Landschaftsschutz einfach nicht mehr leisten können? 

Der streitbare Andreas Markowsky kämpft gegenwärtig um die behördliche Genehmigung des Repowerings seiner beiden in die Jahre gekommenen Windräder auf der Holzschlägermatte. Die beiden sollen künftig durch eine einzige neue, umso leistungsfähigere Windenergieanlage mit 230 m Höhe ersetzt werden. Dafür sind zwei weitere 245 m hohe Anlagen auf dem Taubenkopf geplant. Jetzt fehlen sie eigentlich nur noch oben auf dem Kamm des Hausbergs – wo die windschiefen Buchen Windmüllern doch schon immer superoptimale Windhöffigkeit angezeigt haben. Doch womöglich würden ihnen auch dort die Klimaschänder wieder einen Strich durch die Rechnung machen wollen.

Wo bleiben nur die Windräder auf dem Kamm des Freiburger Hausbergs?

Nilgänse

Liebe Bürgerpostleser, 

am Mittwoch, den 9. Februar 2022 bin ich wegen der Saukälte nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto über die B 27 ins Geschäft gefahren. Dass die ersten Störche seit Anfang Februar hier sind, ist Ihnen sicherlich auch schon aufgefallen. Etwas früher als das Jahr zuvor. Na ja, von Spanien, dem Hauptüberwinterungsgebiet, zu uns ist es ja keine Weltreise mehr.

Vor der Abfahrt Donaueschingen Mitte sehe ich allerdings etwas anderes im ursprünglich ersten Nest des nun spektakulären Strommasten Standortes. Ich dachte, das muss ich mir näher anschauen und bin unter die Brücke gefahren und dann hoch auf die Brücke über die B 27 marschiert, von wo man gute Bilder machen kann. Und, kennen Sie die Burschen auf dem ersten Bild? Zwei Nilgänse im Storchennest, vermutlich ein Paar, denn die fangen im März zu brüten an. Ich dachte, die werden doch wohl nicht das Storchennest besetzen? Sofort rief ich den hiesigen Storchenbeaufragten Manfred Bartler an. „Die habe ich auch schon gesehen“ gab er mir zur Antwort, „letztes Jahr saßen sie auch eine Zeitlang dort“. Zum Brüten sind sie allerdings nicht gekommen, Manfred Bartler vermutet, dass die regulären Inhaber des Nestes bei der Ankunft die Nilgänse wieder vertreiben werden. Das Schöne ist, dass wir das einfach beobachten können. Ich bin gespannt darauf. Kurz nach dem Fototermin übrigens sind die Nilgänse mit Getöse abgezogen. Ich hatte wieder einmal Fotoglück.

Wenn man „Nilgänse im Storchennest“ googelt, gibt es einige Bespiele, dass die Nilgänse siegten. So auf dem Gelände des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. „Aggressive Gänse vertreiben Störche“ ist die Überschrift einer Pressemitteilung. „von 2010 bis 2012 seien acht Jungstörche groß geworden, und 2013 kamen die Nilgänse“. In Gröningen, einem Ort in Sachsen-Anhalt schaute das Storchenmännchen als Erstrückkehrer vor dem Weibchen dumm aus der Wäsche, als er sein Nest auf der alten Brauerei aufsuchte. Dreimal habe er versucht die Nilgänse zu vertrieben, ohne Erfolg wird berichtet. Aus Westerau in Schleswig Holstein wird berichtet, dass seit dem 2. Februar 2012 Nilgänse morgens und abends das Storchennest aufsuchten. Es wird vermutet, dass die Nilgänse das Nest benutzen, um in die Gegend Ausschau zu halten. Man hoffte, dass die Störche die Oberhand gewinnen, wenn sie zurückkommen. 

Denkbar wäre auch folgendes Szenario: Die Brutdauer der Nilgänse beträgt etwa einen Monat. Was denken Sie, sind das Nesthocker wie der Storch, oder Nestflüchter, die sofort nach dem Schlüpfen das Nest verlassen? Natürlich Nestflüchter wie alle Gänse und Enten, das heißt, das Nest ist sofort wieder frei und es würde den Störchen reichen, wenn sie sagen wir Mitte April zu brüten beginnen. 

Lassen wir uns überraschen, was passiert.

Isern Berrebom 

Grossi  Otto  Fischer
Portrait von Hans Schrödter. Wolterdingen um 1920

Vor über 100 Johr hät er ihn g’setzt
Ur- Grossi Otto, des war nit letz
Zum Moschte, Schnapse, au für d’Imme
Es moss halt Alles zämet stimme

Im Mai stoht er im wiisse Bluuscht
Wie gmoolet, s‘ isch für ihn koe Kuuscht
Im Fenschterrahme i de Morgesunn
Rueft er iis zue, lupf s` Fiddle, kummm !

Stoh’sch unter sinem Blüetemeer
Dismet er dir zue: „ Los mol, und heer“
Bienli summet, brummlet fescht
Der Hunig gihtemol de Bescht

Vor zwei- drei Johr noch grossem Schnee
Au dä so wiiss und wunderschee
Koe Blüetli meh, koe Immesumme
De uhrig Bomm isch nimm aakumme

Knorrig, gädrig, me isch ganz babb
D’Äscht und d’Rinde kaiet rab
Amose, Würm und Käferli
Amsle, Specht und Schwälbeli

Des mächtig G’äscht vum Holzgeweih
Isch Aasitz für de Häehliweih
E Hoemt hond so vill im Knorre
Drum lond mir au koe Sägi sorre

Duube, Krappe, Elschtere
Die däet mer schwer vergelschtere
E Gwusel isch im aalte Grüscht
Umhaue, des wär werkli wiescht

So lang der Bomm de Tierli dient
Hät er de Dank und d’Ehr verdient
De Grossi het bestimmt e Freid
So lang er stoht und nit umkeit

Schwarzspecht

Liebe Bürgerpostleser, 

im Schlosspark an der Donaueschinger Donau 200 m vor dem Zusammenfluss mit der Breg ist direkt am Weg eine Riesenfichte am Sterben. Die ersten etwa acht Meter sind noch grün, der Rest ist mausetot. Nicht mehr lange, dann sieht der ganze Baum so aus. Traurige Sache.

Das ist die einen Sache. Die andere ist, dass ein solcher Baum Nahrungsquelle ist zum Beispiel für Spechte. Als ich am 13. Januar das erste Mal dort war, waren gleichzeitig drei Spechtarten zu sehen.

Das Bild zeigt ein Buntspecht Männchen, den Grünspecht habe ich leider nicht erwischt, dafür aber den Schwarzspecht. Und das hat mir sehr gefallen, denn den wollte ich Ihnen schon lange vorstellen. Was mich sehr überraschte, dass der große Kerle nicht am Stamm arbeitete, sondern an den Ästen, auch an relativ dünnen.

Dort ist auch schön der schmale Hals dieser Spechtart zu sehen.

Auf dem nächsten Bild sieht man, was charakteristisch ist für Schwarzspechte, nämlich die weiße Iris und die gekrümmte Pupille, hammerhart, finden Sie nicht auch? Dort sieht man auch, dass ein Weibchen am Arbeiten ist, der rote Fleck bedeckt nur den Hinterkopf, beim Männchen ist der Oberkopf bis zum Schnabel rot. Was denken Sie, wie groß der Schnabel ist? Sagenhafte 5-6 cm.

Das letzte Bild zeigt, dass er auch gegen die Schwerkraft von unten am Ast klar kommt. Interessant zu sehen war, dass die Schwarzspechtdame nur eine wenig oberhalb der grünen Zweige die Rinde entfernte. Ich vermute, dass im abgestorbenen Teil oberhalb nichts Fressbares mehr zu finden ist. 

Herzliche Grüße

Franz Maus

Keine Hiobsbotschaft aus dem Höllental

Die Tanne war wie lebend
In Trauermelodie
Durch alle Fasern bebend
Sang diese Worte sie:

Du kehrst zur rechten Stunde,
O Wanderer, hier ein
Du bist´s, für den die Wunde
Mir dringt ins Herz hinein!

Aus: Justinus Kerner (1786-1862): DerWanderer in der Sägemühle

Es geht nicht gut aus im Gedicht Der Wanderer in der Sägemühle des dichtenden schwäbischen Arztes Justinus Kerner, weder für die Tanne, die in der Sägemühle zerlegt wird, noch für den Wanderer, zu dessen Sarg sich die vier Tannenbretter zusammenfügen lassen. „Trauermelodien“ stimmen derzeit nicht nur die Medien an, wenn es den Zustand der Wälder zu beschreiben gilt; in den Berichten tragen selbst die unlängst noch als klimahart gepriesenen Weißtannen Trauer nach den drei so extremen Trockenjahren, von den Fichten ganz zu schweigen. Da möchte man sich doch auch selbst ein ungeschminktes (weder allzu desolates noch touristisch geschöntes) Bild vom Gesundheitszustand verschaffen: Wie haben die Tannen wohl den Trockenstress überstanden – gar in den blocküberlagerten sommerseitigen Steilhängen des Höllentals? 

Eben dort hatte ich vor vierzehneinhalb Jahren Motive für mein Tannenbuch1 gefunden, fünf Jahre nach jenem trockenheißen Rekordsommer 2003, der nur Weinkennern positiv als Jahrhundertjahrgang in Erinnerung geblieben ist. Wo, wenn nicht hier, müssten die überalterten Tannengreise doch mittlerweile am Darben und Verdursten sein: In den Blockhalden hoch über dem Zinken Posthalde mit seinem einstigen Gasthaus Adler, das zur Hälfte mitsamt der hauseigenen Sägemühle dem vierspurigen Ausbau der B 31 hatte weichen müssen wie auch mit einer Station der Höllentalbahn, wo seit dem Ende der 1970er Jahre kein Zug mehr hält. Und wo, wenn nicht im Henslerwald, im Privatwald der seit dem 17. Jahrhundert hier ansässigen Posthalter- und Gastwirtefamilie Hensler. Das Waldsterben der 1980er Jahre hatten die Tannen, all der Abgasbelastung des nicht mehr abreißenden Verkehrsstroms auf der Bundesstraße zum Trotz, leidlich überstanden wie auch die Orkane der 1990er Jahre. Gewiss, es war auch die eine oder andere Tanne vorzeitig rotbraun und abgängig geworden, wie sich mir der Bergmischwald damals präsentiert hatte, zerzaust auch da und dort von den Stürmen. Sogar die bizarre, uralte Kandelabertanne hatte es zerrissen, die ich hoch oben in der Halde entdeckt und für mein Buchprojekt reserviert hatte.

Kandelabertanne im Henslerwald
Nach dem Orkan Lothar vom 26. 12. 1999

Doch alles in allem schienen mir die Tannen, wie ich sie im Jahr 2008 mit der Kamera  festgehalten hatte, weitaus besser dazustehen als befürchtet. Zwar zeigten die Storchennestkronen vielfach noch die  aus den Jahren des Waldsterbens sattsam bekannten Verlichtungen, doch die Ausfälle hatten sich offensichtlich in Grenzen gehalten – selbst auf den extremsten Standorten der Halde.

Aufnahme vom Februar 2008

Nun also ein erneuter Krankenbesuch, diesmal bei strahlendem Hochdruckwetter im allzu lauen November 2020 und nach einem Jahr, das bereits jetzt einen neuerlichen Wärmerekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen versprach. Den Wagen vor dem lärmumtosten einstigen Gasthaus  abgestellt, die Bergschuhe geschnürt, den Rucksack mit der Kamera geschultert und gemächlich den steilen Schleifweg hochgestiegen, über welchen die Henslers seit vier Jahrhunderten ihre Tannen zur Sägemühle brachten – wie heute noch zum kranbeschickten Holztransporter an der Hofeinfahrt. Die Henslers sind auch diesmal am Holzschleifen, der Senior auf dem Schlepper, der ebenfalls bereits graubärtige Schwiegersohn zu Fuß beim Abhängen und Poltern der Laubhölzer, die sie sich für den Heizbedarf aus dem Hang geholt haben. Vom jüngeren der Beiden möchte ich nach kurzer Begrüßung wissen, wie er die gegenwärtige Lage im Wald einschätzt: „Was machen denn Eure Tannen da oben?“, frage ich ihn, „wie haben sie den Sommer überstanden?“ „Sie stehen noch“, ist seine lakonische Antwort. Worauf ich ihm erkläre, dass ich mich extra ihretwegen mit der Kamera in den Henslerwald aufgemacht habe.

Alsdann klettere ich über die Felsbrocken der Geröllhalde hinweg exakt zur Stelle, von wo aus ich damals, zwölf Jahre jünger und auch etwas geländegängiger noch, fotografiert hatte. Und o Wunder: Gar nichts Dramatisches scheint sich inzwischen ereignet zu haben – die Tannenkronen wollen mir jetzt eher voller und dichter benadelt erscheinen als auf den Fotos von damals! Als ob nicht unlängst erst der Waldzustandsbericht Gegenteiliges vermeldet hätte: Noch nie seit dem Jahr 1984, der Ersterfassung, sei die Benadelung der Baumkronen so schütter gewesen wie gegenwärtig! Gewiss, da oben strecken ein paar Käferfichten ihre dürren Dolden oben heraus, wie sie ja auch auf der Herfahrt bereits das Waldbild der Sommerhänge des Höllentals geprägt und verunziert haben. 

Macht jetzt etwa auch die Weißtanne schlapp? – so hatte ich im Frühjahr 2020 angesichts all der Hiobsbotschaften im forst- und holzwirtschaftlichen Fachblatt2 gefragt? Entsetzt über die Zunahme des Schadholzprozente auch der Weißtannen in den forstlichen Statistiken und über die Waldbilder oberhalb der Stadt Freiburg mit all den braun verfärbten, vom krummzähnigen Tannenborkenkäfer befallenen Weißtannen in den flachgründigen Hanglagen um den Kybfelsen, hatte ich die Befürchtung geäußert, dass nächstens auch mit der Weißtanne kein Staat mehr zu machen sein könnte. Wo sich die Experten der Freiburger Forstlichen Versuchs und Forschungsanstalt beim Thema Waldumbau im Klimawandel doch längst mit Libanonzedern und Douglasien anstatt mit Tannen befassen.

Aufnahme vom November 2020

Doch hier, beim Blick über die Blockhalde hinweg, fasse ich mit einem Mal wieder Hoffnung für diese Baumart, verspüre ich einen neuerlichen Schub an Sympathie, wie sie mich schon ein Berufsleben lang begleitet und für die Weißtanne motiviert hat. Sodass mich nun der Schleifweg dazu verleitet, ihm noch ein ganzes Stück bergauf zu folgen. Im Gegenlicht sind – allem Anschein nach – kerngesunde Tannenkronen zu bewundern mit reichlich Kerzenpracht obendrauf, von der Novembersonne prächtig in Szene gesetzt vor dem schwarzschattigen Gegenhang. Derweil sind am Unterhang die beiden Henslers noch immer am Holzschleifen, weshalb ich, unten angekommen, einen Moment bei ihnen verschnaufe, vielleicht um sie ein wenig teilhaben zu lassen an meiner neu gewonnenen Zuversicht. Was auf freundliche Erwiderung stößt. 

Schließlich, am einstigen Gasthaus „Adler“ wieder angelangt, tritt eben die Henslerin vor die Tür, und wir begrüßen uns recht vertraut, denn nach den zwölf Jahren hat sie mich offensichtlich wiedererkannt. Auf meine Frage, wie denn nun sie den Zustand ihres Walds einschätzt, berichtet sie, kürzlich erst selber den Schleifweg hinaufgestiegen sein: Ob der vielen Dürrständer sei sie erschüttert gewesen! Ob ihr die Weißtannen da oben nicht doch auch Anlass sein könnten für mehr Gelassenheit, hätte ich sie zum Abschied gern gefragt, die gleichmütigen Äußerungen des Schwiegersohns noch im Ohr und die Zapfen tragenden Tannenkronen noch vor Augen – doch dann habe ich die Frage wieder runtergeschluckt. Genug der Hiobsbotschaften und der „Trauermelodien“ nach Justinus Kerner um die Tannen?

1Hockenjos, W.:Tannenbäume. Eine Zukunft für Abies alba. DRW-Verl. 2008.
2Hockenjos, W.: Macht jetzt auch noch die Tanne schlapp? Holz-Zentralblatt v. 17. 4. 2020 Nr.16 S. 303.

Uuvergänglichs Zindelstoener Bahhöfle

Rauhriiff Strahleglanz

Gschechteverzeller sottet konni Bewies hinverribringe
Sie sottet Träum hinterlau
Dene mir aagregt nohsinniere kennet

D Schwiizer Nationalhymne, de schwülschtig „Schwiezer Psalm“, fang aa mit „ Trittst im Morgenrot daher, seh ich dich im Strahlenmeer ……..„. S Zindelststoener Bahhöfle erstrahlt noch knackige Rauhriif- Frostnächt noch über 50 Johr au wieder im glitzige, kristallne Rauhriif Strahlekranz. Obwohl des Bregtalbähnli scho vill Johr still gleit isch, des legendär, hölzern Zindelstoener Bahhöfle abmuntiert wore isch, und die Holzverladerampe vum zwei gleisige Bahhof im me Waldstreife grad wieder vu de Natur zruckeroberet word, strahlt des Relief- Bahhöfle wieder bei me Riife, nit i me Strahlemeer, aber i me Eiskristallkranz.
1972 also isch de Goldig Schwellenagel vu 1895 us de Holzschwelle uussizoge wore und des herzig, segensriich Bregtalbähnli isch in en lange Schlummer gfalle.

Zindelsteiner Bahnhof mit Doornkatwerbung um 1955, im Hintergrund der „Schwarze Bube“

S hölzern Bahhöfle mit de Doornkaat Werbung hät sich en Huverzover für fufzg Mark unter de Nagel grisse und en Bienstand druus baut. Aber au der isch zwischeziitlich leider vermauchet. Wurum die Norddeutsche Kornschnapsbrenner uusgrechnet z` Zindelstoe am Bahof gworbe hond, isch dem Werbeplakat schwer zum ablausche. Amend hond sie gwisst, dass die Beerliwieber i ihrne Heidelbeerkante hählinge so e Fläschli verschoppet hond. So en Kornfusel- Flachmaa hond sie gnitz no vor de Abfahrt is Bregtal an Halleberg beim Feroldi am Eschinger Bahhofskiosk iikromet. Au die Schaffner und Lokführer hond gern so en Schluck gnomme. Hät nit der Lokführer im Erinnerungs- Relief vum Künstler Heiner Graf eweng e roti Nase und d Schildkappe eweng schreeg uff ?

Erinnerungsrelief an Zindelsteiner Bahhöfle, Bregtalbähnle und Anton Durler- Loipe nach Heiner Graf.

Oder hond nit au die hagebiechene Waldarbeiter und Schloepfer immer so en Buddel us de Wolterdinger Glasi im Vesperrucksack zwischem Speck- Ortmogge, de greichte Schwarzwurscht und em Ranke Buurebrot ghet ? Iipackt i druckergschärztem Ziitingspapier oder em letzte Konradsblatt.

Rucksack- Schnappsbuddel von der Wolterdinger Glasfabrik.

D Gleis sind bald mol i Schmelzhochöfe verkochet wore. Amend isch des rostig Iise vu dem jetzt uffgstellte Bahhöfle- Lokomotive- und Langläuferrelief sogar us dem Aaltisse gwalzt wore ? De Hammricher Granit Bahschotter isch zu me andere herte Schotter, zu dene Mark und Pfennig, umgmodlet wore, also verscherblet wore. Und die überzellige Bahhöfle im Hammer, z Verrebach, Schönebach und em Rohrbe a Bürger verkipperet wore. S Rollmatrial, de Schienebus, de Rot Arnold, de sogenannt Jägermeister- Express, mit em legendäre Jägermeister Uffdruck, isch zum Toel verreist zu gütige Iisebahfreund i dene ihrne Museums Hangar. Zwei Wäge lieget im Fundus vu de Kandertäler Museumsbah und wartet mit wehmüetigem Hoemweh, dass sie amend bald emol vu Bregtäler Nostalgiker wachküsst werdet.
E Paar mol im Johr erstrahlt aber des Iisig, rostig Kultbahhöfle im strahlende Schneekristallglanz.
De Modellbau Faller us em Gietbach, hät des Bahhöfle eweng verhübscht und uffgmotzt, selli erfolgriich zu tausende verscherblet. De Name Zindelstein isch i IIsebähnlerkreis berühmt wore. Obwohl i de vor GOOGLE Ziit so guet wie kon gwisst hät, wo Zindelstein isch.

Der legendäre, verhübschte HO Faller- Modellbau Zindelsteiner Bahnhof.
Faller Modellbau Bahnhof Zindelstein mit Güterhalle und Plumpsklo Hinweis und (gültigem ?) Fahrplan.

Die andere, frostfreie Täg im Johr muess de original Glas – Zindelstei, wo a dem Relief hanget, de Glanz vu de Burg Zindelstoe und em durch de Fallerbahhof berühmt Zinke Zindelstoe zum Blinke, zum „Zindeln“ und Erstrahle bringe.

Werner Engesser spielt den Bregtälerblues bei Einweihung Relief mit blitzendem (Original) Glas- Zindelstein.

Ja so wars, und so isches mit em langewige Bregtalbähnle

Zindelsteiner Relief nach Rauhreif Morgen im Januar 2022

Bescherung für Luchsfreunde

Im grün-schwarzen Koalitionsvertrag des Jahres 2021, dem Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg, findet sich das Thema zwar bereits angekündigt. Und doch war es für die Luchsfreunde eine faustdicke freudige Überraschung, dass das so ausdauernd und so kontrovers diskutierte Artenschutzprojekt kurz vor Weihnachten noch konkrete Formen angenommen hat: Unterschrieben vom Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90 Die Grünen Andreas Schwarz MdL und von Reinhold Pix MdL wurde der Luchs-Initiative Baden-Württemberg e. V. mit Schreiben vom 21. 12. 2021 mitgeteilt, dass im Haushaltsplan des Landes für das Jahr 2022 eine Summe von 200.000 € zum Anschub eines Bestandesstützungsprojekts zur Verfügung gestellt wurde, sodass dieses nun in drei Phasen umgesetzt werden kann:

  1. Vorbereitungsphase rund 0,5 Jahre (bereits angelaufen) zur Vorbereitung der Hauptphase durch die Freiburger Forstl. Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA);
  2. Hauptphase 4 Jahre – 2022-2026: Klärung und Beschaffung der Tiere in 2022 und 2023 (Findelwaisen, Nachzucht, Wildfänge), sodann Freilassung von Luchsen, Finanzierungsbeiträge durch das Land sowie NGO´s, Patenschaften und Sponsoring;
  3. Nachbetreuungsphase: Daueraufgabe ab 2027, begleitendes Monitoring durch die FVA.

Ziel sei es, damit in den kommenden Jahren in Baden-Württemberg die Rahmenbedingungen für eine überlebensfähige, sich reproduzierende Luchspopulation zu schaffen. Im Zentrum des mitteleuropäischen Verbreitungsgebiets von Lynx lynx europaeus soll nun endlich die weit aufklaffende Lücke geschlossen werden.

Offenbar ist der Durchbruch nicht zuletzt auch ein Erfolg der seit 2020 amtierenden Vorsitzenden der Luchs-Initiative, Verena Schiltenwolf, die ehrenamtlich auch für den Landesnaturschutzverband tätig ist; mit ihrer gewinnenden und vertrauenserweckenden Art hatte sie in der Politik kräftig gepunktet – auch im Dezember noch anlässlich des gut besuchten öffentlichen Teils der (digitalen) Mitgliederversammlung, an dem auch etliche Vertreter aus Politik und Naturschutzverbänden teilgenommen haben. Als Mitglied der (2004  vom Stuttgarter Ministerium für den ländlichen Raum gegründeten) AG Luchs und Wolf habe sie, wie es in dem Schreiben heißt, mit dazu beigetragen, Akzeptanz für den Luchs zu schaffen und wertvolle Expertise einzubringen. 

Womit sie zweifellos erfolgreicher agiert hat als die bislang zumeist mit Forstleuten besetzten Vorstände der Initiative (mit ihrem zumal aus der Sicht der Jägerschaft eher belasteten Image), die sich über drei Jahrzehnte lang vergebens um das nunmehr in greifbare Nähe gerückte Ziel bemüht hatten. Andererseits war es gewiss auch den Schwarzwälder Dickschädeln und Dickbrettbohrern des Vereins zu verdanken, dass der Luchs seit jenem Jahr 1986, als die Idee für das Projekt erstmals aufgekommen war, nie mehr vollends aus den Schlagzeilen und in der jagd- und naturschutzpolitischen Versenkung verschwunden ist. Erst recht ist den Mitarbeitern des Wildtierinstituts der Freiburger FVA zu danken, allen voran Dr. Micha Herdtfelder, für ihre ebenso beharrliche wie professionelle Arbeit. Kurz vor Weihnachten ist es ihnen erst wieder gelungen, einen der seit Jahren in Baden-Württemberg solitär lebenden Luchskuder zu besendern. Ob sie auch ihm nächstens eine Gefährtin zuführen werden?

Was lange währt, scheint endlich gut zu werden – seit Weihnachten 2021 ist ein Happy-End des baden-württembergischen Luchsdramas abzusehen.

Beim Thema Luchs Wort gehalten (Winfried Kretschmann MdL am 13. 4. 1991 in der Heilbronner Stimme)

Min Gaebeli Zettler

Die grasgruen Annalena woess amend wa Streuobswiese sind. Aber wa en „Gaebeli Zettler“ isch, weiss sie bestimmt nit. Wenn sie do trueber gflunkeret het und in Lebenslauf innikaesperlet het, waer de bescht Plagiatsfilter versecklet gsii. Ueberhaupt: Politiker sotet ihre Buecher und Dokterarbete i Mundart schriebe lau. Des waer e plagiatssicheri, uuverfaenglichi Sach. 

Heibe isch all Johr e mords Kummedi. Bsunders bei sellne Gaisse- und Schoofbierli i dene ihrne Streuobstgaerte. Alli 10 Meter alti Epfelbaem. Clara, Goldpaermaehn, Zwetschge, Zibaertli, Bohnebirre, Mirabelleli u. Haselnuessstude. Mit em Unimog, dem 70 Johr alte Nepomog, Wendekreis 15 Meter ohne Servo, kummsch nit unnedorri un nit drum rum. 


En wendige, wusselige Heu- zettler muess jetzt oefach mol her. Aber alli sind mit Zapfwelle oder es sind so klobigi, bolligi Bandheuer mit Motor u. Wendekreis wie alti Laschtkaerre. So uuweag, dass au nit um d Baemm rum kumsch. 
Haets do nit emol so wendige Zettler mit Iiseraeder und so Zettelgable gaehe ? Zoge vu me Ross, em Bruune, mit eme grosse Strauhuet behuetete Bierli, wo uff eme Herdepfelsack und ere Gabel Heu polsterete Iisesitzli ghuckt isch. I de schwielige Haend lederne Zuegelstraeng u. e Goessle mit pfezzigem Zwick. Die schaffige Wiiber mond nebet her mit de Gable und de Holzreche suuber nochschaffe. Spaeter, wenn mer sich grad so uff Pump bei de Gnosseschafts Spar u. Pumpi, e stinkends, naglends Kramer Schwungrad Pfufferle oder e Fahr Bulldoeggli mit 13 Ps leiste haet kinne, isch mer ebe mit so me neumodische Diesel- Roessli gi zettle gange. 


Wa sait de ebay Maert zu so eme Gschier ? E halb Johr zerscht mol gar nint. Denno emol us Sachse so e globigs, verroschtets, verkummes Gschtelasch. Wahrscheinlich us eme Kombinat, ere Kolchose, also us Volkseigentum saparalisiert. Nei, nei: des Klumpp kennet er bhalte. 
Wieso s Schwiezer ebay uusgrechnet „Ricardo“ hoesst, wunderet mi scho lang. Eweng schmeckts noch Maffia, Patrone, Bandito. Des teuscht aber ganz ghoerig. Traditionsbewusste Buure verkaufet dae ihre johrzehnte lang i Schoepf und Schiere trocke und rostsicher iiglagerete, solide Buuregschier- Schaetz. Voller Respekt gegenueber dem stille Vermaechtnis vum Grossi oder Urgrossi. Und i de Zueversicht, dass moeglichscht nu en Kulturbewahrer steigeret. S word nit grad nu fuer paar schnoedi „Feuflieber“ i d Schrottpress und denno dene koreanische Iisekocher verkipperet. 


Und tatsaechlich: Im Luzernische, glii ums Eck, find i so e Gschier. Zwar nit unter dem hochsprachliche, seelelose Suchwort: „Bandheuer, Heuwender, Kreiselheuer. Heuschwader“. „jo natuerli noet“. De waehrschaft Buur us em Reusstal vum Lindebaergli, der sait poesivoll, halt herzig, hureglatt uff Schwiezerduetsch, uff Alemannisch :

„Gaebeli- Zettler“ zu sim 6 gablige, 30 zinkige iiseraedrige, exzenterwelle triebene, sanfte Wildheuschittler. Zuefaellig kumm ich dae au grad no vorbeigfahre zum Aagucke und hoff, dass i des pfiffig, putzig, wendig, haerzig „Gaebeli Zettlerli“ poschte, steigere u. kaufe khaa. Es haet klappt. 


Also han ich e Buuregschier Diva, als Stargascht, als Cover-Girl us de 50-er Johr beim Freiluft Mundart Schauspiel: „De Forbe Lepold“ a de Damm Arena z Wolterdinge im naeschte Johr. 
Aber au zum „Gaebeli zettle“ im naeschte Wildheu- Heibet und Oehmde uff de sit mindschends 80 johr nimme gillete Streuobst Bluemewies. 

Amend kunnt denno d Annalena mol gi waehrschaft vu Hand nochreche und nochgaebele ? 

Jo, so wars. 

Wildwest Teil II

Ich habe ja bereits über die Wildwest-Zustände  auf Hohen II geschrieben. Noch desolater sieht es dort in Sachen Grünanlagen und Bepflanzungen aus. Klar im wilden Westen gab es auch viel Staub und Dreck und außer ein paar durch die Gegend fliegenden Steppenläufer (Salsola tragus) genannt Steppenhexen, die sich so versucht haben zu vermehren, sieht man meist in diesen Dörfern des Wilden Westen nichts an Grünzeug.

Die dort lebenden Menschen waren auch eher an einem gut bestückten Saloon interessiert und an den Pfählen davor an denen sie ihre Pferde angebunden haben.

Eine frappierende Ähnlichkeit mit dem staubigen Hohen II Dorf.

Die Bewohner nutzen die dort angepflanzten Bäume oder Pfähle, je nach vorgefundenem Zustand zur Ablagerung diverser Müllvariationen, oder als Pissoir für die Hunde, die in großer Anzahl durch das Wohngebiet streifen. Der Förster Wohlleben hat für diese modernen Holzpfähle mit Grünbesatz in Beton sogar einen Namen „Straßenkinder“ Die wenigen Grünflächen im Dorf sind entweder zu Tode gemäht oder, erinnern an besagte  Staubhexen allerdings festgemacht zwischen grauen Schotterhaufen oder aber, sie strahlen in gedeckten Brauntönen, sofern öffentlich.

Pferde sind selbstverständlich durch PS-starke Wagen ersetzt, die wiehernd durch die Straßen gefahren werden, um möglichst zu zeigen was man hat oder weiteres Material heranzuschaffen. Die Wagen werden bevorzugt in Reihe auf die öffentlichen bräunlichen Streifen geparkt oder knapp an einem Baum vorbeigeführt. Ein Anbinden ist ja in dem Fall nicht mehr notwendig. Das erinnert dann stark an die überfallartigen Reitertruppen die wild um sich schießend zum Saloon galoppieren oder das Ankommen eines Wagentrecks der entsprechend Staub aufwirbelt bei seiner Ankunft.

Auch wenn die Besiedlung auf dem unwirtlichen Hohen II noch nicht ganz abgeschlossen ist und der vor den Toren ausgebaute Trail zwar hörbar aber nicht mehr sichtbar ist, so scheint es, das einige Bewohner in dieser Gegend weiter gerne Wildwest spielen möchten, obwohl man meinen sollte, man hätte dieses Zeitalter lange hinter sich gebracht.

Früher hat wenigstens ein Scheriff für Ordnung gesorgt, wenn die Cowboys es übertrieben haben, doch hier scheint die Stelle genauso vakant zu sein wie die eines Bauamtsleiters in Hüfingen.

Eine Änderung der Zustände wäre zumindest für einige Bewohner wünschenswert bevor das Dorf endgültig verstaubt ist. Und es wäre wünschenswert, wenn die Bewohner des Hohen II das gemeinschaftliche Eigentum nicht als ihr Eigentum verständen und es genauso pflegten, wie die eigene Bar und die Grillstation in ihrem Vorgarten.

Wildwest auf Hohen II

Abgesägte Parkverbotsschilder, parkende Autos auf Grünstreifen, zubetonierte Grundstücke, Ignoranz, was die Verpflichtung von Begrünung auf Garagendächern betrifft, ungepflegte Grünflächen durch die Stadt, Schottergärten, wohin man schaut – das ist Hohen II

Das einzigartige Neubaugebiet neben einer bald vierspurigen Autobahn durch einen sehr teuren löchrigen Lärmschutzwall notdürftig geschützt, dessen Grundstücke vermutlich mit Profit verkauft wurden ist das Prunkstück der ökologischen Stadt Hüfingen.

Man sollte meinen, die Grundstücksteuer müsste ausreichen, um das Gebiet anständig zu bepflanzen und die Grünanlagen so in Schuss zu halten, wie die Umrandung des Parkplatzes von Aldi. Aber nein, es interessiert schlichtweg die Stadtoberen nicht, wie es dort zugeht. Schließlich sind das ja alles Eigentümer, denen man nicht vorschreiben kann wie sie wohnen und wann sie welchen Krach machen. Und schließlich haben dort ja viele Kinder und man sollte meinen, dass sie die Zukunft ihrer Kinder nicht noch mehr aufs Spiel setzen wollen.

Leider weit gefehlt! Es ist manchem Häuslebauer schlichtweg wurscht, wie die Natur vor seiner Haustür leidet. Wichtig ist die gepflegte Grillecke im Garten und genügend Platz für das Heiligsblechle vor der Tür.

Und ob öffentliche Parkplätze seit Jahren mit irgendwelchen Steinen, die vermutlich eher verrotten, als dass sie verlegt werden belegt werden – was solls, interessiert keinen.

Welche Ignoranz herrscht in der Stadtverwaltung?  Aber wichtig ist natürlich die Schaffhauserstraße mit Blümchen zu versorgen und selbst vor Autowerkstätten noch Blumenbeete zu pflanzen, statt den Bewohnern auf Hohen II ein Umfeld zu schaffen, in dem es sich leben lässt.

Grüße aus dem Wilden Westen Hohen II in dem das Faustrecht regiert und der Scheriff ein Schläfchen hält.

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