das hätte ich im Leben nicht gedacht, dass ich zum Thema Elstern und Nestbau einmal etwas schreibe. Aber hören Sie zu: Aus meinem Isolationszimmer hatte ich beruflich über online noch zu arbeiten. Dabei ist mir ein Elsternpaar aufgefallen, das von der Giebelseite her mit Geäst im Schnabel in nordöstliche Richtung flog. Schlagartig war mir klar, dass eine Fichte in Nachbars Garten das Ziel war und der Zweck ein Nestbau. Das zu beobachten, machte meine Isolation bedeutend interessanter. Das Bild unten zeigt das Paar gemeinsam vor dem Nest, der obere Vogel mit einem Zweig im Schnabel. Was ich etwas unheimlich finde ist, wie schwierig es ist, das schwarze Auge im schwarzen Federkleid zu lokalisieren.
Hätten Sie gedacht, dass ein Elsternpaar das Leben lang zusammenbleibt? Sie können bis zu 15 Jahre alt werden. Der Nestbau geht schnell von Statten. Das hat einen Grund: Ein Elsternpaar baut gleichzeitig bis zu vier/fünf Nester und bezieht zum Schluss das, was ihnen das Sicherste zu sein scheint. Ich wette schon mal, dass dieses Nest bezogen wird, es gibt nicht besseres.
Das nächste Bild zeigt die große Dimension des Nestes. Als einzige Art bauen Elstern ein Dach über das Nest, das ist doch der Hammer. Und der Eingang ist von der Seite, sehen Sie es rechts, wie die Elster das Nest betreten will? Interessanter Weise im Osten, bei uns nicht die Hauptwindrichtung. Ja die denken etwas beim Bauen.
Bild 3 ist ein Ausschnitt von Bild zwei. Schauen Sie sich den Schwanz an, er ist sehr lang. Man vermutet, dass als eine Anpassung ist, damit sie auf Wildpferderücken besser die Balance halten können, wenn sie diese von Insekten befreien. Das ist doch wieder einmal etwas Gigantisches. Es zeigt aber auch, dass die Schwanzfedern schön gestaffelt lang sind, von außen kurz, innen lang und auf der anderen Seite nach außen wieder kurz. Das sieht man auch nicht alle Tage.
Bild 4 zeigt eine Elster, wie sie sich müht, den Eingang zu gestalten. Das Bild habe ich eingestellt, um zu sehen, wie farbenprächtig Flügel und Schwanz bei Sonnenbestrahlung sind, herrlich bläulich der Flügel und grünlich der Schwanz, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen?
Es soll etwa 450.000 Elsternpaare in Deutschland geben und zum Vergleich über 8.000.000 Amsel- und 380.000 Mönchgrasmückenpaare. Elstern sind Allesfresser, Jungvögel und Eier stehen leider auch auf dem Speiseplan. Sie sind sehr intelligente Vögel und luchsen anderen Jägern wie Füchsen auch etwas ab. Sie dürfen außerhalb von Ortschaften zu bestimmten Jagdzeiten bejagt werden.
Es ist mir wohl bewusst, dass die Ästhetik nach einer gewissen strengeren Begrenzung des Begriffes mit Gut und Böse, mit Zweckmäßig und Unzweckmäßig nichts zu tun hat, sondern sich auf das beschränkt, was die Sinne uns übermitteln. (Heinrich von Salisch: Forstästhetik. Berlin 1911)
Der Wald als „Tausendsäulensaal“, bestehend aus schlanken, kerzengeraden und dicht an dicht stehenden Fichten, hat ausgedient. Dafür hat nicht zuletzt der Klimawandel gesorgt, mit Trockenstress, Käferkalamitäten, Stürmen und Überflutungen nach Starkniederschlägen, aber auch mit neuen Anforderungen der Gesellschaft an den Wald – insbesondere im Hinblick auf seine Funktion als Kohlenstoffsenke. Mit plantagenartigen „Nadelholzfabriken“ ist jedenfalls kein Staat mehr zu machen, so sehr der (Nadel-)Holzmarkt boomt. Im Gefolge der Corona-Pandemie ist auch die Erholungsfunktion der Wälder wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt: Für Zeitgenossen, die an der Kriegsberichterstattung (was für ein altmodischer Begriff aus vermeintlich fernen Zeiten!) oder an der Hektik und den Zumutungen des Alltags zu verzweifeln drohen, die an digitaler Überforderung leiden wie an der fortschreitenden Naturentfremdung, ist der Wald oft letzte Zuflucht und Gegenwelt – wird er zum Psychotop.
So ganz neu und überraschend ist dieser Reflex einer von Krisen gebeutelten Gesellschaft freilich auch wieder nicht; schon Erich Kästner hat ihn auf den Punkt gebracht:
Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden. Und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen, doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.
Nicht alle Wälder taugen als Seelentröster, manche bleiben erstaunlich stumm, zumal der großmaschinengerecht erschlossene und „homogenisierte“ Kunstforst, der Wirtschaftswald. Da lobe ich mir den Unterhölzer Wald, das ortsnahe Naturschutzgebiet, vormals Wildpark der Fürsten zu Fürstenberg. Dort haben es mir seit Jahren zwei Buchen besonders angetan, auch wenn ich mich noch nicht dabei ertappt habe, dass ich mit ihnen „wie mit Brüdern“ rede. Ohnehin wäre ja allenfalls „wie mit Schwestern“ zu kommunizieren, gilt die Buche, „Baum des Jahres“ 2022 wie schon 1990, doch als „Mutter des Waldes“. Schon beim allerersten Besuch dort stand für mich fest: Die beiden krummen Baumgestalten scheinen miteinander zu tanzen – so wenig Bäume, bei nüchterner Betrachtung, doch im Stande sind, das Tanzbein zu schwingen. War es ein in Moll gehaltener, Chopin-Walzer, nach dem sich die beiden in meiner Fantasie bewegen oder eher ein heiterer Ringelreigen? Je nach Tages- und Jahreszeit, je nach Gemütsverfassung ließ sich mein Motiv, auch wie es sich über Jahre hinweg im Ordner Buchentanz des heimischen Rechners gespeichert findet, nicht eindeutig einer Stimmungslage zuordnen. Doch die Ästhetik der angedeuteten Tanzbewegung, der Schwung der sich nach außen lehnenden Körper erschien mir von hinreißender Eleganz – Erlkönigs Töchter (sie wiegen und tanzen und singen dich ein) dürften sich nicht viel verheißungsvoller bewegt haben.
Zugleich stellt sich – abseits jeglicher Imagination – dem Forstmann in mir natürlich die Frage nach den natürlichen Ursachen der „Performance“ dieses so augenscheinlich auseinander strebenden wie von einander angezogenen Buchenpaares. Wären die beiden einst am Stammfuß einer herrschsüchtigen Mutterbuche heran gewachsen und hätten sie sich unter deren Geäst und Blätterdach mühsam hervorgekrümmt, so wären ja wohl zumindest noch die vermoderten Andeutungen eines Wurzelstocks zu sehen. Doch der Waldboden zwischen und unter den beiden Tänzerinnen weist keinerlei Spuren davon auf. So bleibt es ihr Geheimnis, wie es zu den Stammverformungen gekommen sein könnte, wo Bäume ansonsten doch stets den direkten Weg nach oben durch den nächstbesten Lichtschacht wählen.
Ästhetik im Wald, Schönheit der Waldnatur findet sich am ehesten noch in geschützten Waldreservaten. Der Autor des 1885 erschienenen Buches „Forstästhetik“, der schlesische Gutsherr und Reichstagsabgeordnete Heinrich von Salisch (s. o.), scheiterte zwar mit seiner Idee, das Fach Forstästhetik in den Lehrplänen der Forstlichen Hochschulen zu verankern, doch seine Motive haben plötzlich wieder an Aktualität gewonnen: Man dürfe nicht erwarten, dass die Bevölkerung einen Wald liebe und schätze, „wenn sie wahrnimmt, dass die Besitzer und berufenen Pfleger des Waldes ihn mit kaltem Eigennutz als Geldquelle ausbeuten unter gänzlicher Missachtung alles dessen, was den Wald eigentlich zum Walde macht.“ Und so ist das Buch ausdrücklich auch der „Schönheit des Wirtschaftswaldes“ gewidmet.
Inzwischen hat mein Buchenpaar leider ausgetanzt. Der letzte Herbststurm hat zugeschlagen und die stammstärkere der Partnerinnen zerbrochen. Wird sich auch künftig noch ein Besuch dort lohnen? Werden Strunk und zerborstener Stamm nächstens zu Brennholz aufgearbeitet und verheizt sein, oder bleiben sie als Totholz stehen und liegen, sodass sie alsbald vom Zunderschwamm besiedelt, von Spechten bearbeitet und schließlich auch wieder dem Nährstoffkreislauf zugeführt werden können – so wie es in intakten Waldökosystemen vorgesehen ist? Gelegentlich werde ich wohl doch wieder vorbeischauen, ihr Beiden.
haben Sie sich auch schon gewundert, dass bei Sonnenaufnahmen gegenüber der Sonne ein rundes Gebilde zu sehen ist? Vor vielen Jahren war das für mich einmal ein Thema, das aber zugeschüttet wurde. Ich habe das nie mehr im Bewusstsein gehabt, bis der 99-jährige Freund Dr. Otto Kötteritzsch mir einige Bilder schickte. Sie waren gegen die Sonne aufgenommen und zeigten gegenüber der Sonne ebenfalls ein allerdings weißes rundes Gebilde. Da die Sonne, wie auf den Bildern 1 bis 3 unterschiedlich auf den Bildern platziert war, sah man die runden Gebilde auch an verschiedenen Stellen. Da Otto so etwas in seinem Leben noch nie gesehen hatte, fragte er mich, was das sein könnte, was so schnell die Stelle wechselte. Dann war das Thema wieder präsent.
Da ich in Optik kein Held bin, fragte ich Joachim Mayer von fotomayer Hüfingen. Er schrieb mir, das sind Blendenflecke, lens flare genannt. Sie sind das helle Bild der Lichtquelle – in unserem Fall der Sonne -, das durch Reflexionen an einer oder mehreren Linsen im Objektiv entsteht. In meinem Fall an einer Linse. Es hänge von vielen Faktoren ab, wie etwa der Brennweite und der Blende. Die genauen physikalischen Berechnungsgrundlagen kenne er so aber auch nicht. Soweit Joachim Mayer. Was mir aufgefallen ist, dass die Gebilde gegenüber der Sonne im gleichen Abstand vom Bildmittelpunkt entfernt sind wie die Sonne auch, siehe Bilder 1 bis 4. Fällt Ihnen in Bild 4 etwas auf? Man sieht nur einen Halbkreis entsprechend der halb untergegangenen Sonne. Bild 5 zeigt die Sonne fast in der Bildmitte und man sieht keinen Gegenpunkt. Das ist doch auch einmal etwas Interessantes, finden Sie nicht auch?
Alois Welte aus Mundelfingen hatte in seinem Status Bilder von etwas Rotem drin von einer Wanderung in der Wutachschlucht. Meine Neugier war geweckt. Sie wissen ja von meiner Vorliebe, je „roter“ um so interessanter……Ich fragte dann nach, ob es Pilze seien, was Alois Welte bejahte, aber er kenne sie noch nicht. Ganz so einfach schien das nicht zu sein, zunächst kam „Flammende Herzen“ oder „Purpurroter Prachtbecherling“. Also, ich habe dann mal „Flammende Herzen“ gegoogelt, da kamen verschiedene Süßigkeiten, brennende Herzen und ein Filmtitel von 1978 heraus…… Als ich dann Alois Welte fragte, ob er nicht etwas in der Bürgerpost bringen wolle, verneinte er dies. Wenn ich aber wolle, könne ich das gerne machen und zeitgleich schickte er mir sieben schöne Bilder. Die genaue Bezeichnung nannte er auch, „Scharlachroter Kelchbecherling“. Martin Schwenninger, der sich als Wutachranger bestens in der Schlucht auskennt, habe das bestätigt.
Der „Scharlachroter Kelchbecherling“ ist ein recht kleiner Schlauchpilz mit einem Fruchtkörper von nur 3 bis 5 cm im Durchmesser. Das auffälligste Merkmal ist die stark rot leuchtende Innenwand. Er besitzt keinen eigenen typischen Geruch. Der Scharlachrote Kelchbecherling ist ausschließlich in den westlichen USA und in Mitteleuropa heimisch. Oftmals treten die Pilze in Herden auf. Sie wachsen auf am Boden liegenden und teilweise verfaulten und bemoosten Zweigen und Stämmen von Laubbäumen, werden dabei teilweise von diesen bedeckt. Scharlachrote Kelchbecherlinge gelten in ganz Deutschland als selten, in den Roten Listen der gefährdeten Großpilze besitzen sie meist den Status „gefährdet“. Die Fruchtkörper erscheinen im zeitigen Frühling nach der Schneeschmelze, bei günstiger Witterung auch schon im späten Winter. Wir wissen, dass normaler Weise die Fruchtkörper bei den Pilzen im Herbst erscheinen, aber es gibt auch Ausnahmen wie in diesem Fall.
Vielen Dank Alois Welte, dass Du diese recht kleinen Pilze gesehen und für einen Beitrag zur Verfügung gestellt hast.
Was einem einmal durch Mark und Bein gegangen ist, vergisst man nie.
Unvergessen, Alexander Krieger
Donaueschingen 04.03.2022 / Okt. 1962
Jeden Morgen um Halb – Acht zur Schulzeit müht sich ein Mann vom Hindenburgring, durch das Friedensgässle, durch den Lassberg ins neue Gymnasium im Lehen in Donaueschingen. Während man noch das Marmeladenbutterbrot verspeist, sieht man aus dem Esszimmer auf den Gehweg. Ein Mann mit einem Stock humpelt mit von Schmerzen gezeichnetem Gesicht vorbei. Den Stock braucht er, um besser das Gleichgewicht zu halten und die Plagen, die ihm der Beinstumpf bereitet, etwas zu lindern. Die Prothese am Beinstumpf unter dem Bügelfalten Hosenbein muss ihn wohl sehr quälen. Seine Phantomschmerzen sind selbst aus der Distanz zu erahnen. Was Phantomschmerzen sind, weiß ein Quartaner in den 60-er Jahren in der Garnisonstadt aus familiären Gründen. Noch humpeln viele verhärmte Männer mit Krücken unter den Achseln durch die Stadt. Manche fahren auch mit dreirädrigen Gefährten, die sie mit den Armen antreiben und auch lenken, durch die Stadt. Das sind die unglücklichen Vollamputierten ohne Beine. Onkel Albert, dessen Holzfuß meist in der Ecke steht, quälen diese fürchterlichen Phantomschmerzen. Anschaulich und drastisch wurde einem das erklärt. Man weiß von diesen Schmerzen.
Einige Minuten nach dem humpelnden Mann mit dem Stock und der Prothese rennt man auch noch die Paar Meter zur Penne, wo es gerade klingelt. Erste Stunde Latein bei diesem zwar etwas grimmigen, leidenden, aber dennoch gütigen Mann mit der gekrümmten Haltung. Dann andere Fächer und dann in der letzten Stunde auch noch Griechisch bei diesem Mann. Altphilologe, nennt man diesen strengen, respektierten und gerechten Mann. Anders wie viele seiner traumatisierten Kollegen spricht er nie von seinen sicher fürchterlichen Erfahrungen und Erlebnissen, die ihm das Bein gekostet haben. In den letzten zehn Minuten an diesem Vormittag ist das aber plötzlich ganz anders.
Zwar haben wir die Dramatik dieser Tage im Oktober 1962 am Radio und in Erwachsenen- und Elterngesprächen mitbekommen und gespürt. Aber was nun Studienrat Alexander Krieger erklärt und eindrücklich, eindringlich erläutert geht durch Mark und Bein. Noch heute kann ich die knisternde Atmosphäre und die Aura, die dieser Mann in diesen Minuten erzeugte, fühlen und spüren.
Bewegt, aufgewühlt und tief erschüttert berichtet er von den aktuell ablaufenden Vorgängen in der Kubakrise. Namen wie Nikita Chrustschow, J.F. Kennedy und andere Weltlenker fielen. Atomkrieg, Raketen, Embargo und U- Boote. Noch nie hatte der geschundene Weltkriegsinvalide auch nur ein persönliches Wort über Krieg und Militär in seinem Latein- und Griechischunterricht verloren. Die unerwartete Weltpolitik- Unterrichstminuten beeendete er mit den Worten:
„Es ist nicht sicher, ob wir uns jemals wiedersehen“.
Psychologen reden von vier Erinnerungsebenen. Der Kollektiven, der Kulturellen, der Kommunikativen und der Episodischen. Die Episodische taucht immer wieder mal auf und holt die anderen auch an die Oberfläche. Denn 60 Jahre später endet ein erschütternd emotionaler Appel eines Staatsoberhauptes, dessen Land barbarisch und menschenverachtend überfallen wird, in einem Videoausschnitt mit einem luxemburgischen Staatsmann mit den gleichen Worten:
„ Es ist nicht sicher, ob wir uns jemals wieder treffen werden“.
Diesmal hören das nicht humanistische Spracheleven, sondern die ganze Weltöffentlichkeit. Und auch die ist, wie damals die Quartaner, zutiefst erschüttert und betroffen.
Immer wieder ist mir der unvergessliche Satz von Herrn Krieger durch den Kopf gegangen. Ob bei Vietnam , Sarajevo, Mauerfall, bei 9/11, bei Afghanistan, Chile, Irak, Syrien, Libyen und nun Ukraine. Schon deshalb haben sich die fünf wenig erfolgreichen, mühsamen Jahre Griechisch mehr als gelohnt.
Oberstudienrat Alexander Krieger bei Schulausflug auf Lindenhof Immendingen (um 1960)
der Donnerstag, der 17. Februar 2022 hatte es in sich. Regenbögen, dass die Heide wackelt, etliche waren auch in der Lokalpresse. Durch bestimmte Umstände konnte ich den Regenbogen zweimal erwischen, einmal um 8.21 Uhr vom Badfenster aus und um 9.25 Uhr zwischen Hüfingen und Donaueschingen-Allmendshofen. Erkennen Sie den Unterschied zwischen den beiden?
Ich vermute schon. Der zweite Regenbogen ist flacher als der erste. Man sieht es auch schön an den beiden anderen Bildern, die den Regenbogenfuß zeigen mit ihren unterschiedlichen Winkeln zeigen. Der linke steile Winkel gehört zum 8.21 Uhr Bogen und der flachere zum 9.25 Uhr Bogen. Wir haben das schon einmal beschrieben, vielleicht wissen Sie es noch: Der Winkel zwischen Sonne, Betrachter und Regenbogen ist immer der gleiche. Das heißt, um 8.21 Uhr stand die Sonne tiefer als um 9.25 Uhr, so dass der Regenbogen höher stand als eine gute Stunde später.
Finden Sie es nicht auch beachtlich, dass das so viel ausmacht? Jetzt kommt noch der Gipfel, wenn die Sonne hoch steht um Mittag zur Sommerszeit, dann kann es regnen, so viel es will, es wird kein Regenbogen sichtbar werden. Ist das nicht erstaunlich?
Der Abschluss dieses Regenbogentages war das eindrückliche Abendrot vor meinem Büro in Donaueschingen. Das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Der Freiburger Windkraftpionier und Chef der Firma Regiowind Andreas Markowsky hat sich seinen Frust von der Seele geschrieben. Sein im Verlag Klimaneutral erschienenes, 72 Seiten umfassendes Büchlein trägt, von den Tageszeitungen wohlwollend besprochen, den reichlich krawalligen Titel Klimaschänder. Und als solche werden darin alle geschmäht, die sich seinen unternehmerischen Vorhaben, dem Bau von Windenergieanlagen, entgegenzustellen wagen, sie verzögert, gar verhindert haben, ganz gleich ob Behörden, Verbände oder Privatpersonen. „Irgendeiner ist immer dagegen“, so überschrieb der Schwarzwälder Bote (v. 12. Februar 2022) seine Buchbesprechung, Windkraft werde in Baden-Württemberg auf vielen Ebenen blockiert. „Klimaschänder“: allenfalls Grab- und Kinderschänder, impliziert der Buchtitel, mögen es noch schändlicher treiben – wird doch beim Klima nichts Geringeres behindert als die Rettung des Planeten!
Eigentlich sei ja doch die Zustimmung für Windräder zunächst mit 70 Prozent in der Bevölkerung recht hoch, schreibt Markowsky. „Wenn es aber dann konkret wird“, so zitiert ihn der Schwarzwälder Bote, „und eine Anlage gebaut werden soll, sinkt die Zustimmung auf 50 Prozent. Das liegt daran, dass Menschen grundsätzlich Angst vor Veränderungen haben.“ Da würden sich einerseits Touristiker dagegen stemmen, weil sie angeblich die Gäste vertreiben. „In Gemeinden wie St. Peter oder Freiamt lacht man über dieses Argument, weil es nicht stimmt.“ Noch schlimmer sei häufig die Verweigerungshaltung der Behörden vor Ort, weshalb es „völlig offen“ sei, ob die Ampel-Regierung ihre Ambitionen beim Windkraftausbau durchsetzen könne.
Von St. Peter aus unsichtbar, werden die Windräder über St. Märgen zur Bildstörung
Landschaft verstehen. Industriearchitektur und Landschaftsästhetik im Schwarzwald, so lautet der Titel eines 2005 erschienenen Bildtextbandes, den Andreas Markowsky in Auftrag gegeben hatte. Anlass dafür war damals der Streitfall um zwei Windräder auf der Holzschlägermatte am Freiburger Hausberg Schauinsland; das hierfür erstellte Sachverständigengutachten zur Landschaftsverträglichkeit war so grundlegend ausgefallen, dass es auf Wunsch des Auftraggebers auch in üppig bebilderter Buchform erscheinen sollte. Doch als der Gutachter, der Freiburger Richard Schindler, Künstler und Leiter eines „Instituts für Visual Profiling & Visual Resources Development“, den Band der Öffentlichkeit vorstellte, erntete er damit vorwiegend Unverständnis, Hohn und Spott. Nicht beim Auftraggeber, versteht sich, der Betreibergesellschaft „regiowind Verwaltungs-GmbH“; desto mehr in den Leserbriefspalten: Selbst im Leserforum der (ansonsten eher Windkraft-freundlichen) Freiburger Badischen Zeitung mochte niemand applaudieren. Stattdessen beklagte man sich über die Einseitigkeit von Schindlers „Landschaftsbildanalyse“ und deren künstlerische Schalmeienklänge, auch warnte man vor Übertreibungen der Lobbyarbeit oder gratulierte zur Satire. Die Windkraftanlage als „Glücksfall“ für die Schwarzwaldlandschaft, als „skulpturale Bereicherung“, der Schwarzwald als Spielwiese von LandArt-Künstlern, das war den Lesern denn doch zuviel des Guten.
„Erzwingen die Windkraftanlagen eine Fixierung des Blicks? Verhindern sie dadurch die Wahrnehmung der Landschaft? Lenken sie unsere Aufmerksamkeit auf sich?“ (R. Schindler 2005)
Der Windkraftunternehmer und Autor von Klimaschänder scheint unterdessen nichts dazugelernt zu haben. Dass naturnahe, wenig belastete Kulturlandschaften, zumal Vorranggebiete für Erholung und Ökologie vom touristischen Ruf des Schwarzwalds, in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten deutschlandweit zur äußerst knappen Ressource, ja, zum absoluten Minimumfaktor zusammengeschrumpft sind, ist bei ihm nicht angekommen. Auch dass, neben Klima-, Biotop- und Artenschutz, auch der Landschaftsschutz ein gesetzlich verbriefter, ja sogar im Grundgesetz (Art. 20a) verankerter Auftrag ist, kann seinen Furor gegen die „Klimaschänder“ nicht besänftigen. Als ob die Rechtsprechung nicht auch den § 1 Abs. 1 Pkt. 3 des Naturschutzgesetzes zu beherzigen hätte, wo es noch immer heißt: „Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlagen des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, dass die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert ist.“ Zugegeben: das Schutzgut „schöne Landschaft“ ist in den immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen längst zu einem windelweichen Kriterium verkommen.
Windräder der heutigen Generation sind mit bis zu 250 m Gesamthöhe doppelt so hoch wie der Freiburger Münsterturm – sie natur- und landschaftsverträglich erstellen zu wollen, ist bare Illusion. Darf unterm Vorzeichen des Klimawandels nun dennoch jeder als „Klimaschänder“ verunglimpft werden, wer immer sich in sensiblen, bislang noch wenig belasteten Landschaften mit nachvollziehbaren Argumenten gegen die drohende Verspargelung zur Wehr setzt? Müssen wir deren Industrialisierung (durch Überstellung mit „Industriearchitektur“ gigantischen Ausmaßes) tolerieren, weil wir uns doch quasi bereits in einem übergesetzlichen Notstand befinden, in welchem wir uns Landschaftsschutz einfach nicht mehr leisten können?
Der streitbare Andreas Markowsky kämpft gegenwärtig um die behördliche Genehmigung des Repowerings seiner beiden in die Jahre gekommenen Windräder auf der Holzschlägermatte. Die beiden sollen künftig durch eine einzige neue, umso leistungsfähigere Windenergieanlage mit 230 m Höhe ersetzt werden. Dafür sind zwei weitere 245 m hohe Anlagen auf dem Taubenkopf geplant. Jetzt fehlen sie eigentlich nur noch oben auf dem Kamm des Hausbergs – wo die windschiefen Buchen Windmüllern doch schon immer superoptimale Windhöffigkeit angezeigt haben. Doch womöglich würden ihnen auch dort die Klimaschänder wieder einen Strich durch die Rechnung machen wollen.
Wo bleiben nur die Windräder auf dem Kamm des Freiburger Hausbergs?
am Mittwoch, den 9. Februar 2022 bin ich wegen der Saukälte nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto über die B 27 ins Geschäft gefahren. Dass die ersten Störche seit Anfang Februar hier sind, ist Ihnen sicherlich auch schon aufgefallen. Etwas früher als das Jahr zuvor. Na ja, von Spanien, dem Hauptüberwinterungsgebiet, zu uns ist es ja keine Weltreise mehr.
Vor der Abfahrt Donaueschingen Mitte sehe ich allerdings etwas anderes im ursprünglich ersten Nest des nun spektakulären Strommasten Standortes. Ich dachte, das muss ich mir näher anschauen und bin unter die Brücke gefahren und dann hoch auf die Brücke über die B 27 marschiert, von wo man gute Bilder machen kann. Und, kennen Sie die Burschen auf dem ersten Bild? Zwei Nilgänse im Storchennest, vermutlich ein Paar, denn die fangen im März zu brüten an. Ich dachte, die werden doch wohl nicht das Storchennest besetzen? Sofort rief ich den hiesigen Storchenbeaufragten Manfred Bartler an. „Die habe ich auch schon gesehen“ gab er mir zur Antwort, „letztes Jahr saßen sie auch eine Zeitlang dort“. Zum Brüten sind sie allerdings nicht gekommen, Manfred Bartler vermutet, dass die regulären Inhaber des Nestes bei der Ankunft die Nilgänse wieder vertreiben werden. Das Schöne ist, dass wir das einfach beobachten können. Ich bin gespannt darauf. Kurz nach dem Fototermin übrigens sind die Nilgänse mit Getöse abgezogen. Ich hatte wieder einmal Fotoglück.
Wenn man „Nilgänse im Storchennest“ googelt, gibt es einige Bespiele, dass die Nilgänse siegten. So auf dem Gelände des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. „Aggressive Gänse vertreiben Störche“ ist die Überschrift einer Pressemitteilung. „von 2010 bis 2012 seien acht Jungstörche groß geworden, und 2013 kamen die Nilgänse“. In Gröningen, einem Ort in Sachsen-Anhalt schaute das Storchenmännchen als Erstrückkehrer vor dem Weibchen dumm aus der Wäsche, als er sein Nest auf der alten Brauerei aufsuchte. Dreimal habe er versucht die Nilgänse zu vertrieben, ohne Erfolg wird berichtet. Aus Westerau in Schleswig Holstein wird berichtet, dass seit dem 2. Februar 2012 Nilgänse morgens und abends das Storchennest aufsuchten. Es wird vermutet, dass die Nilgänse das Nest benutzen, um in die Gegend Ausschau zu halten. Man hoffte, dass die Störche die Oberhand gewinnen, wenn sie zurückkommen.
Denkbar wäre auch folgendes Szenario: Die Brutdauer der Nilgänse beträgt etwa einen Monat. Was denken Sie, sind das Nesthocker wie der Storch, oder Nestflüchter, die sofort nach dem Schlüpfen das Nest verlassen? Natürlich Nestflüchter wie alle Gänse und Enten, das heißt, das Nest ist sofort wieder frei und es würde den Störchen reichen, wenn sie sagen wir Mitte April zu brüten beginnen.
im Schlosspark an der Donaueschinger Donau 200 m vor dem Zusammenfluss mit der Breg ist direkt am Weg eine Riesenfichte am Sterben. Die ersten etwa acht Meter sind noch grün, der Rest ist mausetot. Nicht mehr lange, dann sieht der ganze Baum so aus. Traurige Sache.
Das ist die einen Sache. Die andere ist, dass ein solcher Baum Nahrungsquelle ist zum Beispiel für Spechte. Als ich am 13. Januar das erste Mal dort war, waren gleichzeitig drei Spechtarten zu sehen.
Das Bild zeigt ein Buntspecht Männchen, den Grünspecht habe ich leider nicht erwischt, dafür aber den Schwarzspecht. Und das hat mir sehr gefallen, denn den wollte ich Ihnen schon lange vorstellen. Was mich sehr überraschte, dass der große Kerle nicht am Stamm arbeitete, sondern an den Ästen, auch an relativ dünnen.
Dort ist auch schön der schmale Hals dieser Spechtart zu sehen.
Auf dem nächsten Bild sieht man, was charakteristisch ist für Schwarzspechte, nämlich die weiße Iris und die gekrümmte Pupille, hammerhart, finden Sie nicht auch? Dort sieht man auch, dass ein Weibchen am Arbeiten ist, der rote Fleck bedeckt nur den Hinterkopf, beim Männchen ist der Oberkopf bis zum Schnabel rot. Was denken Sie, wie groß der Schnabel ist? Sagenhafte 5-6 cm.
Das letzte Bild zeigt, dass er auch gegen die Schwerkraft von unten am Ast klar kommt. Interessant zu sehen war, dass die Schwarzspechtdame nur eine wenig oberhalb der grünen Zweige die Rinde entfernte. Ich vermute, dass im abgestorbenen Teil oberhalb nichts Fressbares mehr zu finden ist.