Warum Gemeinderäte weiterhin live tagen

von Norbert Ziegeler Gemeinderat der Stadt Rottenburg am Neckar am 30. Januar 2021

Warum die Gemeinderäte von Horb und Empfingen weiter live tagen und dabei unnötige Corona-Risiken eingehen, ist mir ein Rätsel. Fürchten die Herren etwa einen Kontrollverlust, wenn sie nicht alle Räte um sich haben? Oder ist es nur Unsicherheit im Umgang mit der gar nicht so neuen Technik? Rechtsunsicherheit kann nicht der wahre Grund sein, schließlich tagen die Gremien in Rottenburg und Tübingen schon lange erfolgreich online. Alles streng nach Gemeindeordnung und geänderter Hauptsatzung.

  
Als Rottenburger Gemeinderat möchte ich die Vorteile von Videokonferenzen in Zukunft nicht mehr missen: Die Sitzungen laufen strukturierter und disziplinierter ab, es redet immer nur eine Person, es gibt weniger Nebengeräusche und Ablenkung. Durch die Funktion ‚Hand heben‘ bekommt der OB automatisch eine Rednerliste in richtiger Reihenfolge. Einige Plattformen bieten eine bequeme Abstimmfunktion, manuelles Zählen ist nicht mehr erforderlich. Dazu kommt ein Zeit- und Komfortgewinn, im heimischen Arbeitszimmer ist es doch etwas bequemer als in einer großen Halle.


Das starre Festhalten an einer analogen Welt fördert nicht gerade unsere Wettbewerbsfähigkeit. In Deutschland ziehen wir zu wenig Nutzen aus der Digitalisierung, andere Länder sind uns da leider weit voraus.

Kinderbetreuung – Weiter denken!

07.01.2021 von Frank Meckes

Ich möchte mich dem Thema der Kindergartenbetreuung widmen –
Seit einigen Monaten wird der Ausbau von Kindertagesstätten in unserer Gemeinde Hüfingen wieder stark thematisiert. Ich möchte an dieser Stelle gerne ein paar eigene Aspekte und Blickwinkel darstellen. Kinderbetreuungseinrichtungen sind wertvolle Orte, die fachlich fundiert eine hohe Qualität der Begleitung für Kinder unter 6 Jahren bieten.
Sie sind nicht einfach ein Ort, den Kinder mehrere Stunden am Tag besuchen – sie erleben dort Orte der Begegnung, des Lernens, sie wachsen miteinander und erfahren Freundschaften, angeleitet und begleitet durch Expertinnen und Experten, die unsere Kinder ein Stück Lebensweg begleiten. Die Art und Weise, wie die Diskussion meines Erachtens aktuell von politischer Seite geführt wird, läßt mehr und mehr den Eindruck entstehen, dass es bei den Überlegungen und Entscheidungen vorrangig um den „Raum“ in Zusammenhang mit dem örtlichen Standort geht. Doch wenn es so einfach wäre, gäbe es auch nicht so viel Diskussionsbedarf. Ist doch die Entscheidung, das Kind in die Obhut einer Betreuungseinrichtung zu geben maßgeblich für die weiteren Entwicklungsschritte. Eltern stellen sich viele Fragen vorab:

Ist mein Kind gut und liebevoll aufgehoben? Wird es bejahend betreut? Wie ist die Ausgestaltung der Räume und das Platzangebot? Wie gestalten sich die Konzepte und Angebote? Wie sind die Betreuungszeiten? Wie flexibel und transparent ist die Einrichtung? Diese und noch mehr Fragen beschäftigen Eltern, die Ihr Kind in eine Kindertageseinrichtung bringen. Ob das Kind nun 1 Jahr ist oder 3.

Fürstenberg


Hüfingen hat mit allen 6 Ortsteilen ein prognostiziertes Platzproblem zur Betreuung der unter und über 3jährigen. Diese Prognose ist nicht neu, weißt doch der Schwarzwald-Baar-Kreis seit einigen Jahren wieder einen verstärkten Zuwachs an Neugeborenen auf. Höher als im Landesdurchschnitt. Dies ist prima. Doch lässt es aufhorchen, dass Hüfingen in den letzten zwei Jahren Kinderbetreuungseinrichtungen auch geschlossen hat.


So wurde der Kindergarten St. Maria nach 90 Jahren in Hausen vor Wald geschlossen. Nach Aussage des Bürgermeisters bei der 1. Gmond im Januar 2020, um die Schellenberger-Schule zu stärken und hier für die Nachmittagsbetreuung neue Räume zu schaffen. Geschafft wurde allerdings augenscheinlich nichts, nun ja kaum etwas. Eilig sollen im Dezember noch die Räumlichkeiten gestrichen worden sein. Von einem Konzept zur Nutzung der „alten Kindergartenräume“ habe ich jedoch auch als Elternbeiratsvorsitzendem der Schellenberger Schule 2019/2020 nichts mitbekommen. Auch auf Nachfragen bei Ortschaftsräten ist hier eigentlich nichts passiert. Da stellt sich mir tatsächlich die Frage: Warum wurde die Einrichtung St. Maria geschlossen? Warum hat man die Eltern des Ortsteils Hausen vor Wald gezwungen, die Einrichtung zu wechseln, weil man das Angebot vor Ort entzogen hat? Und vor allem wundert folgendes: Während zum 1.9.2019 St. Maria geschlossen wurde, erschien am 17.12.2019 bereits der erste Artikel in der Zeitung, wo über Mehrbedarf an Kinderbetreuungsplätzen gesprochen wurde. Keine 3 Monate später. Im Übrigen hätte die Schellenberger Schule die zusätzlichen Raumkapazitäten während der ersten Pandemiephase gut gebrauchen können, wären die Räume tatsächlich mit einem ernsthaften Konzept für die Schule hinterlegt gewesen. Schaue ich in die Zukunft, stellt sich hier die erste Möglichkeit dar, recht schnell und ohne massiv Geld investieren zu müssen, bestandene und solide Raumkonzepte für Kindergartenkinder zu nutzen. Familienfreundlich und vor Ort. Und sogar schon neu gestrichen.

Hausen vor Wald


Auch verwunderlich ist, dass der Kindergarten St. Silvester in Sumpfohren, der zwar zu einer reinen Unter-3jährigen-Einrichtung für über 60.000 Euro umgebaut wurde, auch hätte bestehen bleiben können. Auch dieser wurde zum 1.9.2019 aufgegeben. Ein Kindergarten der durch Elterninitiative entstand und mit Leben gefüllt war. Mir ist bekannt, dass bereits im Frühjahr 2019, als der Kindergarten St. Silvester zur Umwandlung/Auflösung anstand, dem Bürgermeister ein Konzept für einen Bauerhofkindergarten vorgestellt wurde. Auch soll die Ortsvorsteherin das Konzept befürwortet haben. Jedoch wurde das Konzept nicht weiter bedacht und verschwand – hoffentlich – mindestens nur in einer Schublade. Sprechen wir also heute von der Errichtung eines Waldkindergartens, lag der Stadt bereits ein artverwandtes Konzept bereits im Frühjahr 2019 vor.


Eines bleibt bei den ersten zwei Standorten jedoch unbestritten und ist mir wichtig zu unterstreichen: Die neue Kindertagesstätte St. Georg in Behla hat im ersten Jahr Ihres Bestehens überzeugt und hat sich meines Erachtens großartig etabliert. In Konzeption, mit motivierten und kreativen Mitarbeiterinnen sowie im Zusammenspiel mit der Elternschaft. Auch in der wirklich für alle schwierigen Phase der Pandemie ab Frühjahr 2020.

Kindergarten Behla


Heute hört man vielerlei Wirrwarr über Standorte oder Möglichkeiten. Wie so oft wird wenig konkretisiert an die Öffentlichkeit gegeben. Daher komme ich nun zu dem, was man hört: Es ist zum einen von einem Kindergarten im Baugebiet Hohen II die Rede. Ein Neubau soll es dort sein. Doch wo? Plant man nicht ein Wohngebiet nach den Bedürfnissen der neuansiedelnden – meist jungen – Familien. Ist es da nicht sinnvoll, einen Kindergarten zentral zu positionieren. Hier scheint es gerade umgekehrt zu sein. Da geht es nach dem Bedarf, der „plötzlich“ auftritt und dann muss irgendein Raum dafür herhalten. Vergleiche ich jedoch die Anzahl der Bauflächen mit den geplanten Bauflächen der weiteren 5 Teilorte, so sehe ich zumindest hier ein Ungleichgewicht zu Gunsten einer Lösung in den Teilorten . Auch muss man bedenken, dass ein Kindergartenneubau nicht gerade ein kostengünstiges Vorhaben darstellt. So hat Bad Dürrheim für seinen Kindergarten-Neubau gute 4 Millionen Euro investiert (davon ca. 1 Millionen aus Zuschüssen von Land und Stadt). Dieser ist zwar groß geplant mit insgesamt 6 Gruppen, aber mal eine finanzielle Orientierung. Der Umbau der Kindertageseinrichtung in Behla von der ehemaligen Grundschule zum Kindergarten mit drei Gruppen hat mindestens 1,3 Millionen Euro gekostet. So können wir bei einem Kindergartenneubau von mindestens 2 bis 2,5 Millionen Euro ausgehen.


Als weitere Option hört man über die Aufstockung des Gebäudes der Einrichtung St. Verena in der Friedensstraße. Also, das Aufsetzen eines Stockwerks auf das bestehende Gebäude. Die Frage stellt sich dabei, welche Art der Einrichtung wir für unsere Kinder sehen. Eine Art „Aufbewahrungsstätte“ mit 200 Kindern und mehr oder ein Ort zwischen Lernen dürfen, Natur, Rückzugsmöglichkeiten, persönliche Begegnungen und Geborgenheit, der individuelle Begleitung ermöglicht? Denn irgendwann kommt jede pädagogische Konzeption auch an ihre Belastungsgrenze. Ich gebe dabei zu bedenken, dass in St. Verena in den letzten Jahren einige bauliche Erweiterung stattgefunden haben. Mehr Raum für Erweiterung sehe ich hier auch konzeptionell nicht. Das Investitionsvolumen lag dabei bei über 1 Mio. Euro . Zwei Krippengruppenräume sind entstanden und eine Mensa. Räume, die dem heutigen Standard entsprechen.

Kindergarten St. Verena Hüfingen


Betrachten wir nun die Bedarfsplanung, so lassen sich die derzeitigen Steigerungen über die noch freien Plätze in Fürstenberg und Behla abdecken. Und ja. Es entsteht für Eltern der Aufwand, die Kinder über eine Kurzstrecke fahren zu müssen. So wie es die Eltern der Ortsteile auch seit dem 1.9.2019 verstärkt machen. Hier wurde, um auch dies nochmals mit Nachdruck anzumerken, von den Eltern der Teilorte vorausgesetzt, dass Sie zur Betreuung in einer guten Einrichtung auch mal ein Stück fahren müssen. Auch dies ist von Eltern im Ortsteil Kernstadt zu erwarten. Eine Wiedereröffnung von St. Maria wäre eine Möglichkeit, kostengünstig vorhandene Räume zu nutzen (diese wären ja, wie bereits erwähnt, jetzt sogar gestrichen und auch die WC sind noch kindgerecht verbaut).


Verwunderlich ist auch, als beim Neuaufbau der Schule in Hüfingen niemand an einen erweiterten Bildungscampus mit Kindergarten gedacht hatte. Das wäre ein schlüssiges, zukunftsfähiges und in sich aufbauendes System gewesen. Mit Möglichkeiten der Vorschulbetreuung und Konzepten, die eine Weiterführung in das heutige Schulsystem an vielen Stellen vereinfacht hätten. Bei einem Investitionsvolumen in der Lucian-Reich-Schule von über 19 Millionen Euro in den letzten überschaubaren Jahren ein durchaus von den Planer zu berücksichtigender Aspekt in der Betrachtung. Leider versäumt. Gerade an diesem Standort auch für die neuen Anwohner auf Hohen II ein durchaus guter Ort mit ausreichend Parkplätzen, (Schwimmbad) und Sportanlagen. Und eine Nutzung von Räumen bei Reduzierung der Bedarfszahlen durch die Schule nutzbar.

Schule Hausen vor Wald


Auch an dieser Stelle frage ich mich nach der Konzeption und der Kompetenz, die in die planerischen Systeme einfließen, wenn wir von Betreuung und Bildung, Familienfreundlichkeit und Attraktivität des Standortes sprechen. Da hilft es auch mal, die vor Ort befindlichen Systeme, Träger und Betroffenen auf Augenhöhe ins Boot zu nehmen. Denn es gilt auch im kommunalen System. Lieber am Anfang mehr Geld in die Hand zu nehmen, als alle paar Jahre die gleichen Aufgaben mit hohen Beträgen neu denken zu müssen.


Sinnvoll wäre auf jeden Fall, mal eine Konzeption aufstellen zu lassen, welche die Prognosen gesellschaftlicher Entwicklungen der nächsten 10 bis 15 Jahre im Blick hat. Es erweckt immer wieder den Eindruck, dass man von den Bedarfen jährlich überrascht wird.


Auch eine Konzeptausschreibung in der Trägerlandschaft, gerne auch landesweit, könnte neue Erkenntnisse, Konzepte oder Partner bringen. Wissen doch die Träger mit ausgebildeten Expertinnen von Kindereinrichtungen am besten, wie Kindergarten funktioniert und wo Synergiebrücken entstehen. Und nur als Gedankenansatz: Neben den Kirchen gibt es auch zahlreiche freie Träger, die sich auf Ausschreibungen beteiligen würden, Ideen haben, eltern- und in erster Linie kindgerechte Angebote entwickeln können.


Aufgrund der – in der Presse erwähnten – angespannten finanziellen Lage Hüfingens bei der Reduzierung der Rücklagen des Kommunalhaushalts, vielleicht eine Option, bevor über waghalsige ungriffige Konzepte geredet wird, die nicht langfristig tragfähig sind. Am Ende möchte ich gerne noch einen Hinweis geben: Wir Elternvertreter sind bestimmt die Letzten, die sich eines ernstgemeinten Dialogs bei der Weiterentwicklung der Kinderbetreuungseinrichtungen entziehen würden. Man muss uns nur ansprechen.

Antworten von Jens Metzger

Wir haben den Landtagskandidaten eine Liste mit vier Fragen zugesandt und um Beantwortung gebeten.

Ein Politiker hatte Hüfingen mal als Wurmfortsatz von Tuttlingen bezeichnet. Das stimmt ja auch, da Hüfingen bis jetzt irgendwie von den Kandidaten vom Schwarzwald-Baar-Kreis mitbetreut wird. Gerne hätten wir aber auch einen Ansprechpartner in Stuttgart, den wir auch wählen dürfen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Jens Metzger:
Hüfingen und damit vermutlich die ganze Südbaar als Wurmfortsatz zu bezeichnen ist mindestens eine schlechte Wortwahl. Und im schlimmsten Fall wird hier offensichtlich, dass in der Politik oft nach Mehrheiten entschieden wird: die Mehrheit der wahlberechtigten Bürgerinnen lebt im Landkreis Tuttlingen, deshalb wird die Vertretung desselben von manchen Lokal-Politiker*innen als wichtiger angesehen.
Für mich ist jedoch völlig klar, dass ich als Landtagsabgeordneter des Wahlkreises 55 alle Bürger*innen gleich vertreten will, egal ob diese nun im Landkreis Tuttlingen oder in der Südbaar leben und arbeiten.

Beim Beantworten dieser Frage ist eine weitere Frage in mir aufgekommen: Welche Funktion hat ein eigentlich der Wurmfortsatz?

In der Schule hatte ich noch gelernt, dass der Wurmfortsatz des Blinddarms keinen Nutzen hat: der Wurmfortsatz des Blinddarms ist, wie die Weisheitszähne, ein Rudiment (ein durch die Evolution funktionslos gewordenes Organ), das uns Menschen im Falle einer Blinddarmentzündung sogar noch Schmerzen hinzufügt.
Mittlerweile ist die Forschung hier aber auch schon wieder weiter. So geht man davon aus, dass der Wurmfortsatz, der sehr viele Lymphfollikel enthält, eine wichtige Funktion bei der Immunabwehr innehat. Außerdem bietet er nützliche Darmbakterien eine Art Unterschlupf, von welchem aus sie – nach einem Darminfekt – den gesamten Darm wiederbesiedeln.

Ich selbst würde Hüfingen immer noch nicht als Wurmfortsatz bezeichnen.
Aber wenn man die „neu“ entdeckte Funktion des Wurmfortsatzes kennt, so könnte man das vielleicht sogar als Kompliment sehen: Hüfingen und die Südbaar als Keimzelle der Heilung. Das ist doch eine charmante Bezeichnung. Insbesondere zu Zeiten, in denen wir mehr den je auf ein funktionierendes Immunsystem angewiesen sind.

Ein großes Thema hier in Hüfingen ist die Transparenz. Wie stehen Sie zur Veröffentlichung von Protokollen und zur Kommunikation von Ergebnissen von Sitzungen?

Jens Metzger:
Es steht für mich außer Frage, dass Protokolle von öffentlichen Sitzungen dem/der Bürger*in zugänglich gemacht werden müssen. Der Gemeinderat ist die Vertretung der Bürger*innen und das Hauptorgan der Gemeinde. Dementsprechend sind Protokolle öffentlicher Sitzungen wichtige Informationsquellen und es muss das gemeinsame Ziel des gesamten Gemeinderates sein, über seine Arbeit und Entscheidungen aufzuklären.
Für mich geht das über die Veröffentlichung von Protokollen oder die amtliche Bekanntmachung hinaus. In Zeiten der Informationsflut müssen Gemeinderat und Verwaltung gemeinsam überlegen, wie sie möglichst viele Menschen erreichen. Das kann zum Beispiel über die vermehrte Nutzung von Social Media geschehen oder durch die Einführung einer Bürger-App, die es den Bürger*innen ermöglicht schnell an alle wichtigen Informationen zu kommen.

Manche Kommunen schaffen die Unechte Teilortswahl ab, wenige führen sie wieder ein. Ein Argument für die Abschaffung führen manche an, dass diese Wahl undemokratisch sei, da Kandidaten/Innen aus kleinen Stadtteilen mit weniger Stimmen gewählt werden könnten, andere wiederum sind der Meinung, dass eben Parität auch zur Demokratie gehört. Wie sehen Sie das?

Jens Metzger:
Die Kurzzusammenfassung meiner Sicht: Wenn man die Unechte Teilortswahl abschafft, dann schafft man damit auch gleichzeitig die politische Beteiligung in den kleinen Stadtteilen ab. Und das wäre ein schlechtes Zeichen für unser demokratisches System.
Das belegt auch eine Umfrage des Städtetages aus dem Jahr 2007. Dort kam heraus, dass bei der ersten Wahl nach Abschaffung der unechten Teilortswahl bei 45% der Kommunen ein oder mehrere Stadtteile nicht mehr im Gemeinderat vertreten waren. 
Und wie fühlt es sich für eine*n Bürger*in an, der/die keinen politische*n Vertreter*in in seinem/ihrem Stadtteil mehr hat? Schlecht. Man fühlt sich nämlichen der politischen Mitsprache beraubt. 

Ein Kritikpunkt bei der Unechten Teilortswahl ist es, dass sie komplizierter ist und deshalb weniger Leute zur Wahl gehen.
Anstatt jedoch die Unechte Teilortswahl abzuschaffen, ist es auch hier Aufgabe des Gemeinderates, der Verwaltung und meines Erachtens auch des Landes Baden-Württembergs die Bürger über die Gründe und die Funktionsweise des Wahlverfahrens der Unechten Teilortswahl aufzuklären.

Die Biotopvernetzung ist auf dem Land ein großes Thema und es gibt große Spannungen zwischen Landwirtschaft, den vielen Neubaugebieten der Kommunen und dem Naturschutz. So braucht jede Ortschaft ein möglichst großes Neubaugebiet das auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen entsteht und die Landwirte werden wiederum immer mehr in die Natur gedrängt und müssen immer weniger Boden intensiver nutzen. Wie wollen Sie diesen Konflikt angehen?

Jens Metzger:
Eine sehr spannende Frage!
Wichtig ist es für mich hier zu betonen, dass wir aufhören müssen, Landwirtschaft, Naturschutz und Wohnraum als gegenseitige Konkurrenten zu sehen.
Sondern wir müssen die verschiedenen Bereiche zusammen denken.
Wie?

Hier ein paar Beispiele:

Wohnraum: Wohnraumverdichtung in den Innenbereichen der Gemeinden, die einerseits zum Ortsbild passt und gleichzeitig ökologischen Fragestellungen gerecht wird (zum Beispiel durch mehr Gründächer oder der konsequenten Durchsetzung des Schottergarten-Verbots).
Gerade im ländlichen Raum gibt es noch viel Wohnraum-Potenzial in den ehemaligen Wirtschaftsteilen der alten Bauernhäuser.

Landwirtschaft: Größer werdende Gemeinden – im Sinne der Einwohnerzahl – bieten Landwirt*innen auch Vorteile. Durch die wachsende Anzahl an Konsumenten vor Ort können lokale Wirtschaftskreisläufe aufgebaut werden, in welchen der/die Landwirt*in nicht mehr zu Weltmarkt-Preisen produzieren muss, sondern seine lokale Gemeinde zum Beispiel via Direktvermarktung mit Nahrungsmitteln und/oder Energie versorgt. Eine weitere Möglichkeit, die insbesondere auch den Kontakt zwischen Landwirt*in und Verbraucher*innen stärkt, ist die Solidarische Landwirtschaft.

Naturschutz: Für mich gehen Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand. Allerdings müssen sich hierfür die Rahmenrichtlinien maßgeblich ändern und die werden in der EU mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorgegeben. Mit dem derzeitigen Beschluss der Abgeordneten von CDU/CSU, FDP und ihren Europäischen Schwesterparteien wird der Großteil der Steuergelder, die 1/3 des EU-Haushaltes ausmachen, weiterhin an Großgrundbesitzer*innen und die vor- und nachgelagerte Agrarindustrie gehen – und nicht an Landwirt*innen, die eine zukunftsweisende Landwirtschaft betreiben wollen.
Das muss sich ändern: Landwirt*innen, die Naturschutz/Klimaschutz und Landwirtschaft zusammenbringen, müssen dafür belohnt werden.

Ein Weihnachtswunsch für die politische Vielfalt

21. Dezember 2020 von Philipp Polster

Baden-Württemberg steht für mich an sehr vielen Stellen für Vielfalt, insbesondere im Kleinen. Jede Stadt, jedes Dorf, ja jeder Teilort steht hier für genug Geschichte, Tradition und Brauchtum um eine Heerschar von Historikern und anderen Wissenschaftlern über Jahre zu beschäftigen. Und zwar rund um das Jahr, sei es zu Weihnachten oder Fasnet, und ja, auch zu Hanukkah oder dem Ramadan.

In einem tut sich das Land aber schwer: Der politischen Vielfalt und Buntheit in der Landespolitik.

Viele von uns tun sich schwer mit den kleinen Parteien und die kleinen Parteien tun sich deshalb schwer im Land. In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie, grade auf dem Land, kaum vertreten.

Meine eigene Partei, Die Linke, hat es von allen kleineren Parteien hier noch am einfachsten:

Wir sind für viele anerkanntes Feindbild und man kennt wenigstens einige prominente Gesichter aus der Bundespolitik, sei es unsere Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel, Sahra Wagenknecht oder Gregor Gysi. Doch wie viele politisch aktive Menschen von Piraten, Die PARTEI, Volt, Humanisten oder ÖDP können Sie aus dem Kopf aufzählen? Hand aufs Herz, bei wie vielen dieser Parteien wissen Sie ungefähr wofür diese stehen?

Sind wir ehrlich, die wenigsten können diese Fragen beantworten. Das ist nicht schlimm, aber schade.

Denn viele dieser Parteien sind weit mehr als ein-Themen-Parteien. Die Piraten sind weit mehr als eine „Internet-Partei“ geworden, die ÖDP hat weit mehr als nur „Umweltschutz“ im Programm, wir als Linke stehen für viel mehr als „Mietendeckel und Pflegepolitik“.

Auch viele der kleineren Parteien haben, oft in mühevoller Kleinarbeit, entsprechende Wahlprogramme ausgearbeitet, die vor allem viele derjenigen die sich in im Programm keiner der großen Parteien wieder finden und daher nun gar nicht wählen gehen, auffangen könnten.

Hinter diesen Parteien stehen keine Berufspolitiker, keine Großspender. Sondern normale Menschen die etwas ändern wollen in diesem Land.

Doch die meisten dieser Parteien werden Sie im März 2021 nicht auf Ihrem Wahlzettel finden.

Denn Baden-Württemberg hat sich selbst ein Wahlrecht verordnet, das es den kleinen Parteien mit am schwersten macht.

Für die Teilnahme in jedem Wahlkreis benötigen Sie 150 Unterstützerunterschriften. Nicht online, sondern auf speziellen, vom jeweiligen Kreiswahlleiter bereit gestellten Formularen welches nach Unterschrift noch manuell von den Gemeinden beglaubigt werden muss.

Besonders schön ist auch das Kleingedruckte: Jede(r) Wahlberechtigte darf hierbei natürlich nur eine Partei unterstützen. Wo kämen wir denn da hin, wenn jemand mehr Vielfalt möchte und sich vielleicht nicht nur von einer Partei vertreten sieht?

Zum Vergleich: Diese Hürde liegt fast fünf Mal höher als im benachbarten Rheinland-Pfalz und (je nach Region) mind. doppelt so hoch wie in Bayern.

Zwar hat der Landtag aufgrund eines Urteils des Verfassungsgerichts (1 GR 101/20) die Zahl der Unterstützerunterschriften für diese Wahl halbiert. Doch selbst damit bleibt man weit über den Anforderungen, die in anderen Bundesländern gelten.

Doch die Zeiten sind besonders: Veranstaltungen sind nicht möglich, Infostände nur eingeschränkt machbar, persönliche Gespräche mit Unterstützern unmöglich. Doch nur damit sind Menschen zu überzeugen, zu informieren, zu begeistern. Für Parteien deren Inhalte man nur selten in den Medien findet.

Täglich stellt sich für die KandidatInnen und ihr Team die Frage: Unterschriften sammeln oder Kontakte reduzieren? An den Infostand oder doch lieber die Kontaktreduktion?

Erst Recht, da in vielen Parteien Menschen, die man den Risikogruppen zurechnet zu den aktivsten Helfern gehören.

Will man hier etwas riskieren?

Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Die Angst war und ist enorm. Keine Kandidatur ist es wert, dass dafür Menschen zu Tode kommen oder eine Corona-Erkrankung mit ihren potenziell schweren Verläufen und unbekannten Folgen durchmachen.

Schließlich darf man eines nicht vergessen:

Selbst wenn man es zur Wahl schafft: Unser System der reinen Erststimmen (ein echtes Unikat in den Landtagswahlgesetzen) sorgt dafür, dass die großen Parteien auch bei der eigentlichen Wahl bevorzugt werden. Es gibt zahllose Untersuchungen dazu, dass kleinere Parteien v.a. von Zweitstimmen profitieren, eine Möglichkeit, die in Baden-Württemberg eben nicht gegeben ist.

Die Regierung Kretschmann, die ihre Wurzeln ja auch in zwei aufstrebenden Kleinparteien hatte, hat eine mögliche Modernisierung des Wahlrechts zu Gunsten der Chancengleichheit und Vielfalt leider mit ihrem Regierungsantritt vergessen. Konkurrenz belebt das Geschäft leider nicht immer.

Damit bleibt die politische Vielfalt, die in diesem Land eigentlich herrscht weiterhin im Schatten, taucht weder auf den Wahlzetteln noch auf in den Wahlergebnissen auf, bleibt das ehrenamtliche Engagement tausender Helfer unbemerkt und noch mehr Menschen fühlen sich vom Programm der großen Parteien nicht abgeholt und gehen gar nicht wählen.

Lassen Sie mich daher einen kleinen Weihnachtswunsch an Sie richten:

Viele von uns spenden zu Weihnachten etwas an Hilfsorganisationen, Vereine und Kulturträger. Verzeihen Sie es mir bitte, wenn ich Sie an dieser Stelle auch um eine kleine Spende bitten möchte:

Spenden Sie dieses Weihnachten doch einmal eine Unterschrift. Eine Unterstützerunterschrift für eine kleine Partei honoriert all diejenigen politisch aktiven Menschen die in diesen schwierigen Zeiten das Risiko nicht gescheut haben und trotzdem zahllose Stunden in Aufstellungsversammlungen, Wahlprogrammdebatten, Parteitagen und vor allem an Infoständen verbracht haben. Selbst wenn Sie diese Partei vielleicht im März nicht wählen wollen hilft ihre Unterschrift enorm. Sie kostet Sie nur etwas Zeit.

Denn sie sorgt dafür, dass andere zu mindestens die Wahl haben.
Sie sorgt dafür, dass wir mehr politische Vielfalt und Buntheit in unserer Landespolitik erhalten. Denn für diese Vielfalt steht unser Baden-Württemberg.

Antworten von Guido Wolf

Wir haben den Landtagskandidaten eine Liste mit vier Fragen zugesandt und um Beantwortung gebeten.

Ein Politiker hatte Hüfingen mal als Wurmfortsatz von Tuttlingen bezeichnet. Das stimmt ja auch, da Hüfingen bis jetzt irgendwie von den Kandidaten vom Schwarzwald-Baar-Kreis mitbetreut wird. Gerne hätten wir aber auch einen Ansprechpartner in Stuttgart, den wir auch wählen dürfen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Guido Wolf:
Von wem auch immer dieses Wurmfortsatz-Zitat stammen mag: Es muss entweder als (schlechter) Witz gemeint gewesen sein oder zeugt von maximaler Ahnungslosigkeit. Hüfingen ist als Gemeinde fester und bedeutender Teil dieses Wahlkreises. Hüfingens Bedeutung steht der anderer Gemeinden in diesem Wahlkreis in nichts nach, warum sollte sie das auch?! Für meinen Teil – und das galt auch für meine Vorgänger – kann ich sagen, dass mir Hüfingen in den vergangenen Jahren in keiner Weise weniger wichtig war als andere Städte und Gemeinden in diesem Wahlkreis. Das lässt sich auch anhand meiner Präsenz in Hüfingen in den vergangenen Jahren belegen. Hüfingen wird auch künftig in Stuttgart vertreten und nicht, wie es in der Frage formuliert ist, lediglich mitbetreut.

Ein großes Thema hier in Hüfingen ist die Transparenz. Wie stehen Sie zur Veröffentlichung von Protokollen und zur Kommunikation von Ergebnissen von Sitzungen?

Guido Wolf:
Transparenz halte ich für wichtig. In den vergangenen Jahren wurden auf Landes- und auf Bundesebene zahlreiche Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, die staatliche Stellen zu mehr Transparenz verpflichten. Ich halte das für richtig. Wo es keine zwingenden gesetzlichen Vorschriften gibt, zum Beispiel zum Schutz der Privatsphäre, die dem entgegenstehen, spricht aus meiner Sicht nichts gegen Offenheit und Öffentlichkeit.

Manche Kommunen schaffen die Unechte Teilortswahl ab, wenige führen sie wieder ein. Ein Argument für die Abschaffung führen manche an, dass diese Wahl undemokratisch sei, da Kandidaten/Innen aus kleinen Stadtteilen mit weniger Stimmen gewählt werden könnten, andere wiederum sind der Meinung, dass eben Parität auch zur Demokratie gehört. Wie sehen Sie das?

Guido Wolf:
Die Unechte Teilortswahl ist eine Sonderregelung des Kommunalwahlrechts in Baden-Württemberg und seit der Gebietsreform in den 70er Jahren ein Dauerthema für die Kommunen. Gleichzeitig ist sie der wohl komplizierteste und umstrittenste Teil der baden-württembergischen Kommunalwahlrechts. Viele Kommunen haben die Unechte Teilortswahl inzwischen wieder abgeschafft, weil sie auch einige Nachteile mit sich bringt. Über ihren Sinn und Unsinn streiten sich auch Wissenschaftler. Das schöne ist aber, über ihre Anwendung kann jede Kommune selbst entscheiden. Das ist eine originäre kommunale Angelegenheit, da steht es einem Landespolitiker nicht zu, sich einzumischen.

Die Biotopvernetzung ist auf dem Land ein großes Thema und es gibt große Spannungen zwischen Landwirtschaft, den vielen Neubaugebieten der Kommunen und dem Naturschutz. So braucht jede Ortschaft ein möglichst großes Neubaugebiet das auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen entsteht und die Landwirte werden wiederum immer mehr in die Natur gedrängt und müssen immer weniger Boden intensiver nutzen. Wie wollen Sie diesen Konflikt angehen?

Guido Wolf:
Die Nachfrage nach und der Bedarf an Flächen wächst stetig. Die Flächenknappheit wird in der Tat zunehmend zum Problem. Die Lösung kann nur ein fairer Ausgleich zwischen allen Beteiligten sein, unter besonderer Berücksichtigung der Gewissheit, dass unsere Ressourcen endlich sind.

Unsere regionale Landwirtschaft muss erhalten werden, um qualitativ hochwertige Lebensmittel in Deutschland zu produzieren. Unsere Landwirtschaft ist Garant für nachhaltiges Wirtschaften, für die räumliche Nähe von Produzenten, Verarbeitern und Verbrauchern sowie für den Erhalt unserer regionalen Kreisläufe. Aber der Naturschutz muss dahinter nicht zurückstehen.
Wir als CDU sehen außerdem großes Potential in der sogenannten Produktionsintegrierten Kompensation (PIK). Ziel ist es hierbei, auf ein- und derselben Fläche Bewirtschaftung und Ökologie gleichermaßen zu ermöglichen. Landwirtschaftliche Nutzung kann erfolgen und die Flächen können gleichzeitig dem bauplanungsrechtlichen Ausgleich oder der naturschutzrechtlichen Kompensation dienen. Zudem gilt es zu prüfen, inwiefern eine ökologische Aufwertung von Freiflächen im Innenbereich von Städten und Gemeinden gefördert werden kann, um die landwirtschaftliche Flächen, insbesondere vor dem Hintergrund der regionalen Versorgung, zu schützen.

Antworten von Philipp Polster

Wir haben den Landtagskandidaten eine Liste mit vier Fragen zugesandt und um Beantwortung gebeten.

Ein Politiker hatte Hüfingen mal als Wurmfortsatz von Tuttlingen bezeichnet. Das stimmt ja auch, da Hüfingen bis jetzt irgendwie von den Kandidaten vom Schwarzwald-Baar-Kreis mitbetreut wird. Gerne hätten wir aber auch einen Ansprechpartner in Stuttgart, den wir auch wählen dürfen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Philipp Polster:
Ich muss gestehen, dass ich ob dieses Zitats zuerst ein wenig sprachlos war. Eine Gemeinde von der Größe Hüfingens als Wurmfortsatz Tuttlingens zu bezeichnen grenzt für mich an Arroganz. Fakt ist: Auch wenn der Wahlkreis Tuttlingen um einige Gemeinden des Altlandkreises Donaueschingen ergänzt wurde, muss die Vertretung für alle Wählerinnen und Wähler gleich ausgeprägt sein, egal ob sie aus Bärenthal, Tuttlingen oder Hüfingen kommen. In unserer Demokratie hat jede Stimme den gleichen Wert und damit genauso viel Vertretung verdient.

Leider ist der Plan meiner Partei in Hüfingen und Donaueschingen Aktionen vor Ort durchzuführen von der Pandemie bzw. deren zweiter Welle verhindert worden, wir arbeiten aber aktuell mit Hochdruck an einer Möglichkeit damit auch Hüfinger Wähler die Möglichkeit haben in einem virtuellen Format mit uns zu sprechen.

Ein großes Thema hier in Hüfingen ist die Transparenz. Wie stehen Sie zur Veröffentlichung von Protokollen und zur Kommunikation von Ergebnissen von Sitzungen?

Philipp Polster:
Sowohl für meine Partei als auch für mich persönlich ist das Thema essentiell und muss dringend ausgebaut werden. Die automatische Veröffentlichung von Protokollen und Sitzungsergebnissen müssten meiner Meinung nach Pflicht werden – und zwar nicht nur für die demokratischen Institutionen, sondern auch für die in Baden Württemberg ja sehr breit vorhandenen Organe der Selbstverwaltung wie den Jugendhilfeausschuss, den Bereichsausschuss Rettungsdienst, etc..

Ebenso benötigen wir dringend mehr Transparenz in Parteien. Lobbyisten-Kontakte, Nebeneinkünfte und Spenden müssen vollständig transparent publiziert werden, Zuwendungen von Firmen, insb. aus dem Ausland müssen dringend untersagt werden. Verstöße müssen empfindliche Folgen haben.

Diese Daten müssen aus meiner Sicht verpflichtend zentral publiziert werden, Seiten wie Abgeordnetenwatch.de, fragdenstaat.de oder Topf Secret zeigen wie gut so etwas funktionieren könnte.

Manche Kommunen schaffen die Unechte Teilortswahl ab, wenige führen sie wieder ein. Ein Argument für die Abschaffung führen manche an, dass diese Wahl undemokratisch sei, da Kandidaten/Innen aus kleinen Stadtteilen mit weniger Stimmen gewählt werden könnten, andere wiederum sind der Meinung, dass eben Parität auch zur Demokratie gehört. Wie sehen Sie das?

Philipp Polster:
Ein schwieriges Thema da beide Seiten gute Argumente zu Felde ziehen können. Der Wunsch nach Repräsentation ist genauso gut zu verstehen wie die Sorge nach dem demokratischen Gleichgewicht. Am Ende sehe ich es aber eher als Problem an, wenn das demokratische Gleichgewicht verändert wird. Aus meiner Sicht benötigen wir hier ein neues Modell, dass sowohl den demokratischen Gegebenheiten als auch dem Wunsch nach Repräsentation besser gerecht wird als die beiden derzeitigen, sich sehr widersprechenden, Modelle. 

Die Biotopvernetzung ist auf dem Land ein großes Thema und es gibt große Spannungen zwischen Landwirtschaft, den vielen Neubaugebieten der Kommunen und dem Naturschutz. So braucht jede Ortschaft ein möglichst großes Neubaugebiet das auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen entsteht und die Landwirte werden wiederum immer mehr in die Natur gedrängt und müssen immer weniger Boden intensiver nutzen. Wie wollen Sie diesen Konflikt angehen?

Philipp Polster:
Aus meiner Sicht ist die Neubaugebiet-Problematik v.a. ein Symptom unserer verfehlten Wohnungspolitik der letzten Jahrzehnte. Für viele junge Familien ist das Neubaugebiet im Grünen der notwendige Kompromiss, um endlich aus verfahrenen Mietsituationen raus zu kommen und in den eigenen vier Wänden nicht länger der Willkür einer Immobilienfirma ausgeliefert zu sein bzw. überhaupt etwas „Eigenes“ zu besitzen. Dieser Effekt, der zuerst v.a. den „Speckgürtel“ um die großen Ballungszentren betraf, hat mittlerweile auch die vermeintlich ruhigeren ländlicheren Regionen im Südwesten erreicht.

Hierbei wird dann oft, gerne auch unter dem Eindruck des großen Profits einiger weniger, der Charakter von ganzen Ortschaften umgekrempelt und die Ökologie bei Seite geschoben.

Auch unabhängig von der wohnungspolitischen Komponente muss das Land hier dringend für Regeln sorgen, die einen fairen Ausgleich zwischen den Interessenslagen sorgen.

Antworten von Niko Reith

Wir haben den Landtagskandidaten eine Liste mit vier Fragen zugesandt und um Beantwortung gebeten.

Ein Politiker hatte Hüfingen mal als Wurmfortsatz von Tuttlingen bezeichnet. Das stimmt ja auch, da Hüfingen bis jetzt irgendwie von den Kandidaten vom Schwarzwald-Baar-Kreis mitbetreut wird. Gerne hätten wir aber auch einen Ansprechpartner in Stuttgart, den wir auch wählen dürfen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Niko Reith:
Explizit hatte der besagte Abgeordnete Donaueschingen als Appendix im Hinblick auf die Gewichtung der Gemeinden des Wahlkreises 55 Tuttlingen-Donaueschingen bezeichnet. Gemeint hat er vermutlich aber die gesamte Südbaar, also die Städte Hüfingen, Blumberg und Donaueschingen, die etwa ein Fünftel des gesamten Wahlkreises ausmachen. Ich bin in Hüfingen aufgewachsen und habe schon deshalb eine besondere Beziehung zu Hüfingen. So ist es sicherlich nachvollziehbar, dass mir die Anliegen der Hüfinger*innen sehr wichtig sind. Im Gegensatz zu dem zitierten Kandidaten möchte ich mich darüber hinaus aber selbstverständlich ausdrücklich um den ganzen Wahlkreis kümmern. Da ich der einzige Kandidat der zur Zeit im Landtag vertretenen Parteien bin, der auf der Südbaar wohnt, freue ich mich sehr über Ihre Frage und hoffe, dass viele „Sübaaremer“ und damit auch Hüfinger das ebenso sehen wie Sie, Frau Jaag, und sprechen dem „Einheimischen“ das Vertrauen aus in dem sie mir bei der Wahl ihre Stimme geben, wenngleich sie sonst vielleicht eine andere Partei wählen. Sehr gerne möchte ich unsere Region, unsere Heimat in Stuttgart mit einer Starken Stimme vertreten.

Ein großes Thema hier in Hüfingen ist die Transparenz. Wie stehen Sie zur Veröffentlichung von Protokollen und zur Kommunikation von Ergebnissen von Sitzungen?

Niko Reith:
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie und der Parlamentsarbeit ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Inbegriffen dabei ist die Veröffentlichung von Sitzungsvorlagen und den dazugehörigen Protokollen. Auch die Ergebnisse von nicht öffentlichen Sitzungen müssen nach der obligatorischen Bekanntgabe in der nächsten Sitzung veröffentlicht werden. Dazu gehört aber auch die Teilnahme an den öffentlich angebotenen Sitzungen selbst, für die ich bei den Bürger*innen immer wieder werbe.
Es gibt also nicht nur eine „Bringschuld“ der Politik/Verwaltung, wir müssen es auch schaffen, dass die Bürger*innen sich mehr mit einbringen. Es lohnt sich in Sachen Bürger-Beteiligung an beiden Seiten zu arbeiten – also sowohl das Angebot und die Möglichkeiten verbessern, aber gleichzeitig auch die Bereitschaft dazu zu fördern.
In diesem Zusammenhang ist für mich die Jugendbeteiligung ein besonders wichtiges Anliegen um das ich mich bereits intensiv kümmere.

Manche Kommunen schaffen die Unechte Teilortswahl ab, wenige führen sie wieder ein. Ein Argument für die Abschaffung führen manche an, dass diese Wahl undemokratisch sei, da Kandidaten/Innen aus kleinen Stadtteilen mit weniger Stimmen gewählt werden könnten, andere wiederum sind der Meinung, dass eben Parität auch zur Demokratie gehört. Wie sehen Sie das?

Niko Reith:
Obwohl das kein originäres Landesthema und hier die kommunale Selbstverwaltung oberstes Gebot ist, nehme ich gerne als Kommunalpolitiker Stellung zu der Frage der unechten Teilortswahl.
Als 2007 in Hüfingen dieses Thema diskutiert wurde, war ich ehrlich gesagt sehr überrascht, dass sich die Mehrheit im Gemeinderat für eine Abschaffung entschieden hat. Dass der Gemeinderat diese Entscheidung von damals nun aktuell bestätigt hat, kann ich nachvollziehen, weil sich ein Gremium immer etwas schwer tut, einen einmal getroffenen Beschluss zu revidieren. Deshalb finde ich es sehr gut, dass das Gremium die Entscheidung nun den Bürger*innen selbst überlässt. Dabei müssen sich alle Hüfinger*innen dann die Frage beantworten, welches System für sie das Beste, weil Demokratischere ist.
Ich persönlich glaube, dass es im Laufe der Zeit immer schwieriger für Bewerber*innen aus den Ortsteilen wird, sich bei Wahlen durchzusetzen. Schon jetzt kann man in Hüfingen feststellen: immer weniger Ortsteile sind mit eigenen Räten im Gemeinderat vertreten. Und wenn die „alten“ und erfahrenen Gemeinderäte aus den Ortsteilen aufhören, wird sich das fortsetzen. Denn Gemeinderäte wie Adolf Baumann aus Mundelfingen oder Egon Bäurer aus Behla sind wegen ihres ehrenamtlichen, beruflichen und kommunalpolitischen Engagements auch in der Kernstadt bekannt und bekommen von dort viele Stimmen. Bei ihren Nachfolgern ist das nicht zwangsläufig so, weil sich unsere Gesellschaft verändert hat und nicht zuletzt der berufliche Mittelpunkt sich oft weiter weg befindet.
Natürlich hat jeder Gemeinderat bei seinen Entscheidungen die Gesamtstadt im Blick und ich bin überzeugt, dass das auch in Hüfingen zutrifft. Aber es ist trotzdem ein Unterschied, wenn ein Ortsteil-Bewohner zu „seinem“ Gemeinderat im Ort gehen kann, wenn ihn irgendwo der Schuh drückt.
In der Abwägung halte ich es deshalb für gerechter und demokratischer, den Ortsteilen einen Sitz im Gremium zu garantieren, mit dem Risiko, dass die Ortsteile manchmal etwas zu stark gewichtet sind. Die Gefahr, dass gar kein Ortsteil mehr vertreten sein könnte ist in Hüfingen zu groß.
Nicht zuletzt habe ich als Gemeinderat in Donaueschingen sehr gute Erfahrungen mit der Unechten Teilortswahl gemacht und würde deshalb nie für deren Abschaffung stimmen.

Die Biotopvernetzung ist auf dem Land ein großes Thema und es gibt große Spannungen zwischen Landwirtschaft, den vielen Neubaugebieten der Kommunen und dem Naturschutz. So braucht jede Ortschaft ein möglichst großes Neubaugebiet das auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen entsteht und die Landwirte werden wiederum immer mehr in die Natur gedrängt und müssen immer weniger Boden intensiver nutzen. Wie wollen Sie diesen Konflikt angehen?

Niko Reith:
Der Flächenverbrauch ist eines der zentralen Themen, die uns bei Wohnungsbau, Gewerbeansiedlung, Energiegewinnung und anderen Nutzungen, wie ganz aktuell bei der Suche der Bundeswehr nach einem geeigneten Standortnahen Truppenübungsplatz beschäftigen.
Selbstverständlich folge ich dabei dem Primat „Innen- vor Außenentwicklung“. Allerdings sind uns hier Grenzen gesetzt, weil es sehr häufig an den Eigentumsverhandlungen scheitert. Als hilfreich hat sich zum Beispiel der sogenannte Flächenmanager, dem es nicht zuletzt in Hüfingen gelungen ist, durch Beratung und mit guten Argumenten Eigentümer oder Erbengemeinschaften zu überzeugen, leer stehende Gebäude oder unbebaute Grundstücke zum Verkauf frei zu geben, oder selbst zu bebauen bzw. zu sanieren.
Doch auch das hat Grenzen und um das deutlich zu sagen: Enteignung von Eigentum, wie es OB Palmer in Tübingen praktiziert, kommt für mich nicht in Frage. Deshalb ist auch die Ausweisung von neuen Flächen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Gemeinden der Südbaar unumgänglich.
Aber ich habe das Gefühl, dass die Gemeinden bereits sehr verantwortungsvoll bei dem Thema vorgehen und alle Aspekte der unterschiedlichen Bedarfe, der Nutzungs-Interessen und des Naturschutzes bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Sehr bewährt hat sich dabei das Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbandes der Städte Hüfingen, Bräunlingen, Donaueschingen und Bad Dürrheim mit Dr. Bronner an der Spitze, das bei der Erstellung von Flächennutzungsplänen immer hinzugezogen und deren Expertise berücksichtigt wird.
Landespolitisch werde ich mich für die Stärkung der Hoheit und Freiheit kommunaler Flächenplanung einsetzen, denn das Beispiel zeigt: Vor Ort weiß man am besten Bescheid, wo die Bedarfe und Potentiale liegen.

Petition Windgefällweiher

04. Dezember 2020 von Hubert Böll

Liebe Leser der Hieronymus-online Seite,

mit großer Freude haben wir die Möglichkeit bekommen auf dieser Plattform unser Anliegen vorzutragen.

Wir sind eine Gruppe von Menschen die es als wichtig erachtet den Tieren und Pflanzen eine Sprache zu geben und die Natur ( also unseren Lebensraum ) im Allgemeinen zu schützen und zu pflegen.

Das Land Baden Württemberg investiert über 30 Mio € für einen besseren Lebensraum der heimischen Arten!

Bei der Sanierung der B500 wurden für sehr viel Geld Durchgänge für allerlei Lebewesen geschaffen, 

im Volkmund die Krötentunnel!

Und genau in diesem Gebiet, am Windgefällweiher möchte das Fürstliche Haus aus Donaueschingen einen Wohnmobil- Park nach kanadischem Vorbild erbauen und betreiben. Angeblich sei dies kein Problem, weil die Fläche für den komerziellen Waldbetrieb völlig unwirtschaftlich und nutzlos sei.

Aber!

Genau das ist die Heimat der Tier- und Pflanzenwelt die es zu schützen gilt und für die wir und Sie uns einsetzen.

Liebe Freunde, mit eurer Hilfe werden wir es schaffen dieses Projekt zu verhindern.

Werben Sie für unsere/eure Ziele und senden Sie uns viele Unterschriften zurück.

Danke für eure Unterstützung im Voraus

und bleiben Sie oder werden Sie Wächter der Natur,

schenken wir uns selbst, aber auch unseren Nachkommen ein Stück intakte Natur (wie sagt Dagmar Schäfer: Wo es blüht, brummt und summt).

Gemeinsam gegen rein kommerzielle Interessen auf Kosten unserer Natur.

Das schreibt euch Hubert Böll

Liebe Grüsse aus Feldberg Falkau

Die Initiatoren:
Dagmar Schäfer,
Heidi Bauer, 
Hubert Böll

Zur Online Petition geht es hier:

https://www.openpetition.de/petition/online/kein-campingplatz-am-windgfaellweiher-kleinod-gegen-kommerzielle-interessen

Zur schriftlichen Petition geht es hier:

Die Unterschriften bitte an die auf dem Formular angegebenen.
Adressen Vielen Dank!

Rede zum Bürgerentscheid zur Wiedereinführung der Unechten Teilortswahl 2024

Rede Michael Steinemann, BFSO/DIE GRÜNEN-FRAKTION zum Bürgerentscheid zur Wiedereinführung der Unechten Teilortswahl 2024 am 19. November 2020.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich kann mir vorstellen, dass sich viele von Ihnen bei diesem Antrag schwer tun, soll man zustimmen oder ablehnen. Stimmt man gegen die Durchführung eines Bürgerentscheids, könnte es als fehlende Bürgernähe interpretiert werden, stimmt man dafür könnte es bei einigen als inhaltliches Umkippen gedeutet werden. Zugegeben, keine einfache Situation. Wozu überhaupt einen Bürgerentscheid durchführen, wenn man doch einen souveränen Gemeinderat hat, fragen sich vielleicht auch einzelne. Diese Frage ist wiederum leicht zu beantworten. Vor zwei Monaten hat hier in der Stadthalle der Gemeinderat mit 14 zu drei Stimmen recht deutlich gegen die Wiedereinführung der Unechten Teilortswahl gestimmt. Kein überraschendes Ergebnis, wenn man sich überlegt, dass die Hälfte der Abstimmenden bereits bei deren Abschaffung 2007 dagegen gestimmt hat. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass es natürlich schwierig ist, den Gemeinderat über die Änderung des eigenen Wahlsystems abstimmen zu lassen. Die einzelnen Gemeinderäte können verständlicherweise nicht objektiv neutral darüber entscheiden, da sie ja vermeintlich selbst betroffen sind. Bekanntermaßen tun sich auch die Kolleginnen und Kollegen im Bundestag aus ähnlichen Gründen schwer mit der Änderung des dortigen Wahlrechts. Aber zurück nach Hüfingen.

Ich kann heute nur appellieren, die Bürgerinnen und Bürger sollten die Entscheidung selbst treffen, ob künftig jeder Teilort einen garantierten Sitz im Gemeinderat haben soll oder eben nicht. In der Zwischenzeit kennen unsere Einwohner alle relevanten Fakten. Sie wissen, wie ihre Ortsvorsteher und Ortschaftsräte darüber denken, sie wissen, was die Gemeinderäte präferieren. Sie wissen auch, dass es unserer Gesamtstadt finanziell relativ gut geht, sie wissen aber auch, dass Mitsprache und politische Teilhabe in einer funktionierenden Gemeinschaft unverzichtbar sind.

Zum Schluss noch ein paar Sätze zu einem möglichen Termin. Es sollte wohl in unser aller Interesse sein, einen möglichst baldigen Termin für den Bürgerentscheid zu finden. Ein Termin im September 2021 ist einfach nicht akzeptabel und bedeutet im schlimmsten Fall zehn Monate Wahlkampf respektive zehn Monate Ungewissheit und Unruhe. Der Termin sollte bis spätestens kommendes Frühjahr durchgeführt werden. Ich gehöre zu denen, die unseren Bürgerinnen und Bürgern zutraut, in einem Kalenderjahr ganze dreimal wählen zu gehen. So lange die Wahlgänge nicht im Wochentakt stattfinden und alles den Wählerinnen und Wählern plausibel kommuniziert wird, sehe ich absolut keine Probleme. Bei einer Terminfestlegung auf die erste Jahreshälfte 2021 sähe ich auch keinen Anlass für die Bürgerschaft ein eigenes Bürgerbegehren zu starten.

Ich würde mich freuen, wenn man unseren Ausführungen mehrheitlich folgen kann und bitte um Zustimmung.

„Des einen Freud – des andern Leid“

Leserbrief von Familie Eichinger / 26. Oktober 2020

„Anlieger frei.“ Dieses Schild steht seit Baubeginn am Anfang und Ende der Baustelle in der Schaffhauserstraße.

Dieses Schild ist bekannt! 

Um eine Anliegerstraße nutzen zu dürfen, genügt es nicht, ein beliebiges „Anliegen“ zu haben.

Im direkten Baustellenbereich ist der Verkehr für den Durchgangsverkehr daher voll gesperrt.

„Für Personen, die dort wohnen oder etwas erledigen müssen, ist aber der Weg frei“.

Diese Straßensperrungen müssen aufgrund von Baumaßnahmen hingenommen werden. 

Da wegen Urlaub auch die Bauarbeiten ruhen ist es für die direkten Anlieger ein ganz tolles Gefühl: 

Endlich einmal eine gesunde Lebensweise haben, wie die vielen Bewohner in den ruhigen Wohngebieten mit 30er Zone. Kein Motorenlärm von LKW, Traktoren und Motorrädern, man kann die Straße überqueren ohne Wartezeit, die Fenster öffnen ohne Krach und Abgase, die Ruhe im Garten genießen, kein Stress!

 Sonderrecht? Sattelzug der Firma Mayer Spedition aus Bräunlingen bei der illegalen Durchfahrt durch die gesperrte Schaffhauser Straße am 2. Oktober 2020 um 13:20 Uhr

Oft spielt für Autofahrer keine Rolle, viele Kilometer zurückzulegen, um an die Ausflugziele zu gelangen. Geht es aber darum eine Umleitung zu fahren, sucht er sich ordnungswidrig die Abkürzung durch die gesperrte Straße und ignoriert das Durchfahrtverbot. Doch wer im Falle einer Kontrolle kein tatsächliches Anliegen nachweisen kann, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld rechnen.

Seit Beginn der Bauarbeiten in der Schaffhauserstraße ist ständig zu beobachten, dass viele Verkehrsteilnehmer dieses Durchfahrtverbot missachten. Selbst Autos und Motorräder aus benachbarten Städten und Landkreisen, sowie aus der Schweiz ignorieren diese Sperrung. 

Verwundert müssen wir feststellen, dass sich plötzlich so viele Autolenker als „Anlieger“ dieses Streckenabschnittes sehen.

Vor der Sperrung galt es, in schnellem Tempo durch dieses Teilstück zu brausen. Die betroffenen Anwohner, die schon lange Tempo 30 fordern, werden ob ihrer Klagen wegen zu hohem Verkehrslärm nicht ernst genommen. 

Derzeit stört sie es die Verkehrsteilnehmer nicht einmal, ihre Fahrzeuge mit nur 20 km/h durch die abgefräste, unebene und wellige Fahrbahn zu manövrieren.

Teilweise fahren Pkws trotz Verbot während der Arbeitszeit durch die Baustelle und gefährden somit die Bauarbeiter und behindern den Baubetrieb.

Da die Einfahrt momentan von beiden Seiten gewährleistet ist, nimmt die Durchfahrt von „Fremdfahrzeugen“ ständig zu. Selbst Traktoren mit Hänger, kleine LKws und viele Personenwagen umgehen die vorgeschriebene Umleitung. Inzwischen wurden auch schon Warnschilder umgefahren!

Es wäre daher sinnvoll, dass Behörden die Lage prüfen und Kontrollen veranlassen. 

Anlieger: Fam. Eichinger

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner