Antworten von Niko Reith

Antworten von Niko Reith

8. Dezember 2020 1 Von hieronymus

Wir haben den Landtagskandidaten eine Liste mit vier Fragen zugesandt und um Beantwortung gebeten.

Ein Politiker hatte Hüfingen mal als Wurmfortsatz von Tuttlingen bezeichnet. Das stimmt ja auch, da Hüfingen bis jetzt irgendwie von den Kandidaten vom Schwarzwald-Baar-Kreis mitbetreut wird. Gerne hätten wir aber auch einen Ansprechpartner in Stuttgart, den wir auch wählen dürfen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Niko Reith:
Explizit hatte der besagte Abgeordnete Donaueschingen als Appendix im Hinblick auf die Gewichtung der Gemeinden des Wahlkreises 55 Tuttlingen-Donaueschingen bezeichnet. Gemeint hat er vermutlich aber die gesamte Südbaar, also die Städte Hüfingen, Blumberg und Donaueschingen, die etwa ein Fünftel des gesamten Wahlkreises ausmachen. Ich bin in Hüfingen aufgewachsen und habe schon deshalb eine besondere Beziehung zu Hüfingen. So ist es sicherlich nachvollziehbar, dass mir die Anliegen der Hüfinger*innen sehr wichtig sind. Im Gegensatz zu dem zitierten Kandidaten möchte ich mich darüber hinaus aber selbstverständlich ausdrücklich um den ganzen Wahlkreis kümmern. Da ich der einzige Kandidat der zur Zeit im Landtag vertretenen Parteien bin, der auf der Südbaar wohnt, freue ich mich sehr über Ihre Frage und hoffe, dass viele „Sübaaremer“ und damit auch Hüfinger das ebenso sehen wie Sie, Frau Jaag, und sprechen dem „Einheimischen“ das Vertrauen aus in dem sie mir bei der Wahl ihre Stimme geben, wenngleich sie sonst vielleicht eine andere Partei wählen. Sehr gerne möchte ich unsere Region, unsere Heimat in Stuttgart mit einer Starken Stimme vertreten.

Ein großes Thema hier in Hüfingen ist die Transparenz. Wie stehen Sie zur Veröffentlichung von Protokollen und zur Kommunikation von Ergebnissen von Sitzungen?

Niko Reith:
Ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie und der Parlamentsarbeit ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Inbegriffen dabei ist die Veröffentlichung von Sitzungsvorlagen und den dazugehörigen Protokollen. Auch die Ergebnisse von nicht öffentlichen Sitzungen müssen nach der obligatorischen Bekanntgabe in der nächsten Sitzung veröffentlicht werden. Dazu gehört aber auch die Teilnahme an den öffentlich angebotenen Sitzungen selbst, für die ich bei den Bürger*innen immer wieder werbe.
Es gibt also nicht nur eine „Bringschuld“ der Politik/Verwaltung, wir müssen es auch schaffen, dass die Bürger*innen sich mehr mit einbringen. Es lohnt sich in Sachen Bürger-Beteiligung an beiden Seiten zu arbeiten – also sowohl das Angebot und die Möglichkeiten verbessern, aber gleichzeitig auch die Bereitschaft dazu zu fördern.
In diesem Zusammenhang ist für mich die Jugendbeteiligung ein besonders wichtiges Anliegen um das ich mich bereits intensiv kümmere.

Manche Kommunen schaffen die Unechte Teilortswahl ab, wenige führen sie wieder ein. Ein Argument für die Abschaffung führen manche an, dass diese Wahl undemokratisch sei, da Kandidaten/Innen aus kleinen Stadtteilen mit weniger Stimmen gewählt werden könnten, andere wiederum sind der Meinung, dass eben Parität auch zur Demokratie gehört. Wie sehen Sie das?

Niko Reith:
Obwohl das kein originäres Landesthema und hier die kommunale Selbstverwaltung oberstes Gebot ist, nehme ich gerne als Kommunalpolitiker Stellung zu der Frage der unechten Teilortswahl.
Als 2007 in Hüfingen dieses Thema diskutiert wurde, war ich ehrlich gesagt sehr überrascht, dass sich die Mehrheit im Gemeinderat für eine Abschaffung entschieden hat. Dass der Gemeinderat diese Entscheidung von damals nun aktuell bestätigt hat, kann ich nachvollziehen, weil sich ein Gremium immer etwas schwer tut, einen einmal getroffenen Beschluss zu revidieren. Deshalb finde ich es sehr gut, dass das Gremium die Entscheidung nun den Bürger*innen selbst überlässt. Dabei müssen sich alle Hüfinger*innen dann die Frage beantworten, welches System für sie das Beste, weil Demokratischere ist.
Ich persönlich glaube, dass es im Laufe der Zeit immer schwieriger für Bewerber*innen aus den Ortsteilen wird, sich bei Wahlen durchzusetzen. Schon jetzt kann man in Hüfingen feststellen: immer weniger Ortsteile sind mit eigenen Räten im Gemeinderat vertreten. Und wenn die „alten“ und erfahrenen Gemeinderäte aus den Ortsteilen aufhören, wird sich das fortsetzen. Denn Gemeinderäte wie Adolf Baumann aus Mundelfingen oder Egon Bäurer aus Behla sind wegen ihres ehrenamtlichen, beruflichen und kommunalpolitischen Engagements auch in der Kernstadt bekannt und bekommen von dort viele Stimmen. Bei ihren Nachfolgern ist das nicht zwangsläufig so, weil sich unsere Gesellschaft verändert hat und nicht zuletzt der berufliche Mittelpunkt sich oft weiter weg befindet.
Natürlich hat jeder Gemeinderat bei seinen Entscheidungen die Gesamtstadt im Blick und ich bin überzeugt, dass das auch in Hüfingen zutrifft. Aber es ist trotzdem ein Unterschied, wenn ein Ortsteil-Bewohner zu „seinem“ Gemeinderat im Ort gehen kann, wenn ihn irgendwo der Schuh drückt.
In der Abwägung halte ich es deshalb für gerechter und demokratischer, den Ortsteilen einen Sitz im Gremium zu garantieren, mit dem Risiko, dass die Ortsteile manchmal etwas zu stark gewichtet sind. Die Gefahr, dass gar kein Ortsteil mehr vertreten sein könnte ist in Hüfingen zu groß.
Nicht zuletzt habe ich als Gemeinderat in Donaueschingen sehr gute Erfahrungen mit der Unechten Teilortswahl gemacht und würde deshalb nie für deren Abschaffung stimmen.

Die Biotopvernetzung ist auf dem Land ein großes Thema und es gibt große Spannungen zwischen Landwirtschaft, den vielen Neubaugebieten der Kommunen und dem Naturschutz. So braucht jede Ortschaft ein möglichst großes Neubaugebiet das auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen entsteht und die Landwirte werden wiederum immer mehr in die Natur gedrängt und müssen immer weniger Boden intensiver nutzen. Wie wollen Sie diesen Konflikt angehen?

Niko Reith:
Der Flächenverbrauch ist eines der zentralen Themen, die uns bei Wohnungsbau, Gewerbeansiedlung, Energiegewinnung und anderen Nutzungen, wie ganz aktuell bei der Suche der Bundeswehr nach einem geeigneten Standortnahen Truppenübungsplatz beschäftigen.
Selbstverständlich folge ich dabei dem Primat „Innen- vor Außenentwicklung“. Allerdings sind uns hier Grenzen gesetzt, weil es sehr häufig an den Eigentumsverhandlungen scheitert. Als hilfreich hat sich zum Beispiel der sogenannte Flächenmanager, dem es nicht zuletzt in Hüfingen gelungen ist, durch Beratung und mit guten Argumenten Eigentümer oder Erbengemeinschaften zu überzeugen, leer stehende Gebäude oder unbebaute Grundstücke zum Verkauf frei zu geben, oder selbst zu bebauen bzw. zu sanieren.
Doch auch das hat Grenzen und um das deutlich zu sagen: Enteignung von Eigentum, wie es OB Palmer in Tübingen praktiziert, kommt für mich nicht in Frage. Deshalb ist auch die Ausweisung von neuen Flächen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Gemeinden der Südbaar unumgänglich.
Aber ich habe das Gefühl, dass die Gemeinden bereits sehr verantwortungsvoll bei dem Thema vorgehen und alle Aspekte der unterschiedlichen Bedarfe, der Nutzungs-Interessen und des Naturschutzes bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Sehr bewährt hat sich dabei das Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbandes der Städte Hüfingen, Bräunlingen, Donaueschingen und Bad Dürrheim mit Dr. Bronner an der Spitze, das bei der Erstellung von Flächennutzungsplänen immer hinzugezogen und deren Expertise berücksichtigt wird.
Landespolitisch werde ich mich für die Stärkung der Hoheit und Freiheit kommunaler Flächenplanung einsetzen, denn das Beispiel zeigt: Vor Ort weiß man am besten Bescheid, wo die Bedarfe und Potentiale liegen.