„Der Ton ist das Problem.“ – Wie Frauen diszipliniert werden, wenn sie ihre Rolle verlassen

Es gibt einen erstaunlich stabilen Satz, der Frauen begleitet, sobald sie öffentlich Einfluss nehmen:

Sie seien „zu viel“.

Zu direkt.
Zu laut.
Zu emotional.
Zu ehrgeizig.
Zu präsent.

Der Satz wirkt harmlos. Fast wie ein persönlicher Eindruck. Aber wenn man genauer hinschaut, taucht er erstaunlich zuverlässig dort auf, wo Frauen beginnen, Raum einzunehmen.

Sobald sie nicht mehr nur teilnehmen, sondern prägen.
Sobald sie nicht mehr nur mitarbeiten, sondern widersprechen.
Sobald sie nicht mehr nur zustimmen, sondern entscheiden wollen.

Dann verschiebt sich plötzlich die Diskussion.

Nicht mehr: Stimmt das Argument?
Sondern: Wie hat sie das gesagt?

Die Philosophin Kate Manne beschreibt dieses Muster in ihrem Buch Down Girl: The Logic of Misogyny (2017) sehr präzise. Ihrer Analyse zufolge ist Frauenfeindlichkeit weniger ein individuelles Gefühl von Hass als ein sozialer Durchsetzungsmechanismus.

Mit anderen Worten: Misogynie ist nicht in erster Linie eine Emotion. Sie ist eine Form sozialer Ordnungspolitik.

Während Sexismus erklärt, warum Männer angeblich natürlicherweise führen und Frauen unterstützen sollen, sorgt Misogynie dafür, dass diese Ordnung auch eingehalten wird.

Sie belohnt Frauen, die sich an die erwartete Rolle halten.
Und sie sanktioniert Frauen, die davon abweichen.

Die Regeln sind selten ausgesprochen. Aber sie sind erstaunlich stabil.

Eine Frau, die freundlich, unterstützend und zurückhaltend ist, gilt als angenehm.
Eine Frau, die argumentiert, widerspricht oder eine Entscheidung einfordert, wird schnell anders beschrieben: schwierig, aggressiv, polarisierend.

Das Verhalten selbst hat sich nicht verändert.

Nur die Passung zur erwarteten Rolle.

Die Durchsetzung dieser Regeln kommt selten offen daher. Niemand sagt: „Sie ist ein Problem, weil sie eine Frau ist.“

Stattdessen klingt es wie sachliche Rückmeldung:

„Ihr Ton war unangemessen.“
„Sie wirkt sehr hart.“
„Man kann mit ihr schlecht zusammenarbeiten.“
„Ich finde sie einfach unsympathisch.“
„Sie polarisiert.“

Solche Sätze wirken wie persönliche Eindrücke.

In Mannes Analyse sind sie oft Teil eines Systems, das Abweichungen korrigiert.

Besonders sichtbar wird dieses Muster dort, wo Frauen Macht erreichen.

Eigentlich könnte man erwarten, dass Kritik abnimmt, wenn Frauen Kompetenz zeigen, Verantwortung übernehmen und politische Erfahrung sammeln.

In der Realität passiert häufig das Gegenteil.

Die Prüfung wird intensiver.

Je näher Frauen an Machtpositionen kommen, desto genauer wird ihr Verhalten beobachtet.

Das ist kein Widerspruch zum Fortschritt.
Es ist die Logik eines Systems, das seine eigenen Grenzen überwacht.

Ein System kontrolliert besonders dort, wo seine Regeln tatsächlich herausgefordert werden.

In der Kommunalpolitik lässt sich dieses Muster erstaunlich gut beobachten.

Zum Beispiel in Gemeinderatssitzungen.

Wenn ein männlicher Gemeinderat deutlich widerspricht, gilt er als engagiert oder durchsetzungsstark.
Wenn eine Gemeinderätin dasselbe tut, wird plötzlich ihr Ton diskutiert.

Nicht der Inhalt.

Der Ton.

Oder in Ausschüssen, wenn Frauen fachliche Kritik äußern. Plötzlich wird nicht mehr über die Argumente gesprochen, sondern über den Stil:

Ob das „nicht etwas zu scharf formuliert“ sei.
Ob man „so nicht miteinander umgehen sollte“.
Ob das „jetzt nicht eskalieren müsse“.

Die gleiche Klarheit, die bei Männern als Führungsstärke gilt, erscheint bei Frauen plötzlich als Problem.

Es gibt eine ganze Reihe von Sätzen, die in politischen Gremien auffällig häufig fallen – besonders dann, wenn Frauen deutlich argumentieren oder Kritik äußern.

Zum Beispiel:

„Jetzt bleiben wir mal sachlich.“
„Man kann das auch freundlicher sagen.“
„Der Ton macht die Musik.“
„Das muss man jetzt nicht so emotional sehen.“
„Wir sollten das hier nicht eskalieren lassen.“
„So kommen wir hier nicht weiter.“
„Das ist jetzt aber schon sehr konfrontativ.“

Interessant ist dabei eine kleine Verschiebung.

Der Inhalt verschwindet aus der Diskussion.

Stattdessen wird über Form, Ton und Stil gesprochen.

Nicht darüber, ob das Gesagte stimmt – sondern darüber, wie es gesagt wurde.

Das ist genau die Art von sozialer Korrektur, die Kate Manne beschreibt:
Die Abweichung von der erwarteten Rolle wird markiert, ohne dass sie jemals offen benannt werden muss.

Ein weiteres Phänomen, das Manne beschreibt, hat sie mit einem eigenen Begriff versehen: Himpathy.

Er bezeichnet eine auffällige Form von Empathieverschiebung.

Wenn Konflikte zwischen Männern und Frauen entstehen, richtet sich das Mitgefühl oft stärker auf den Mann – selbst dann, wenn er derjenige ist, der Kritik ausgelöst hat.

Plötzlich geht es um seine Zukunft.
Seinen Ruf.
Seine Karriere.
Seine Verdienste.

Während gleichzeitig die Frau, die das Problem angesprochen hat, sehr schnell selbst zum Problem erklärt wird.

Was Mannes Analyse so unbequem macht, ist ihre Konsequenz.

Wenn Misogynie nur aus individuellen Vorurteilen bestünde, wäre die Lösung einfach: Vorurteile erkennen, Einstellungen ändern, Problem gelöst.

Aber wenn Misogynie strukturell ist – eingebettet in Erwartungen, Bewertungen und institutionelle Routinen – dann können auch Menschen mit guten Absichten Teil dieses Mechanismus sein.

Eine faire Person in einem unfairen System produziert immer noch unfaire Ergebnisse.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Wer hat Vorurteile?

Sondern auch:

Welche Verhaltensweisen belohnt unsere politische Kultur?
Welche sanktioniert sie?
Und wer zahlt den Preis, wenn jemand die unausgesprochenen Regeln nicht mehr akzeptiert?

Vielleicht erklärt das auch ein merkwürdiges Paradox politischer Arbeit.

Frauen wird oft geraten, sich einzubringen.
Mehr Verantwortung zu übernehmen.
Ihre Stimme zu erheben.

Aber wenn sie genau das tun, beginnt plötzlich eine zweite Debatte.

Nicht über ihre Argumente.

Sondern über ihre Art.

Über ihren Ton.
Ihr Auftreten.
Ihre Persönlichkeit.

Vielleicht ist das der eigentliche Test politischer Teilhabe.

Nicht, ob Frauen mitreden dürfen.

Sondern wie viel Raum sie einnehmen dürfen,
bevor jemand sagt:

„Das ist jetzt aber schon ein bisschen viel.“

Hozverwachsungen

Liebe Bürgerpostleser, 

heute kommt die nächste Holzgeschichte. Bäume sind in der Lage, Dinge, die ihnen in die Quere kommen, einfach zu umwachsen. Wir hatten schon einige schöne Beispiele, ihr erinnert Euch vielleicht noch an den Balzer Herrgott bei Gütenbach und erst vor kurzem an die grandiose Astverwachsung bei Maichingen. Die heutigen Fotos hat mir Frau Dr. Ulrike Guttenberger geschickt, die mit Ihrem Mann in Hohenlohe beheimatet ist. Sie ist aber ein Kind der Baar und wenn sie meine Fotos vom schneebedeckten Feldberg sieht, schreibt sie „ich habe Heimweh“. 

Wenn man das Bild oben anschaut, denkt man, man sei in einem falschen Film, so unverständlich sieht es aus. Zwei Schilder, die am selben Baum eingewachsen sind. Das Naturdenkmalschild habe ich übernommen, um mir klarzumachen, wie es überhaupt hängen soll. Ihr seht es, zu meiner Überraschung, mit dem Spitz nach unten, umgekehrt wie bei den Verkehrszeichen. Auf jeden Fall ist es so, dass die Grundlinie des Zeichens den Baum veranlasst hat, das Zeichen „aufzufressen“. Vielleicht war es zu eng am Baum befestigt und beim Dickenwachstum des Stammes kam es zur Überwallung. Der Hammer ist, dass fast die ganze Länge vereinnahmt wird, obwohl der Baumdurchmesser deutlich kleiner ist. Man kann nur staunen. 

Oben das zweite Schild, das unterhalb des Naturdenkmalschildes ebenfalls überwallt wurde und noch wird. Dort ist die Richtung nach oben im Gegensatz zum ersten Schild. Ironie am Rande, dass der Schildtext besagt, dass es untersagt ist, Pflanzen zu schädigen, na ja, ob eine Überwallung eine Schädigung ist, ist die andere Frage. 

Sicherlich wäre es interessant zu schauen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und in 10 Jahren aussieht. Ulrike, denke bitte daran. Vielen Dank.

Die Bilder oben sind selbstredend, ein großer Ackerstein verkeilt und verwachsen zwischen zwei Auslegern eines Baumes. Hier stelle ich meine obligatorische Frage, ist der Stein hochgewachsen oder war er von Anfang an in derselben Höhe – wie jetzt – platziert. Ich bin sehr gespannt auf die Antworten. Ulrikes schöner Hund scheint auch hochinteressiert an der Sache zu sein, wahrscheinlich hat er so etwas noch nie gesehen.

Ulrike, vielen Dank für die tollen Baumverwachsungsbilder, ich glaube, es wäre schade gewesen, wenn es nicht hätte thematisiert werden können.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Plakate, Plakate…

Es herrscht Landtagswahlkampf, und in der Stadt hängt alles voller Plakate. Am Ortsausgang in Richtung Schwarzwald grüßt das BSW (gibt es das also auch noch in Baden-Württemberg – wie heißt es doch neuerdings?) in großer Aufmachung mit dem Slogan Lehrkraft statt Wehrkraft. Während es dann drüben in Wolterdingen an den Laternenmasten wieder überwiegend Politikerköpfe sind. Nicht anders in Hammereisenbach, wo ich ins Urachtal abzweige, um über die Kalte Herberge zum Thurner zu gelangen.

In Urach, gleich hinterm Sägewerk, haben sie aus einem ganz anderen Anlass plakatiert. Hier grüßt kein Wahlkämpfer, sondern es strahlt Eine vom Plakat, die die Republik kürzlich in einen wahren Freudentaumel versetzt hat: Skiclubkameradin Daniela Maier, die Goldmedaillengewinnerin. Mein Club, für den auch ich vor einem halben Jahrhundert noch Rennen bestritten habe und dem ich mich nach wie vor verbunden fühle, ist zu Recht stolz auf sie!

Daniela Maier Olympiasiegerin im Skicross Der SC Urach ist stolz auf dich!

Lang genug haben wir uns doch vor der Glotze mit vierten Plätzen, mit Stürzen und Formschwächen unserer Athleten abzufinden gehabt, ehe Daniela uns endlich mit ihrem ebenso gewagten wie gekonnten Ritt erlöst hat. Und wie da Glückstränen geflossen sind – bei der Siegerin wie bei ihren im Bus angereisten Fans! Wann waren Schwarzwälder (im Publikum leicht erkennbar an roten Bollenhüten) zuletzt so aus dem Häuschen geraten wie an diesem 20. Februar in Livigno, und auch zuhause am Fernsehgerät war man überwältigt – selbst wenn einem der Sinn bis dahin nie nach Skicross, sondern eher nach nordischen Skisporterfolgen gestanden hatte. Ist der Schwarzwald auf internationaler Bühne je charmanter und sympathischer vertreten worden?

Talaufwärts wirken die Glücksgefühle weiter nach, auch wenn die Lifte, an denen die kleine Daniela einst ihre ersten Schwünge gelernt hatte, anscheinend schon länger außer Betrieb waren; nur noch ein paar schmutzige Schneereste erinnerten an den Schwarzwaldwinter. Drüben, jenseits des Hohlen Grabens, war noch weniger davon zu spüren, wo hier um diese Jahreszeit ja eigentlich das Eldorado von Langläufern und Skiwanderern zu erhoffen war: die Thurnerspur mitsamt dem Fernskiwanderweg.

Und als ob da die trüben nostalgischen Gedanken nicht schon ausgereicht hätten für ein Stimmungstief, wird der Blick neben der B 500 und gegen die Rheinebene hinunter nun urplötzlich auch noch von einem Großplakat eingefangen, als ob das Naturschutzgesetz Werbung in freier Landschaft, gar im Landschaftsschutzgebiet, nicht untersagen würde. Und die Aufschrift, unübersehbar in Großbuchstaben und bebildert mit einer zähnefletschenden Bestienschnauze neben einem zarten Lämmlein, lässt keinen Zweifel zu, worum hier geworben wird: Euer Wolf, unser Problem! Land- und Gastwirtschaft. Gemeinsam stark im Hochschwarzwald.

Ja holla, seit wann bedrohen Wölfe nicht mehr nur die Nutztierhaltung, sondern auch die Hochschwarzwälder Gastronomie? Wo die Umweltministerin im Nordschwarzwald doch kürzlich erst den „Wolfstourismus“ entdeckt und „aus Artenschutzgründen“ lebhaft beklagt hat: die Unart von Hundehaltern nämlich, sich mit ihren Lieblingen im Territorium des „Hornisgrinde-Wolfs“ in den Nationalpark aufzumachen, um so die Chancen auf eine Begegnung mit Isegrim und für ein Foto zu erhöhen. Was in der winterlichen „Ranzzeit“ der Wölfe, wie man fürchtet, in Ermangelung von artgerechten Partnern womöglich zu Hybriden, zu Kreuzungen mit Hündinnen führen könnte. Weshalb der zutrauliche Wolf nach der Entscheidung des Umweltministeriums von einem Spezialisten-Team bis spätestens zum 10. März dieses Jahres erlegt („entnommen“) werden soll, wie es der Mannheimer VGH nach der Beschwerde der Naturschutzinitiative e. V. bestätigt hat.

Plakat mit Eurer Wolf, unser Problem von Land- und Gastwirtschaft.

Vermögen Plakate je unterschiedlichere Gefühle und Assoziationen auszulösen, als jene zwischen Urach und Thurner? Hoffen wir, dass auch die Wahlplakate nächstens ihren Zweck nicht verfehlen. 

Wimmerwuchs

Liebe Bürgerpostleser, 

heute und auch das nächste Mal geht es um Erstaunliches rund ums Holz. Anfangs seid Ihr gefragt, wisst Ihr, was da zu sehen ist und wie wird das Phänomen genannt? Ich vermute einmal die wenigsten werden es wissen, ich jedenfalls nicht. 

Mein Wissen habe ich auf der Homepage: https://www.achtsamkeitimwald.com/wimmerwuchs/ von Klaus Heidel aus Hiddenhausen gefunden. Er schreibt: „Für mich ist eine solche Wuchsform ein wunderschöner Anblick. Zu sehen ist nämlich ein stark ausgeprägter Wimmerwuchs am Stamm einer Rotbuche. Dies ist eine Wuchsanomalie, die noch nicht erschöpfend erforscht und erklärt ist“.

Wimmerwuchs an Buchen sei eher seltener zu sehen, er kommt aber an Nadelbäumen, Birken und Ahorn etwas öfters vor. Manchmal sei zu lesen, dass dieser Wimmerwuchs etwas mit dem Standort des Baumes zu tun hat und an Bäumen im Hochgebirge häufiger vorkommt als an Bäumen im Flachland.

Dieser Wimmerwuchs verläuft immer quer zur Stammachse und wirkt manchmal wie viele kleine „Schwimmringe“ unter der Rinde. Ein so stark ausgeprägter Wimmerwuchs wie an dieser Buche werde zum Problem für die weitere Verarbeitung, da solch ein Holz nicht so stabil ist, wie Holz ohne diese Wuchsanomalie. Dieses Holz neigt zu einer verstärkten Rissbildung und Verformung. Daher werden solche Bäume meistens nur als Brennholz gehandelt. 

Das werde nach Klaus Heidels Meinung diesem schönen Phänomen nicht gerecht, denn es gibt auch einiges Positives über diesen seltenen Wimmerwuchs zu berichten: „Zur Herstellung seltener Furniere wird solches Holz von so mancher Manufaktur sehr gerne verarbeitet und in ganz einmaligen Holzwerkstücken verbaut. Auch zur Herstellung von anderen kunsthandwerklichen Gegenständen ist dieses Holz recht beliebt. Zum Schnitzen und Drechseln zum Beispiel. Aber auch Musikinstrumente schmückt diese einmalige Holzmaserung oft mit ihrer ungewöhnlichen Struktur und macht so jedes Instrument zu einem einmalig schönen Stück“.

Ist das nicht interessant, dass das Besondere und nicht Normale doch als Nischenprodukt Bedeutung gewinnen kann? Ich finde das sehr faszinierend.

Zum Schluss darf ich dankbar bekannt geben, dass Karl Wild aus Maichingen mir diese Bilder eines Sonntagsspaziergangs zu Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür Karl.

Und, wer hat das Phänomen bereits gekannt? Ich freue mich über Rückmeldungen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Winterfütterung

Liebe Bürgerpostleser, 

was ist bei mir das Besondere während der Winterfütterung? Zum einen, dass ein Trupp von neun Stieglitzen – auch Distelfinken genannt – unser Leben bereichern. Sie zanken gerne untereinander und gehen nicht beziehungsweise ganz selten an die Futterkette, sondern in die Tröge. Dort sind sie so aufmerksam, dass sie meistens verschwunden sind, bis ich mit dem Händifoto gerichtet bin. Unten die neun Exemplare, eines ist etwas versteckt, auf unserer Gartenlärche. Auf dem Bild daneben sehen wir vier auf Ästen sitzend dicht neben der Futterstelle. Die rechten zwei zeigen die farbliche Schönheit dieser Vögel. 

verschiedene Vögel auf einem verschneiten Baum
vier Stieglitze auf einem Busch

Das Bild unten demonstriert die Dominanz einer Vogelart in diesem Winter, die der Blaumeisen. Vermutlich hatten sie die letzten Brutsaisons durch bestimmte Umstände sehr hohe Aufzuchtraten. Früher beherrschten Hausspatzen das Geschehen. Zählt alle durch, kommt Ihr auch auf 14 Stück? Alles nur Blaumeisen. Das ist doch ein Hammer, nicht wahr? 

Meisen an einem Erdnussring

Unten: Ich bin hell begeistert, dieses Jahr zum ersten Mal Schwanzmeisen an der Futterkette beobachten zu können. Bis jetzt sind es vier Stück. Sie sind schnell und behänd und die langen Schwänze sind so was von klasse. Die Schnäbel sind sehr fein und die schwarzen Kulleraugen wissen zu beeindrucken. Interessant ist, sie sind nicht im Haus anzutreffen, sondern – im Unterschied zu den Stieglitzen – nur an der Futterkette. Das letzte Bild zeigt drei Fotos der gleichen Schwanzmeise. Sie ist mit einem weißen Kopf ausgestattet, das heißt, sie stammt aus Skandinavien und ist zu uns über den Winter eingeflogen. Meistens kommt der Trupp zweimal am Tag kurz vorbei zum Fressen und verschwindet dann wieder. 

Schwanzmeisen an Erdnussring
Schwanzmeisen an Erdnussring

Wer hat Schwanzmeisen diesen Winter auch schon erleben dürfen? Waren auch weißköpfige dabei?

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ringschnabelente

Liebe Bürgerpostleser, 

heute darf ich Euch eine ornithologische Sensation vorstellen. Die Bilder hat mir Thomas Kring aus Hüfingen überlassen Er ist Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes Baar beim Schwarzwald-Baar-Kreis. Er meinte, das wäre doch sicher auch einen Beitrag wert. Ihr erinnert Euch, von ihm erhielt ich auch die Bilder für den Libellen-Schmetterlingshaft Beitrag

Also, wieso ist das Ganze eine Sensation? Ganz einfach, weil diese Ente, die Ringschnabelente heißt, in großer Anzahl in Kanada und den USA lebt. Die Bestände steigen, obwohl in den USA jährlich 700.000 Exemplare gejagt werden. Bei uns dagegen erscheinen sie nur in ganz geringen Anzahlen: avi-fauna/ringschnabelente.
Zur Zeit sind am Bodensee vier Standorte mit jeweils nur einem Exemplar bekannt. Pro Jahr gibt es deutschlandweit etwa zehn Meldungen überwiegend von Einzelexemplaren über das Winterhalbjahr. Der klassische Begriff für eine solche Vogelart ist „Irrgast“. Man vermutet, dass sie durch Stürme nach Europa „verweht“ wurden. Und hier leben sie im Verbund mit zahleichen anderen Enten, man muss sich wundern, dass sie überhaubt erkannt werden. Wenn dann aber eine Meldung im Internet unter www.ornitho.de eingestellt wird, dann machen sich Vogelfans auf die Suche. So kam Thomas Kring auch zu seinen herrlichen Fotos. 

Für mich war hoch interessant, dass die beiden Enten auf dem Bild oben von zwei Experten auf den ersten Blick für eine Art nämlich für Reiherenten gehalten wurden, bis ich auf ein genaueres Hinsehen hinwies. „Die vordere ist jedenfalls eine Reiherente“. Genau, charakteristisch ist für sie die schwarz-weiße Färbung und der Federschopf am Hinterkopf. Die zweite Ente auf dem Bild ist das Männchen der Ringschnabelente, auch eine schwarz-gräulichweiße Grundfärbung aber ohne Federschopf. Dafür mit weißer Schnabelumrandung und weiß-schwarzem Schnabel. Klar, man muss wirklich genau hinschauen. Bild unten zeigt sie zusammen mit einer Moorente, sie macht den Eindruck, wie wenn sie dazugehörte.

Die nächsten beiden Bilder sind wunderschöne Portraitaufnahmen dieses einen Ringschnabelenten Mannes vom Bodensee. 

Seit einigen Wochen gibt es von mehreren Orten am Bodensee fast tägliche Meldungen jeweils einer einzelnen männlichen Ringschnabelente. Vermutlich sind es mehrere Tiere, die sich am Bodensee aufhalten. Aber die genau Anzahl läßt sich nicht sagen. In jedem Falle hat Thomas Kring seine Fotos am 07. Februar 2026 geschossen und am 11. Februar 2026 könnt Ihr es genießen. 

Vielen Dank an Thomas Kring für die Ermöglichung des sensationellen Berichtes. Ich glaube, er lag richtig, als er meinte, dass das einen Beitrag wert ist. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Lösung vom Rätselgebilde

Liebe Bürgerpostleser, 

ich muss sagen, die Rätselbilder hatten es in sich. Es haben einige sich an die Aufgabe gewagt, sie lagen aber daneben. Am häufigsten wurde der Schleimpilz Hexenbutter genannt, einige vermuteten, dass es sich um die Eiablage von der Gottesanbeterin oder der Wespenspinne handelt. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat Ingeborg Jaag aus Hüfingen. Sie schrieb, „das ist die Kinderstube einer Wespenart“. Auf die Frage, ob sie so etwas schon gesehen habe, kam die Antwort, „sie habe einen Garten und dort sie habe so etwas schon gesehen“. Hut ab und herzlichen Glückwunsch Ingeborg Jaag, sie hatte als einzige die richtige Spur. 

Kinderstube einer Wespenart mitten im Winter, klingt das nicht schier gar utopisch? Also, ich habe die Hilfe von Dr. Hans-Peter Straub, dem Naturschutzamtspensionär aus Königsfeld gebraucht, weil eine Schnellrecherche im Internet nichts Vernünftiges brachte. Er schickte mir den Link:
Brackwespen © Mag. Angelika Ficenc – tierspuren – Spuren auf Schritt und Tritt.

Der Entwicklungszyklus von Brackwespen ist eine hochspezialisierte, parasitische Abfolge, die meist in vier Stadien verläuft: 1. Eiablage mit Legebohrer im oder ohne Legebohrer am Wirt, 2. Larvenentwicklung, 3. Verpuppung oft in Kokons und 4. Erwachsene. Die Larven fressen ihre Wirte, Schmetterlingsraupen oder Käferlarven, von innen oder außen, wobei der Wirt stirbt. Der Zyklus dauert bei optimalen Temperaturen von über 20° C nur etwa 10–12 Tage. Die Larve verpuppt sich entweder im Inneren des Wirts oder spinnt einen Kokon auf oder neben dem toten Wirt. Die fertige Brackwespe schlüpft, paart sich und beginnt nach kurzer Zeit (oft nach wenigen Tagen) mit einer erneuten Eiablage. Sie lebt höchstens 30 Tage. Brackwespen sind als Nützlinge in der Landwirtschaft und im Vorratsschutz von Bedeutung, da sie Schädlingspopulationen (z.B. Mottenlarven) stark dezimieren. Der Kokon, den wir hier auf den Fotos sehen, gehört höchstwahrscheinlich zur Kohlweißling-Brackwespe. Denn diese überwintert darin als verpuppungsbereite Altlarve, bis sie im Frühjahr ausschlüpft. Wie denkt Ihr über diese Geschichte? Ich kann nur sagen, ein wahrhafter Oberhammer. 

Auf der Webpage Schadbild wird hier gezeigt, wie sich die Räupchen der Kohlweißlig-Brackwespe über eine Kohlweißlingraupe hermachen. Da wird sicher nichts mehr übrigbleiben. Die Brackwespen sind relativ klein, in der Regel keinen Zentimeter groß.  

Ein herzliches Dankeschön Karl Wild aus Maichingen, dass er die Bilder zur Verfügung gestellt hat. Dann Hans-Peter für die Hilfestellung und Euch allen, die Ihr mitgemacht habt. Für Ingeborg Jaag nochmals ein herzlicher Glückwunsch zur Rätselslösung. 

Rätselgebilde

Rätsel vom 28. Januar 2026

Liebe Bürgerpostleser, 

heute seid Ihr gefragt. Ich möchte Euch drei Bilder von Karl Wild vorstellen, die er Ende Dezember/Anfang Januar 2026 in Maichingen, einem Ortsteil von Sindelfingen aufgenommen hat. 

Wer hat eine Idee, um was es sich handelt? Hat jemand von Euch so etwas schon gesehen? Ich bin gespannt, ob jemand auf die Lösung kommt. Die Gebilde sind etwa 2,5 cm lang und haben einen Durchmesser von 1,5 cm. Mehr Hinweise gibt es nicht. Die Lösung erfolgt das nächste Mal. Also viel Freude beim Recherchieren. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Vu de Raunächt, de Losdäg und Omas versteckt Heidetum

Winterliche Brauchtumsgschicht

Losdäg gelesen von Maria Simon

E anders, eher eweng uuchrischtlichs Brauchtum, lauft zwische de Johr uff de Boor und im Wälderwald no i winzigkleine, kum wohrnembare Restrelikt ab. De Kult vu de Raunächt oder de Lostäg. Begnet ischer mir nu no bi de Oma Paula. Freya war eren zweite Name und des hät scho eweng ebbis heidnischs a sich. D Freya ghert zu dene Göttinne die zemet mit ihrem Göttergatte Wotan a de ewige Tafelrunde ufem Bergfried Asgaard alldag usgibig feschtet. Dert word s` Wetter idoelt und verkartet. Natierli word zwische de Johr de Plan ver die näschte Monde uusdenkt. Die versoffe, verlotteret und verkumme Bande striitet natierli gherig und jeder wills besser wisse. I dere Ziit schicket sie au ihr Wildes Heer dorch d` Lüft zum d` Liit verschrecke und willfährig halte. Natierli au dorch de Schwarzwald und die rau Boor.


Am Heilige Obet, eweng hoamlich und verduckt, hät d`Oma Paula zwölf Zwiebel- Hälftene zuegschnitte. Die hät sie uff de Stubbefenschterbank i Reih und Glied gleit und i jede Zwibelmulde e Schechli Salz gstreut. Jetzt hät die akkurat usgrechtet Reihe nähmert meh aalange oder verrucke derfe. Jede Dag hät sie die Schäleli aaguckt und uf en Rodel uffgschriebe, ob und wie viel Wasser des Salz i dere Zwibelmulde zoge hät und ob sogar e kleine Lache i de Zwiebelhälfti war. Je noch Zuestand vu dene Schäleli, jedes hät on Monet vum kummende Johr abzoachnet und dargstellt, hät sie gwisst, wie s` Wetter im kummende Johr word. Ob im Heibet mit Soachwetter zum rechne wär, ob s` Öhmt guet und wohlriechend reesch word, d` Herdepfel ufem Feld halb verfuulet usi ghacket were mond oder ob sie bim Rieswelle mache im Herbscht all Dag de Regeschobbe bruucht und ob mer im November scho Schnee schoore muess. Natierli hät ver sie nu der Wetterkalender golte und bim beschte Wille hät sie kon Fehler i dem Bruuch enddecke kinne. Des Orakle hät besser battet wie de Hundertjährig Kalender us em Lahrer Hinkende Bote. Losdäg waret des also, die 12 Däg zwischem Heilige Obet und Drei König die des Los vum kummende Johr entschiede hond. En zweite Bruuch hät sie hählinge am Morge vum erschte Weihnachtfiertig, no bevor sie is chrischtlich, weihnachtlich Hochamt gange isch, zelebriert.

Ufem Hoamweag vum Amt häts se vu dere Verrichtung am Morge dene andere Hochamtswieber natierli nint verzellt. Sunscht wär sie uusglachet und versecklet wore wege ihrem altbachene Bruuch und Glaube a so Fürz. Am Festdagsesse isch dodevu au nint verzellt wore. De onzig Hiwies war der breselig und rauchig Guu der im Huuswese glege isch. D` Biebli hond zwar gfroget wa des fer Zwibelschnitz uf em Fenschterbank wäret. Aber do war sie eher eweng verstockt und verdruckt. Wemer no nochem Kaffe d` Äsche i dem gußiisene Holzliim-Pfännli mit dene 3 Fiess ufem Bord i de Kochi entdeckt hät, hät mer gwisst: Hit hond Raunächt aagfange. Eigentlich hoasset sie Rauchnächt. I dene Nächt wered ebe d` Hieser, de Stall, d` Schier, de Schopf, d` Schlofkammere und d` Stubbe usgräucheret. Räuchere isch en uralte, oefache und wirkungsvolle Haltbarkeitsvorgang. Bim Speck, au bim Pfohremer Boschespeck, merkt mers am allerbeschte. Also isch mer mit eme Kächeli oder eme Pfännli i des usem Kachelofe e weng Holzkohle gfillt war, dorch die ganze Räum aadächtig und ernst gange und hät debei so mystische quinkili- quankili – Sprich bruddlet. Und so hät mers s` Huus und s` ganz Huuswese uusgräucheret. Vu Böse Geischter, Uugziffer, schlechte Gedanke, Hexereie und Boshaftigkeite befreit. Des mit dem Räuchere kamer i allne Religione beobachte, sogar ebe i de heidnische, keltische – germanische- druidische Ritual. I dem Leimpfännle sind no wohlriechende, reinigende Kräuter usem Garte wie Holunder, Reckholder- Juniperuswädel saut mer z Aamedshofe, Pfefferminz und vor allem de reesch gweiht Palmewedel vu de Krieterbuscheleweihe verkloschteret wore. Mit dem qualmende Rauchgschirr wo d`Oma no e Rietere druff dau hät, dass jo koa Glut de Heistock azindet, isch sie hählinge dorch s` Huus zoge und hät ebe uusgräucheret.


Zu dene Losdag und de Rauhnächt hond die phantsievolle Volkskundler immer wieder mol ebbis Netts dezuedichtet, vu wege dass mer a dene Täg koe Wäsch wäsche sot, d` Träum uff bhaalte sot, also nit verzelle sot, e Münz in Brunne lege und vieli andere Gschechtle, halt netti Märli dezue gfummlet. Des poesievollscht devu isch aber doch der mit em Stall. I de erschte Raunacht, des isch die Heilig Nacht, soll neamert de Stall betrete und dä ummemuuse und loschore. Weil i dere Nacht, und nu i dere Nacht, s` Vieh mitenand schwätze kennt und des au dät. Natierli hät do scho mancher wunderfitzig Buur des uugschribbe Naturgsetz nit iighalte und doch heimlich gloset und gschächt und denno mitkriegt wie s` Vieh über ihn , den grobe Buurekerli, goschet und gschnorret hät. Und jähzornig wie mancher Buur ebe au war, hät er den vorluute Ochs mit de Goassle gschlage und verdescht. Do hond sich aber die geduldige, gütige, alldag selli freigebige, milchspendende, jetzt aber so gedemütigte, hintergangene Kühe mol grausam grächt und de Buur gnadelos i de Raufe verdruckt. Sit des im ganze Gai verzellt wore isch hond sie Ruhe, die Kühe i dere Nacht, und kennet usschweifend und theatralisch die ganz Nacht zogate. Falls des nit wohr isch, isches zmindscht pfundig und unterhaltsam erfunde.

Wenn a Dreikönig de Bsuech vu dere Königs- Karawane im kleine, krumme Schwarzwaldhiesli bi de Oma Paula aagstande isch und sie andachtsvoll d` Sprichli und Liedli vu de Heilige Dreikönig i de niedere Stubbe aagloset hät, de Chrischtbomm nomol aazunde hät und de Melchior am niedere Huusderekriezstock die drei Segensbuechstabe ännikriedet hät, denno hät sie den Weihrauchfasskönig no aaschwattiert und in Stall gfiehrt. Dä wo vor paar Johr no e Wälderkiehli und e struppige Goass gstande isch, hät er no kräftig Weihrauchkörnle scherre messe und s Fass schwaie messe. Genauso i de Schier. Wenn jetzt no de christlich, de gweiht Weihrauch – Guu im ganze Huus und im Buuretoal glege isch, no hät gar nint meh krumm laufe kenne. Deno hät sie selig und knitz grinset und in de Zueversicht uf e guets Johr no en wiitere Batz i d` Schatulle vum Kollektesammler König gleit.

De Bruuch mit em Sternsinge verhebt immer no, wa mer selli guet gfallt. De zweit isch jetzt noch Johrtausende im Zug vu de Wetterbericht, em minütliche Wetterradar, Meteoblue, Wolkesimulatione im Internet tatsächlich und endgültig am ussterbe. Wenn er au nimme glebt word. Verzelle sot mers trotzdem no und so kenne mers amend no e paar Generationen i de Köpf und ufem Papier und digital uf de Feschtplatte im Hieronymus bewahre und besinnlich, aaregend den alte Bruuch id Erinnerung zruckruefe.

On Sproch us dem Raunacht Brauchtum verhebbt i de Familie immer no und hoesst übrigens so:
A Maria Lichtmess (2. Februar eme wiitere Lostag) isch Tag Ess, des hoasst dass mer dä scho wieder im Helle uhni Kerzeliechter am Obet vespere ka. S` isch bald scho wieder so wiet.

Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge, z Gräninge , z Wulterdinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum Kriezwehkriez im Bregtal.

Problemwolf

Die Entscheidung des Umweltministeriums zur Tötung von GW2672m

Keine Sorge: wir befinden uns hier mitnichten in Minneapolis, wo derzeit maskierte und bewaffnete ICE-Trupps Jagd auf Einwanderer und unbescholtene Bürger machen. Der Auftrag zur „Entnahme“ des Wolfs GW2672m erging streng nach Recht und Gesetz: in einer insgesamt 21 (!) Seiten umfassenden Entscheidung des Stuttgarter Umweltministeriums über eine Ausnahmegenehmigung vom artenschutzrechtlichen Verbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz zum Nachstellen und Töten geschützter Tierarten. Ihr ist auch zu entnehmen, dass aus geschulten Spezialisten ein Entnahmeteam (dessen Namen im Text geschwärzt sind) zur Tötung bereitsteht. Sein Vorgehen, seine Bewaffnung (mit Nachtsichtgerät) und sein Einsatzgebiet sind minutiös festgelegt, selbst für den Fall, dass sich der Wolf listigerweise im Nationalpark zu verstecken versucht. Zusätzlich hat das Ministerium bei der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg Antrag auf Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung gestellt, wozu sich die anerkannten Naturschutzverbände äußerst kurzfristig zu äußern hatten. Was, alles in allem, den Eindruck verstärkt, dass die Entscheidung zur Entnahme des als gefährlich eingestuften Wolfs als ein politisch hochbrisanter Fall einzuordnen ist. 

Denn bei GW2672m handelt es sich um den auffällig gewordenen, in der Bevölkerung auf den Namen „Hornisgrinden-Wolf“ getauften Rüden, dem angelastet wird, dass er sich insbesondere während der winterlichen Ranzzeit in Ermangelung einer artgerechten Partnerin allzu oft Menschen mit Hündinnen genähert hat – und dies auf weniger als 30 Meter!  Alle Versuche, ihn einzufangen, zu besendern und zu vergrämen (wie es das Wolfsmanagement des Landes in derlei Fällen vorsieht) seien erfolglos geblieben. „Auch aus Gründen des Artenschutzes“, so äußerte sich bedauernd die NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes, „gilt es zu verhindern, dass sich Wölfe mit Haushunden paaren und sogenannte Hybride bilden“, wozu auch ein zu befürchtender „Wolfstourismus“ beitrage. Die Entscheidung sei traurig, aber nachvollziehbar, meint auch der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle und ergänzt: „Umweltministerin Thekla Walker liegt meines Erachtens richtig, wenn sie jetzt handelt und nicht erst wartet, bis es doch zu einer brenzligen Situation kommt.“ Die Entnahme zeige auch, dass das Wolfsmanagement in Baden-Württemberg funktioniere und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht überflüssig sei –  ein Seitenhieb auf den seit Jahren schwelenden Zuständigkeitsstreit zwischen Umwelt- und Ernährungsministerium.

Der Umgang mit „Problemwildtieren“ gilt als besonders delikat, wie man spätestens seit dem Abschuss des im Sommer 2006 nach Bayern eingewanderten (vom bayerischen Umweltminister zunächst willkommen geheißenen) Bären Bruno weiß, nach dessen Ende die öffentliche Meinung plötzlich zu kippen drohte; „Problembär“ ist seitdem zum geflügelten Schimpfwort geworden. Nach welchen Kriterien wird man also wohl das nächste Mal einen „auffällig gewordenen“ Wolf zum „Problemwolf“ abstempeln und zum Abschuss freigeben? Wo es um Isegrims Image hierzulande doch seit den Gebrüdern Grimm, seit Rotkäppchen und den sieben Geißlein, ohnehin noch nie gut bestellt war? Ab wie vielen Nutztierrissen wird es um ihn geschehen sein? Wo anfangs doch auch die Rückkehr der Wölfe noch als Erfolg des europäischen Artenschutzes gefeiert wurde – als hoffnungsvolles Zeichen wider den weltweiten Artenschwund.

Grundeis

Liebe Bürgerpostleser, 

am 9. Januar 2026 hatte ich etwas Zeit, mich in Balingen umzusehen. Das Zollernschloß an der Eyach gelegen, macht einen tollen Eindruck. Am beeindrucktesten war ich aber von etwas anderem, was ich so noch nie gesehen habe. Ich sah Eis, das unter Wasser war. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht, Eis ist über 10 Prozent leichter als Wasser und liegt deswegen im Regelfall oben auf. Schaut die Bilder an das Eis liegt eindeutig unter dem fließenden Wasser.

Ein echter Hammer. Also einmal tief durchschnaufen, ein Video in den Status stellen und hoffen, dass jemand eine Erklärung hat. Axel Ortlieb aus dem Münstertal antwortete und schrieb: „Bei uns hieß es früher Grundeis. Mir wurde gesagt, wenn der Bach von unten zufriert, ist das Grundeis. Das entsteht sehr selten und nur bei tiefen Minustemperaturen“. Hut ab Alex, kann ich da nur sagen. Normalerweise gefriert Wasser von oben. Denn es hat bei plus vier Grad die höchste Dichte und fällt nach unten. Aber, wenn es lang saukalt ist, dann gefriert der Bach auch von unten zu, weil dann in der Gewässersohle Minustemperaturen erreicht. Das kann man ruhig den Oberhammer nennen. 

In der Grafik sind die Temperaturen in Balingen vor dem 9. Januar dargestellt. Dort ist zu sehen, dass die Mitteltemperatur seit dem 22. Dezember 2025 bis zum 7. Januar 2026, also 17 Tage lang immer unter 0 Grad lag. Etliche Tage zeigten Mittelwerte um die minus 5 Grad und darunter. Auf jeden Fall so, dass anscheinend Grundeis entstehen konnte. Jetzt weiß ich auch, was der Hintergrund für den Spruch ist, „mir ging der A….. auf Grundeis“. 

Etwas Interessantes fand ich in der Pressemitteilung Nr. 1/2009 des Bayerisches Landesamtes für Umwelt und des Wasserwirtschaftsamtes München. „Wenn das Grundeis nicht frühzeitig beseitigt wird, kann es auch bei normaler Wasserführung zu starken Winterüberschwemmungen kommen“, so LfU-Präsident Albert Göttle. „Am Schwebelbach im Norden Münchens sind daher die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamtes München zusammen mit den technischen Hilfskräften im Dauereinsatz. In Wathosen stehen die Männer mit ihren sogenannten Abeislanzen im eiskalten Wasser und hacken das Grundeis auf, damit die Strömung es wegschwemmt“. Das hört sich richtig spannend an.

Dieses Bild zeigt die Situation an der Breg bei Hüfingen vor etlichen Jahren. Das dicke Eis nach langer Frostperiode wurde durch ansteigendes Wasser gebrochen und die Eisschollen ans Ufer abgelegt. Das ist der klassische Fall des Zufrierens von oben.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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