heute kommt die nächste Holzgeschichte. Bäume sind in der Lage, Dinge, die ihnen in die Quere kommen, einfach zu umwachsen. Wir hatten schon einige schöne Beispiele, ihr erinnert Euch vielleicht noch an den Balzer Herrgott bei Gütenbach und erst vor kurzem an die grandiose Astverwachsung bei Maichingen. Die heutigen Fotos hat mir Frau Dr. Ulrike Guttenberger geschickt, die mit Ihrem Mann in Hohenlohe beheimatet ist. Sie ist aber ein Kind der Baar und wenn sie meine Fotos vom schneebedeckten Feldberg sieht, schreibt sie „ich habe Heimweh“.
Wenn man das Bild oben anschaut, denkt man, man sei in einem falschen Film, so unverständlich sieht es aus. Zwei Schilder, die am selben Baum eingewachsen sind. Das Naturdenkmalschild habe ich übernommen, um mir klarzumachen, wie es überhaupt hängen soll. Ihr seht es, zu meiner Überraschung, mit dem Spitz nach unten, umgekehrt wie bei den Verkehrszeichen. Auf jeden Fall ist es so, dass die Grundlinie des Zeichens den Baum veranlasst hat, das Zeichen „aufzufressen“. Vielleicht war es zu eng am Baum befestigt und beim Dickenwachstum des Stammes kam es zur Überwallung. Der Hammer ist, dass fast die ganze Länge vereinnahmt wird, obwohl der Baumdurchmesser deutlich kleiner ist. Man kann nur staunen.
Oben das zweite Schild, das unterhalb des Naturdenkmalschildes ebenfalls überwallt wurde und noch wird. Dort ist die Richtung nach oben im Gegensatz zum ersten Schild. Ironie am Rande, dass der Schildtext besagt, dass es untersagt ist, Pflanzen zu schädigen, na ja, ob eine Überwallung eine Schädigung ist, ist die andere Frage.
Sicherlich wäre es interessant zu schauen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und in 10 Jahren aussieht. Ulrike, denke bitte daran. Vielen Dank.
Die Bilder oben sind selbstredend, ein großer Ackerstein verkeilt und verwachsen zwischen zwei Auslegern eines Baumes. Hier stelle ich meine obligatorische Frage, ist der Stein hochgewachsen oder war er von Anfang an in derselben Höhe – wie jetzt – platziert. Ich bin sehr gespannt auf die Antworten. Ulrikes schöner Hund scheint auch hochinteressiert an der Sache zu sein, wahrscheinlich hat er so etwas noch nie gesehen.
Ulrike, vielen Dank für die tollen Baumverwachsungsbilder, ich glaube, es wäre schade gewesen, wenn es nicht hätte thematisiert werden können.
Es herrscht Landtagswahlkampf, und in der Stadt hängt alles voller Plakate. Am Ortsausgang in Richtung Schwarzwald grüßt das BSW (gibt es das also auch noch in Baden-Württemberg – wie heißt es doch neuerdings?) in großer Aufmachung mit dem Slogan Lehrkraft statt Wehrkraft. Während es dann drüben in Wolterdingen an den Laternenmasten wieder überwiegend Politikerköpfe sind. Nicht anders in Hammereisenbach, wo ich ins Urachtal abzweige, um über die Kalte Herberge zum Thurner zu gelangen.
In Urach, gleich hinterm Sägewerk, haben sie aus einem ganz anderen Anlass plakatiert. Hier grüßt kein Wahlkämpfer, sondern es strahlt Eine vom Plakat, die die Republik kürzlich in einen wahren Freudentaumel versetzt hat: Skiclubkameradin Daniela Maier, die Goldmedaillengewinnerin. Mein Club, für den auch ich vor einem halben Jahrhundert noch Rennen bestritten habe und dem ich mich nach wie vor verbunden fühle, ist zu Recht stolz auf sie!
Lang genug haben wir uns doch vor der Glotze mit vierten Plätzen, mit Stürzen und Formschwächen unserer Athleten abzufinden gehabt, ehe Daniela uns endlich mit ihrem ebenso gewagten wie gekonnten Ritt erlöst hat. Und wie da Glückstränen geflossen sind – bei der Siegerin wie bei ihren im Bus angereisten Fans! Wann waren Schwarzwälder (im Publikum leicht erkennbar an roten Bollenhüten) zuletzt so aus dem Häuschen geraten wie an diesem 20. Februar in Livigno, und auch zuhause am Fernsehgerät war man überwältigt – selbst wenn einem der Sinn bis dahin nie nach Skicross, sondern eher nach nordischen Skisporterfolgen gestanden hatte. Ist der Schwarzwald auf internationaler Bühne je charmanter und sympathischer vertreten worden?
Talaufwärts wirken die Glücksgefühle weiter nach, auch wenn die Lifte, an denen die kleine Daniela einst ihre ersten Schwünge gelernt hatte, anscheinend schon länger außer Betrieb waren; nur noch ein paar schmutzige Schneereste erinnerten an den Schwarzwaldwinter. Drüben, jenseits des Hohlen Grabens, war noch weniger davon zu spüren, wo hier um diese Jahreszeit ja eigentlich das Eldorado von Langläufern und Skiwanderern zu erhoffen war: die Thurnerspur mitsamt dem Fernskiwanderweg.
Und als ob da die trüben nostalgischen Gedanken nicht schon ausgereicht hätten für ein Stimmungstief, wird der Blick neben der B 500 und gegen die Rheinebene hinunter nun urplötzlich auch noch von einem Großplakat eingefangen, als ob das Naturschutzgesetz Werbung in freier Landschaft, gar im Landschaftsschutzgebiet, nicht untersagen würde. Und die Aufschrift, unübersehbar in Großbuchstaben und bebildert mit einer zähnefletschenden Bestienschnauze neben einem zarten Lämmlein, lässt keinen Zweifel zu, worum hier geworben wird: Euer Wolf, unser Problem! Land- und Gastwirtschaft. Gemeinsam stark im Hochschwarzwald.
Ja holla, seit wann bedrohen Wölfe nicht mehr nur die Nutztierhaltung, sondern auch die Hochschwarzwälder Gastronomie? Wo die Umweltministerin im Nordschwarzwald doch kürzlich erst den „Wolfstourismus“ entdeckt und „aus Artenschutzgründen“ lebhaft beklagt hat: die Unart von Hundehaltern nämlich, sich mit ihren Lieblingen im Territorium des „Hornisgrinde-Wolfs“ in den Nationalpark aufzumachen, um so die Chancen auf eine Begegnung mit Isegrim und für ein Foto zu erhöhen. Was in der winterlichen „Ranzzeit“ der Wölfe, wie man fürchtet, in Ermangelung von artgerechten Partnern womöglich zu Hybriden, zu Kreuzungen mit Hündinnen führen könnte. Weshalb der zutrauliche Wolf nach der Entscheidung des Umweltministeriums von einem Spezialisten-Team bis spätestens zum 10. März dieses Jahres erlegt („entnommen“) werden soll, wie es der Mannheimer VGH nach der Beschwerde der Naturschutzinitiative e. V. bestätigt hat.
Vermögen Plakate je unterschiedlichere Gefühle und Assoziationen auszulösen, als jene zwischen Urach und Thurner? Hoffen wir, dass auch die Wahlplakate nächstens ihren Zweck nicht verfehlen.
heute und auch das nächste Mal geht es um Erstaunliches rund ums Holz. Anfangs seid Ihr gefragt, wisst Ihr, was da zu sehen ist und wie wird das Phänomen genannt? Ich vermute einmal die wenigsten werden es wissen, ich jedenfalls nicht.
Mein Wissen habe ich auf der Homepage: https://www.achtsamkeitimwald.com/wimmerwuchs/ von Klaus Heidel aus Hiddenhausen gefunden. Er schreibt: „Für mich ist eine solche Wuchsform ein wunderschöner Anblick. Zu sehen ist nämlich ein stark ausgeprägter Wimmerwuchs am Stamm einer Rotbuche. Dies ist eine Wuchsanomalie, die noch nicht erschöpfend erforscht und erklärt ist“.
Wimmerwuchs an Buchen sei eher seltener zu sehen, er kommt aber an Nadelbäumen, Birken und Ahorn etwas öfters vor. Manchmal sei zu lesen, dass dieser Wimmerwuchs etwas mit dem Standort des Baumes zu tun hat und an Bäumen im Hochgebirge häufiger vorkommt als an Bäumen im Flachland.
Dieser Wimmerwuchs verläuft immer quer zur Stammachse und wirkt manchmal wie viele kleine „Schwimmringe“ unter der Rinde. Ein so stark ausgeprägter Wimmerwuchs wie an dieser Buche werde zum Problem für die weitere Verarbeitung, da solch ein Holz nicht so stabil ist, wie Holz ohne diese Wuchsanomalie. Dieses Holz neigt zu einer verstärkten Rissbildung und Verformung. Daher werden solche Bäume meistens nur als Brennholz gehandelt.
Das werde nach Klaus Heidels Meinung diesem schönen Phänomen nicht gerecht, denn es gibt auch einiges Positives über diesen seltenen Wimmerwuchs zu berichten: „Zur Herstellung seltener Furniere wird solches Holz von so mancher Manufaktur sehr gerne verarbeitet und in ganz einmaligen Holzwerkstücken verbaut. Auch zur Herstellung von anderen kunsthandwerklichen Gegenständen ist dieses Holz recht beliebt. Zum Schnitzen und Drechseln zum Beispiel. Aber auch Musikinstrumente schmückt diese einmalige Holzmaserung oft mit ihrer ungewöhnlichen Struktur und macht so jedes Instrument zu einem einmalig schönen Stück“.
Ist das nicht interessant, dass das Besondere und nicht Normale doch als Nischenprodukt Bedeutung gewinnen kann? Ich finde das sehr faszinierend.
Zum Schluss darf ich dankbar bekannt geben, dass Karl Wild aus Maichingen mir diese Bilder eines Sonntagsspaziergangs zu Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür Karl.
Und, wer hat das Phänomen bereits gekannt? Ich freue mich über Rückmeldungen.
was ist bei mir das Besondere während der Winterfütterung? Zum einen, dass ein Trupp von neun Stieglitzen – auch Distelfinken genannt – unser Leben bereichern. Sie zanken gerne untereinander und gehen nicht beziehungsweise ganz selten an die Futterkette, sondern in die Tröge. Dort sind sie so aufmerksam, dass sie meistens verschwunden sind, bis ich mit dem Händifoto gerichtet bin. Unten die neun Exemplare, eines ist etwas versteckt, auf unserer Gartenlärche. Auf dem Bild daneben sehen wir vier auf Ästen sitzend dicht neben der Futterstelle. Die rechten zwei zeigen die farbliche Schönheit dieser Vögel.
Das Bild unten demonstriert die Dominanz einer Vogelart in diesem Winter, die der Blaumeisen. Vermutlich hatten sie die letzten Brutsaisons durch bestimmte Umstände sehr hohe Aufzuchtraten. Früher beherrschten Hausspatzen das Geschehen. Zählt alle durch, kommt Ihr auch auf 14 Stück? Alles nur Blaumeisen. Das ist doch ein Hammer, nicht wahr?
Unten: Ich bin hell begeistert, dieses Jahr zum ersten Mal Schwanzmeisen an der Futterkette beobachten zu können. Bis jetzt sind es vier Stück. Sie sind schnell und behänd und die langen Schwänze sind so was von klasse. Die Schnäbel sind sehr fein und die schwarzen Kulleraugen wissen zu beeindrucken. Interessant ist, sie sind nicht im Haus anzutreffen, sondern – im Unterschied zu den Stieglitzen – nur an der Futterkette. Das letzte Bild zeigt drei Fotos der gleichen Schwanzmeise. Sie ist mit einem weißen Kopf ausgestattet, das heißt, sie stammt aus Skandinavien und ist zu uns über den Winter eingeflogen. Meistens kommt der Trupp zweimal am Tag kurz vorbei zum Fressen und verschwindet dann wieder.
Wer hat Schwanzmeisen diesen Winter auch schon erleben dürfen? Waren auch weißköpfige dabei?
heute darf ich Euch eine ornithologische Sensation vorstellen. Die Bilder hat mir Thomas Kring aus Hüfingen überlassen Er ist Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes Baar beim Schwarzwald-Baar-Kreis. Er meinte, das wäre doch sicher auch einen Beitrag wert. Ihr erinnert Euch, von ihm erhielt ich auch die Bilder für den Libellen-Schmetterlingshaft Beitrag.
Also, wieso ist das Ganze eine Sensation? Ganz einfach, weil diese Ente, die Ringschnabelente heißt, in großer Anzahl in Kanada und den USA lebt. Die Bestände steigen, obwohl in den USA jährlich 700.000 Exemplare gejagt werden. Bei uns dagegen erscheinen sie nur in ganz geringen Anzahlen: avi-fauna/ringschnabelente. Zur Zeit sind am Bodensee vier Standorte mit jeweils nur einem Exemplar bekannt. Pro Jahr gibt es deutschlandweit etwa zehn Meldungen überwiegend von Einzelexemplaren über das Winterhalbjahr. Der klassische Begriff für eine solche Vogelart ist „Irrgast“. Man vermutet, dass sie durch Stürme nach Europa „verweht“ wurden. Und hier leben sie im Verbund mit zahleichen anderen Enten, man muss sich wundern, dass sie überhaubt erkannt werden. Wenn dann aber eine Meldung im Internet unter www.ornitho.de eingestellt wird, dann machen sich Vogelfans auf die Suche. So kam Thomas Kring auch zu seinen herrlichen Fotos.
Für mich war hoch interessant, dass die beiden Enten auf dem Bild oben von zwei Experten auf den ersten Blick für eine Art nämlich für Reiherenten gehalten wurden, bis ich auf ein genaueres Hinsehen hinwies. „Die vordere ist jedenfalls eine Reiherente“. Genau, charakteristisch ist für sie die schwarz-weiße Färbung und der Federschopf am Hinterkopf. Die zweite Ente auf dem Bild ist das Männchen der Ringschnabelente, auch eine schwarz-gräulichweiße Grundfärbung aber ohne Federschopf. Dafür mit weißer Schnabelumrandung und weiß-schwarzem Schnabel. Klar, man muss wirklich genau hinschauen. Bild unten zeigt sie zusammen mit einer Moorente, sie macht den Eindruck, wie wenn sie dazugehörte.
Die nächsten beiden Bilder sind wunderschöne Portraitaufnahmen dieses einen Ringschnabelenten Mannes vom Bodensee.
Seit einigen Wochen gibt es von mehreren Orten am Bodensee fast tägliche Meldungen jeweils einer einzelnen männlichen Ringschnabelente. Vermutlich sind es mehrere Tiere, die sich am Bodensee aufhalten. Aber die genau Anzahl läßt sich nicht sagen. In jedem Falle hat Thomas Kring seine Fotos am 07. Februar 2026 geschossen und am 11. Februar 2026 könnt Ihr es genießen.
Vielen Dank an Thomas Kring für die Ermöglichung des sensationellen Berichtes. Ich glaube, er lag richtig, als er meinte, dass das einen Beitrag wert ist.
ich muss sagen, die Rätselbilder hatten es in sich. Es haben einige sich an die Aufgabe gewagt, sie lagen aber daneben. Am häufigsten wurde der Schleimpilz Hexenbutter genannt, einige vermuteten, dass es sich um die Eiablage von der Gottesanbeterin oder der Wespenspinne handelt. Den Nagel auf den Kopf getroffen hat Ingeborg Jaag aus Hüfingen. Sie schrieb, „das ist die Kinderstube einer Wespenart“. Auf die Frage, ob sie so etwas schon gesehen habe, kam die Antwort, „sie habe einen Garten und dort sie habe so etwas schon gesehen“. Hut ab und herzlichen Glückwunsch Ingeborg Jaag, sie hatte als einzige die richtige Spur.
Der Entwicklungszyklus von Brackwespen ist eine hochspezialisierte, parasitische Abfolge, die meist in vier Stadien verläuft: 1. Eiablage mit Legebohrer im oder ohne Legebohrer am Wirt, 2. Larvenentwicklung, 3. Verpuppung oft in Kokons und 4. Erwachsene. Die Larven fressen ihre Wirte, Schmetterlingsraupen oder Käferlarven, von innen oder außen, wobei der Wirt stirbt. Der Zyklus dauert bei optimalen Temperaturen von über 20° C nur etwa 10–12 Tage. Die Larve verpuppt sich entweder im Inneren des Wirts oder spinnt einen Kokon auf oder neben dem toten Wirt. Die fertige Brackwespe schlüpft, paart sich und beginnt nach kurzer Zeit (oft nach wenigen Tagen) mit einer erneuten Eiablage. Sie lebt höchstens 30 Tage. Brackwespen sind als Nützlinge in der Landwirtschaft und im Vorratsschutz von Bedeutung, da sie Schädlingspopulationen (z.B. Mottenlarven) stark dezimieren. Der Kokon, den wir hier auf den Fotos sehen, gehört höchstwahrscheinlich zur Kohlweißling-Brackwespe. Denn diese überwintert darin als verpuppungsbereite Altlarve, bis sie im Frühjahr ausschlüpft. Wie denkt Ihr über diese Geschichte? Ich kann nur sagen, ein wahrhafter Oberhammer.
Auf der Webpage Schadbild wird hier gezeigt, wie sich die Räupchen der Kohlweißlig-Brackwespe über eine Kohlweißlingraupe hermachen. Da wird sicher nichts mehr übrigbleiben. Die Brackwespen sind relativ klein, in der Regel keinen Zentimeter groß.
Ein herzliches Dankeschön Karl Wild aus Maichingen, dass er die Bilder zur Verfügung gestellt hat. Dann Hans-Peter für die Hilfestellung und Euch allen, die Ihr mitgemacht habt. Für Ingeborg Jaag nochmals ein herzlicher Glückwunsch zur Rätselslösung.
Rätselgebilde
Rätsel vom 28. Januar 2026
Liebe Bürgerpostleser,
heute seid Ihr gefragt. Ich möchte Euch drei Bilder von Karl Wild vorstellen, die er Ende Dezember/Anfang Januar 2026 in Maichingen, einem Ortsteil von Sindelfingen aufgenommen hat.
Wer hat eine Idee, um was es sich handelt? Hat jemand von Euch so etwas schon gesehen? Ich bin gespannt, ob jemand auf die Lösung kommt. Die Gebilde sind etwa 2,5 cm lang und haben einen Durchmesser von 1,5 cm. Mehr Hinweise gibt es nicht. Die Lösung erfolgt das nächste Mal. Also viel Freude beim Recherchieren.
E anders, eher eweng uuchrischtlichs Brauchtum, lauft zwische de Johr uff de Boor und im Wälderwald no i winzigkleine, kum wohrnembare Restrelikt ab. De Kult vu de Raunächt oder de Lostäg. Begnet ischer mir nu no bi de Oma Paula. Freya war eren zweite Name und des hät scho eweng ebbis heidnischs a sich. D Freya ghert zu dene Göttinne die zemet mit ihrem Göttergatte Wotan a de ewige Tafelrunde ufem Bergfried Asgaard alldag usgibig feschtet. Dert word s` Wetter idoelt und verkartet. Natierli word zwische de Johr de Plan ver die näschte Monde uusdenkt. Die versoffe, verlotteret und verkumme Bande striitet natierli gherig und jeder wills besser wisse. I dere Ziit schicket sie au ihr Wildes Heer dorch d` Lüft zum d` Liit verschrecke und willfährig halte. Natierli au dorch de Schwarzwald und die rau Boor.
Am Heilige Obet, eweng hoamlich und verduckt, hät d`Oma Paula zwölf Zwiebel- Hälftene zuegschnitte. Die hät sie uff de Stubbefenschterbank i Reih und Glied gleit und i jede Zwibelmulde e Schechli Salz gstreut. Jetzt hät die akkurat usgrechtet Reihe nähmert meh aalange oder verrucke derfe. Jede Dag hät sie die Schäleli aaguckt und uf en Rodel uffgschriebe, ob und wie viel Wasser des Salz i dere Zwibelmulde zoge hät und ob sogar e kleine Lache i de Zwiebelhälfti war. Je noch Zuestand vu dene Schäleli, jedes hät on Monet vum kummende Johr abzoachnet und dargstellt, hät sie gwisst, wie s` Wetter im kummende Johr word. Ob im Heibet mit Soachwetter zum rechne wär, ob s` Öhmt guet und wohlriechend reesch word, d` Herdepfel ufem Feld halb verfuulet usi ghacket were mond oder ob sie bim Rieswelle mache im Herbscht all Dag de Regeschobbe bruucht und ob mer im November scho Schnee schoore muess. Natierli hät ver sie nu der Wetterkalender golte und bim beschte Wille hät sie kon Fehler i dem Bruuch enddecke kinne. Des Orakle hät besser battet wie de Hundertjährig Kalender us em Lahrer Hinkende Bote. Losdäg waret des also, die 12 Däg zwischem Heilige Obet und Drei König die des Los vum kummende Johr entschiede hond. En zweite Bruuch hät sie hählinge am Morge vum erschte Weihnachtfiertig, no bevor sie is chrischtlich, weihnachtlich Hochamt gange isch, zelebriert.
Ufem Hoamweag vum Amt häts se vu dere Verrichtung am Morge dene andere Hochamtswieber natierli nint verzellt. Sunscht wär sie uusglachet und versecklet wore wege ihrem altbachene Bruuch und Glaube a so Fürz. Am Festdagsesse isch dodevu au nint verzellt wore. De onzig Hiwies war der breselig und rauchig Guu der im Huuswese glege isch. D` Biebli hond zwar gfroget wa des fer Zwibelschnitz uf em Fenschterbank wäret. Aber do war sie eher eweng verstockt und verdruckt. Wemer no nochem Kaffe d` Äsche i dem gußiisene Holzliim-Pfännli mit dene 3 Fiess ufem Bord i de Kochi entdeckt hät, hät mer gwisst: Hit hond Raunächt aagfange. Eigentlich hoasset sie Rauchnächt. I dene Nächt wered ebe d` Hieser, de Stall, d` Schier, de Schopf, d` Schlofkammere und d` Stubbe usgräucheret. Räuchere isch en uralte, oefache und wirkungsvolle Haltbarkeitsvorgang. Bim Speck, au bim Pfohremer Boschespeck, merkt mers am allerbeschte. Also isch mer mit eme Kächeli oder eme Pfännli i des usem Kachelofe e weng Holzkohle gfillt war, dorch die ganze Räum aadächtig und ernst gange und hät debei so mystische quinkili- quankili – Sprich bruddlet. Und so hät mers s` Huus und s` ganz Huuswese uusgräucheret. Vu Böse Geischter, Uugziffer, schlechte Gedanke, Hexereie und Boshaftigkeite befreit. Des mit dem Räuchere kamer i allne Religione beobachte, sogar ebe i de heidnische, keltische – germanische- druidische Ritual. I dem Leimpfännle sind no wohlriechende, reinigende Kräuter usem Garte wie Holunder, Reckholder- Juniperuswädel saut mer z Aamedshofe, Pfefferminz und vor allem de reesch gweiht Palmewedel vu de Krieterbuscheleweihe verkloschteret wore. Mit dem qualmende Rauchgschirr wo d`Oma no e Rietere druff dau hät, dass jo koa Glut de Heistock azindet, isch sie hählinge dorch s` Huus zoge und hät ebe uusgräucheret.
Zu dene Losdag und de Rauhnächt hond die phantsievolle Volkskundler immer wieder mol ebbis Netts dezuedichtet, vu wege dass mer a dene Täg koe Wäsch wäsche sot, d` Träum uff bhaalte sot, also nit verzelle sot, e Münz in Brunne lege und vieli andere Gschechtle, halt netti Märli dezue gfummlet. Des poesievollscht devu isch aber doch der mit em Stall. I de erschte Raunacht, des isch die Heilig Nacht, soll neamert de Stall betrete und dä ummemuuse und loschore. Weil i dere Nacht, und nu i dere Nacht, s` Vieh mitenand schwätze kennt und des au dät. Natierli hät do scho mancher wunderfitzig Buur des uugschribbe Naturgsetz nit iighalte und doch heimlich gloset und gschächt und denno mitkriegt wie s` Vieh über ihn , den grobe Buurekerli, goschet und gschnorret hät. Und jähzornig wie mancher Buur ebe au war, hät er den vorluute Ochs mit de Goassle gschlage und verdescht. Do hond sich aber die geduldige, gütige, alldag selli freigebige, milchspendende, jetzt aber so gedemütigte, hintergangene Kühe mol grausam grächt und de Buur gnadelos i de Raufe verdruckt. Sit des im ganze Gai verzellt wore isch hond sie Ruhe, die Kühe i dere Nacht, und kennet usschweifend und theatralisch die ganz Nacht zogate. Falls des nit wohr isch, isches zmindscht pfundig und unterhaltsam erfunde.
Wenn a Dreikönig de Bsuech vu dere Königs- Karawane im kleine, krumme Schwarzwaldhiesli bi de Oma Paula aagstande isch und sie andachtsvoll d` Sprichli und Liedli vu de Heilige Dreikönig i de niedere Stubbe aagloset hät, de Chrischtbomm nomol aazunde hät und de Melchior am niedere Huusderekriezstock die drei Segensbuechstabe ännikriedet hät, denno hät sie den Weihrauchfasskönig no aaschwattiert und in Stall gfiehrt. Dä wo vor paar Johr no e Wälderkiehli und e struppige Goass gstande isch, hät er no kräftig Weihrauchkörnle scherre messe und s Fass schwaie messe. Genauso i de Schier. Wenn jetzt no de christlich, de gweiht Weihrauch – Guu im ganze Huus und im Buuretoal glege isch, no hät gar nint meh krumm laufe kenne. Deno hät sie selig und knitz grinset und in de Zueversicht uf e guets Johr no en wiitere Batz i d` Schatulle vum Kollektesammler König gleit.
De Bruuch mit em Sternsinge verhebt immer no, wa mer selli guet gfallt. De zweit isch jetzt noch Johrtausende im Zug vu de Wetterbericht, em minütliche Wetterradar, Meteoblue, Wolkesimulatione im Internet tatsächlich und endgültig am ussterbe. Wenn er au nimme glebt word. Verzelle sot mers trotzdem no und so kenne mers amend no e paar Generationen i de Köpf und ufem Papier und digital uf de Feschtplatte im Hieronymus bewahre und besinnlich, aaregend den alte Bruuch id Erinnerung zruckruefe.
On Sproch us dem Raunacht Brauchtum verhebbt i de Familie immer no und hoesst übrigens so: A Maria Lichtmess (2. Februar eme wiitere Lostag) isch Tag Ess, des hoasst dass mer dä scho wieder im Helle uhni Kerzeliechter am Obet vespere ka. S` isch bald scho wieder so wiet.
Jo so wars , des Buebeglick z` Eschinge, z Gräninge , z Wulterdinge und s `nächstmol verzell ich eich die Gschecht vum Kriezwehkriez im Bregtal.
Die Entscheidung des Umweltministeriums zur Tötung von GW2672m
Keine Sorge: wir befinden uns hier mitnichten in Minneapolis, wo derzeit maskierte und bewaffnete ICE-Trupps Jagd auf Einwanderer und unbescholtene Bürger machen. Der Auftrag zur „Entnahme“ des Wolfs GW2672m erging streng nach Recht und Gesetz: in einer insgesamt 21 (!) Seiten umfassenden Entscheidung des Stuttgarter Umweltministeriums über eine Ausnahmegenehmigung vom artenschutzrechtlichen Verbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz zum Nachstellen und Töten geschützter Tierarten. Ihr ist auch zu entnehmen, dass aus geschulten Spezialisten ein Entnahmeteam (dessen Namen im Text geschwärzt sind) zur Tötung bereitsteht. Sein Vorgehen, seine Bewaffnung (mit Nachtsichtgerät) und sein Einsatzgebiet sind minutiös festgelegt, selbst für den Fall, dass sich der Wolf listigerweise im Nationalpark zu verstecken versucht. Zusätzlich hat das Ministerium bei der höheren Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg Antrag auf Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung gestellt, wozu sich die anerkannten Naturschutzverbände äußerst kurzfristig zu äußern hatten. Was, alles in allem, den Eindruck verstärkt, dass die Entscheidung zur Entnahme des als gefährlich eingestuften Wolfs als ein politisch hochbrisanter Fall einzuordnen ist.
Denn bei GW2672m handelt es sich um den auffällig gewordenen, in der Bevölkerung auf den Namen „Hornisgrinden-Wolf“ getauften Rüden, dem angelastet wird, dass er sich insbesondere während der winterlichen Ranzzeit in Ermangelung einer artgerechten Partnerin allzu oft Menschen mit Hündinnen genähert hat – und dies auf weniger als 30 Meter! Alle Versuche, ihn einzufangen, zu besendern und zu vergrämen (wie es das Wolfsmanagement des Landes in derlei Fällen vorsieht) seien erfolglos geblieben. „Auch aus Gründen des Artenschutzes“, so äußerte sich bedauernd die NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes, „gilt es zu verhindern, dass sich Wölfe mit Haushunden paaren und sogenannte Hybride bilden“, wozu auch ein zu befürchtender „Wolfstourismus“ beitrage. Die Entscheidung sei traurig, aber nachvollziehbar, meint auch der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle und ergänzt: „Umweltministerin Thekla Walker liegt meines Erachtens richtig, wenn sie jetzt handelt und nicht erst wartet, bis es doch zu einer brenzligen Situation kommt.“ Die Entnahme zeige auch, dass das Wolfsmanagement in Baden-Württemberg funktioniere und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht überflüssig sei – ein Seitenhieb auf den seit Jahren schwelenden Zuständigkeitsstreit zwischen Umwelt- und Ernährungsministerium.
Der Umgang mit „Problemwildtieren“ gilt als besonders delikat, wie man spätestens seit dem Abschuss des im Sommer 2006 nach Bayern eingewanderten (vom bayerischen Umweltminister zunächst willkommen geheißenen) Bären Bruno weiß, nach dessen Ende die öffentliche Meinung plötzlich zu kippen drohte; „Problembär“ ist seitdem zum geflügelten Schimpfwort geworden. Nach welchen Kriterien wird man also wohl das nächste Mal einen „auffällig gewordenen“ Wolf zum „Problemwolf“ abstempeln und zum Abschuss freigeben? Wo es um Isegrims Image hierzulande doch seit den Gebrüdern Grimm, seit Rotkäppchen und den sieben Geißlein, ohnehin noch nie gut bestellt war? Ab wie vielen Nutztierrissen wird es um ihn geschehen sein? Wo anfangs doch auch die Rückkehr der Wölfe noch als Erfolg des europäischen Artenschutzes gefeiert wurde – als hoffnungsvolles Zeichen wider den weltweiten Artenschwund.
am 9. Januar 2026 hatte ich etwas Zeit, mich in Balingen umzusehen. Das Zollernschloß an der Eyach gelegen, macht einen tollen Eindruck. Am beeindrucktesten war ich aber von etwas anderem, was ich so noch nie gesehen habe. Ich sah Eis, das unter Wasser war. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht, Eis ist über 10 Prozent leichter als Wasser und liegt deswegen im Regelfall oben auf. Schaut die Bilder an das Eis liegt eindeutig unter dem fließenden Wasser.
Ein echter Hammer. Also einmal tief durchschnaufen, ein Video in den Status stellen und hoffen, dass jemand eine Erklärung hat. Axel Ortlieb aus dem Münstertal antwortete und schrieb: „Bei uns hieß es früher Grundeis. Mir wurde gesagt, wenn der Bach von unten zufriert, ist das Grundeis. Das entsteht sehr selten und nur bei tiefen Minustemperaturen“. Hut ab Alex, kann ich da nur sagen. Normalerweise gefriert Wasser von oben. Denn es hat bei plus vier Grad die höchste Dichte und fällt nach unten. Aber, wenn es lang saukalt ist, dann gefriert der Bach auch von unten zu, weil dann in der Gewässersohle Minustemperaturen erreicht. Das kann man ruhig den Oberhammer nennen.
In der Grafik sind die Temperaturen in Balingen vor dem 9. Januar dargestellt. Dort ist zu sehen, dass die Mitteltemperatur seit dem 22. Dezember 2025 bis zum 7. Januar 2026, also 17 Tage lang immer unter 0 Grad lag. Etliche Tage zeigten Mittelwerte um die minus 5 Grad und darunter. Auf jeden Fall so, dass anscheinend Grundeis entstehen konnte. Jetzt weiß ich auch, was der Hintergrund für den Spruch ist, „mir ging der A….. auf Grundeis“.
Etwas Interessantes fand ich in der Pressemitteilung Nr. 1/2009 des Bayerisches Landesamtes für Umwelt und des Wasserwirtschaftsamtes München. „Wenn das Grundeis nicht frühzeitig beseitigt wird, kann es auch bei normaler Wasserführung zu starken Winterüberschwemmungen kommen“, so LfU-Präsident Albert Göttle. „Am Schwebelbach im Norden Münchens sind daher die Flussmeister des Wasserwirtschaftsamtes München zusammen mit den technischen Hilfskräften im Dauereinsatz. In Wathosen stehen die Männer mit ihren sogenannten Abeislanzen im eiskalten Wasser und hacken das Grundeis auf, damit die Strömung es wegschwemmt“. Das hört sich richtig spannend an.
Dieses Bild zeigt die Situation an der Breg bei Hüfingen vor etlichen Jahren. Das dicke Eis nach langer Frostperiode wurde durch ansteigendes Wasser gebrochen und die Eisschollen ans Ufer abgelegt. Das ist der klassische Fall des Zufrierens von oben.
Diese fantastischen Bilder von Hans Lang sind in Hüfingen aufgetaucht. Vielen Dank an Alfred Riegger!
Es würde uns interessieren wo das Original ist. Vielleicht weiß wer was?
Dieses Bild wurde dem ehemaligen Hauptamtsleiter, Karl Hahn, zum Abschied geschenkt.
Das etwas andere Lebensbild des lebenslustigen Künstlers Hans Lang
gelesen von Richard Ketterer im März 2024
Eine Vita als Leporello
Nicht nur Gassen sind etwas Unverlierbares, auch Menschen, Personen, und Originalitäten.
De Lange Hans us de Wassersrooss z Eschinge
Auf den Gedanken einen Bauingenieur und Mundartler übers Leben und Wirken vom Hans Lang reden zu lassen, das kann nur der Lange Christel und Rolf Karl einfallen. Darum schwenk auch diesmal kein Kunsthistoriker oder Kunstkritiker das Weihrauchfass zu Ehren eines städtischen Universaltalentes. Dieses Leben, diese Vita, diese Hommage soll man nach dem Willen der Nachfahren, und sicher nach seiner eigenen Gedankenwelt, möglichst unterhaltsam und skizzenhaft aus dem episodischen und narrativen Gedächtnis eines jungen, heranwachsenden Eschingers erzählt werden. So sind sie halt die Langs, die Maiers us de Unterstadt, us de Wasserstroos.
Fast jeden Morgen ist mein Vater zum Bahnhof auf den Zug gegangen. Bei „Theodor Maier- Kolonialwaren“, bei den frühaufstehenden „Maier Wiebern“, Gretel und beim Tantele Bertel Maier, hat er seinen 6-er Pack Burgerstumpen als Tagesration geordert. Der Hans hat den beiden Frauen ziemlich lustlos die Regale mit den schweren Waren aufgefüllt und den Freiluftmarktstand vor dem Laden aufgebaut. Schnell hat er sich dann verdrückt um auf Motivjagt zu gehen. Während der erste Bürgerstumpen schon geglüht hat, haben sich die beiden kurz die neuesten Witze und die neuesten Stadtgeschichten, Skandälchen und Missgeschicke erzählt und zusammen einen gepafft. Vater den dicken Bügerstumpen und Hans ein Pfeifchen oder eine Gitan oder eine Troup aus dem Economat oder dem Casino. Neben fürchterlichen traumatischen Erlebnissen brachten unsere Väter auch eine schwere Sucht nach Hause. Die glühende Sehnsucht nach Zuhause wurde nämlich in der Soldatenzeit auch mit der glühenden Nikotinsucht der härtesten Sorte bekämpft. Machorka, Reval, Troup. „Bahndamm dritter Schnitt“ hießen diese Stengel- und Strunktabake im Militärjargon und sie forderten nach dem Krieg als Spätfolgen nochmals viele Opfer.
Haus Maier, zerstört 20.April 1945
Wiederaufbau Wasserstr. 1
Im Kopf vom Hans rumorte schon das nächtliche Traummotiv: Stadtkirche vom Brigachufer am Schützen, monochrome, in Kohle. Also ab mit Staffelei, Kohlestiftholzkästchen und Zeichenkarton ans Brigachufer vor der Falkenpost. Kaum war der Dreibock aufgestellt und der Karton eingespannt, schauten ihm schon die lustlose daherschlurfenden Schüler, die entrückten Frauen von der Frühmesse und die am frühen Morgen schon schlappen Bürokraten von der FF-Kammer über die Schulter. In deren ledernen, speckigen Aktentäschen ein Butterbrot, eine Thermosflasche Zichorien- Kaffee Pnache mit viel Cognac und den obligaten Ärmelschonern,: „Hans, wa hät der hit Naacht wieder troomt, wa wit hit mole?“. „Ha waisch, de böhmisch Stadtkirchearchitekt Kanka hät vorfern bestimmt als erschtes e Kohlestiftzeichnung gmacht vu de böhmische Barockkirch uff em Donauquellebuckel. Genau dem sin uusdenkte Iifall vu dämols für die Barockkirch uff dem Kalkfelsebuckel über de Dunnequell, dem will ich nochschmecke, nochmuuse. Aber nit wie ichs als Technische Zeichner glehrt han, mit Reißschiene und Tusche, sondern mit Kohlestift, so wie ebe dämols de Kanka“. Dieses Bild, dieses Sujet, war eines der besten und erfolgreichsten von Hans Langs Bildern.
Und schon steigt in seinem Kopfkino ein Karikaturen Bild auf und wird im prallgefüllten Kopfzettelkasten abgelegt: Ein dürrer oder vielleicht fülliger Kammerbürokrat mit Nickelbrille, Zigarre, Ärmelschoner, Tintenfeder und Tintenfass an einem barocken Stehpult mit englischem Banker- Schreibpultlämple.
In „Brusel“ (Bruchsal) ist Hans Lang aufgewachsen und hat unter sachkundiger Anleitung seines Decomaler-Vaters und Restaurators mit Bleistift und allen verfügbaren Papierresten ständig skizziert. Von 1934 bis 1947 war auch er, so wie viele jungen Deutschen, im doppelten Sinne gefangen vom bedrückenden und erdrückenden Nationalsozialismus. Das war die Zeit des düsteren Monochromismus in seinem Leben und in seinem Malen. Mit Bleistift und Papier hat er in den Kriegsjahren und Gefangenenjahren Hunger, Not, Erschöpfung, Düsternis aber auch Freundschaft trefflich und einfühlsam gezeichnet. Schwarz-Weiss nicht nur wegen seiner Gemütslage, sondern auch in Ermangelung von Malfarben, Leinwand und Utensilien.
Als aber nach 1947 Hoffnung aufkeimte, kamen wieder sanfte, zaghafte Aquarellfarbe zwischen die Flächen seiner grauen Linien. Bis in die Fünfziger herrschte dennoch die Monochromie vor. Sicher auch Ausdruck der Traumata die allen unseren Vätern innewohnte. Das düstere Bild des zerbombten Haus von „Theodor Maier- Kolonialwaren“ war finaler Höhepunkt der düsteren Bedrücktheit. Selbst das „Mathisle“ Porträt in Öl von 1963 hat noch diesen dunklen Taint.
Und genau an diesem Bild kommt die einfühlsame, rücksichtsvolle Skizzen- und Portraitmeisterschaft ganz deutlich zum Ausdruck. „S Mathisle“ war mehr als ein Eschinger Original. Er war der Hofnarr, der lustige August, der verkommene, muffelnde, ungepflegte Taglöhner, Rumtreiber, schlagfertige Witzbold der jeden Dutze, auch den Fürst. Von den Bildungsbürgern geduldet, wenn nicht sogar geschätzt , hielt er ihnen vorwitzig den Spiegel vor. Vermeintlich ein verhöhnter, verachteter Versager. Was macht Hans Lang daraus: Er bildet seine menschliche Würde ab. Sein Schalk, sein Gifizz kommt zum Ausdruck. Man glaubt einen stolzen, geachteten Eschinger Bauern vor sich zu haben. Nichts von all den aufgeführten Vorurteilen kommt zum Vorschein. Nur Respekt, Menschlichkeit, Wärme, Würde. Die wahre Kunst des Porträtisten. (Volksbad Episode?).
S’Mathisle
Diese Meisterschaft kommt auch zum Vorschein bei seinen legendären, aber auch berüchtigten Wirtshaus und Veranstaltungsskizzen. Vor seinem spitzen Bleistift und Skizzenblock war keiner sicher. Es wird kolportiert, dass er dem Gegenüber direkt in die Augen sah und ohne einen Blick auf den Block zu werfen mit wenigen Strichen und Schattierungen ein Porträt zeichnete. Viele halten diese „Blind Views“ sogar für seine Besten.
In den 60-ern kommt dann viel Farbe in die Bilder und in das Leben von Hans Lang. Fast hat man das Gefühl, dass die Traumatas abfallen, bewältigt sind. Ästhetik, Ironie , Satire, Stimmungen, Harmonie, Erotik werden mit wenigen Strichen aber auch farbig opulent eingefangen.
Und wieder steigen Kindheitserinnerungen auf. Eschingen war in den 50-60-ern tatsächlich eine Schlittschuhstadt. Wenig Schnee aber knackige Kälte am Kältepool Alemanniens bewirkten und beförderten diesen Kult. Wieder bewahrheitet sich der Satz: „Nicht die Herrschenden schreiben so Geschichten sondern die Landschaftsgeographie“. In dem Fall das Klima. Dennoch schaffen die Herrschenden die Voraussetzungen zu diesem Eiskult, indem sie östlich des Parkes im klirrenden Kältesee im Haberfeld einen großen Eisweiher und ein beispiellosen Eishaus bauen. Auf diesem Polareis vergnügen sich seit 1910 die Eschinger am Sonntag zu Hunderten beim Schlittschuhlaufen, Eistanzen, Eisstockschießen und Eishockey spielen.
Eiswiese um 1910
Zwei Bürger ragen davon heraus: Hans und Gretel Lang. Die beiden üben unter der Woche am Abend fast vor der Haustüre auf der damals oft zugefrorenen Brigach vor dem Irmapark Paarlauf, Eistanzen. Die beiden Turnvereinler, Körperbeherrschung, Körperspannung, grazile Bewegungen scheinen ihnen in die Wiege gelegt zu sein, proben für ihre Auftritte am Sonntag auf dem Eisweiher. Auch da werden mit wenigen Kufenspuren Skizzen, Zeichnungen, Ornamente aufs Eis gezeichnet, ja gezaubert, so wie es Hans auf dem Skizzenblock nicht besser könnte. Nur wenige Bilder prägen sich üblicherweise im episodischen Gedächtnis eines 10 jährigen ein. Eine Szene aber läuft immer noch in meinem Kopfkino beim Brigachspaziergang ab. Die Langs, die Eschinger Kilius Bäumlers, beim grazilen Eistanz auf der Brigach. Hans Lang muss diese Ästhetik geradezu pirouettenhaft umgetrieben haben. Denn immer wieder taucht dieses harmonische Eislauf- Ballett- und Tanzsujet auf. Mit wenigen Strichen in Blei- oder Kohlestift aufs Papier gezaubert.
Beim Frauenfreund Hans Lang kommt das weibliche Geschlecht bestens und formvollendet weg. Neben dem Eislaufsport brachte Hans Lang als Ski- und Tourenwart des TV auch die fast schwerelose Funktionslust dieses Skisportes eindrücklich zur Geltung.
Woher aber rühren die zahlreichen Pferdeskizzen und Graphiken? Hans Lang kam zwar als Militärmusiker nach Eschingen, wurde aber in der großen Kaserne zum „Rittmeister“, zum Kavalleristen in der großen Reithalle und den Stallungen. Dass das Reitturnier den Stift zum traben, galoppieren brachte, war deshalb naheliegend und fast zwangsläufig. Naheliegend war auch der Bezug zu den Musiktagen, für die er oft die symbolträchtigen Plakate entwarf. Obwohl er als Musiker nach Eschingen kam, kann man sich durchaus fragen, kam eigentlich die Musik- Reit- Eis-Sport und Kunststadt Eschingen zu ihm oder er zu ihr? Die Antwort liegt aber in der Mitte: Bei der Zuneigung zu der hübschen Eschingerin Gretel Maier, später eben „D Lange Gretel“.
Eins kann ich aber Hans Lang nicht vergessen und kaum verzeihen, es ist fast schon ein Kindheitstrauma, mein einziges, zwar leicht zu bewältigendes, verkraftbares, aber latent. Im altbackenen Turnsaal der Volksschule hing an der nördlichen Wand ein mächtiges Gemälde, gemalt von Hans Lang in Ocker, Bleiweiss und Kohle: Turnvater Jahn wachte streng über die Schul- und Turnvereinseleven. Und dieser bärbeißige schaute einem überall nach und machte einem wirklich Angst, weil er so lebendig wirkte und einem stechendscharf, disziplinfordernd ansah. Egal ob man sich hinter Mattenbergen, Kletterseilen oder Bündeln von Rundlaufstrickleitern versteckte, immer vermieste der Alte einem den Spaß am Turnen und Spielen. Hans Lang ließ sich vom Turnvater Jahn beim malen direkt in die Augen blicken. Dieser scharfe Blick verfolgt einem immer und überall im Saal. „Turnvater Jahn is watching you“, so könnte die Bildunterschrift lauten. Viele Ex-Volksschüler teilen noch heute diese Furcht vor dem strengen Blick des deutschen Obervorturners. (Ich glaube deshalb bin ich nicht in den Turnverein gegangen, sondern zur DJK in die modernen Gymnasiumshalle ?)
Turnvater Jahn
Sprühende, rastlose Phantasie hat den musischen Malerpoeten Hans Lang lebenslang umgetrieben. Falls dieses Erzählte doch eine kleine Vita gewesen sein sollte, haben sie vielleicht abgelauscht, dass das im reinsten Wortsinn ein „Vitales“ ein „Phantastisches, phantasievolles“ Leben war. Hans Lang bereicherte die Stadt Eschingen, die Baar, die Region und machte sie noch lebenswerter, noch anregender, noch poesievoller. Er war ein stadtverliebter, ein freiheitsliebender, ein selbstverwirklichender Bohem. Verliebt in Land, Leute, Jung und Alt, in Bauwerke, Flora, Fauna, ins Ried, die Donauauen, die Baardörfer, in Bewegung, Grazie, Genüsse aller Art, Geselligkeit, Humor, Jahreszeiten, Kontraste, Pinsel, Blei, Leinwand, Papier, Styropor, in Wasser, Eis, Luft, Licht und Liebe.
Denn die Liebe zu seiner Muse, seiner Ehefrau und Mutter seiner Kinder Monika, Christel, Hans Albert, zu Gretel Maier- Lang, machte seine freie Selbstverwirklichung erst möglich.
So ein originelles Leben kriegen nicht viele fertig. Und darum:
Memento Hans und Gretel Lang
Die zwei Bilder unten von Hans Lang waren im August 2024 in Donaueschingen zu sehen: