Schnee von gestern – Schnee von morgen?

Er ist den meisten Skiläufern eine so selbstverständliche Sache, dass man nicht weiter über ihn redet, höchstens wenn er ausbleibt oder wenn er „pappt“. (A. Fendrich: Der Skiläufer. Stuttgart 1924)

Was, wenn unsere Kinder aufgrund unseres Verhaltens nicht nur ein Jahr ohne Schnee, sondern ein ganzes Jahrzehnt ohne Winter erleben? (A. Gore: Wege zum Gleichgewicht. S. Fischer, 1992)

Was waren das diesmal für trostlose TV-Übertragungen mit all den weißen Kunstschneebändern in grüner Landschaft, auf denen per Ski gesprungen, gerannt, geschossen und zu Tal gerast wurde. Nie wurde der Klimawandel wirkungsvoller in Szene gesetzt, dazu beigemischt Silvesterkrawalle, die Räumung von Lützerath und zu allem hin auch noch die Einschläge russischer Raketen in ukrainische Wohnblocks – wer da zum Jahreswechsel mal nicht Gefahr lief, depressiv zu werden! Das wärmste Jahr, der wärmste Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, jetzt sogar als Glücksfall gepriesen angesichts der knappen und sündhaft teuren Heizenergie! 

Sollen Kinder da noch Ski laufen lernen, so wurde in den Medien gefragt, macht Skisport  überhaupt noch Sinn? Riesenglück hatten immerhin die Neustädter, denn exakt zum Weltcupspringen auf ihrer Hochfirstschanze war das schmutzige Snowfarming-Weiß vom Vorjahr eben noch rechtzeitig von einem Hauch Naturschnee überpudert worden, sodass in den Übertragungen zumindest ein Anschein von Schwarzwaldwinter noch vermittelt werden konnte. Dabei hatte es hier doch schon im vorigen Jahrhundert Kritik gehagelt, lange bevor allenthalben Schneekanonen in Stellung gebracht worden waren, weil man damals schon den Schnee mangels eigener weißer Pracht per Lkw-Flotte vom St. Gotthartpass herbeigekarrt hatte. Demgegenüber hatten die pfiffigen Schonacher mit ihrem (zumeist spätwinterlichen) Weltcuptermin der nordischen Kombination schon bald nach der Jahrtausendwende dafür gesorgt, dass die Kritik am Energieverbrauch künstlicher Beschneiung verstummte angesichts der Windenergieanlagen auf den Höhen rund um ihr Langlaufstadion.

Schneenotstand (2017)

Schwarzwaldwinter ade, so wird freilich nicht erst seit Kurzem beim Thema Wintersport und Wintertourismus geunkt, wenn wieder einmal der Schnee ausgeblieben ist und wenn wehmütig einstiger „Jahrhundertwinter“ gedacht wird. Etwa so wie jenem anno 1907, als es dem Schneepflug nicht einmal mehr sechsspännig gelang, die Straßen von den Schneemassen frei zu räumen und als man zu den Nachbarn manchenorts sogar Tunnels graben musste. 


Schneenotstand (1907)

Oder gar so wie in Lucian Reichs Anekdote „Winter auf dem Walde“, in welcher es den Rettern erst am Karfreitag endlich gelungen ist, am Feldberg einen Bauernhof von oben her durch die Schneedecke auszugraben. „Karfreitag, und wir verzehren soeben das letzte Stück vom letzten Stier“, sollen die Geretteten von unten herauf gerufen haben – entsetzt darüber, unwissend das Fastgebot übertreten zu haben. Aus dem im Februar 1848 von einer Lawine („Schneeschalte“) verschütteten Königenhof im Wagnerstal bei Neukirch, in dem 17 Personen nebst vielem Vieh zu Tode gekommen waren, wird wohl niemand mehr herausgerufen haben.

Und doch hat es im Schwarzwald immer auch schon schneearme Winter gegeben. „Wer seinen Wohnsitz am Fuß des hohen Schwarzwaldes hat,“ schreiben in Deutschlands erstem Skiführer die beiden Skipioniere Henry Hoek und Heinrich Wallau (Skifahrten im südlichen Schwarzwald, München 1911), „ist natürlich in der glücklichen Lage, jeden günstigen Schneefall zu einer Fahrt auszunutzen. Wer weiter reisen muss, wird gut tun, sich über die Schneeverhältnisse genau zu erkundigen.“ Was keinen andern Schluss zulässt, als dass es mit der Verlässlichkeit der Winter selbst im Hochschwarzwald noch nie besonders gut bestellt war. 

Ein fotografischer Schnappschuss des Schwarzwaldmalers Hermann Dischler, entstanden auf dem Thurner im Winter 1903, zeigt eine eher dürftige, ziemlich ausgeaperte Schneedecke. Hier oben sollen die Jungbauern und -bäuerinnen, angesteckt vom in Freiburg unten so heftig grassierenden Schneeschuhlauf-Bazillus, um die Jahrhundertwende mit ihrem Vorhaben kläglich gescheitert sein, ihren eigenen Skiclub zu gründen. Vorausgesetzt, die Erzählung des Thurnerwirts, des Chefs des seit 1502 auf der Passhöhe nachgewiesenen Gasthauses, trifft zu, die er in den schrecklichen, den schneelosen Wintern der 1990er Jahre unter seinen Gästen ausgestreut hatte, soll der junge Verein sich nach sieben (!) schneemageren Wintern wieder aufgelöst haben. 

Dünne Schneedecke auf dem Thurner (Foto H. Dischler, 1903)

Und doch sollte es sie auch weiterhin geben, die „Jahrhundertwinter“: Am ehesten, versteht sich, wenn der erste Schneefall auf den Tag des Heiligen Andreas am 30. November fiel. Dann nämlich, so will es die Bauernregel, bleibt der Schnee hundert Tage liegen – wofür ich mich als langjähriger Vorsitzender des Fördervereins Club Thurnerspur e. V. verbürge, mit dessen Mitgliedsbeiträgen das 1972 auf dem Thurner gegründete Langlaufzentrum unterhalten wird. In besonders lebhafter Erinnerung ist mir der erste Winter geblieben, nicht etwa nur wegen des Sonntagsfahrverbots aufgrund der damaligen Ölkrise, sondern auch weil auf der noch immer durchgängig präparierten (Natur-)Schneeloipe bis in den Mai langgelaufen werden konnte. In unserem nach finnischem Vorbild knapp unterm Kulminationspunkt ausgelegten Loipenbuch hatte sich ein euphorisch gestimmter Läufer sogar in Reimform verewigt:

Der Mai ist gekommen, 
es grünt in Wald und Flur,
noch ist uns nicht genommen
die schöne Thurnerspur.

Im nämlichen Winter hatte ich freilich im italienischen Fassatal bei weitaus ungünstigeren Bedingungen am populären Volksskilauf Marcialonga teilgenommen. Die 70 Kilometer lange Wettkampfstrecke von Moena nach Cavalese war damals schon zu weiten Teilen ein weißes Band aus künstlich herbeigeschafftem Schnee – kaum anders als bei der jüngsten Tour de Ski  (Silvester 2022 bis zum 8. Januar), deren Veranstalter bis hinauf zur Alpe Cerni auch diesmal wieder mit Schneemangel zu kämpfen hatten. Der Unterschied: Damals hatte lediglich die Alpensüdseite nichts abbekommen von der weißen Pracht, diesmal war es beidseits des Alpenhauptkammes geschehen, wie wir TV-Zuschauer uns mit Grausen auch ob der verregneten Kunstschneebänder in Obersdorf, bei der Vierschanzentournee oder beim Ruhpoldinger Biathlon erinnern.

Wahre Rekordschneemengen gab es im Schwarzwald zuletzt im Spätwinter 1988: Erst gegen Ende Februar fing es zu schneien an, und in der ersten Märzwoche begannen die Markierungsstangen des Fernskiwanderwegs von Schonach zum Belchen unter die Schneedecke abzutauchen. Und noch gegen Monatsende konnte sogar der Rucksacklauf –   durchweg noch per Ski –  über die 100 Kilometer absolviert werden.

Jahrhundertwinter März 1988

Doch dann folgten die 1990er Jahre, die dem Skilauf gnadenlos zusetzten, nicht nur weil der Schnee ausblieb, sondern auch wegen der Orkane, die man sich ohne Zutun des Treibhausklimas in der Wetterküche des Nordatlantiks nicht mehr erklären konnte. Oft genug waren nach den Stürmen die Waldpassagen verbarrikadiert, wenn endlich ein nachfolgender Kaltluftvorstoß wieder mal eine dünne Schneedecke hinterlassen hatte, die eher einem Leichentuch glich. 

Auch im Förderverein auf dem Thurner sollte der Klimawandel nun zum Dauerthema werden. Zu dessen Mitgliederversammlung 1990 lud man den namhaften Freiburger Meteorologen Hans Rudloff ein, der zum Thema „Winter ade – wie ändert sich unser Klima“ referierte. Weil er dabei den Klimawandel zu Teilen auch noch als Medienprodukt eingestuft und die Badische Zeitung ausführlich darüber berichtet hatte, wurde er nachfolgend von Leserbriefen so bedrängt, dass er Abbitte leisten musste. Doch immerhin eine der Rudloff´schen Thesen sollte sich bewahrheiten: Im Abstand von 21 Jahren, so hatte er in seinem Vortrag angemerkt, seien alten Wetteraufzeichnungen zufolge besonders strenge und schneereiche Winter zu erwarten. Und siehe da: in der Saison 2008/09 verzeichnete das Langlaufzentrum mit 135 Betriebstagen (v. 22. November bis 4. April) seinen Rekordwinter. 

Seit mittlerweile fünfzig Wintern hat der Clubvorsitzende seinen (inzwischen 6700) Mitgliedern zur Jahresversammlung jeweils einen Rückblick auf die zurückliegende Langlaufsaison verfasst: eine Dokumentation eines fünf Jahrzehnte währenden Auf und Abs, erstaunlicherweise ohne so ganz eindeutige Negativtendenz. Auf die optimistischen Siebziger und Achtziger, die dem Skilanglauf im Schwarzwald einen wahren Boom beschert hatten, folgten in den Neunzigern die winterlichen Tiefpunkte, in denen der Vereinvorstand sich sogar mit dem Gedanken trug, aus Fairnessgründen die Mitgliedsbeiträge einzufrieren und in einen Dornröschenschlaf zu versinken. Doch das neue Jahrtausend brachte mehrheitlich wieder Winter, die zum Skilanglauf einluden und den Club förmlich aufblühen ließen.

So war denn auch der Katzenjammer um den Jahreswechsel 2022/23 rasch wieder verflogen, als Mitte Januar plötzlich ein Schwall arktischer Kaltluft gegen Süddeutschland vorstieß. Er ließ mit einem Mal all die Berichte über den beklagenswerten Notstand auf Pisten und Loipen heillos deplaziert erscheinen, die nach dem Kälteeinbruch von den Redaktionen nicht mehr rechtzeitig gestoppt worden waren. Jetzt also heißt es endlich wieder Ski und Rodel gut, wenn freilich auch noch auf bescheidener Schneedecke – derweil häufen sich die öffentlichen Appelle, trotz des eiskalten Nordwinds nur ja die Heizung, bitteschön, nicht gar zu weit aufzudrehen. Ob sich wohl auch der Klimawandel ein bisschen davon ausbremsen lässt?

Hüfingen im Schnee. Foto: Karl Schweizer

Wasserinsekten

Liebe Bürgerpostleser, 

unsere Regentonnen könnten Sie bereits kennen vom Beitrag über das Kondenswasser. Dieser Mal geht es um zwei Erlebnisse im Zusammenhang mit diesen. Am 10. Juli 2022 hatte ich vergessen, den Deckel auf die Tonne zu machen. Traurig sah ich dann vor dem Gießen ein Knäuel von kleinen Käferchen, traurig deshalb, weil ich dachte, die sind ersoffen, weil der Deckel nicht drauf war. Doch zu meiner freudigen Überraschung lebten alle, als ich sie mit meiner Hand aufnahm. Aber was sind das für nette Käferchen, so etwa 7 Millimeter lang, die im Wasser überleben können? Dr. Hans-Peter Straub wusste sofort Bescheid, als ich ihn fragte, es sind Seerosenblattkäfer. Ja bitte, bei mir gibt’s keine Seerosen und auch keine Teichrosen, nur Regentonnen. Aber unser Nachbar hat einen Riesenteich mit Teichrosen. Dann haben die wahrscheinlich einen Ausflug gemacht. Nach Wikipedia ist dieser Käfer der am häufigsten auftretende Schädling in Gartenteichen. Sein Nahrungsspektrum ist begrenzt, denn er frißt vor allem an Seerosen und Teichrosen. Ihre Entwicklung ist spannend.

Seerosenblattkäfer

Im April verlassen die erwachsenen Seerosenblattkäfer ihre Winterverstecke. Ab da können erste Fraßspuren an Blättern auftreten. Die Käfer legen ab Mai auf den Schwimmblättern kleine Eipakete ab, die aus 15 – 20 kleinen beigenen Eiern bestehen. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven und beginnen die oberste Schicht der Blätter abzuschaben. Sind dieLarven größer, fressen sie Löcher in die Blätter und später regelrechte Gänge. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind die Fraßschäden unübersehbar. Die Verpuppung findet ebenfalls auf dem Seerosenblatt statt und 30 bis 40 Tage nach der Eiablage schlüpft der fertige Käfer. In unseren Breiten können zwei bis fünf Generationen pro Jahr ausgebildet werden. Also können sie mit dem Wasser gut umgehen und es war nicht verwunderlich, dass sie als Knäuel überleben konnten.


Das oben hat mich auch sehr erstaunt. In der Regentonne fand ich erdfarbene kleine runde Gefäße und schlanke rötliche Wesen, die wurmähnlich aussahen. Oder waren es Larven? Ich war mir unschlüssig. Dann aber, wie wenn es so sein sollte, hatte der Insektenexperte Willy Bühler in der Frage und Antwort Rubrik der aktuellen BBZ 2/2023 eine Frage beantwortet, die genau die Lösung meines Rätsels war. Es sind Larven von Zuckmücken. Der Hammer ist, sie bauen sich diese Köcher, in denen sie Schutz finden. Der zweite Hammer ist, dass sie, um genügend Sauerstoff aufnehmen zu können, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin aufbauen, auf dem Bild unten ist die rote Farbe gut zu sehen. Das wichtigste ist die Erkenntnis, dass sie als Mücken vollkommen harmlos sind und riesige Schwärme bilden können. Sie sind also keine Stechmücken und man sollte sich an Ihnen erfreuen. Denn für unsere Schwalben sind diese Zuckmücken mit eine der Hauptnahrungsquellen. Und ob die Schwalben hoch oder tief fliegen, hängt in erster Linie mit der Höhenlage zusammen, in der die Zuckmücken sich aufhalten. Das ist von Wetter abhängig, wie wir wissen. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ist die Welt doch nur ein Dorf ? 

Schon zweimal war Lake Placid Austragungsort der Olympischen Winterspiele. 1932 und zuletzt 1980 haben Thomas Wassberg, Juha Mieto (das berühmte 100. stel Sekunden Rennen) , Hanni Wenzel und Toni Innauer um Goldmedaillen gekämpft. 

Fotos: Wikipedia

Die diesjährige Winter Universiade, die Studenten Olympiade,  findet derzeit ebenfalls dort im Nord-Osten der USA statt. Wie es bei derartigen Grossveranstaltungen üblich ist, werden die Delegationen von den Botschaftern des Heimatlandes empfangen. Im grossen Hotel, dem „Golden Arrow“ von Lake Placid, traut ein Funktionär aus dem Unteren Bregtal seinen Augen kaum:  Beim Festakt im riesen Kaminzimmer fühlt er sich wie Zuhause. In die rustikale geschichtete Kaminmauer ist eine Reliefsteinplatte eingelassen.


Eindeutig von einem Grossonkel gefertigt. „Bräunlingen Black Forest, Mühlentor„, ist in die Runde Solnhofer Kalkplatte eingeschnitten und im unverkennbaren Stil von Hermann Bertsch gestaltet.  Die Andacht bei der getragenen, bedeutungsschwangeren  Ansprache des wortgewandten Botschafters ist schnell verflogen als er auch noch ein Gemälde, ebenfalls mit Bildunterschrift „Mühlentor , Black Forest, Bräunlingen“ sichtet. Wie war eigentlich der Filmtitel?
Winteruniversiade Salt Lake? oder bin ich überhaupt im richtigen Film und wirklich in Gods own Country?, können die Brielinger tatsächlich auch Olympia und Universiade? Ja, Nachfahren aus dem Breg- Städtle können auch das. 
Die taffe Receptionsdame hat auf Nachfrage schon gehört, dass die Besitzerfamilie aus “ Old Germany, from nice Black Forest “ seien.  


Blitzanfrage im Unteren Bregtal beim dortigen Universal- Historien Orakel Joachim Schweitzer erhellt die Filmscene: Ja, 1960/70 sind zwei Schenkelisäger in die Nord- Appalachen ausgewandert, dort wo es ähnlich aussieht wie im Baarschwarzwald am Kirnberg, nur mit Laubwald statt Fichten und viel, viel  grösser. Der Hotelpatron war im Olympiabewerbungsausschuss und hat wirkungsvoll mitgeholfen, die Olympiade 1980 an Land, bzw. an den Salt Lake zu ziehen. Und jetzt kommt noch was raus:  „De Kächeli“ wie der Brielinger Ofensetzermeister Karl Brugger genannt wurde, hat nicht nur die Kacheln für den original Schwarzwälder Kachelofen in den „Güldenen Bogen“ geliefert, sondern den währschaften, opulenten Kachelofen mit Kuuscht in mehreren Wochen eigenhändig aufgesetzt. 
So spannen sich feingesponnene Spannungsboegen rund um die Welt. 

Ob dem Speck-, Schwarzwurst-, Bratwurstkonditionierten „Kaecheli“ allerdings die burgerlastige Kost, wie sie in den Menue- und Foodprints des Golden Arrow in zahlreichen Internetseiten angepriesen und anschaulich und hoffentlich gut verdaulich angepriesen werden, gut bekommen ist, war bisher noch nicht aus dem Kächeli- Clan zu erfahren. 

Immerhin erfährt man aber im seriösen  Wikipedia, dass die amerikanische Kost anno 1980 in den internationalen Olympiakreisen bemängelt wurde. Die Österreicher sollen sogar zur Selbstversorgung und Eigenbekochung mit Schmarrn, Hendl, Salzbuerger Nockerln und Gugelhupf gegriffen haben. Erst dann konnte  vermutlich der Bregenzer- Wälder Toni Innauer zu seinen legendären Gold- Flügen  abheben.

Ob wohl „de Kaecheli“, schon wieder so ein legendärer Brugger nach den drei knorrigen Kraftwerks- Brugern, wegen den bedrohlichen Big- Burgern vorsichtshalber  Speck, geräuchte Bratwürste und Schwarzwürste in seinem Werkzeugkoffer und Schamottsäcken verstaut hatte ?

Gruesse aus dem Globalen Dorf 

Mond und Mars

Liebe Bürgerpostleser, 

der heutige Beitrag handelt von einer Bildsequenz am Nachthimmel des 3. Januars 2023. Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres arbeitete ich etwas länger. Als ich das Haus in der Humboldtstraße 11 gegen 18 Uhr verließ, erkannte ich sofort, dass beim zunehmenden Mond relativ nahe sich ein Lichtpunkt befand. Da er etwas rötlich war, und ich wußte, dass sich Mars am Gegenpunkt zur Sonne, in „Opposition“ genannt, befand, war klar, das ist der Mars. Auf der Heimfahrt mit dem Fahrrad kam mir der Gedanke, diese Situation zu fotografieren, und, wenn die Sichtverhältnisse es zuließen, im Verlaufe des Abends weitere Aufnahmen zu machen. Bild 1 wurde um 18.13 Uhr aufgenommen, Sie sehen, dass links vom Mond relativ nah der Mars ist. Auf allen fünf Bildern sieht man die Spiegelung des Mondes, die von der Linse herrührt und lens flare genannt wird. Der Hammer ist, dass man auf den Spiegelbildern die tatsächliche Mondgröße sieht, nicht dagegen auf den Mondbildern direkt wegen der Überstrahlung. Das 5. Bild zeigt die Situation um 00.23 Uhr. Das sind über sechs Stunden Abstand zu Bild 1. Was ist in der Zeit passiert? Nun, der Mond ist gewandert und anhand vom relativ stabilen Mars kann man erkennen, wie schnell das geht. Wegen der Bildqualität bitte ich um Gnade, es ging mir einzig um den Bewegungseffekt des Mondes. 

18.13 Uhr
0:23 Uhr

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass der Mond 28 Tage für eine Erdumrundung braucht. Vielleicht macht es Ihnen auch Freude, zu sehen, wie der Mond täglich wandert. Probieren Sie einmal von einem gleichen Standort und einem Masten oder einem großen Solitärbaum und Sie werden auch überrascht sein. Es gibt auch die Begebenheit, dass der Mond über den Mars oder andere Paneten und Sterne „darüberfährt“, am Anfang der Bildsequenz habe ich es vermutet. Das ist natürlich auch spannend. Beim letzten Vollmond am 8. Dezember 2022 war das am Morgen der Fall und ich hab vergessen, danach zu schauen. Schade, aber es gibt Schlimmeres. 

Was einen sehr guten Überblick über die kosmischen Dinge im Jahresablauf gibt, ist das Buch „Kosmos Himmelsjahr“ vom Kosmosverlag. Das ist mein jährliches Weihnachtsgeschenk. Aber man muss natürlich auch reinschauen, wenn man nichts verpassen will, siehe oben. 

Weil es beeindruckend ist, das Sternbild Orion zu sehen, machte ich als Abschluß der Mond-Mars-Bildequenz ein Foto von ihm. Orion ist ein wunderschönes Wintersternbild. Sie haben sicher schon von den drei Gürtelsternen in der Mitte gehört. Unterhalb davon sieht man unter anderem den Orionnebel. Wie man heute weiß, ist das ein Sternentstehungsgebiet in 1.344 Lichjahren Entfernung. Schauen Sie mit dem Fernglas oder dem Fernrohr dorthin und ich bin sicher, dass Sie begeistert sein werden. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

(Draht-)Eseleien

Ach, das gute alte Fahrrad. Es war die letzte große technische Erneuerung, bei der die Ursache-Wirkung-Relation noch in Ketten lag, statt sich in einer Kettenreaktion zu entfesseln. (Probst, M.: Der Drahtesel – die letzte humane Technik. In: Die Philosophie des Radfahrens. mairisch verl. 2010) 

Radfahren kann bekanntlich zur Leidenschaft ausarten. Mich hat sie schon seit den ersten Fahrversuchen im Griff, damals in einer Karlsruher Schrebergartensiedlung, angeschoben vom noch rüstigen Großvater mütterlicherseits. Weil meine Beine noch nicht bis auf die Pedale herunter reichten, hatte er mir, an Stelle des Sattels, oben um die Rahmenstange herum zur Polsterung eine Decke gewickelt. Wie und wo er das schwarz lackierte Vorkriegsmodell mit Gesundheitslenker und Rücktrittsbremse aufgetrieben hatte, war sein Geheimnis; ein Fahrrad zu organisieren, war in der noch arg ramponierten badischen Nachkriegsmetropole gewiss kein leichtes Unterfangen gewesen. Unauslöschlich ist mir in Erinnerung geblieben, wie er anfangs, nach einem fast unmerklichen Schubs, neben dem um Balance ringenden Enkel noch ein Stück weit her rannte. Auch die ersten Radausflüge finden sich im Langzeitgedächtnis abgespeichert: aus der Stadt hinaus gondelnd bis an die Altrheinarme und wieder zurück in die Gottesauerstraße, wo wir in den großen Ferien Stadtluft schnuppern durften. Der Picknickkorb auf dem Gepäckträger des Großvaters enthielt, so meine ich mich zu erinnern, immer auch die köstlichen selbst nachgezogenen, von der Oma eingelegten Essiggurken aus dem Schrebergärtchen – die Tomaten hingegen verschmähe ich bis zum heutigen Tag.

Ob einem die Lust am Radeln sogar mit den Genen vererbt wird? Im Frankreichfeldzug hatte der Vater einen Radfahrerzug befehligt, und noch im russischen Winter schoben sie ihre Fahrräder durch knietiefen Schnee. Als ob da eine Skiausrüstung nicht sehr viel hilfreicher gewesen wäre, doch die Oberste Heeresleitung hatte ja rechtzeitig vor Wintereinbruch noch Moskau einnehmen wollen. Ein braves Durlacher Gritzner-Modell hatte Krieg und Gefangenschaft überlebt und wurde vom Vater selbst in der Wirtschaftswunderzeit noch über die Maßen gelobt und gepriesen, auch noch, als es längst mit platten Reifen im St. Märgener Forstamtskeller verstaubte.

Per Rad durch den russischen Winter

Auch für die Söhne sollten sich die früh erlernten Fahrkünste als überaus nützlich, ja, als unverzichtbar erweisen, spätestens ab dem Besuch des Freiburger Keplergymnasiums und mit dem Wechsel in unser „Zwing-Uri“, ins verhasste Schülerheim auf dem Lorettoberg: Nicht nur bei den täglichen Schulfahrten quer durch die zu Teilen noch in Trümmern liegende Stadt nach Herdern hinaus, sondern vor allem übers Wochenende. Denn die Familie wohnte oben in St. Märgen, und der Kraftpostbus nachhause, montags dann wieder runter in die Niederungen der Stadt kam allenfalls bei Schneelage in Betracht. Samstags, kaum war die letzte Unterrichtsstunde überstanden, schwangen sich die drei Brüder auf ihre Räder, um nachhause zu strampeln: Knapp 30 Kilometer und 700 Höhenmeter galt es zu bewältigen, und dies anfangs noch gänzlich ohne, später immerhin mit Unterstützung einer Dreigang-Nabenschaltung. Nein, wir sattelten damals beileibe noch keine Sporträder, sondern schwergewichtige „Böcke“, „Tourenschüttler“, „Göppel“, „Drahtesel“, wie wir sie eher abschätzig nannten. Heimwärts fuhren wir nur ausnahmsweise im Team, denn jeder der Drei bevorzugte eine andere (vermeintlich vorteilhaftere) Routenvariante, sei es über Eschbach und St. Peter, sei es über Himmelreich und Wagensteig mit Schlussanstieg den Ohmenberg hinauf. Wobei auch die Abkürzung der Serpentinen, das Rad schiebend auf dem steilen Kirchweg, durchaus nicht zwingend darüber entschied, wer als Erster, Zweiter oder Letzter das St. Märgener Forsthaus erreichte, wo das Mittagessen wartete. „Wer sein Rad liebt, der schiebt“, so pflegte man seinerzeit zu scherzen, wenn einem beim Strampeln „per Knochengas und Kniezündung“ doch einmal die Leistungsgrenzen aufgezeigt wurden.

Ganz anders montags in aller Herrgottsfrühe: Da pflegten sich die Brüder nach Kamikaze-Art, einer den Windschatten des andern suchend, ins Dreisamtal hinab zu stürzen. Sieger war, wer mit den wenigsten Bremsvorgängen in Wagensteig oder Eschbach unten ankam. Risiko hin oder her: wir fühlten uns da bisweilen wie zu allem entschlossene Desperados, wo doch schon in der zweiten Schulstunde der Lateinunterricht drohte mit der latenten Gefahr, beim Vokabelabhören drangenommen zu werden. Noch gefürchteter die Mathestunde, in der man womöglich wieder mal wie der Ochs vorm Berg vorne an der Tafel stand! Derart demotiviert, konnten auch (rettende?) Stürze nicht ausbleiben – und das in jener grauen Vorzeit, als noch nicht einmal Profis brauchbare Helme trugen. Zum Glück ging es meist mit Schrammen ab, doch einmal kostete es mich den Schneidezahn, als ich, in windschlüpfriger Sitzposition flach über den Lenker gebeugt, unweit St. Peter ein Schlagloch übersah. 

Unsere Räder ließen sich erst ab der Oberstufe peu à peu nachrüsten, mal mit einem leichterem Rahmen und schmaleren Felgen, mal mit Lenkstangen, die mehr und mehr „Rennlenkern“ glichen, schließlich sogar mit einer veritablen Dreigangschaltung; das dafür benötigte Taschengeld verdienten wir uns in den Ferien mit leichteren Waldarbeiten, mit Pflanzensetzen oder Kulturreinigen, später auch im Akkord mit dem Bau von Pirschpfaden quer durch steile Staatswaldhänge. 

Nach geglücktem Abi und absolviertem Wehrdienst beschloss ich, in Freiburg Forstwissenschaft zu studieren – ein Entschluss, den ich bestimmt nicht aus übertriebener Sympathie für den Karlsruher Forstmann und Erfinder, den Freiherrn Karl von Drais, gefasst hatte. Immerhin versprach ich mir vom Forstberuf die Chance, den Skilanglauf weiter betreiben zu können, nachdem sich in der Schulzeit erste Wettkampferfolge eingestellt hatten – nicht zuletzt dank Radlerlunge, eines Ausdauer-trainierten Herz-Kreislaufsystems und gestählter Oberschenkelmuskulatur nach all den samstäglichen Familienheimfahrten steil bergan.

Die Vorliebe fürs Radfahren sollte dann auch das Berufsleben überdauern; nicht etwa nur nach Dienstschluss und am Wochenende, sondern gelegentlich sogar in Ausübung von Amt und Ehrenämtern. Im Urlaub war es dann der Mont Ventoux, der einen herausforderte, der mythische Berg aller echten Rennrad-Fans. Doch die schneearmen 1990erJahre hatten, aus den USA herüberschwappend, zu einem Boom der stollenbereiften Mountainbikes geführt, auf die nun vorzugsweise auch die frustrierten Wintersportler umstiegen, um damit durch Wald und Flur zu brettern. Mit bis zu 24 Gängen (drei Kettenblätter vorne, acht Ritzel hinten) waren jetzt ja selbst giftigste Steigungen zu bewältigen. Weil auch Fußpfade lockten und die Konflikte mit fußläufigen Erholungssuchenden sich häuften, wurde im novellierten Landeswaldgesetz eigens eine 2-Meter-Regel festgeschrieben: Danach war Radfahren im Wald nur mehr auf über 2 Meter breiten Waldwegen erlaubt, es sei denn auf speziell ausgewiesenen und markierten, vom Waldeigentümer zu genehmigenden „Singletrails“. Die Regelung sollte sich freilich, da kaum kontrollierbar, als ziemlich unwirksam erweisen, zumal die Radfahr- und Tourismusverbände in Stuttgart mit Petitionen dagegen Sturm liefen. Selbst die Lobby der Wanderer, der Schwarzwaldverein, begann sich mit den Bergradlern zu arrangieren. Lediglich für motorisierte Zweiradfahrer blieb der Wald einstweilen noch tabu.

Auf Waldwegen nach der 2-Meter-Regel und mit 24 Gängen

Nach anfänglichem Zaudern hatte sich auch der Villinger Forstamtsleiter ein Mountainbike zugelegt, mit dem sich praktischerweise sogar manches Dienstgeschäft erledigen ließ, so etwa der Holzverkauf an einen nicht minder radenthusiastischen Kunden – dies, wohlgemerkt, stets unter Einhaltung der forstgesetzlichen 2-Meter-Regelung! Was eigentlich ja auch keine Einschränkung bedeuten sollte, wo das Forstwegenetz Baden-Württembergs doch – sage und schreibe – 87.000 Kilometer umfasst, soviel wie zweimal um den Äquator herum. Anlässlich der Pensionierung im Jahr 2005 wurde mir vom Personalratsvorsitzenden als Abschiedsgeschenk das opulente holzgeschnitzte Halbrelief eines künstlerisch begabten Mitarbeiters überreicht: physiognomisch unverkennbar, in Forstuniform mit Fernglas vor der Brust und lässig auf dem Sattel eines Mountainbikes hockend – der Chef. 

Im Dienst per MTB

Den Ruhestand verbringe ich seitdem auf der Baar, radtouristisch betrachtet ein kaum zu überbietendes Eldorado: versehen mit dem topographischen Vorzug flacher, seniorengerechter Einrollstrecken und sodann, je nach Wetter, Lust und Laune, mit schier unerschöpflichen Möglichkeiten zu anspruchsvolleren Touren, wahlweise in den angrenzenden Schwarzwald, auf die Alb oder in den Hegau, selbst der Bodensee lockt in erreichbarer Entfernung, ob auf Asphalt per Rennrad oder per MTB. Klar, dass dabei im Lauf der Jahre auch der eine oder andere Sturz noch zu verkraften war, der „Abstieg über die Lenkstange“, wie es im Radlerjargon verharmlosend heißt. Doch auch ein solches Missgeschick konnte das Radvergnügen nicht nachhaltig trüben.

Als erholsames Kontrastprogramm bietet sich dem Baarbewohner der weithin verkehrsfreie und flach verlaufende Donauradweg an, auf dem sich in der Radsaison erfreulicherweise mehr und mehr Radtouristen drängeln – und wo man inzwischen Zeuge einer erstaunlichen Entwicklung wird: Immer häufiger begegnen einem hier, zumeist dick eingemummt gegen den Fahrtwind, vorwiegend Seniorenradler, die dank Elektroantrieb in bemerkenswert flottem Tempo donauabwärts rollen, als hätten sie es brandeilig, nach Sigmaringen, Wien, Budapest oder ans Schwarze Meer zu gelangen. An manchen Sommertagen scheinen derzeit schon bis zu 70 Prozent der Donau-Radler mit E-Motor im klobigen und surrenden Tretlager unterwegs zu sein – ein wahrhaft verblüffender Trend, der längst auch beim alljährlichen Check im örtlichen Radgeschäft nicht mehr zu übersehen ist: Wo einst Touren- und Rennräder, Mountain-, City- und Trekkingbikes in der Auslage standen, überwiegen längst die um soviel profitableren Pedelecs (generalisierend E-Bikes genannt). Versprechen sich deren Käufer einen ganz neuen Lustgewinn, oder worin sonst besteht der Anreiz zur Motorisierung?

Die motorisierten Donauradler

Man hätte es vorausahnen können: „Entschleunigung“, „die Entdeckung der Langsamkeit“, Genussradeln im Bummeltempo, bergaufwärts gar mit Absteigen und Schieben: vorbei, vorbei! Die Branche setzt auf lustvolles Beschleunigen mit Hilfe der neuen Batterie-getriebenen Deluxe-Klasse, auf die neue Bequemlichkeit, auf unangestrengtes Fahrvergnügen! Und die Wohlstandsgesellschaft fährt voll darauf ab. Es lebe der Öko-Trend der E-Motorisierung, und wo sich schon bei den vierrädrigen Verkehrsmitteln nicht genug tut, so nun doch wenigstens beim Zweirad! Das Bekenntnis zur Energiewende will zur Schau getragen werden – weshalb nicht auch mit der Batterie am Rahmen? Wo doch all die Solardächer, die agrarindustriellen Biogasbetriebe und Windkraftanlagen, wie sie neuerdings auch auf der Baar den Horizont verstellen, genutzt sein wollen. Egal, was über Nacht tatsächlich aus der Steckdose in die Millionen Akkus fließt, mag der Strom-Mix (nicht nur bei „Dunkelflaute“) aus noch so diffusen Quellen stammen: Hauptsache, das Fahrrad gewinnt neue Freunde, und der Berufstätige holt morgens nicht mehr den SUV aus der Garage, sondern sein E-Bike!

Der verkehrs-, umwelt- und energiepolitische Zweck der Treibhausgasverminderung heilige jedes Mittel, hören wir von allen Seiten. Laufe ich nächstens also Gefahr, zum heillosen Nostalgiker und elitären Nörgler zu werden, wenn ich Verzicht übe und mich weiterhin auf mein „gutes altes Fahrrad“ schwinge? Und sind es womöglich Neidattacken, die in mir hoch kochen wollen, ist es der pure Verdruss, wenn ich, schnaufend und schwitzend in den Steigungen, von der motorisierten Konkurrenz scheinbar mühelos abgehängt werde, nicht selten mitleidig belächelt von hoch betagten E-Bike-Paaren? 

Wo mittlerweile doch selbst die Mountainbike-Szene nachzurüsten pflegt. Rudelweise strampeln sie –  beneidenswert locker und unangestrengt – über die Schwarzwaldhöhen, mitunter sogar geführte Touristengruppen mit Kameras auf den Helmen. „Doping aus der Steckdose“, so hat DER SPIEGEL schon vor Jahren (20/2015) seinen Bericht über die forcierten Bemühungen der E-Bike-Produzenten überschrieben, den Markt endlich „raus aus der Geriatrieecke“ zu steuern. Derweil preist der Tourismusverband des Hochschwarzwalds seinen neu geschaffenen „Gipfeltrail“ an; für allfällige Rettungseinsätze sind auf den Markierungen jeweils Standortskoordinaten und Rufnummer der Bergwacht vermerkt.

Regelwidrig durch den Wald

Im Wald sei das Fahren mit Elektromotor wie mit allen sonstigen Motorfahrzeugen unzulässig, es sei denn, der Waldbesitzer erteile dazu die Genehmigung. So hatte noch anno 2009 der Stuttgarter Forstminister den besorgten Präsidenten des Schwarzwaldvereins beschwichtigt. Damals hatte sich die Besorgnis der Wanderfreunde ob der neuen Konkurrenz freilich als verfrüht herausgestellt, hatte sie doch einem Vehikel gegolten, das, zumindest als Outdoor-Vergnügen, alsbald zum Flop geraten sollte: dem von einem E-Motor angetriebenen Einachsroller namens Segway. Dem (technisch genialen, computergesteuerten) Gefährt hatte man manchenorts sogar schon eine Revolutionierung des Straßenverkehrs zugetraut, erst recht einen neuen Schub für den Tourismus: „Kirschtorte meets Segway. Wir starten die Tour am Klettergarten Action Forest & schweben um den Titisee herum“, so las es sich seinerzeit im Angebot des Online-Reisebüros Schwarzwald-Reisen. Doch es blieb beim Nischenprodukt, zu besichtigen allenfalls bei der Flughafenpolizei und anderen Spezialanwendern, die per Segway durch Gänge und über Plätze  zu schweben pflegen. Inzwischen aber boomt der Elektromotor anderswo – und keiner wird mehr in Stuttgart die Frage nach seiner Zulässigkeit beim Befahren von Waldwegen stellen wollen.

Wie eigentlich erkläre ich mir selbst meine langjährigen Irritationen ob all der Neuentwicklungen, meine in Gesellschaftskritik verpackten miesepetrigen Einwürfe gegen die elektrifizierte neue Fahrlust? Dass auch ich dereinst umsteigen würde, hatte mir lang genug schon meine ob meiner gesundheitlichen Verfassung zunehmend besorgte Frau prophezeit: Spätestens, wenn ich noch ein paar Jahre älter und noch ein bisschen hinfälliger geworden sein würde. Und nun also ist es  tatsächlich passiert: Jetzt brause auch ich auf einem akkubetriebenen Gerät, schwer wie ein Leichtmotorrad, durch die Baar. Oder hätte ich am Ende nicht doch besser noch ein Weilchen zuwarten sollen: bis zur ultimativen Lösung auf dem Fahrradmarkt – dem vollautonomen, selbstfahrenden Drahtesel?

Kondenswasser

Liebe Bürgerpostleser, 

immer mal wieder nach längeren und stärkeren Frostperioden erleben wir diese Situation: Eine starke Tropfenbildung an der Decke unseres Durchgangs zwischen Hauseingang und Garage.

Diese zwei Aufnahmen stammen vom 22.12. morgens um 7 Uhr.

Haben Sie auch schon so eine Situation erlebt? Man wird schier an eine Tropfsteinhöhle erinnert.

Dieses Foto wurde am 23.12. um 10 Uhr aufgenommen, man sieht, dass es bis auf einen Rest in Richtung Garage schon gut abgetrocknet hat.

Erahnen Sie den Grund? An der kalten Decke wurde die Luftfeuchtigkeit in flüssige Form umgewandelt und erst mit zunehmender Erwärmung wurde der Vorgang gestoppt. Der Fachbegriff für diesen Vorgang ist die Kondensation. Die Taubildung im Freien ist genau der gleiche Situation. Es passiert dann, wenn die wasserdampfhaltige Luft unter den Taupunkt abgekühlt wird. Das so entstehende Wasser wird Kondens-, Schwitz- oder Tauwasser genannt. 

Jetzt kommt noch etwas. Ehrlich gesagt, dachte ich, dass der dunkle Ring auf dem linken Bild daher rührt, dass in dem Bereich das Wasser noch gefroren sei. Aber, das war nicht der Fall, nur noch ein Eis Rest war zu sehen. Die Aufnahme stammt vom 24. Dezember. Man sieht, dass Wasser in Streifen nach unten geflossen ist. Bild rechts wurde am 25.12. aufgenommen, der Behälter war ohne dunklen Ring. Wow. Was steckt dahinter? 

Zunächst eine Verständnisfrage, wo im Behälter ist das Wasser am kältesten, oben, unten oder in der Mitte? Das Ergebnis nennt man in der Physik die „Anomalie von Wasser“: Wasser ist am dichtesten bei vier Grad und Wasseranlagen gefrieren deswegen nicht von unten zu, sondern von oben. Unvorstellbar, wenn es nicht so wäre. Also und nun die Erklärung zu den Bildern oben, das Wasser im oberen Bereich war am 24. Dezember noch so kalt, dass sich Kondenswasser gebildet hat. Am 25. Dezember dagegen war es so warm, dass sich kein Kondenswasser mehr bilden konnte, weil der Taupunkt nicht mehr erreicht wurde. 

Was sagen Sie dazu? Ich jedenfalls finde es eine spannende Sache.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ist die Esche „dem Untergang geweiht“?

Die Pressemeldung des Forstministers zum Gesundheitszustand der baden-württembergischen Wälder, wie sie der Schwarzwälder Bote am 20. 12. 2022 unter der Schlagzeile „Esche ist bereits dem Untergang geweiht“ verbreitet hat, ist wahrlich nicht dazu geeignet, Festtagsstimmung zu erzeugen. Selbst der als trockenheitstolerant geltenden Douglasie drohe Gefahr, nachdem sich ein aggressiver Pilz ausbreite, der in anderen Bundesländern schon viele Bestände vernichtet habe. Bereits todgeweiht sei die Esche, auf die man im Klimakampf doch so gerne gesetzt hätte. Seit dem Auftreten des aus Fernost importierten Pilzes mit der so niedlich klingenden Bezeichnung Falsches weißes Stengelbecherchen grassiert das Eschentriebsterben. „Die Esche“, so klagt Forstminister Peter Hauk, „gibt es bald bei uns nicht mehr.“ Genauso war es vor Jahren auch schon der Ulme ergangen, auch sie wurde nahezu komplett ausgerottet durch den aus Fernost eingeschleppten Ulmensplintkäfer in Verbindung mit einem Schadpilz.

Eschenfällung bei Bad Dürrheim
Einsetzendes Eschentriebsterben am Donaueschinger Buchberg

Ulmensterben, Eschensterben, Waldsterben: wo mag es da noch Hoffnung geben? Lässt sich nicht wenigstens die Esche noch irgendwie retten, der „Weltenbaum“ der germanischen Mythologie? Zumeist sind sie bereits gefällt worden, wo immer sich Krankheitssymptome gezeigt haben, ob im Wald oder längs von Wegen und Straßen, wo durch abbrechende Dürräste Gefahr für Passanten droht. Ein solcher Sanierungshieb fand im Spätwinter 2021 auch im Buchberg statt, einem vielbegangenen Walddistrikt angrenzend an die Stadt Donaueschingen. Manch ein Waldspaziergänger dürfte sich damals gewundert oder gar beschwert haben angesichts des durch den Holzhieb angerichteten Verhaus.

Eschen-Stockausschlag (Ende November 2022)

Umso verblüffter registriert man inzwischen, dass aus den unterhalb des Fällschnitts verbliebenen Eschenstöcken, ob in Knöchel-, Knie- oder Brusthöhe, eine Vielzahl dichtbelaubter junger Triebe (sog. „Stockausschläge“) hervor wachsen. Fast erinnern sie bereits an die Kopfweiden in den Rheinauen, deren Triebe in kurzen Intervallen für Flechtwerk und Faschinen  genutzt worden sind. Oder an die Schneiteleschen der Schwarzwaldhöfe, deren Äste regelmäßig „geschneitelt“ (gekappt) wurden. Das Eschenlaub diente als Viehfutter  (was die Butter schön gelb färbte), die Äste wurden verheizt. 

Während im Wald schon das Herbstlaub abgefallen war, schienen die jungen Eschentriebe gar nicht ausgiebig genug assimilieren zu können – so sattgrün war ihr Laub sogar noch anfangs Dezember, und erst mit dem Schnee fiel es dann vollends ab. Nun wird es spannend zu beobachten sein, wie und ob sie im nächsten Frühjahr in ähnlicher Vitalität wieder austreiben werden. Sollten sie sich tatsächlich wieder zu ausgewachsenen Stämmen entwickeln und damit dem Eschensterben ein Schnippchen schlagen können? Die Aussicht auf Nutzholz, auf künftige Besenstiele und sonstiges Holzgerät, dürfte sich dann zwar kaum erfüllen. Doch um zu fruktifizieren sind stockschlägische Eschen allemal zu gebrauchen, sofern die Triebe nicht zuvor wieder vom Pilz befallen werden und absterben. Die Hoffnung auf Rettung des „Weltenbaums“, so die Weihnachtsbotschaft 2022, stirbt zuletzt. Verfolgen wir also aufmerksam das weitere Geschehen im Wald! 

Schneitelesche an Schwarzwaldhof
Stockschlägige Esche am Wartenberg

Vegetationszeit

Liebe Bürgerpostleser, 

was ist heute Thema? Ich bin gespannt, ob Sie es erahnen. Wahrscheinlich schon. Die jährlichen Unterschiede in der Vegetationsdauer. Denn das Bild links stammt vom 16. November 2021 und Bild rechts und 3 gut ein Jahr später vom 21. November 2022. Welch eine Unterschied von wüst braun anno 2021 zu saftig grün anno 2022. Grün sieht einfach gut aus auf dem Grünland, da gibt’s kein Wenn und Aber. Beim Vergleich der beiden Tierjahrgänge ist mir der gravierende Unterschied aufgefallen und ich dachte dann, das könnte Sie vielleicht auch beeindrucken. 

16. November 2021
21. November 2022

Wie kommts zu diesen Bildern? Wir begutachten jeden Herbst die Absetzer aus der Mutterkuhhaltung der Rasse Hinterwälder, um zu sehen, wie der eingesetzte Deckbulle vererbt hat. Natürlich spielt die Milchleistung der Mütter auch eine wichtige Rolle für das Wachstum. Die Fleischigkeit ist hoch erblich, deswegen ist es wichtig, einen entsprechenden Bullen einzusetzen. Das haben Adeline Stadtmüller und ihr Vater Paul Franck, siehe Bild unten, aus Kraichtal-Neuenbürg gemacht, denn einen so tollen Jahrgang gab es noch nie. Ich bin stolz auf diesen Betrieb, denn Paul Franck hat ihn vom Nebenerwerb in den Haupterwerb geführt über die Landschaftspflege durch Beweidung und über den Verkauf vom Gourmetfleisch Hinterwälder an Direktkunden. Geschlachtet wird im EU-zertifizierten hofeigenen Schlachthaus. Und Tochter Adeline Stadtmüller macht mit ihrer Familie weiter, das ist einfach klasse.


Soweit an der Stelle. Jetzt noch ein Hammer bezüglich Vegetationsdauer: Haben Sie schon einmal den Begriff „Nikolaussilage“ gehört? Das Bild unten liefert den Beweis. Ackerfutterschwaden im Elsaß, Thomas Buchholz aus Steinach-Niederbach hat es im Status gehabt. Unsere Vorfahren würden sich im Grabe umdrehen, „Nikolaussilage, das kann nicht sein“. Es bleibt spannend, was die weiteren Jahre mit sich bringen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Spritzkern

Liebe Bürgerpostleser, 

Hubert Buchholz aus Mühlenbach hatte dieses Bild im Status eingestellt. Dass das meine Neugier sofort geweckt hat, können Sie sich sicher vorstellen. Nur, wer kann mir erklären, was das zu bedeuten hat und was dahintersteckt? Natürlich die von Ihnen, die so etwas schon einmal gesehen und „erforscht“ haben. Ich schätze aber, dass das nicht sehr viele sind. 

Ich erinnerte mich mit der Zeit, wer mir helfen könnte: Unser ehemaliger Dezernent und profunder Förster Reinhold Mayer aus Tennenbronn. Und wie nicht anders zu erwarten war, zauberte er den fachlichen Hintergrund sofort aus dem Zylinder: „Bei dem Bild handelt es sich um den Spritzkern einer Rotbuche, der nach Verletzungen an Wurzeln oder am Stamm, zum Beispiel durch Astabbrüche oder Streifschäden entsteht, wenn Luftsauerstoff in das Gewebe eintritt. Durch den eindringenden Sauerstoff werden vom Baum einerseits die Wasserleitbahnen als Abwehrreaktion verschlossen und andererseits werden Reservestoffe in den Holzzellen durch enzymatische Reaktionen in diese farbgebenden roten bis schwarzen Holzelemente umgewandelt.
Ist das nicht eine erstaunliche Eigenschaft der Buche? Ich muss ehrlich sagen, ich dachte zeitweise, da ist etwas mit Farbe gewerkelt worden. Aber, mitnichten. 

Reinhold Mayer führt weiter aus: „Die technische Holzqualität wird dadurch meist nicht beeinträchtigt. Früher galt die optische Veränderung als Holzfehler mit starken Preisabschlägen, doch lassen sich daraus sehr lebhafte Furniere oder auch individuelle schöne Massivmöbel herstellen. In unserer Wohnung haben wir alle Türen mit rotkerniger Rotbuche belegen lassen. Die gefallen mir auch heute noch. Andere Leute, die unsere Türen beim Schreiner in Tennenbronn stehen sahen, haben sich dann auch für rotkernige Türen entschieden“. 

Interessanterweise waren auch sie überzeugt, dass es kein Holzfehler ist, sondern etwas Besonderes. In dem Zusammenhang habe ich auch erfahren, dass die gesunde Buche über den gesamten Stammquerschnitt Wasser leiten kann. Das sei bei anderen Gehölzen nicht so, bei der Eiche sind es nur die äußeren ein bis drei Jahresringe. 

Hubert Buchholz erwähnte, dass die Färbung aussehe wie ein sitzender Schmetterling. Das war auch der Grund, dass er das Bild aufgenommen hat. Ich finde, dass man das leicht nachvollziehen kann und bin sehr dankbar, dass wir es sehen dürfen. 


Herzlichen Dank auch Reinhold Mayer für die wie aus dem Rohr geschossene Erklärung des Sachverhaltes. Man hat gespürt, dass dieses Thema ihm sehr am Herzen liegt. Und der Begriff Spritzkern wird sich bei uns eingeprägt haben.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wassereis

Liebe Bürgerpostleser,

das mit den Fledermäusen war schon eine traurige Geschichte. Es gab einige Rückmeldungen von ähnlichen Fällen. Auch von Vögeln, die sich im Kamin verirrt hatten. Heute gibt’s etwas fürs Auge. Kürzlich dachte ich, was ist denn im Garten los, wieso schimmern manche Pflanzen so weißlich? Beim näheren Betrachten stellte ich fest, dass es Blätter mit kurzer oder langer Behaarung waren und dass sie voller Wassertropfen – entweder flüssig oder fest, das habe ich gar nicht mehr näher untersucht – waren, die das weiß verstärkten. Auf den zwei Fotos unten sieht man, dass in der Umgebung der Blätter nichts Derartiges zu sehen war. Wahrscheinlich hat sich das Wasser durch die Behaarung sammeln können und ist nicht abgelaufen. 

Königskerze
Wollziest
Salbei

Ich finde das sehr interessant. Das nächste Foto hat meine Frau heute Mittag im trockenen Zustand aufgenommen, man sieht, dass der Salbei mit der kurzen Behaarung von Mehltau befallen ist.

Salbei mit Mehltau

Zum Schluss noch die Auflösung der Frage beim vorletzten Beitrag. Die Frage war, woher der Wind geweht hat, als das Eis an den Blüten und am Stengel des Hartriegels entstanden ist.

Es gab Leser, die schrieben, natürlich von rechts, es gab welche, die schrieben von links. Und links ist richtig. Ich habe noch ein Beispiel mitgebracht, Raureif an einem Stacheldrahtzaun. Aus welcher Richtung kam dabei der Wind?

Wenn ich sage, aus Richtung Mundelfingen oder aus Süden, dann können Sie nichts damit anfangen, obwohl es stimmt. Wenn ich aber sage, dass der Wind aus Richtung des Fotografen kommt, dann ist es klar beschrieben. Das ist auf dem Auenberg entstanden und nicht umsonst ist in der Nachbarschaft das erste Windrad Baden-Württembergs gebaut worden. Hammerhart finde ich die Kuhle, die der Wind in der Mitte des Pfahls entstehen ließ, finden Sie nicht auch? Das Hartriegelbild ist auch auf dem Auenberg weiter Richtung Döggingen aufgenommen worden.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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