vor kurzem hatte Monika Gauger aus Löffingen diese Bilder im Status und wollte wissen, wer sie erklären könne. Auf den Ameisenhaufen eine Vielzahl von Ameisenanhäufungen, sie verstehen, was ich meine. Ich hatte eine Vermutung, weil ich aber so etwas in der Dimension noch nie gesehen hatte, gab ich die Frage an Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt weiter. Er schickte mir die Homepageadresse https://waldameisen.blog/fruehlingserwachen/
Dort heißt es: Das Frühlingserwachen der Waldameisen beginnt mit einem Sonnenbad auf dem Nest. Zunächst werden die Arbeiterinnen aus den erwärmten oberen Etagen des Nestes aktiv. Sie krabbeln auf das Nest und tanken dicht aneinandergedrängt Sonnenenergie. Danach kriechen sie zurück in den Ameisenbau und geben die aufgenommene Energie des Sonnenlichts als Wärme an die Arbeiterinnen weiter unten im Nest ab. Sie wirken also wie „Wärmeflaschen“. Neue Arbeiterinnen aus den tieferen Schichten wandern an die Nestoberfläche und baden ebenfalls in der Sonne und die Anhäufungen werden immer größer. Dieses Sonnenbaden kann je nach Standort des Ameisenhügels von März bis April beobachtet werden. Ich habe den Eindruck, dass dieses kalte Frühjahr mit wenig Sonne die Ameisen besonders zum Sonnenbaden animiert, wenn sie denn einmal scheint. Hammermässig finde ich die zahlreichen Ameisenknäuel. Übrigens, mit zunehmender Wärme im Nest entwickeln sich aus den Wintereiern die geflügelten Geschlechtstiere, junge Königinnen und Männchen. Auch diese können mit etwas Glück für kurze Zeit auf dem Nest beobachtet werden, bevor sie sich auf den Hochzeitsflug begeben.
Wissen Sie, wie Waldameisen durch den Winter kommen? Sie gehören als Insekten zu den wechselwarmen Tieren. Den Winter verbringen sie in einer Art Winterstarre. Dass sie im Winter nicht erfrieren, verdanken die Waldameisen ihrem hügelförmigen Nestbau. Die kontinuierliche Zersetzung des Nestmaterials setzt auch während des Winters genügend Wärme frei und bewirkt, dass die Nestbewohnerinnen den Winter überleben. Ja, wie so üblich, die Naturgesetze sind sensationell. Jetzt genießen Sie die einmaligen Bilder und Frau Monika Gauger, ihr vielen Dank dafür.
Moos genießt gemeinhin die ungeteilte Sympathie der Waldbesucher – denn was wäre schon ein Wald ohne seine schwellenden Moospolster! Zumal bemooste Stammverhaue gehören zu den unverzichtbaren Requisiten naturnaher Wälder, allemal der Schluchtwälder. Und auch die unterm Moosbehang halberstickten Nadelbäumchen am Bachufer passen ja wohl mit dazu; niemand käme auf die Idee, es könnte sich bei ihrem Darben um ein morbides Symptom der Klimakrise handeln. Wo wir uns die Konfrontation mit dieser Zeiterscheinung auf unserer Schluchtwanderung doch ohnehin möglichst ersparen wollten.
Moosbehang im Schluchtwald an der Gauchach
Freilich wurde ich (schon vor über einem Jahrzehnt am Rande einer waldkundlichen Vortragsveranstaltung in Baiersbronn) auch auf eine ganz andere, ja offensichtlich bedrohliche „Vermoosung“ von jungen Tannen- und Fichten aufmerksam gemacht. Ein bäuerlicher Waldbesitzer hatte mich bestürmt, ich müsse unbedingt noch einen Blick in seinen Wald werfen, wo es neuerdings zu gravierenden Umweltschäden gekommen sei. Und tatsächlich: in seinem Waldstück in einem Seitental der Murg zeigte sich die junge Tannengeneration unterm Schirm des Altbestands gespensterhaft bemoost. Fast kam ich mir vor, als befände ich mich im Regenwald an der amerikanischen Westküste – was war hier los?
Gespensterwald
Da und dort war der Jungwald offenbar bereits erstickt und zusammengebrochen, sodass der Hilferuf des Waldeigentümers umso verständlicher erschien. Ein Übermaß an Luftfeuchte und Niederschlag durfte hier ja wohl nicht als Ursache in Frage kommen, war doch der „Jahrhundertsommer 2003“ mit seinen Rekordtemperaturen noch in lebhafter Erinnerung – jenes denkwürdige Jahr, in dem die grüne Umweltministerin Renate Künast das Waldsterben endgültig für beendet erklärt hatte. Oder waren am plötzlichen Mooswachstum nicht vielleicht doch auch wieder Stoffeinträge verantwortlich, etwa die Stickstoffdusche aus Landwirtschaft und Verkehr, die am Humus zehrte? Grund genug also, das Rätsel mit der Kamera festzuhalten und dem Waldbesitzer zu versichern, man werde sich schlau machen bei den Experten der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA. Erst einmal solle er doch seinen Wald per Holzhieb ein bisschen durchlüften, so lautete meine Empfehlung zum Abschluss des Begangs.
Waldbauliches Desaster
Leider habe ich nicht Wort gehalten: das Rätsel blieb ungelöst. Denn in der Folge hatten andere Waldthemen die Oberhand gewonnen: Borkenkäfer- und Dürreschäden (selbst an der vermeintlich klimaharten Weißtanne) und Waldbrände bislang unbekannten Ausmaßes, auch katastrophale Starkniederschläge und zu allem hin eine sich zunehmend verschärfende Diskussion um eine zeitgemäßere Prioritätenliste der vom Wald zu erbringenden Leistungen in den Zeiten des galoppierenden Klimawandels.
Da meldete sich kürzlich unverhofft ein befreundeter Forstkollege i. R. aus dem mittleren Schwarzwald, der berichtete, die Elztäler Tannenjugend leide unter zunehmendem Moosbewuchs. Da müsse doch wohl die Wissenschaft alarmiert werden, um die Ursachen des spektakulären Vorgangs zu erforschen und nach Abhilfemaßnahmen zu fahnden. Für mich Grund genug jedenfalls, mich des Baiersbronner Waldbesuchs zu erinnern und mich eilends im heimischen Wald auf der Baar umzusehen. Am besten ja wohl da, wo in jüngerer Zeit keine forstwirtschaftlichen Eingriffe mehr erfolgt waren: im tannenreichen Bannwald „Haldenwald“ östlich der A 81 auf Gemarkung Tuningen. Hatte sich auch auf den nährstoffreichen Tonlehmstandorten des Braunjuras etwas verändert, wo das Waldwachstum Höchstleistungen zu erbringen verspricht? Und siehe da, auch hier ist in den Dickungen die Zunahme des Moosbewuchses nicht zu übersehen. Könnte es sein, dass das durch die Trockenheit stark gedrosselte Wachstum der zurückliegenden Jahre den Moosbehang der Zweige gefördert hat, nicht anders als massierter Flechtenbewuchs am absterbenden Holz? Derweil zeigen sich die 200jährigen Alttannen in einem Ausmaß vom Tannenborkenkäfer befallen, wie es die Forstentomologen wohl noch kaum jemals beschrieben haben. Denn selbst den Tannen, den Tiefwurzlern unter den Nadelbäumen, dürfte es nach den Jahren der Trockenheit nicht mehr gelungen sein, Wasser aus den steinhart verbackenen Braunjura- Tonlehmen in die Kronen hoch zu pumpen.
Moosiger Bannwald
Bannwälder haben vorrangig der Forschung zu dienen, und so finden sich unterdessen auch im Haldenwald allerlei Markierungen von Beobachtungs- und Kontrollpunkten. Wenn überhaupt irgendwo, so müssten sich aktuelle Veränderungen der Vegetation und des Baumwachstums in den Waldschutzgebieten des Landes bemerkbar machen und dokumentiert werden. Ob da demnächst wohl auch was an die nichtforstliche Öffentlichkeit dringen wird?
eine ganz einfache Frage, was ist auf dem Bild unten zu sehen? Ich hatte dieses Bild auch im Status und nur wenige gaben die richtige Antwort. Ich habe so etwas auch noch nie gesehen, wußte aber sofort, was es ist. Ich sah nämlich kurz vor den Besitzer dieses Gebildes, eine Weinbergschnecke, die über den Winter ihr Haus damit verschlossen hat. Was mir auch neu war, dass unterhalb des Kalkdeckels ein Schleimdichtungsfolie von der Schnecke geschaffen wurde, vielleicht damit es nicht hineinzieht. Der „Schneckenhammer“, finden Sie sicher auch.
Epiphragma einer Weinbergschnecke*
Das nächste Bild hat mich fasziniert, weil ich noch nie soviele Milane auf ein Bild bekam. Es war Ostermontag, ich war auf Friehofsbesuch in Kommingen und sah diese „Milanwolke“ an der Südseite des Komminger Hausberges „Worberg“. Dort richtete ein Landwirt seinen Acker für die Frühjahrsaussaat her. Die Milane vermuteten dabei natürlich, dass sie etwas Essbares finden würden. Ich fuhr schnell dorthin und dabei gelang mir dieses Bild. Sage und schreibe 20 Milane, meistens rote, vielleicht ein paar schwarze konnte ich zählen. Zählen Sie nach, ich denke Sie finden sie. Eine Beobachterin des Bildes meinte, es seien vielleicht Bussarde, aber eine Kontrolle ergab, dass es Milane waren. Auf dem Ausschnitt sieht man deutlich, was Sache ist.
Für mich war das ein schönes besonderes Erlebnis.
Herzliche Grüße Franz Maus
*P.S. von Hannah: Wer sich für unsere Schnecken interessiert kann hier gucken:
Ingo Kirchhoff aus Wietzen hat dieses Mal wieder eine Geschichte erlebt, um die es heute geht. Thema ist, „wenn ich das gewußt hätte, dann wäre das nicht passiert“. Ich denke, das geht uns allen immer mal wieder so. Auch der Spruch passt, „im Nachhinein ist man immer schlauer“. Nun, was ist passiert? Ingo hat am Wochenende einen übervollen Anhänger mit gespaltenem Eichen- und Buchenholz im Freien stehen lassen, so nach dem Motto, was nass wird, wird auch wieder trocken. Man muss sagen, er hat sauber gearbeitet. Eine Woche stand der Kipper auf seinem schön gepflasterten Hof und ausgerechnet in dieser Woche regnete es nicht nur, sondern es schneite auch, wenn man genau hinschaut auf dem Bild oben, sieht man die „Schneemengen“. Und jetzt kommt es, Regen und Schneeschmelze haben die Gerbsäure aus dem Eichenholz ausgewaschen und den Kipper und einige Pflastersteine versaut. Am eindrucksvollsten sieht man es auf dem letzten Bild, mit den richtig blau-schwarzen Holzscheiter. Nicht einmal ein Kärcher schaffte die Säuberung von den betroffenen Teilen, wer hätte das gedacht? Ingo schreibt, er hätte eine „Megakrawatte“. Ich denke, wir würden sagen einen „dicken Hals“.
Reinhold Mayer, mein Ansprechpartner in jeglichen Holzfragen, hatte sofort die Erklärung parat: „Grundsätzlich dürfte die Reaktion darauf beruhen, dass sich Gerbstoffe mit eisen-(II)-haltigen Verbindungen durch Oxidation zu blau-schwarzen unlöslichen Eisen-(III)-Salzen umsetzen. Deshalb dürfen gerbstoffhaltige Holzoberflächen (z.B. Eiche, Kastanie etc.) nicht mit eisenhaltigen Stoffen in Verbindung kommen. Entscheidend ist dabei das Vorhandensein von Wasser / Feuchtigkeit. Dass tauender Schnee vielleicht zu einer intensiveren Reaktion führt, kann sein“.
Also Ingo, ich glaube, den meisten von uns wäre es gegangen wie Dir, mir auf jeden Fall. Vielen Dank Dir für die lehrreiche Geschichte und die Bilder.
das ist wieder eine Geschichte. Aber lesen und sehen Sie selbst.
Meine Nichte Nadine Scherer aus Hondingen schickte mir das erste Bild und fragte mich, was das auf ihren Pflastersteinen sein könnte.
Ich vermutete Laich. Aber was sucht der an der Stelle? Weiter sagte sie mir: „Es liegen noch mehrere solcher Klumpen auf Pflastersteinen herum und einer sogar auf dem Terassentisch, was soll ich damit machen“?
Klar, was macht man mit Laich? Ins Wasser verfrachten ist die richtige Nothilfemaßahme.
Jetzt ist die Frage, was könnte da passiert sein, wieso liegen etwa fünf Teillaiche herum? Ich brauchte Rat und fragte Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt. Er vermutet, dass ein Greifvogel, am wahrscheinlichsten ein Roter Milan, die laichbereite Grasfroschdame – die Zuordnung konnte er anhand des Laiches machen – packte und diese dann ihren Laich portionsweise verlor unter anderem auch auf dem unbedachten Terassentisch. Ist das nicht eine Hammergeschichte?
Wie ist das weitere Vorgehen? Die Frage, ob die Embryonen noch leben, wird sich mit der Zeit herausstellen, ob Kaulquappen entstehen. Wenn sie entstehen, dann wird es Zeit, dass Sie in ein Gewässer umgesiedelt werden, damit Sie fressen können und genügend Sauerstoff bekommen.
Vielen Dank Nadine für die Ermöglichung dieser interessante Geschichte.
das ist mein zweites Vogelhaus an unserem Kirschenbaum im Garten. Am 10. März war es stark besucht von Erlenzeisigen, auch auf dem Boden. Ich zählte rekordverdächtige 21 Vögel. Ein paar Tage vorher war ich völlig von den Socken, stellen Sie sich vor, unsere schwarze Gastkatze hockte im Vogelhaus. Ja, wie ist die denn da hineingekommen? Ich vermute mit einem Sprung aus dem Stand. Bild drei zeigt sie kurz nachdem sie das Futterhaus verlassen hat. Ich glaube nicht, dass das Unterfangen von Erfolg gekrönt war. Denn ich habe sie seither nicht mehr im Vogelhaus gesehen. Man sieht sie aber am Boden auf der Lauer und ich denke, dass sie schon den einen oder anderen Piepmatz erwischt und verzehrt hat. Sicherlich hängt das Vogelhaus etwas tief, das werde ich nachbessern.
Wer von Ihnen auch schon Katzen im Vogelhaus erlebt hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich bin gespannt auf die Mitteilungen und sage schon Dankeschön.
am Samstag, den 18. März 2023 habe ich meinen Sohn Emanuel angestellt, er solle mit dem Besenstiel unseren Korkenzieherhaselstrauch in Schwung bringen. Ist das Ergebnis auf dem Bild unten nicht beeindruckend?
Über Mittag dachte ich über die Frage nach, wenn jetzt der Blütenstaub als männliche Samen in solchen Mengen umherschwirrt, dann müßte es doch weibliche Gegenüber geben, die befruchtet werden. Denn an tauben Nüssen hat logischer Weise keiner Interesse. Also habe ich den Strauch näher inspiziert und nach kurzer Zeit sind mir die kleinen Gebilde mit den roten Fäden aufgefallen, das erste Mal in meinem Leben. Sie sind wirklich klein, etwa einen halben Zentimeter lang. Schauen Sie doch einfach mal dieses Wunderwerk selber an.
Haselnussblüte
Haselnussblüte und eine Blattknospe zum Vergleich.
Braucht der Haselnussstrauch die Biene zum Befruchten der Blüten, was denken Sie? Nein, es erfolgt Windbestäubung, auch Selbstbestäubung ist an der Tagesordnung. Aber die Biene braucht den Haselnusspollen im zeitigen Frühjahr als Eiweißquelle. Sehen Sie die gelbe „Hose“ am Hinterbein?
Wissen Sie noch, dass es auch blaue „Hosen“ gibt zum Beispiel von der Traubenhyazinthe und von der Phazelia?
Zum bessere verstau, weil sogar belesene Heimetkundler Gedaechnislucke zeigt hond. E eigetli ueber 200- jaehrige Dauer-Gschicht us em alemannische Sproochraum. D Amis saget treffend „running gag“:
De Unspunnestei isch en Art Kultgegestand i de Schwietz und word i uuregelmaessige Abstaend sit 1805 z Interlake vor bis zu 90 000 Feschtgaescht gstosse.
Schwinge isch en Eidgenoessische Nationalsport, en art Ringkampf, me sait au Hoselupf dezue. Au i de Bretangne kah mer im Summer so me gallische Hoselupf-Fescht begegne. I de Schwietz wered Gschenkli uff eme „Gabetempeli“ – Schemeli uusgstellt.
Die Shawne Fielding, e amerikanischs C-Model und Schauspieleri us de 90-er Johr, isch als Marylin Monroe Busewunder kurz Mol als Frau vum schrille schwietzer Botschafter z Berlin, em Thomas Bohrer, i die dietsch B-Klasse Prominenz uffgstiege. Im Botschafter Thomas Bohrer us Basel haet die Botox-, und sit neuschtem au Dschungelqueen, d Djamilla Rowe, a Bettaffaire aadichtet. Fuer die verloge Gschicht haet die Million Franke aber, die Djamilla eigentlich gern haet welle, de Tommy Bohrer abkassiert.
Die franzoesisch schwaetzende Jura Bewohner hond scho lang us em ueberwiegend dietsch schwaezende Kanton Bern in Welsche Kanton Jura welle. Drum haet sich e separatischte Gruppe vu Jurassier bildet, die sich d „Beliers“ (Widder, Schoofbock, Rammbock) gnennt hond. Bei dene haets Gmaessigte aber au Radikale und Gwalttaetige gaehe. D Unspunne Beliers waret vu de witzige, charmante Sorte. Weil der mit Euro Sternli und ewr Johreszahl veruustaltet Ur-Unspunnestei immer no als Geisel bi de Beliers liet, isch die nett heimatkundliche Boulevard Gschicht no nit ganz fertig. Aber d Unspunne Manne hond a dem verkaibete Bolle kon begehr meh. Drum word die verunstaltet Djamilla doch nimme ihr Schemme-Gsiecht de Beliers als Uebergabebotschafteri verkaufe kinne.
Pfiffige, gnitze iifaell zu Veraenderunge waret scho immer wirkungsvoller wie Strommaste sprenge, sich a Autobahne und Stroosse aabeppe oder gar Maensche-Aasammlunge nieder z’walze. Wer khaa sich dem Zauber vu domols entziehe, wo Berliner mit de Vorschlaghaemmer und Hebiise die verhasst Grenzmuur zemet benglet und g’spechtet hond und sich de schoenscht Abbruchbolle dehoem in e Glasvitrin gleit hond und den wie e Religvie uff langewig uffhebet. „Phoebe, Weste, da war icke mitte of de Mauer zu aller oberst druff, wie ne schon lange lauernde, tanzende Mauerwanze“.
1805 hond d Appezeller zu me eidgenoessische Aelpler Sing- und Schwingfest z Interlake im Berner Oberland uff de Festwiese unter de Unspunne Burg ihren heimische Steistoss Stei mit 82 kg mit aagschleift. Mit dem wird de staerkscht Appizeller uusguckt und verlaese, der wo beim alljaehrliche Innerrhoder Hoselupf- und Schwingfaescht den Saubolle am wiehteschte „fortruehre“ khaa. So isch also die Staistooss- modi vum Appizell is Berner Oberland kumme. De Gallier Obelix haet au scho mit so Hinkelstai, so dolme, ummenand gworfe.
Unspunnen, Alphirtenfest vom 17. August 1805 (1. Unspunnenfest); Unspunnen; Umrissradierung, koloriert von Franz Niklaus König (Wikimedia)
Unspunnenfest 1808. Colorierte Lithographie von M. Mongin aus dem Buch: „La mémoire des Suisses – Histoire des fêtes nationales du XIIIe au XXe siècle“ Catherine Santschi, p.41 (1991) (Wikimedia)
Die johreszahl 1805 isch also i den mords Bolle us Saentiskalk innigmaislet wore und me haet sich vorgnomme, mit dem Stai alli 12 johr e Unspunnefescht z’mache, wo der Unspunnestai vu de staerkschte Aelpler us em Oberland gstosse word. De Sieger macht sich uusterblich. D Schuelbuebe kennet die Unspunnesieger besser wie bei uns en Fritz Walter, Franz Beckebauer oder de Chrischtian Streich. Und der baerestark Ries, wo den Stai am wiiteschte stoosst, der gwinnt en gstrigglete, schee graenzlete, guet gwaassne Muni vu allerbeschter Zucht und Abstammung. Aber scho 1808 hond Oberlaender natierli en oegene Stoe brucht, und, natierli bodestaendig und heimetverbunde, us dem fascht uuvergaengliche Aaregranit. Aber gliich schwer wie de Appizeller Bolle muess er scho sii. Noch em 1808-er Unspunne stoosse isch der „verruumet“ wore bis en Adolf Pfahrer 1905 den im veraastaltende Turnverein, schriftlich beleit, vermacht haet zum uffhebe und zum stoosse am Unspunne Fescht. Zum 100 jaehrige Jubilaeum isch denno zum „1805“ au no „1905“ innigmaisslet wore. Noch dem Fescht isch er wieder achtlos bei me Buur als Dangelstockstai glege. 1946 haet mern noch langem sueche vor em Fescht wieder gfunde und ihn im Schwingerverein vermacht. De Rodel vu 1905 zwischem Adolf Pfahrer und em Turnverein haet aber klar beleit, dass er halt doch de Turner ghoehrt.
Die Appenzeller brachten 1805 das Steinstossen ans Unspunnenfest. «Steinstossen im Appenzellerland», Aquarell von Gabriel Lory fils.
Unspunnenfest 1955 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_L04-0357-0012 / CC BY-SA 4.0 Wikimedia)
Anne 1980 isch z Untersee e herzigs Tourischtikmuseum in eme historische Oberlaender Huus iigrichtet wore. Dert isch der Stai uff eme waehrschafte , stabile Gabetempel-Schemeli als Leihgabe vum Turnverein uffghebt und als Blickfang uusgstellt wore. Ganz anderi als Tourischte hond aber en begehrliche Blick uff den Granitbolle gworfe: D‘ Béliers, die jurassische Separatischte. Aber nit die strietige Bombeleger, sondern die witzige, gnitze, phantasievolle Jurassier. Der Kultstai, also isch bis anne 1980 Hauptsaechlich bim Turnverein Interlake uffghebt wore. Ab und zu isch er aber au i dene Zwischejohr verscholle, als Dangelstock missbruucht wore oder au bei me Brieftraeger im Garte glege. Der boxbainig Poschtle haet en fascht nimme uussirucke welle. Und trotz allne odyseeische Irrfahrte isch er doch immer wieder ufftaucht, wenns as kultig Unspunnefescht gange isch. Trotzdem war er zmols doch eweg. Wie gsait haet mer 1808 den Appizeller Urstei us Saentiskalk us lokalopatriotische, geologische Gruend ersetzt mit eme Aaregranitbolle. So hets bliebe koenne, wenn do nit die jurassische Separatischte gsii waeret. Die franzoesisch sprechende Jurassier hond scho lang us em ueberwiegend dietsch sprechend Jura-Bernische Kanton uussi welle und in welsche Kanton Jura inni welle. Au die hond ab und zue Strommaschte, so wie die gwalttaetige Andreas Hofer Suedtiroler, i d Luft gjagt. Die uusaegliche Gwaltaktione vu de exterme Sorte Bélier waret aber uusinnig und hond stimmungsmaessig grad s Gegeteil bewirkt. So wie bei dene Fahrbahnbaepper vu de letschte Generation.
So isch also dene gmaessigte, witzige Jurassier ebbiss g’waltfreis, charmantes, populaers und gspassigs iigfalle. Gfalle haet der witzig Protescht fascht allne Eidgenosse und natierli au iis, de benochberte Alemanne. Dene glii zweimol verdummbeitlete Unspunne Oberfeschtlatschi aber eher nit. 1984 also hond den Unspunnestai, e art bernischs Nationalheiligtum, die Jura- separatischte us dem kleine Museumle z Untersee saparalisiert. Und sie hond selbstbewusst uussibloset , dass sie die uralt Naturgeisel erscht wieder ussirucket , wenn au de letscht Zipfel vum Berner Jura um Moutier ummi in Welschschwiezer Kanton Jura uebergaehe isch. Zaehneknirschend haet de Turnverein uffs Eidgenoessisch Sing-Schwing- und Aelplerfest anne 1986 in Sion in Ermangelung vum Original en gliich schwere Stai als Ersatz zuehaue lau messe. Noch dem Fescht isch der nochgmacht Findling aber denno wohlweislich bei de UBS in Panzerschrank verrummt wore.
1993 tauchet zmols paar Foeteli us Bruessel uff. De echt Unspunneststai daet dae i me Wiikeller zur freundliche, friedliche Rueckgab riife. De Turnverein war vu de Originalitaet ueberzeugt und haet sich bei de Separatischte wege me Uuslieferungs begehr unterwuerfig zeigt. Anne 2000 isch sogar e Kommitee gruendet wore um de Originalstoe wieder ueberzkumme.
Im Augst 2001 isch de Stai tatsaechlich, in e Pralinee-Papierli verpackt , vum yellow Press Knallbonbon, de Shawne Fielding, de ex vum Party- Dinner- und Boulevardkoenig vu Berlin, em schwiezer Botschafter Thomas Borer, tatsaechlich uusglieferet wore. De Thomas Borer isch desell, wo vum „Sunntigs Blick“ Rusgeber, em Ringier Verlag, emol 1 Mio. Franke zuegsproche griegt haet. Die Botox C-prominent, diesell Dzamilla Rowe, haet behauptet, de Fraueversteher Borer heb mit ihre, wies im schwiezerdytsch heisst, e „Fuedlitaesch“ Affaire khaa. Vor Gricht haet de Tomy aber doch bewiese koenne, dass es doch Dame giht, vor dene sogar er sich gruuset.
Noch dem erste Schreck, dere vu de giffizige Jurassier iigfaedlete und wenig waehrschafte Shawne Fielding Uebergabe-Zuemutung, isch de erzkonservative Unspunne manne de Stai grad nomol uff de Zehe ghait: Oh Graus, nit nuu, dass die Béliers 12 Europastern druff gmaislet hond, nai… Huresaich- gottverdelli aber au…., sogar d Johreszahl 6.12.1992 war verewigt. De gschichtshistorisch Abstimmungstag vu de Ablehnung zum Helvetische EWR beitritt.
Sit em Unspunne 1993 isch ebbe in Ermangelung vum Urstai mit em nochgmachte 1986-er (Sion) Stai gstosse wore. Mit em us de geiselhaft entlossene „Bruessler“ Urstai kah mer nit nuu us politische Gruend nimme stosse. Die jurassische Stoehauer hond naemli wege dene 12 Steaernli des Heiligtum veruustaltet und glatt u d sauber ganzi 2 kg eweg gmaisslet. Usserdem koennt mern a dene tiefe Euro Sternli mulde den stai besser grieffe. Die ganze historische Rodel und Palmares-Lischte daetet drum us em Eidgenoessische Gleichheitsprinzip alli nimme „verhebbe“.
Im Augst 2005 aber isch der Ur-Unspunnestoe nomol saparalisiert, gmopst , klaut wore. Bei de 200-Johr Geburtstags – Sonderschau im ehrwuerdige Nobelhotel Viktoria-Jungfrau hond 4 jungi Jurassier am heaele Mittag den mit ere aageblich starke Kette, oder wars amend doch nuu e goldigs Uhrekettli? Rotzfrech den Uusgstellte Kultstai nomol klaut. Seeleruhig hebet sie ihn in e Sporttasche packt und seiet gmietlich us em Hotelallerheiligschte uussigschluerft. E Serviertochter hebs beobachtet. Aber bevor sie ihre High Heels uszoge haet und ihre livriehrte, fuellige Page alarmiert haet, waret die drohtige Béliers im Feschtgwusel verduftet. Sie hond aber e herzigs Gastgschenkli hinterlau. Zwar war des Paeckli nit wie bei de vollbusige Shawne Felding uebergab in e Pralinee Papierli iipackt , sondern, gottverdelli au des noo, i me jurassische Trachte Sacktuech iigwicklet. Es war en oefache Granit Pflaschterstai mit em Jura Wappe druffgmolet.
Am 20. August 2005 wurde der Unspunnenstein gestohlen. Die Béliers hinterliessen diesen Pflasterstein.
Wieder haet d Weltpresse ebbis zum lache, pfittere, schriebe und d Kolummne fuelle ghet. Vill hond sich vergnuegt uff d Schenkel klopft. D Dackel, die begossene Puddeli, waret aber zerscht mol die ehrwuerdige, heimetseelige Festkommitee Unspunnemanne. Dene wars zerscht meh zum blaere, wie zum lache z muet. Aber weil sie waehrschafte, wohre, selbstironische Witz hond, stellet sie zum bespasse und werbewirksam des Jura-Pflaschterstaehli im Touristikmuseum sit her uus. De Urstai isch vermutlich immer no bei de Jurassier und de Nochgmeislet vu 1986 word sither im Panzerschrank verwahrt. Weil d Region Mouthiers jetzt aber doch im kleine Kantoenli Jura debii isch, haet mer die Hoffnung, dass de Urstai noch dere endgueltige Befriedung doch wieder ufftaucht. Wa fuer e Skandsnuddel denno die Uebergab macht, wisset nuu die iigmeisslete Euro Sternli. Die witzige Béliers wered bestimmt scho d Botox Dzamilla Rowe, die us em Dschungelcamp, im Visier haa. Denno daetet d Unspunne Manne au e gschichtsstarre Ueberkumme. Mit face lifting, mit Konture Ummaisle, kennet die Jurassier sich uus.
Wie waers wenn die Strossebaepper vu de ueberletschte Menschekinder den Stroossepflasterstai mit Jurawappe emol besichtige daetet und de pfiffig Hintersinn uusloschore daetet? Schwejkiade, Babischtle gifitz a la Hiefinge oder ebbe Staibolle ummodle und wegrolle: Mit Witz und Pfiff gohts halt aifach besser.
Die beschte Straech sind immer no die, wo en Richter nit emol en gschiede Tatbestand i sine Buecher und Gsetz findet. Uebrigens haet die Auge verbunde Justitia wege Verjaehrung d Akte mit dem trollige Steiklau zuegmacht.
heute steht die Astronomie im Fokus. Nichts ist beständiger als der Wandel, oft ist dieser Spruch zu hören. Auch für die Astronomie gilt er. Die ersten drei Bilder zeigen, wie stark der Mond von Tag zu Tag wandert und heller wird in dieser zunehmenden Phase. Bezugspunkte sind die beiden Planeten Jupiter – jeweils oben – und Venus. Beeindruckend, wie da der Punk abgeht, finde ich. Übrigens gäbe es das Bild vom 22.2. nicht, weil es bei mir bewölkt war, aber dank WhatsApp konnte ich das Bild von Caroline Hepperle verwenden. Vielen Dank.
Die vier Bilder unten zeigen die Veränderungen von Venus – nun oben – und Jupiter vom 3.3. bis zum 7.3.2023. Ganz beachtlich finden Sie nicht auch? Am 3.3. hatte ich Glück, dass es spät am Abend in Villingen kurz vor einem Vortrag doch noch aufklarte und der Hammer war, dass ich am 5.3. Schützenhilfe von Gisela Brodauf bekam, die in Florenz gutes Wetter hatte und mir dieses Bild überließ. Auf der vorherigen Seite oben ist der Verlauf der beiden Planeten vom 1. März ab dargestellt. Am 1. und am 2. kamen sie sich am nächsten, leider war es von hier aus nicht zu beobachten. Wieder hatte ich Glück, dass Dr. Gerrit Müller in Bammental bei Heidelberg weilte, dort klare Sichtverhältnisse waren und er mir das Bild überließ. Vielen Dank.
Schon sehr nahe beieinander Venus und Jupiter. Natürlich nicht in Wirklichkeit, aber doch scheinbar. Jupiter ist nach Mars unser übernächster Planet und er braucht 12 Jahre für einen Sonnenumlauf. Venus ist zur Sonne hin unser nächster Planet und braucht nur 240,7 Tage für eine Sonnenumrundung. Jetzt ist es kein Wunder mehr, dass Venus so schnell ist. Gottfriedstutz aber auch. Das letzte Bild zeigt die Situation am 9. März, der Abstand ist schon richtig groß.
Endlich darf gejubelt werden bei der Luchs-Initiative Baden-Württemberg e. V., denn nun soll ihr jahrzehntelanger Einsatz für Pinselohr, geprägt auch von vielen Rückschlägen und Niederlagen, doch noch belohnt werden. Am 3. März 2023 war es soweit: Im Stuttgarter Waldhaus gab Minister Peter Hauk MdL den offizielle Startschuss: „Heute startet das Projekt Luchs in Baden-Württemberg zur Stützung der baden-württembergischen und mitteleuropäischen Luchspopulation“, so steht es schwarz auf weiß als Überschrift über der Pressemitteilung Nr. 75/2023 des MLR. Dabei hatten die Luchsfreunde bis zuletzt gezittert, ob der Forst- und Landwirtschaftsminister nicht in letzter Minute doch noch zurückzucken würde ob all der brandaktuellen Meldungen zur erwarteten Wolfsrudelbildung im Schwarzwald. Nein, die Kick-Off-Veranstaltung wurde nicht mehr abgeblasen, der Luchs vielmehr zum Sympathieträger erklärt. Die Notwendigkeit einer Bestandesstützung wurde begründet mit dem Umstand, dass die seit Jahrzehnten immer wieder zuwandernden und heimisch gewordenen Luchskuder nach Ansicht der Luchsexperten keinerlei Chancen haben, sich hier auch fortzupflanzen. Denn weibliche Luchse erweisen sich als weitaus weniger wanderfreudig, sodass menschliche Nachhilfe unumgänglich ist, wenn die mitteleuropäische Metapopulation sich stabilisieren soll; die zentral gelegenen Trittsteine Baden-Württembergs sind hierfür unverzichtbar. Nur die Vertreter des Umweltministeriums hatten stets auf ihrer Devise beharrt, es solle gewartet werden bis die Luchsinnen von allein einwandern.
Dennoch war das Bestandesstützungsprojekt bereits 2021 in den grün-schwarzen Koalitionsvertrag geschmuggelt worden, in den Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg: Versteckt auf S. 117 findet sich die Ankündigung: „Wir werden in enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Akteuren die Chancen für die Rückkehr des Luchses durch ein Programm zur Bestandsstützung verbessern.“ Betroffene Akteure – damit gemeint sind vorneweg Jäger und Bauern (nebst den Naturschutzverbänden als sog. „Fokusgruppen“), die das Ministerium für den ländlichen Raum (MLR) seit 2004 an einen runden Tisch einlädt zur Arbeitsgruppe AG Luchs, geleitet durch die Freiburger Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt FVA und die dortigen Spezialisten des Instituts für Wildökologie, denen auch das Luchs-Monitoring übertragen wurde. Zum Jahresabschluss 2021 hatte der Finanzausschuss die Anschubfinanzierung des Projekts genehmigt, nachdem WWF Deutschland und die HIT Umweltstiftung namhafte Spenden in Aussicht gestellt hatten. Als Kooperationspartner hatten sich zudem der Landesjagdverband und der Zoo Karlsruhe angeboten. Bis zu 10 vorwiegend weibliche Luchse sollen in dem vierjährigen Projekt bevorzugt im Schwarzwald ausgewildert werden, wobei man auch eng mit den Pfälzern und ihrem Auswilderungskonzept kooperieren wird.
Endlich Liebkind: Luchskuder nach seiner Besenderung (Foto: FVA)
Wenig Erwähnung hat in den Statements im Haus des Waldes zwar die Luchs-Initiative gefunden. Als Pressure Group hat sie seit 1986 verlässlich dafür gesorgt, dass ihr Anliegen nie vollends aus den Schlagzeilen verschwunden ist, so zäh und so kontrovers sich die Diskussion um den Luchs hingezogen hat. Bereits damals, im Jahr des Kernkraft-GAUs, als die Forstleute sich sorgten, dass das verstrahlte Wildbret nicht mehr verwertbar und der Wildverbiss im Wald überhandnehmen würde, hatte Hauks Vorvorgänger, Minister Gerhard Weiser, klargestellt, die Wiedereinbürgerung des Luchses sei „ein Beitrag zur Erhaltung einer in Europa vom Aussterben bedrohten Tierart“. Und weiter: „Unter Berücksichtigung der wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die wichtigsten Voraussetzungen des Nahrungsangebots für den Luchs, seiner Habitatsstruktur und der möglichen Konflikte mit Mensch und Haustier kann auch der Schwarzwald zu den in Betracht kommenden Lebensräumen gerechnet werden.“ (PM vom 15. 11. 1986 Aktenzeichen 9/3640). Es war nicht zuletzt diese so luchsfreundliche Antwort des für Jagd und Wald zuständigen Ministers, die dazu ermutigt hatte, unter Mithilfe von Luchsexperten aus der Schweiz, aus Frankreich und Bayern erste Schritte hin zu einem wissenschaftlich begleiteten Wiederansiedlungsprojekt zu wagen.
Wie sehr man sich jedoch bemühte, die Jägerschaft mit ins Boot zu holen und den Landwirten ihre Ängste zu nehmen, der Gegenwind erreichte mitunter Sturmstärke. Die Landesregierung bremste – trotz eines lebhaften politischen Rückenwinds von Junger Union, Grünen und SPD – mit dem durchschlagenden Argument mangelnder Akzeptanz bei Jägern und Landwirten. Schon gar nicht ließ sie sich dazu bewegen, die jagd- und naturschutzrechtliche Auswilderungsgenehmigung in Aussicht zu stellen. Weshalb die Luchs-Initiative sogar eine Feststellungsklage gegen das Land riskierte, mit der sie 1997 auch vor dem VGH Mannheim scheiterte: Für die Richter war und blieb der Luchs eine „fremde Tierart“ und damit die Versagung der jagdrechtlichen Genehmigung durch das Land rechtens.
Beliebt hat sich die Luchs-Initiative damit freilich nicht gemacht – bei aller Sympathie und Schützenhilfe, die einzelne Politiker dem Luchs auch immer wieder angedeihen ließen. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen“, so wetterte etwa der junge Abgeordnete der Grünen Winfried Kretschmann 1991 im Landtag, „wenn die von Junger Union, der Wildbiologischen Gesellschaft, vom Landesnaturschutzverband, vom Schwarzwaldverein, vom Tierschutzbund, vom Fremdenverkehrsverband Schwarzwald und von den Grünen unterstützte Wiedereinbürgerung des Luchses im Schwarzwald nicht durchgesetzt werden kann.“ Und im Interview mit der Heilbronner Stimme vom 13. 4. 1991 legte er sich vollends fest: „Der Luchs gehört in diese Landschaft.“
Respekt, Herr Ministerpräsident, nun also hat die Landesregierung doch noch Wort gehalten!