Baummarder

Liebe Bürgerpostleser, 

in letzter Zeit gings rund im Vogelhaus, kann ich Ihnen sagen. Das Eichhörnchen ist ja nichts Neues, aber, wieso schaut es so aus dem Haus hinaus? Ich will Sie nicht auf die Folter spannen, unten lief eine Katze über die Terasse und die fressen auch Eichhörnchen. Aber, es ist nichts passiert zwischen Katze und Eichhörnchen. 

Dann sah ihn Anita zuerst am 26. April, ja was denn? Der absolute Hammer für mich, ein Baummarder, der als menschenscheu im Wald lebend beschrieben wird. Als Jägerstochter hat sie es gleich erkannt. In meiner Kindheit war es ein Traum, einen zu Gesicht zu bekommen, jetzt, Jahrzehnte später geht der Traum in Erfüllung. Geduld ist manchmal angesagt im Leben. Wieso Baum- und nicht Steinmarder? Der Baummarder hat eine gelbliche Kehle, eine dunkle Schnauze und größere Ohren mit weißer Umrandung.

Tage vor dem 26. April bemerkte ich, dass der obere Spannring nach unter verschoben war, und dachte, wer könnte das wohl sein. Die Frage war, wie kommt er da hoch. Vom Blumenkübel springt er rein ohne Probleme.

Dann gab es ein Spiel, was muß ich ändern, dass er es nicht mehr schafft. Denn der haute sich die Hucke voll, mindestens zehn Minuten blieb er drin. Also Blumenkübel weggestellt, ohne Erfolg, er sprang vom Torbogen aufs Futterhausdach und drehte sich mühevoll ins Haus. Als nächste Maßnahme wurde das Vogelhaus 50 cm vom Torbogen weg versetzt. Da das alles tagsüber passierte, konnte wir herrlich beobachten, wie er über eine halbe Minute versuchte, vom Torbogen zu springen, er ließ es bleiben. Er fand aber eine Lösung, er sprang von der Stuhllehne hinein.

Dann versetze ich das Haus noch einmal und vergrößerte den Abstand der Gartenmöbel. Ich kann Ihnen sagen, er war total frustriert, dass er nicht mehr an die Futterquelle kam. Ich ahnte aber, dass er bald unser zweites Vogelfutterhaus finden würde, wo er locker von Boden reinspringt.

Hier wie da ist er sehr zutraulich, man kann bis auf zwei Meter an ihn heran. Dieses Spiel läuft seit über drei Wochen. Dass Marder Körner fressen, ist normal, habe ich in der Zwischenzeit mitbekommen. Dass er so einen Kohldampf schiebt, kann ich mir nur erklären, weil er eine sie ist, die ihren Nachwuchs säugen muss. Sie sieht ehrlich gesagt so mitgenommen aus, wie Fuchsmütter im Mai/Juni, wenn sie leergesäugt werden. 

Mich hat interessiert, ob von meinen whatsapp Kontakten jemand so etwas schon erlebt hat, es kam keine Rückmeldung von den etwa 300 Statuslesern. Allerdings in der weiteren Nachbarschaft bei Familie Zimmermann zeigte er/sie sich am 12. April in ihrem Vogelfutterhaus. Damals sah sie noch besser aus.

Was ich auch nicht wußte, dass Marder herrliche Männchen machen können. Bild rechts ließ jemand befürchten, dass er im Vogelhaus gefangen sei.

Ich bin hocherfreut und dankbar, dass ich diese Geschichte erleben durfte und mein Baummardertraum in Erfüllung ging. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, falls Sie auch ein solches Erlebnis hatten.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Bärendienste

„You must shoot him in the mouth1“ – was für eine martialischer Tipp! Er hat sich mir offenbar unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt als Pointe eines der denkwürdigsten Erlebnisse einer Alaska-Reise im Frühsommer 1980. Dabei handelte sich keineswegs um den Ausspruch eines Waffenverrückten, sondern um den gutgemeinten Rat einer Einheimischen. Die Frau hatte uns, zwei Rucksacktouristen aus Germany, auf der Straße vom Flughafen der Insel zur Stadt Kodiak aufgelesen und in ihrem staubigen Pickup ein Stück weit mitgenommen. Als wir ihr von unserem Plan erzählten, die Insel erwandern zu wollen, übergab sie uns – zu unserer grenzenlosen Verblüffung – einen Revolver mitsamt Munition. Nicht einmal unsere Pässe wollte sie dafür einbehalten, so locker waren hier die Waffengesetze. Kodiak-Island sei nun einmal Bärenland, warnte sie uns, und das Wandern nicht ungefährlich, zumal wenn man dabei versehentlich eine Bärin mit Nachwuchs überraschen sollte. Wie kaltblütig muss einer sein, um ihr im Angriffsfall ins Maul zu zielen und abzudrücken?

Fast wie der Grizzly im Empfangsgebäude des Flughafens der Insel Kodiak, Alaska, (doch das Foto stammt aus den F.F.Sammlungen in Donaueschingen)

Grizzlybären sind allgegenwärtig auf Kodiak-Island: Schon bei der Ankunft werden Flugreisende von einem ausgestopften, gut dreieinhalb Meter hohen, drohend aufgerichteten Exemplar mit Riesenpranken empfangen, ist man doch stolz darauf, die größten Braunbären der Welt zu beheimaten.

Doch auch zuvor schon hatten wir auf unserer Reise mit Meister Petz Bekanntschaft gemacht. Leibhaftig freilich nur aus der Cessna-Vogelperspektive oder aus dem sicheren gelben Shuttle-Bus des Denali-Nationalparks heraus. Umso eindringlicher wurde in den Campgrounds von den Rangern gewarnt, wo die Bären doch eben jetzt, hungrig nach langem Winterschlaf, Jagd auf Elchkälber machten. Danger – recent bear activities, hieß es allenthalben auf Plakaten. Proviantvorräte solle man beim Zelten tunlichst außerhalb auf Bäumen unterbringen, und auch auf Parfüm würden Bären ansprechen. Was uns allerdings nicht daran gehindert hat, unser Zeltchen (erlaubtermaßen) auch fernab von Campingplätzen aufzuschlagen – etwa am wahrhaft wundervollen Wonder Lake mit Blick auf den vergletscherten Denali, den mit 6190 Metern höchsten Berg Nordamerikas, der damals offiziell noch Mount Mc-Kinley heißen durfte.

Doch nun auf Kodiak-Island waren wir obendrein auch noch für den Notwehrfall gewappnet. Und so bewegten wir uns wie Trapper durch unübersichtlichsten Weidengestrüpp, dabei folgsam laut plappernd und klappernd mit dem lose an den Rucksäcken befestigten Kochgeschirr. Weshalb sich kein Grizzly blicken ließ – geschweige denn, dass wir von der uns so großmütig überlassenen Schusswaffe hätten Gebrauch machen müssen. Die lieferten wir dankend wieder ab nach unserer Tour, und weil uns derweil ein Landregen aufgeweicht hatte, durften wir bei unserer Gönnerin auch noch Anoraks und Schlafsäcke trocknen lassen.

Was nicht alles in einem wieder hochsteigt, ausgelöst von der gegenwärtigen Bärendiskussion! Die Aufregung um den tragischen Fall des im Trentino von einer Bärin getöteten Joggers dürfte den großen Beutegreifern insgesamt, ob Luchs, Wolf oder Bär, erst recht deren Wiederansiedlungsprojekten einen Bärendienst geleistet haben. Kein Wunder, dass die öffentliche Debatte um die Konflikte mit diesen Spätheimkehrern immer hysterischere Formen annimmt. Bär und Wolf sind zum Politikum geworden.


Ob es wohl ein bisschen auch an meinem Vornamen liegt? Böser Wolf, niedlicher Petz: Bären haben mich von Kindheit an mehr fasziniert als Wölfe, beginnend mit dem Teddy Butz, der nacheinander von fünf Geschwistern so geliebt und zerknautscht worden war, dass er schließlich nicht einmal mehr brummen mochte, so heftig man auch seinen Bauch bearbeitete. Gefolgt von Old Shatterhands Bärentöter in meinen Indianerjahren und von erwachendem natur- und heimatkundlichem Interesse („Gab ́s denn im Bärental jemals Bären? Wann sind sie vollends ausgerottet worden im Schwarzwald?“), später dann die Fachexkursionen in die verbliebenen Bärenländer des Kontinents, in die Karpaten und in den Balkan. Wie lebte es sich in Slowenien zusammen mit allen drei großen Beutegreiferarten, und wie sind deren Auswirkungen auf Wald und Landwirtschaft? Was mögen die Städter in Siebenbürgen empfinden, wenn abends Bären die Mülltonnen kontrollieren und Wölfe am Stadtrand entlang patrouillieren?

Besonders denkwürdig aber dann der Sommer 2006, nicht nur wegen des „deutschen Sommermärchens“ anlässlich der Fußballweltmeisterschaft, mehr noch dank des Medienechos auf das Auftauchen von Bär „Bruno“ (mit wissenschaftlicher Bezeichnung JJ1) an der bayerisch-tirolerischen Grenze – 170 Jahre nachdem der letzte Bär in Deutschland erlegt worden war. Zunächst vom bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf noch willkommen geheißen, wurde er von Ministerpräsident Edmund Stoiber alsbald zum „Problembären“ abgestempelt, nachdem er sich an etlichen Schafen, an Bienenständen und an einem Hühnerstall ausgetobt hatte. Am 24. Juni, nach wochenlangen vergeblichen Bemühungen (selbst von eigens eingeflogenen finnischen Bärenexperten mit ihren Hunden), ihn zu stellen und lebend einzufangen, wurde er endgültig zum Abschuss freigegeben und zwei Tage später schließlich auf der Kümpflalm erlegt. Seither befindet sich Bruno ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur. „Problembär“ ist in der deutschen Umgangssprache derweil zum geflügelten Schimpfwort geworden.

IURKA, Brunos Mutter, im „Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald“

Erfolgreich eingefangen wurde wenig später Brunos Mutter IURKA ihrer Problembären-Gene wegen; sie verbringt ihren Lebensabend im „Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald“ nahe Bad Rippoldsau. Bei meinem Besuch im Jahr 2014 erschien sie mir recht apathisch, wie sie lustlos hinter einem Baum hockte und an der Rinde herumknabberte – traumatisiert?

Eigentlich gilt Bayern als „Bärenerwartungsland“, auch einen Managementplan hatte man erstellt, denn gespürt wurden Bären auch nach Brunos schmählichem Ende immer wieder einmal in der Grenzeregion zu Tirol. Damit sie gefahrlos die Autobahn überqueren können, ist da und dort sogar eine Wildtierbrücke für ihre Wanderungen von Slowenien nach Norden errichtet worden. Und dass es im Trentino, wohin man unlängst noch ein paar slowenische Bären zur Reproduktion der letzten dortigen Exemplare verschickt hatte, allmählich eng wird für die Population, war auch vor dem tödlichen Unfall bereits ein Thema. Diesen soll Brunos Schwester JJ4 verursacht haben, die wie ihre Mutter und ihr Bruder auch zuvor schon auffällig geworden sind.

Gefahrlose Autobahn-Überquerung für wandernde Bären in den Julischen Alpen

Seit April 2023 ist nun erneut der Bär wieder los in Oberbayern. Im Werdenfelser Land, auf einem beliebten Wanderweg zwischen Mittenwald und Hotel Schloss Elmau, zwischen Lauter- und Ferchensee, tappte einer in eine Fotofalle. Und weil gerade Landtagswahlkampf herrscht, trifft sich die Spitze von CSU und Freien Wählern mit den empörten Almbauern. Denn da waren ja auch schon wieder zwei Schafkadaver, wobei einstweilen noch unklar bleibt, wer sie gerissen hat, Bär oder Wolf. „Auf ihn mit Gebrüll“, überschrieb die Süddeutsche Zeitung (am 4. 5. 2023) ihren ganzseitigen Bericht über die aktuelle Stimmungslage. Zugunsten der Almwirtschaft sollen beide schon beim ersten Übergriff auf Nutztiere zu Problemwölfen bzw. Problembären erklärt und „entnommen“ werden, mögen sie nach deutschem und Brüsseler Naturschutzrecht noch so streng geschützt sein. Mit Angst lässt sich Politik machen, zumal in Wahlkampfzeiten. Flugs zimmerte die bayerische Staatsregierung eine neue Wolfsverordnung, die den Abschuss von auffälligen Wölfen erleichtern soll. Dagegen läuft bereits eine Normenkontrollklage des Naturschutzbundes.

Was für ein Segen, dass im Schwarzwald nicht auch noch mit Bären-Migranten zu rechnen ist. Die erwartete Rudelbildung der Wölfe schafft Feindbilder genug. Mag Lebensgefahr durch Wölfe (wenn schon nicht durch Bären) noch so unwahrscheinlich sein: sie wird bereits heftig beschworen. Seine Tochter wage es nicht mehr, allein durch den Wald zu joggen, klagte schon vor ein paar Jahren ein gestandener Schwarzwälder Höhenlandwirt anlässlich einer höchst turbulent verlaufenden Informationsveranstaltung zum Thema Wolf. Unterdessen wird fleißig plakatiert in der touristischen Vorzeigelandschaft. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Nutztierhalter: Ängste in der Bevölkerung sind fehl am Platz, doch sie lassen sich bekanntlich auch künstlich erzeugen. Rotkäppchen lässt grüßen – der allerletzte Schwarzwaldbär soll ja bereits anno 1740 in den Wäldern um Wolfach erlegt worden sein. Belassen wir es einstweilen beim dortigen Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald.

1 Deutsch: Ihr müsst ihm ins Maul schießen!

Wie es aus dem Wald heraus schallt

Egal wie man in den Wald hinein ruft und wie es auch wieder heraus schallt: Es sind vorwiegend Hiobsbotschaften, die sich derzeit förmlich zu überschlagen scheinen. Der jüngste Waldzustandsbericht des Landes, gefertigt von der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA, vermeldet den schüttersten Benadelungs- und Belaubungszustand der Bäume seit 1985  – seit dem Horror der Waldsterbensjahre. Vier von fünf Bäumen sind krank, verkündete auch für die Bundesregierung Minister Cem Özdemir – pünktlich zum Frühlingsanfang, dem Internationalen Tag des Waldes 2023. Längst zirkuliert in den Medien der Begriff „Waldsterben 2.0“, als wären die „neuartigen Waldschäden“ nicht schon vor zwei Jahrzehnten von der grünen Umweltministerin Renate Künast (ausgerechnet im „Jahrhundertsommer 2003“) für beendet erklärt worden. Hatte man damals nicht der Automobilindustrie den Katalysator abgetrotzt und mit der Großfeuerungsanlagenverordnung die Entschwefelung vorangetrieben? Jetzt aber sollte sich das Jahr 2022 als das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen herausstellen, als Rekordjahr einer ganzen Serie von trockenheißen Sommern; sie allesamt haben nicht nur dem Wald zugesetzt, sondern wohl auch die letzten Zweifler überzeugt von der Realität des Klimawandels. 

Im Wald herrschen seither geradezu superoptimale Voraussetzungen für die Massenvermehrung von Waldschädlingen, insbesondere der Fichtenborkenkäfer. Doch selbst die als vergleichsweise klimahart geltende Weißtanne leidet zunehmend unterm Trockenstress und unter den Angriffen von Tannenborkenkäfern, die zuvor kaum jemals mit forstwirtschaftlich fühlbaren Auswirkungen in Erscheinung getreten waren. 

Dürre- und Borkenkäferschäden sogar bei den Weißtannen

Noch schlimmer steht es um die Esche, die „bereits dem Untergang geweiht“ ist, wie der Schwarzwälder Bote zum Jahresausklang 2022 seinen Bericht über die Pressemitteilung des Stuttgarter Forstministeriums zum Thema Eschentriebsterben überschrieben hat. Verursacher der Krankheit ist diesmal freilich nicht der Klimawandel, sondern die Globalisierung: ein aus Fernost eingeschleppter Pilz mit dem so possierlich klingenden Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen. Ebenfalls durch einen aggressiven Pilz, der in anderen Bundesländern bereits zum Absterben ganzer Bestände geführt habe, sei die als trockenheitstolerant geltende und als Ersatzbaumart für die so anfällige Fichte ausersehene Douglasie bedroht, so wird der Forstminister zitiert.   

Wahrlich düstere Aussichten also, auch für den zu 45 % seiner Fläche bewaldeten Quellenlandkreis mit seinem hohen Fichtenanteil. Immerhin blieb man hier bisher, anders als nach den „Jahrhundertorkanen“ kurz vor der  Jahrtausendwende, von größeren Schadensflächen verschont, wie sie derzeit vor allem in der Vorbergzone und im Hotzenwald beklagt werden, erst recht im Sauerland oder im Harz. Freilich zeichnet sich auch im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Regenschatten des Schwarzwalds, bereits ab, dass angesichts der Häufung von Dürreperioden der Wasserhaushalt zum eigentlichen Engpass wird – nicht nur für den Wald. Umso vordringlicher wird der Waldumbau mit dem Ziel widerstandsfähigerer Mischwälder, also auch unter Beteiligung von winterkahlen Baumarten wie der Buche zur besseren Nutzung der Winterniederschläge. Allemal muss die Wasseraufnahme- und die Wasserrückhaltefähigkeit verbessert werden. Dann taugen die Wälder auch verlässlicher als CO2-Speicher, denn wann immer es zu flächigen Dürre-, Sturm- und Käferschäden, gar zu Waldbränden kommt, verkehrt sich ihre Kohlenstoff-Bilanz ins krasse Gegenteil, werden klimaschädliche Gase emittiert statt gespeichert.

Der Name Baar, heißt es, stamme aus dem Keltischen und bedeute nichts anderes als „Sumpf- und Quellenland“. Weil intakte (sprich: unentwässerte) Moore noch weitaus mehr Kohlendioxid zu speichern vermögen als die Wälder, stehen Moorschutzprogramme neuerdings umso mehr im Zentrum des (naturgebundenen) Klimaschutzes. Die Wiedervernässung trockengelegter Hoch- oder Niedermoore, nicht zuletzt auch die Wiederherstellung all der „Waldmöser“ des Baarschwarzwalds, die in den zurückliegenden zwei Jahrhunderten mit ausgedehnten Grabensystemen entwässert („melioriert“) worden waren, könnte daher alsbald zum neuen Pflichtprogramm der Forstwirtschaft werden. Zur Einstimmung in die Thematik ist schon einmal die Moorbirke zum „Baum des Jahres 2023“ gekürt worden. Als Helfershelfer bei den Wiedervernässungsvorhaben macht sich derweil vielerorts ein Neubürger verdient: der Biber mit seinen Dammbauten.

Klimaschutz durch Wiedervernässung der Moore

Erfolgreicher Waldumbau setzt „angepasste“ Wildbestände voraus. Um die Frage abzuklären, inwieweit eine konsequente Regulierung des Reh- und Rotwildbestands dazu beiträgt, die zukünftigen Wälder vielfältiger und widerstandsfähiger („resilienter“) zu machen, haben die beiden großen Waldbesitzer des Landkreises, die Stadt Villingen-Schwenningen und der Fürst zu Fürstenberg, an einem bundesweiten Forschungsprojekt (dem BioWild-Projekt 2015-2021) teilgenommen. Dessen Ergebnisse sind am 25. April 2023 im Villinger Theater am Ring der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Nun soll das Projekt mit fünfjähriger Laufzeit bis 2027 fortgesetzt werden. Dass man auch im Schwarzwald-Baar-Kreis noch vielerorts weit davon entfernt ist, den Wildbestand so zu bejagen, wie es jagdgesetzlich gefordert wird und wie es aufwändigen Verbissschutz erübrigen soll, um die heimischen Hauptbaumarten einzubringen, das zeigen die vielen Plastikwuchshüllen, die allenthalben den Wald verunzieren: Manchenorts ähneln Kulturflächen inzwischen Soldatenfriedhöfen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.

Waldumbau mit Plastikschutzhüllen

Dass neuerdings auch die großen Beutegreifer wieder mitmischen im Ökosystem Wald, ist ein Thema mit besonderem Sprengstoff, zumal wenn (wie im bayerischen Wahlkampf) sogar der Bär wieder mit ins Spiel gebracht wird. Dessen Rückkehr ist bei uns zwar rundweg auszuschließen, nachdem der Letzte seiner Art im Kreisgebiet ja bereits 1565 (im Krumpenloch bei Hammereisenbach) erlegt worden ist. Umso heftiger wird im Schwarzwald über die erwartete Rudelbildung der einwanderten Wölfe diskutiert – nicht nur unter den Nutztierhaltern, sondern auch unter überbesorgten Normalbürgern, die beim Waldspaziergang um Leib und Leben bangen. Der Tod des Joggers im italienischen Trentino hat die Raubtiere allesamt wieder stärker ins Gespräch gebracht, wobei die Mehrheit der Bevölkerung einer jüngsten Umfrage zufolge ihre Wiederkehr noch immer begrüßt. Das Schicksal Brunos, das behördlich angeordnete Ende des „Problembären“ anno 2006 auf der bayerischen Kümpflalm, dürfte auch im Schwarzwald unvergessen bleiben – zumal, wann immer sich ein Landespolitiker öffentlichkeitswirksam für den Abschuss von „Problemwölfen“ einsetzt. 

Zu allem hin hatte im Oktober 2022 das Stuttgarter Umweltministerium in einer Pressemitteilung eine Aufsehen erregende „Uraufführung“ gemeldet: Erstmals in Deutschland hatte eine Wildkamera im Kreisgebiet (am Unterhölzer Wald) ein Goldschakal-Paar mit Welpen dokumentiert. Jetzt also offensichtlich auch noch Zuwanderer aus Südost (Balkan, Vorderer Orient), von denen bislang noch kaum jemand Notiz genommen hatte. War ihr plötzliches Auftauchen etwa schon auf den Klimawandel zurückzuführen – und würden aus den ariden Zonen des Planeten nächstens womöglich auch Hyänen und Gazellen einwandern? Kein Wunder, dass derweil der Unmut unter den Schwarzwälder Viehhaltern wächst – auch wenn nennenswerte Schäden durch den Goldschakal aufgrund seiner eher bescheidenen Größe (zwischen Fuchs und Wolf) sowie seiner Vorliebe für Kleintiere und Vegetarisches wohl auszuschließen sind.

Plakatierung im Wald
Goldschakal (Foto FVA)

Umso überraschender kam für die Öffentlichkeit ein Startschuss, den Forstminister Peter Hauk am 3. März 2023 im Stuttgarter Waldhaus gab: „Heute startet das Projekt Luchs in Baden-Württemberg zur Stützung der baden-württembergischen und mitteleuropäischen Luchspopulation“, so steht es schwarz auf weiß als Überschrift über der Pressemitteilung Nr. 75/2023 des MLR. Die Notwendigkeit einer Bestandesstützung wird damit begründet, dass die seit Jahrzehnten immer wieder zuwandernden und heimisch gewordenen (männlichen) Luchskuder nach Ansicht der Experten keinerlei Chancen haben, sich hierzulande auch fortzupflanzen. Denn weibliche Luchse, ob aus dem benachbarten Schweizer Jura oder aus dem Pfälzer Wald, haben sich als weitaus weniger wanderfreudig erwiesen, sodass menschliche Nachhilfe unumgänglich ist, wenn die mitteleuropäische Metapopulation sich stabilisieren soll; die zentral gelegenen Trittsteine Baden-Württembergs seien hierfür unverzichtbar. Lang genug hatte man die Devise ausgegeben, es solle abgewartet werden bis die Luchsinnen von allein einwandern.

Der Luchs – für Tourismusregionen ein erhoffter Sympathie- und Werbeträger also, der schon seit Jahrzehnten auf leisen Pfoten durch den Schwarzwald wie durch die Medien geistert. Das Projekt war bereits 2021 im grün-schwarzen Koalitionsvertrag angekündigt worden, dem Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg: „Wir werden in enger Zusammenarbeit mit allen betroffenen Akteuren“, heißt es da, „die Chancen für die Rückkehr des Luchses durch ein Programm zur Bestandsstützung verbessern.“ Mit „betroffenen Akteuren“ gemeint sind vorneweg Jäger und Bauern (nebst den Naturschutzverbänden), die das Ministerium für den ländlichen Raum (MLR) bereits seit 2004 an einen runden Tisch einlädt: zur Arbeitsgruppe AG Luchs, geleitet durch die Freiburger Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt und die dortigen Spezialisten des Instituts für Wildökologie, denen das Wildtiermanagement wie auch das Luchs-Monitoring obliegt.

Erstmals war das Thema Luchs 1986 im Schwarzwald-Baar-Kreis aufgekommen: Weil durch den Kernkraft-GAU von Tschernobyl auch hier das Wildbret verstrahlt war, musste befürchtet werden, dass bei nachlassender Bejagung die Verbissschäden im Wald überhand nehmen könnten. Sollten daher nicht vielleicht doch die natürlichen Regulatoren von Pflanzenfresserbeständen, der Winter (durch Einstellung der Fütterung) und der Fressfeind Luchs, reaktiviert werden? Nachdem sich das zuständige Stuttgarter Ministerium in Beantwortung einer Kleinen Anfrage (des SPD-Abgeordneten Redling aus Mönchweiler) überraschend positiv zu diesem Lösungsansatz geäußert hatte, wurde in einer Hütte im Staatswalddistrikt Mailänder, assistiert von Luchsexperten aus der Schweiz, aus Frankreich und aus Bayern, ein Luchs-Wiederansiedlungsprojekt ausgeheckt. Dieses trug man sodann der Vorstandschaft des Landesjagdverbands vor, die mehrheitlich ihre Zustimmung signalisierte. 

Es darf als besondere Pointe jener Initiative festgehalten werden, dass exakt vor hundert Jahren ebenfalls hier, im nämlichen Hintervillinger Wald, der allerletzte Luchs des Landes erlegt worden war, wie einer Meldung der Schwarzwälder Zeitung vom 20. Dezember 1922 zu entnehmen ist: 

Villingen, 19. Dez. Bei einem kürzlichen Treibjagen wurde auf Gemarkung Kappel ein Luchs weiblichen Geschlechts geschossen. Das in Deutschland jetzt nur noch äußerst selten vorkommende Raubtier hatte eine Gesamtlänge vom Kopf bis zu Schwanzspitze von 1,30 Meter, es war also ein ganz respektables Tier. Pächter der Jagd auf Gemarkung Kappel ist Herr Jean Weis-Königsfeld, der somit auch Eigentümer des erlegten Raubtiers ist. – Der letzte Luchs wurde im Harz im Jahre 1817 geschossen, in der Schweiz 1873.

Gut Ding braucht Weile, und es sollten noch über drei Jahrzehnte heftigen Gezänks mit Jägern und Landwirten vergehen, ehe das Projekt nun doch noch (in abgespeckter Form) gestartet werden konnte. Im Zeichen des weltweiten Artenschwunds und der Klimakrise ist damit ein positives Signal gesetzt worden.

Besenderung eines Luchses (Foto: FVA)

In Krisenzeiten wächst die Wertschätzung des Waldes als Ort der Erholung, der Erhaltung physischer und psychischer Gesundheit: Coronapandemie, die Schreckenberichte aus Putins Krieg, die Drohungen mit nuklearen Schlägen wie auch alle weiteren Zumutungen und Überforderungen der Gegenwart haben offenbar wieder mehr Menschen Ablenkung und Trost in der grünen Waldnatur suchen lassen. Zufolge einer neuen Sinus-Studie, in welcher u. a. nach der „Lieblingsbeschäftigung regelmäßiger Waldgänger*innen“ gefragt worden war, wurden zwei Motive mit Abstand am häufigsten angekreuzt: 81 % Spazieren/Wandern gehen und 49 % Die Natur genießen, „Waldbaden“ – fürwahr ein starkes Votum für die „Erholungs- und Sozialfunktion“ des Waldes! Weshalb denn auch der „Tag des Waldes 2023“ unter dem Motto „Wälder und Gesundheit“ stand.

Zugleich sollen die Wälder nun aber auch – so will es der Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg –  für die Energiewende stärker in Anspruch genommen werden: Nicht nur zur nachhaltigen Lieferung von CO2-neutralem Brennholz, von Hackschnitzeln und Pellets, sondern insbesondere auch als Standort von Windenergieanlagen. Eintausend Windräder soll allein der Staatswald des Landes verkraften – für Waldfreunde mitunter eine verstörende Aussicht, eher Hiobs- als Frohbotschaft. So bleibt zu hoffen, dass es auch in Zukunft gelingen möge, all den neuen Anforderungen an den Wald leidlich gerecht zu werden.   

„Lieblingsbeschäftigung regelmäßiger Waldgänger*innen“

Tannenmeise

Liebe Bürgerpostleser, 

der Zusammenprall von Kleinvögel mit Scheiben endet nicht immer tödlich, Gott sei Dank. Durch den Zusammenstoß ist oft das Gehirn betroffen, was sich in einer Benommenheit zeigt. 

Diese Tannenmeise war leider betroffen am 5. April 2023 um 10.30 Uhr, einem kalten und klaren Frühlingstag. Sie hat sich mit der Zeit sehr gefreut, dass ich sie in meine wärmende Hand nahm. Sie schien es richtig zu genießen. Nach drei Minuten konnte ich sie auf den Holzstoß setzen, von wo sie weiterfliegen konnte. 

Bei der Tannenmeise ist die Situation auch so wie zum Beispiel bei der Elster, dass man das Auge wegen der pechschwarzen Farbe schwer sehen kann. Das wirkt eigenartig. Auf diesen Bildern sind die schönen Äuglein aber prima zu sehen. 

Freuen Sie sich mit über die Rettung dieser Tannenmeise.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Waldameisen

Liebe Bürgerpostleser, 

vor kurzem hatte Monika Gauger aus Löffingen diese Bilder im Status und wollte wissen, wer sie erklären könne. Auf den Ameisenhaufen eine Vielzahl von Ameisenanhäufungen, sie verstehen, was ich meine. Ich hatte eine Vermutung, weil ich aber so etwas in der Dimension noch nie gesehen hatte, gab ich die Frage an Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt weiter. Er schickte mir die Homepageadresse https://waldameisen.blog/fruehlingserwachen/

Dort heißt es: Das Frühlingserwachen der Waldameisen beginnt mit einem Sonnenbad auf dem Nest. Zunächst werden die Arbeiterinnen aus den erwärmten oberen Etagen des Nestes aktiv. Sie krabbeln auf das Nest und tanken dicht aneinandergedrängt Sonnenenergie. Danach kriechen sie zurück in den Ameisenbau und geben die aufgenommene Energie des Sonnenlichts als Wärme an die Arbeiterinnen weiter unten im Nest ab. Sie wirken also wie „Wärmeflaschen“. Neue Arbeiterinnen aus den tieferen Schichten wandern an die Nestoberfläche und baden ebenfalls in der Sonne und die Anhäufungen werden immer größer. Dieses Sonnenbaden kann je nach Standort des Ameisenhügels von März bis April beobachtet werden. Ich habe den Eindruck, dass dieses kalte Frühjahr mit wenig Sonne die Ameisen besonders zum Sonnenbaden animiert, wenn sie denn einmal scheint. Hammermässig finde ich die zahlreichen Ameisenknäuel. Übrigens, mit zunehmender Wärme im Nest entwickeln sich aus den Wintereiern die geflügelten Geschlechtstiere, junge Königinnen und Männchen. Auch diese können mit etwas Glück für kurze Zeit auf dem Nest beobachtet werden, bevor sie sich auf den Hochzeitsflug begeben.

Wissen Sie, wie Waldameisen durch den Winter kommen? Sie gehören als Insekten zu den wechselwarmen Tieren. Den Winter verbringen sie in einer Art Winterstarre. Dass sie im Winter nicht erfrieren, verdanken die Waldameisen ihrem hügelförmigen Nestbau. Die kontinuierliche Zersetzung des Nestmaterials setzt auch während des Winters genügend Wärme frei und bewirkt, dass die Nestbewohnerinnen den Winter überleben. Ja, wie so üblich, die Naturgesetze sind sensationell. Jetzt genießen Sie die einmaligen Bilder und Frau Monika Gauger, ihr vielen Dank dafür.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Was ist los mit dem Moos?

Moos genießt gemeinhin die ungeteilte Sympathie der Waldbesucher – denn was wäre schon ein Wald ohne seine schwellenden Moospolster! Zumal bemooste Stammverhaue gehören zu den unverzichtbaren Requisiten naturnaher Wälder, allemal der Schluchtwälder. Und auch die unterm Moosbehang halberstickten Nadelbäumchen am Bachufer passen ja wohl mit dazu; niemand käme auf die Idee, es könnte sich bei ihrem Darben um ein morbides Symptom der Klimakrise handeln. Wo wir uns die Konfrontation mit dieser Zeiterscheinung auf unserer Schluchtwanderung doch ohnehin möglichst ersparen wollten.

Moosbehang im Schluchtwald an der Gauchach

Freilich wurde ich (schon vor über einem Jahrzehnt am Rande einer waldkundlichen Vortragsveranstaltung in Baiersbronn) auch auf eine ganz andere, ja offensichtlich bedrohliche „Vermoosung“ von jungen Tannen- und Fichten aufmerksam gemacht. Ein bäuerlicher Waldbesitzer hatte mich bestürmt, ich müsse unbedingt noch einen Blick in seinen Wald werfen, wo es neuerdings zu gravierenden Umweltschäden gekommen sei. Und tatsächlich: in seinem Waldstück in einem Seitental der Murg zeigte sich die junge Tannengeneration unterm Schirm des Altbestands gespensterhaft bemoost. Fast kam ich mir vor, als befände ich mich im Regenwald an der amerikanischen Westküste – was war hier los?

Gespensterwald

Da und dort war der Jungwald offenbar bereits erstickt und zusammengebrochen, sodass der Hilferuf des Waldeigentümers umso verständlicher erschien. Ein Übermaß an Luftfeuchte und Niederschlag durfte hier ja wohl nicht als Ursache in Frage kommen, war doch der „Jahrhundertsommer 2003“ mit seinen Rekordtemperaturen noch in lebhafter Erinnerung – jenes denkwürdige Jahr, in dem die grüne Umweltministerin Renate Künast das Waldsterben endgültig für beendet erklärt hatte. Oder waren am plötzlichen Mooswachstum nicht vielleicht doch auch wieder Stoffeinträge verantwortlich, etwa die Stickstoffdusche aus Landwirtschaft und Verkehr, die am Humus zehrte? Grund genug also, das Rätsel mit der Kamera festzuhalten und dem Waldbesitzer zu versichern, man werde sich schlau machen bei den Experten der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA. Erst einmal solle er doch seinen Wald per Holzhieb ein bisschen durchlüften, so lautete meine Empfehlung zum Abschluss des Begangs.

Waldbauliches Desaster

Leider habe ich nicht Wort gehalten: das Rätsel blieb ungelöst. Denn in der Folge hatten andere Waldthemen die Oberhand gewonnen: Borkenkäfer- und Dürreschäden (selbst an der vermeintlich klimaharten Weißtanne) und Waldbrände bislang unbekannten Ausmaßes, auch katastrophale Starkniederschläge und zu allem hin eine sich zunehmend verschärfende Diskussion um eine zeitgemäßere Prioritätenliste der vom Wald zu erbringenden Leistungen in den Zeiten des galoppierenden Klimawandels.

Da meldete sich kürzlich unverhofft ein befreundeter Forstkollege i. R. aus dem mittleren Schwarzwald, der berichtete, die Elztäler Tannenjugend leide unter zunehmendem Moosbewuchs. Da müsse doch wohl die Wissenschaft alarmiert werden, um die Ursachen des spektakulären Vorgangs zu erforschen und nach Abhilfemaßnahmen zu fahnden. Für mich Grund genug jedenfalls, mich des Baiersbronner Waldbesuchs zu erinnern und mich eilends im heimischen Wald auf der Baar umzusehen. Am besten ja wohl da, wo in jüngerer Zeit keine forstwirtschaftlichen Eingriffe mehr erfolgt waren: im tannenreichen Bannwald „Haldenwald“ östlich der A 81 auf Gemarkung Tuningen. Hatte sich auch auf den nährstoffreichen Tonlehmstandorten des Braunjuras etwas verändert, wo das Waldwachstum Höchstleistungen zu erbringen verspricht? Und siehe da, auch hier ist in den Dickungen die Zunahme des Moosbewuchses nicht zu übersehen. Könnte es sein, dass das durch die Trockenheit stark gedrosselte Wachstum der zurückliegenden Jahre den Moosbehang der Zweige gefördert hat, nicht anders als massierter Flechtenbewuchs am absterbenden Holz? Derweil zeigen sich die 200jährigen Alttannen in einem Ausmaß vom Tannenborkenkäfer befallen, wie es die Forstentomologen wohl noch kaum jemals beschrieben haben. Denn selbst den Tannen, den Tiefwurzlern unter den Nadelbäumen, dürfte es nach den Jahren der Trockenheit nicht mehr gelungen sein, Wasser aus den steinhart verbackenen Braunjura- Tonlehmen in die Kronen hoch zu pumpen.

Moosiger Bannwald

Bannwälder haben vorrangig der Forschung zu dienen, und so finden sich unterdessen auch im Haldenwald allerlei Markierungen von Beobachtungs- und Kontrollpunkten. Wenn überhaupt irgendwo, so müssten sich aktuelle Veränderungen der Vegetation und des Baumwachstums in den Waldschutzgebieten des Landes bemerkbar machen und dokumentiert werden. Ob da demnächst wohl auch was an die nichtforstliche Öffentlichkeit dringen wird?

Milane

Liebe Bürgerpostleser,

eine ganz einfache Frage, was ist auf dem Bild unten zu sehen? Ich hatte dieses Bild auch im Status und nur wenige gaben die richtige Antwort. Ich habe so etwas auch noch nie gesehen, wußte aber sofort, was es ist. Ich sah nämlich kurz vor den Besitzer dieses Gebildes, eine Weinbergschnecke, die über den Winter ihr Haus damit verschlossen hat. Was mir auch neu war, dass unterhalb des Kalkdeckels ein Schleimdichtungsfolie von der Schnecke geschaffen wurde, vielleicht damit es nicht hineinzieht. Der „Schneckenhammer“, finden Sie sicher auch.

Epiphragma einer Weinbergschnecke*

Das nächste Bild hat mich fasziniert, weil ich noch nie soviele Milane auf ein Bild bekam. Es war Ostermontag, ich war auf Friehofsbesuch in Kommingen und sah diese „Milanwolke“ an der Südseite des Komminger Hausberges „Worberg“. Dort richtete ein Landwirt seinen Acker für die Frühjahrsaussaat her. Die Milane vermuteten dabei natürlich, dass sie etwas Essbares finden würden. Ich fuhr schnell dorthin und dabei gelang mir dieses Bild. Sage und schreibe 20 Milane, meistens rote, vielleicht ein paar schwarze konnte ich zählen. Zählen Sie nach, ich denke Sie finden sie. Eine Beobachterin des Bildes meinte, es seien vielleicht Bussarde, aber eine Kontrolle ergab, dass es Milane waren. Auf dem Ausschnitt sieht man deutlich, was Sache ist. 

Für mich war das ein schönes besonderes Erlebnis.

Herzliche Grüße
Franz Maus


*P.S. von Hannah:
Wer sich für unsere Schnecken interessiert kann hier gucken:

Eichengerbsäure

Liebe Bürgerpostleser, 

Ingo Kirchhoff aus Wietzen hat dieses Mal wieder eine Geschichte erlebt, um die es heute geht. Thema ist, „wenn ich das gewußt hätte, dann wäre das nicht passiert“. Ich denke, das geht uns allen immer mal wieder so. Auch der Spruch passt, „im Nachhinein ist man immer schlauer“. Nun, was ist passiert? Ingo hat am Wochenende einen übervollen Anhänger mit gespaltenem Eichen- und Buchenholz  im Freien stehen lassen, so nach dem Motto, was nass wird, wird auch wieder trocken. Man muss sagen, er hat sauber gearbeitet. Eine Woche stand der Kipper auf seinem schön gepflasterten Hof und ausgerechnet in dieser Woche regnete es nicht nur, sondern es schneite auch, wenn man genau hinschaut auf dem Bild oben, sieht man die „Schneemengen“. Und jetzt kommt es, Regen und Schneeschmelze haben die Gerbsäure aus dem Eichenholz ausgewaschen und den Kipper und einige Pflastersteine versaut. Am eindrucksvollsten sieht man es auf dem letzten Bild, mit den richtig blau-schwarzen Holzscheiter. Nicht einmal ein Kärcher schaffte die Säuberung von den betroffenen Teilen, wer hätte das gedacht? Ingo schreibt, er hätte eine „Megakrawatte“. Ich denke, wir würden sagen einen „dicken Hals“.


Reinhold Mayer, mein Ansprechpartner in jeglichen Holzfragen, hatte sofort die Erklärung parat: „Grundsätzlich dürfte die Reaktion darauf beruhen, dass sich Gerbstoffe mit eisen-(II)-haltigen Verbindungen durch Oxidation zu blau-schwarzen unlöslichen Eisen-(III)-Salzen umsetzen. Deshalb dürfen gerbstoffhaltige Holzoberflächen (z.B. Eiche, Kastanie etc.) nicht mit eisenhaltigen Stoffen in Verbindung kommen. Entscheidend ist dabei das Vorhandensein von Wasser / Feuchtigkeit. Dass tauender Schnee vielleicht zu einer intensiveren Reaktion führt, kann sein“.

Also Ingo, ich glaube, den meisten von uns wäre es gegangen wie Dir, mir auf jeden Fall. Vielen Dank Dir für die lehrreiche Geschichte und die Bilder.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Froschlaich

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist wieder eine Geschichte. Aber lesen und sehen Sie selbst. 

Meine Nichte Nadine Scherer aus Hondingen schickte mir das erste Bild und fragte mich, was das auf ihren Pflastersteinen sein könnte.

Ich vermutete Laich. Aber was sucht der an der Stelle? Weiter sagte sie mir: „Es liegen noch mehrere solcher Klumpen auf Pflastersteinen herum und einer sogar auf dem Terassentisch, was soll ich damit machen“?

Klar, was macht man mit Laich? Ins Wasser verfrachten ist die richtige Nothilfemaßahme.

Jetzt ist die Frage, was könnte da passiert sein, wieso liegen etwa fünf Teillaiche herum? Ich brauchte Rat und fragte Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt. Er vermutet, dass ein Greifvogel, am wahrscheinlichsten ein Roter Milan, die laichbereite Grasfroschdame – die Zuordnung konnte er anhand des Laiches machen – packte und diese dann ihren Laich portionsweise verlor unter anderem auch auf dem unbedachten Terassentisch. Ist das nicht eine Hammergeschichte? 

Wie ist das weitere Vorgehen? Die Frage, ob die Embryonen noch leben, wird sich mit der Zeit herausstellen, ob Kaulquappen entstehen. Wenn sie entstehen, dann wird es Zeit, dass Sie in ein Gewässer umgesiedelt werden, damit Sie fressen können und genügend Sauerstoff bekommen. 

Vielen Dank Nadine für die Ermöglichung dieser interessante Geschichte.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Katze und Vogelhaus

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist mein zweites Vogelhaus an unserem Kirschenbaum im Garten. Am 10. März war es stark besucht von Erlenzeisigen, auch auf dem Boden. Ich zählte rekordverdächtige 21 Vögel. Ein paar Tage vorher war ich völlig von den Socken, stellen Sie sich vor, unsere schwarze Gastkatze hockte im Vogelhaus. Ja, wie ist die denn da hineingekommen? Ich vermute mit einem Sprung aus dem Stand. Bild drei zeigt sie kurz nachdem sie das Futterhaus verlassen hat. Ich glaube nicht, dass das Unterfangen von Erfolg gekrönt war. Denn ich habe sie seither nicht mehr im Vogelhaus gesehen. Man sieht sie aber am Boden auf der Lauer und ich denke, dass sie schon den einen oder anderen Piepmatz erwischt und verzehrt hat. Sicherlich hängt das Vogelhaus etwas tief, das werde ich nachbessern.

Wer von Ihnen auch schon Katzen im Vogelhaus erlebt hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich bin gespannt auf die Mitteilungen und sage schon Dankeschön.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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