wir waren zwei Wochen in Südschweden. Es war wunderschön, wir haben einen Elch, See- und Fischadler, Kraniche und Stern- oder Prachttaucher gesehen. Am spannendsten war aber diese Geschichte, die wir um unser Ferienhaus beobachten konnten. Anfangs dachte ich, Mensch, was sind denn das für Erdhäufchen mit einem Loch in der Mitte. Und es gab eine ganze Menge davon.
Dann entdeckte ich gelbschwarze Wesen, die da ein und ausgingen und mit der Zeit stellte ich fest, dass sie andere Insekten erbeuteten und sie ratz fatz in die Öffnung hineinzogen. Ahnen Sie schon, was da abging? Es ist so, dass die erwachsenen Tiere sich ganz normal sozusagen von Blütennektar und Pollen ernähren. Im Gegensatz dazu werden die Larven von den Weibchen je nach Art mit Insekten, Insektenlarven oder Spinnen versorgt.
Dabei lähmen die Weibchen ihre Beutetiere mit einem Stich, sie werden als Wirt oder Futtervorrat für die Larven in selbst gegrabene Hohlräume getragen und mit je einem Ei belegt. Kann man nachvollziehen, dass diese Insekten „Grabwespen“ genannt werden? Ich glaube ja.
Wundern Sie sich auch, dass diese Grabwespen solche Gräber erstellen können? Die Grabwespen haben kräftige Kiefer, die durch stark entwickelte Oberkiefer zum Graben geeignet sind. Übrigens leben sie als Einzelwesen.
Spannend ist die Frage, ob und was das Insekt unten mit der Geschichte zu tun hat. Ich habe es aufgenommen in der Nähe der Grabwespenanlagen. Vielleicht erahnen Sie es, was jetzt kommt, ist ein Oberhammer. Diese Tiere leben parasitisch von verschiedensten Stechimmen, unter anderem auch von den Grabwespen. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln in die Nester der Grabwespen. Die Larve frisst als erstes das Ei oder die schon geschlüpfte Larve der Grabwespe und danach deren Nahrungsvorräte. Anschließend verpuppt sie sich im fremden Nest. Da muss man doch tief durchatmen.
Der Name dieser Brutschmarotzerart heißt sehr harmlos „Gemeine Goldwespe“, gut, „gemein“ passt ja doch zu dem ganzen Geschehen.
der Sonntag, der 10. September 2023 hatte es in sich, meine ich zumindest. Denn es tummelten sich unzählige kleine Mücken in der Luft ständig in einer auf und ab Bewegung. Ich sah, dass sich zwei Spinnennetze im Vorgarten mit ihnen füllten. Die Fäden sind klebrig, so dass es für die kleinen Mücken kein Entrinnen gab. Leider klappte das Scharfstellen mit der Händikamera nicht. Na ja, so etwas gibt es eben.
Aber am Tag darauf entdeckte ich an der Hecke zu unseren Nachbarn die grandiosen Bilder oben: Ein Spinnennetz, das unter der Last der Riesenmenge an den kleinen Mücken zusamengekracht ist. Wie ein Rosenkranz hängt das Restnetz mit den Mücken an der Hecke. Sind Sie auch so verblüfft wie ich? Haben Sie so etwas schon gesehen? Dass ein Spinnennetz wegen Überlastung an Beutetieren zusammenkracht?
Ich jedenfalls habe das bisher noch nicht gesehen. Abends dann zeigte sich die Spinne, ein herrliches Weibchen der Kreuzspinne, und machte sich über das reichhaltiges Angebot her.
Heute Abend, den 12. September 2023 schaute ich wieder nach, weil ich dachte, sie wird sich über die zahlreichen weiteren Mückenleiber hermachen. Aber zu meiner Verblüffung sah ich, dass sie ein neues Netz gebaut hatte und demnach auf „Frischfleisch“ aus ist.
ich will heute mit einer leichten, aber recht amüsanten Kost nach der langen Pause beginnen. Das Foto unten stammt von 28. Dezember 2022. Ich konnte mir damals keinen Reim darauf machen, was das Weiße im Maul des Eichhörnchens sein könnte.
Ein Schneeball oder eine Tennisball vielleicht? Schneeball ist gut, vor allen, weil kein Schnee lag. Naja, acht Monate und ein Tag später, am 29. August 2023 konnte der Fall geklärt werden. Denn unser Sohn Michael machte die beiden anderen Bilder und herrliche Videos. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, Eichhörnchen nutzen die weiße Füllung des ausrangierten Sessels, um damit ihren Kobel komfortabel zu gestalten.
„Nicht schlecht Herr Specht“, beziehungsweise passender „Eichhörnchen total clever“. Ich hätte ihnen das nicht zugetraut. Bei Vögeln, Meisen vor allem, habe ich es schon beobachtet.
Haben Sie schön Ähnliches erlebt? Ich würde mich sehr über eine Rückmeldung freuen.
Wie schafft das bloß jemand: mit knapp 90 Jahren noch einen Roman über Jagd und Wald zu schreiben und das ebenso sachkundig wie einfühlsam, aktuell wie spannend bis zur letzten Seite? Kerstin Ekman, der „Grande Dame der schwedischen Literatur“, ist das mit Wolfslichter glänzend gelungen. Der Umgang mit dem Wald, die Jagd und dabei speziell das Verhältnis zu den großen Beutegreifern waren spätestens seit ihrem 2008 erschienenen Roman Der Wald – eine literarische Wanderung zu ihrem Lebensthema geworden. „Ich habe die Wolfskralle im Herzen“, verriet sie dort schon im Vorwort – und rechnete mit der schwedischen Kahlschlagswirtschaft und den Monokulturen ab. Anfangs bekannt geworden durch ihre Kriminalromane, hatte sie sich immer häufiger mit Wald- und Wildthemen befasst, wobei ihr zugute kam, dass sie selbst sowohl Waldbesitzerin ist als auch Elchjägerin und Schafhalterin war. Trotz (oder wegen?) ihrer scharfen Klinge wurde ihr 2007 von der Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala die forstwissenschaftliche Ehrendoktorwürde verliehen.
Diesmal ist Protagonist und Icherzähler der langjährige Jagdleiter und pensionierte „Forstfunktionär“ Ulf (deutsch: Wolf) Norrstig, der frühmorgens am Neujahrstag, dem Tag vor seinem 70. Geburtstag, sein Schlüsselerlebnis hat: die Begegnung mit einem stolzen, hochbeinigen Wolfsrüden; dieser Anblick wird ihn verfolgen und seine Einstellung zum Töten grundlegend verändern. Er beschließt, das Ehrenamt des Jagdleiters aufzugeben, zumal er dabei doch auch die Schafrisse des Wolfs zu untersuchen und Schadensersatzfragen zu begutachten hat – womit er sich Feinde schafft. Nachdem er bei der Elchjagd eine Herzattacke erleidet, wird er von seiner Frau Inga bewusstlos auf dem Speicher aufgefunden; dort liegt er inmitten verstaubter Trophäen und Präparate seines Vaters, in denen er fortan seinen „Wald des Todes“ sieht. Die schlechte körperliche Verfassung nach einer Herzoperation bringt ihn nun erst recht zum kritischen Überdenken seiner beruflichen und jagdlichen Vergangenheit. Noch immer geschwächt, wird er an die verkohlten Überreste seines alten grünen Wohnwagens geführt, der ihm als jagdlicher Unterstand gedient und von wo aus er seinerzeit den Wolf erblickt hatte. Die Polizei hat in der Brandstätte Wolfsknochen gefunden, und so müssen Ulf und Inga schließlich auch noch dabei helfen, den Brandstifter zu ermitteln und den Jagdfrevel aufzuklären.
Hass und Ablehnung der großen Beutegreifer, hierzulande derzeit sogar ein Wahlkampfthema, beherrschen auch in Schweden die Stimmungslage in der ländlichen Bevölkerung, lernt der Leser. Und das bei immer heißeren Sommern und brennenden Wäldern. Vor diesem Hintergrund hat Kerstin Ekman eine brandaktuelle Lanze für den Wolf gebrochen.
Kerstin Ekman: Wolfslichter. Roman Piper-Verlag München 2023 22,– Euro
am Samstag, den 5. August erhielt ich von Christiane Willmann vom Lohrenhof in T.-N.-Schwärzenbach ein Bild mit der Anfrage, was das ist. Ich war hellbegeistert, denn so etwas sieht man nicht alle Tage. Sie hatte es aus einem Status kopiert und nachdem der Fotograf Stefan Fehrenbach, Grosshof ebenfalls in T.-N.-Schwärzenbach einverstanden war, es zu verwenden, stellte ich es in meinen Status mit der Frage, was das sein könnte. Ein sich als „Holzwurm“ bezeichnender Waldbesitzer wusste zielsicher die Antwort. Interessant war, dass einige das Insekt als asiatische Hornisse bezeichneten, was aber eine Fehlaussage ist. Schauen Sie auf der Abbildung und es ist sofort klar, dass unser Exemplar etwas anderes ist.
Die Abbildung zeigt die Unterschiede zu unserer heimischen Hornisse. Wenn Sie eine asiatische Hornisse sehen, melden Sie es über die Internetplattform der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Weil die asiatische Hornisse ein ausgesprochener Bienenschädling ist, werden deren Nester vernichtet.
Nun aber zurück zum Bild oben. Es ist die Riesenholzwespe, die mit bis zu 4 cm Länge die größte der vier bei uns vorkommenden Holzwespenarten ist. Alle vier stechen nicht, weil es keine Wespenarten sind, sondern weil sie zu den Hautflüglern gehören. Was man auch sagen kann, dass es eindeutig ein Weibchen ist. Woran sieht man das? Am dunklen Legebohrer unterhalb des gelben Schwanzfortsatzes. Damit bohren sie Löcher in absterbende Nadelbäume oder auf gelagertes Holz und legen ihre befruchteten Eier ab. Es dauert zwei bis vier Jahre und noch länger, bis die erwachsenen Holzwespen den Stamm verlassen. Da die Larven sehr groß werden, sind die Bohrlöcher entsprechend und das Holz ist wertlos. Wenn es dumm läuft, kann es sogar sein, dass sie sich im verbauten Holz Jahre nach dem Einbau durch die Decke fressen.
Fichtenholzwespe Foto von Tobias Dold, Schonach.
Wieso zeige ich die Riesenschlupfwespe unten?
Weil sie häufig die Larven der Holzwespen parasitiert. Ich finde das einen gigantischen Vorgang. Denn anhand der Fraßgeräusche der Holzwespenlarven stellt die Riesenschlupfwespe fest, wo sie sich im Holz befinden. Diese bohrt sie an, betäubt sie, damit sie nicht verschwinden können und legt ein Ei ab. Das entwickelt sich mit Hilfe der Larvennährstoffe zur nächsten Riesenschlupfwespengeneration.
Was die Natur alles zu bieten hat, ist immer wieder sehr beeindruckend.
Mitten in die einzigartige Kulturlandschaft auf Rügen soll jetzt ein LNG-Terminal gebaut werden. Es wäre vielleicht ganz sinnvoll gewesen, sich mit dem Erbgut dieser Insel zu befassen, bevor man sie der Industrialisierung opfert. (Renate Meinhof: „Ein Rohr durchs Paradies“, Süddeutsche Zeitung v. 21. Juli 2023)
Nein, die Autorin ist nicht etwa verwandt mit der Terroristin Ulrike M., und sie gilt wohl auch nicht als sonderlich subversiv; doch um heutzutage über die Folgen der Energiewende eine so bittere Bilanz in einer ganzseitigen Reportage auf Seite Drei einer Tageszeitung zu verbreiten, muss sie als Journalistin wohl viel Renommee haben in der Redaktion – und sich als gebürtige Insulanerin auch besonders betroffen fühlen. Was sie über den bereits beschlossenen LNG-Terminal auf Rügen recherchiert hat, ist wahrhaft erschütternd:
Caspar David Friedrichs bekanntestes Motiv
Der energiepolitische „Sachzwang“ schmerzt heftig, mit dem die Opferung einer einzigartigen Vorzeigelandschaft für Kultur, Natur und Tourismus begründet wird. Befinden wir uns hier doch in Caspar David Friedrichs „Wohnzimmer“, am Rande des Jasmund Nationalparks mit seiner Stubbenkammer (deren Buchenwald UNESCO-Weltnaturerbe ist!) sowie auf der Strandpromenade des noblen Kur- und Badeorts Binz. Kurzum: es handelt sich um ein gegen alle Widerstände der Einheimischen bis hin zur Ministerpräsidentin kurz vor der Sommerpause vom Bundestag noch durchgewunkenes Großprojekt, das vom Bundeskanzler zur Chefsache erklärt worden ist. Ein neues „Deutschlandtempo“ gelte es dabei einzuhalten, ein Bautempo, wie es von den Machern der vom Lieferstopp russischen Erdgases und vom Klimawandel erzwungenen Transformation bislang sonst allenthalben vergebens angestrebt wird – trotz aller Beschleunigungsvorsätze der Behörden.
Der SZ-Bericht schließt mit den Worten eines ganz und gar desillusionierten Hans Dieter Knapp, seines Zeichens langjähriger Leiter der Außenstelle des Bundesamts für Naturschutz mit Sitz auf der kleinen Nachbarinsel Rügens, der „Malerinsel“ Vilm, wo sich seit Deutschlands Wiedervereinigung jahraus jahrein professionelle und ehrenamtliche Naturschützer ihr Stelldichein geben, um kluge Ideen auszutauschen: „Der Irrsinn nimmt scheinbar seinen Lauf.“
Carl Gustav Carus: Eichen auf der Malerinsel Vilm
Dabei ist das Rügener LNG-Projekt zwar sicherlich ein besonders krasses Beispiel. Und doch droht es, symptomatisch zu werden auch für andere „beschleunigte“ Ausbauvorhaben in unserer an noch halbwegs intakten Wohlfühllandschaften schon so armen Republik – man denke an die Überstellung von Wald und Flur mit monströsesten Windenergieanlagen, mit Solarfeldern und Leitungstrassen. Der Landschaftsschutz, für den schon vor 150 Jahren Verschönerungsvereine, sodann die Naturschutzverbände auf die Barrikaden gestiegen sind (und der mittlerweile sogar im Grundgesetzartikel 21 a verankert ist) scheint endgültig auf die Verliererstraße zu geraten. Und wer sich noch immer gegen die Inanspruchnahme der letzten leidlich ungestörten, reizvollen Landschaften zu wehren wagt, wird prompt als AfD-Sympathisant verdächtigt.
Von Carl Gustav Carus (1789 – 1869), dem Arzt und Malerfreund von Caspar David Friedrich, ist über seine künstlerisch so produktiven Rügen-Aufenthalte das zeitlose Bekenntnis überliefert „…ich habe kaum jemals wieder dies Gefühl so reinen, schönen und einsamen Naturerlebnisses gehabt…“. Soll hier nicht auch Johannes Brahms vom Natur- und Landschaftserlebnis mächtig inspiriert worden sein? Doch egal, auch wenn sich auf dem Königsstuhl heute Touristenherden drängeln, angesichts des Terminals und der mit Flüssiggas beladenen Tankschiffe vor den Kreidefelsen und vor dem Binzer Strand wird man die Landschaft künftig anders, jedenfalls weit weniger einzigartig akzeptieren müssen.
Es sei denn, die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht, die vom Ostseebad aus Sorge um die Zukunft von Tourismus und Umwelt angestrengt wird, hätte schließlich doch noch Erfolg. Oder sollte gar die Strafanzeige gegen die Betreiberfirma „wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Geldwäsche“ womöglich noch die Wende bringen? Tempo ist allemal angesagt.
Dem Wasserhaushalt kommt eine Schlüsselfunktion bei der Anpassung von Wäldern an zunehmende Trocken- und Hitzereignisse zu. Bei allen waldbaulichen Eingriffen ist daher besonderes Augenmerk auf die Bewahrung bzw. Verbesserung des Waldbinnenklimas und des Bodenwasserangebots zu legen, um Temperaturextreme abzupuffern und die Konkurrenz um Wasser abzumildern. (Wälder im Klimawandel: Steigerung von Anpassungsfähigkeit und Resilienz durch mehr Vielfalt und Heterogenität. Ein Positionspapier des BfN, Bonn 2019.)
Alle Welt stöhnt im Juli 2023 unter neuen Hitzerekorden. Kaum weniger hitzig ging es derweil im Straßburger EU-Parlament zu bei der Abstimmung über das Renaturierungsgesetz. Denn die größte Fraktion, die konservative EVP, hatte sich vor den Karren der Bauernverbände spannen lassen und gegen den Green Deal von EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen gestimmt. So gab es denn nur eine hauchdünne Mehrheit für das Gesetz, dessen endgültige Fassung von den Vertretern der EU-Staaten und des Parlaments freilich erst noch vollends ausgehandelt werden muss. Um den Kollaps der Ökosysteme zu verhindern und den Artenschwund aufzuhalten, sieht es bis 2030 Renaturierungsmaßnahmen vor auf mindestens 20 Prozent der EU-Flächen und Meeresgebiete. Im Fokus stehen dabei vor allem Moore und Wälder, die als wirksame CO2-Speicher nur in möglichst intaktem Zustand taugen: die Moore wassergesättigt, Wälder bei möglichst stabiler Dauerbestockung – andernfalls gehören sie eher zu den Emittenten.
Die allermeisten Moore sind freilich längst entwässert und in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt: nicht zuletzt deshalb auch der erbitterte Widerstand der Agrarlobby. Doch nicht viel besser erging es Mooren in den Wäldern, wo sie schon seit über zwei Jahrhunderten mittels umfangreichen Grabensystemen drainiert und „melioriert“ worden sind. Speziell die abflussträgen Lagen des Buntsandstein-Schwarzwalds waren einst durchsetzt mit „Mösern“ und „Missen“, deren Entwässerung zum Pflichtprogramm ordnungsgemäßer Forstwirtschaft gehörte, ja, bisweilen noch immer dazu gehört.
Beispielhaft sei aus der Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Forstwirtschaft von E. Wohlfahrt1 zitiert: Die Gräben wurden nach Tiefe und Breite unterschieden in Hauptgräben 1. und 2. Ordnung und in Seitengräben der 1. und 2. Ordnung. Allein im F. A. Friedenweiler wurden mehr als 90 km Gräben neu angelegt und ca. 80 km unterhalten. Nachdem die Grabenziehung beendet war, bemühte man sich, diese Gräben offenzuhalten und neue Gräben lediglich zur Ergänzung des Grabensystems anzulegen. Die Wirkung der Grabenziehung sei, so berichtet Wohlfahrt, noch verstärkt worden durch die einsetzende Anlage von befestigten Wegen und unbefestigten, aber ebenfalls mit Seitengräben versehenen Schneisen. Es ist kein Geheimnis, dass diese Grabensysteme aus dem 19. Jahrhundert im F.F. Großprivatwald auch nach der Jahrtausendwende noch mit Baggerhilfe weiter unterhalten wurden. Weder Naturschutzbehörden noch Wasserwirtschaftsämter wagten hiergegen einzuschreiten, wo von den Gräben wenn schon nicht die letzten Auerhühner, so doch Libellen und Amphibien profitierten.
Foto: B. Scherer
Im benachbarten Villinger Stadtwald beschreibt U. Rodenwaldt2 die im 19. Jahrhundert gängige Praxis nicht weniger plastisch: Im „Allgemeinen Kulturplan“ des Einrichtungswerkes 1837 wurde für die Zeit bis 1857 die Trockenlegung von 363 Morgen (etwa 120 ha) vorgesehen. Bis 1848 waren bereits 9000 Ruthen (27 000 m) Entwässerungsgräben angelegt worden. Für das nächste Jahrzehnt wurden weitere 3700 Ruthen vorgesehen. 1857 heißt es dann: Ungleich mehr ist für die Trockenlegung geschehen und wurden anstatt der vorgesehenen 3700 Ruthen Gräben 10 320 Ruthen (= 30 000 m) Abzugsgräben angelegt. Die Entwässerung wird daher in nächster Zeit als beendet angesehen werden können.
Doch auch noch im Zuge der Wiederaufforstungen der Franzosen-Kahlhiebsflächen in den Nachkriegsjahren habe man die Erfahrung machen müssen, dass die Kulturen erst nach Anlage neuer Gräben gelungen seien. Weshalb in der Liste der Empfehlungen Rodenwaldts für die künftige Kulturtätigkeit die „Öffnung der alten Gräben“ noch an oberster Stelle rangiert.
Im Hintervillinger Raum, dem Bereich des (2005 aufgelösten) staatlichen Forstamtes, waren die Gräben schon länger nicht mehr offengehalten worden. In den 1980er Jahren begann man im Staatswald da und dort, sie mit Baggerhilfe zu verschließen und zu Tümpeln umzugestalten, um so der Amphibienwelt zu helfen. Wo sie im Nahbereich von jagdlichen Einrichtungen entstanden waren, sorgten sie bei Morgen- und Abendansitzen zunehmend für Kurzweil, denn hier war immer etwas los – hier entstand neues Leben im Ökosystem Wald.
In den 1990er Jahren, nach Waldsterben und den ersten großen Orkanschäden, wurde nicht nur die naturnahe Forstwirtschaft propagiert und im öffentlichen Wald vorgeschrieben. Auch die Umweltverbände begannen, sich stärker für den Wald zu interessieren und zu engagieren. Der NABU erfand die Naturwaldgemeinde, in welcher der Waldökologie ein besonders hoher Stellenwert beigemessen werden soll, bis hin zur Entlassung von fünf Prozent der Waldfläche aus der Bewirtschaftung. Königsfeld, das mit seinem kurortsnahen Doniswald schon immer ein besonders enges Verhältnis zum Wald gepflegt hatte, wurde 1997 bundesweit erste Naturwaldgemeinde, Mönchweiler und Bad Dürrheim folgten alsbald nach, jeweils unterstützt durch das Forstamt und seine für die Gemeinden zuständigen Forstrevierleiter.
Das NABU-Etikett Naturwaldgemeinde scheint sich bei den drei Gemeindegremien seither einiger Wertschätzung zu erfreuen, auch wenn es in Baden-Württemberg (bei insgesamt nur neun Naturwaldgemeinden) ansonsten bisher keine Erfolgsnummer geworden ist. In Königsfeld feierte man im Juli vergangenen Jahres mit einem Festakt und Exkursionen den 25. Geburtstag. Dank naturnahen Waldbaus und erfolgreichen Wirtschaftens konnte dabei, trotz mancher Schadereignisse, auf eine noch immer vergleichsweise erfreuliche Verfassung des Gemeindewalds verwiesen werden. Noch bemerkenswerter war für die Exkursionsteilnehmer freilich, was sich (nicht zuletzt auf Initiative des im Naturschutz besonders engagierten Revierleiters) inzwischen auf den abzugsträgen Buntsandstein-Waldstandorten getan hat: Durch Verschluss der alten Drainagegräben mit Baggerhilfe wurde eine Vielzahl von Kleingewässern geschaffen, von denen nicht nur Amphibien profitieren, sondern der Wasserhaushalt insgesamt – im Klimawandel zweifellos die entscheidende Voraussetzung für die Widerstandskraft des Waldes. Auch Torfmoos findet sich nun wieder ein und beginnt mit neuerlicher Moorbildung. Der Aufwand für die Baggereinsätze hatten sich im Königsfelder Waldhaushalt als verschmerzbar erwiesen, schließlich war vom Landratsamt an der Peripherie der Gemeinde, am Brogen oben, ein Windrad genehmigt worden mit der Auflage einer Ausgleichszahlung, die in den Wald fließen durfte. Der Aufstau in den alten Drainagegräben – eine späte Wiedergutmachung!
Egal, was das Renaturierungsgesetz noch bringen mag für die Waldwirtschaft, im Königsfelder Gemeindewald haben sie den Green Deal der EU-Ratspräsidentin vorausschauend bereits vollzogen.
1 Wohlfahrt, E.: Geschichte der Fürstlich Fürstenbergischen Forstwirtschaft. Stuttgart und Donaueschingen 1983.
2 Rodenwaldt, U.: Der Villinger Stadtwald. Villingen 1962.
an kaum einem Beitrag habe ich so lange herum gedoktert, wie an diesem. Das Bild oben vom Feldahorn stammt schon vom 19. Juli 2020 und Bild unten vom 21. Juli 2020.
Bergahorn
Die anderen sind vor kurzem aufgenommen worden. Was ich feststellte, dass im Hochsommer bei manchen Arten die neuen Blätter nicht wie gewöhnlich grün sind, sondern rot oder gelb verfärbt. Man hat das Gefühl, die herbstliche Laubverfärbung würde einsetzen. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen?
Japanische Quitte
Walnuß
Storchschnabel
Haselnuß
Wieso verfärben sich da die jungen Blätter? Ich fand im Internet vom Nabu folgendes:
„Dummerweise haben Blätter keine Sonnencreme wie wir Menschen. Aber der rote Farbstoff schützt sie ganz gut vor einer hohen Sonneneinstrahlung. Deshalb stellen die jungen Blätter am Anfang sehr viel von dem Farbstoff her und wirken dadurch rot. Für die rote Farbe der Blätter sind die Anthocyane verantwortlich, Farbstoffe, die auch Brombeeren und Rotwein ihre Farbe verleihen.“ Also ist die Hitzeeinwirkung der Auslöser.
Das ist doch der Hammer, finde ich. Für die Stoffproduktion über die Photosynthese ist aber das Blattgrün notwendig mit dem Stickstoffatom im Zentrum. Heißt das, dass die roten Blätter keine Photosynthese betreiben? Doch, die rote Farbe überdeckt nur das Grüne. So können auch Rotbuchen ebenfalls die existentielle Photosynthese betreiben, wie die normalen Buchen auch. Das ist doch toll, finden Sie nicht auch? Das Bild unten zeigt sehr schöne Rotbuchenexemplare in Donaueschingen. Passend zur roten Kappe des Denkmals.
Ich bin froh, dass ich den Beitrag endlich gepackt habe, ein Grund war, dass es mir erst jetzt in der Pension richtig klar wurde.
Ausgangsbild stellt die Situation dar einen Tag nach dem kurzen, aber gewaltigen Gewittersturm am 21. Juni 2023. Lauter Marienkäferlarven, die vom stark verlausten Kirschbaum an die Hauswand geweht wurden. Das habe ich noch nie gesehen. Dann war die Frage, was wird aus denen?
Die Bilder oben liefern die Antworten. Sie verpuppen sich, kleben sich fest und verwandeln sich nach etwa sieben Tagen zu einem frischen Marienkäfer. Ein richtiger Naturhammer finden Sie nicht auch? Auf dem Bild links sieht man eine Larve, die scheinbar mit einer Puppe kommuniziert, und beim Bild rechts war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz, ein frisch geschlüpfter Marienkäfer mit seinem Puppenkorsett konnte ich ablichten. Die schwarzen Punkte sind schon angedeutet, können Sie sie erahnen? Ich war richtig froh, denn diese Puppengeschichte war mir bisher noch nicht ganz klar. In der Puppenphase wird nur verwandelt und nix gefressen. Was Larven und Käfer fressen wissen Sie, Blattläuse und nochmals Blattläuse. Und weil es dieses Jahr viele gibt, sehen wir auch sehr viele Marienkäfer.
Übrigens, in Deutschland gibt es laut Wikipedia etwa 70 Marienkäferarten.
Vierpunktmarienkäfer
Eier des Marienkäfers
Wenns gut läuft, werden aus den Eiern in vier Wochen Marienkäfer. Beachtlich, finde ich das.
Es freut mich richtig, dass es mir dieses Jahr gelungen ist, die ganze Entwicklung des Marienkäfers bildlich festzuhalten.
am 29. Juni radelte ich zur Sperbelhalde. Waren Sie in der Zwischenzeit auch schon einmal dort? Es ist jederzeit interessant. Schachbrettfalter, Liliengras, Stendel- und Mückenhändelwurze sind gerade die Klassiker.
Ich zeige Ihnen aber etwas anderes, einen Jungvogel, der keinen Mucks von sich gab und sich nicht regte, während ich ihn von allen Seiten fotografieren konnte. Ich wäre auch fast an ihm vorbeigelaufen, aber er hat sich mir verraten. Die meisten von Ihnen wären vermutlich weitergelaufen, mein Interesse war jedoch geweckt. Ich weiß, dass diese Vögel in diesem Gebiet zu Hause sind und Wacholderheidebüsche mögen. So habe ich ihren Kotplatz am 29. Mai fotografieren können, was mich überrascht hat. Aber jetzt geht’s um die Frage, zu welcher Vogelart der Junge gehört. Diese Frage hatte ich auch im Whatsappstatus. Als Antwort kam dort Kuckuck, Zaunkönig und die Lösung, ein Neuntöterjunge.
Wären Sie darauf gekommen? Junge Vögel sehen halt doch ganz anders aus als die Altvögel. Beeindruckend ist die Strategie, keinen Laut von sich zu geben und vollkommen ruhig zu verharren. Doch bei Franz Maus hat es nicht funktioniert, aber der ist ja auch keiner, der ihm etwas Böses antun will. Die Eltern habe ich nach diesem Erlebnis auch noch sehen dürfen. Vielleicht wissen Sie es noch, ich habe schon einmal einen Beitrag über den Neuntöter geschrieben, so dass ich nur sagen will, dass er erst im dritten Maidrittel ankommt und Anfang August wieder nach Süden zieht. Also wer ihn beobachten will, hat nicht mehr viel Zeit. Er spießt seine Beute als Vorrat gerne auf Dornen auf, daher sein Name.