Spätblüher

Liebe Bürgerpostleser, 

der Spätherbst 2022 hat es in sich, ich denke, das erleben Sie auch so. Viele Blumen blühen nach wie vor, aber auch einige Sträucher. Dies habe ich in der Vergangenheit auf jeden Fall nicht wahrgenommen, vielleicht gab es das auch nicht. Bild unten zeigt einen Weißdornast mit Blüten in verschiedenen Stadien und mit einer roten Beere von der „Erstblüte“. Die Aufnahme bekam ich von Adeline Stadtmüller aus Kraichtal-Neuenbürg und fotografiert wurde am 20. Oktober 2022. 

Weißdorn am 20. Oktober 2022 in Kraichtal-Neuenbürg

Nachdem ich in unserer Straßenecke im Oktober Blütenknospen vom Hartriegel beobachten konnte, dachte ich, zur Blüte wird es wohl nicht mehr reichen. Dann sind wir am 6. November 2022 um den Kofenweiher spaziert und was sahen wir dort? Viele Blütenstände vom Hartriegel mit 50 Prozent geöffneten Blüten. Einfach sehr erstaunlich. Die Blätter sind auch so herrlich grün, wie wenn nicht der 6. November wäre. 

Hartriegel am 6. November 2022 beim Kofenweiher

Das nächste Bild zeigt offene Blüten und Blütenkospen vom Wolligen Schneeball auch an der Breg bei Kofenweiher. Das hat mich wirklich überrascht. Man sieht auch schön die Staubbeutel, eben grad so, wie wenn es dem Frühjahr entgegengeht. 

Wolliger Schneeball am 6. November 2022 beim Kofenweiher

Dass alles ein jähes Ende nehmen kann, sieht man auf dem letzten Bild. Eine vereiste Hartriegelblüte, fotografiert auf dem Auenberg morgens am 19. November.

Hartriegelblüte auf dem Auenberg am 19. November 2022

Frostberegnung als Schutz der Obstblüten vor dem Erfrieren sieht auch so aus. 

Ich frage Sie nun etwas zu diesem Frostbild, aus welcher Richtung wird sich das Eis gebildet haben? Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.

Zu dem ganzen Thema passt die wissenschaftliche Erkenntnis, dass es in den letzten Jahrzehnten eine Verschiebung der Jahreszeiten weg vom Winter von sage und schreibe drei Wochen gegeben hat. Diesen Herbst kommt das sehr deutlich zu Tage. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Graswachstum

Liebe Bürgerpostleser, 

dieser Sommer und der Herbst waren etwas Eigenartiges. Der Sommer weniger, das sind wir ja fast gewöhnt. Aber der Spätsommer und der bisherige Herbst schon. Das Bild oben zeigt die Steppensituation, die in vielen Schwarzwaldteilen vorhanden war, hier im oberen Münstertal auf Gemarkung Breitnau in über 1.000 Höhenmeter am 4. August fotografiert. Man fragte sich wirklich, wovon sich die Hinterwälder ernähren, denn sie sahen richtig gut aus. Aber das sind echte Spezialisten, die mit wenig zustreich kommen. 

Am 18. und 19. August gab es auf der Baar gewaltige Niederschlagsmengen. Mir kam leider erst am 22 August die Idee, eine Zeitreihe zu erstellen, wie das Grünland sich entwickelt. Denn das erste Graslandbild von Hausen vor Wald Richtung Döggingen aufgenommen, stammt von dem Tag. Man sieht bereits, dass so langsam wieder Leben kommt. Vor dem Regen sah es deutlich brauner aus. Das nächste Bild ist drei Tage später aufgenommen  worden, sehen Sie die deutliche Wachstumsentwicklung? Am 5. September, nächstes Bild, sah es intensiv grün gefärbt aus. Das letzte Bild in der Reihe entstand am 13. September und der Landwirt konnte nicht nur einen, sondern noch zwei Schnitte abernten. Exakt 22 Tage liegen zwischen dem ersten und letzten Bild, sagenhaft diese Entwicklung. Spätsommer und Herbst sind ein zweiter Frühling, viele haben eine solche Entwicklung nicht mehr erwartet und manche spechen von einem Wunder. Denn die Futtersituation der Rinderhalter ist dadurch um Welten besser geworden, es stand zu befürchten, dass die Vorräte nicht über den Winter reichen. 

22. August 2022
25. August 2022
13. September
5. September 2022

Erkennen Sie den Heiligenschein des Fotografen? Das ist ein optisches Phänomen, das auch schon einmal Gegenstand eines Berichtes war. Es kommt zustande, weil das durch die Tautropfen reflektierte Sonnenlicht zu einer Lichtkonzentration im Gegenpunkt der Sonne führt. Sie erinnern sich sicher noch.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Denkanstoß am Waldeingang

Neuerdings zeichnen sich Fürstlich Fürstenbergische Wälder durch ein besonderes Erkennungsmerkmal aus: eine über mannshohe, an Holzpflöcken befestigte, orange gefärbte Acht. Aufgestellt wurde die Ziffer jeweils an beliebten Ausgangspunkten für Waldspaziergänge und Wanderungen, so etwa am Torhaus des Unterhölzers (s. Foto), des einstigen Wildparks. Ob der Waldbesucher allerdings auf Anhieb zu entschlüsseln vermag, was es auf sich hat mit der ominösen Zahl? Handelt es sich womöglich um das Projekt eines Land-Art-Künstlers oder gar um die leicht verfremdete Aufforderung des Waldeigentümers, Acht zu geben auf Wald und Wild, nicht zu lärmen oder sich sonst wie ungebührlich zu benehmen? Oder stehen wir vor der Station eines neuen Walderlebnisparcours?

Alles falsch: Das geschulte Auge erkennt natürlich sogleich den an der Gürtellinie der Acht angebrachten QR-Code, der Auskunft geben könnte, so wie unlängst ja auch schon der elektronische Corona-Impfnachweis. Doch leider soll es noch immer digital unterbelichtete Menschen geben, die App-frei durch den Wald flanieren, zumeist Besucher der älteren Generation, die noch immer kein Smartphone mit sich führen, sich dessen Anschaffung und Gebrauch sogar absichtlich versagen und sich stattdessen selbst im finstersten Terrain mit einem Handy älteren Baujahrs samt Notrufnummer begnügen. Jetzt freilich heißt es für sie zuwarten, bis sich endlich jemand ihrer erbarmt und darüber aufklärt, was es mit der Acht auf sich hat.

Doch prompt lässt sich diesmal Keiner blicken, weshalb die Auflösung des Rätsels verschoben werden muss bis zur Erörterung im Freundes- und Kollegenkreis, gar bei Google: Der Forstbetrieb Fürst Zu Fürstenberg GmbH & Co. KG, erfährt man, der im Südbadischen 18.000 Hektar (den zweitgrößten Privatwald unseres Bundeslandes) bewirtschaftet, weist mit der Acht auf nichts Geringeres hin als auf die Leistung des Waldes zur Eindämmung der Klimakrise. Mithin auf den Umstand, dass im Fürstlich Fürstenbergischen Wald pro Jahr und Hektar – unentgeltlich – 8 Tonnen klimaschädliches CO2 in Holzwachstum und Waldboden eingelagert werden – zumindest bis zur Holzernte und danach weiter in Dachstühlen und Möbeln! In alten, vorratsreichen und noch halbwegs intakten Naturwäldern mögen es jährlich sogar 10 Tonnen pro Hektar sein, doch der Waldeigentümer übt sich mit der 8 in Bescheidenheit: Wohl wissend, dass seinem von der Fichte, dem Brot- und Katastrophenbaum, dominierten Wald nicht das allerökologischste Image anhaftet, speziell auch der Holzerntepraxis mit tonnenschweren Harvester- und Forwardermaschinen auf überbreiten Maschinengassen in allzu engen 20-Meter-Abständen. Womit leicht einmal ein Fünftel bis ein Viertel der Holzbodenfläche fürs Baumwachstum, für Bodenorganismen und damit auch für den Klimaschutz verloren geht. Wie denn auch durch Kahlschläge (im Fachjargon eher „Räumungen“ genannt) ebenso wie durch Sturm- wie Käferflächen das gespeicherte Treibhausgas vorzeitig wieder in großen Mengen freigesetzt wird.

Wie viele Tonnen CO2 vermag der F.F. Fichtenwald zu speichern?

Umso eifriger setzt der F.F. Forst daher auf ein zweites wirtschaftliches Standbein: auf Windenergieanlagen. Derzeit sind es im fürstlichen Wald zwar erst deren sechs, doch weitere 50 (!) sollen folgen, wie Forstchef Dr. Jens Borchers kürzlich dem Schwarzwälder Boten (v. 6. August 2022) anvertraute. Denn nichts gilt heutzutage als profitabler in der deutschen Forstwirtschaft als die Verpachtung von Waldstandorten an Windenergieunternehmen. Vorreiter dieser Entwicklung ist der baden-württembergische Staatswald, der laut grün-schwarzem Koalitionsvertrag Standorte für 1000 Windräder einzubringen hat. Wie sich herumgesprochen hat, belaufen sich die hierbei zu erzielenden Pachteinnahmen (je nach Windhöffigkeit und Erschließung) pro Windrad und Jahr leicht auf Beträge zwischen 15.000 bis maximal 80.000 Euro; dies auf einer Fläche, wo der waldwirtschaftliche Ertrag bestenfalls ca. 300 Euro pro Jahr und Hektar beschert – was für eine Spanne, was für ein Reibach, und das auch noch als heiß ersehnter Beitrag zum Gelingen der Energiewende! Wo Baden-Württemberg bei der Windenergie doch nach wie vor Schlusslicht ist unter den Bundesländern. Gerade mal drei Windräder konnten 2022 aufgestellt werden. Da ist es denn auch kaum verwunderlich, dass im nämlichen Pressebericht auch vehement geklagt wird über den Artenschutz als dem „größten Windkraftverhinderer“: Im Schwarzwald seien es die letzten Auerhühner, deretwegen weite Teile nicht verplant werden dürfen, wiewohl diese Art, bei globaler Betrachtung, doch gar nicht bedroht sei. Und auf der Baar sei es der Rotmilan, mit dem Windräder ausgebremst werden, obwohl sein Bestand doch zunehme.

Außer Betracht bleibt freilich, dass für den Bau einer einzigen Windenergieanlage heutiger Größenordnung inklusive der erforderlichen „Zuwegung“ ca. ein Hektar Wald gerodet werden muss. Das macht, so sich die Absicht des F.F. Forstbetriebs realisieren lässt, pro Jahr (56 Windräder mal 1 Hektar mal 8 Tonnen) 446 Tonnen, die in der „CO2-Senke Wald“ ungespeichert bleiben. Womit der ökologische Rucksack freilich noch längst nicht vollgepackt ist: Natürlich sind in der Aufrechnung auch die immensen CO2-Mengen hinzuzufügen, die bei der Fertigung von Beton und Stahl emittiert werden, desgleichen jene bei der Fertigung der Rotorflügel aus kohlenstofffaserverstärkten Verbundwerkstoffen und tropischem Balsaholz, beim Schwerlastverkehr für Bau und Wartung, letztendlich auch noch bei Entsorgung und Renaturierung. Und dass zur Ökobilanz schließlich auch Rand- und Folgeschäden am aufgerissenen Waldbestand zählen sowie die Schlagopfer an Vögeln, Fledermäusen und Fluginsekten, erst recht nicht zu vergessen der Verlust an Naturlebensraum, an Naturerlebnisraum und an unbelasteter Landschaft. „Windräder im Wald“, so ließ sich unlängst Deutschlands bekanntester Förster und Bestsellerautor, Peter Wohlleben, vernehmen, „sind Schwachsinn im Quadrat!“ Denn in der Tat stellt sich hier die Sinnfrage: Ist Windenergiegewinnung in Wäldern denn überhaupt relevanter Klimaschutz, wo es doch die Bäume sind, die, nebst den Mooren, das CO2 am verlässlichsten speichern und unschädlich machen? Dass Sachsen und Thüringen Windräder im Wald noch immer kategorisch ausschließen, mag bezeichnend sein für dieses Dilemma – von der anhaltenden Diskussion um die Windkraftnutzung in den Wäldern touristischer und ökologischer Vorranggebiete einmal ganz abgesehen. Man könne den Menschen zumuten „in den Schwarzwald zu schauen und Windräder zu sehen“, so zitiert der Schwarzwälder Bote den F.F. Forstchef.  Unausgesprochen bleibt: Man wird in seinem Wald doch auch noch Geld verdienen dürfen mit der Energiewende.

Seltsam, was einem nicht alles durch den Kopf geht angesichts einer Acht in der Warnfarbe Orange am Waldeingang!

Profitable Waldwirtschaft auf dem Amtenhauser Berg: Blick vom Fürstenberg über den Wartenberg auf den F.F. Windpark

Baumpilz

Liebe Bürgerpostleser, 

am 14. Mai 2022, einem Samstag, erblickte ich am dicken Holzblock, der unsere Vogeltränke trägt, dieses farblich schöne Gebilde und zwar um 9:41 Uhr. Die Uhrzeit ist deswegen interessant, weil das nächste Foto nur knapp drei Stunden später geschossen wurde, um 12:38 Uhr. Und das dritte Bild ist um 15:07 Uhr aufgenommen worden, also nur 2 ½ Stunden später. Da bleibt einem doch die Spucke weg, finden Sie nicht auch? Dass Naturabläufe derart schnell verlaufen, hat mich völlig verduzt.

Das letzte Bild stammt von drei Tage später um 7:43 Uhr. Dem Schleim nach haben sich Schnecken über das Gebilde hergemacht. 

Pilz drei Tage später um 7:43 Uhr

Ich habe bis heute gezögert, darüber zu schreiben, weil ich nicht mit der Bestimmung klar kam. Ich machte mich auf die Suche bei den Schleimpilzen, Sie erinnern sich sicher noch an Artikel über sie. Und dabei bin ich vermutlich fündig geworden. An was erinnert Sie das erste Bild? An Fischeier, keine Frage, oder? Jetzt wird es sehr einfach, das Gebilde ist ein Fischeierschleimpilz, ganz logisch. Man könnte meinen, die „Eier“ hat jemand dort abgelegt, so sieht es doch aus. Nein, das muss aus dem Holz heraus entstanden sein. 

Was noch nicht ganz geklärt ist, dass vom lachsfarbenen Fischeierschleimpilz gesprochen wird. Diese Farbe sieht man in Ansätzen nur auf dem zweiten Bild. Vielleicht kann mir jemand von Ihnen noch Genaueres dazu sagen, ich würde mich freuen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Watvögel

Liebe Bürgerpostleser,

über so etwas, was sich Ende August/Anfang September abspielte, muss man einfach schreiben. Hauptpunkt waren sehr starke Niederschlage ab dem 18. August in Donaueschingen, sage und schreibe 206 Liter pro Quadratmeter, davon 137 Liter am 18. und 19. August. Zum Vergleich waren es in Hausen vor Wald nicht einmal die Hälfte bei nur 10 Kilometer Abstand. Der absolute Hammer. Was normal ist, dass dabei die „Bolkart“ Wiese beim Pferdekreisel zum Teil unter Wasser steht. Was mich irritiert hat, dass das Wasser sich nicht in der gewohnten Geschwindigkeit zurückzog. Noch heute, am 13. September, ist nicht alles weg.

Der Grund ist im Bild oben zu sehen, ein Biberdamm in der Stillen Musel hat den Wasserstand deutlich erhöht und lässt das Wiesenwasser verlangsamt abfließen. Also diese Situation hat dazu geführt, dass im Höchstfall 113 Störche sich zum Festmahl auf der Wiese aufhielten, ein tolles Bild. Wochenlang verweilten sie, die Zahl reduzierte sich auf 25.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Großvögel. Sehen Sie, dass da noch eine andere Art sitzt? Ich denke, Sie erkennen, dass in der Mitte ein junger Schwarzstorch hockt, er war weit und breit der einzigste. Jung deshalb, weil er noch einen grünen Schnabel hat. Jetzt kommt der zweite Teil der Geschichte. Beim Beobachten stellte ich fest, dass etliche Watvögel anwesend waren, die allerdings meistens die Flucht ergriffen, wenn ich mit meinem Fahrrad auftauchte.

Dann war ich dankbar, dass ich Professor Helmut Gehring am Ort des Geschehens traf, ein exzellenter Kenner der Watvögel, auch Limkolen genannt. Er kennt die Arten auseinander, da kann man nur staunen. Ich schickte ihm meine Bilder und dankenswerter Weise betimmte er die teilweise „Die Watvögel nutzen die Gewässer der Baar als Trittsiegel auf Ihrem Zug von teils ganz im Norden in den Süden. Eine solche Ansammlung, wie zur Zeit auf der „Bolkart“ Wiese habe ich noch nie erlebt“. Er hat vom 31. August bis zum 4. September zehn Arten gezählt mit folgenden Tierzahlen: 6 Grünschenkel, über 20 Bekassinen, 8 Waldwasserläufer, 4 Bruchwasserläufer, 2 Dunkle Wasserläufer, 2 junge Kampfläufer, 4 Alpenstrandläufer, 1 Sandregenpfeifer, 1 junger Flussregenpfeifer und 1 Flussuferläufer.

Er war begeistert. Am 9. September hatte ich Fotoglück, denn auf dem letzten Bild sind drei Arten zu sehen: Links ein Bruchwasserläufer, als nächstes ein junger Sichelstrandläufer und rechts zwei Kampfläufer. Das ist doch was. „Den Sichelstrandläufer zu sehen, ist außergewöhnlich, es gibt nur wenige Beobachtungen auf der Baar“. Sprach Professor Helmut Gehring.

Bruchwasserläufer, ein junger Sichelstrandläufer und rechts zwei Kampfläufer.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Hier noch ein paar Fotos von Prof. Dr. Helmut Gehring zum Artenschutzprojekt Kiebitz Wiesenackerhof.

(Wenn man auf das Foto klickt erfährt man den Namen des Vogel)

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Klimaschutz vs. Artenschutz:

Stirbt der Schwarzwälder Charaktervogel vollends aus?

So geräuscharm wie das kleine Waldhuhn, das Haselhuhn, um die Jahrtausendwende aus dem Schwarzwald verschwunden ist, wird sich sein großer Verwandter, das Auerhuhn, nicht davonstehlen können. Dazu ist der schwarz schillernde Hahn denn doch gar zu populär und auch zu schlagzeilenträchtig. An seinem dramatischen Schicksal nimmt die Öffentlichkeit jedenfalls regen Anteil – und sei es auch nur dank der ausgestopften Exemplare, jener Relikte aus den Zeiten der herrschaftlichen Hahnenjagd, die in manchen Wirtshausstuben bis heute überdauert haben. Unlängst war es gar leibhaftiger, ein balztoller Hahn, der für großes mediales Aufsehen gesorgt hat, nachdem er auf dem Feldberg von einem betrunkenen Festbesucher in vermeintlicher Notwehr erschlagen worden war. Da und dort sind es auch Hinweisschilder für Wanderer, Skiläufer und Mountainbiker mit der Aufforderung, Auerhuhnlebensräume zu meiden, die an sein Vorkommen gemahnen. Vor allem aber ist das Lamento der Windenergieplaner und -betreiber, die das Kreuz zu schlagen pflegen, wann immer das Auerhuhn als Argument ins Feld geführt wird; allenfalls der Rotmilan, das häufigste Schlagopfer in den Statistiken der Vogelschutzwarten, dürfte noch verfluchter sein. Doch wann hatte man eigentlich zuletzt das Glück, einem Hahn, gar der unscheinbareren Henne in freier Natur zu begegnen?


Am 11. Mai 2022 hat sogar der Stuttgarter Landtag eine knappe Stunde lang über das Auerhuhn debattiert. Wo doch der grün geführten Landesregierung nichts ungelegener käme, als wenn ausgerechnet sie mit ihrem durch Gasmangel und Ukrainekrieg neu entfesselten Windkraft-Elan für das Aussterben des „Schwarzwälder Charaktervogels“ verantwortlich gemacht würde.

So war es denn auch kein Wunder, dass grüne wie schwarze Abgeordnete im Brustton der Überzeugung hervorhoben, dass die Windenergie keinerlei Schuld treffe am so misslichen, allem Anschein nach unaufhaltsamen Rückgang des Schwarzwälder Auerhuhnbestands mit seinen eben noch insgesamt 114 Hähnen (gem. Balzplatzerhebung 2021).

Schon im Eingangsstatement des Abgeordneten Reinhold Pix (Grüne), des Sprechers für Wald und Wein, stand es fünf vor zwölf um die Hühner, im Beitrag seiner Kollegin Sarah Schweizer (CDU) sogar bereits eine Minute nach zwölf. Und auch der fürs Jagdrecht zuständige Forstminister Peter Hauk (CDU) ließ keine Zweifel aufkommen an der Dramatik der gegenwärtigen Situation, verursacht durch allzu dunkle Nadelwälder, durch den Besucher- wie den Raubwilddruck sowie gewiss auch durch den Klimawandel. Auch er verneinte jeglichen Einfluss der Windräder und verwies dabei auf das (vom Land Baden-Württemberg und aus Drittmitteln des Bundesverbands WindEnergie e. V. sowie einiger heimischer Energieversorgungsunternehmen finanzierte) internationale Forschungsprojekt Windenergie & Auerhuhn, das auch im Schwarzwald zu dem wenig erstaunlichen Ergebnis gekommen war, dass Auerhühner Windenergieanlagen weiträumig meiden und dass sie also auch nicht nennenswert vom Lärm, Drehbewegung und Schlagschatten der Rotoren gestresst werden können1.

Er versprach einen Maßnahmenplan, mit welchem der Beweis erbracht werden soll, dass Klima- und Artenschutz durchaus miteinander zu vereinbaren sind. Lediglich ein AfD-Abgeordneter hat es gewagt, Zweifel am Gelingen des Vorhabens anzumelden.

Mitten in den Sommerferien, am 17. August 2022, wurde der angekündigte Maßnahmenplan dann auch offiziell vorgestellt (in Pressemitteilung Nr. 122/2022) als Neue Planungsgrundlage Windenergie und Auerhuhn. Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker und Forstminister Peter Hauk erklären darin gemeinsam: „Die neuen Hinweise ermöglichen einen beschleunigten Ausbau der Windenergie im Schwarzwald und sie schützen zugleich das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn.“

Als ob die Habitate des scheuen Auerhuhns nicht ausgerechnet dieselben Kuppen und Bergrücken umfassen würden wie sie jetzt die Windenergieplaner ins Auge gefasst haben, wo doch im windärmsten Bundesland der Republik bestenfalls hier oben ausreichende Windhöffigkeit zu erhoffen ist. „Nach der neuen Planungsgrundlage“, so wird jetzt verkündet, „spielt der Auerhuhnschutz auf 15 000 Hektar Windpotenzialfläche im Schwarzwald künftig keine Rolle mehr.“ Es dürfte sich dabei vorwiegend um jene Flächen handeln, auf denen aktuell kein Auerwild mehr nachgewiesen werden kann, die bislang jedoch als potenzieller Lebensraum für eine Wiederbesiedelung reserviert geblieben waren – mithin für den optimistischen Erfolgsfall all der Schutzbemühungen, wie sie spätestens seit der Jahrtausendwende der regierungsamtliche Aktionsplan Auerhuhn vorsieht.

Der neuen Planungsgrundlage ist ein umfangreiches Kartenmaterial beigefügt, in dem die Auerhuhnlebensräume als Ausschlussempfehlung dunkelblau eingefärbt sind. Hinzu kommen hellblaue Korridore für den Populationsverbund zwischen den bereits stark verinselten Habitaten. Auch für die Verbindungskorridore gilt eine Ausschlussempfehlung, hatten die Schwarzwälder Auerhuhnexperten doch schon früh auf deren Unverzichtbarkeit hingewiesen2: „Ein in jüngster Zeit zunehmender Flächenbedarf entsteht durch den Bau von Windkraftanlagen. Gerade für wandernde Jungauerhühner, die für den Austausch zwischen den Teilpopulationen im Schwarzwald besonders wichtig sind, könnten Windräder sehr problematisch werden.“

Dass bereits heute etliche einst nutzbare Trittsteine und Korridore durch Windenergieanlagen entwertet, wenn nicht gar versperrt sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Vor allem trifft dies für den erforderlichen Gen-Austausch zwischen der mittel- und der nordschwarzwälder Teilpopulation zu, so etwa für den bereits mit Windrädern besetzten Höhenzug östlich von Hornberg. Umso kurioser erscheinen etliche der nun angebotenen, oft recht gewundenen Korridore, die das Lernvermögen und den Orientierungssinn der jungen Auerhühner, so sie noch wandern wollen, fraglos auf eine harte Probe stellen werden.

Ocker eingefärbt sind auf den Karten „Restriktionen“, wobei einstweilen offen bleibt, was genau mit ihnen bezweckt werden soll. Ob sie für den Suchlauf des Forstministers wohl eher förderlich oder hinderlich sein werden? Mit seiner Task Force hat er laut Koalitionsvertrag allein im baden-württembergischen Staatswald Platz für 1000 Windräder ausfindig zu machen. Oder sollten beim Betrieb der Anlagen womöglich Einschränkungen zugunsten der Auerhühner zu erwarten sein? Was eingefleischte Artenschützer indes befürchten, ist, dass unter dem Primat des Klimaschutzes und durch die Zwänge der Energiewende der Bestand ohnehin nicht mehr zu retten sein wird, dass staatlicherseits in Wahrheit Krokodilstränen vergossen werden, ja, dass das Auerhuhn faktisch längst als „vogelfrei“ gilt – Planungsgrundlage und gesetzlicher Schutz hin oder her.

Im Schwarzwald mit der Lupe gesucht: Blick vom Aussichtsberg Kandel

Einen Vorgeschmack auf das, was dem Schwarzwald nächstens blüht, lieferte jüngst der Schwarzwälder Bote (vom 9. September 2022) in seinem Bericht über den Besuch des Ministerpräsidenten im Kinzigtal unter der Schlagzeile: „Kretschmann: Müssen Windräder im Schwarzwald mit Lupe suchen“. Zitiert wird der offenbar reichlich genervte Regierungschef mit den Sätzen: „Wir brauchen Windräder ohne Ende. Denn wo gibt es denn Windräder im Schwarzwald? Die muss man mit der Lupe suchen.“ Woraufhin die mitgereiste Umweltministerin auf Nachfrage noch eins obendrauf gesetzt hat: „Wenn wir klimaneutral werden wollen, werden es dann mehr als 1000 Windräder sein. Sogar doppelt so viele.“ Klar, dass dann auch der Auerhuhnschutz noch sein Fett abbekommt als maßgeblicher Verzögerungsgrund der Energiewende. Kretschmann: „Es ist ein rein konstruierter Zusammenhang, wenn Windräder nicht entstehen, weil das zu einem Rückgang der Auerhühner führen würde. Die Zahl der Auerhühner ist bereits gesunken, als es noch gar keine Windräder gab.“ Wohl wahr – und doch könnte ihnen exzessiver Bau von Windenergieanlagen in Kürze den letzten Rest gegeben haben.

 1 Vergl. Hockenjos, W.: Von Hühnern lernen. Was ein Forschungsprojekt aussagt über die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Auerhühner. ÖKOJAGD 2 – 2020

 2Bergmann, H., Klaus, S., Suchant R.: Auerhühner. G. Braun-Buchverl., Karlsruhe 2003

Kein Urwald – nirgends?

In der deutschen Landschaft fehlt die Wildnis. (Aldo Leopold: A Sound County Almanac. 1949)

Unter der Überschrift „Alles andere als Urwald“ erschien in der Zeitschrift Der Schwarzwald 3/2022, dem Organ des Schwarzwaldvereins, ein Beitrag von Peter Grassmann (1), einem der Kuratoren der sehenswerten Ausstellung KULT(UR)WALD im Villinger Franziskaner Museum. Sie ist der Besiedelung des Schwarzwalds gewidmet und räumt mit der laienhaften Vorstellung auf, wonach das „siedlungsunfreundliche“ Waldgebirge bis zu den Klostergründungen ein undurchdringlicher Urwald gewesen sei, allenfalls „ein Kult(ur)wald eben“, wie Grassmanns Beitrag schließt. Was man sich wohl konkret unter einem solchen vorzustellen hat?

Wie finster und unwegsam war der Schwarzwald?

So ganz wird dieses Rätsel auch in dem hübsch gestalteten und reich bebilderten Ausstellungskatalog nicht aufgelöst. Schon in prähistorischer Zeit, so verrät bereits in seinem Grußwort der Chef des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart Dr. G. Wieland, sei der Schwarzwald kein undurchdringlicher und menschenleerer „Urwald“ mehr gewesen. „Dass der Jäger des Mesolithikums durch den hohen Schwarzwald streifen konnte,“ so wird als Gewährsmann der Freiburger Geologe Max Pfannenstiel aus dem Jahr 1964 zitiert, „war nur möglich, wenn kein undurchdringlicher Urwald bestand, sondern ein lichterer Forst ein Eindringen bis zu den höchsten Kämmen und Gipfeln zuließ.“ Ab dem Ende der Jungsteinzeit (ab dem 4. Jahrtausend v. Chr.), erfährt der Leser, habe nämlich nicht nur die Rotbuche zur Weißtanne aufgeschlossen, es habe auch eine „lokale Rückkehr von Haselsträuchern und Birken“ gegeben. Zugleich hätten Pollen von Gräsern und Kräutern zugenommen, die in der Naturlandschaft dieser Zeit eigentlich fehlen, sogar Getreidekörner und Holzkohlestücke hätten eindeutig auf die frühe Anwesenheit von Menschen hingewiesen. 

Das Bild des düsteren, wilden Schwarzwalds, der sich wie ein Riegel zwischen die Zentren der Zivilisation im Osten und Westen schob, der noch im Mittelalter als silva nigra bezeichnet worden war, müsse zurechtgerückt werden: Nichts als ein Trugbild demnach, das selbst der Märchenerzähler Wilhelm Hauff im Kalten Herz noch verbreitet habe (Dein ist all Land, wo Tannen stehen…). In Wahrheit sei der Schwarzwald „schon lange ein von Menschenhand geschaffener Wald.“ Den „Urwald“ habe der Mensch sich, seit er sesshaft zu werden begann, zu eigen gemacht, für seine Zwecke genutzt und stetig geändert, mithin „ganz nach Bedarf gerodet und wieder aufgeforstet“. Aber war es tatsächlich so? 

Kohlplätze und im Boden erhaltene Kohlereste liefern der Wissenschaft Nachweise über den Wald und die jeweils vorherrschenden Baumarten in den zurückliegenden Jahrhunderten

Bei allem Nutzen, den der Wald den Siedlern versprach: Glich deren Geschichte über Jahrtausende hinweg nicht immer auch einem Kampf, einem erbittertem Ringen, um den Wald daran zu hindern, sein Terrain zurückzuerobern, sobald die Landwirtschaft wieder einmal durch Klimaungunst lahmte oder die Feldflur durch Abwanderung und kriegerische Auseinandersetzungen ein paar Jahre lang brach liegen blieb?


Und ist nicht das „Aufforsten“, von dem im Katalog die Rede ist, eine ganz und gar neuzeitliche Praxis, auch wenn schon die Römer den Waldhüterberuf (saltuarius) eingeführt haben – spätestens seit der Entwaldung des  Mittelmeerraumes? Dass der Schwarzwald (silva marciana) derweil noch immer (oder schon wieder?) dicht bewaldet war und dass es sich dabei um einen Mischwald aus Nadel- und unterschiedlichen Laubbaumarten gehandelt hatte, um die für den Schwarzwald so charakteristische Bergmischwaldgesellschaft also, beweisen nicht nur die Pollenprofile. Auch die Peutingersche Tafel (Tabula Peutingeriana), die auf einer Straßenkarte aus spätrömischer Zeit basiert, zeigt den Schwarzwald als durchgehend mit Nadel- und Laubbaumarten bestockte Girlande. 

Silva marciana (Schwarzwald) auf der Tabula Peutingeriana (Peutingersche Tafel).
Der Kleckes in der Mitte unten ist der Bodensee.
(https://tp-online.ku.de/)

Weil jedoch Bergmischwald auch im Urzustand nicht mit einem „undurchdringlichen Dschungel“ gleichzusetzen ist (wie noch 2021 eine im Katalog zitierte Quelle meint), kann er wohl nur in Verbindung mit der Topographie, mit den felsdurchsetzten Steilhalden des rhenanischen Schwarzwalds als undurchdringlich eingeschätzt worden sein. Weshalb er auch, wie im Katalog beschrieben, „zu keinem Zeitpunkt großräumig umgangen“, sondern auf uralten Handelsrouten durchs Kinzigtal und über den Thurnerpass durchquert worden ist. Als ob es da unterwegs nicht auch Herbergen, Hufschmiede und auch schon Höfe zum Pferdewechseln gegeben haben dürfte. 

Wälder der Bergmischwaldgesellschaft, die nun einmal überwiegend aus Schatten ertragenden Buchen und Weißtannen bestehen, sind jedenfalls bis in die allerjüngste Neuzeit, niemals durch Aufforstung entstanden, sondern nach Rodungen oder Kahlschlag stets durch natürliche Sukzessionsvorgänge: Wie nach jeder Alterungs- und Zusammenbruchsphase des Urwalds folgt auch nach Rodungen (nach dem sog. „Mosaik-Zyklus-Modell“) das Pioniergehölz (wie Hasel, Birke, Eberesche und Aspe), unter welchem sich dann auch wieder Tannen und Buchen einfinden, soweit die nicht ohnehin unterm Altholzschirm als Naturverjüngung überlebt hatten. Was an diesem natürlichen Prozess des Waldökosystems kann da als „Kulturwald“ (von lateinisch colere = bebauen), gar als „Forst“ interpretiert werden?

Im Wald des Hansenhof

Echter europäischer Urwald der Bergmischwaldstufe findet sich in nennenswerter Flächengröße nur noch in den Karpaten, doch selbst dort ist er zumeist nicht gänzlich unbeeinflusst vom Menschen geblieben – und sei es auch nur durch gelegentliche Beweidung. Im Schwarzwald mögen es immerhin noch ein paar wenige Nischen sein, die sich aufgrund ihrer Steilheit und Abgelegenheit nicht allzu weit vom Urwald entfernt haben. So etwa im glazial geformten Kessel des Zweribachs, im ältesten Bannwald Badens, wo es in den felsigsten Partien nachweislich bei einem einmaligen Kahlschlag ums Jahr 1582 durch alpenländische Spezialisten geblieben ist, angeordnet vom Abt von St. Peter zur Versorgung des Simonswälder Eisenwerks.

Wildnis im Bannwald Zweribach

Vom Karpatenurwald ist der Wald hier inzwischen kaum mehr zu unterscheiden. Um  den Waldfreunden zumindest doch einen „Urwald aus zweiter Hand“ bieten zu können, war hier 1952 auf Betreiben des Schwarzwaldvereins der erste Bannwald Badens entstanden, das erste Totalreservat, in dem sich die Waldvegetation ungestört nach der ihr innewohnenden Eigengesetzlichkeit entwickeln kann.“ Die Bannwälder sollten „all den Freunden der Natur offen stehen, die Freude an der ungezähmten Waldwildnis und Interesse für den mitteleuropäischen Urwald haben.“

Schon 1912 waren die Württemberger auf Initiative des Forstprofessors Christoph Wagner auf dieselbe Idee verfallen, zumal man sich von ihr auch wissenschaftlichen Gewinn versprach und Beantwortung von Fragen zur künftigen praktischen Waldbehandlung. „Urwald von morgen“ lautet der Titel eines zum Europäischen Naturschutzjahr 1970 erschienenen Buchs der Landesforstverwaltung, in welchem insgesamt 40 Bannwaldgebiete vorgestellt werden, noch ehe diese im neuen Landeswaldgesetz von 1976 dann auch eine Rechtsgrundlage erhalten hatten.

Im Bannwald, dem „Urwald von morgen“


Die Ausstellung im Villinger Franziskaner Museum (die noch bis zum 16. Oktober 2022 besucht werden kann) fällt in eine Zeit, in der nicht nur infolge des Klimawandels, sondern auch des Artenschwunds die Auseinandersetzungen zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft an Schärfe zugenommen haben. Dabei geht es nicht zuletzt um die Forderung nach weiteren Flächenstilllegungen, nachdem die schon 2007 von der Bundesregierung beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt ihr bis 2020 angestrebtes Ziel von fünf Prozent unbewirtschafteter Waldwildnis weit verfehlt hat. Umso heftiger wird der Forstwirtschaft unterdessen vorgeworfen, dass sie aus Gründen der Gewinnmaximierung noch immer vorwiegend reine Nadelholzforste bevorzuge und nach der Holzernte bzw. nach Sturm, Trockenheit und Käferfraß nach wie vor Nadelholzkulturen pflanze anstatt den Wald nach dem Vorbild der Naturwälder naturnah/naturgemäß als Dauerwald zu bewirtschaften, um so den Anforderungen der Zukunft besser gerecht werden zu können.

Insoweit darf der Villinger KULT(UR)WALD-Ausstellung wohl auch eine zusätzliche waldpädagogische Aufgabe aufgebürdet werden. Wie wäre es mit der Botschaft: der Schwarzwald der Zukunft möge sich, wenn schon nicht zum URWALD, so doch bitte auch nicht zum einseitig von der Holznutzung diktierten KULTURWALD hin entwickeln.

 1 Graßmann, P. / Ade D. / Rademacher, L (Hrsg.): KULTURWALD Die Besiedlung des Schwarzwalds. Verl. der Stadt Villingen-Schwenningen

2  Hockenjos, W.: Wo Wildnis entsteht. Der Bannwald Zweribach im Schwarzwald.  Lauinger Verl. Karlsruhe, 2015

Sänger

Liebe Bürgerpostleser,

am Freitag Nachmittag konnte ich dieses hübsche kleine Vögelein mit gut 10 cm Körperlänge in der Fenchelpflanze unserer Kräuterschnecke beobachteten. Relativ lange Zeit hielt es sich dort auf und ich konnte nahe an ihn herankommen. Wenn er doch nur einen Laut von sich gegeben hätte, wäre vollkommen klar gewesen, was für eine Art er ist. Aber nein, er hielt die Klappe, weil er sehr beschäftigt war, ich verrate es Ihnen, mit Fressen. Jetzt sind aber Sie an der Reihe, was wird er wohl gefressen haben?

Ich vermute, dass er bereits auf dem Zug Richtung Süden war. Denn Zugvögel verhalten sich auf der Strecke unbekümmeter. Deswegen gibt es dabei auch solche schöne Begegnungen. Weil ich weiß, dass die Bestimmung des Kleinvogels schwierig ist, habe ich die beiden Bilder Otto Körner, unter anderem ein Vogelexperte aus Bräunlingen, geschickt. Lesen Sie seine Antwort: „Knifflige Frage, die wir bei der Beringung in Illmitz am Neusiedler See und auf der Mettnau anhand der Einkerbungen der äußeren 4.- 6. Handschwingen unterscheiden konnten. Überaugenstreif kann bei diesjährig geborenen Vögeln fehlen, aber der dunkle Zügel vom Schnabel durchs Auge teilt den Augenring in eine obere und untere Hälfte => meine Bewertung = Zilpzalp. Liebe Grüße Otto“. Super. Sehen Sie den schwarzen Zügel? Klar doch, wenn man´s weiß. Wie gesagt, hätte der Kerle einmal seinen Ruf hören lassen, wäre es einfach gewesen: „Zilpzalp, zilpzalp, zilpzalp“.

Jetzt, haben Sie sich entschieden, was er gefressen hat? Etwa die zahlreichen Fenchelkörner? Nein, schauen Sie sich den Schnabel genauer an, das ist der Schnabel eines Insektenfressers. Was für Insekten? Das Bild oben verrät es Ihnen: Die zahlreichen Blattläuse, die die Fencheldolden besiedelt haben.

Herzliche Grüße
Franz Maus



Buchsbaumzünsler

Liebe Bürgerpostleser, 

da schickt mir doch mein norddeutscher Freund Ingo Kirchhoff ein Bild mit dem Kommentar, „das ist zur Zeit mein größter Feind. Ich bin gespannt, ob Du ihn kennst“. Ich schickte ihm das Bild rechts und schrieb, das ist der Falter, der aus Deiner Raupe entsteht, den sah ich dieses Jahr zum ersten Mal, neben der Esszimmerleuchte saß er. Erst meine Frau hat mich motiviert, ihn zu fotografieren, er sieht schon besonders aus, aber mit 4 bis 5 cm Spannbreite ist er doch relativ klein. Ich konnte Ingo imponieren, als ich ihm die Lösung nannte. Er schlug vor, einen Bürgerpostbeitrag zu machen, dem stimmte ich zu, denn es ist wieder einmal ein absoluter Hammer. 


Ich musste „meinen“ Walter Schön von www.schmetterling-raupe.de bemühen, ganz schnell kam die Antwort, Buchbaumzünsler. Haben Sie schon einmal von dem Kerle gehört? Stellen Sie sich vor, bis zum Jahre 2005 war dieser asiatische Ureinwohner kein Thema bei uns. Aber im Jahre 2006 kam er über Handelsware aus Fernost in die Häfen Basel, Grenzach-Wahlen und Kehl am Oberrhein an und schlug ein wie eine Bombe. Ruck zuck hat sich die neue Art über ganz Mitteleuropa verbreitet. Die Raupen machen Kahlfraß mit dem immergrünen, gern gesehenen Buchs. Und zwar von Ihnen heraus, so dass man es zunächst gar nicht merkt. Man muss sich wundern, dass die Raupen vom Buchs fressen nicht kaputt gehen, denn der Buchs beinhaltet sage und schreibe 70 Giftstoffe. 

Das nächste Bild zeigt das wunderschöne Gartenreich von Ingo und seiner Frau mit den schönen Buchsbaumeinrahmungen. Seit letztes Jahr hat er den Schädling, und seine Frau hängt sehr am Buchs. Deshalb unternimmt er alles, um die Raupen zu bekämpfen, er sagt ohne chemische Behandlung sieht er keine Chance. Nebenbei bemerkt, die Raupe sieht an und für sich ganz nett aus, finden Sie nicht?


Wenn man den Buchs aufmacht, so sieht man die häufigen Kotbällchen, bei den größeren Raupen – sie werden 5 bis 6 cm lang – sind sie groß, siehe Bild links und bei den kleineren Raupen sind sie klein, siehe Bild rechts. 


Jetzt noch eine kleine Geschichte. Ich habe gelesen, dass Spatzen und Meisen und noch eine Art die Raupen fressen und dass sie sich dabei nicht vergiften. Kürzlich verließ ich den Irslinger Friedhof und nun kommts: Ich registrierte einige Spatzen, die sich auf eine Buchsbaumpflanze setzten und kleine Räupchen regelrecht aus dem Buchs herausfischten. Ich war leider zu langsam, um das zu fotografieren und ich konnte nicht länger warten. Aber ich schaute in den Buchs und sah die frischen kleinen Kotbällchen und es war klar, dass die gefressenen Raupen zum Baumzünsler gehörten. 

Ich habe zu Hause unseren Buchs auf Befall untersucht, ich habe Gott sei Dank nichts gefunden. Ursprünglich hieß es, er kann nur im Flachland gedeihen. Aber das hat sich verändert. Interessant ist auch die Überwinterung, die Raupen spinnen sich im Buchsinneren ein und fangen im April wieder an zu fressen. 

Jetzt wünschen wir Ingo und uns allen, dass uns der Buchsbaumkahlfrass nicht ins Haus steht. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

 Alpine Obsession

Anfangs war es der alpine Skilauf, der es mir angetan hatte. Geübt wurden die Parallelschwünge der Arlbergschule in der noch liftlosen Winterlandschaft. Zuvor hatte sich der väterliche Lehrmeister noch bemüht, uns altbackene Christianiaschwünge beizubringen. Wo hatte er die bloß her? Die Slalomstangen aus Haselnuss steckten wir je nach Schneelage und Trainingsfortschritt in den St. Märgener Klosterbuckel, den Farnbühl oder den Meierhofberg. Und natürlich nahm ich bald auch an Rennen teil, sei es bei Clubmeisterschaften, beim so gefürchteten heimischen Abfahrtslauf auf engster Waldschneise nach Wildgutach hinab, beim Torlauf am berühmt-berüchtigten Kandel-Nordhang oder zum Ausklang im Sulz des Frühjahrsschnees beim Rudi-Cranz-Gedächtnisrennen im Zastlerloch. Die Erfolge hielten sich freilich in Grenzen, und auch Sturzverletzungen blieben nicht aus ohne Sicherheitsbindung und auf den mehr schlecht als recht präparierten Wettkampfpisten: Zerrungen, auch ein gebrochenes Bein beim Vöhrenbacher Kandelblick-Abfahrtsrennen, was sich dann prompt auch im Schulzeugnis niederschlug. Kein Wunder, dass ich mich bald mehr und mehr vom alpinen Sport abwandte und ins Lager der Nordischen überwechselte, wo andere Qualitäten gefragt waren. Die gezackte Alpenkette, wie sie sich uns von Kindesbeinen an vom Schwarzwald aus präsentierte, blieb dennoch ein fernes Sehnsuchtsziel. 

Sehnsuchtsziel Alpenkette

Die erste leibhaftige Begegnung mit alpiner Topographie fand erst im Sommer 1956 statt, nachdem ich bis dahin in den Schulferien den Schwarzwald und dann die Mittelgebirge rundum mit Brüdern und Vater abzuwandern hatte. Nun also war der alemannische Bregenzerwald dran mit Kanisfluh und Hochkünzelspitze. Der alpinistische Appetit wurde dort geweckt, verbunden aber auch mit dem Respekt des Mittelgebirglers vor allzu ausgesetzten Felspartien. Doch die Fitness des Skilangläufers verlangte nach anspruchsvolleren Touren. Logisch, dass ich mich da nach Schulabschluss und Musterung zur Gebirgstruppe meldete. In der Mittenwalder Jägerkaserne hatte sich zur Grundausbildung eine muntere Truppe eingefunden, die allesamt anscheinend der Berg gerufen zu hatte: die Aussicht auf alpinen Lustgewinn – wenn schon nicht im Dienst, so doch an den Wochenenden, an welchen man sich nach Kräften austoben konnte, ob im Karwendel, im Wettersteingebirge oder auch jenseits des Inns bis hinauf aufs Stubaier Zuckerhütl. Die erhofften dienstlichen Kletterlektionen „mit Seil und Haken, den Tod im Nacken“ (wie es das Marschlied der Gebirgsjäger versprach), hielten sich eher in Grenzen – von gelegentlichem Abseilübungen abgesehen.

Noch heftiger packte mich die Lust auf Hochtouren in der nachfolgenden Freiburger Studienzeit. Schuld daran hatte vor allem Wolfdieter M., seines Zeichens Assistent im forstzoologischen Institut, der sich sogar schon einen flotten fahrbaren Untersatz leisten konnte  und sich bereits einen Ruf  als bergerfahrener „Westalpengeher“ erworben hatte. Womöglich hätte ich vor ihm und seinen Eigenheiten gewarnt sein müssen. Erzählte man sich doch unter den Kommilitonen, dass er eines Morgens strahlend in den Hörsaal gestürmt sei und dabei ausgerufen habe: „Sind alle tot, sind alle tot!“ Des Rätsels Lösung: Eigentlich hatte Wolfdieter gehofft, zur Teilnahme an einer Freiburger Himalaya-Expedition eingeladen zu werden, was aber aus undurchsichtigen Gründen dann doch nicht geklappt hatte. Just an diesem Morgen hatte ihn die Meldung erreicht, dass sämtliche Teilnehmer der Expedition Opfer eines Lawinenabgangs geworden waren. Man wird sich doch wohl freuen dürfen, dass es einen nicht selbst erwischt hat!

Was mich freilich nicht daran gehindert hat, mich immer wieder einmal als Beifahrer in Wolfdieters Renner zu setzen, um dank seiner in die Westalpen, vorzugsweise nach Hochsavoyen zu düsen. Davon konnte mich auch seine Gewohnheit nicht abhalten, nach vollbrachter Tour in französischen Restaurants feudal zu dinieren, während ich armer Studentenschlucker derweil mit der restlichen Rucksackverpflegung und bestenfalls einem Panaché (Radler) an der Theke Vorlieb nehmen musste. Nicht einmal seine Bemerkung, gefallen irgendwo bei einer Rast am Berg, hatte mich erschüttern können, er habe stets ein Sackmesser dabei, um im Falle eines durch Steinschlag schwerverletzten Partners das Seil kappen und sich in Sicherheit bringen zu können.

Annäherung an den Mont Blanc

Zur denkwürdigsten Tour mit Wolfdieter (sowie einem Freiburger Alpinistenpaar) starteten wir an einem frühen Samstagmorgen nach Chamonix, um von dort mit der Aiguille du Midi-Seilbahn noch die Mittelstation zu erreichen; von hier aus stiegen wir per Ski zur heillos überfüllten Grand Mulet-Hütte auf. Nach einer kurzen Nacht (wegen des vollbelegten Matratzenlagers auf Tischen schlafend) ging es weiter über den Bossons-Gletscher bis zur Valot-Hütte auf 4322 m Höhe hinauf, sodann weiter mit Steigeisen und Skistöcken auf ausgetretener Spur in Richtung Montblancgipfel. Weil ich keinerlei Probleme mit Höhe und Kondition verspürte, stieg ich allein weit voraus. Doch auf halbem Weg zum Gipfel des Monarchen glaubte ich plötzlich zu halluzinieren: Aus dem Eis starrte mich plötzlich ein Affe an! Wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, war Monate zuvor ein Flugzeug des arabischen Potentaten Ibn Saud am Gipfel zerschellt; aus ihm stammte das Äffchen, das die französischen und italienischen Bergsteiger beim Einsammeln der über den Gipfelhang verstreuten Wertgegenstände offenbar verschmäht und liegengelassen hatten. Die Ausschüttung der Glückshormone auf Europas Dach ist trotz des Schockerlebnisses nicht ausgeblieben, doch rasch wurde es wieder Zeit für den Abstieg, alsdann zu einer ebenso spaltenreichen wie schier endlosen Gletscherabfahrt wieder hinunter zur Seilbahnstation, schließlich zur beschleunigten Heimfahrt in Wolfdieters rasantem Zweisitzer. Schließlich wollte ich am Montagmorgen ja die Vorlesungen nicht versäumen.

Das Hochgebirge lockte auch nach dem Studienabschluss unvermindert weiter. Jetzt zog es den Referendar jedoch vermehrt in die Ostalpen, denn schon der Gebirgsjäger hatte in Mittenwald seine spätere Frau und Mutter seiner beiden Töchter gefunden. Der Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten fand – neigungsgemäß – hoch oben auf einer Ötztaler Jaghütte statt. 

Beim Langlauf auf dem Thurner, wo ich seit 1972 dem Förderverein des Langlaufzentrums vorstand, freundete ich mich mit dem bergsteigerisch noch höchst agilen bayerischen Orthopäden Michl K. an, der mich zu gemeinsamen Bergtouren im Wallis und in den Dolomiten animierte. Michl bildete zusammen mit seinem Bruder Peter eine exzellente Seilschaft, die mit mir als Anhängsel im steileren Fels die Fähigkeiten des Mittelgebirglers oft glatt überforderte. Nicht hingegen, wenn es per Ski hinauf gehen sollte: Da konnte der Schwarzwälder Kraft und Ausdauer ausspielen, und bergab war auf die früh erlernten Parallelschwünge noch immer Verlass. Kritisch wurde es in den Dolomiten, wo ich klettertechnisch vollends an meine Grenzen stieß. Unauslöschlich im Gedächtnis geblieben ist mir der Aufstieg über den Nordgrat auf den Paternkofel, den Nachbarn der Drei Zinnen:  „Es führt da ja fast eine Autobahn hinauf!“, ermunterte mich Michl in seiner (unter Alpinisten nicht unüblichen) Art der Untertreibung. Und so stieg ich tapfer hinter den Brüdern in einen steilen gewundenen Tunnel aus dem Ersten Weltkrieg, um aus einem seiner Fenster in die Wand einzusteigen – schwindelig hoch über der Drei Zinnen-Hütte. Als Letzter in der Seilschaft fiel da mein Blick plötzlich durch die Beine auf die Hüttengäste hinunter, die uns mit Ferngläsern verfolgten, als warteten sie nur darauf, bis einer den Halt verliert. Dies war der Moment, in dem ich mir schon mal die Negativschlagzeile in der BILD ausmalte, die überm Bericht stehen würde von der Selbstüberschätzung eines allzu ungeübten Schwarzwälder Bergtouristen.

Kurz vor Antritt meiner beruflichen Lebensstellung als Villinger Forstamtsleiter war es der Hinterzartener Gastronom Karlheinz Z., der mich (weil die beruflichen und familiären Anforderungen mir derlei Eskapaden künftig ja eh nicht mehr erlauben würden) nicht nur zu einer Alaskareise überredete, sondern obendrein zu einer Trekkingtour in den Himalaya. Ziel war das Annapurna-Gebiet, nein, nicht hinauf auf den Achttausender, sondern nur bis zum Basecamp auf vergleichsweise bescheidener Meeereshöhe von 4300 m., auch in Demut vorbei an der so unfassbar gewaltigen Pyramide des die 7000 m knapp verfehlenden Machapuchare, des nepalesischen Götterbergs mit seinem charakteristischen Fischschwanz-Doppelgipfel. Stiegen wir zunächst durch prachtvoll blühende Rhododendron-Wälder und dies, dank Sherpas und Portern, auf denkbar leichtfüßige und komfortable Art und Weise, so wurden wir bald von einem heftigen Wintereinbruch überrascht, in dessen Folge die Lawinen vor und hinter uns nur so herabrauschten. Am Basecamp oben eingetroffen und nach einer Nacht im dick verschneiten Zelt fand ich beim Early Morning Tea, überreicht vom sichtlich besorgten Sherpa, eben noch Zeit, mich meines runden 40. Geburtstags zu erinnern, ehe wir wieder talauswärts hasteten. Die Nachfeier fand schließlich außerhalb der Schnee- und Lawinenzone statt – im dankbaren Gefühl eines mir geschenkten zweiten Geburtstags.

Allmählich sollten die Besuche des Hochgebirges nun in der Tat seltener und bescheidener werden. Doch zumindest der nächstgelegene Zweitausender musste unbedingt noch gefunden und bestiegen werden. Doch als ich den Mutteristock (2294 m NN) hoch überm Wägitalersee (Luftlinie kaum hundert Kilometer entfernt) im fortgeschrittenen Ruhestand ein zweites Mal erklimmen wollte, musste zuoberst der Gipfelsturm ersatzlos ausfallen: Im messerscharfen Karstgestein schien mir das Klettern eingedenk der täglich einzunehmenden Blutverdünnerpillen denn doch ein bisschen gar zu riskant zu sein. Die Vernunft hatte gesiegt.

Seitdem sind es in den Alpen gelegentliche, seniorengemäß moderate Wanderungen, die mich noch immer reizen können. Doch umso sehnlicher warte ich zuhause auf die nächste Föhnwetterlage. Denn dann zeigt sich vom Wohnzimmerfenster aus wieder ein Stück weit die Kette, von den Viertausendern des Berner Oberlands bis zu den Glarner Zacken. Jetzt aber rasch her mit dem Fernglas, rasch das Teleobjektiv aufgeschraubt! Hat da etwa Giovanni Segantini, der Engadiner Maler, in die Farbtöpfe gegriffen?

Auenberg und Alpen
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