Spechtlöcher

Liebe Bürgerpostleser, 

heute kommt wieder eine spannende Geschichte. Simone Bröcheler schickte mir am Samstag, den 18. Januar 2025 diese Bilder mit folgendem Text: „Wir haben heute unseren Birnbaum in der Nähe des Hauses gefällt. Als er gefällt war, sind uns diese Löcher in der Rinde aufgefallen. Ab den ersten Ästen in vier bis fünf Meter Höhe hat es angefangen. Nur der halbe Stammumfang in Richtung Schuppen – zur Wetterseite Westen hin – sei angepickt gewesen. Was könnte das sein“? Ich fragte bei Simone nach, ob der Baum abgestorben gewesen sie. „Nein, im Gegenteil, der war voll im Saft“. Also dann waren es keine Holzschädlinge, die da bekämpft wurden. Ich stand auf dem Schlauch, noch nie hatte ich solches gesehen. Ich googelte „Spechtlöcher“, dort wurde die Frage, wann machen Spechte Löcher, wie folgt beantwortet: „Schäden durch Spechte treten insbesondere im zeitigen Frühjahr auf, wenn die Tiere Löcher in die Rinde hacken, um den zuckerhaltigen Saft aufzunehmen.

Die etwa 5 mm großen Löcher gehen dabei bis ins Splintholz, schön zu sehen auf dem Bild oben, wo ein Teil der behackten Rinde entfernt wurde. Sie werden meist in waagerechten, teilweise auch spiraliger Weise von den Spechten in den Stamm gehackt. Je nach Stammdicke wird nur ein Teil der Rinde bearbeitet – wie beim besprochenen Birnbaum, bei dünneren Stämmen kommt es auch zum „Ringeln“ der Bäume, also einer stammumfassenden Schädigung.

Der sich in den Löchern ansammelnde Saft wird dann getrunken. Diese Behacken der Rinde tritt bevorzugt im zeitigen Frühjahr zum Saftaustrieb der Bäume auf, bereits ab Februar. In unserem Fall bereits kurz nach Mitte Januar, vermutlich lässt der Klimawandel grüßen. Diese hier näher beschriebenen Spechtschäden werden insbesondere dem Buntspecht sowie dem Dreizehenspecht zugesprochen. Simone wohnt in Waldshut-Gutenburg auf 421 m Meereshöhe. Da kann man den Dreizehenspecht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. 

Ich habe das Thema in den Status gestellt und einige meldeten den Specht aber nicht als Safttrinker, sondern als Larvenfresser. Nur Otto Körner als Bräunlingen kannte den Zusammenhang, weil er einen Dreizehenspecht bei dieser Tätigkeit beobachten konnte. Ein Ornithologe aus Hessen wusste es auch. Ich frage mich, woran das liegt. Der Grund ist vielleicht, dass wir das nicht sehen im normalen Alltag. Denn wenn der Birnbaum nicht gefällt worden wäre, hätte es Simone nicht sehen können in vier bis fünf Meter Baumhöhe. 

Ist das nicht wieder ein tolles Beispiel, was es alles gibt in der Natur?

Simone, herzlichen Dank für die Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Goldgelber Zitterling

Liebe Bürgerpostleser, 

mein Referendarskollege Dr. Jürgen Looser aus Karlsruhe schickte mir diese beiden Bilder vom 24. Dezember 2024 und vom 1. Januar 2025, acht Tage später. Er vermutete einen Goldgelben Zitterling und er lag damit voll richtig. Ich hatte auf die Schnelle die Riesengallertträne ins Spiel gebracht, aber das war falsch. Ist das nicht eine richtig schöne Augenweide? Und das auch noch zur Winterszeit? Jürgen fand ihn auf einem Spaziergang in einer Hecke. Wegen der Größe sagte er fünf bis zehn Zentimeter, eher zehn.


Aus Wikipedia will ich die interessantesten Punkte aufgreifen. Es heißt dort, der Goldgelbe Zitterling ist eine häufige Pilzart aus der Familie der Zitterlingsverwandten.
Anmerkung: Hinter häufig mach ich ein Fragezeichen, außer ich bekomme von Ihnen eine Vielzahl von Rückmeldungen. Er wächst überwiegend an toten, noch ansitzenden, aber auch an bereits herabgefallenen Ästen und Zweigen, was hier der Fall ist. Der Pilz parasitiert holzzersetzende Pilze aus der Gattung der Zystidenrindenpilze. Das ist doch ein Hammer, finden Sie nicht auch? Der gallertartige, blass gelbliche bis orange-gelbe Fruchtkörper des Zitterlings besitzt eine gewundene, gelappte Form und bei feuchter Witterung eine schmierige oder schleimige Oberfläche. Er wächst aus Rindenspalten und erscheint bei Regenwetter. Bei Trockenheit schrumpft er innerhalb weniger Tage zu einem dünnen Film oder einer kleinen Masse zusammen. Bei anschließender feuchter Witterung lebt der Fruchtkörper wieder auf. Was sagt man dazu? Die Spezies kommt in Laub- und Mischwäldern vor und ist in den gemäßigten und tropischen Regionen von Afrika, Asien, Australien, Europa sowie Nord- und Südamerika verbreitet. Der Goldgelbe Zitterling durchläuft in seinem Lebenszyklus ein hefeartiges Stadium, das durch knospende Basidiosporen gekennzeichnet ist. Der Wechsel zwischen asexueller und sexueller Fortpflanzung wird durch die Vereinigung hefeartiger Zellen zweier kompatibler Paarungstypen erreicht.

Wenn man das so liest, kommt man doch aus dem Staunen nicht heraus. Obwohl der Pilz als fad und geschmacklos erachtet wird, ist er genießbar. Die gallertartige bis gummiartige Konsistenz verleiht Suppen Textur. In China wird der Pilz von Vegetariern verwendet, um eine immunstimulierende kühle Suppe mit Lotuskernen, Lilienknollen und Chinesischen Datteln zuzubereiten. Einige Zitterlinge produzieren Polysaccharide, die aufgrund ihrer biologischen Aktivität für den medizinischen Bereich von Interesse sind; in China wurden mehrere Patente im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Verbindungen zur Krebsprävention oder Stärkung des Immunsystems angemeldet

Jürgen, vielen Dank für die Überlassung der Bilder und dass ich darüber schreiben darf. Uns wäre einiges Interessantes entgangen. 

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Mit viel Kawumm und Trallala nun ist es da, das neue Jahr

Wie wird es werden dieses Jahr beginnt es nun mit Januar?

Blick ich zurück aufs Jahr 2024 seh ich wenig Positives. Jetzt, in der Zeit der guten Vorsätze, die bekanntermaßen ja nur sehr kurz ist, wäre es Zeit für einen kurzen Rückblick.

Kriege, Flüchtlinge und Hungersnot in der Welt

Wie viel Kriege toben derzeit auf unserer Erde?
6 Kriege mit mindestens 10.000 Toten im Jahr
19 Konflikte mit mehr als 1000 Toten pro Kriegsjahr
Die Zahl der Vertriebenen steigt im Jahr 2024 auf 122 Millionen Menschen und damit 5% mehr als im Jahr davor. Diese Zahl entsprich der Bevölkerung von Deutschland ,Österreich, Schweiz und den Niederlanden zusammen.
733 Millionen Menschen hungern aktuell weltweit. Das ist jeder 11. Mensch.

Naturkatastrophen

Wie viel Umweltkatastrophen gab es im Jahr 2024?
28 Umweltkatastrophen, die insgesamt einen volkswirtschaftlichen Schaden von 120 Milliarden verursacht haben. Im langjährigen Mittel steigen die Naturkatastrophenschäden weiter.

Tierwelt

Um wie viel Tier- und Pflanzenarten wird unser Planet ärmer werden, wenn wir so weiter machen?
Im Jahr 2024 befanden sich 17.800 gefährdete Tierarten auf der Roten Liste. 11.400 fallen in die Gruppe der Wirbeltiere.
Der ökologische Fußabdruck Deutschlands ist so hoch, dass bereits nach einem Drittel des Jahres die Ressourcen verbraucht sind. Wenn jeder so lebt, wie bisher, würden wir also drei Erden benötigen. Nur Amerika benötigt mehr (5 Erden) Was das auf Dauer für unseren Planeten bedeutet, ist glaube ich jedem klar.

Gesundheit

Im Jahr 2024 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweine-Fleisch allein in Deutschland 27,5 Kilogramm von anderen Fleischsorten mal abgesehen.
10,6 Liter reiner Alkohol wurde in Deutschland pro Kopf im letzten Jahr konsumiert. Die durch Alkoholkonsum entstandenen volkswirtschaftlichen Kosten betrugen 57 Milliarden.
64 Milliarden Glimmstängel wurden im Jahr 2024 konsumiert, Tabakersatzprodukte außen vor gelassen.

Warum diese Zahlen? Vielleicht reicht es nicht alleine mit Kawumm und Trallala das neue Jahr zu begrüßen. Es ist mehr erforderlich.

Ein Beleuchten der eigenen Lebens- und Denkweise. Der Umgang mit der Natur. Wie sieht mein Garten aus – können dort Tiere überhaupt leben? Was kann ich dazu beitragen die Artenvielfalt zu erhalten? Was trage ich durch meine Lebensweise zur Erderwärmung bei? Was tue ich für meine Gesundheit?

Sicherlich kann ich persönlich an den Kriegen auf der Erde nichts ändern. Doch wie gehe ich mit meinem Nächsten um? Lege ich alles auf die Goldwaage oder erkenne ich, dass auch ich Fehler mache und froh bin, wenn mein Nächster gütig darüber hinweg schaut? Bewerte ich Menschen nach ihrer Herkunft und Rasse, Religion oder ihrem Geschlecht?
Glaube ich jedem Rattenfänger, der einfach Lösungen für schwerwiegende Probleme in der Welt bietet? Glaube ich an ein „Weiter so“ selbst wenn ich Kinder habe?

Der Januar ist kein einfacher Monat. Nach Lichterglanz des Dezembers schleicht sich das Gefühl von Leere ein. Aber wir sind im Januar auch häufiger voller Motivation und Tatgendrang. Ein Ziel im Auge zu behalten, das das Leben ein Stückchen besser macht bietet für jeden Vorteile.
Nehmen wir uns daher in diesem Jahr vor, die Welt ein bisschen besser zu machen durch unser Handeln und unsere Denkweise und der Erkenntnis , dass es viel zu verbessern gibt hier und jetzt.
Und das kann sogar Spass machen!

Sonnenschnelle

Liebe Bürgerpostleser, 

um die Jahreswende etwas Astronomisches. Wer erinnert sich noch an die Collage mit den Bildern vom 20. und 30. Dezember 2004? Das ist immerhin 20 Jahre her. Wissen Sie auch noch, was zum Ausdruck gebracht werden sollte? Ich muss dazu sagen, dass die Voraussetzung war, dass beide Aufnahmen vom gleichen Platz und mit demselben Teleobjektiv erstellt wurden. Wenn Sie die Pfeile in Ruhe anschauen, erkennen Sie bestimmt, dass die Sonne in 10 Tagen nur einen Sonnendurchmesser nach Norden gewandert ist. Den Tag 21. Dezember als Winteranfang, 2024 war das um 10.21 Uhr, vernachlässigen wir, vermutlich war damals die Sonne wegen schlechtem Wetter nicht zu fotografieren. 

Jetzt schaut Euch auf unten die Situation kurz vor Frühlingsanfang an. Es sind die Sonnenuntergänge drei Tage hintereinander von unserem Westbalkon am gleichen Punkt – übrigens über dem Feldbergmassiv – festgehalten. Und was ist zu sehen? Einen Sonnendurchmesser je Tag ist die Veränderung, die gleiche Strecke wie nach Winteranfang in zehn Tagen. Ist das nicht seltsam? Wie kommt es dazu? Es hat einen ganz normalen physikalischen Hintergrund: Der Verlauf der schräg geneigten Erde um die Sonne entspricht einer Sinuskurve. Eine Sinuskurve hat einen Hoch- und einen Tiefpunkt und zwei Wendepunkte. Ein Grundgesetz der Sinuskurve ist, dass die Veränderungsraten über die Zeit um den Hoch- und Tiefpunkt sehr gering sind aber an den Wendepunkten recht groß. Der Hochpunkt ist der Sommeranfang und der Tiefpunkt der Winteranfang, das heißt langsame Veränderung der Tageslänge. Die Wendepunkte sind der Frühlings- und der Herbstanfang, da ist die Tageslängenänderung sehr schnell. 

Oben ist die Sonne bei Sonnenferne als schwarze Scheibe auf die Sonne bei Sonnennähe aufgelegt worden. Man sieht, dass die Sonne bei Sonnennähe die schwarze Scheibe bei Sonnenferne etwas überragt. Der Grund ist, dass die Umlaufbahn der Erde um die Sonne keine Kreis-, sondern eine Elipsenbahn beschreibt. Wie beim Mond um die Erde auch. Und bei Elipsenbahnen gibt es einen Fernpunkt und einen Nahpunkt. Bei der Erdbahn um die Sonnen ist es der 4. Januar und der 6. Juli. Bei Sonnennähe ist die Sonne etwa 147.000.000 Kilometer von uns weg und bei Sonnenferne etwa 152.000.000 Kilometer also etwa 5.000.000 Kilometer Differenz. Nun eine Preisfrage, wann ist Sonnenferne? Wenn Sie sagen am 4. Januar, weil es da Winter ist, dann liegen Sie nicht richtig. Es ist am 6. Juli. Da die Verbindungslinie der Erde zur Sonne in der gleichen Zeit gleiche Flächen durchläuft – Johannes Kepler hat das festgestellt -, läuft die Erde um den 4. Januar schneller um die Sonne und um den 6. Juli langsamer. Das heißt, wir auf der Nordhalbkugel kommen etwas schneller durch den Winter als die Bewohner der Südhalbkugel. 

Herzliche Grüße
Franz Maus  

Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr’s im Hieronymus z’erscht

Originalartikel vom 20. Juni 2021

Teil 2 und Vorspann – Teil1 gibs hier

Im vergangene Herbscht han i zmol en Aaruef und e mail vum Linguistsiche Institut vu de Uni Sidney, z Auschtralie dä dunne griegt. En Carl Bodnaruk sait, er heb Vorfahre z Konschtanz und z Friborg, wär au scho dä gsi und dät passabel Diitsch schwätze und au eweng Alemannisch. Des mit em passabel han i glii i sauguet ummodle miesse. Er wet also e Studiearbet, e Bachelorarbet, über die Alemannisch Mundart schriebe, ob ich ihm do eweng helfe kinnt. De ganz Herbscht und Winter hät sich en aagregte mail- ping-pong ergähe. Denno han i lang nint me ghert. Uffs mol kunnt Aafang Juni en lange Studierodel über fascht 60 Siite mit Graphike, Karte und wisseschaftliche Erläuterungen.

(Wunderfitzigi könnet die Arbet i Englisch hier haan).
Selli uffschlussriich und au erstuunlich sind die umfangriiche ziemli uubekannte Quelleaagabe, wo er aagieht.
De Carl Bodnaruk sait, dass s Alemannisch grad i de grössere Städt dorch Überlagerung vu de schriftsprochliche Zuwanderer, em Mangel a technischem, wirtschaftlichem, buchsproochlichem Wortschatz und de Überalterung vu de Mundartsproochler schwer am himbelle sei. Uff de Dörfer und de kleiner Gmonde seis no eweng besser durch stärker glebts Brauchtum und Gselligkeit. Des alls hät er mit Frogeboge a 100 Mundartler uusgwertet und i Tabelle und Fieberkurve uusgschafft. En kleine Mangel dürft es haa, weil er glaub hauptsächlich Alemanne und Liit über 60 Johr befrogt hät. Uffschlussriicher wärs no, wenn er au Buechsprochler i de verschiedene Altersgruppe und au die Jüngere i allene Lebensalter gforgt het. Au wär en Bezug zu de Berufliche und de Gsellschaftliche Beziehunge wichtig, also die Demographie vu de Befrogte.
Es stimmt zwar scho alles, aber ich sag, es liiht haupsächlich a iiserem mangelnde und vernochlässigte Selbsbewustsii. Scho wo die Flüchtlingswelle us Pommern, Ostpreussen, Schlesie und em Sudeteland uff ganz Westdiitschland notwendigerwies aagschwappt isch, hond d Alemanne eweng s Knick iizogge und hond sich eher dene Neubürger schriftsproochlich aapasst. Dezue kumme isch, dass s Handwerk, de Handel und d Landwirtschaft sich radikal veränderet, mechanisiert, technisiert und nationalisiert hät. Me hät nimme nu uff de Boor oder z. Bade iikauft, bstellt und gschäftet, sondern mit ganz Diitschland, bald au mit ganz Europa und hitzutags au uff de ganze Welt. Natierli bruucht mer für Werkziig, Zubehöhr, Maschine, Computer und i de Wisseschaft ganz andere Wörter und Begriff wie i de alte Mundart. Und so sterbet alte, altbachene, klassische Mundarwörter ganz „natürlich“ uus. Des war aber scho immer so mit iisere eigentlich kelto- romanische Sprooch. Sie war und isch ständig im Wandel. Wandel hoesst aber au Umbau, Verändere, aber au Uffbau uff de alte Wert und Begriff. Weil des so ransant im digitale, globale Ziitalter goht, glaube mir, dass d Mundart uusstirbt. Sie veränderet sich schnell und so stark wie no nie. Wenn mir Alemanne, und dodezue ghöret aber au die Zuegroosste, die diitsche- und internationale Seconos- und Tricondos, uff dere lokal lebendige Mundart uffbauet, bliibt die modernisiert Mundart erhalte und für uuswärtige erkennbar und für iis selber e Markezoeche, e Eigeart uff die mer stolz sii khaa. Und sie bliibt denno au e Markezeiche für e Region, e Landschaft, e kennzeichnende Gschäftswelt. Gern erinnere ich mich a den Lehrbue us de Appruzze, der die bescht Villinger Mundart gschwätzt hät, oder den anatolische Gastronom us Briilinge, der broeter Baaremrisch schwätz, wie die meischte Briilinger. Oder de Christian Streich, der es ferig bringt, i Alemannisch sogar wieder am Fernseh, im Rundfunk und de Presse wieder „Hof z halte“. Es liit also a iis. Wenn mir oegsinnig und selbsbewusst unsere Zweisproochigkeit lebet, uns nit zu Uugebildete wege dere „putzigen“ Sprooch degradieret lond, denno verhebts no lang. D Schwiezer hond des gschafft, weils sies uuverboge lebet und nint aabrenne liond. „So wie mer s halt triebt, so hät mers“, en uralte Mundartspruch.

De Kummer: D ́ Lesbarkeit

Oe Schwierigkeit hommer allerdings, die hond aber au alle Mundarte: D Lesbarkeit. Mir waret, mit ganz wenige Uusnahme bei de Mundartdichter, no nie uff lese vu Mundart „konditioniert“, also iigstellt, iiguebt. Des Mundarschriftbild isch nit i iiserm Bildspeicher. Usserdem schriebt jeder Mundartschrieber anderscht, im Satzbau, im Sproochbild und i de Uussprooch. Wichtig isch, dass mer Mundart möglichscht vum Klangbild her schriebt, vum gsprochen, vum ghörte Wort. Also rein vum Klangbild i de Ohre und im Wort- „Laut“. I schwierig uusprechbare Sprooche wie französisch und Englisch gihts e klar iigführte phonetsiche Schrift. Des wär e Möglichkeit, aber weder nötig no bruuchbar. Weil für jede Mundartgegend , wie Hegau, Breisgau, Baar, Elsass e oeges Darstellungssystem nötig wär. Drum isch die Idee nit bsunders guet. Es bliibt nint anders übrig wie Klanggerecht z` Schriebe. Im Hieronymus, oder i de Eschinger Mundartrunde vu de Bürgerstiftung, setzt mer uff Vorläse. So khaa jeder beim Lese des gsproche Gschichtle au mitlese und kunnt so besser i die Mundartleserei inni. Villi bestätiget, dass mer denno dorchuus inni kunnt. Leider sterbet au die Stammtisch, die Fasnetfestle und die Vereinsuusflieg, dä wo meischtens Mundart gschwätzt word, immer meh uus. Des waret die beschte Bewahrer vu de lokale Mundart. Usserdem erhöht de Sproochklang die sowieso netter Poesie vu de Mundarte gegenüber em Buechsprochliche. Der folgend Spruch sait dodezue alles:

I de Mundart sehnet d` Ohre besser

Martin Graff

Alemannisch word nit untergau und wenn doch, erfahret ihr`s im Hieronymus z` erscht

Jede Dunschtig Obet isch uff Bayern 1 de Kultspruch vum Ringelstetter z Höre. Nu dass er statt Alemannisch „Bayern“ sait und statt Hieronymus „Bayern1“. Die Überschrift stimmt trotzdem uff de Pfennig. Zwar hät de Carl Bodnaruk vu de Uni Sidney, des isch z Down Under, in ere Studie ussi gfunde, dass es mit dere Alemannische Mundart nit so toll uusähne dät. De Karle us dem Land, dä wo mer de Uriiwohner Aboriginies sait, so wie iiserne Uriiwohner Alemanne, däts i de grössere Städt wege de villne Schriftsproch- Iiwanderer selli mau uusähne. Uff em Land vermacht er dere Sproch no e weng meh. Und die Ü 60- er i de Dörfer hetets no eweng meh druff wie die Junge. Dieselle dätet scho lang und uuaufhaltsam die rasant aawaasend die neu digital- Mundart mit sellene Bit- Bytes, Giga- Terra, USB- BBC, WLAN, PIN und TAN, Äpps, Potkascht, Hoembanking, sörfe, clauds und päds schwätze. Wörter wie Karscht, Zabbis, Heuliecher, Betziet, Bexler und Gilleschapfe könne mer allmählich ruhig im Archiv vu de Muetersproochgsellschaft verschobbe. Die bruuchemer halt oefach nimme. Wege Motorhacke, Vollernter, Fahrsilo, Meditation bim Waldbadde, Hydraulischem Spalter, und Kläralage.

Gilleschapfe

De Kängeru Karle, seller alemannischfreundlich Aussi, hät aber vergesse, dass solang de Streiche Chrischtian iis uff Alemannisch no erklärt, wie des mit de Wochetag eigentlich goht und de Keller Franz no uff Alemannisch sakramentiert, de Joogi uff Wiesetälerisch die Taktik gege die Wikinger Schoofbuere vu de Faroer verklickeret, im Joostal no Mundart- Freilichtspiel aabote wered, de Burger Steff sie baarschwarzwälder Mundart bim Predige im Münschter nit verhebbe khaa, solang stirbt s Alemannisch no lang nit uus. Wenn die Schwarzwälder Skiadler Legende de Nation erkläret, dass es „die wo„ hoesst und nit „diejenigen, welche„, merket ihrs: 5 Buechstabe gege 16 Buechstabe, s Komma gar nit mirgrechnet, denno verhebbt s no lang. Au wenn de Streiche Chrischtian dereinst am Hockestäcke des Lehrangebot, den Lehrufftrag vu de Buechebacher Bolzer aanimmt, und dene anatolische, lybische, akkademische Secondo- Stroosekicker und dene Ibe- und Attedäeler Buurebuebe de Deckungsschatte uff Dreisam- Alemannisch verklickeret, denno gohts sowieso nuu no, wie bei me geniale Steilpass, ghörig uffwärts. Allerdings sottet die iibilte alemannische Borgermäeschter nit am Grensilli Roulet Tisch hucke, Millione Chips vor sich uffbieget, sondern halt wieder am Stammtisch nuu um Pfennig spiele beim alemannische Benokel oder Zego dresche. Schriftsprooch, Buechsproch, manche saget au „Hochdeutsch“ zu dere gstelzte Mundart, heb sich nuu zuefällig ergähe, weil de Thüringer Luther halt sie Sproochart vu dä als Bibelsprooch drucke lau hät. Sunscht miesstet nämlich die zuegreiste Bildungsbürger i de Städt wie Friborg, Konschtanz und Lörrach die domols vorherrschend fränkisch- alemannisch, poesievoll Mundart schwätze.

Mir Ducklimuuser, mir Hennefiddle sottet halt mit Stolz iisere Mundart– Fahne selbsbewusst schwenke. So wies d Schwiezer im Fernseh, im Radio, im Parlament, i de Konzern, i de Wisseschaft, i de Kunscht und i de Banke hemmungslos machet, denno hät de Alemanne- Karle us Sydney/ Down Under amend doch nit ganz reacht.

Nepomuk hilft immer

Pfohren von Karl Merz

Sankt Nepomuk, du guete Maa…….

Sankt Nepomuk, du guete Maa“ gelesen von Maria Simon

Altmühlbrücke Bischofsstadt Eichstätt

Immendingen

Hüfingen

Eichenbrücke über den Rhein bei Rheinau

Überlingen

Eichstätt

Sankt Nepomuk, du guete Maa…….

Z` Pfohre uf de Dunnebruck
Do stoht en Heilge Nepomuk
Und Dunne abwärts, me kahs kum zelle
Stond no en Huufe vu dene Gselle
De Pfohremer aber , säll isch de Erscht
Worum du ihn halt fescht verehrscht
Zwoa Eschinger Wiiber us de Eile
Verhebets s` Rädle ver e Weile
„ Hai , so bressant worschs doch nit haa
Mir betet weng zum Heilge Maa“


S`erscht Gsetzli:
„ Oh Nepomuk do z` Pfohre uf de Bruck
Halts Hohwasser alljohr selli zruck
Laß i de Eile d` Gärte nit versinke
Laß d` Hiener, d`Hase, nit verdrinke
Falls d` Fluet halt nit verbremset krieegsch
Verschon die Brigach, wenns Wetter kumme siesch
Schieb d` Wolke schnell is noh Bregtahl
Ich bitt dich drum, mach doch nit en Verzahl
Und fang halt aa mit Überschwemme
Dä z` Briilinge, z` Hifinge , halt dert dänne
D` Schnuufer sind s`Wasser scho langeewig gwähnt
Des word scho im Rodel iber de Dick Karl erwähnt“

S` zweit Gsetzli
„ Oh Heilige Sank Nepomuk :
Bewahr iis doch vor grossem Schadde
Bim Saie, Jäte und bim Grabbe
Gib aacht uf d` Brigach und guck jo druff
Daß nit die Eile, und nit au en Schopf versuuft
Daß d` Brigach jo nit überlauft
Die Fluet nit uff de Allee rummlauft
Dass s` Wasser nit d` Vorstadt und no Hieser nimmt
Und au kon Moscht und Bier im Käer rumschwimmt“

S` dritt Gsetzli
„ O güetige Sankt Nepomuk
Uf dere broate Dunnebruck –
Und loht sich halt die Wassergwaalt
Die machmol kunnt, vum Wälderwaald
Halt ums Verricke nit verklemme
No fang halt aa, mit Überschwemme,
Ech bitt dech drum , du guete Maa, –
Z` Brielinge dänne oder erscht z` Hifinge aa
Die Schenkelisäger und selli Greichte
Au d` Schnuufer dierftet au mol beischte
So all paar Johr e mool e Baad
Des wär ver die koe weng en Schaad „

Jo so wars, Kulturbrucke uff de Baar

01. Februar 2021 Beitrag zusammen mit Andreas Hofmann

En Bruckeheilige verzehlt

Wo mer d` Schliefibruck vu Wolterdinge im Elsespitz versetzt kha hond, han ich mit beim Pfarr Werner Arnold erwähnt, dass do fascht no en Nepomuk fehle dät. De Pfarr hät kuntenend gsait: „ Ja das ist ja eine wunderbare Idee, da red ich gleich mit Herrn Wolfgang Kleiser vom Hammer wegen einer derartigen Skulptur. Das Geld für so etwas bekomme ich zusammen „. De Pfarr hät de Kleiser aagrufe, ein Preis uusgmacht und e Nepomuksculpur mit Sockel und 80 cm Höhe bschtellt. De Pfarr hät noch guet 25 Johr i sim doch lieb gwunnene Wolterdinge zum aastehende Abschied no mol e spirituelles, langlebigs, fascht uuvergänglichs Zoache setzte will.

Wo mer den Prager, den schweygsche Schelm denno uff em Schliefiwiederlager ännigstellt hond, waret alle ganz platt. Daß kon bläret hät, war grad alls. Am seeligschte war natierli de Pfarr. De knitz Kleiser, des knorrig Wäldermaali, hät denno gsait: „ Wissener, ich haan`s mir reiflich überlait, der Nepomuk den ich eich mach , den stell ich unters Motto : „Haltet ein !“. Un so isch au sii uugwöhnlichi Mimik, sie Gestik mit dere abwehrende Handstellung entstande. De Wolfgang Kleiser hät uusdrücklich dargleit, dass die Hand nit nuu segnend, sondern au mahnend zum Verstau sei. Zerscht hät des im Pfarr nit ganz so passt, aber noch paar Augeblick hät er selli zfriede zuegstimmt. Me kaa sich koo bessers Motto oder kon bessere Name für die neumodisch Broncestatue vorstelle. Es passt halt uffs I- Düpfli. !


De Oberminschtrant Thorsten Frei

De Kleiser isch draa gange und natierli bruuchts für so e Einweihung e Feschtle. S`ganz Ort hommer aaboret, dass sie die Wolterdinger Dorfgschicht mit historische und aktuelle Figure und Tätigkeite aussagekräftig bei me Gang über die uffgmöblet Schliefibruck darstellet. De Pfarr hät de Nepomuk gweiht und dem Steg mit spirituelle Wort und eme feierliche Akt wiitere 100 Johr erfolgriiche, segensriiche Lebensweg gwünscht. De Minschtrant, on mit ere fundierte Grunduusbildung, hät übrigens de Oberborgermoeschter Thorsten Frei gmacht. Und so stoht desell „Haltet Ein – Nepomuk“ uff de Schliefibruck und wacht über s `ganz Unter Bregtal, s ́ lieblich Dorf, de uurig Halleberg, die beschauliche Bregaue und erinneret und ermahnt uns, dass mer`s nit übertriebet sottet. Er isch de Erscht Nepomuk a de Breg, de zweit isch de Hifinger Nepomuk, de Dritt stoht als erschte a de Donau z Pfohre und e Vierte z Giisinge. Bis d Dunne im Schwarze Meer versorret dürfts no mehrere Hunderti vu so Nepomuk Bildstöckli gähe.

Schliefibruck Nepomuk vum Wolfgang Kleiser

Wa aber isch des für en Maa, desell Johannes Nepomuk ?

Natierli han ich i sellem Buech, wo ich mol a Wihnächte als Minschtrantegschenkt griegt han „ Helden und Heilige“ nochglese. Au Bibliotheke han ich durchstöberet. De Kerli hät mi doch selli verwunderet und aagregt. Wenn i denno im Südweschte umenand gfahre bin, han ich zmols nit nu uffmerksam noch Brucke uuschau ghalte, sondern zmols au noch Nepomuk- Statue. Aber nit nu uff oder an Brucke bin ich fündig wore, sondern au i Gebäudenische, an Wänd, uff Feldflure und Gartemuure isch er zum finde. Sogar Hotel und alti Gasthieser hond den Name. Uffs mol han i gmerk und khaa des au belege, dass des de meischt uffgstellt Freiluft- Heilig im deutschsprochige Raum isch. Sogar z Norditalie han ihn scho entdeckt. Do kunnt konn Johannes, koe Maria oder sunscht on vu de populäre Heilige mit. Wa aber macht den Maa so uussergwöhnlich, worum isch der immer no so modern ? so zeitgemäss ?

De Johannes Welflin von Pomuk isch um 1350 uff d` Welt kumme. Er war ab 1380 Priester und war Notar und Sekretär vum Bischof vu Prag. Studiert hät er die Jurisprudenz a de Uni Prag und Padua und hät anne 1387 de Doktor griegt. Während dere Ziit isches zu me Striit zwischem König Wenzel dem IV und em Erzbischof Johannes Jenstein vu Prag kumme. De Generalvikar Johannes von Pomuk hät en Wahlrodel vum Erzbischof innerhalb vu 3 Tag gattig umgsetzt, ohne dass er die Einspruchsfrist vum König abgwaartet oder verlängeret hät. Desell war au grad no uff Reise und war stinksauer, dass die Frist abgloffe gsii isch und die gnitze Kleriker ihn vor vollendete Tatsache gstellt hond.

De König Wenzel hät denno gähwietig die ranghöchschte Kleriker verhafte und foltere lau. De Erzbischoff hät grad no schnell vertlaufe kinne. De Kleinscht, de Nepomukli, hät sich de beleidigt, jähzornig Unhold uusgsuecht und ihn mit eme aalte, verkaibete Mühlstoa am Hals vu de Karlsbruck z` Prag i d` Moldau werfe lau. Versäufe war dämols die üblich Hinrichtungsmodi für Geistliche und Kleriker. Aageblich seiet beim Versuufe fünf Flamme us de Moldau zünglet und später het mer immer wieder mol 5 Sternli usem Moldaukies unneuffi blinzle gsähne. Und drum word er als onzige Heilige nebet de Maria mit eme Sterne- Heiligeschii dargstellt. Für mich aber isch des au e spirituelles, aussagekräftigs Symbol und en Vorläufer für de Europa Sternekranz. Do drüber sottet emol de panonisch Orban, die Pole- Nationalischte und die Brexit- Zündler mol nochdenke. Bis do isch des alles historisch belegt. Aber wie mer a de Flämmle us em Wasser sieht, fanget dert scho d` Legendebildunge aa. Und beim Nepomuk sind die selli zahlriich.

Nochdem ihn de König Wenzel abgmorkst hät, isch er zum Märtyrer wore. Um christliche Märtyrer ranket sich meistens schnell Legende und überlieferte, mündliche Gschichte. Natierli villmol i Mundart und die verbreitete sich unter de gwähnliche Liit. Drum gohn d die Rachegelüschte vu sonige Despote gschichtlich überhaupt nit uff. So au i dem Fall. De Nepomuk isch wege sinere Wunderwirkung bald mol selig gsproche wore und bald au anne 1732 zum Heilige erklärt wore. Sit sinere Ertränkung war er de bedeutendste Heilige im Habsburgerreich und im deutschsprachige Süde. Er hät dä sogar als Art „Staatsheilige“ golte, saget d` Historiker. Wundere duet mich nuu, wieso selleweäeg d` Habsburger Briilinger kon Nepomuk an ere Bruck oder eme Sägi- Bach hond. D` Villinger Habsburger hond on, aber nit an ere Bruck, sondern e mächtigs, kultigs Bildstöckli am Mühligrabe, also ame Wasserkraftbach, a de Schillerstrooß.

Wie mer ghört hond isch er wege Uffmüpfigkeit versäuft wore. Anne 2009 han ich z` Jestette z` dond ghet. Und wie meischtens, wenn i dä abi kumm, fahr ich über die uuglaublich schee Rheinauschleife mit em Kloster und über die uralt Eichebruck zwische Rheinau und Jestette. Wo mi de Zöllner vor de Bruck mit e me „Grüezzi“, isch guet“ grad dorchwinkt, huckt doch tatsächli so en Gartebuzzli mit eme Strohhuet, kurze Hose und eme gelbe Hemdli uf de Bruckebalustrade. Aadächtig und versunke guckt er uff die überdacht Eichebruck und uff de modern Nepomuk, der dä uff de Bruckebalustrade stoht. De erscht Gelbweste- Vordenker lang bevor die Bewegung entsande isch, han i denke messe, wo ni wiedermol im Bildfundus noch Nepomuk Bilder gsucht han.

Legende um de Nepomuk

Bei villne Heiligegschichte gohts villmol um „Sex an Crime and Rockn- Roll“. Koe weng andersch wie hitzutag bei Promis, Politiker, Kleriker und Schereschliefer. De Nepomuk war tatsächlich au de „Beichtiger“, de Bichtvatter vu de Königin Sophie, de zweite Frau vum König Wenzel. Dere Frau hät de Maa, de König Wenzel, aadichtet, sie sei imme andere Noble a d` Wesch gange. Drum heb er vum Nepomuk verlangt, er soll ihm sage, wa d` Königin Sopie bei ihm do drüber biichtet heb. Do isch er aber beim Nepomuk an Falsche groote. Der hät koe Sterbenswörtle wegem Biichtgeheimnis verrote und au do drum hät de gruusig König Wenzel ihn ebe i de Moldau versäufe lau. Und wege dem isch de Nepomuk wege sinere Verschwiegeheit i sinere Hauptheiligefunktion de Patron vum Beichtgeheimnis und vu de ` Verschwiegeheit. Verschwiegeheit isch au en wichtige Grundsatz vu de Jesuite. Und drum hond die ihn au zum Vize- Patron neben Franz- Xaver gmacht. Die fünf Stern i sim Heiligeschii sollet au die fünf Buechstabe vu dem lateinische Wort „ t a c u i “ uusdrucke, wa so vill hoasst; “Ich habe geschwiegen“.

Wie konn zweite Heilige isch er also so en Art Universalheiliege, also e Geheimwaffe oder en Alleskönner. Wie scho gsait also fürs Biichtgeheimnis, die Verschwiegenheit und au de Patron für d` Pfärrer.
Weil sin Tod au mit Wasser, mit de Moldau- Karlsbruck und de oft uuberechenbar Wasserkraft zämethängt, isch er au de Patron für d` Müller, für d` Brucke , für d` Flösser und für die zahlriiche Flusschiffer (Waidling, Ulmer Schachtle, Segmer. Lädine usw.).
Und vor allem für allgemeine Wassergfahre wege Überschwemunge, Schneeschmelze, Dunderwetter, Wolkebrüch, Eisstau und Verklausunge.


Daß mer ihn hitzutag immer no bruuche khaa, sellewäeg han ich des Gschichtle und des Nepomuk Gedichte gschribe. Die Gschicht häts mer oefach zuegschwemmt wie Treibguet bii Hohwasser.
Und wege dem hoasst min 60- jährige Unimog scho sit de Schliefibruck i mim Kopf: „Nepomog“ und erinneret mich a de Motivname und de Skulpuregestus vum Wolfgang Kleiser: „Haltet ein“

Nepomuk nach Sebastian Blau

Sankt Nepomuk, du guete Maa…….

Z` Wolterdinge uf de Schliefibruck
Do stoht en Heilge Nepomuk
„ Kumm, so bressant häschs doch jetzt nitte
Me wend ihn, um ebbs wechtigs bitte „ :

„ Oh Heilige Sank Nepomuk :
Bewahr iis doch vor grossem Schadde
Bim ..Schwimme, und bim Badde
Gib acht uf d` Breg und guck jo druff
Daß nit e Goass oder gar e` Kueh versuuft
Und dass die Breg nit überlauft
Die Fluet jo nit i d` Au nuuslauft
Dass s` Wasser nit des Dorf und Hieser nimmt
Und au kon Moscht im Käer rumschwimmt

– „O güetige Sankt Nepomuk
Uf iisre scheene Schliefibruck „ –

Und loht sich halt, die Wassergwaalt
Die manchmol kunnt vum Wälderwaald
Halt ums Verricke nit verklemme
No fang erscht aa mit Überschwemme,
– Ech bitt dich drum , du Guete Maa,
Erscht z` Briilinge oder z Hifinge aa

Die Schenkelisäger und selli Greichte
Die kennet au mol schnuufe und kherig beischte
So all paar Johr halt mool e Baad
Des wär ver die koa gwiss Gott konn Schaad „

© Hubert Mauz / März 2015 sehr frei nach Sebastian Blau 1934

St. Nepomuk von Sebastian Blau

Vorgetragen von Andreas Hofmann

En Raoteburg stoht uf dr Bruck
e‘ Heiliger Sankt Nepomuk.
Komm, so pressant hosch-s ete‘,
mr wend gschwend zua-n-em bette‘:

»O Heiliger Sankt Nepomuk,
bewahr me ao vor Schade‘
beim Schwemme-n-ond beim Bade‘;
gib uf de‘ Necker acht ond guck,
daß dren koa‘ Ga’s ond Geit versauft,
ond daß r jo et überlauft,
et daß r mit seim Wasser
de‘ Weag en d Stadt ond d Häuser nemmt,
ond aos de‘ Wei‘ im Kear rom schwemmt.
O Heiliger Sankt Nepomuk,
do tätest aos en baöse‘ Duck!

Ond loht se halt
mit aller Gwalt
s Hochwasser et verklemme‘,
noh hao‘ en Ei’seah‘, guater Ma‘
ond fang mit überschwemme‘
e bißle weiter donne‘ a‘:
dia Goge‘ nemmets et so gnau,
en deane ihren saure‘ Wei‘
därf wohl e‘ bißle Wasser nei‘
– ond evangelisch send se ao…«

Quelle: Das große Josef Eberle Sebastian Blau Lesebuch, DVA München

Altmühlbrücke Bischofsstadt Eichstätt

Immendingen

Hüfingen

Eichenbrücke über den Rhein bei Rheinau

Überlingen

Eichstätt

Eispalmen

Liebe Bürgerpostleser, 

heute war ich überrascht von diesen schönen Eisblumen auf unserem Auto. Jemand hat geschrieben, das sind doch eher Eispalmen, fürwahr, so könnte man das auch nennen. Laut Wikipedia ist eine Eisblume ein Eiskristall, dem wegen seiner Form Ähnlichkeit mit einer Pflanze respektive Blume zugesprochen wird. Es handelt sich um eine Sonderform von Raureif. Eisblumen entstehen typischerweise an Fenstern. Ich erinnere mich noch gut an die Kindheit, als man an Ihrer Größe die Kältesituation abschätzen konnte. Seltener ist der umgekehrte Fall: Streicht etwa Außenluft mit über Null Grad über vorher unter den Gefrierpunkt gekühlte Oberflächen, entstehen die Gebilde an der Außenseite.

Auf der Windschutzscheibe

Auf dem Auto

Genau diesen Fall sehen wir hier, über Nacht hat es geregnet und am Morgen – typisch für die Baar – ging die Temperatur bei klarem Himmel unter Null und es entstanden diese schönen Eispalmen. Auf der Frontscheibe sehen sie anders aus. Eisblumen sind ebene Kristalle des Wassers. Meist mischen sich sechseckige (blumenartige) Formen, die auf der hexagonalen Symmetrie beruhen (wie bei der Schneeflocke) mit dendritischen, baumähnlich verzweigtem Wachstum. Zum Schluß heißt es: „Die genauen Prozesse sind bis heute nicht konkret verstanden“. 

Ist das nicht sensationell?

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

Der Schokoladenzwerg

S‘ Schokoladezwergli

E Mährli vum Heiner Graf us Iisebach.
Übersetzung vu de Buechsproch is Booremerisch und is Züritüütsche.

Bilder und Idee: Heinrich Graf.
Texte: Ramona Graf, Roswitha Stemmer-Beer, Martin Graf, Hubert Mauz, Maria Simon, Barbara Rohrer und Hans Peter Rohrer.

Veröffentlicht am 26.02.2023.

Hochdeutsch: Heinrich Graf

Booremerisch: Maria Simon und Hubert Mauz

Zürichdeutsch von Barbara und Hans Peter Rohrer 

Zwuggl ist ein kleiner Zwerg. Er ist nicht sonderlich stark, dafür aber schlau und gewitzt. Zwuggl ist besonders, denn er liebt nicht die Beeren aus dem Wald, wie alle anderen Zwerge, sondern er liebt den Schokoladenpudding. Er ist so süß und schokoladig  und lecker und vergeht so zart auf der Zunge. Um Schokoladenpudding zu bekommen würde Zwuggl so einiges machen. 

De Zwuggel isch en kleine Zwerg. Bärestark sich e nit, aber selli gschied und schlau. Und waa isch er sunscht no? Er isch ganz verruckt uff Schokeladpudding. Siessi Waaldbeeri, die jeder mag, nei die mag er nit. Und sunneriefi Himbele, au die mag er nit. Aaber Schokeladpudding! Hmmm, well der so agnehm uff de Zunge vergoht. Dodefür stell de Zwuggel scho manchi Stroech aa.

De klei Zwerg Zwuggel isst fers Lebe gearn Schokeladpudding. Zwergli sind friendli , wered aber bees, wenn sie Gier und Fuetterneid spüret.

De Zwuggel isch en chline Zwärg. Er isch nöd bsunders starch aber defür schlau und pfiffig. Er isch öpper Bsunders, will er nöd wie alli andere Zwärgli am liebschte Waldbeeri hät, nei er hät am allerliebschte Schoggipudding. Dä isch nämli so süss und schoggig- zart und fein und vergaht grad uf de Zunge. Für Schoggipuddig miech de Zwuggel allerhand.

D’Gschicht vom chline Zwärg wo so gärn Schoggipuddig isst.

De Zwuggel isch en chline Zwärg. Er isch nöd bsunders starch aber defür schlau und pfiffig. Er isch öpper Bsunders, will er nöd wie alli andere Zwärgli am liebschte Waldbeeri hät, nei er hät am allerliebschte Schoggipudding. Dä isch nämli so süss und schoggig- zart und fein und vergaht grad uf de Zunge. Für Schoggipuddig miech de Zwuggel allerhand.

Jeden Tag geht er vom Rappenloch, wo er mit seiner Familie in einer kleinen Hütte aus Holz wohnt in das Bergwerk nach Eisenbach. In Eisenbach gibt es viele Zwerge, die nach Gold suchen, doch für gewöhnlich finden sie nur Eisen, ein Metall das nicht so wertvoll ist. Eines Tages doch hat Zwuggl schon morgens beim Aufstehen das Gefühl, dass etwas Großes passieren würde. Er nimmt seinen Rucksack, packt sein Vesper aus einem Brötchen und zwei Würsten und einen Pickel wie jeden Morgen ein. Er geht über die Felder am kleinen Bächlein vorbei und betritt das dunkle Bergwerk. Sein kleines Lämpchen hat er immer dabei und das hilft ihm in der Dunkelheit zu sehen. Immer tiefer geht er in den Stollen hinein und pickelt mit seinem kleinen Pickel auf den Stein. Da plötzlich leuchtet etwas. Er hat zuvor noch niemals Gold gesehen, doch das musste wohl ein Goldklumpen sein, so golden wie er leuchtet. Er pickelt vorsichtig weiter und es kullert nicht nur ein Goldklumpen aus der Steinwand sogar noch einer und noch einer und noch einer – so viele bis er letztendlich fünf  Goldklumpen in seinen kleinen schmuddeligen Händen hält. Zwuggl kann seinen Augen kaum trauen und beginnt zu träumen. Wie viel Schokoladenpudding er dafür bekommen könnte – so viel, dass er die vielen Gläschen gar nicht tragen könnte und sich Jahre lang den Bauch vollschlagen könnte mit Schokoladenpudding. 

Jede Tag lauft er vum Rappeloch z Iisebach is Bergwerk is Untertal. Im Rappeloch wohnet Zwergli. Vill Zwergli, ganze Zwergesippene. Au de Zwuggel wohnt dä innere kleine Holzhitte. Fascht alli schaffet im Bergwerk und suechet und buddlet dä noch Iiseerz.

Aber eigetli, pass uff, nit wietersage, suechet sie noch Gold. Dem glitzige Wundermetall , dem saghafte Gold. 

A me scheene Morge hoppet de Zwuggel heiter us de Bettstatt. Er isch sich ganz secher, dass hit ebbis Gwaltigs passiere werd. Er packt sie Rucksäckli und packt en Ortmogge , zwoe Würscht ii und oberdruff, natierli de Bergmanne Pickel. Er hoppet über d Felder und Wiese, vorbei am kleine, luschtige Iiisebächli, wo blätscheret is rappeschwarz Bergwerk a de Badmilli. Sii kloeni Karbit-Funzle liichtet enu a glei weng im Fiischtere. Er goht a d Arbet und schleglet, haut und klopfet mit sinere Spitzhaue uff die bockelherte Stoeschichte.
Do, uff s mol, glitzeret und funklet ebbis. Jegesmaraie, wie des funklet und blitzt. Waa isch denn dees? Saacht scharret er wieter. Und zmols kaiht en granate Goldbolle vor ihm uff sinni winzige Zwergefiess aabi. Grad woner sich denoch bucke hät welle, kaiht no on , und no on, und no on vu dere Stoewand obe aabi. Zmols hät er fief prächtige Goldbolle i de kleine Händli. De Zwuggel khaa`s kum glaube. Doch wan er sich vu dem riiche Goldsege kaufe will, des woess er gnau. Er macht d Äugle zue und sieht sich in ere kloene Speis vu kleine, große, nei vu gwaltige Gläser voll mit Schokeladpudding umgebe.

De Zwuggel hät en ständige Kamerad, d Muus Minna. Die goht mit ihm is Bergwerk und pfiefft ihm villmol e Liedli vor, S Zwuggeli versirgt sie defür mit sim Vesper. Siteher ruckt sie nimme vu sinere Siite.

Er wohnt mit sinere Familie in ere  Holzhütte im Rappeloch und gaht jede Tag is Bergwerk uf Eisenbach. Det sueched vill Zwergli nach Gold, aber meischtens findets nur Ise, aber das isch es Metall wo nöd bsunders vill Wert hät. Da, ame schöne Tag, hät de Zwuggel scho bim Ufsto s Gfühl, hüt passieri öppis Grosses. Wie a jedem Morge, packt er es Brötli und zwei Würscht als Znüni i sin Rucksack und zoberscht druf ue sin Pickel. Er lauft über d’Fälder ame chline Bächli verbi und dänn gaht er is dunkel Bergwerk ie. Er hät immer e chlises Lämpli debii, dass er im Tunkle öppis gseht. Er gaht immer tüfer in Stolle ie und picklet mit sim chline Pickel uf d’Felse. Plötzlich lüchtet öppis. Er hät zwar no nie Gold g’seh, aber so wie das lüchtet isch das sicher en Goldchlumpe. Vorsichtig picklet er wiiter und scho chugled nüd nu ein Goldchlumpe us de Felswand, nei no eine und no eine und no eine, im Ganze hät er föif Goldchlümpe i sine chline schmuddelige Händli. De Zwuggel cha fascht nöd glaube was er gseht und er fangt aa träume. Wie vill Schoggipudding gäbti das ächt? – So vill dass er all die Töpfli  gar nöd mögti träge und er chönti jahrelang Schoggipudding ässe bis gnueg.


Er kann sich kaum halten und mit kleinen schnellen Schritten springt er glücklich und vorfreudig  tips taps tips taps zu dem nächsten Ort an dem es Schokoladenpudding gibt. Das ist bei dem Mann der das Brot, die Brötchen und den Schokoladenpudding macht – dem Bäcker Fieser. Dort angekommen streckt er dem Bäcker freudestrahlend einen Goldklumpen entgegen und verlangt so viel Schokoladenpudding wie er tragen kann. Doch der Bäcker sagt: Zwuggl das ist ein Stein, der ist nicht viel Wert. Dafür bekommst du drei Gläser Schokoladenpudding und keines mehr. Da wusste der kleine Zwuggl dass der Bäcker Fieser ihn übers Ohr haut. Es fällt ihm wie Blätter von den Augen – der Bäcker Fieser heißt doch so weil er ein ganz fieser ist. Er gibt die kleinsten Brötchen für das größte Geld und er nutzt jede Gelegenheit um die Bewohner im Dorf zu betrügen und sich zu bereichern.

De Zwuggel isch vor luuter Freid nimme zum Hebbe. Es hoppet und rennt mit sinne kleine Fiessli ganz uffgweckt und verruckt is Nochberort zum Beck Vieser. Voller Freid streckt er im Beck en Goldklumpe vergegge: „Ich het gern so vill Schokeladpudding wie ich trage khaa“ und de Zwuggel zoeget ihm de Stoa, woner im Händle hebt.De Beck Vieser word ganz wunderfitzig; „ Zwuggel, wa häsch du do? Aah, nuu en wertlose Stoe us Iise. Dodefür gib ich dir drei Gläser mit Schokeladpudding, koe onzigs meh“, sait de Beck. Ums ummigucke nimmt er im Zwuggel den Goldklumpe us de Fingerli und lot ihn im Schoopesack verschwinde. De Zwuggel fuxt des, wie de Beck Vieser ihn über`s Ohr haue will. Wo denno de hinterlistig Beck in Kähr schlurpft isch, um im Zwuggel e paar aalti, verstaubeti, abgstandini Gläser mit Pudding z hole, hät sich de Zwuggel, taps, taps, taps, zu dene Gschtelaasch sgschliche, uff dene all de guet Schokeladpudding stoht. „ Nei, Nei, verseckle lan ich mich nit“, dismet s Zwergli vor sich änni. Und klick, klack , klick , klack verschoppet er wuselig alle Gläser i sim Rucksack.

De Beck Vieser verscherblet für vill Penunze die miggrigschte Brötle. Er loot koe Glegeheit uus, d Liit über de Tisch zum ziehe. Sau Riich will er were, und dodezue sind ihm alle holose, miese Schereschliefereie grad reacht.

Er vergitzlet fascht vor Vorfreud und rännt mit chline schnälle Schrittli tips taps, tips taps glücklich bis is nächscht Dorf wo‘s Schoggipudding git. Det hät de Beck Fieser sin Lade und macht  det Brot, Weggli und ebe Schoggipuddig. Voll Freud streckt er am Beck en Goldchlumpe ane und seit er well so vill Schoggipudding wie n‘ er mög träge. Aber de Beck seit: Zwuggel, das isch nu en Schtei und nöd vill wert. Für de gits numme drü Töpfli Schoggipudding und kei einzigs dezue. Do hät de Zwuggel gmerkt, dass de Beck Fieser ihn wott bschisse, natürli, klar, dä heisst doch Fieser will er en Fiesling isch. Bi däm gits munzig chlini Brötli für vill Gält und er probiert all Lüt z’bschisse zum sälber gschnäll riich z‘werde. Aber de Zwuggel hät scho en Plan: wo de Beck in undere Stock abe gaht zum drü uralti Töpfli mit Schoggipudding go hole, schliicht de Zwuggel tips taps, tips taps zum Gschtell ane wo de frisch Schoggipudding staht, de wo de Beck wott verchaufe. Mit eim Schwick laht de Zwuggel klicker klacker alli Töpfli mit Schoggipudding i sim Rucksack verschwinde.  


Doch der kleine Zwuggl hat schon einen Plan. Als der Bäcker nach unten geht, um dort nach drei besonders alten Schokopudding Gläsern für Zwuggl zu gucken schleicht der kleine Zwuggl tips taps tips taps zu den Regalen mit dem ganzen Schokopudding der zum Verkauf ausgestellt ist. Mit einem Schwung seines Arms lässt er klickeri klacker alle Gläschen mit Schokoladenpudding in seinem Rucksack verschwinden. Durch den krach schöpft der Bäcker Fieser Verdacht, dass Zwuggl was im Schildre führt. Was ist da oben los?

S Moritzle lebt im Lade vum Beck Vieser. De Moritz muuset am Brot und em Kueche uff de Uuslage vu de Bäckerei umenand. Überall hät de Vieser Muusfalle gstellt, nuu im Lade nit. Dä lebt sichs wie im Schlaraffeland.
Wo denno de Moritz d Minna, im Zwuggel sie Kamerädle, sieht, isch er sofort i d Minna verliebt, wie en junge, hoffährtige Gickel.

„Klick, klack, klick, klack…….des hert de Beck im Kähr unnä. Wa isch denn do los?, denkt, aber zmols däämeret ’s ihm. So schnell wie ihn die krumme Fiess traget hond kinne, rennt er d Stäge uffi und merkt, dass alli Gschtelasch mit em Schokeladpudding rubis und stubbis leergrummt worre sind. De Beck rennt uussi und johlet und joemmeret um Hilf. „Gandarme, Gandarme, kummet, helfet. S‘ ganz Ort und de Oberpolizei sind deher grennt kumme.

Da g’hört aber de Beck überunne s’Schäppere vo dene Töpfli. Was macht de Zwerg det obe? De Beck rännt d’Stäge uf und gseht, dass s’Gschtell mit de Töpfli scho rübis und stübis läär g’rumt isch und de Zwuggel scho mit em ganze Pudding uf und devo isch. De Beck rännt veruse und rüeft luut: Polizei, Polizei, hebed de Dieb! De Zwuggel hät natürli Angst, dass mer ihn verwütscht und rännt und rännt so schnäll er cha mit sine churze Bei, tips taps tips taps über d’Fälder, de Berg duruf und in Wald.


Der Bäcker stürzt die Treppe hoch und sieht, dass die Schokoladengläser aus den Regalen ratzt putze leer gefegt waren und Zwuggl schon mit den ganzen Gläschen reiß aus genommen hatte. Er rennt raus und ruft laut nach der Polizei: Polizei – Polizei haltet den Dieb! Zwuggl hat solche Angst erwischt zu werden und rennt und rennt und rennt mit seinen kurzen Beinchen so schnell er kann tips taps tips taps über die Felder, den Berg hinauf in den Wald. Der Bäcker Fieser und die Polizisten mit ihren Spürhunden sind ihm dicht auf den Fersen. 

De Oberbolizei Vöhrenrechtle sorgt im Wälderwaald für Reacht und d Ornig. Er goht dene schreege sache uff de Grund und isch selli gwissehaft und dipflischiessig. Jeden Bandit oder Hambis quetscht er so lang uus, bis er woess wa Sache isch und wa gnau passiert isch.

De Zwuggel wetzt und rennt mit sinne korze Fiessli und dem pralle Rucksack wie er e Gschoss über d Wiese und Felder und Buckel uffi und abi. Jegesgott hät der Zwuggel e Hoseschiesser- Angscht.
De krummfiessig Beck und de Oberbolizei mit sim bissige Bolizeihund sind ihm schwer uff de Ferse.

De Beck Fieser und d’Polizischte mit de Spürhünd händ en scho fascht iigholt. De Zwuggel schnuufet und pfnuchset und isch eso erschöpft, dass er e Pause bruucht. Eine vo de Hünd macht en Satz uf en zue und fangt wie verruckt aa bälle zum de Polizischte z’rüefe. Was söll de Zwuggel jetzt mache? Wänn er uf en Baum ue chlätteret dänn g’sehnt en d’Polizischte, wänn er sich versteckt oder devo rännt, dänn bället de Hund bis en d’Polizischte finded. Und wänns en finded, dänn chunnt er is Chefi und er isch dänn Tag und Nacht iigschpeert. S‘einzig Intressanti wär dänn dass er d’Spinne a de Tecki chönti beobachte und gseh wies ihri Netz spinned.


Zwuggl schnaubt so hat er sich angestrengt und ist so erschöpft, dass er eine Pause braucht. Einer der Hunde kommt mit einem Satz auf ihn zugesprungen und beginnt ganz fürchterlich laut zu bellen um die Polizisten zu rufen. Was soll der kleine Zwuggl nun machen? Wenn er auf einen Baum klettert, dann sehen die Polizisten ihn, wenn er sich versteckt oder wegläuft, dann bellt der Hund bis die Polizisten ihn finden. Wenn die Polizisten ihn finden, dann wird er im Gefängnis Tag ein und Tag aus eingesperrt sein und das einzig spannende ist dann die Spinnen an der Decke zu beobachten, die ihre Netze spinnen und mit jedem Lufthauch tanzen. Plötzlich hat er eine gute Idee. Blitzschnell packt er seinen Rucksack vom Rücken nimmt die Wurst aus seinem Vesper und gibt sie dem Hund.

De Zwuggel schnuufet und baischtet u d isch baald so miäd, dass er verschnuufe mue. De schwarz Bolizeihund hoppet uff ihn zue und bellet wie en Närsche. Wa soll do de klei Zwuggli mache? Uff en Bomm gräsle? sich verschopp ?
Z mols hät er en zindende Gedanke. Ratzfatz holt er sin Rucksack vum Buckel obe aabi, kromt noch em e Schübling und streckt die Knackwurscht im Bolizeihund änni.

Als uusbildete Bolizeihund hät de Max e ganz bsunderi Nase und au g spitzi Ohre. Sie zottligs Feal verrotet kumm, dass er boemager isch.

De zottlig, schwarz Spitz mit em wiiße Flecke uff de Bruscht isch immer en Wolfhunger. Blitzartig schnappt er die Worscht. sie schmeckt ihm selli guet. Des sieht de Zwuggel glie, well de Bolizeihund mit dem Wadel wedlet. „En Guedde, ich bi de Max, de Bolizeihund und wie hoesssisch duu ?“ . „Zwuggel hoess ich“, sait und giiht im Max die zweit Worscht. Wo denno de Bolizeihund die zweit rubis und stubbis verschlunge gha hät, stupft er de Zwuggel mit sinnere fiichte Nase saacht aa: „ So frindli war no nährmert zu mir. Derf ich bi dir bliebe, Zwuggel?“. „Nint lieber wie des“, sait s Zwergle und freit sich über den neie Kamerad.

Aber jetzt hät er e Idee: Blitzschnäll zieht er sin Rucksack ab und nimmt sini Znüniwurscht use und git si em Hund. De Hund isch en schöne, chline,  echli zottelige schwarze Spitz mit eme wisse Fläcke uf de Stirne. Er hät immer Hunger und isst die Wurscht grad uf. Dänn wädlet er mit em Schwanz, er hät nämlich so fescht Hunger, will em d’Polizischte nie gnueg z’Ässe gänd. Also bsunders guet behandled die ihre Hund nöd, debii hät er doch eso e gueti Spürnase und sini Ohre ghöred sogar es Blettli vom Baum abe falle. Wo n‘em de Zwuggel au no di zweiti Wurscht fuettered, tänkt de Hund: de chli Zwärg isch so lieb und überhaupt nöd gföhrlich und bös, wie ich gmeint ha und wie das Polizischte gseit händ. Eigentlich chönnt de Zwuggel sogar sin Fründ werde. De Hund seit: ich bi de Max, de Polizeihund und drum säged mir d’Mäntsche Polimax. De Polimax wett jetzt lieber bim Zwuggel bliibe statt für d’Polizei schaffe. De Zwuggel freut sich, dass er jetzt en Fründ übercho hät wo mit em wott witerzie. Eso gönds miteneand tips taps, tips taps vo de Polizischte furt über Fälder und Wiese und Berge bis si is Bäretal chömed. 


Der Hund ist ein schöner zotteliger kleiner schwarzer Spitz mit einem weißen Fleck auf der Stirn. Er hat immer Hunger und isst die Wurst genüsslich auf. Er wedelt mit dem Schwanz, denn er ist so hungrig gewesen, weil die Polizisten ihm nie genug zu essen geben. Sonderlich gut gehen die Polizisten nicht mit ihm um und das obwohl er doch so eine gute Spürnase hat und seine Ohren selbst ein fallendes Blatt hören können. Als Zwuggl ihm auch noch die zweite Wurst fütterte dachte der Hund der kleine Zwerg ist so lieb. Er ist gar nicht gefährlich oder böse so wie er das dachte, weil die Polizisten das so sagten. Zwuggl könnte sogar ein Freund werden.  Der Hund sagt: Ich bin Max- der Polizeihund und die Menschen nennen mich deshalb Polimax. Polimax möchte nun lieber bei Zwuggl bleiben und ihn anstatt die Polizisten begleiten. Zwuggl freut sich einen Freund gefunden zu haben, der mit ihm weitergehen möchte. So gingen sie gemeinsam tips taps tips taps von den Polizisten weg über die Felder, Wiesen und Berge bis sie letztendlich in ein Tal namens Bärental kommen.

Ganz liesli schliechet sie sich, taps, taps, taps, devuu. Sie kummet is Bäretal am Feldberg, wo sie uff e klei Hiesli stosset.

„Zum gschiede Beck“

stoht do uff em Ladeschild. Wa fer en Guu, wie des guet schmeckt. De Zwuggel und de Max strecket ihre Näsli und Kepfle i die aaglihnet Derre inni.
A me große Haffe stoht en kleine, grauhoorige Maa, wo saacht und fliessig en fieni, dicke, bruune Schokoladpudding aariehrt. Im Zwuggel lauft s Wasser im Muul zämet vor Gluschte.

De Schlau Beck gucket i de Welt ummenand. Bei ihm giihts fascht alls zum kaufe.S Bescht wan er uff sine Reise findet, bietet er i sim Kuriositäte Lade aa.

De Zwuggel kromet on vu sine Goldbolle us sim Hosesack. „Grieg ich bittschee vu dem guete Schokeladpudding? Und fer de Max Würscht, soviel ich trage khaa?“
De gschied Beck, so hoesst de Maa a dem grosse Haffe im Volksmund, isch Beck, en ehrliche und en guete Maa. Und als en frindliche, gspassige, gsprächige Maa und als Gifitz im Hohschwarzwald guet bekannt.
Er bedient die zwo mit sim berühmte Schokeladpudding und sinne knackige Würscht. „ Hmmm, Hmmm, des schmeckt jo granateguet“, siefzet die zwo selig.„Des wars allerbescht wa mer jemols gschmaust hond“. Und wa macht de schlau Beck? Er steckt vill Gläser Schokeladpudding in Rucksack vum Zwuggel und obedruff no en Hufä Würscht für de gierig Max.

Det chömed’s zum e chline Hüsli und det drus use schmöckts gluschtig vo Schoggipudding. De Zwuggel und de Polimax gügsled is Hüsli ie und gsehnd wie de Beck Schläuli grad im Schoggipudding ume rüert. Hmm, das schmöckt soo fein, am Zwuggel lauft s’Wasser im Muul zämme. Er grüblet en chline Goldchlumpe us sim Sack use und streckt en am Beck Schläuli mit sine chline schmuddelige Händli ane und seit er wetti Schoggipudding für sich und au no Würschtli für de Polimax eso vill wie er träge chönni. De Beck Schläuli isch en ehrliche und gschide Maa und isch scho überall umeg’reist zum di bescht Schoggi und di allerbeschte Würschtli z’finde. Er weiss was guet und fein isch und füllt s Büchli vom Zwuggel mit feinem Schoggipudding und de Polimax chunnt  knackige Würschtli über. Hmm so schmatz mampf säged die Beide, das isch de aller- allerbeschti Schoggipudding wo ich überhaupt je probiert ha – und di beschte Würschtli, seit de Polimax.


Dort kommen sie an ein kleines Häuschen aus dem es so lecker nach Schokoladenpudding duftet. Zwuggl und Polimax strecken ihre Nase in das Häuschen und sehen dort den Bäcker Schaule wie er gerade im Schokoladenpudding rührt. Hmmm es riecht so lecker, dass Zwuggl das Wasser im Mund zusammenläuft. Er kramt einen kleinen Goldklumpen  aus seiner Tasche, streckt ihn dem Bäcker Schlaule mit seiner kleinen schmuddeligen Hand entgegen und verlangt so viel Schokoladenpudding und so viele Würstchen für Polimax wie er tragen kann.

„Sag emol, Ggchiede Beck, worum schmeckt do bei dir alls so selli guet? frogte de Zwuggel. „ ahh…. , die Würscht han ich vum Megxer Fritz vu Oberbränd. Der isch landuff , landab bekannt fer die allerbeschte Würscht, Fleisch- und Speckware. De Schokelad aber, de sell kunnt uus de Schwiizer Berg. Dert gänd die zfriedene Kühe die bescht Milch wo mer sich denke khaa. Und im große Sprüngli-Huus nemet Schokeladkocher nuu de bescht Kakoo us Brasilie, dä wo die nette, bruune Kaffeebohnemaidli a de Copa Cabana badet. Und us dene zwei Zuetate word beim Sprüngli de fein Sprüngli Schokelad gmacht“, sait de gschied Beck.
„Wo sich denn dees ?“, do änni wendmir zwo, ich und de Max kuntinend änni gau. De gschied Beck verkaartet ihne de Weag. Er zoechnet ihne sogar Wanderkart. De Weag goht über hohni und stoenige Berg, vorbei a saftige Wiese und Felder, über en ganz große Fluss und wieder über hohni Berg. Sie saget dankbar und vergnüegt Adee. „ Wartet emol“, sait de gschied Beck, langet is oberscht Laderegal und nimmt e Fläschli Schokeladliker ussi. Des sich eigetli ninnt für ei zwo, aber wer woess, amend kinnet ihr des Gütterli doch emol guet bruuche“.

De Beck Schläuli füllt jetzt em Zwuggel sin Rucksack mit ganz villne Töpfli Schoggipudding und eme Huufe Würschtli. De Zwuggel fröged wunderfitzig: Beck Schläuli warum sind dänn din Schoggipudding und dini Würschtli so super fein? Ich verrate‘ s dir seit de Beck, die Würschtli sind vom Fritz und de macht di beschte Würschtli vo de ganze Wält. Und d’Schoggi, d’Schoggi  heb er uf ere Reis entdeckt. Si chömi vo de Berge i de Schwiiz. Det gänd di glücklichste Chüe di beschti Milch und im  grosse Hüpfli-Huus macheds di feinschti Schoggi. De Zwuggel wett jetzt unbedingt det ane, wo die feini Schoggi g’macht wird. Dänn erchlärt de Beck Schläuli em Zwuggel de Wäg über de höch Berg ie, über d‘Wiese und Fälder, über de gross Fluss und nomol über d’Berge und zeichnet em sogar no e Charte, dass er de Wäg guet findi. Si säged enand Adie und de Beck Schläuli git dene Zwee  no eine vo sine guete Schoggi-Liköör mit uf de Wäg. De isch zwar nur für di grosse Lüt, aber villicht chönted  mir de emal no guet bruuche, händ‘s tänkt.


Der Bäcker Schlaule ist ehrlich und keck und reiste durch die ganze Gegend um die leckerste Schokolade und die leckersten Würstchen zu finden. Er hat einen Sinn für das Gute und das Leckere und füllt die Bäuche des kleinen Zwuggl und Polimax mit leckerem Schokoladenpudding und knackigen Würstchen. Hmmm soooo lecker, sagten die Beiden, das ist der leckerste Schokoladenpudding den ich je probiert habe und die leckersten Würstchen. Der Bäcker Schlaule füllte nun auch den Rucksack klickeri klacker mit einem, zwei, drei  – vielen Gläsern mit Schokoladenpudding und Würstchen.  Zwuggl ist neugierig geworden und fragte den Bäcker Schlaule: Warum sind dein Schokoladenpudding und deine Würstchen denn so lecker? Bäcker Schlaule verrät ihm, dass die Würstchen vom Fritz kommen und dieser Fritz die weltbesten Würstchen macht. Die Schokolade hat er auf einen seiner Reisen entdeckt. Sie kommt von den Bergen in der Schweiz wo die glücklichsten Kühe die frischeste Milch geben und das große Sprüngli – Haus steht in dem sie die feinste Schokolade machen. Bäcker Schlaule erklärt ihm den Weg über den hohen Berg, über die Wiesen und Felder, über den Fluss und wieder durch die Berge und zeichnet ihm eine Karte, die ihnen helfen soll den Weg zu finden. Sie verabschieden sich herzlich und Bäcker Schlaule gibt den Beiden noch einen seiner Schokoliköre mit auf den Weg. Die sind zwar nur für große Menschen und Tiere aber sie dachten sich vielleicht wird er ihnen irgendwann behilflich sein. 

Allmählich verschlupft d Sunn hinterem Buckl. Sie machet sich e Fiehr und bauet e Lager zum Schloofe. De Zwuggel will nuu no en Schokeladpudding schlecke. Hmm… wie der schmeckt. Grad wo er de Löffel is Gals dunkt, bellet de Max luut: „Do isch ebbis zwische de Bämm!“ Jo, do raschlets zwische de Bämm. De Zwuggel verschobbet sich, taps, taps, taps , so schnell er khaa hinterem Felse. Er siät zmol, dass en große Brummbär mit eme luute Brummbass und mit eme zottlige Fell us em Waald hinneverri kunt, gradweags uff de Schokeladpudding zue. Und schlabber di schlapp, sucklet er de ganz Schokeladpudding us dem Gläsli.

Wos wiiter gönd, verschwindet d’Sunne langsam hinter em höche Berg. Also  mached sie sich es es Füür  und es Lager zum Schlafe.  S‘ Schläckmuul Zwuggel möcht no echli Schoggipudding als Bettmümpfeli ässe bevor er iischlaft. Wo er de Deckel vom Töpfli uufmacht  schmöckt das soo süess und schoggig dru use. Grad wo er de erscht Löffel näh wott, fangt de Polimax ganz luut aa bälle und sait: „da isch öppis zwüsched de Bäum“. S‘ Raschle i de Bäum chunnt nächer und nächer. Jetzt chunnt de Zwuggel aber Schiss über. Er versteckt sich gschwind tips taps tips taps hinder eme grosse Felse. Da tapset mit eme luute Brummle en grosse, starche , brune Bär mit eme zottelige Fäll us em Wald dethär. Er lauft schnuergraad, taps tips taps tips taps, uf de Schoggipuddig zue. Und, mit eme schlips und eme schlaps schläckt de Bär mit sinere Zunge grad de ganz Schoggipuddig uf. Hmmm sait de Bär, dos schmockt so got hosch do no mor vo dom Schoggopoddong?


Als sie weitergehen verschwindet die Sonne langsam hinter dem hohen Berg. Sie machen sich ein Lager und ein Feuer zum Schlafen. Zwuggl möchte nur noch einen der leckeren Schokoladenpuddings essen bevor er einschläft. Der duftet als er ihn öffnet so schokoladig und süß.  Gerade als er seinen ersten Löffel nehmen möchte beginnt Polimax ganz laut zu bellen. Da ist etwas zwischen den Bäumen, sagt er. Es raschelt in den Bäumen und das Rascheln kommt näher und näher. Zwuggl bekommt es mit der Angst zu tun. Mit schnellen Schritten geht er tips taps tips taps hinter einen großen Felsen, wo er sich versteckt. Da kommt mit einem lauten Brummen ein großer, starker Braunbär mit zotteligem braunem Fell aus dem Wald getapst. Er tapst tips taps tips taps schnurgerade auf den Schokoladenpudding zu und mit einem schlips und einem schlaps seiner Zunge hat Brommi den ganzen Schokoladenpudding aus dem Gläschen geschleckt. Hmmm sagt der Bär, dos schmockt so got host do noch mohr Schokolodonpoddong? Zwuggl hat Angst, muss aber auch ein bisschen Lachen, weil der Bär so komisch brummt. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen, nähert sich dem Bären und gibt ihm noch vier weitere Gläschen. Der Bär schleckt auch diese genüsslich schlips schlaps aus. Dann brummt er wieder dos schmockt so got host do noch mohr Schokolodonpoddong? Zwuggl hat eine Idee, geht leise tips taps tips taps zu seinem Rucksack und zieht den Schokoladenlikör, den sie vom Bäcker Schlaule bekommen haben, aus dem Rucksack.  Der Bär trinkt die ganze Flasche mit einem großen Bärenschluck aus. Schon nach einem Moment ist der Bär davon ganz beschwipst und tänzelt von einem Bein auf das Andere,  beginnt ein Lied zu brummen und lallt gobt mor noch mohr von dom Scho schoo schoololo poooddooong. Zwuggl und Polimax finden den Bär nun ganz lustig und gar nicht mehr furchteinflößend. Sie sagen, wenn du noch mehr Schokoladenpudding möchtest, dann komm mit uns. Wir sind auf dem Weg über den Berg, über die Wiesen und Felder über den Fluss in die Schweiz wo die beste Schokolade gemacht wird. Der Bär freute sich sehr und wollte gerne mitkommen, er legt sich hin, sieht noch ein Paar Sternchen über seinem Kopf tanzen und schläft nach kurzer Zeit schon ein. 

„Hmmh…..“, siefzt de Bär gnüssli: „Wa han ich fer en ghörige Hunger gha. Und dös gluschtet mirsoo guet, dan ich gern no mehh so Pudding wet“. De Zwuggel hinterem Felsbolle mueß lache, well de Bär sich de Buuch riebt und zfriede brabblet und brummlet. Do nimmt de Zwuggel sin ganze Muet zämit, schliecht gmietli uff de Bär zue und streckt ihm no e Gläsli vergegge. „Des isch aber kaibe nett vu dir, derf ich mich vorstelle?“ „Ich bi de Brummi“, schnuufet de Bär und sucklet au des Gläsli rubis und stubbis leer. „ Des het aber ein fiine Guu, hesch au no mehr vu dem Ziig?“ brummlet de Bär glüschtig. De Zwuggel schliecht liesli zum Rucksack und zieht de Schokeladlikör vum gschiede Beck hinneverri.
Des hät de Zwuggel schlau gmacht. De Bär suuft die ganz Flasche uus mit gwaltige Bäreschlück.

De Zwuggel hät echli Schiss, mues aber au es bitzeli lache will de Bär eso komisch brummlet. Er nimmt sin ganze Muet zäme und gaht zum Bär ane und bringt em nomol 4 Töpfli. De Bär schläckt au die no gnüsslich schlips schlaps uuf. Dänn brummlet er wider: das osch so got, hosch do no mo Schoggopoddong? De Zwuggel hät jetzt en Idee: er gaht ganz liislig, tips taps tips taps zu sim Rucksack und nimmt de Schoggi-Liköör vom Beck Schläuli use und git en em Bär. De trinkt di ganz Fläsche mit eim grosse Bäreschluck uus. Scho bald hät de Bär en chline Ruusch devo und tänzlet vo eim Bei ufs ander umenand. Dänn fangt er aa es Liedli z’brummle und laalet: gobt mor no moh vo dom Scho schoo schoololo pooddoong. De Zwuggel und de Polimax findet de Bär jetzt ganz luschtig und händ gar kei Angscht meh vor em. Si säged em, wänn du no meh Schoggipudding wottsch, dänn chomm doch mit eus. Mir sind nämli underwägs über de Bärg, über d’Wiese und Fälder und über de Fluss bis i d’Schwiiz, wos di bescht Schoggi mached. De Bär freut sich und wott gärn mitcho. Dänn liit er ab, gseht nur no es paar Stärndli um sin Chopf ume tanze und schlaft glii ii.


Früh am nächsten Tag gehen die drei Freunde weiter über den Berg, über die Wiesen und Felder. Brommi ist ein sehr lustiger, tapsiger Bär. Den ganzen Weg lang brummte Brommi Lieder, Polimax fing Hasen und Zwuggl war schon ganz aufgeregt. Gemeinsam überlegten sich die drei wie es wohl sein würde mit so viel leckerer Schokolade in den Bergen zu wohnen. Dort musste es auch so viele Rebhühner und Hasen für Polimax geben.

Scho noch wenige Schluck hät de Bär en Ruusch. Er tänzlet und hoppet wie e Danzbärli vu om Fuess uff de ander , drillet sich im Kreis ummenand und brabblet bsoffe: „Gänd mir gottverdelli no meh vu dem kaibe guete Scho- Scho Schokeladpudding“. De Zwuggel und de Max lachet sich krumm und bucklig und hond en mords Spass a dem Danzbär. Sie hond koe weng Angscht meh vor dem Ries. De Zwuggel striechlet de Brummi am Arm und sait: „Du Bär Brummi, wenn du no meh Schokeladpudding witt, deno muesch mit iis dorri id Schwiiz gau. Mir sind uff em Weag über d Berg, Wiese, Felder und Wälder, über den große Fluss, dorri i d Schwietz, wo de allerbescht Schokelad gmacht word“. Do hoppet de Bär vor Freid und brummlet: „ Hah, joo, ich gang gerne mit ei“. Zfriede leit er sich is weich Gras und Moos, sieht no eweng de Sternli zue, die über sim Kopf Ringelreihe tanzet, und schlooft bald seelig ii.

Brommi isch en riesige Braunbär. Er hät immer Kohldampf, duet aber nähmert ebbis z loed. Sii Uussprooch isch eweng uugwähnlich. Er sait nämli meischtens O, wenn er A, U, oder E sage sott. Des schiniert ihn aber koe weng. Er findet des sogar luschtig, wenn anderi do drübert pfittere und kittele mond.

Am nächschte Morge frühe wandered die drei Fründe wiiter über de Berg, über d’Wiese und Fälder. De tapsig Bär Brommi  isch en Luschtige und brummlet di ganz Ziit Lieder; de Polimax fangt Hase und de Zwuggel isch ganz uufgregt. Die drei träumed mitenand vom Läbe i de Berge mit ganz vill feiner Schoggi. Sicher gits det au vill Rebhühner und Hase für de Polimax.

Als sie am Ende des Wiesentals sind kommen sie an einen großen Fluss. Der Fluss ist sehr groß – so groß, dass sie nicht darüber hüpfen können.  Deshalb gehen sie am Ufer entlang und finden ein altes, morsches Boot. Brommi der Bär hiebt mit einem Ruck das Boot auf das Wasser, Polimax und Zwuggel springen rein und dann paddelt der Bär plitsch platsch los. Sie sind schon fast in der Mitte. Da plötzlich drückt sich Brommi beim Paddeln so stark mit seinen Füßen vom Boden des Bootes ab, dass der Boden des Bootes kricks kracks kracht. Zwuggl, Polimax und Brumm fallen mit einem Platsch ins kalte, schäumende Wasser. Der Zwerg fuchtelt voller Angst fürchterlich mit den Armen weil er nicht schwimmen kann. Er schluckt Wasser und wird mit der Strömung flussab getrieben. Doch im letzten Moment hat er Glück, denn Brommi schwimmt an ihm vorbei und er hält sich am zotteligen Fell des Bären fest.

Am andere Tag wacklet die drei Kamerade ganz frieh am Morge devuu. De Brummi isch en fidele, luschtige, dappige Bär. De ganz lang Weag brummlet de Brummi gattigi Bärelieder. De Max jagt mit Begeisterung Hase und de Zwuggel isch scho ganz uffgregt.

Zämet molet sich de Zwuggel und de Brummi uus, wie s wohl sii word mit dene ville siesse Schokeladschleckereie und dene Berg, wo si mitänand lebe und huuse wend. De Max aber droomet vu de Jagd uff jungi Rebhär und fätti Hase.

Am End vum Wiestal unterhalb vum Feldberg kummet sie a den broete Fluss, so wis i de Kart iizoechnet isch. Die drei Spezie watet rotlos am Fluss entlang. „Ich des e Boot?“ rieft de Brummi und verschwindet im hohne Schilf. Brummi, de Bär, ebe bärestark, lupft mit eme Ruck en aalte Waidling is Wasser. De Zwuggel und de Max hoppet volle Freid inni und de Bär hinnedrii. „ Hojoo, isch des wackelig“, freit sich de Brummi und paddlet plitsch-platsch devuu. De Max und de Zwuggel hebet sich verzwatzelt am Bootsrand fescht und de Brummi ruederet mit aller Bärekraft und Gwalt. Und uffs mol, knicki-knacki, brecht de Kahn z mitts abenand. „Zu Hilf, SOS, ich kha nit schwimme, joohlet de Zwerg und fuchtlet gruusig mit de Ärmli, woner is kaalt Wasser platscht isch. Er schluckt vill Wasser und d Strömig nimmt en mit flussabwärts. Aber de Zwuggel hät Glick. De Brummi schwimmt an ihm vorbei und de Zwuggel kha sich am zottlige Fell feschtkralle .

De Max wartet scho am Ufer. Si Fell tropfet. Erschöpft keihjet die drei is Gras. Si zindet e aa`schtändig Fier aa, dass sie s Fell, d Hoor und Klamotte troche grieget. Noch dere Kummedi bruuchet sie zerscht mol en Schokeladpudding und de Max e Worscht.

So chömmeds am Ändi vom Wiesetal an en grosse Fluss. De Fluss isch riesig, so gross und breit, dass sie nöd drüber ie gumpe chönnted. Drum gönds am Ufer naa und findet es alts morsches Boot. De Brommi lupft das Schiffli mit eim Ruck ufs Wasser, de Polimax und de Zwuggel jucked ie und de Brummi paddlet los. Scho fascht i de Mitti vom Fluss passierts, de Bär truckt bim Paddle so fescht uf de  Schifflibode dass er  kricks kracks  zämmechroset. De Zwuggel, de Polimax und de Brommi gheiet mit eim Plumps is chalti, schumigi Wasser. De Zwerg fuchtlet voll Angscht mit sine Ärmli, will er nöd cha schwümme. Er schluckt Wasser und triibt mit de Strömig de Fluss durab. Zum Glück schwümmt de Brommi an ihm verbii und so chann er sich im letzte Moment a sim zottlige Fäll festchralle. De Polimax warted scho am Ufer und all drei gheiet ganz erschöpft is Gras. Zerscht ruebet si sich echli uus und dänn zündets es Füür aa zum s’Fäll und d’Chleider z’tröchne. Uf de ganzi Schreck abe ässeds grad z’erscht emal en Schoggipudding und e paar Würschtli und scho bald isch die gföhrlichi Gschicht wieder vergässe. 


Polimax erwartet sie schon am Ufer und ganz erschöpft fallen die drei ins Gras. Nachdem sie sich ein bisschen ausgeruht haben zünden sie ein Feuer an um das Fell und die Kleider zu trocknen und essen erst einmal auf den Schock einen Schokoladenpudding, der sie direkt wieder alles vergessen lässt. 

Am nächsten Morgen wandern sie weiter über Felder und Wiesen und Bächlein, über kleine Berge und große Berge und die Sonne lächelt ihnen ins Gesicht. Das freut den Bären so sehr, dass er seine Lieder zu brummen beginnt und so gehen sie tips taps tips taps mit großer Vorfreude in die Berge in der Schweiz. Polimax schnüffelt aber er ist ganz verwirrt. Denn die Schokolade duftet von zwei Richtungen in seine Nase. Polimax und Zwuggl sind sich unsicher. Zwuggl hat eine gute Idee wir fragen Brommi. Welchen Weg nehmen wir?

Noch ere gruesame Naacht gohts dene Kamerade wider guet. Sie machet sich uff de Weag, vorbei a gräene Wiese und geale Felder, über kleini und großi Berg und Hügel, id Schwiiz innizue. D Sunne lacht ihne debei mollig warm is Gsiecht. Des freit de Bär so selli, dass er die luuteschte und luschtigschte Bärelieder schmetteret. Uffs mol hebt de Max sii fiini Bolizeihund-Nase i d`Luft und schnüfflet : „Komisch“, murmlet er „s`schmeckt us glii zwei Richtunge noch Schokelad“.
„Wa machemer jetzt?, wo noh sollemer gau?“, fraget er die andere zwo.
I dere Ziit wo de Max und de Zwuggel no überleget, gaitschet de Brummi scho is Tal abi und rieft: „Ich ha gnueg vu dere Bergstiegerei, jetzt gommer is Tal abi, des isch gmitlicher. Kummet.“ Und so hond sies gmacht.

S hät Nochwuchs gähe. D Minna hät glii drei herzigi Miesli überkumme.

Im Tal aakumme loset de Zwuggel gnau. „Wa gluckeret do so komisch?“ froget er. De Max, wo de andere scho e Stuck voruus isch, rieft: „ „Gugget emol, wa isch des fer en wunderlichne Bach?„ De Brummi und de Zwuggel rennet dezue und sehnet deno au des dick, bruu Wasser. De Zwuggel schnupperet, grinset, steckt sin Doope gifizig inni und schleckt in muetig ab. Er juchzet vor Freid und Glick: „Schokelad“ rieft er und hoppet wie en Verruckte über d Wiese. Obe uff em Hogge entdeckt er s Sprüngli-Huus, wo en siesse, kleine Schokeladbach uussischliecht.

Zum Glück schwümmt de Brommi an ihm verbii und so chann er sich im letzte Moment a sim zottlige Fäll festchralle. De Polimax warted scho am Ufer und all drei gheiet ganz erschöpft is Gras. Zerscht ruebet si sich echli uus und dänn zündets es Füür aa zum s’Fäll und d’Chleider z’tröchne. Uf de ganzi Schreck abe ässeds grad z’erscht emal en Schoggipudding und e paar Würschtli und scho bald isch die gföhrlichi Gschicht wieder vergässe.

Am nächschte Morge wanderets wiiter über Fälder und Wiese und Bächli, über chlini Berge und grossi Berge und d’Sunne lächlet ihne is Gsicht. Die warme Sunnestrahle tüend am Bär eso guet, dass er grad wieder aafangt sini Lieder z’brummle, und so laufed‘s tips taps tips taps wiiter und freued sich scho  uf d’Berge i de Schwiiz. De Polimax schnüfflet und isch ganz zunderobsi, will vo zwo Site her schmöcks vo Schoggi. De Polimax und de Zwuggel sind unsicher. Wo dure sölled mir gah? De Zwuggel fröged de Brommi um Rat. De Brommi isch zwar starch aber au e chli fuul und seit: gommer do Borg hoch odor  gommor do Borg obo? Do oborlogon mor doch nocht long, do gohon wor don Borg obo, dos osch gomotloch. Eso mached‘s es eso und gönd durab. 


Brommi ist zwar stark aber sehr gemütlich er sagt mit jeder Selbstverständlichkeit Gohon wor don Borg hoch odor gohon wor don Borg ronter? Do oborlogon wor nocht long do gohon wor don Borg rontor dos ost gomotloch. Plötzlich kommen sie an einen Bach mit sehr braunem Wasser, das ganz langsam fließt und seltsam gluckert. Brommi hält seine Tatze hinein und kostet. Hmmm herrlich Schokolade. Zwuggel war entzückt und außer sich vor Freude. Er sprang hinein und schwamm und öffnete seinen Mund so weit, dass sein ganzer Bauch mit Schokoladenpudding gefüllt war. Dann taucht er wieder ganz braun voller Schokoladenpudding auf und blickt sich um. Da sieht er, dass das Bächlein oben auf dem Berg aus dem Sprüngli Haus entspringt und dass überall Rebhühner und Hasen auf den Wiesen hüpfen. Hier möchten Brommi Polimax und Zwuggl bleiben und bauen sich ein kleines Häuschen in dem sie glücklich du zufrieden leben. 

„Homm, hoho“, brummt de Bär Brummi. „Do bliebet mir,“ bellet de Max, well er scho Rebhär und kleini Hase usgloschoret hät und scho uff de Wiese am Jage isch. Und de Zwuggel, wo mit eme broete Schokeladgrinse und eme Holzleffel im Schokeladbächli huckt, nickt fidel mit glitzige Auge.
Er isch halt en echte, wohre Schokeladchokeladzzwerg.

Uf eimal chömmeds an en Bach mit ganz bruunem Wasser wo ganz langsam flüsst und ganz komisch gluckset. De Brommi tünklet sini Tatze ie und probiert. Hmm schmatzigi Schoggi. De Zwuggel isch ganz us em Hüsli, er gumpet ie, und schwümmt mit offnem Muul bis sin ganze Buuch mit Schoggi gfüllt isch. Wo er wieder uuftaucht, ganz bruun vo Schoggi, gseht er, dass das Bächli obe uf em Berg, us em Hüpflihuus useflüsst. Und dänn gumped  au no überall uf de Wiese Rebhühner und Hase umenand. Em Brommi, em Polimax und em  Zwuggel gfallt das eso guet dass sich entscheided zum da bliibe. Si boued sich e chlises Hüsli und läbed det glücklich und zfriede.


Schwarzwald, de Wälderwaald

De Wälderwaald liet im Süd-Weschte vu de Republik. Er isch uff 150 km e uusdehnts Mittelgebirg. De höchscht Berg isch de 1493 Meter hoh Feldberg. De Wälderwaald isch dünn besiedlet. Typisch sind sine große Buurehöf mit tiefe Walmdächer, Hofmillene große, freie Waidberg und rundum Nodelwaald.

De Hotzewald

De Hotzewald liet im südliche Wälderwaald. De Name Hotzewald kunnt vum Häs, wo d Waldarbeiter friehner trait hond. Des waret so Art Pludedrhose.

De Rhii

De Rhii isch on vu de gröschte Flüss z Europa. Er kunnt us de Schwiitz. De Hochrhii isch vum Bodesee bis gi Basel Grenz zwische de Schwiitz und Dietschland. De Rhiifall vu Schaffhuuse isch de gröscht Wasserfall in Mittel- Europa. Uff e Bräeti vu 150 m dunnderet s Wasser über e Felskante.

D Schwiiz

D Schwiiz isch e Alpeland in Mitteleuropa. Sie gründet sich uff Eidgenosseschafte, wo sich im Mittelalter zu de eigene Verteidigung zämet dau hond. I de Schwiiz schwätzt mer vier Sprooche: Ditsch, Franzesich, Italienisch und Rätisch. Alli sind Amtssprooche.

Sprüngli-Schokelad

Vor uugfähr 175 Johr hät de Schokelad- Fabrikant Sprüngli si Schokoladfabrik an en Bach (im Schliefdobel) i de Nähi vu Horge am Zürisee verleit. Zwischeziitlich isch er gi Züri umzüglet und er hät z ganz Europa Gschäfter. Sin Schokelad isch hit selli bekannt uff de ganze Welt.


Nit nuu de Zwuggel und de Brummi sind gueti Kunde, sondern au de gschied Beck us em Bäretal am Feldberg.

Insel Mainau – Radolfzell, die Höre, Stein

Für die dunkle Jahreszeit empfehle ich die Insel Mainau und der Badische Bodensee von Lucian Reich aus 1856. Das Buch hatte ich im Winter 2022/2023 hier vorgestellt und möchte es jetzt aktualisieren.

Hier das Kapitel Radolfzell, die Höre, Stein.

Während das Gefrieren des Ober- und Überlingersee’s zu den größten Seltenheiten gehört, legt der Winter beinahe jedes Jahr seine Eisdecke über den minder tiefen Untersee. Auf der Reichenau herrscht ein Sprichwort:

Wenn der Rhein treit,
Kost es Leben und Leut.

Der See gegen die Schweiz hin, heißt nämlich im Volksmund der Rhein, und es soll, wenn er gefroren ist, immer am kältesten auf der Insel sein. – Nach der Tradition führte früher ein steter Weg von Reichenau nach der Mettnau bei Radolfzell.

An der langen Uferstrecke zwischen Allensbach und Zell liegt Markelfingen, durchströmt von einem Wässerlein, welches aus dem oberhalb liegenden Mindelsee rinnt. Das Dorf ist eine der ältesten Ansiedlungen der Umgegend. Im Schwedenkrieg mussten die Einwohner manche Unbill erdulden. Noch zeigt man auf dem Kirchturm in der schweren eichernen Tür, die den oberen Boden abschließt, eine Öffnung. – Als die Schwedischverbündeten den Ort überfielen, flüchtete der Pfarrer auf den Turm und verriegelte die Tür; der Feind verfolgte ihn, und hieb, als er die Tür verschlossen fand, ein Loch in dieselbe, öffnete und reichte dem armen Manne den „Schwedentrunk“ (Mistjauche) bis er unter ihren Händen starb.

Das Städtlein Radolfzell, am Schlusse des Untersee’s, hat mit Toren und Mauern noch ganz die mittelalterliche Tracht. Was jedoch vielen interessanter vorkommen mag, als dieses, ist sein großer Verkehr vom Hegau her, die Frucht- und Viehmärkte und die soliden Gemeindeverhältnisse, welche zu den besten des Seekreis gehören. Der Fruchtmarkt hat seit Einführung des schweizerischen Zolls und des neuen Schweizergeldes sehr gewonnen. Früher führte der Hegauer Bauer sein Getreide nach Stein, jetzt bringt er es in die Amtstadt Radolfzell und überlässt es, wie billig, dem Schweizer Nachbar, seinen Bedarf da abzuholen.

Die Ortsgeschichte hebt vom heiligen Ratoldus (Radolf) an. Dieser vornehme Alemanne war der Nachfolger Bischofs Egino von Verona, und kehrte gleich diesem, von Sehnsucht getrieben, ins Vaterland zurück. Mit Bewilligung des Abts Hatto in der Reichenau baute er am Untersee eine klösterliche Zelle; als Reliquie brachte er die Gebeine der Heiligen, Synesius und Theopontus, wozu noch das Haupt des heiligen Zeno kam, dahin. Sein Ableben fällt in’s Jahr 874; die von ihm gegründete Pfarrkirche in Radolfzell bewahrt sein Grab.

Aus der Ratolduszelle erwuchs später ein Chorherrenstift, dem der Reichenauer Abt Albrecht von Ramstein im Jahr 1290 Regeln gab. Zugleich hatte sich der Ort zur ummauerten Veste als Schutz für die ansässigen Gotteshausleute herangebildet. Schon zurzeit Rudolf’s von Habsburg scheint Zell eine Stadt gewesen zu sein, welche dieser Kaiser samt der Reichsvogtei an sich brachte.

Das Vorspiel des 30-jährigen Krieges, der Bauernkrieg, brachte ihr großes Bedrängnis. Im Frühling des Jahres 1525 durchzogen zwei starke, bewaffnete Haufen das Hegau. Die feige hegausche Ritterschaft hatte sich geflüchtet, und es blieb den Städtern allein überlassen, mit den Aufrührern sich abzufinden. Nachdem diese Engen und Ach durch Überrumpelung genommen, belagerten sie Radolfzell zehn Wochen lang. Die Stadt hielt sich, bis die kriegsgeübten Feldobristen, des Tuchseß von Waldburg und Graf Wilhelm von Fürstenberg mit den Bündischen herbeikamen und den Bauern in verschiedenen Treffen totale Niederlagen beibrachten.

Im 30-jährigen Krieg kam die Stadt ohne Kampf in die Hände der Württemberger; ein Anschlag, den Platz der Kaiserlichen wieder zu gewinnen, schlug fehl. Ein zweiter, offener Versuch missglückte ebenfalls; bis nach der Nördlinger Schlacht die Schweden das Schwäbische räumte und Zell wiederum österreichische Besatzung bekam. Die spätere Zeit brachte wenig hervorragende Ereignisse.

Im bayerischen Erbfolgekriege litt die Stadt viel durch eine französische Besatzung von 7000 Mann. Nicht minder fühlte sie auch die langen Weltwirren des französischen Revolutionskrieges.

Ein schönes Baudenkmal ist die gotische Pfarrkirche mit einer unterirdischen Kapelle. Eine Inschrift außerhalb am Chor sagt, dass der „hochwidrig her Fridrich von Wartenberg, abt der richen owe 1436“ den ersten Stein zu dem Gotteshaus gelegt habe. Rechts im Langhaus findet sich das steinerne Grabmal des heiligen Ratold. Bei einer Ausbesserung im Jahr 1538 wurde der Deckel abgehoben und zwei Leichname in einem Sarg von Eichenholz gefunden, wovon der eine, laut beigegebener in Wachs aufbewahrte Urkunde, als der des heiligen Ratold erkannt ward. Der zweite Tote unbekannter Abkunft, hatte keinen Ausweis bei sich. – Einige altdeutsche Gemälde und die Grabmäler des Ritters Wolf von Homburg und des Abts von Stein, Davids von Winkelheim, sind beachtenswert.

Auf dem Brunnen, der mit seinem frisch schwellenden Strahl eine wesentliche Zierde des Marktplatzes ausmacht, steht die Figur des Kirchengründers; einige Ritterschaft und Amtsgebäude in der Nähe geben eine vorteilhaften Begriff vom städtischen Wesen der mittelalterlichen Zeit. – Zugleich aber bilden sie einen auffallenden Gegensatz zu dem neuen Kauf- und Rathause, das in seinem steifen, schmucklosen Äußeren zu den unerbaulichsten Betrachtungen Veranlassung gibt. – Das Stadtarchiv soll, wie man mich versicherte, wenig Geschichtliches enthalten; die auf die Stadt bezüglichen Urkunden befänden sich in schweizerischen Archiven und aus späterer Zeit sei wenig mehr vorhanden.
*Eine Geschichte von Radolfzell verfaßte der verstorbene Amtmann Wallcher.

Wäre es aber nicht sehr wünschenswert, in jedem Städtlein oder größerem Dorfe historische Aufzeichnungen seine Chronik, zu führen? Die Mühe, auf jedem Rathause ein derartiges Buch zu unterhalten, wäre in der That gering. Der Chronist, etwa ein Schulmann von altem Schrot und Korn, ein patriotischer Ratsschreiber oder Gemeinderat, würde sich wohl überall finden, der mit uneigennützigen konservativen Sinne und historischer Treue, fern von persönlicher Eitelkeit, das Geschäft besorgte. – Solche Arbeiten gäben den Nachkommen manch‘ willkommenen Aufschluss im Gemeindehaushalt, und Belehrung in vorkommenden ähnlichen Fällen; zugleich würde das Andenken des Guten und Würdigen der Vorzeit erhalten, und Anhänglichkeit an den eigenen Grund und Boden, mit der Liebe zum Vaterlande geweckt werden.

Von der Umgebung Zell’s kann mit Recht gesagt werden, dass sie einem fruchtreichen Garten gleiche. Wer einen Mittwochsmarkt in der Stadt besucht, wird alle Erzeugnisse einer bis zur Überfülle begünstigten Gegend beisammen finden. Umso mehr mag es auffallen, diese Bucht des See’s weniger als die übrigen Gewässer befahren und von keinem Dampfschiffe besucht zu sehen. Die kürzere direkte Landverbindung mit der Schweiz, welcher Zell und sein Amtsbezirk kommerziell verbunden sind, scheint den Verkehr zu Wasser einigermaßen entbehrlich zu machen.

In östlicher Richtung von der Stadt erstreckt sich schwertförmig eine Landzunge in den See. Sie heißt die Mettnau (Augiae Meta); in ihrem Umfange trägt sie Wein, und endet in ein niedriges, oft überschwemmtes Ried, wo die städtische Meierei steht.

Ich machte einen Spaziergang durch ihre höher gelegene Weinberge, wo man eine freie Rundschau genießt. – Über dem dunkelblauen Abendsee funkelte bereits der freundliche Hesperus. Die Gegend ringsumher war in Schweigen gesunken; nur eine Lerche, der lieblichen Mettnau entstiegen, schmetterte noch die letzten Strophen ihrer Jubelhymne. – Rückwärts streifte der Blick in’s grüne Hegau, wo in zarten Silhouetten die Schlossberge Hohentwiel, Krähen und Stoffeln standen. – Rechts der mächtige Schienerberg und die blinkenden Villen Thurgau’s – links an der niederen, waldbedeckten Hügelkette Makelfingen und Allensbach; und vor mir in blauer Flut – die Reichenau, und über dem dunklen violetten Wasserstreifen – Konstanz, wie dicht am Fuße der Alpen

Das breite Vorland, überragt von dem Schienerberg, zwischen dem Zellersee und dem Rhein, heißt die Höre (Bischofshöre). Der Name soll „dem Bischof gehörig“ bedeuten, weil der Landteil seit uralten Zeiten den Bischöfen von Konstanz zinsbar und eigen war. Die Höre ist außerordentlich fruchtbar – „wenn der Bauer e Hörnle us em Sack verliert, so wachst es“. Sie gewährt dem Wanderer die angenehmsten Touren, obwohl sie wenig besucht wird von jenen Söhnen Albions, die mit ihrem Wegweiser in der Hand fragen: was muss man hier sehen? – oder von unseren modernen Germanen, denen allein nur Gambrinus den höchsten Genuss verschaffen kann. Desto besser aber wird es einem Solchen gefallen, der überall am rechten Platze ist, wo eine schöne Natur und ein unverdorbener, kräftiger Menschenschlag sich findet.

Von Zell führt der Weg um die flache Seebucht nach dem Dorfe Moos. Ein weiteres schilfiges Ried oder Moor, umschwärmt von zahllosen Möwen und anderen Wasservögeln, bildet ein der Fischerei vorzüglich günstiges Revier. Zudem mündet hier die Ach, welchem Flusse mit lebendigem, und im Frühlinge, wenn kaltes Alpenschneewasser den See füllt, wärmerem Wasser gerne die laichenden Fische zuziehen. Beinahe alle im Bodensee vorkommenden Fische werden hier gefangen: der Aal, die Treische, der Barsch, die Lachsforelle, der Äsch, die Muräne, der Fölchen, die Barbe, der Karpfen, der Hecht, der Brachsmen und viele mehr.

Der Untersee ist überhaupt fischreicher als der Obersee. – Ein alter Fischer, der am Ufer beschäftigt war, Garne zum Trocknen aufzuhängen, erzählte mir mancherlei von seinem Handwerk. Die Laichzeit des Bachsmen dauere in der Regel nicht länger als zwei Tage, und sonderbarerweise falle sie fast immer auf einen Feiertag oder Sonntag. Um diese Zeit werde dann der Fisch zu Tausenden gefangen. Zu Bischofszeiten habe sich einmal die Landgeistlichkeit wegen Entheiligung des Sabbaths durch die Fischer beschwerend an den bischöflichen Obervogt von Hundtbiß auf der Reichenau gewendet. Der alte Herr habe den Spruch gethan: weil die Fische bei ihrem Laichen keinen Feiertag beobachteten, so könne man den armen Fischern, welche sie fangen sollten, ebenfalls nichts gegen ihr Sonntagsgeschäft haben. Es gebe aber, sagt der Mann, von alters her, absolute Seefeiertage, wie zum Beispiel die doppelten Aposteltage. – Über die Schweizer Fischer beklagte er sich; sie machten, behauptete er, auf sehr zudringliche Weise von ihrem diesseitigen Fischrechte Gebrauch und schon dabei die Setzgarne ihrer Genossen nur wenig, während der Badenser Grund genug habe, auf der Schweizerseite sein Recht nicht geltend zu machen.

Bekanntlich treibt im Hegau der Popele von Hohenkrähen noch immer seinen neckischen Spuk. Auch der Fischer von Moos weiß von ihm zu erzählen. In dunklen Nächten hört er oft rufen: „Hol, hol!“ und eilt an die Fahr, im Wahne, es wolle Jemand vom jenseitigen Ufer übersetzen, siehe da – das Schifflein ist los und die Ruder sind in’s Wasser geworfen. Wenn der Fischer bei Nachtzeit „setzt“, so patscht und badet es, als wären sie hundertweis im Garn; wenn er zur Stelle eilt – findet er die Garne zerrissen – und im Nachtwind verhallt ein schelmisches Gelächter. – Gleiches passiert den Jägern, die „beim Hellmond, wenn’s zunachtet“ und in den Fallschirmen der Wasserjagd pflegen. – Jedesmal aber kommt auf solche Spukerei ein Unwetter.

Von diesem wunderlichen Burggeist hörte ich überhaupt allerlei erzählen. Der Wirt von Gayenhofen ritt früher einmal mit einem Kameraden nach Engen auf dem Bohnenmarkt. Sie machten schlechte Geschäfte und suchten ihren Verdruss in einigen Botellen Neuen zu ertränken. Als sie im Heim ritt, am „Krayen“ vorbei kommen, ruft der Eine Spottweise hinauf: „Popele komm, komm!“ Und gibt seiner Mähre lachend die Sporen; – aber siehe – es dauert nicht lang, so liegt er da im Graben – und der Kamerad, der absteigt, ihm aufzuhelfen, verliert ebenfalls das Gleichgewicht und stolpert über ihn hin. Um ihre Ohren schallt es wie Gelächter, und wenn die Gäule nicht so vernünftig gewesen und stehen geblieben wären, hätten sie den Weg bis heim zu Fuße machen müssen. – Ähnliches soll sich noch oft in dieser Gegend zugetragen – „absonderlich in guten Weinjahren“, würde der alte Custode im Konstanzer Conciliumsaale sagen.

Das Geröhricht um Moos ist, wie bereits erwähnt, auch für die Wasserjagd sehr günstig. Es kommen alle Gattungen Wildenten, Strandläufer, auch Wasserhühner vor und zuweilen verirrt sich ein Fischadler oder ein wilder Schwan hierher. Der beständigste Gast jedoch ist die aschgraue Möwe, die mit ihrem heiseren Geschrei die Altwasser und Moore so gierig und dreist umschwärmt, als wolle sie den Fischern alle Augenblicke ihren Fang streitig machen. – Das hier wachsende Ried- oder Schilfgras wird zu ökonomischen Zwecken benützt, der halbe Morgen einer solchen „Streuwiese“ kostet nicht selten 300 fl. Ankauf.

Die Gegend von Moos, Weiler und Iznang heißt die Zwiebelhöre, weil in den Gemarkungen dieser Dörfer vorzugsweise Zwiebeln gepflanzt werden. In dem lockeren, sorgfältig erhöhten Boden, sieht man dieses Gewächs zelgenweise gebaut; es wird nach Schaffhausen verführt, wo alljährlich ein besonderer Zwiebelmarkt an St. Bartholomä abgehalten wird.

Nahe bei Weiler lag früher ein Edelsitz der Herren von Grüneberg, aus dem später ein armes Nonnenklösterlein erwuchs, von welchem aber keine Spur mehr sichtbar ist.

Der Abwechslung wegen zog ich, mit Umgehung der Uferdörflein Itznang und Gundolzen, von Moos über Weiler gen Gayenhofen. Der Weg führt durch ein wohlangebautes Tal und zuletzt über einen waldigen Gebirgskamm. Einem Blicke rückwärts zeigen sich im malerischer Verschiebung zum letzten Mal die Berge des Hegau’s. Die weite Wasserfläche verschwindet, statt ihrer brausenden Gewelle trifft Tannenrauschen unser Ohr, der Schlag der Finken und tief im grünen Forst das Geruuke der wilden Taube. – Doch, die wohltuende Abwechslung dauert nicht lange, bald endet der Wald, die Höhe ist erstiegen, und die Straße führt sachte abwärts. – Die Reichenau taucht wieder aus den Wellen empor und vor uns, zwischen paradiesischen Ufern, zieht der mächtige Vater Rhein.

Über dem Thurgau standen dunstige Wolken und Wetter, und tief im Horizont murmelte der Donner. – In Gayenhofen, wo ich einkehrte, sagte man mir, dass Hagelwetter in dieser Gemarkung keine Seltenheit sein; aber jedesmal bleibe Iznang verschont. Der Wirt erzählte von einem furchtbaren Schloßenwetter, wobei die Rehe gestreckten Laufes aus den oberen Wäldern dem See zu geeilt seien, um sich in dem Wasser zu bergen.

Gayenhofen hat ein altes noch bewohntes Schloss; dieses gehörte seit dem zwölften Jahrhundert zu dem Hochstift Konstanz, von dem es die Herren von Klingenberg, von Reischach, von Heudorf und andere zu Lehen trugen. In späteren Zeiten besaß es der Bischof unmittelbar. Alle Monate wurde hier von dem bischöflichen Amtmann von Bohlingen und Amtstag gehalten, und weil die Keller voll des besten Weines lagen, so soll der fleißige Mann jedes Mal illuminiert und von dannen gezogen sein. Auch mein launiger alter Wirt wusste von den Kellern zu erzählen, wenn der bischöfliche Kellermeister in Geschäften dahin kam, so war jedem, der bei ihm ein sprach, ein gemessener Trunk verabreicht. War aber der Kieferknecht allein in den Gewölben, so ging es mit einem Trunk selten ab. Der Wirt wurde als Bub auch einmal von dem gastfreundlichen Knecht traktiert. – Bei seiner Heimkunft warf es ihn den langen Weg zu Boden und die schwere Zunge lallte unverständliche Worte. Die Mutter, zum Tode erschrocken, rief dem Vater; dieser aber, der sogleich merkte, wo der Haas im Pfeffer liege, sagte: „Bist im Schloss gsi? – Jo – Ist de‘ Kieferknecht d’obe? – , He jo“ – „Für‘ ihn uffi und leg‘ ihn in’s Bett“, habe der Vater die jammernde Mutter lächelnd getröstet, „si Krankhet ist nit so geföhrli!“

Aufwärts im See, bei Hornstad, steht halb zerfallen ein kleineres Schloss. In seinem verwahrlosten holzgetäfelten Stuben wohnt ein armer Bauer. Die Besitzung gehörte früher den Herren von Kopenhagen, die durch üble Wirtschaft so herunterkamen, dass sie in der teuren Zeit der vorigen 70er Jahre, einen Vierling des besten Feldes um einen Laib Brot hergaben.

Horn, eine kleine Viertelstunde von da, bietet eine der freudigsten Aussichten am ganzen See. Die hochgelegene Kirche überschaut ein weites, herrliches Panorama. Wie ein schimmernder Garten liegt die Reichenau vor uns; über der Landzunge schimmert der Überlinger See und seine Felsenufer, herwärts die grauen Mauern von Zell, östlich die Kathedrale von Konstanz und der blaue Gürtel der Alpen, das grüne Schweizerland und seine im See sich spiegelnden Städtlein und Dörfer, Ermatingen, Berlingen und Steckborn. Es ist Sonntag früh, die Glocken erklingen ringsum aus den fliehenden Morgennebeln und stimmen deine Seele zum Gebet und zum Entzücken.

Obwohl abwärts Gayenhofen die Ufer sich verengen und das Wasser bereits merklich rinnt, so ist der Name See bis an die Brücke zu Stein noch immer der bezeichnende. – Oberhalb bei Ermatingen wird bedeutende Wasserjagd und Fischerei getrieben; unter Anderem kommt dort der den Biertrinkern bekannte Gangfisch vor, der zur Laichzeit in ungeheurer Anzahl gefangen wird.

Abwärts Gayenhofen liegt zuerst Hemmenhofen; es gehörte früher dem jenseitigen schweizerischen Kloster Feldbach und mit diesem zur Grafschaft Nellenburg. – Eine heiße Mittagssonne begleitet mich auf diesem Wege. Um so lieber folgte ich der Einladung des Müllers von Hemmenhofen, welcher von seinem Hause stehend, dem Fremden, der ihm um den Weg fragte, zurredete, einzutreten in sein Haus und eine kurze Mittagsruhe darin zu halten. Dem Zuspruch folgend, sass ich denn längerer Zeit gar behaglich in dem altväterlichen Stüblein, neben dem klappernden Mühlwerk, und ließ mir den säuerlichen Seewein und das kräftige Hausbrod, mit welchem mich der Hausherr regalierte, vortrefflich schmecken. – Eine solche alttestamentarische Gastfreundschaft findet sich eben nur noch auf dem Lande.

Eine kleine Strecke vom Dorfe erschauen wir das Schloss Marbach. Es gehörte seit Jahrhunderten den Herren von Ulm, von welchen es käuflich an einen französischen Malteser-Ritter von Grimaldi kam. – Frei auf einem felsigen Hügel an der Straße hatte es vor Kurzem noch Mauern und Umwallungen; der neue Besitzer ließ alles Abtragen, ebnen und dem alten Ritterhause einen nagelneuen weißen Anstrich geben. Dieser vor kurzem verstorbene Mann hatte überhaupt große Baulust, aber zwecklos wie ein Kind, das heute einreißt, was es gestern aufgebaut. „Es ist gut genug auf ein Jahr“ lautete der Wahlspruch des reichen Herrn, dessen Liebhabereien übrigens den umwohnenden Handwerksleuten und Tagelöhnern trefflich zu statten kamen.

In der Pfarrkirche des hübschen, vom alten Obstbäumen beschatteten Dorfes Wangen hatten die Herren von Ulm in einer eigenen Kapelle ihr Begräbnis. In der Kirche, mit der Jahreszahl 1411, sieht man ein Grabmal aus Sandstein gehauen: eine lebensgroße liegende Figur in voller Rüstung, den Kopf auf die Hand gestützt und den Rosenkranz in der Hand. Es gibt dem „edlen und gestrengen Hans Caspar von Ulm zu Marbach und Wangen, der in Gott alt, katholisch gelebt und aus diesem Jammertal abgeschieden im Jahr 1610“.

Als ich am schwülen Nachmittag von Wangen weiter pilgerte, kam mir ein mühselig daherschreitender Alter entgegen, mit dem ich ein flüchtiges Gespräch anknüpfte. Er sei früher einer der wohlhabendsten Bauern der Gegend gewesen, erzählte er, habe aber den Unschick gemacht, Alles seinen Kindern zu geben, denen er jetzt (ein Akt aus König Lear) unwert und überlästig sei; hoffentlich werde es aber mit ihm bald „Feuerthalen“ (dem Fegefeuer) zugehen. Der Tod könne ihn heute oder morgen dahin mähen. – Es waren in eurer Jugend wohl schönere Tage als jetzt? – warf ich hin. – Das will ich meinen, erwiderte er, das war ein anderes Leben – ein viel freieres. Jetzt darf, hol mich Gott – ja Keiner dem anderen mehr eine – Ohrfeige geben, ohne dass er vor Amt kommt. Zu meiner Zeit hat keinem Hahn darnach gekräht – und Tanz und Musik haben wir alle Sonntag und Feiertag gehabt! Sagte er ganz ernsthaft und humpelte kopfschüttelnd weiter, dem Dorfe zu.

Bevor ich sofort mein Tagesziel, Öningen, erreichte, hatte ich Gelegenheit, noch einen romantischen Rest alter Zeiten zu betrachten. – Die alte abenteuerliche Burg Kattenhorn, die, wie ein verrosteter Harnisch aus der Rüstungskammer des Mittelalters, wenig beachtet am flachen Ufer des See’s liegt. In ihren dunklen, holzgetäfelten Gemachen wohnte ein fürstenbergischer Dienstmann, der das schöne fürstliche Rebgut zu bauen und zu beaufsichtigen hat. Das Schloss (mit einigen Häusern) wird schon im Jahr 1155 urkundlich genannt. Die Herren von Landenberg waren seine früheren Besitzer. Eine kleine nebenan stehende Kapelle hat die Jahreszahl 1583. – Oberhalb am Berg erhebt sich ein kleines neueres Schlösslein, welches ein Herr Schultheiß baute, kurze Zeit bevor es an Fürstenberg kam.

Ein mehr in die Augen fallendes altertümliches Bauwerk finden wir hart am See, zwischen Hattenhorn und Öningen – das Schloss Oberstad. Der wohl erhaltene Turm mit zackigen Zinnen und gotischen Fenstern schaut wie ein Gewappnet über den See, den er als Wächter einst beherrschte. Wie Badian erzählt, wurde von hier aus den Schiffern manche Gewalttat zugefügt, weshalb die Schweizer im Jahr 1499 ihren Groll durch Zerstörung des Schlosses ausließen. Vordem besaßen es die Herren von Klingenberg, von welchen es in schnellem Wechsel von einer Hand in die andere kam. An den Mauern dieses Baues haftet die Erinnerung eines schnöden Mordes. Der vorletzte Besitzer war ein allgemein geachteter Herr von Lenz. Früherer Hauptmann im fürstenbergischen Diensten, verwaltete er von dem Schloss aus das benachbarte fürstliche Rebgut in Hattenhorn.

Er hatte eine einzige Tochter, Walburga, die ihre Güte und Leutseligkeit wegen in der Umgebung allgemein beliebt war. – Im Hause bestand die alte Sitte, bei Tagesanbruch mit dem Turmglöcklein die Hora oder „Betzeit“ zu läuten. Als eine Magd, der dies Geschäft oblag, einst um Mitternacht, beirrt durch die Helle des Vollmondes, das Glöcklein zog, eilten die benachbarten Öninger herbei, in der Meinung, es sei dem Hause etwas Übles zugestoßen und das Geläute ein Notruf. Das Fräulein äußerte hierbei, wenn je ein solcher Fall eintreten solle, so werde sie nicht säumen, den bereitwilligen Nachbarn ein Zeichen mit dem Glöcklein zu geben. – Das arme Kind wusste nicht, wie nahe ihr ein solcher Fall bevorstand. – Es war an einem Sonntag, den 16. Dezember des Jahres 1829. Der Vater hatte sich mit den Spätgottesdienst nach Öningen begeben, die Tochter war allein in dem ringsum abgeschlossenen Hause zurückgeblieben. – Zwei Tiger in Menschengestalt mußten aber vorher sich in dem Bau eingeschlichen haben, die jetzt hervorbrachen und das Fräulein, ehe sie noch den Turm und den Glockenstrang erreichen konnte, überfielen. Es scheint, dass die Mörder sie nötigen wollten, ihnen Geld und Kostbarkeiten zu entdecken, und als sie nicht zu ihrem Zwecke gelangten, das Fräulein von ihnen tödlich verletzt zu Boden geschlagen wurde. – Nach einer Weile aus tiefer Ohnmacht erwachend, schleppte sie sich taumelnd in die Wohnstube, wo die Banditen eben im Begriff sind, eine Kommode zu leeren und nun ihr Opfer vollends mit schweren Hammerschlägen töteten. – Indem schellte es am verschlossenen Hoftor – sie eilten hinab und treffen einen Handwerksmann, der in Geschäften zu dem Schlossherrn will. Es entspinnt sich ein verzweiflungsvoller Kampf, in welchem der Einzelne unterliegt. – Von der Schweizerseite, von Mammern aus, sah man zwei Männer querfeldein der waldigen Anhöhe zurennen. – Dem Vater aber ward, als er aus der Kirche zurückkam, der schreckliche Anblick des erbrochenen Hauses und zweier Leichen. – Niemals wurden die Täter entdeckt. Zwei übel berüchtigte Menschen, auf welchen der Hauptverdacht lastete, endeten, des langen Verhörs entlassen, später unter auffallenden Umständen. Der tiefgebeugte Vater aber wollte das Haus nicht mehr bewohnen, weshalb er die ganze Besitzung verkaufte. Jetzt ist sie Eigentum eines schweizerischen Fabrikherrn.

Doch wenden wir den Blick ab von einem unerfreulichen Gegenstande, der uns die Menschennatur auf dem schwärzesten Grunde zeigt. – Die Landschaft umher ruht so mild verklärt im goldenen Abendlichte, als wohnte keine Leidenschaft, nichts als Eintracht und Friede in ihr. Der Klosterbau erhebt sich imponierend über den Dächern des großen Dorfes, und Du glaubst eher eine Stadt als ein Dorf vor dir zu haben.

Von dem alten Augustinerstift Öningen berichtet uns die Geschichte, dass es ein gleiches Schicksal hatte wie das Kloster Reichenau; im Jahr 1534 wurde die Probstei zu den Tafelgeldern des Bischofs von Konstanz gezogen, der sich von da an „Statthalter von Oeningen“ nannte, und das Stift durch Priore, und später durch Dekane verwalten ließ, während die Mönche vom Hochstifte ihren Unterhalt bezogen. – Die Klostergründung fällt ins Jahr 965. Cuno, ein Sprössling der Grafen von Oeningen, die hier in dem Hauptorte der uralten Grafschaft gleichen Namens gewohnt haben, vergab seine Güter und sein Schloss der Kirche, zur Errichtung einer Augustiner-Probstei. Noch jetzt heißt ein mittelalterlicher Teil des Klosters das „Stammhaus“. Die nebenstehende Totenkapelle mit der Mönchsgruft soll die erste Kirche gewesen sein; eine Brüderschaft, „die Todtenbrüder„, hält noch alljährlich darin ihren Gottesdienst. –

Die Grafen von Öningen waren den berühmten Geschlechtern Habsburg und Zähringen nahe verwandt. – Das Dorf wird bereits in der zweiten Hälfte des achte Jahrhunderts als reich begüterter Meierhof genannt. Nahe dabei ist der berühmte Oeninger Steinbruch (Stinkkalk), in welchem zahlreiche Versteinerungen urweltlichen Getiers zu finden sind.

In dem nahen Stiegen, dem letzten badischen Orte, hatte ich übernachtet und machte des anderen Tages eine Tour nach Schienen. – In Oeningen, durch welches der Weg führt, prangten die Brunnen im Schmuck grüner bebänderter Tännlein – ein Werk der Schönen des Dorfes, die hiermit dem ersten Maitag ihre Huldigung dargebracht. – Schienen liegt im Schoße des Berges gleichen Namens, 2006 badische Fuß über dem Meere. Die Abgeschiedenheit des Ortes passt trefflich zu der Sage, welche Schienen, in den ersten christlichen Jahrhunderten, zu einer Zufluchtstätte für verfolgte Christen macht. Das uralte Michelskirchlein (in neuester Zeit eine Privatwohnung), soll an jenen Zeiten herrühren; es war vor Allem von einem großen „Todtengarten“ umgeben.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zu unserer lieben Frauen soll, zugleich mit einem Kloster, unter Karl dem Großen von Otto, einem Grafen im Hegau und der Bertholdsbaar, gebaut und gestiftet worden sein. Das Stift, ein Benediktinerkloster, kam in der Folge so herab, dass es in einen Chorherrenstift verwandelt und endlich im Jahr 1452 der Abtei Reichenau, und mit dieser dem Bistum Konstanz zufiel. -Der Pfarrhof und die ehemalige Chorherrenwohnung. Die Pfarrkirche trägt am Portal die Jahreszahl 1559. In ihren Grundverhältnissen hat sie noch etwas von der Karolingerzeit, obwohl der Bau teilweise neuer ist, als selbst die ebengenannte Jahreszahl.

Ein Gemälde mit einer Inschrift erzählt die Sage von ihrer Erbauung: Als die Kirch, heißt es, öd und alt zu Boden fallen wollt, und man eine neue baute, ließ sich eine weiße Frau, liebreich mit Worten, sehen und ermunterte die Arbeiter zum Fleiße; es war Maria, wird geglaubt. – Von dem Wallfahrtsbild unserer lieben Frauen wird gesagt: Weil die Kirche öd, wildverwüstet und verderbt, ward das Bildniß (Marien’s) von dannen auf Sankt Michelsberg getragen, und von keiner Menschenhand, wie die Alten sagen, angerührt, wieder allhie gefunden.

Links am Chor bewahrt ein Grabstein mit einem unbehülflich gemeißelten Bildnis das Andenken des ehrbaren Hölzlin von Martendorf (gestorben 1598), „der 17 Jahr bei Hans Christoph von Schienen ehrlich gedient und demselben drei Töchter aus der Taufe gehoben.

Nördlich von Schienen, auf einem Vorsprung des Berges, liegt die Schrozburg, mit einem fürstenbergischen Kameralhof. Die Sage schreibt die Erbauung der Veste einem alemannischen Adelichen zu, während die antiken Fundstücke* auf ein Römerkastell deuten.
*Bestehend in mehreren römischen Silbermünzen, die in der fürstlich fürstenbergischen Altertumsammlung im Schlosse zu Hüfingen aufbewahrt sind.

Ihre Zerstörung fällt ins Jahr 1441, in die Zeit, wo die aufblühenden Städte in steter Fehde lagen mit der Ritterschaft, von welcher bereits mancher Sprosse die Tugend der Väter verloren hatte. Auf Schrozsburg saßen die Ritter von Schienen. Einer aus diesem Geschlechte, Werner mit Namen, der in Mitte des 15. Jahrhunderts die luftige Feste bewohnte, trieb in der Gegend um den See unedle Wegelagerei. Einmal fing er auf dem Staderberge bei Konstanz einen Krämer von München, den herbeikommende Konstanzer mit Mühe aus seinen Händen befreiten. Allein der Streitritter hatte ihn bereits geplündert und seine Barschaft in fürsorglichen Besitz genommen; die Münchner, denen man deshalb schrieb, antworteten, dass weder ihre Herrschaft noch sie mit dem gedachten von Sienenen jemals Ungunst gehabt hätten.

Gleichzeitig lagen sich die verbündeten schwäbischen Städte und ein Teil des Adels im Hegau und am Rhein in den Haaren; und es ging bei diesen Feindseligkeiten wie heut zu Tage zwischen den Russen und Westmächten, man nahm und verdarb sich gegenseitig zugehöriges Gut, wobei dann mancher Unschuldige in Schaden kam. So machte unter anderem der Adel bei Stiegen einen Fang an Genfergut, welches zu Schiff von Konstanz nach Stein verbracht werden sollte. –

Es waren dabei Heinrich von Lupfen, Hans von Rechberg und zwei von Landenberg; diese ließen die Beute, 20.000 fl. an Wert, auf Wägen nach der Burg Höwen führen. Ein größerer Teil, auf 10.000 fl. geschätzt, blieb aber in Stein, unter der Obhut des Ritters von Klingenberg, der einen „michel Theil“ davon den Konstanzern, die nicht in das Städtebündnis gehörten und ihr Eigentum zurückforderten, auslieferte. Ebenso wandte sich der Rat von Konstanz auch nach Höwen, und ließ den Rittern sagen, dass unter dem genommenen Gut Vieles von Konstanzer Bürgern sich befinde. Die Adeligen antworteten, was die von Konstanz bei ihrem Eid als eigen ansprechen könnten, solle ohne Schaden gütlich ausgeliefert werden. – Die verbündeten Städte aber wollten einen Zug vor die Burg Höwen tun, kamen aber zu keinem Entschlusse.

Unterdessen betrieb der von Schienen sein Wegelagerergeschäft so schwunghaft, dass Niemand getrost und fröhlich von Konstanz nach Stein und Schaffhausen reisen konnte, weil der Ritter und seine Gesellen zu Wasser und zu Land viel Ungemach verübten und alle vorbeifahrenden Schiffe anriefen und zu Landen nötigten. Eines Tages ritt Werner mit acht Pferden von seiner Schrozsburg aus über den Rhein in den Bonderbach unter Freudenfels. Über den Trupp kamen etliche Gesellen von Konstanz und nahmen ihnen drei Pferde und einen armen Knecht gefangen. – Als aber die verbündeten Städte Ulm, Biberach, Memmingen, Kempten, Ravensburg, Buchhorn, Lindau, Überlingen, Rottweil x. endlich Ernst machten, sich rüsteten und von Konstanz verlangten, dass die Stadt dem Bündnisse beitreten solle, lehnte der Rat das Ansinnen ab, unter dem Vorwande, dass es eine Schmach wäre, wenn Konstanzer Bürger unter dem Hauptmann der Überlinger in’s Feld ziehen würden; auch hätten die Städte Alles verabredet und festgesetzt, ohne Vorwissen und Beiziehung der Konstanzer, sie könnten deshalb ehrenhalber nicht mitziehen; was man den Nachbarn aber sonst zu lieb tun könne, wolle man tun.

Am Allerheiligenabend zogen die Städtischen von Überlingen aus nach dem Hegau. Bald darauf schwuren auch die von Radolfzell zu ihnen, die es früher mit der Ritterschaft gehalten hatten. Man zog vor ein Haus, die Wasserburg geheißen, und gewann auch denen von Rechberg eines ab. Hernach ging’s vor die Schozburg, die Wohnung der Herren von Schienen. Die Burg war fest und wohl versehen mit Wein, Fleisch und anderem. Die Belagerer fingen an, das Holz um den Berg zu fällen, um damit alle Ausgänge ringsherum zu verlegen, dass Keiner entrinne. Als die Belagerten dieses merkten, steckten sie die Burg in Brand und flüchteten. Die Feinde aber löschten das Feuer und machten große Beute. – Nachher brannten sie die Burg nieder und zerstörten sie von Grund aus. Überdies verbrannten sie das Dorf Schienen, einen Torkel und ein dem von Schienen gehöriges Haus, verdarben die Reben und nahmen alles weg, was sie erwischen konnten. Nach diesem verbrannten sie Horn und was denen von Rechberg gehörte, zogen gegen Hilzingen, wovon auch ein Teil diesem Ritter gehörte und zerbrachen daselbst den Turm. Dann wandten sie sich gegen das Städtlein Stein, wo sie an den Hans von Klingenberg wollten; die Steiner widersetzten sich aber, und der Junker Albrecht von Klingenberg zu den Städtern und sagte, Stein wäre sein und die Sache der Adelichen ginge ihn nichts an. Auf dieses ließ man ab und zog in’s Hegau, verbrannte den Anteil des Hans von Rechberg an der Burg Stauffen und gewann die Wasserburg, die dem Vitus von Ast gehörte. Vor Engen wurde nichts unternommen, weil Graf Sigismund den Sturm zu beschwichtigen wusste, dafür wurde aber das Eigentum des Grafen von Lupfen verwüstet. – Da es schon zu kalt war, um Höwen zu belagern, wandte sich der Siegeszug (am 16. November) wiederum heimwärts. – Nachdem die Feindseligkeiten noch längere Zeit fortgedauert und manches arme Dörflein im Hegau mit Feuer und Schwert heimgesucht worden, kam endlich, auf Befehl des Kaisers Friderich, ein Friede zu Stande, der im Jahr 1445 zu Konstanz besiegelt wurde. Jeder Theil mußte den ihm zugegangen Schaden erleiden, ohne Ersatzansprüche. Dergleichen Putsche waren im Mittelalter an der Tagesordnung.

Von der Schozburg ist nur weniges Mauerwerk, umfangen vom Graben, übrig. Die Aussicht, die man hier hat, ist groß und herrlich; wie von einer Königsloge aus betrachten wir ein weites Amphitheater – links das ganze Hegau, rechts den Untersee, Reichenau und Konstanz, den glänzenden Obersee und in blaulicher Ferne das Vorarlberg. – Wie zum Finale drängt sich die weite, von uns durchwanderte Landschaft noch einmal auf die Bühne – ruhendes Gewässer, freundliche Städtlein, Dörfer halbverdeckt im Grünen, auf den Zacken alter Felsen gebrochenes Gemäuer, aus grünem Wiesenplan der Blitz der Bäche, weitgedehnte Wälder, wogende Saatfelder und Gebirge, ruhend in Duft und Wolken.

Die Sonne war bereits hinunter, als ich über die Landesgrenze zum Städtlein Stein zuwanderte. Noch einmal öffnet sich auf luftiger Höhe die Aussicht; über Land und See lagen schon die Schatten der Nacht, aber die ewigen Alpen, schweigend und groß, standen noch glühend wie Abendrot am fernen Horizont.

In dem alterthümlichen Schweizerstädtlein Stein machte ich Rasttag. Es war mir vorzüglich darum zu thun, den schönen Amtssaal im ehemaligen Kloster zu sehen. Aber da der Stadtschreiber zufällig abwesend war, so wollte Niemand über die Schlüssel gebieten, und ich mußte auf den Genuss verzichten. Nach dem Urteile Verständiger sind die Wandgemälde des Klostersaales dem Besten mittelalterlicher Kunst beizuzählen. Sie entstanden unter Abt David von Winkelsheim, der während der Reformation nach Radolfzell flüchtete, und, wie bereits erwähnt, in der dortigen Pfarrkirche begraben liegt.

Als Ersatz für den vorenthaltenen Kunstgenuss betrachtete ich das hübsche Städtlein, seine wohlerhaltenen mittelalterlichen Häuser, ihre Wandgemälde und zierlichen Erker, und hoch über Allem – die ritterliche Burg Hohenklingen.

Ich hatte einen Platz auf dem Eilwagen genommen und war über die Rheinbrücke gegangen, an der Straße nach Schaffhausen den Wagen zu erwarten. – Eine Zigeunerfamilie lagerte nicht weit von meinem Wachposten im Grünen. Einige ihrer braunen Weiber kamen zu dem Reisenden herüber, ein müßiges Gespräch anzuknüpfen. – Sie fragten nach Heimat und Vaterland. – ich hatte keinen Grund, die Frage ausweichend zu beantworten. Sie spendeten dem Lande große Lobsprüche und rühmten seine Gastfreundschaft gegenüber der Schweiz. – Ich fragte, wohin ihre Reise gehe? – Wir wissen es selbst nicht! lautete die Antwort, wir sind überall am rechten Ort, wo sich gute, hilfreiche Menschen finden.

Indem rollte der Wagen heran und hielt, der Passagier stiegen ein, und fort gieng’s es in rascher Fahrt den Ufern des grünen Rheins entlang nach Schaffhausen und weiter.

Ende

Radolfzell (Wikimedia)

Radolfzell, Thor

Abbildung aus: Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden. Band 1: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. Freiburg i. Br. 1887 (Wikimedia)

Grab von Radolf von Verona in der Kirche von Radolfzell. (Foto: Wikimedia)

Die Geschichte über den Ratoldsbrunnen ist im Südkurier aufgearbeitet:

Der Poppele vom Hohentwiel

Über den Poppele kennt wohl auch noch heute jeder eine Geschichte. Falls sich jemand, aus Sicht des frühen 20. Jahrhunderts, dafür interessiert, dem sei zu der Abenteuerliche Reise des kleinen Schmiedledick von Elisabeth Walter geraten.

Felchen

Es sind mehrere Quellen zum Gangfisch vorhanden und sie gehen bis ins Mittelalter zurück. Aus den Quellen lässt sich deuten, dass der Gangfisch ein sehr wichtiges Produkt für den Bodenseeraum war. Offensichtlich war der Fischfang nicht nur auf Ermatingen konzentriert. Gottlieben und Konstanz werden als weitere Fangorte genannt. Seine Wichtigkeit hatte der Gangfisch auch als Handelsprodukt, sei es als Zehntenabgabe oder als Exportprodukt. Fangzeit und –methoden sowie Zubereitungsweisen werden ebenfalls in den Quellen beschrieben.

Wird der Legende des Konstanzer Bischofs Gebhard aus dem 10. Jahrhundert Glaube geschenkt, ist der Fisch schon seit dieser Zeit bekannt. Eine weitere gefundene Erwähnung datiert aus dem 13. Jahrhundert. Damals kommt der Name Gangfisch – dazumals „ganchvisch“, „gangvissche“ oder „gantvisch“ – in alten Fischereiordnungen vor. Die älteste Erwähnung von der Ankunft der Fische im Laichgebiet ist im 1337 vollendeten „Schachzabelbuch“ des Schweizer Benediktinermönchs Konrad von Ammenhausen zu finden. Sie war am 11. November, dem St. Martinstag, und dauerte zwölf Tage. Der Gangfisch war eng mit den Klöstern in der Umgebung verbunden. Zum einem im Rahmen der Klosterfischerei, das heisst zur Versorgung der Klöster selbst, zum anderen vergaben sie auch Fischrechte zur Lehe, deren Zins jährlich in Naturalien, in einer festgelegten Menge an Fischen, zu bezahlen war. Fischereirechte im Untersee vergaben das Kloster von Reichenau und der Bischof von Konstanz. Der Ermatinger Dorfchronist Thomas Vaterlaus berichtet von einer Quelle aus dem 14. Jahrhundert, wonach die Ermatinger „getertem Gantvisch“, also geräucherten Gangfisch, dem Kloster Reichenau als Teil ihres Zehnten abliefern mussten. Aus dieser Quelle geht hervor, dass der Gangfisch bereits damals geräuchert wurde. Auch in der Ortsgeschichte von Gottlieben, einem Nachbardorf von Ermatingen, ist notiert, dass die Bewohner dem Bischof Gangfische als Zinsen ablieferten. 13 000 Stück sollen es im Jahr 1521 gewesen sein. Der Bischof aus Konstanz erlaubte den Gottliebern keinen Grundbesitz, so dass sie sich ausschliesslich der Fischerei widmeten. Dies erklärt die bis heute sehr kleine Fläche des Ortes.

Der Gangfisch hat mindestens zwei Blütezeiten durchgemacht. Von der einen berichtet der Konstanzer Historiker Gregor Mangolt aus dem 16. Jahrhundert. Er beschrieb einen Rekordfang: „Im Jahr 1534 fiengents im Manet December […] ob 46’000 gangfisch…“ Der Gangfisch soll so begehrt gewesen sein, dass 1533 „etlich geterdt Gangfisch“ sogar nach Zürich – zu Heinrich Bullinger – geliefert wurden, wie Mangolt berichtet. Eine zweite Blütezeit soll um die Zeit des 2. Weltkriegs gewesen sein. Damals gab es so viele Gangfische, dass man die Idee hatte, einen Wettbewerb mit ebendiesen Fischen als Preis einzuführen. Im Jahr 1937 wurde das so genannte Gangfischschiessen erstmals durchgeführt und findet bis heute jedes Jahr am zweiten Wochenende im Dezember statt. Geschossen wird natürlich nicht auf die Fische, sondern, wie es sich bei einem Preisschiessen gehört, auf Zielscheiben. Anschliessend wird an diesem Tag der Gangfisch in den Ermatinger Restaurants angeboten. Der Brauch ist ein wichtiges und bekanntes Fest, an dem mittlerweile Schützen auch ausserhalb der Region teilnehmen.

Auch über die spezielle Fangmethode wird berichtet. Immer wieder ist von der Gangfischsegi, dem grössten Fanggerät der Schweiz, die Rede. Sie soll bereits im 14. Jahrhundert erwähnt worden sein. Segi bezeichnet sowohl das Boot, einen schweren, schwarzen, flachbödigen bis 15 Meter langen Kahn, als auch das Garn. Ebenso wird mit Segi die Mannschaft bezeichnet. Eine Statutenrevision der Ermatinger Gilde der Gangfischer vom Jahr 1876 legt dar, dass die Mannschaft 18 Mitglieder umfasst. Die Mitgliedschaft war sehr begehrt. Entsprechend streng waren die Auflagen. Lediglich Ermatinger Bürger durften es sein; schied ein Mitglied aus erhielt sein ältester Sohn das erste Anrecht auf Mitgliedschaft, die dazumals stolze CHF 150.- kostete. Wenn es wieder Zeit für den Gangfischfang war, brachte jeder Fischer sein eigenes Zuggarn. Diese wurden anschliessend nach einem genauen Plan zu einem grossen Fischfanggarn zusammengesetzt. Der Fischfang mit der Gangfischsegi war bis nach dem 2. Weltkrieg viel im Einsatz, seit 1958 respektive 1967 – je nach Quelle – ist es jedoch vorbei. Als 1968 ein Fischer erkrankte und sich kein Ersatz finden liess, um die nötigen 18 Mann für die Gangfischsegi zusammenzubringen, wurde erstmals darauf verzichtet. Jedes Jahr hoffte man, dass sich wieder genügend Fischer finden liessen – jedoch vergeblich. Heute ist die Gangfischsegi im Seemuseum in Kreuzlingen oder am Ermatinger Groppenumzug, einer speziellen Form der Fastnacht, zu sehen. Die wenigen heute aktiven Fischer verwenden einen neuen Bootstyp.

https://www.patrimoineculinaire.ch/Produkt/Gangfisch/302

Öhningen

Das Stift Öhningen liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Untersees in der Nähe zum Rheinübergang bei Stein und wurde möglicherweise an der Stelle eines älteren Adelssitzes gegründet. Die Urkunde, in der Kaiser Otto I. (936-973) im Jahr 965 die Stiftung Öhningens und den zugehörigen Besitz bestätigte, ist wahrscheinlich in allen Teilen eine Fälschung des letzten Drittels des 12. Jahrhunderts. Nach diesem unechten Gründungsprivileg hatte Kuno von Öhningen mit Zustimmung seiner Frau Richlind und seiner vier Söhne das Stift kurz zuvor gegründet. Bereits die Gestalt des vermeintlichen Stifters hat für eine noch andauernde Forschungskontroverse gesorgt. Einigkeit besteht lediglich darin, dass Kuno als ein Mitglied des konradinischen Familienverbands anzusehen ist und dass er eine enge Beziehung zum Rheinauer Stifterverband besaß. Die Forschung tendiert des Weiteren dazu, Kuno mit dem von Otto II. (973-983) eingesetzten Herzog Konrad von Schwaben (982-997) gleichzusetzen sowie Richlind als Enkelin Ottos I. genealogisch einzuordnen. Die Vermutung, Kuno habe in Öhningen eine geistliche Institution gestiftet, ist in gleicher Weise spekulativ wie alle anderen Hypothesen, die einen späteren Gründungszeitpunkt favorisieren. Nicht zu klären ist ebenfalls die Frage nach dem Status Öhningens, das erstmals 1155 als Propstei und 1166 als Augustiner-Chorherrenstift sicher fassbar ist: Entweder bestand bereits eine ältere Gemeinschaft von Geistlichen, die erst später die Augustinerregel übernahm, möglicherweise als Benediktinerkloster oder als nicht reguliertes Kollegiatstift, oder Öhningen wurde als Augustiner-Chorherrenstift eingerichtet, vielleicht während der großen Gründungswelle solcher Institutionen im Bistum Konstanz im ausgehenden 11. und beginnenden 12. Jahrhundert. Im Jahr 1155 bestätigte Kaiser Friedrich I. (1152-1190) dem Konstanzer Bischof Hermann von Arbon (1138-1165) den Besitz der „prepositura Oningen“. Nach dem Tod Hermanns konnte der Kaiser seine Besitzbestätigung von 1155 rückgängig machen und so eigene Familieninteressen wahren. Doch kurz nach dem Tod Friedrichs erhielten die Bischöfe das Augustiner-Chorherrenstift wieder zurück, denn am 1191 übertrugen Heinrich VI. (1190-1197) und seine Brüder Bischof Diethelm von Krenkingen (1189-1206) die Vogtei des Orts unter Einschluss des Stifts. Trotz eines Privilegs Papst Alexanders IV. (1254-1261) aus dem Jahr 1256, in dem dieser das Stift Öhningen und dessen Güter in seinen Schutz nahm, blieb die Vogtei seit dem ausgehenden 12. Jh. unangefochten beim Konstanzer Bischof. Die Vogteirechte übten u. a. in Gaienhofen ansässige Untervögte aus, die den Besitz des Stifts verwalteten, der sich vor allem im Hegau und Klettgau, aber auch im Thurgau sowie im südlichen Schwarzwald befand. Ein Propst ist namentlich erstmals 1160 fassbar, er versah die inneren Angelegenheiten des Stifts und lenkte den meist etwa sechs Chorherren umfassenden Konvent. Besonders im beginnenden 15. Jh., als die Gemeinde Öhningen nach Unabhängigkeit von Bischof und Stift strebte, sind häufig Konflikte um Rechte und Zuständigkeiten belegt. Weitere Spannungen entstanden zwischen dem Augustiner-Chorherrenstift und der Stadt Stein am Rhein oder dem dortigen Kloster. Im Schwabenkrieg 1499 blieb Öhningen weitgehend verschont, im Bauernkrieg 1524/25 vertrieben Öhninger Bauern den Propst, selbst einige Chorherren sollen sich den Aufständischen angeschlossen haben. Mit dem Beginn des 16. Jh. erreichte der wirtschaftliche Niedergang auch im Augustiner-Chorherrenstift Öhningen seinen Höhepunkt, meist konnten nur noch drei Kleriker mit Pfründen versorgt werden. Die Bischöfe warfen den Chorherren sittliches Fehlverhalten vor, in erster Linie dürften die Ordinarien mit diesen Anschuldigungen aber versucht haben, das Stift stärker unter ihre Kontrolle zu bekommen. Zudem bot der Kaiser dem Bischof an, die Inkorporation des Stifts Öhningen zu unterstützen, um die Finanzen des Hochstifts zu verbessern. Unter Johann von Lupfen (1532-1537) wurde der Plan ausgeführt, die Inkorporation erlangte 1534 die Zustimmung Papst Pauls III., 1536 die Billigung König Ferdinands I. Nun fungierte der amtierende Konstanzer Bischof als Propst, der einen Dekan oder einen Prior einsetzte, der für die geistlichen Aufgaben vor Ort zuständig war; das Einverständnis des Konvents zu diesen Personalentscheidungen musste nicht eingeholt werden. In Öhningen residierte ab dem 17. Jh. ein bischöflicher Obervogt, der die weltlichen Belange des Stifts bestimmte. Die Inkorporation brachte eine vorübergehende Verbesserung der wirtschaftlichen Situation auch des Stifts, nun sind meist sechs Chorherren als Pfründner belegt. Allerdings war ihre von Konstanz aus gewährte finanzielle Versorgung oft knapp bemessen und wurde in manchen Fällen verspätet ausgezahlt. Bemühungen, besonders unter Dekan Karl Loder (+1760), die Inkorporation aufzuheben, blieben erfolglos. Im 30-jährigen Krieg kam es wiederholt zu Plünderungen des Stifts, doch die Bischöfe sorgten für die Wiederherstellung des Besitzstands. Das Augustiner-Chorherrenstift kam 1803 an Baden; im selben Jahr wurde seine Auflösung eingeleitet, die zwei Jahre später mit der Einrichtung der Pfarrei Öhningen abgeschlossen war. An der Öhninger Kirche gab es mehrere bruderschaftliche Zusammenschlüsse, die vor allem im 17. Jh. gegründet wurden. Der geistig wirkungsmächtigste Kanoniker war Dominikus Wenz (+1755), der einen Kommentar zur Augustinusregel (1718), eine Vorbereitungsschrift für die Erstkommunion (1724) und eine Sammlung von Sinnsprüchen (1726) zum Druck brachte. Sein Hauptwerk ist das 1757 und 1793 erschienene „Exempel-Buch“, das für die Erzählliteratur des 18. und 19. Jh. wichtige Anstöße gab. Dekan Karl Loder (+1760) verfasste neben einer biblischen Historie handschriftliche Aufzeichnungen zur Stiftsgeschichte. Im Westen des Stiftsareals stehen die Kirche, die Dreiflügelanlage des Konvents und das in der Mitte des 17. Jh. errichtete Amtshaus des Obervogts, im Osten der Wirtschaftshof. Die Baugeschichte lässt sich erst für die Zeit um 1500 sicher rekonstruieren: Auf Anordnung von Propst Nikolaus Christiner (1482-1513/16) wurden die Konventsbauten neu errichtet, einige Teile dieses Bauensembles sind in den heute erhaltenen, von Umbauten und Erweiterungen des 17. und 18. Jh. geprägten Gebäuden noch verbaut. Der weitgehende Neubau der Kirche wurde in Auftrag von Bischof Jakob Fugger (1604-1626) etwa 1610 begonnen und 1620 abgeschlossen. Unter Bischof Franz Johann Vogt von Altensumerau und Prasberg (1645-1689) wurden Schäden an Kirche und Konventsbauten behoben, 1681 konnte der neue Hochaltar geweiht werden. Auf Bischof Kasimir Anton von Sickingen (1743-1750) geht die barocke Umgestaltung des Konventsaals zurück. Den Innenraum der Saalkirche, deren Äußeres weitgehend Züge der Spätrenaissance trägt, ließen die Konstanzer Ordinarien barock ausgestalten. Der mittelalterliche Kirchenschatz und der vorbarocke Kirchenschmuck sind verloren, aus der heute vorhandenen Ausstattung ragen der Hochaltar und die Plastik Christus am Kreuz von Josef Anton Feuchtmayer hervor. Das Chorgestühl mit 30 Sitzen ist barock. Aus dem Besitz des Stifts stammen außerdem zwei Wappenscheiben aus dem Jahr 1520 (heute Zürich, Schweizerisches Landesmuseum).

Autor: ANDREAS BIHRER (LeoBW)

Beiträge zur Geschichte
der Badischen Landessammlungen für Naturkunde in Karlsruhe
IX. Eine Aktion zur Gewinnung öhninger Fossilien 1854-1860

Die wegen ihrer Fossilfunde weltberühmten öhninger Steinbrüche (Untermiozäne Kalke und Mergel),
bis zur Säkularisation im Besitz des Klosters Öhningen, wurden danach staatlicher Besitz und gingen
schließlich in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz über. Der ehemalige Goldarbeiter
Leonhard Barth verstand es daraufhin bald, die meisten Fossilien an sich zu bringen und nach ihrer
Präparation teuer, vorwiegend ins Ausland zu verkaufen, wodurch sie dem Land Baden verloren gingen.
Dies abzustellen, schloß der Bergrat und Professor für Mineralogie und Geologie an der Polytechnischen Schule in Karlsruhe Friedrich August Walchner im Jahr 1852 mit Johann Hangarter, dem Besitzer eines der beiden Steinbrüche einen Vertrag, wonach die anfallenden Fossilien zu sammeln und dem Verwalter Benz auf Schloß Marbach gegen eine jährliche Entschädigung abzuliefern seien. Barth versuchte daraufhin den Steinbruch zu erwerben, weshalb Walchner der Behörde vorschlug, Barth zuvorzukommen, was auch geschah, so daß Walchner von dem Vertrag zurücktreten konnte. Der nunmehr ärarische Steinbruch wurde von nun an vorzugsweise zur Fossiliengewinnung für das Naturalienkabinett in Karlsruhe unter der Direktion von Professor Dr. Moritz Seubert betrieben. Für die Auswahl und Herrichtung der Stücke zum Versand wurde der Apotheker Dr. Julius Schill in Stockach verpflichtet, welchen Auftrag er bis Herbst 1859 erfüllte, dann aber wegen Wegzugs nach Freiburg beendete. Da der Betrieb des Steinbruchs für den Staat letzten Endes ein Verlustgeschäft war, verpachtete er ihn noch im gleichen Jahr an Barth, der auch an einem Kauf interessiert war, der schließlich 1861 zu Stande kam, womit die Aktion zur Gewinnung von Fossilien für das Naturalienkabinett ein Ende fand.

https://www.zobodat.at/pdf/Beitr-natukdl-Forsch-Suedwestdtschl_37_0005-0030.pdf

St. Michaelskirche Schienen

Der spornartige Käppeleberg war vermutlich eine frühgeschichtliche Anlage in Form einer keltischen Zelle. Die ältesten Teile der St. Michaelskirche sind sicherlich die Mauern eines solchen Kultraumes. Der große Eckstein mit schalenförmigen Veriefungen unter der Nordwestecke wurde hier wahrscheinlich schon von den Kelten als Kultstein (Megalith) verwendet.

Nach dem hiesigen Probsteibuch soll die Gründung bis in die Zeit der ersten Christenverfolgungen im Bodenseegebiet zurückgehen. Der Sakralbau stellt somit die Verbindung zwischen keltischer und frühchristlicher Kultur in unserer Gegend dar. Die St. Michaels-Kapelle gehört, wie die Sylvesterkapelle in Goldbach, zu den ältesten Gotteshäusern am Bodensee.

Zwischen Jahren 832/838 wird die St. Michaelskapelle erstmal in einer reichenauischen Handschrift erwähnt. Die Reliquie des heiligen Genesius wurde etwa 800 vom Grafen Scrot aus Florenz auf sein Landgut Schienen und seine Eigenkirche St. Michael gebracht und wurde rasch Ziel zahlreicher Pilger.

https://www.bodenseewest.eu/attraktion/ehemalige-st.-michael-und-st.-mauritius-kirche-db38c1b70f

Stein am Rhein mit Hohenklingen

Die Insel Mainau und der Badische Bodensee

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Wipfelbruch

Liebe Bürgerpostleser, 

haben Sie so etwas schon gesehen wie auf dem Bild? Das bekam ich von Ingo Kirchhoff, meinem guten Bekannten aus Niedersachsen. Ich habe den Eindruck, dass es so etwas Gigantisches bei uns im Süden nicht gibt, oder haben Sie schon so etwas gesehen? Natürlich war Reinhold Mayer, wie in allen forstlichen Fragen, mein Ansprechpartner, ein herzlicher Dank dafür. 


Nun, jeder kennt den „normalen“ Wipfelbruch. Er passiert gerne bei Nassschneefall in Fichtenbeständen. Diese traurige Aufnahme oben entstand am 27. Januar 2023 in Oberkirnach. In Folge davon übernimmt ein oder mehrere Äste den Ersatzwipfel, streben nach oben und bilden eine hervorragende Nestgrundlage.


Das Bild habe ich von der Homepage des Nabu Schwarzwald-Baar. Dort findet sich eine Auflistung, dass in elf Horsten in Wipfelbrüchen von Fichten folgende Bruten stattgefunden haben:
1 mal Habicht, 2 mal Mäusebussard, 4 mal Rotmilan und 3 mal Wespenbussard. Diese Daten stammen vom Vogelexperten des Landkreises, Hans Schonhardt. Ganz erstaunlich, nicht wahr? 


Nun aber zur unserem norddeutschen Fall: Hammermäßig finde ich das „unrunde“, zackige an der Sache. Reinhold klärte auf, dass der verlorene Gipfeltrieb des Baum nur wenige Jahre alt war. Können Sie sich vorstellen warum? Ganz einfach, weil der untere Stammteil etwa gleich dick ist wie der Ersatztrieb. Wieso aber jeweils mit zwei rechten Winkeln? Weil der Ersatztrieb unmittelbar an der Bruchstelle ansaß und horizontal zum Stamm stand. Da bei Nadelbäume die letzte Knospe am stärksten wächst, strebte der neue Gipfeltrieb sofort wieder in die Senkrechte. Wissen Sie, was ich gedacht habe? Wie werden wohl die Jahresringe angeordnet sein? Ich denke, Sie können sich es gut vorstellen. Erkennen Sie auch den Ellenbogen beim Abgang nach links und die Verdickung beim Abgang nach oben? Das sind Maßnahmen auf Zellebene, um den Baum in der stabilen Lage zu halten. Sehr erstaunlich finde ich.

Übrigens, was für eine Baumart finden wir vor? Genau, eine Lärche. 

Herzliche Grüße 
Franz Maus  

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