Haemophilus influenzae

Diese Seite ist ein Klon von von meiner hmjaag.de, die irgendwann eingestellt wird.

Dieser Artikel geht nur um einen H. influenzae Abstrich (Haemophilus influenzae strain hmjh) der 2022 in Leipzig isoliert wurde. Wer genauerer Informationen sucht sei auf die Seiten des Robert Koch Institutes verwiesen:

Haemophilus Influenzae

H. influenzae infiziert ausschließlich Menschen und braucht Hemin und NAD im Medium! Deshalb habe ich Mueller Hinton Agar mit diesen zwei Faktoren hergestellt:

  • Eine frische Hemin-Stammlösung wird hergestellt, indem man 50 mg Hemin-Pulver in 100 ml (0,01 mol/L NaOH) unter Erhitzen und Rühren aufgelöst werden, bis das Pulver vollständig aufgelöst ist.
  • Eine Nikotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD)-Stammlösung wird durch Auflösen von 50 mg NAD in 10 ml destilliertem Wasser hergestellt; nicht erhitzen, sondern sterilfiltrieren!.
  • Mueller-Hinton-Agar (MHA) aus einer handelsüblichen dehydrierten Basis nach den Anweisungen des Herstellers herstellen, plus 5 g Hefeextrakt und 30 ml Hemin-Stammlösung auf 1 Liter MHA.
  • Nach dem Autoklavieren und abkühlen 3 ml der NAD-Stammlösung dazu sterilfiltrieren.

H. influenza auf MHA plus Hefe, Hemin und NAD.

Sorry ist ne alte Platte, hatte gerade nichts besseres. H. influenza wächst relativ langsam also bei Neuanimpfung sollte man ihm schon zwei/drei Tage Zeit lassen.

Dieser H. influenza wurde bestimmt, indem seine 16S ribosomal RNA sequenziert wurde. Hierfür wurden vier Primer nach (1) gekauft.

HM108f-16S – TAAGCAGTTTATTGAGCGAT  
HM109r-16S – GTGAGCACTCGCTGTC
HM110f-16S – CAAATGAATTGACGGGGG
HM111r-16S – CCCCCGTCAATTCATTTG

PCR wurde mit Primern HM108 und HM109 bei 52°C mit Phusion Taq (NEB) gemacht.

Gel unter UV Licht mit den Banden

Das 16S PCR Produkt von H. influenza hat etwa 1550 bp.

Dieses PCR Produkt wurde ausgeschnitten und mit dem Monarch Gel Extraction Kit von NEB aufgereinigt und mit allen vier Primern (HM108, HM109, HM110, HM111) sequenziert. Die Sequenz wurde zusammengefügt:

>16-S_Haemophilus influenzae strain hmjh
ATTGAAGAGTTTGATCATGGCTCAGATTGAACGCTGGCGGCAGGCTTAACACATGCAAGTCGAACGGTAGCAGGAGAAAGCTTGCTTTCTTGCTGACGAGTGGCGGACGGGTGAGTAATGCTTGGGAATCTGGCTTATGGAGGGGGATAACGACGGGAAACTGTCGCTAATACCGCGTATTATCGGAAGATGAAAGTGCGGGACTGAGAGGCCGCATGCCATAGGATGAGCCCAAGTGGGATTAGGTAGTTGGTGGGGTAAAGGCCTACCAAGCCTGCGATCTCTAGCTGGTCTGAGAGGATGACCAGCCACACTGGAACTGAGACACGGTCCAGACTCCTACGGGAGGCAGCAGTGGGGAATATTGCGCAATGGGGGGAACCCTGACGCAGCCATGCCGCGTGAATGAAGAAGGCCTTAGGGTTGTAAAGTTCTTTCGGTATTGAGGAAGGTTGATGTGTTAATAGCACATCAAATTGACGTTAAATACAGAAGAAGCACCGGCTAACTCCGTGCCAGCAGCCGCGGTAATACGGAGGGTGCGAGCGTTAATCGGAATAACTGGGCGTAAAGGGCACGCAGGCGGTTATTTAAGTGAGGTGTGAAAGCCCCGGGCTTAACCTGGGAATTGCATTTCAGACTGGGTAACTAGAGTACTTTAGGGAGGGGTAGAATTCCACGTGTAGCGGTGAAATGCGTAGAGATGTGGAGGAATACCGAAGGCGAAGGCAGCCCCTTGGGAATGTACTGACGCTCATGTGCGAAAGCGTGGGGAGCAAACAGGATTAGATACCCTGGTAGTCCACGCTGTAAACGCTGTCGATTTGGGGGTTGGGGTTTAACTCTGGCGCCCGTAGCTAACGTGATAAATCGACCGCCTGGGGAGTACGGCCGCAAGGTTAAAACTCAAATGAATTGACGGGGGCCCGCACAAGCGGTGGAGCATGTGGTTTAATTCGATGCAACGCGAAGAACCTTACCTACTCTTGACATCCTAAGAAGAGCTCAGAGATGAGCTTGTGCCTTCGGGAACTTAGAGACAGGTGCTGCATGGCTGTCGTCAGCTCGTGTTGTGAAATGTTGGGTTAAGTCCCGCAACGAGCGCAACCCTTATCCTTTGTTGCCAGCGACTTGGTCGGGAACTCAAAGGAGACTGCCAGTGATAAACTGGAGGAAGGTGGGGATGACGTCAAGTCATCATGGCCCTTACGAGTAGGGCTACACACGTGCTACAATGGCGTATACAGAGGGAAGCGAAGCTGCGAGGTGGAGCGAATCTCATAAAGTACGTCTAAGTCCGGATTGGAGTCTGCAACTCGACTCCATGAAGTCGGAATCGCTAGTAATCGCGAATCAGAATGTCGCGGTGAATACGTTCCCGGGCCTTGTACACACCGCCCGTCACACCATGGGAGTGGGTTGTACCAGAAGTAGATAGCTTAACCTTTTGGAGGGCGTTTACCACGGTATGATTCATGACTGGGGTGAAGTCGTAACAAGGTAACCGTAGGG

NCBI-Blast mit dem sequenzierten Serotyp ergibt Übereinstimmung mit M10523 aus (1) 67P38H1 und 67P56H1 aus (2).

Einordnung des Serotyps unsere Isolates hmjh aus (2)

Weiter wurde versucht den Serotyp zu bestimmen. Zuerst wurden hierfür Primer nach (3) bestellt. Leider scheint unser Isolat keiner der typisierten Serotypen zu sein. Es wurde mit Wobble Primer ein Fragement des Isolates amplifiziert und sequenziert:

>42AF66 Haemophilus influenzae strain hmjh
ACAGGCGGTTGCCCGCACACAGCAATTCGTGAAGATGCCTCGATGAATTTAGAAGCGGTTGATGAAATGGTGGCTCGTTTCCCTGATGTGGAAATTGTATTTATTGAATCGGGCGGCGATAACCTTTCAGCGACTTTTAGCCCTGATTTGGCTGACGTGACAATTTTCGTGATTGACGTGGCTCAAGGGGAAAAAATCCCTCGTAAAGGTGGGCCGGGTATCACTCGTTCAGATTTACTTGTGATCAACAAAACTGATCTTGCTCCATTC

Der hier isolierte Haemophilus influenzae strain hmjh hat also die selben Hüllproteine wie ein 2012 in Japan sequenziertes Isolat CHBN-III-4 DNA.

Leider darf ich bei NCBI nichts mehr hochladen, da ich zu keiner Uni gehöre. Deshalb muss man hiermit vorlieb nehmen.

(1) High Level of Sequence Diversity in the 16S rRNA Genes of Haemophilus influenzae Isolates Is Useful for Molecular Subtyping, Claudio T. Sacchi et.al., Journal of Clinical Microbiology, p. 3734–3742, Aug. (2005)

(2) Haemophilus influenzae genome evolution during persistence in the human airways in chronic obstructive pulmonary disease, Melinda M. Pettigrew, PNAS, https:/www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5889651/pdf/pnas.201719654, (2018)

(3) PCR for capsular typing of Haemophilus influenzae, T J Falla 1, D W Crook, L N Brophy, D Maskell, J S Kroll, E R Moxon, Journal of Clinical Microbiology, 1994 Oct;32(10):2382-6. doi: 10.1128/jcm.32.10.2382-2386.1994. (1994)

Antwort vom Landrat auf den offenen Brief

Hier die Antwort vom Landrat Sven Hinterseh vom 26.10.2023 auf den offenen Brief weiter unten.

Offener Brief von Ursula Albert am 16.10.2023

Sehr geehrter Herr Landrat,

der Gemeinderat der Stadt Hüfingen hat im Rahmen des Lärmaktionsplans vor über einem Jahr Tempo 30 auf mehreren innerörtlichen Durchgangstraßen in Hüfingen beschlossen. Am 28. September dieses Jahres wurde dieser Beschluss ein weiteres Mal mit breiter Mehrheit bestätigt.

Wie Sie sicherlich wissen, ist Hüfingen die Gemeinde mit dem höchsten Straßenverkehrsaufkommen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Das rührt daher, dass zwei Bundesstraßen mit drei bzw. vier Fahrspuren die Stadt flankieren und dazu noch zwei stark befahrene Landstraßen mitten durch die Kommune führen.

Diesen Umstand kennen Sie genauestens, nicht zuletzt auch deshalb, da Sie zu einem Vor-Ort-Termin schon vor Jahren in Hüfingen eingeladen waren und auch durch mehrmaliges Vorsprechen vieler betroffener Mitglieder der hiesigen Bürgerinitiative im Rahmen Ihrer Bürgersprechstunde im Landratsamt. Nach außen hin wird in Bürgersprechstunden Bürgernähe suggeriert, doch es kommt leider selten zu Verbesserungen.

Ich halte die ablehnende, äußerst restriktive Haltung Ihrer Behörde in Sachen Lärmaktionsplanung für unzumutbar, gerade gegenüber den betroffenen Anwohnern an den vielbefahrenen Straßen.

Es geht hier vorrangig um den Gesundheitsschutz, die vielbeschworene Aufenthaltsqualität und nicht zuletzt um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen gerade der Fußgänger*innen und Radfahrer*innen und eben gerade nicht um die Befindlichkeiten hochsensibler Mitarbeiter der unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt.

Auch der Zeitverlust durch den ÖPNV, welcher oft als Hemmnis vorgeschoben wird, ist marginal.

Dieser Sachverhalt wird im Lärmaktionsplan und im Kooperationserlass Lärmaktionsplan der Landesregierung klar geregelt.

Die Gemeinde Mönchweiler hat nach zähem Ringen mit Ihrer Behörde schlussendlich Tempo 30 einführen können. Diese Entscheidung wurde seitens der Bevölkerung vor Ort einhellig begrüßt.

Im Vergleich zu Mönchweiler, ist das Verkehrsaufkommen in unserer Gemeinde deutlich höher und desweiteren befinden sich an den betreffenden Straßen eine Schule, ein Altenpflegeheim und eine Anlage für betreutes Wohnen.

Wann kommen nun endlich die langersehnten Verbesserungen für unsere durch Straßenverkehr gestresste Stadt?

Müssen hier noch mehr Menschen durch Lärm krank werden?

Über Ihre Nachricht freue ich mich.

Freundliche Grüße

Ursula Albert

Kindergarten in der Sauna ist keine brauchbare Lösung 

Die SPD-Fraktion kämpft für schnelle und gute Kindergartenplätze 

Das Gesundheits- und Freizeitangebot Hallenbad muss mit Sauna erhalten bleiben !

Die SPD-Fraktion setzt sich vehement für die schnelle Schaffung von Kindergartenplätzen ein. „Sie in die Sauna im Hallenbad einzubauen ist weder vernünftig noch tragbar“, sagt die Fraktionsvorsitzende Kerstin Skodell. Die vom Bürgermeister angeleierte Diskussion die Sauna zu einem Kindergarten umzubauen ist eine ungeeignete Lösung. Einer solcher Umbau schaffe frühestens im Jahr 2025 KiTa Plätze und schwächt außerdem das Gesundheits- und Freizeitangebot der Stadt durch die fehlende Sauna erheblich. 

„Die Schließung der Sauna ist keine akzeptable Lösung“, betont die SPD-Fraktion mit Nachdruck. Dies sein nicht nur der Verlust einer wichtigen Gesundheitseinrichtung für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch keine brauchbare Lösung für das drängende Problem des Kindergartenplatzmangels. Die SPD-Fraktion schlägt deshalb vor temporäre Pavillons als Übergangslösung zu nutzen, um dann in Ruhe einen geeigneten Standort zu suchen, um einen weiteren Kindergarten zu planen und zu bauen. 

Für solche Übergangspavillons gäbe es durchaus geeignete Standorte. Unter anderem im Wohngebiet auf Hohen oder in der Friedenstraße gegenüber der KITA St. Verena. 

Diese oder weitere Vorschläge sollen sicherstellen, dass alle Kinder in Hüfingen schnellstmöglich Zugang zu qualitativ angemessenen Kindertagesstätten erhalten, ohne erst irgendwann 2025 in den Umbau der Sauna im Hallenbad einziehen zu können. 

Die SPD-Fraktion meint hier müsse man weg kommen von Saunaschnellschüssen und ruft zu einer umfassenden Diskussion und Bürgerbeteiligung auf. „Wir sind offen für tragfähige Vorschläge und Lösungen“ sagt die Fraktionsvorsitzende Kerstin Skodell. 

Wasserleiche

Liebe Bürgerpostleser, 

damit fing diese Geschichte an. Ich erhielt von Eva-Maria Mayer von Fotomayer diese Whatsappnachricht: „Wenn mol z’Hifinge bisch, kunsch bei mir im Lade vorbei….ich soll, (kann) Dir was zeigen😅“ 

Natürlich ließ ich sie nicht lange warten und Eva-Maria gab mir eine Schachtel mit diesem Inhalt:

Der arme Kerle muß in eine Erdregentonne gefallen sein und so wie oben zu sehen, wurde er herausgefischt. Eva-Maria hat das mitbekommen und gedacht, daraus kann ich vielleicht eine Geschichte machen. Dass es sich um einen Igel handelt, sieht man deutlich anhand der Stacheln. Also jetzt war klar, dass ein Igel durch Ertrinken zu Tode gekommen ist. Aber wieso sieht er so weiß aus? Mein erster Gedanke war, dass er verkalkt ist. Deswegen setzte ich einen kleinen Teil Substanz in Säure an, es passierte nichts. Außerdem hat Regenwasser keinen Kalk, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht. Der hintere Teil war in größere Brocken zerfallen, ich konnte mit der Hand alles ohne große Anstrengung weiter bis zum Staub zerbröseln.


Die Knochen waren total in Takt, auf Bild rechts sieht man einen Oberschenkelknochen und Teile des Beckens. Ich kam nicht weiter und mußte die Bilder zweimal in den Whatsapp Status stellen, ehe jemand einen Tipp gab. Es war ein langjähriger Mitarbeiter eines Friedhofamtes einer größeren Stadt, ahnen Sie schon etwas? Er schieb: „Das sieht aus wie eine Wachsleiche“. Oha. Wikipedia gibt dazu die Auskunft, dass in einer nassen und kühlen Umgebung mit wenig Sauerstoff eine Leiche nicht wie üblich verwest. Stattdessen führt die Bildung von Adipocire (auf deutsch Leichenwachs) zu einer Verhärtung des Leichnames, die keine weiteren Verwesungsprozesse erlaubt. Durch die Zersetzung von körpereigenen Fettsäuren in nicht abbaubare gesättigte Hydroxy- oder Oxifettsäuren werden die Weichteile der Leiche zu einer grauweißen, pastösen Masse umgewandelt. Nach frühestens drei bis sechs Monaten beginnt die Verhärtung zu einer kalkartigen, organischen Substanz. Das trete auch bei Wasserleichen auf, und damit sind wir wieder bei unserem Igel angelangt. Das Rätsel ist gelöst, es ist ein Wasserwachsleichenigel. Aufgrung der kalkartigen Struktur ist er mindestens schon ein halbes Jahr tot, es könnte aber auch schon Jahre her sein. Denn diese Verwesungsart ist sehr stabil. 

Welche Gedanken beschäftigen Sie nun? Denken Sie vielleicht, das hätte er nicht schreiben brauchen. Für mich war es eine tolle Herausforderung, wieder etwas dazu lernen zu dürfen. Deswegen nochmals herzlichen Dank an Eva-Maria Mayer, dass sie mich in den Laden gelockt hat. Vielleicht passt ein Gedicht von Goethe dazu:

Solang Du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist Du ein trüber Gast auf dieser dunklen Erde.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wenig Federlesen

Die Lektüre des Schwarzwälder Boten ist an diesem grauen und verregneten Oktobermorgen dazu geeignet, Tier- und Naturfreunde, wenn schon nicht in Verzweiflung, so doch in Verunsicherung zu stürzen: DIE DRITTE SEITE widmet sich in großer Aufmachung, bebildert mit Luchs und Rothirsch, den 16 deutschen Nationalparks und deren derzeit anlaufende Evaluierung. Gesucht wird nach Stärken und Schwächen sowie nach deren Ursachen – und das auf gerade mal 0,6 Prozent der Fläche Deutschlands. Nationalparks in unzureichender Qualität seien „nichts anderes als Etikettenschwindel“, so wird aus Thüringen die Sprecherin der Nationalparkverwaltung Hainich zitiert, während andererseits der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats argumentiert, die Wälder müssten doch, anstatt sie stillzulegen, wegen des Klimawandels „gezielt umgebaut“ werden. Nationalparke seien kontraproduktiv für Klimaschutz und Holzversorgung, unterstreicht der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände: „Keine Holzernte heißt kein Ersatz klimaschädlicher Bau- und Brennstoffe.“ Die Bilanz des Schwarzwälder Nationalparks falle „nüchtern“ aus, weil trotz der auf 3000 ha ausgewiesenen Wildruhezonen der Bestand an Rothirschen noch immer nicht zugenommen habe und der Bestand seines Charaktervogels, des Auerhuhns, schrumpfe sogar. Oder sollte er neuerdings nicht doch um sechs balzende Hähne zugenommen haben?

Nationalparks werden evaluiert

Unter DONAUESCHINGEN begrüßt der Lokalteil den Leser mit der Schlagzeile „Wildgänsen geht es an den Kragen“. Weil die Vögel sich am Kirnbergsee immer mehr vermehrten, Liegewiesen und Badesteg verschmutzten und überdies über die Getreidefelder herfallen. Weshalb der Bräunlinger Gemeinderat über eine Abschussfreigabe berät. Die SPD-Fraktion habe den Antrag gestellt, „den Bestand an Nilgänsen auf null zu reduzieren“, den der Graugänse auf „maximal 150“ zu begrenzen, nachdem mittlerweile rund 400 Tiere sich am See aufhalten und zu einer echten Plage geworden seien. Erwogen  werden „Treibjagden in frühen Morgenstunden“.

Vogelschutz am Kirnbergsee

War Ähnliches nicht unlängst auch schon über die unerquickliche Invasion der Nilgänse in der Landeshauptstadt berichtet worden? Ein Gänsemanagement müsse her wegen massiver innerstädtischer Verschmutzung, gar wegen aggressiven Verhaltens, derweil ein Manager des Fellbacher Erlebnisbads wegen Tierquälerei habe entlassen werden müssen, weil er ohne behördliche Genehmigung einer Nilgans den Hals umgedreht hatte!

Schließlich wird dem SchwaBo-Leser an diesem 26. Oktober zuhinterst auch noch die Sonderseite Tierisch gut – DAS LEBEN MIT HAUSTIEREN zugemutet, diesmal mit einem ganzseitigen Bericht aus der Region unter der Überschrift Auch Reptilien sind ideale Haustiere. Im Text und auf den Fotos vorgestellt wird „einer der größten Terraristik-Händler…in Deutschland und Europa“, abgebildet mit einer (aufgrund eines genetischen Defekts) doppelköpfigen Boa in den Händen sowie mit einer geschulterten riesigen Anakonda, dazu die Bildunterschrift „Keine Angst vor großen Schlangen…“, wobei auch das Foto einer exotischen Echse nicht fehlen darf. Zitiert wird der Tierhalter u. a. mit dem ebenso befremdlichen wie verkaufsförderlichen Satz: „Echsen und Schlangen können ohne seelisches Leid ihren Besitzer wechseln und auch im höheren Alter noch gut weiterverkauft werden, während bei Säugetieren oft nur Baby- und Jungtiere gewünscht werden.“

In was für einer Welt leben wir eigentlich? So mag sich heute Morgen – mit oder ohne seelischem Leid – der geneigte SchwaBo-Leser fragen. War doch die Nilgans einst als Ziergefieder aus britischen Gehegen ausgebrochen, um sich nun in halb Europa grottenbreit zu machen; im Standardwerk Jochen Hölzingers aus dem Jahr 1987 Die Vögel Baden-Württembergs findet die Art sich noch nirgends erwähnt. Wohingegen die Graugans dem Ornithologen noch als bedrohte Art galt, „die an ihren Rast- und Überwinterungsplätzen (bzw. zeitweiligen Aufenthaltsplätzen) Ruhezonen und Nahrungsplätze benötigt“. Seinerzeit war ja auch noch „Gänsevater“, Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz unterwegs, dem die Graugans Martina eine Schar Junggänse geschenkt hatte, die ihm sodann überaus telegen auf Schritt und Tritt gefolgt war.

Sollten wir uns, wenn schon nicht über die invasive Ausbreitung der Immigrantin Nilgans, so doch immerhin über die Bestandszunahme der Graugans auf den Seen der Baar nicht eher freuen als uns darüber zu grämen und Vergrämungsmaßnahmen zu ersinnen? Ist die Zunahme dieser ureuropäischen Zugvogelart nicht doch ein vorwiegend positiv zu wertendes Signal angesichts des weltweiten Artenschwunds? Ansonsten sind es in der Vogelwelt ja bestenfalls noch Weißstorch und Rotmilan mit einer Positivbilanz auf der Baar. Oder müssten nicht auch sie, sollte ihre Bestandszunahme weiter andauern, alsbald reguliert und reduziert werden – die einen wegen zunehmender Verschmutzung der Dächer, die andern womöglich wegen Behinderung des Windenergieausbaus in den Rotmilandichtezentren? 

Pilze

Liebe Bürgerpostleser, 

heute sind ein paar Pilze an der Reihe. Die auf dem Bild oben durfte ich im Hochbeet von Lotte Seilerin aus unserer Nachbarschaft aufnehmen, ein „Erdbeerpilz“, haben Sie so etwas schon gesehen? Sicher ist, dass die Erdbeeren süßer geschmeckt haben, das denken Sie doch auch.

Den Pilz unten sah ich auf der Länge an einer absterbenden Buche. Er sieht aus, wie wenn es auf ihn geschneit hätte. Was mir sehr imponiert hat, ist die Aussage in Wikipedia, dass „der gemeine Spaltblättling die einzige Art seiner Gattung in Europa ist und eine Verwechslung mit anderen Pilzarten aufgrund der markanten Erscheinungsform recht unwahrscheinlich ist“. Er sei weltweit die am häufigsten vorkommende Pilzart.


Die beiden Pilze dem Bild unten machen ebenfalls einen guten Eindruck, finden Sie nicht auch? So richtig schöne runde Gesellen. Ob allerdings meine Recherche hundert Prozent richtig ist, dafür kann ich die Hand nicht ins Feuer legen. „Bräunlicher Stäubling“ ist meine Ergebnis, vielleicht ist es aber auch eine andere Stäublingsart. Beindruckend ist die Musterung auf der Oberfläche.


Herzliche Grüße
Franz Maus

De Cavalliere, e kurze Begegnung mit de Halb- und Unterwelt

Manchmal kommen die Geschichten einfach so zu einem, oft aber auch einfach wieder zurueck„.      Ilija Trojanovich. 

gesprochen von Maria Simon

Dass mer Träum lebe muess und sie nit nu träume soll, des isch e aalti Muck. On vu dene Träum hommer vor so 10 Johr au mol glebt. Mit em Aahänger wo iisern Waidling druff war, simmer dorchs Gotthardloch an grosse Lago gfahre. A de Feriewohnung hommer de selberbaut Waidling is mollig warm Ticino Wasser, in Lago Magiore glau. Tagelang simmer uff dem Wundermärli See ummegondlet. Isola Pescatore, Isola Bella, Isola Madre, Isola Brisago,…… wa ver e barocks Bella Italia.

Und zmols kunnt doch no e moderns Märli ums Eck. Noch eme Staatsakt vor paar Woche ebe au wieder zruck. Natierli giehts bei dere Gundelerei jede Mittag au e stilvolle Capuccino Paus im idyllische Ristorante „Grotto Santa Maria“. Sell trohnt hoffärtig und erhaabe uff eme Felshogge überm Lago mit eme herzige, gmuetliche Gartecaffe. Am felsige Aaleger räcklet sich im milde warme Wasser e schöni, kultigi Mahagoni Diva, e „Riva“ Motorjacht. Frech und selbsbewusst vertäuet  mir iisern sibirische Lärche Waidling mit em schneewiiesse Boge Sunnesegel nebet der Nobel Gundel. Iiseri ganz im stil vum Giovanni Segantini Stimmungsbild „Abenstille überm Brianza See“. E steili, schmali Stoetreppe, kunstvoll in Kalkfels innighaue, goht uffi is Gartecaffe mit Bella Vista über de Lago. Vor de letschte Stapfle will en galante, untersetzte Signore mit breitem und bis id Kopfmitte reichendem Gsiecht und mit trollige Auegli, wo en rappeschwarze, gfärbe Hoorkranz aasetzt, au s steil Stegli aabi. Hinter ihm 3-4 sportliche, saloppe, maritim uusstaffierte, uustrainierte Prachts- Papagalli. Die rechte Hosesaeck dietlich uusbeulet vu me kantige, spitzige Gegestand.


Generös loot de Capo, de Senjore, dere uffitrepplende Senjora mit em chicke Florentiner Strauhietli de Vortritt. Natierli nit uhni dere vu obe aabi tief in summerliche Uusschnitt z spickle. Au mich loot er no ganz uffi krattle. Noch em brave „Grazie“ und „Buon Giorno, Senjore“, frogt er, wo mir herkumme dajet und wo die „Bella Barca“ dehoem wär und wie die  do uff sin Lago kumme wär? Mit paar Brocke tschinkisch und eweng Englisch, wa er und ich nit guet kinnet, erkläret mir ihm, dass iiser Hoemetgwässer de „Lago di Constanza, e de Fiume lungo Rhenus“ sei. „Oh la la, benissimo, pico bello“, auf dem Lago wolle er schon lange mal rumschippern, aber,…. scusa, molto lavorare in roma e milano e tuto euro „, radebrecht er über seinen Traum vom Lago Constanza. Sin Troom war aber Schaum, iisern isch glebt wore. „Arrevederchi, chiao bella, buon vacance con belissima barca“. So trepplet er aabi zu de stolze Mahagoni Gondola „Riva“. Die galante Bimbos mit de uusbeulte Hosesäck lichtet d Leine und die ville Pferdestärke unterm Mahagonideck ziehnet e riese Forri dorch de friedlich See. 

Dobbe aber im Grotto Caffe isch grosse Uffregung und wilds Palaver. Ganz grosses Italo Kino. ´De Patron goht stolz wie en Pfau vu Tisch zu Tisch und verzehlt aageberisch de Gäscht, ganz uffbloose, dass des sin Stammgascht wär und der villmol käm zum Uusspanne vu dene herte, Politische- und Mediegschäfter, und…., natürli: vu dene erschöpfende bunga-bunga Fiestas. Wenn er e Problem heb, speziell mit de Guarda Finanza, sait de Cavallieri immer zu ihm, soll ers ihm, im Grande Patrone, im Cavalliere Silvio sage…., er dais denno regle. Des Parliamento höre mer us denne affige, grossspurige Pfaue Gspräch guet ussi. Die Geschtik erklärt de Rescht.  

Silvio Berlusconi als Mitglied des Europäischen Parlaments in Brüssel (2019) (Foto: Wikipedia)

Und jetzt kunnts iis : Des war doch der mit de gliftete Larve und dem mit Botox inni operierte Dauergrinse. Ha jooo bigott, des war de trollig Schemme- Silvio. 
„Sic transit Gloria Mundi“, kennt mer jetzt noch de Abdankung z Milano sage. E kurzi, jähe Begegnung mit de reale Weltgschicht. 

Lago Maggiore Settembre 2013 

A de Beerdigung ware mer aber trotzdem nit. De Grossvatter Felix hät all gsait, a dem sii Beerdigung gang i nit, der goht au nit a mini. Ob er, wie die Wikingerkoenig, au i sim Mahagoni Schiff  bestattet wore isch ? 
De Patrone vum Grotto aber, sin ganz guete Amico, vum Grotto „Santa Maria“ , der war bestimmt erschütterte Ehregascht am grandiose Staatsbegräbnis vu sim fürsorgliche Patrone, vum Grande Cavalliere e Capitano di Barca Mahagoni „Riva“, beim sim Caro Amico Silvio.

Sic transit gloria mundi
caro amico

Milano – Il Presidente della Repubblica Sergio Mattarella ai funerali di Stato di Silvio Berlusconi, oggi 14 giugno 2023. (Foto di Paolo Giandotti – Ufficio Stampa per la Stampa e la Comunicazione della Presidenza della Repubblica)

An Tagen wie diesen…

… fällt es uns schwer, Fassung zu bewahren: Der fortdauernde Krieg in der Ukraine mit seinen Bestialitäten und den Zynismen der russischen Propaganda, nun auch noch die grauenerregenden Bilder aus Nahost: Von Hamas-Schlächtern ermordete Israelis, Geiselnahmen, Raketeneinschläge diesseits wie jenseits, im Gazastreifen wie in Tel Aviv. Der Bundeskanzler, weil es die deutsche Staatsraison so will, auf Unterstützungs- und Verhandlungstour sowohl bei Israels so umstrittenem Staatschef Netanjahu wie in Kairo bei Al Sisi, Explosion im Krankenhaus von Gaza Stadt mit aberhunderten Toten und Verletzten bei unklarer Verursacherfrage… und montagabends vor dem Café Hengstler im Zentrum Donaueschingens ein Häuflein Demonstranten unterm Plakat mit der Aufschrift Schluss mit der Kriegshetze! Eigentlich hätte man sich ja doch erkundigen müssen, für oder gegen wen oder was hier demonstriert wird! Derweil fliegen in deutschen Großstädten Molotowcocktails gegen von Polizisten bewachte Synagogen und am Brandenburger Tor randalieren Palästinenser zusammen mit deutschen Links- wie Rechtsextremisten. Judensterne an die Wohnungstüren jüdischer Mitbürger geschmiert…

Jüdischer Friedhof in Sulzburg


Da bleibt nur Trauer – vielleicht wäre jetzt ein Besuch des alten jüdischen Friedhofs anzuraten, ein Stückweit hinter Sulzburg talaufwärts im Wald – was für eine Stille über den Gräbern. Namen und Daten der Verstorbenen weisen in ferne Jahrzehnte zurück, als das Wort Holocaust noch längst nicht erfunden war: Hier ruhen Max Rieser, gest. 2. April 1919 im Alter von 80 Jahren und Hermine Rieser, geb. Münzesheimer, gest. 16. August 1900 im Alter von 50 Jahren. Darüber dann ein Bibelspruch auf Hebräisch. Wer immer ihr Grab besuchte, hatte als Nachweis seines Gedenkens auf dem Grabstein einen Stein hinterlassen, inzwischen eine stattliche Steinsammlung. Nicht anders auf dem Grab nebenan, dem von Julius Dukas 1850 – 1902 wie auf den allermeisten anderen bemoosten Steinen, bis auf die wohl ältesten Gräber, die inzwischen von einer weit ausladenden Hainbuche überschirmt werden. 


Oder taugt zur Beruhigung des aufgewühlten Gemüts vielleicht eher eine stramme Fußwanderung? Egal, ob von Urach oder von Schollach aus, steige man auf den dicht bewaldeten Höhenrücken hinauf oder nehme gar den mit der Jakobsmuschel ausgeschilderten, oben längs verlaufenden Pilgerweg mit Fernziel Santiago de Compostella und mache Halt vor einem hölzernen Sühnekreuz, errichtet 2014 zur Erinnerung an eine Schreckenstat vor 70 Jahren. Auch auf dem Kruzifix haben Wanderer, ganz entgegen dem Schwarzwälder Brauchtum, Steine abgelegt. Denn unter den vier US-amerikanischen Fliegern, die auf Befehl des Neustädter NSDAP-Kreisleiters Benedikt Kuner am 21. Juli 1944 hier ermordet worden sind, nachdem sie aus ihrer von Flakgeschossen getroffenen Maschine abgesprungen und gefangen genommenen worden waren, befand sich auch ein Jude: Leonhard Kornblau. Sein Name auf dem Kruzifix führt uns spätestens hier oben an die eigentlichen Ursprünge des so barbarischen Schlamassels in Nahost zurück – es gibt anscheinend kein Entrinnen.

Sühnekreuz vom Holzbildhauer Wolfgang Kleiser für die am 21. Juli 1944 zwischen Schollach und Urach verübten Morde an fünf amerikanischen Soldaten.


Leonhard A. Kornblau
Bernhard A. Radomski
Charles E. Woolf
Meredith M. Mills Jr.
Frank L. Misiak

Möblierte Wildnis

aktualisierte Version, 1. Version vom 21. Oktober 2022

Wildnis erfreut sich in der deutschen Bevölkerung wachsender Zustimmung und Nachfrage, so hatte 2013 eine repräsentative Studie des Bundesumweltministeriums festgestellt. Zwei Drittel der Befragten fänden an der Natur umso mehr Gefallen, je wilder sie sich zeigt und 42 % würden ein Mehr an Wildnis begrüßen. Im Vorfeld der Nationalparkgründung hatte im nämlichen Jahr auch ein zweites Gutachten (von PricewaterhouseCoopers und ökonzept GmbH) festgestellt, „dass Natur und Wildnis aktuelle Themen sind, die den Nerv der Zeit treffen“.

Natur und Wildnis haben schon immer auch meinen Nerv getroffen, so sehr ich andererseits ein Berufsleben lang um die ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Waldes bemüht war. An diesem spätsommerlich milden Oktobermontag zog es mich wieder mal in die Wutachschlucht. Denn der Fluss müsste ja doch auch wieder Wasser führen trotz der wenigen Regentage im zurückliegenden fünften Hitzesommer. Montags würde überdies der Wanderbetrieb in der Schlucht erträglich sein, so hatte ich spekuliert, und wie gewohnt den Waldparkplatz ob der Burgmühle angesteuert. Und tatsächlich: noch war ich der Einzige, der hier parkte und die Bergschuhe schnürte, um sodann auf steilem Fußpfad durch die bunte Bergmischwaldgesellschaft zur Gauchach abzusteigen. Zwar hatten mich hier – offengestanden – immer auch schon die hölzernen Tafeln eines Waldlehrpfads irritiert. Weniger wegen ihrer schlichten Botschaften über Baum und Wald, die mit den Jahren ohnehin fast unleserlich geworden waren, sondern weil ich den Lehrpfad hier im siedlungsfernen Naturschutzgebiet als reichlich deplaziert empfand – so sinnvoll und hilfreich derlei Einrichtungen andernorts, in ortsnahen Wäldern etwa, sein mögen. Wo  doch der „Bildungsauftrag Waldpädagogik“ (gem. § 65 des Landeswaldgesetzes) seit 1996 zum Aufgabenspektrum der Forstleute gehört.

Wem und wozu dient der Wald?

Diesmal hatten sich die Tafeln zu meiner Verblüffung sogar vermehrt und verjüngt; die alten Hölzernen hingen zwar noch immer an den Bäumen, doch die Neuen zeigten sich frisch gestylt und luden zu interaktivem Aufklappen ein (Hey, ihr da! Kommt doch mal her), angefüllt mit Infos über je eine Baumart, deren Rindenbild die Klappe ziert. Offenbar waren hier professionelle Waldpädagogen am Werk gewesen: „Willkommen im Schluchtwald“, so wird der Besucher im Steilhang vom Naturpark Südschwarzwald und von der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg begrüßt auf einer großformatigen Tafel an blitzblankem Alugestänge. „Wem und wozu nützt der Wald?“, wird darauf  gefragt, und die so klugen, von Disney inspirierten Tiere des Waldes, vom Hirsch über den Biber, vom Fuchs bis zum Kauz, wissen bestens Bescheid: In ihren Denkblasen stehen die Antworten, egal ob in der Sparte Nutzung, Umweltschutz oder Erholung. Lesekundigen beantwortet auch ein Text nebenan noch die Frage. 

Puh… soviel Wissensstoff auf einmal, und das mitten im Wald! Oder braucht es heutzutage diese Art von kindgerechter Aufklärung, wenn sich die junge Familie schon mal dazu aufrafft, den lieben Kleinen ein vertieftes Walderlebnis zu gönnen –  und das gar beim Eintauchen in die abenteuerliche Wildnis der Gauchachschlucht mit ihrem Chaos stehender und dick bemooster zusammengebrochener Stämme? Unten angelangt an der gottlob wieder rauschenden Gauchach (wo immer sie nicht von umgestürzten Eschen aufgestaut wird, den Opfern des aus Fernost eingeschleppten Eschtriebsterbens, beschließe ich, der Schlucht weiter bachabwärts zu folgen. Kurz vor Einmündung der Gauchach in die Wutach unterquert der Fußpfad ein darüber aufgespanntes Transparent, das sich unter der Überschrift „Liebe Menschen“ an die schluchtaufwärts Wandernden wendet mit der Bitte, der Tierwelt zuliebe auf den Wegen zu bleiben. Denn, ob Haselmaus, Biber oder Eisvogel, „auch wir wollen uns hier tierisch wohlfühlen“. Ja, um Himmelswillen, wo überhaupt mag in der Enge der Gauchachschlucht bloß die Versuchung lauern, den Fußpfad zu verlassen?

Gut gemeinte Bitte, aber reichlich überflüssig

Kopfschüttelnd über die ebenso anbiedernde wie aufdringliche Art von Besucherlenkung seitens der Stuttgarter Naturschutzbehörde erreiche ich die Wutach, die ich auf dem Kanadiersteg überquere, um sodann ein Stückweit  auf dem Schluchtensteig flussaufwärts zu wandern  – wann sonst, wenn nicht an einem herbstlichen Montagvormittag und außerhalb der Feriensaison sollte man sich das Schluchterlebnis doch noch leidlich ungestört antun können? 

Die Spurenlage auf dem Pfad lässt indes keine Zweifel aufkommen: Es müssen übers Wochenende wieder ganze Herden unterwegs gewesen sein, so wie die Stiefel immer wieder im Matsch versinken. Wildnissucher zuhauf hat der letzte ungebändigte Wildfluss des Schwarzwalds ja schon seit seiner Erschließung um die vorletzte Jahrhundertwende angelockt. Auch auf die Gefahr hin, dass der Pfad, wo immer er drahtseilgesichert durch die Muschelkalk-Prallhänge verläuft, die Wanderlust zumal bei Gegenverkehr seit eh und je spürbar einzutrüben pflegt. Jährlich bis zu 75.000 Wutachwanderer wurden schon vor der Jahrtausendwende gezählt, und wie es ausschaut, sind die 100.000 mittlerweile längst überschritten. War es die Corona-Pandemie oder die Erfindung der kostenlosen Regiokarte für Schwarzwälder Übernachtungsgäste, waren es die verbesserten Wanderbusverbindungen oder die vielen Wandertipps im Netz: der Andrang in der Schlucht scheint nochmals einen gehörigen Schub verpasst bekommen zu haben – ablesbar neuerdings auch an einer stattlichen Kompanie von Steinpyramiden; die meisten sind wohl in den jüngsten Trockensommern errichtet worden und müssen nun gottlob wieder der Strömung trotzen. Seit wann eigentlich sind „Steinmanderl“ auch hierzulande Mode geworden, wo man sie doch einst nur aus dem Hochgebirge kannte oder als Wegmarkierung im skandinavischem Fjäll?  Nun also beginnen sie plötzlich auch den Schwarzwald zu erobern – nicht anders als all die Hängeschlösser der Jungverliebten an den metallenen Brückengeländern. Ein Jammer nur, dass die kanadischen Pioniere ihren „Kanadiersteg“ anno 1976 noch aus dicken Holzbalken gezimmert haben.

Invasion der Steinmänner

Doch wer hätte gedacht, dass die Frequentierung der Schlucht auch montags schon mitunter Formen anzunehmen pflegt, die einem das Grüßen vergällt: Denn ab einer gewissen Verdichtung des Gegenverkehrs pflegen Wanderer bemerkenswert einsilbig, ja mürrisch zu reagieren, als wollten sie die Anderen mit Verachtung strafen. Kein Wunder, dass sich da auch Bergwacht, Naturpark und Naturschutzverwaltung mehr und mehr gefordert sehen: Wurde die Schlucht, ablesbar auf Hinweisschildern, schon vor Jahren zur Erleichterung der Helikopterbergung in Rettungssektoren eingeteilt, so rufen neuerdings mehr und mehr Verbotstafeln zur Ordnung. Wie es ausschaut ist die Schlucht frisch möbliert worden – auch mit einer Vielzahl von Stoppschildern und Absperrungen der Uferzonen (den Wasseramseln zuliebe?) mittels Schiffstauen. Auch die analogen Erläuterungstafeln haben sich vermehrt, als ob die nicht schon längst auch über die Wander-App verabreicht werden könnten. So etwa auch am Wiederaustritt des versickerten Wutachwassers aus der Muschelkalkwand. Muss das jetzt alles so sein? Mein Wandertrieb ist spürbar abgeflaut, nichts wie zurück also – nicht, dass sich oben an der Schattenmühle, der beliebtesten Einstiegsstelle, gerade wieder ein Wanderbus entleert. Oder wartet schon ein anderer unten an der Wutachmühle? Ob sie wohl eines Tages noch den Einbahnverkehr für die Schlucht verordnen? 

Kein Durchgang zum Flussufer

Zurück auf dem Kanadiersteg beschleicht mich dann zu allem hin auch noch ein schlimmer Verdacht beim Blick auf die Gauchachmündung hinunter: Im Treibholzstau haben sich dicke weiße Schaumpolster verfangen, als sei jüngst beim einsetzenden Regen irgendwo ein Schieber hochgezogen worden nach den Monaten der Trockenheit. Von toten Fischen ist freilich nichts zu bemerken, also könnte der Schaum doch auch auf natürlichen Eintrag zurückzuführen sein – anders als einst in den Wirtschaftswunderjahren, als die Neustädter Papierfabrik ihr Abwasser noch weithin ungeklärt in die Wutach (die dort noch Gutach heißt) einleiten durfte, sodass sie der ihr mit dem Schaum auch eine unverwechselbare Duftnote verpasst hatte.  

Verdächtige Schaumbildung?

Bachaufwärts in der Gauchachschlucht unter dem so seltsam deplazierten Transparent hindurch verlieren sich gottlob wieder die Montagswanderer. Dafür grüßen am Wegrand bald  die neu gestalteten Stationen des Waldlehrpfads. Die Einkehr in der Burgmühle fällt diesmal leider aus, auch wenn sie, vor Kurzem erst runderneuert, geöffnet hat. An der frisch geweißelten Stirnwand der 1475 erstmals bezeugten, mehrfach von Flutkatastrophen heimgesuchten Mühle prangt jetzt unübersehbar ein Sinnspruch – nein, nicht etwa aus dem Fundus eines Joseph Victor von Scheffel oder von Lucian Reich, vielmehr wird eine der Lebensregeln von Baltimore des US-amerikanischen Rechtsanwalts Max Ehrmann präsentiert aus dem Jahr 1927: Geh deinen Weg gelassen und ruhig inmitten des Lärms und der Hast dieser Zeit und erinnere dich, welcher Frieden in der Stille liegt. Mit der Stille war es hier schon vorbei, nachdem die Schlucht von der Donaueschinger Ortsgruppe des badischen Schwarzwaldvereins erschlossen worden war, an dessen Vorsitzenden Wilhelm Baur eine in den Fels gemeißelte Gedenktafel aus dem Jahr 1927 erinnert. Und seit 1928 war die Mühle im Besitz des Villinger Touristenvereins Die Naturfreunde, die damit unlängst freilich Insolvenz anmelden mussten. Der neue Eigentümer scheint nicht eben auf Bodenständigkeit zu bestehen, und so findet sich neben dem Eingang zur Gastwirtschaft auch noch ein Spruch aus dem Zitatenschatz des Ralph Waldo Emerson, eines US-amerikanischen Geistlichen, Philosophen und Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert: Und wenn wir die ganze Welt durchreisten, um das Schöne zu finden: Wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nie. Von den Weisheiten der Beiden, ob von Emerson oder von Ehrmann, quillt das weltweite Netz derzeit förmlich über, wie die Nachlese bei Google offenbart. Sollte inzwischen womöglich auch an der Gauchach PricewaterhouseCoupers Entwicklungshilfe geleistet haben?

Genug der Wildnissuche: „Gelassen und ruhig“, ganz wie an der Hauswand empfohlen, kehre ich zum Waldparkplatz zurück, erst in steilem Zickzack, dann auf bequemerem Forstweg – nicht ohne auch noch die Tierweitsprung-Anlage (Wie weit springst Du?) bestaunt zu haben: Viel weiter als der Dachs hätte ich es an diesem Montag gewiss nicht geschafft – schon gar nicht so weit wie der Luchs. Die Wildnissuche in der Schlucht, so dämmert es mir beim Verstauen der verschmutzten Bergschuhe im Kofferraum, ist mir diesmal wohl doch ein bisschen gar zu banal ausgefallen. 

Genug der Möblierung?

Mehr zur Gauchachschlucht auf dem Hieronymus:

Ins Bockshorn gejagt?

Bockhornbrunnen

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Der Schwarzwald, dem Organ des Schwarzwaldvereins, wird ausgiebig das 50jährige Jubiläum des Jugendzeltlagers an der Bockhornhütte auf der Platte gefeiert, dem Höhengebiet zwischen Kandel und St. Märgen. Vor einem halben Jahrhundert hat der Verein hier erstmals die am Rande des Staatswalds gelegene Hütte für seine Jugend in Beschlag genommen, denn daneben sprudelte der legendäre Bockhornbrunnen und auch die angrenzende Waldwiese bot sich zum Zelten an – wie sich über ein halbes Jahrhundert hinweg zeigen sollte ein beliebtes Sommerangebot des sonst eher von älteren Mitgliedern repräsentierten Schwarzwaldvereins. Doch auch schon zuvor waren Hütte und Wiese für diverse Jugendlager genutzt worden, denn der Leiter des St. Märgener Forstamtes war seinerzeit Fritz Hockenjos, mein Vater, vormals selbst jugendbewegt und von 1970 bis 1979  Präsident des Schwarzwaldvereins. Von den Besuchen an der Bockhornhütte ist mir, seinem Zweitältesten, neben den Kandelsagen, die er an abendlichen Lagerfeuern mitunter zum Besten gab, vor allem das selbst im Hochsommer eiskalte Wasser des Brunnens in Erinnerung geblieben: Wer es mit den Armen am längsten im Brunnentrog aushielt, der hatte gesiegt. 

Der Sage nach hatte beim Bockhornbrunnen natürlich der bockgehörnte und bockfüßige Teufel die Finger mit im Spiel: das so üppig sprudelnde Wasser konnte eigentlich nur aus dem sagenumwobenen unterirdischen Kandelsee stammen. Der hatte bekanntlich einst schon die Bergleute im Suggental ins Unglück gestürzt. Vom Bockhornbrunnen aus war der dortige Silberbergbau durch ein – den steilen Südhang des Kandels querendes – Wuhr mit Wasser versorgt worden. Weil es den Bergleuten aber zu wohl geworden war (sodass sie in Schuhen aus Brotlaiben tanzten), ertranken sie zur Strafe allesamt in der Flut – bis auf einen Säugling, auf dessen hölzerner Wiege eine hin und her springende Katze für Gleichgewicht gesorgt hatte.


Ein anderer Stein, höher und mächtiger wie der eben genannte, galt durch Jahrhunderte als Scheidemarke zwischen den beiden Klöstern. Er erscheint schon Anfang des 12. Jahrhunderts im Rotulus San Petrinus mit dem Namen Buggenhorn. In einer von Abt Placitus im Jahre 1662 gefertigten Grenzbeschreibung des Klosters St. Peter wird über das Buggenhorn ausgeführt: „Ist gar wohl bekannt und ein hoher aufrechter Stein in einer Ebene, mitten im Wald, da sich des Stifts Waldkirch, item des Bauern auf der Platte Wald und St. Petrische Herrschaft scheiden. Dieser Stein ist vor wenigen Jahren von einem großen Baum, den der Wind umgeworfen, getroffen und tief in den Boden hinein geschlagen worden, dass gar wenig mehr davon heraussen blieb, und soll dies Jahr im Beisein der Interessenten wieder aufgerichtet werden.“
Der letzte Teil dieser Nachricht soll aus dem Jahre 1723 stammen. Der Plan, den zertrümmerten Stein wieder aufzurichten, wurde jedoch nicht weiter verfolgt und so blieb er bis vor wenigen Jahren verschollen. Auf seltsame Weise kam wenigstens ein groller Teil eines Steines, der diesem entsprechen dürfte, als Treppenstufe am Plattenwirtshaus zum Vorschein. Wie schon immer vermutet war der Buggenhorn ursprünglich ein Menhir. Der gefundene Oberteil deutet jedenfalls nach Form und Ausschen auf ein solches frühgeschichtliches Kulturdenkmal. Das Buggenhorn hat im Laufe der Zeit den Namen Bockhorn erhalten.
Vielleicht waren damals noch Erinnerungen wach an einen vorchristlichen Kult, der hier wie auch anderwärts gern mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurde. Die aufgefundene Spitze des Bockhorns befindet sich im Elztäler Heimatmuseum in Waldkirch.

Kein Wunder also, dass mich an den Berichten über das Jubiläum des Jugendzeltlagers im Heft am allermeisten die Erwähnung irritiert hat, das Wasser fürs Kochen und Waschen müsse inzwischen herbeitransportiert werden. Haben womöglich die jüngsten Dürresommer auch den Bockhornbrunnen versiegen lassen? Die Feierlichkeiten zum Fünfzigjährigen scheint dieser Umstand dennoch nicht allzu sehr getrübt zu haben: Nicht nur der für den Wahlkreis zuständige Landtagsabgeordnete der Grünen besuchte das Zeltlager, auch nicht nur der amtierende Schwarzwaldvereinspräsident; sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann war da, wie SWR Aktuell am Abend des 23. August 2023 berichten konnte. „Da fällt man wieder in die Zeit und nimmt die wirklichen Dinge des Lebens wahr, die Natur, in der man lebt, und nicht nur das Virtuelle, wann immer man aufs Handy glotzt“, sprach der Landesvater beim Spätzleessen in die Kamera, er fühle sich hier an seine eigene Jugend erinnert.

Der Windpark auf der Platte
(vom Kandelgipfel aus gesehen)

Was ihm aber noch mehr behagt haben dürfte: Unweit des Lagers drehen sich, sofern nicht altweibersommerliche Flaute (gar Dunkelflaute) herrscht, die Rotoren von drei Windenergieanlagen älteren Typs; drei von insgesamt neun, die seit dem Jahrtausendwechsel sukzessive auf der Platte errichtet worden sind; die beiden modernsten und höchsten stehen im Staatswald ein ganzes Stück weit westlich oberhalb von Hütte und Brunnen. Offenbar haben die Windräder, die nächstens per Repowering noch kräftig aufgestockt werden sollen, den Naturgenuss der zeltenden Jugendlichen bislang nicht geschmälert. Im Augustheft Der Schwarzwald, das bereits kurz vor dem hohen Besuch erschienen ist, findet das Frustthema Windenergie jedenfalls keinerlei Erwähnung mehr, so sehr sich der Verein seit den 1990er Jahren immer wieder besorgt gezeigt hat: Die Schwarzwälder Landschaft, ihre Vielfalt, Eigenart und Schönheit (Bundesnaturschutzgesesetz § 1) könnten durch Windräder ja doch allzu sehr entstellt werden. Erstmals 1994 hatte der Schwarzwaldverein das Thema in seiner Verbandszeitschrift aufgegriffen und auf drohende Konflikte hingewiesen. Drei Jahre später folgte ein Positionspapier, in dem er Windenergieanlagen zwar nicht rundweg ablehnte, doch sollten sie, bitteschön, bevorzugt auf vorbelasteten Standorten konzentriert werden. Womit man sich durchaus noch auf politisch sicherem Boden bewegte, denn 1995 hatten das CDU-geführte Umwelt- und das Wirtschaftsministerium in einer „gemeinsamen Richtlinie für die gesamtökologische und baurechtliche Behandlung der Windenergieanlagen“ noch exakt ins nämliche Horn gestoßen. 

Am 9. November 2002 verfasste die Delegiertenversammlung des Schwarzwaldvereins eine Resolution Schwarzwald und Energie, in welcher die verschiedenen regenerativen Energieformen beleuchtet und bewertet wurden. Fazit: „Windkraftanlagen dürfen im Schwarzwald nur nachrangig und nach sorgfältiger Abwägung in der Regionalplanung gebaut werden. Wertvolle Landschaften sind großräumig von Windkraftanlagen freizuhalten. Die Landschaft erheblich beeinträchtigende, das Landschaftsbild verändernde, den Naturhaushalt und die Erholungsfunktion störende Energieanlagen werden abgelehnt.“

Am 22. Oktober 2011, neun Jahre nach jener Delegiertenversammlung, tagte der Schwarzwaldverein erneut zum Thema Erneuerbare Energie,  und wieder ging es vorwiegend um das Landschaftsbild. Beim weiteren Ausbau der Windkraft, so die Forderung im Ergebnispapier, solle „die ästhetische Dimension des Naturschutzes und das Gebot der Erhaltung landschaftlicher Schönheit gleichrangig neben den Zielen des Biotop- und Artenschutzes“ stehen. Eine Forderung, der sich der anwesende Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins vorbehaltlos anschloss, nicht ohne anzufügen, dass  auch der Schwäbische Heimatbund sich damit identifizieren werde. 

Von jener Besorgnis über die drohende Industrialisierung der Landschaft durch Windenergieanlagen ist unterdessen nicht mehr viel zu spüren. Empörte Reaktionen waren sogar ausgeblieben, als die Landesregierung ihre Absicht verkündete, allein im Staatswald eintausend Windräder zu errichten. Wo Wind- und Solarparks inzwischen doch (gem. § 2 EEG, dem Gesetz für den Ausbau der erneuerbaren Energien) „im überragenden öffentlichen Interesse“ liegen und „der öffentlichen Sicherheit dienen.“

Im Februar 2023 nun beschloss der Vorstand des Schwarzwaldvereins ein deutlich geschmeidigeres Positionspapier, in welchem er zwar weiterhin fordert, dass neben dem Biotop- und Artenschutz auch das Schutzgut landschaftlicher Vielfalt, Eigenart und Schönheit in den Abwägungsprozess einzubeziehen sei. Wo eine ausgeprägte Biodiversität mit einem hoch bewerteten Landschaftsbild zusammentreffe, sollten keine Windkraftanlagen geplant oder vorhandene Planungen zurückgestellt werden. Doch nachdrücklich wird „im Interesse der Akzeptanz“ dafür geworben, dass Pachteinnahmen für WKA-Standorte auch „den Anwohnern in einem zu definierenden Nahbereich und nicht nur den jeweiligen Grundeigentümern zugute kommen“. Anstelle anonymer Investoren seien „Bürgerwindräder“ mit örtlichen Beteiligungsmöglichkeiten zu bevorzugen, damit möglichst hohe Anteile der Wertschöpfung in der Region verbleiben.

Sollte der Besuch des grünen Abgeordneten bei der Schwarzwaldvereinsjugend, erst recht derjenige des Ministerpräsidenten, etwa ein Dankeschön der Politik andeuten für ein neues energiepolitisches Wohlverhalten dieses anerkannten Naturschutzverbands, der sich in der Vergangenheit doch so oft quergelegt hatte? Ob sich da der einstige Hauptnaturschutzwart und Präsident des Vereins, Fritz Hockenjos, nicht im Grab umdreht, der Vorsitzende jener ersten Bürgerinitiative der Bundesrepublik, der Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Schwarzwald, die in den 1950er Jahren die energiepolitischen Pläne der Landesregierung zur Ableitung der Wutach erfolgreich durchkreuzt hatte? Und ob angesichts fehlender Speichermöglichkeiten des Windstroms jene Pläne nun nicht plötzlich wieder aus den Schubladen hervorgeholt werden dürfen?

Was einstweilen bleibt, ist der Blick auf den versiegten Bockhornbrunnen: Könnte es sein, dass auch diesmal der Teufel wieder seine Finger mit im Spiel hatte? Dass er die für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zuständigen Experten genarrt, sie ins Bockshorn gejagt hat, als sie die Unbedenklichkeit der Windradstandorte im Staatswald-Distrikt Hinterer Hochwald (im Westen oberhalb von Bockhornhütte und -brunnen) bescheinigten? Könnte nicht durch die gewaltigen Betonsockel unter den Türmen die unterirdische Wasserzufuhr aus dem Kandelsee abgeklemmt worden sein?

Beim Werkeln im Hinteren Hochwald ins Bockshorn gejagt?
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