Vielen Dank an die fast 40 Besucher gestern im Hotel Landgasthof Kranz in Behla und auch für die tolle Diskussion und die vielen Gäste auf Zoom! Den Menschen in Behla ist der Zustand ihrer Natur nicht egal und wir werden weiter kämpfen.
Vielen Dank auch noch für die vielen Anregungen. Wir werden sie ganz sicher aufgreifen.
Ich möchte hier für alle die gestern nicht dabei sein konnten nochmal die wesentlichen Teile des Vortrages zur Verfügung stellen.
Wir haben letztes Jahr den Verein nach 200 Jahren wieder gegründet, einfach, weil es gerade in Hüfingen bitter nötig ist.
Die letzten Jahre gab es hier einen gewaltigen Rollback und zwar nicht ins Mittelalter, sondern in die schwärzesten Zeiten des 20 Jahrhunderts. Wir wollen das stoppen, nicht nur für unsere Natur, sondern auch für die Menschen; für unsere Demokratie und freiheitlich Demokratische Grundordnung!
Vortrag vom 29. April 2022 im Hotel Landgasthof Kranz in Behla
Ich werde es immer für unsinnig halten, technisch sichere Kernkraftwerke, die kein CO2 emittieren, abzuschalten. (Angela Merkel, Physikerin und Bundeskanzlerin kurz vor dem SuperGAU von Fukushima 2011)
Sie lässt uns anscheinend nicht mehr los, die Kontroverse um die Atomkraft, um die böse militärische wie um die (vermeintlich?) gute zivile Nutzung. Beim Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki war ich fünf; da wird es nicht mehr lang gedauert haben, bis ich den Gesprächen der darüber entsetzten Eltern folgen konnte. Denn das japanische Grauen war sicher ein Thema zuhause: War Little Boy nun ein legitimes Mittel zur ultimativen Beendigung des Weltkriegs oder markierte er das schlimmste aller Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung? Auch die Fotos der ausradierten Städte wird man mir schon bald nicht mehr vorenthalten haben, ebenso wie jene von den gewaltigen Blumenkohlpilzen über den zuvor zwangsevakuierten Südseeatollen. Was Kriege anrichten können und was Trümmerlandschaften sind, davon konnte ich mir anfangs der 1950er Jahre auf dem Schulweg zwischen dem Freiburger Lorettoberg (dem Schülerheim) und Freiburg-Herdern, (dem Keplergymnasium) noch selbst ein Bild machen.
Freiburg anno 1945
Da hat es dann schon nicht mehr lang gedauert, bis ich erstmals auch vom „Segen friedlicher Atomkraftnutzung“ erfuhr, gemunkelt wurde darüber sogar in Naturschutzkreisen. Denn in jenen Wirtschaftswunderjahren tobte bereits der „Kampf um die Wutachschlucht“, und der Vater, Hauptnaturschutzwart des Schwarzwaldvereins, war treibende Kraft einer Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Schwarzwald, der ersten Bürgerinitiative der jungen Republik, die sich wehrte gegen die Ableitungspläne der Schluchseewerk AG zum Zweck der Stromgewinnung. Um die 185.000 Unterschriften gegen das Projekt zusammenzubringen, waren unzählige Diavorträge in verrauchten Wirtshaussälen wie in akademischen Hörsälen zu absolvieren, bei denen der Bub in den Ferien zuweilen den Projektor bedienen durfte. Und natürlich durfte er den Vater auch auf seinen Fotoexpeditionen durch die Schlucht begleiten.
Wutach: gerettet in Erwartung nuklearer Versorgungssicherheit?
Wer nach Gründen sucht, weshalb sich Innenminister Karl Filbinger damals vom Widerstand der Naturschützer so sehr beeindrucken ließ, dass die Aufstau- und Ableitungspläne der Wutach 1960 von der Landesregierung schließlich auf Eis gelegt wurden, der kommt an der Einsicht nicht vorbei, dass man in Stuttgart längst auch noch auf eine andere Karte gesetzt hatte: auf die Atomkraft als einer vermeintlich sauberen, schier unerschöpflichen Energiequelle. In Karlsruhe war 1956 auf Initiative des Atomministers Franz Josef Strauß das Kernforschungszentrum gegründet worden als Reaktorbau- und Betriebsgesellschaft mbH. Das Raunen darüber, dass die in den Wasserkraftwerken des Hotzenwalds wie des Hochrheins erzeugte Elektrizität bald ohnehin durch Atomstrom ergänzt werde, ist mir noch in lebhafter Erinnerung. Weshalb sollte da auch noch der letzte ungebändigte Schwarzwälder Wildfluss den Beileitungsplänen der Schluchseewerk AG geopfert werden?
Doch es sollte noch ein Jahrzehnt dauern, bis es auch im Südbadischen ernst wurde mit der nuklearen Zukunftsmusik: Anfangs der 1970er Jahre wurde bei Breisach ein Kernkraftwerk Süd projektiert, während ein Stück weiter rheinaufwärts, bei Fessenheim, bereits die Franzosen ihr AKW planten. Die Breisacher Planung stieß bei Bauern und Winzern freilich auf heftige Ablehnung, befürchteten sie doch ungünstige klimatische Auswirkungen durch die Abluftfahnen der Nasskühltürme. 1973 verkündete der Rundfunk, dass die Pläne aufgegeben worden seien zugunsten eines Standorts weiter nördlich im Reinauewald bei Wyhl. Doch hier nahm der Kampf gegen ein „Ruhrgebiet am Oberrhein“ nun erst so richtig Fahrt auf: Er sollte zum Geburtsakt der Anti-Atom-Bewegung werden, auch zum Gründungsmythos der Grünen. Nein, unter die Platzbesetzer habe ich mich als junger Forstbeamter nicht getraut, doch die Auseinandersetzungen mit der Polizei und mit der Landespolitik verfolgte ich – zugegebenermaßen – mit klammheimlicher Sympathie. Zumal sich unter den Aktivisten mein Klassenkamerad Walter Moosmann als stimmgewaltiger Barde hervortat. Mit einem der einheimischen „Rädelsführer“ („Nai hemmer gsait!“), dem wackeren Meinrad Schwörer, schaukelte ich später im Kahn durch das Naturschutzgebiet Taubergießen. Und auch dem so heiß umkämpften Bauplatz mit den Überresten des Gemeinschaftszelts der Besetzer statteten wir noch ein Kurzbesuch ab.
Die Keimzelle der Anti-Atomkraft-Bewegung im Wyhler Wald
Im nachfolgenden Jahrzehnt verlagerte sich der Widerstand nach Niedersachsen ins Wendland, wo in den Salzstöcken von Gorleben der nukleare Müll entsorgt werden sollte und wo in der „Freien Republik Wendland“ die Anti-Atomkraft-Bewegung kräftig weiter anschwoll. Noch mehr Sympathie erntete freilich die „Prominentenblockade“ auf der Mutlanger Heide gegen die nuklearen Pershing II Mittelstreckenraketen der US-Armee. Alle protestierten sie gegen die atomare Nachrüstung: die Literatur-Nobelpreisträger Böll und Grass, die Theologen Gollwitzer und Greinacher, der Rhetorikprofessor Walter Jens und natürlich auch die grünen Ikonen Gert Bastian und Petra Kelly. Die Stationierung der Pershing II konnten sie freilich nicht verhindern; dafür sollte das Wettrüsten schließlich zur wirtschaftlichen Überforderung des Ostblocks und – „Gorbi“ sei´s gedankt – zur Wiedervereinigung führen.
Atomkraft als Hoffnungsträger – auch für den Wald?
Als Forstamtsleiter hatte man sich in den 1980er Jahren allerdings auf einem ganz anderen „Kriegsschauplatz“ zu bewähren: Das Waldsterben griff um sich und mit ihm wuchs sprunghaft auch das öffentliche Interesse am Thema Wald wie auch an der Öffentlichkeitsarbeit der Förster. Nicht selten waren hierbei Gratwanderungen zu absolvieren zwischen den dienstlichen Pflichtübungen und der Unterstützung von Aktionen der zunehmend alarmierten Waldfreunde. Beim Rätseln über die Verursacher des Phänomens gelb verfärbter und verlichtender Nadelbaumkronen kristallisierte sich bald der Ferntransport von Schwefeldioxid heraus, vorzugsweise aus den Schloten der Industrie, nebst Stickoxiden auch aus den Auspuffen des Autoverkehrs. Derweil beeilte sich der Donaueschinger Gymnasialprofessor Günter Reichelt, die Waldschäden im Umfeld der mitteleuropäischen Kernkraftwerke zu kartieren. Durch Strahlung ionisiertes und deshalb umso toxischeres SO2 soll es dort, so sein Fazit, zu einer signifikanten Häufung und Verstärkung der Schäden gekommen sein. Was sich bei einer unabhängigen (?) Nachkartierung freilich nicht bestätigen ließ.
Artikel im Schwarzwälder Boten im März 1976
Dennoch soll die Ionisierungshypothese in der Kernkraftbranche für erhebliche Aufregung gesorgt haben. Zugleich verstärkte sie den Zulauf zu den Wald-Demos, nun also auch noch aus dem Lager der Anti-Atomkraft-Bewegung. Eine letzte Großkundgebung fand am 18. Oktober 1986 mit ca. 7.000 Teilnehmern auf dem Thurner bei St. Märgen statt. Veranstalter der autofreien Sternwanderung war die Initiative Schwarzwald, ein Zusammenschluss von 36 Verbänden, Organisationen und Aktionsgruppen. Ihr war es – sehr zur Überraschung der etablierten Parteien – gelungen, Bundespräsident Weizsäcker als Teilnehmer und Redner zu gewinnen. Das Motto der Veranstaltung lautete: ENDLICH HANDELN! FÜR DEN WALD – FÜR DAS LEBEN. Der Präsident, eingeflogen mit dem Hubschrauber, hatte sich sogar Zeit für einen knapp einstündigen Waldspaziergang genommen. Vom Veranstalter war mir die Aufgabe übertragen worden, den hohen Besucher auf die Waldschadenssymptome aufmerksam zu machen. Was mir davon nach 35 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist neben dem drängelnden Schwarm der Presseleute und den Transparente tragenden Demonstranten („Richi – der Wald braucht Dich!“), das war der wache, bisweilen auch leicht skeptische Blick Weizsäckers in die Baumkronen hinauf und die Konzentriertheit, mit welcher er den Ausführungen folgte.
Hoher Waldbesuch. Bild-Zeitung v. 20.8.1986
Dass das Waldsterben bald dennoch aus den Schlagzeilen verschwand und von den Medien allenfalls noch als „sogenanntes Waldsterben“ gehandelt wurde, war vor allem dem schockierendsten Ereignis des Jahres geschuldet: der Havarie des Reaktors in Tschernobyl am 26. April 1986, dessen Fallout bis nach Süddeutschland verdriftet worden war. Das Cäsium134-verstrahlte Wildbret durfte bis auf Weiteres nicht mehr verzehrt werden, was für die Waldverjüngung, speziell für die Wildverbiss-gefährdeten jungen Tannen im heimischen Forstbezirk, nichts Gutes verhieß. In meiner Eigenschaft als Beisitzer des Landesnaturschutzverbandes brachte ich daher im Jagdbeirat der Freiburger oberen Jagdbehörde den Vorschlag ein, die natürlichen Regulatoren von Wildbeständen zu reaktivieren: den Winter (durch Einstellung der Winterfütterung) sowie den natürlichen Fressfeind durch Wiedereinbürgerung des Luchses nach Schweizer und elsässischem Vorbild. Nachdem der Spiegel davon Wind bekommen und darüber berichtet hatte (am 26. 8. 1986 unter der Überschrift Appetit verdorben – Seit Tschernobyl wird kaum noch Wildbret gegessen. Folge: Es wird weniger gejagt, Waldschäden durch Wildverbiss nehmen zu), quollen die Leserbriefspalten der Tageszeitungen über mit empörten Zuschriften aus der Jägerschaft. Weshalb die Idee eine erstaunliche Eigendynamik gewann bis in die Landespolitik hinein. Der Reaktorunfall in der Ukraine war, zu allem Unglück hin, auch noch zum „Urknall“ einer Luchs-Initiative Baden-Württemberg geworden – für mich bis heute das mit Abstand zählebigste Hobby.
Im Chefzimmer des (2005 aufgelösten) staatlichen Villinger Forstamts befand sich ein aus der Stammscheibe eines Tannenriesen gefertigter Tisch. Gefällt worden war der Baum im Zuge von Rodungsmaßnahmen, die für den Bau eines Munitionslagers einer US-amerikanischen Sondereinheit erforderlich geworden waren. Deren Waffen waren nach dem Krieg im Villinger Stadtwald unweit des Klinikums deponiert gewesen, bis sich Stadt, Land und Militärverwaltung 1961 zu einem Flächentausch durchgerungen hatten. Im Staatswalddistrikt Weißwald, ein paar Kilometer südlich der Stadt, entstand ein geheimnisumwittertes Areal mit Bunkern und Mannschaftsräumen, Stacheldraht und scharfen Wachhunden. Vom „möglicherweise düstersten Kapitel der jüngeren Militärgeschichte“ war zuletzt im Sommer 1998 in den Tageszeitungen zu lesen, als in der Villinger Fußgängerzone die Friedensorganisation Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs (IPPNW) Unterschriften sammelte. Eine Petition solle endlich den Nebel lichten, so die Forderung, den Militär- wie Zivilverwaltung über den Weißwald gebreitet hatten. Was war bloß dran an den Gerüchten um dort gelagerte Atomsprengköpfe? Zur Jahrtausendwende, nachdem auch die Franzosen als Nachfolger der Amerikaner abgezogen waren, ist das Lager abgebrochen und renaturiert worden.
Lagerten Atomsprengköpfe unweit der Stadt Villingen-Schwenningen?
In den 1990er Jahren ist der Wald in Mitteleuropa von heftigen Orkanereignissen heimgesucht worden – zuletzt am 26. 12. 1999 durch Orkan „Lothar“ – mit bislang noch nie gemessenen Windgeschwindigkeiten und einem ebensolchen Schadensausmaß. Verdankten sie ihre Entstehung der anthropogen aufgeheizten Wetterküche des Nordatlantiks? Eine Reihe von allzu milden und schneelosen Wintern verstärkte zudem die Gewissheit, dass sich das Klima wandelte, ausgelöst vorwiegend durch den ansteigenden CO2-Ausstoß als Folge der Verbrennung der fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Gas. Aber war das Klima nicht immer schon Schwankungen unterworfen – wie schon „Ötzis“ Wanderung beweist oder die der Walser-Siedler samt Viehherden über den eisfreien Alpenhauptkamm hinweg? Und waren im heimischen Staatswalddistrikt Bubenholz neben dem restaurierten Römerbad nicht einst auch Rebterrassen angelegt worden – Weinbau auf der rauen Baar?
Egal: Die drastische Verminderung der waldschädlichen Immissionen durch Entschwefelungder Großfeuerungsanlagen und Einführung des Katalysators schien ein Kinderspiel gewesen zu sein gemessen an der neuen globalen Herausforderung des Klimawandels und des Klimaschutzes. Wie anders als durch den kompletten Ersatz fossiler Brennstoffe wollte man ihn noch stoppen? Da war es doppelt misslich, dass ausgerechnet die weitgehend CO2-neutrale Kernenergie seit Tschernobyl mehr als nur einen Image-Schaden zu verkraften hatte, der die erste rot-grüne Koalition im Jahr 2000 kurzerhand den Atomausstieg beschließen ließ. Zwar verlängerte die nachfolgende (Merkel-geführte) Bundesregierung wieder die Ausstiegsfrist, doch unterm Eindruck der von einem Tsunami verursachten Kernschmelze von vier Reaktorblöcken des Atomkraftwerks von Fukushima am 11. März 2011 wurde das ultimative Ende der deutschen Atomkraftnutzung auf das Jahr 2022 vorverlegt. Womit die Anti-Atomkraftbewegung ihren Endsieg feiern durfte, sieht man von den eskalierenden Nachhutgefechten um den bestgeeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager ab. Kein anderes Land der Welt hat sich zu einer derart radikalen Abkehr von Kohle, Öl und Atomkraft entschlossen. Umso klammerte man sich – in Ermangelung von Speichermöglichkeiten für die regenerative „Flatterenergie“ – an die Erdgasversorgung aus Sibirien, zu deren Sicherstellung nicht zuletzt die neue Pipeline Nord Stream 2 dienen sollte.
Dank Fridays for Future und nach drei aufeinander folgenden trocken-heißen Sommern mit enormen Dürre- und Borkenkäferschäden war plötzlich auch das Waldsterben wieder in aller Munde. Umso heftiger dreht sich nun alles, national wie international, um die Energiewende, hierzulande insbesondere um Windräder und Solarfelder sowie um deren Kollateralschäden in touristisch attraktiven und ökologisch noch halbwegs intakten Kulturlandschaften, um Bürgerinitiativen und um die Konflikte zwischen Klima-, Arten- und Landschaftsschutz. Weil Baden-Württemberg als windschwächstes Bundesland gilt, müssen die Dimensionen und die Anzahl der benötigten Schwachwindanlagen hier umso monströser ausfallen. So hat die frisch gewählte grün-schwarze Landesregierung im Frühjahr 2021 angekündigt, allein in den Staatswald 1000 Windenergieanlagen stellen zu wollen, höher als der Stuttgarter Fernsehturm! Absehbar wurde damit freilich, dass spätestens bei der nächsten winterlichen „Dunkelflaute“ die grundlastfähigen Energieträger schmerzlich vermisst werden, sollte nicht sogleich mit französischem Atomstrom oder mit Kohlestrom aus den östlichen Nachbarländern ausgeholfen werden. Was außer Gaskraftwerken, die rasch hoch und wieder runter gefahren werden können, bot sich da an zur Überbrückung?
Kein Wunder also, dass insgeheim auch wieder über neuartige Kernreaktoren nachgedacht wurde, mit neuen Sicherheitsstandards und weniger Müll verursachend – dafür aber kaum CO2 emittierend. Während hierzulande in spektakulären Tagesschauszenen ein Kühlturm nach dem andern in sich zusammenbricht, bleibt die Atomkraftnutzung weiterhin ein Tabuthema im öffentlichen Diskurs. Zugleich wächst die Ratlosigkeit, wie angesichts der Widerstände gegen Windparks und Windstromtrassen die deutsche Musterknabenrolle weiterhin durchgehalten werden soll. Derzeit befinden sich, wie sich leicht googeln lässt, weltweit 108 Kernkraftwerke im Bau, mit Abstand die meisten in China und Russland. Neu entflammt sind allerorten auch (zumindest befristete) Laufzeitverlängerungen.
Abluftfahne des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt über den Schwarzwaldhöhen
Schließlich dann der ultimative Schock des 24. Februars 2022: der Überfall Putins auf die Ukraine, nach russischer Sprachregelung als „Militärische Sonderaktion“ verniedlicht und propagiert, einhergehend mit Gräueltaten an der Zivilbevölkerung und mit täglichen TV-Bildern heillos zerbombter Städte – mit Kampfhandlungen auch um die ukrainischen Atomkraftwerke, um Tschernobyl unseligen Angedenkens. Und mit Millionen Kriegsflüchtlingen, mit immer hitzigeren Diskussionen um letztendlich zu beschließende Embargos, um den Stopp von Steinkohle-, Öl- und vor allem Erdgaslieferungen aus Russland.
Während der russische Außenminister mit der Ausweitung seiner „Sonderaktion“ zum Welt-, ja zum Atomkrieg droht, stellt sich unseren Regierenden immer drängender die Frage, ob es angesichts all dieser dramatischen Zuspitzungen tatsächlich der Weisheit letzter Schluss sein kann, zum Jahresende auch die letzten drei noch in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke stillzulegen.
jetzt kommt etwas nach dem abgewandelten Motto, „der Laie staunt und der Fachmann wundert sich nicht“. Wenn ich Sie gefragt hätte, was für eine Farbe haben die Pollenpakete an den Beinen der Bienen, was hätten Sie geantwortet? Ich behaupte frech, alle hätten gelb gesagt. Wenn ich gefragt hätte, ob auch andere Farben möglich sind, hätten einige wenige, die Fachfrauen, mit ja geantwortet. Ich gehörte bis zu diesen Aufnahmen zu den Laien. Eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, war nicht leicht. Eine lautete, das sei eine optische Täuschung. Das wiederum glaubte ich nicht.
Dann kam mir die Idee, einen Imker zu befragen, der könnte so etwas wissen. Also wandte ich mich an Christoph Kuttruf aus Ewattingen, der ein großer Naturfreund und Bienenbesitzer ist. Und er schrieb mir, dass das die Pollen der Traubenhyazinthe seien, die blau gefärbt sind. In Bild 3 habe ich eine Blüte halbiert und man sieht, dass die Staubbeutel auf jeden Fall nicht gelb sind. Durch das blütenstetige Sammeln der Bienen an den Blüten der gleichen Art kommt es zu einer Anreicherung von blauen Pollen an den Bienenbeinen. Ist das nicht der Hammer? Bild 1 zeigt die linke und Bild 2 die rechte Seite der Biene, also schön ausgeglichen das Ganze, damit die Biene beim Fliegen nicht das Gleichgewicht verliert.
Bekannte Blaupollenpflanzen sind die Phacelia, auch Büschelschön genannt und der Natternkopf. Auf Bild 4 sieht man schön die blauen Staubbeutel der Phacelia bei meinem Zwischenfruchtanbau im Garten im letzten Jahr. Die Biene ist vermutlich erst am Beginn ihrer Tätigkeit, sie hat noch keine Pollen gesammelt.
Im Internet gibt es große Tabellen, welchen Pollenfarben verschiedene Pflanzen haben. Ich war richtig erstaunt.
haben Sie eine Vorstellung, was die Spatzen auf unserem Rasen machen? Sie versammelten sich nicht am Futterhaus, sondern in Scharen auf dem Rasen. Ich erzähle und Sie machen sich Gedanken: Am Samstag, den 26. März wurde unser Rasen vertikuliert. Es gab schon einiges Moos zum Wegfahren auf die Kompostanlage. Kurz vor dem großen Regen habe ich dann 4 kg Rasensamen gesät. Muss ich weitererzählen? Die Vögel haben es irgendwie mitbekommen und hatten natürlich Ihre Freude daran. Anita meinte, sie kauft noch eine Runde Rasen, ich jedoch bin der Meinung, dass die Spatzen niemals alles fressen können und noch genügend anwachsen wird. Dr. Otto Kötteritzsch kommentierte zielsicher mit 99 Jahren: „Die haben Dich beobachtet, als Du gesät hast, das nächste Mal musst Du um Mitternacht streuen. Dann passiert nichts“. Andere sagten, wir haben Katzen, da gibt’s so etwas nicht. Tatsache ist, dass ich so etwas noch nie erlebt habe, obwohl ich schon ab und zu Rasen nachgesät habe. Lustig und spannend, was da noch passieren wird.
Gestern Abend schaute ich in den Garten und erblickte einen Vogel im Rasen, bei dem ich kurz überlegen musste, was es ist. Zunächst dachte ich an einen Spatz, aber er war etwas größer und anders gefärbt. Erkennen Sie ihn schon? Ich habe vor drei Jahren über ihn geschrieben, als beim Landratsamtsparkplatz sogar zwei Exemplare sich zeigten. So nebenbei gesagt, ich dachte zunächst es sei ein, höchstens zwei Jahre her, aber auf keinen Fall drei, wie schnell halt die Zeit vergeht. Auf dem ersten Bild zeigt er, wieso er Wendehals heißt, ein geflügeltes Word aus der Wendezeit vor über dreißig Jahren. Und Gottlieb Wendehals ist auch vielen bekannter als der Vogel Wendehals. Der Zugvogel ist bei uns recht selten, umso mehr habe ich mich gefreut, dass er kurz vorbeigeschaut hat. Es gibt nur wenige Brutpaare bei uns, am liebsten hat er Streuobstwiesen mit reichlich Ameisenvorkommen. In der Mundelfinger Jungviehweide habe ich ihn schon über den Sommer gesehen und gehört. Sein Ruf ist eindringlich „gig, gig, gig, gig“, dann ist für mich sonnenklar, der Wendehals ist da. Vielleicht achten Sie in nächster Zeit etwas auf ihn, ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diesen Burschen beobachten könnten. Eins war auch klar, er hat auch im Rasen herumgepickt, aber da weiß ich genau, dass er nach Ameisen gepickt hat und nicht nach Rasensamen.
De Onkel Wilhelm, de Onkel Pater wie d Familie ihm gsait haet, isch im grosse Augsburger Westkrankehuus anne 1973 g‘ storbe. Zwar zimli herzkrank , aber doch nit als Patient. Er war de Krankehuus- Seelsorger. Nuu wer im glaube gstaehlt isch und nerve wie en Hotzewaelder haet , haltet so ebbis uus . Naehnet i de Fuggerstadt isch meh gstorbe und meh vesaehne wore , wie im Westkrankehuus. Vater Abraham hond sie ihm dae und au bei iis de hoem gsait. Wege sim iidrueckliche, biblische uussehne, sim Habitus und sinere direkte, robuschte Gueti.
Die Soutane vu dem maechtige Mannsbild het mer au als Pfadi- Zeltcote naeme kinne und unter dem wallende Schutzschirm hond vill sorge und noet platz ghet . So alttestamentarisch wie er usgsaehne haet , so war au sie innelebe. Respektiifloessend, guetig, schlagfertig, witzig und rustikal volksfromm. Bei me casting fuer en biblische Film ueber de moses und de Vater Abraham het er bestimmt gwunne. Der legendaer, leibhaftig Krankehuus Abraham isch ploezlich doch tot im Bett i sim mit Buecher und Fotosache vollgstopfte Pfarrerzimmerle vum Krankehuus glege. Sie onzige Medizin, die er jede Morge und Obet i me grosse Schluck gnomme haet, war irische, erzkatholische Whiskey. Die Pille und Herztropfe, die ihm die bsorgte Herzdoktore vu de Herzstation im Westkrankehuus gaehe hond , haet er im Glaube a goettliche Vorsehung, a zueversichtliche Medizinglauebige schaechteleeies wieterverschenkt.
Noch de Beerdigung uff em Pallottiner Friedhof z Friedberg haets im barocke Klosterspeisesaal no „a deftige, lustige , altbayrische leich“ gaehe. Des het ihm gfalle. Am dag druff homer sie Pfarrbuddi uusgrummt. De Neffe haet sich fuenf sache us sim Nochlass uussueche derfe:
Sie Glasaug, sie Leica IIIf , sin Ueberseekoffer, sie lederne Doktertasche und : sie „Dual“. Wer jetzt glaubt, des waer en Plattespieler, oder e Tonband, der haet sich ghoerig tauescht.
Anne 1938 hond die Pallottiner obere de forsch jung Pater gi Brasilie zum missioniere gschickt. Er sot dae am Aequator paschtoral de „Weinberg des Herrn bestellen“. De eigentlich Grund aber, dass mer de Pater Wilhelm Hilpert ganz wiet fortgschickt haet , war sie freche schnorre gege die gottlose, herz- und seelelose Nazidubbel. Im frisch ins „Heim ins Reich geholte Salzburg“ , wo er i sichtweite zum Obersalzberg grad no am studiere war, isch es fuer ihn und de Palottiner obere z heiss wore. Hotzewaelder hond scho zu ziite vum Einungsmoeschter Johann Albietz s‘ muul geg s Kloster St. Blasie nit haalte kinne.
Also hond sie ihm, dem bocksboenige hotztebluetige, en grosse Ueberseekoffer kauft und e einfach- Fahrkart vu genua gi rio . I den Koffer haet er nebe de warme Wollsocke vu de motter Sofie, em Sackmesser vum Vater Felix, ere Leica vum lebenslange, guete Doegginger Schulfreund Willi Stark und eme silberne Rosekranz vu de schweschtere und ere Sackuhr vum Vetter Ernst, us em Uhrelade vum Wilhelm rRehle, verpackt. Obedruff, immer griefbar, no die “ Dual“. Uff em schiff ab genua gi Rio/ Brasilie an corco vado, kinnt mer den „Dual“ beim rummuse im Maschineraum mol guet bruuche. Als ehemalige Feinmechaniker haet er Oelgschmack und verschmierti Maschiniste moege. Erscht koennt mer mol im duschtere brasilianische Urwald die „Dual“ bruuche. Dae hond die bestimmt kon Strom und scho gar konni Batterie. Die „Dual“ haet er guet ghuetet , no besser, wie on vu sine Augaepfel. Oes devu haet er naemlich verlore durch d folge vu me Schlangebiss. Des Glasaug han ich beim verdoele vum erb, wie scho gsait, saparalisiere duerfe. Wa aber war die „Dual“ wo er sit em uebersee kai z genua bis is Krankehuus Pfarrzimmer z Augsburg sorfaeltig, wiit ueber 35 Johr, sorgsam behuetet haet?
Es war e Feinmechanik, Hand- Generator- Dynamo Taschelampe us St. George. vu de legendaere Plattespieler Buddi , vu de Dual. Solid baut i me Blechgehauese und fascht uuverwueschtlich. Dass die nit nu sauguete Phono- Maschine baut hond , sogar au mol Motorraeder, sondern au die batterielose Taschelamp, mit 3,8 volt und 0,07 Amp. kah mer im wundersame Phonomuseum am Baereplatz z‘ St. George aagucke.
Dass onni vu dene handbetriebene Generator- Dynamo Taschelampe emol dene Missionskinder im brasilianische Urwald Erleuchtung broocht haet, isch au en verstecklete teil vu de Firmegschicht und en Teil vum Inhalt und vum Geheimnis vum Ueberseekoffer. Wer de gifizig Hotz, de Mensche- und Kinderfreund, de sproochmaechtig Verzehler und Prediger Abraham kennt haet, kha sich leibhaftig vorstelle, wie er dene woudou gwaehnte Heidekinder mit em „Dual“ Laemple d Allmacht Gottes uffblitze lau haet, zoeget haet, erklaert haet und so iidruecklich, nochhaltige Erlauechtung broocht haet. „Es werde licht , und es ward dual licht„. Amend verstoht jetzt jeder , wa des Dual Lichtmaschile vu Santa George fuer de Onkel Wilhelm und jetzt fuer mich bedietet.
das hätte ich im Leben nicht gedacht, dass ich zum Thema Elstern und Nestbau einmal etwas schreibe. Aber hören Sie zu: Aus meinem Isolationszimmer hatte ich beruflich über online noch zu arbeiten. Dabei ist mir ein Elsternpaar aufgefallen, das von der Giebelseite her mit Geäst im Schnabel in nordöstliche Richtung flog. Schlagartig war mir klar, dass eine Fichte in Nachbars Garten das Ziel war und der Zweck ein Nestbau. Das zu beobachten, machte meine Isolation bedeutend interessanter. Das Bild unten zeigt das Paar gemeinsam vor dem Nest, der obere Vogel mit einem Zweig im Schnabel. Was ich etwas unheimlich finde ist, wie schwierig es ist, das schwarze Auge im schwarzen Federkleid zu lokalisieren.
Hätten Sie gedacht, dass ein Elsternpaar das Leben lang zusammenbleibt? Sie können bis zu 15 Jahre alt werden. Der Nestbau geht schnell von Statten. Das hat einen Grund: Ein Elsternpaar baut gleichzeitig bis zu vier/fünf Nester und bezieht zum Schluss das, was ihnen das Sicherste zu sein scheint. Ich wette schon mal, dass dieses Nest bezogen wird, es gibt nicht besseres.
Das nächste Bild zeigt die große Dimension des Nestes. Als einzige Art bauen Elstern ein Dach über das Nest, das ist doch der Hammer. Und der Eingang ist von der Seite, sehen Sie es rechts, wie die Elster das Nest betreten will? Interessanter Weise im Osten, bei uns nicht die Hauptwindrichtung. Ja die denken etwas beim Bauen.
Bild 3 ist ein Ausschnitt von Bild zwei. Schauen Sie sich den Schwanz an, er ist sehr lang. Man vermutet, dass als eine Anpassung ist, damit sie auf Wildpferderücken besser die Balance halten können, wenn sie diese von Insekten befreien. Das ist doch wieder einmal etwas Gigantisches. Es zeigt aber auch, dass die Schwanzfedern schön gestaffelt lang sind, von außen kurz, innen lang und auf der anderen Seite nach außen wieder kurz. Das sieht man auch nicht alle Tage.
Bild 4 zeigt eine Elster, wie sie sich müht, den Eingang zu gestalten. Das Bild habe ich eingestellt, um zu sehen, wie farbenprächtig Flügel und Schwanz bei Sonnenbestrahlung sind, herrlich bläulich der Flügel und grünlich der Schwanz, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen?
Es soll etwa 450.000 Elsternpaare in Deutschland geben und zum Vergleich über 8.000.000 Amsel- und 380.000 Mönchgrasmückenpaare. Elstern sind Allesfresser, Jungvögel und Eier stehen leider auch auf dem Speiseplan. Sie sind sehr intelligente Vögel und luchsen anderen Jägern wie Füchsen auch etwas ab. Sie dürfen außerhalb von Ortschaften zu bestimmten Jagdzeiten bejagt werden.
Klimawandel und Borkenkäfer gefährden zunehmend Ihre Forstbestände. Windenergie im Wald bringt Ihnen Wertschöpfung und verschafft Ihnen ein zweites Standbein!
Peter Wohlleben; Förster und Bestsellerautor, im Interview vom 6. August 2021 der Stuttgarter Zeitung über seinen Nationalen Waldgipfel
Am 21. März, zum Frühlingsanfang, wird alle Jahre der Internationale Tag des Waldes begangen, erstmals ausgerufen vor einem halben Jahrhundert von der Welternährungsorganisation FAO. Für die Medien ist er ein willkommener Anlass, wieder einmal an die Segenswirkungen des Waldes zu erinnern, nicht zuletzt an die wachsende Bedeutung der Erholungsfunktion. Wo diese in Krisenzeiten doch enorm hinzugewonnen hat, ob auf der Suche nach Abkühlung in Hitzesommern oder nach Bewegungsfreiheit im Lockdown der Pandemie. Doch zum Frühlingsbeginn 2022 war alles anders: Die Schreckensberichte über Putins Krieg in der Ukraine stellten alle anderen Themen – zumal die zivil-erbaulichen – in den Schatten, denn wem mag da noch nach einem Tag des Waldes zumute sein. Betagtere Waldfreunde dürften sich diesmal allenfalls an einen sehr speziellen, weltweit beachteten Waldspaziergang erinnert haben: 1982, noch mitten im Kalten Krieg, kamen sich die Unterhändler der beiden Atomsupermächte, Paul Nitze und Juri Kwizinsky, endlich näher in ihren Abrüstungsgesprächen, und dies in einem Waldstück unweit Genf; besiegelt wurde der INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme dann freilich erst fünf Jahre später unter Michail Gorbatschow. Und jetzt also wieder die Drohung mit Atomwaffen – weswegen sich Bundeskanzler Scholz genötigt sah, vor dem Parlament am 27. Februar 2022 eine Zeitenwende einzuläuten!
Im Vorjahr noch hatte der Tag des Waldes in der Presse einen breiten Raum eingenommen. Passend zu den gravierenden, dem Klimawandel anzulastenden Waldschäden („Waldsterben 2.0“), stand der Tag unter dem Motto „Wiederaufbau von Wäldern – ein Weg zu Erholung und Wohlbefinden“. Sogar aktuelle Umfrageergebnisse gab es zu vermelden: Zufolge einer Sinus-Studie, in welcher u. a. nach der „Lieblingsbeschäftigung regelmäßiger Waldgänger*innen“ gefragt worden war, wurden zwei Motive mit Abstand am häufigsten angekreuzt: 81 % Spazieren/Wandern gehen und 49 % Die Natur genießen, „Waldbaden“.
„Waldbaden“ – was, bitteschön, hat man sich bloß konkret darunter vorzustellen? Etwa den Swimmingpool unter Baumkronen? Oder sollte man, als Waldgänger der älteren Generation, einen neuartigen Freizeittrend schlichtweg verpasst haben? Die Google-Recherche zum Suchbegriff erbringt sogleich reiche Ernte: Heilung und Entspannung in der Natur wird all jenen versprochen, die wahlweise 8 Wochen Intensivausbildung mit Abschlusszertifikat und 20 Übungen und Meditationen auf sich zu nehmen bereit sindoder die eine Ausbildung Kursleiter*in für Waldbaden – Achtsamkeit im Wald durchlaufen, erst recht wer den Kurs Waldbaden – in seinem Ursprungland Japan – Shin Yoku bucht. Aufklärung verspricht auch Das Buch zum Waldbaden nebstdutzenden Videos samt DerWaldbaden-Blog. Fortgeschrittene Kursteilnehmer*innen können sich zum Waldbademeister mit professionellem Entschleunigen fortbilden lassen, die spezielle Disziplin Barfuß-Waldbaden inklusive. Eine Ausbildung in Waldtherapie und Forest Medicine verspricht indessen eine Europäische Akademie EAG. Andernorts wird Waldcoaching Waldbaden, Wald-Yoga, Waldfühlen angeboten. Deutschlands erste Lehrer fürs Waldbaden haben bereits IHK-Prüfungen für bewusstes Naturerleben im Hainich abgelegt, erfährt man. Und weil uns Deutsche ja seit eh und je nicht nur die Liebe zur Waldnatur verbindet, sondern auch eine besondere Präferenz fürs Vereinsleben, so kann uns nicht mehr überraschen, dass Waldbadende sich im Bundesverband Waldbaden BVWA e. V. zusammengeschlossen haben. Wen wundert´s da noch, dass auch im biederen Ländle zum Waldbaden ermuntert wird, so in Shinrin-Yoku-Kursen in Baden-Baden. Es spricht für die Beliebtheit der neuen Geschäftsidee, dass auch Deutschlands führende Forstfachzeitschrift (AFZ-DerWald 16/2018) sich schon frühzeitig des Themas angenommen hat: Kur-/Heilwälder: Eine Chance für Waldeigentümer.
Der Förster als Waldbademeister – geht´s noch zukunftsorientierter?
Waldbaden (Foto Internet)
Mit Waldheil grüßten sich bekanntlich schon die Mitglieder von Wandervereinen: zu Zeiten freilich, als die Nutzungskategorien Heilwald und Waldbaden noch längst nicht erfunden waren, so begehrt das Zertifikat Heilklimatischer Kurort auch damals schon gewesen sein mag. Seinerzeit wurden die Segenswirkungen des Waldes noch schlicht „Wohlfahrtswirkungen“ genannt. Die hatte die multifunktionale Waldwirtschaft „im Kielwasser der Holzproduktion“ mitzuliefern. Und spätestens bei Anlässen wie dem Tag des Waldes bot sich auch der Forstbehörde jeweils Gelegenheit, Erholungs- und Sozialfunktion der von ihr bewirtschafteten und betreuten Wälder besonders hervorzuheben. Das klang dann meistens ganz so wie in der Pressemittelung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg MLR vom 20.03.2012: Täglich besuchen rund zwei Millionen Menschen in Baden-Württemberg den Wald. Pro Jahr ergibt sich damit die fast unglaubliche Zahl von 750 Millionen Waldbesuchern allein in Baden-Württemberg – dies entspricht der Bevölkerungszahl von ganz Europa, nicht ohne dass abschließend nochmals besonders betont wurde: Die Erholungs- und Sozialfunktion des Waldes hat große Bedeutung für die Lebensqualität in Baden-Württemberg. Dies ist ein wichtiger weicher Standortsfaktor.
Erholungs- und Sozialfunktion hin oder her: Wie es ausschaut, hat sie inzwischen in der Prioritätenliste zumindest des Staatsforsts an Stellenwert deutlich eingebüßt – spätestens seit ForstBW (ab 1. Januar 2020) in eine Anstalt öffentlichen Rechts AöR umgewandelt worden ist. Denn damit wurde auch der Zugriff der Politik auf den Staatswald erleichtert – nicht zuletzt auf dem so heiklen Feld der Energiepolitik. Seither ist er vor allem dazu ausersehen, seinen Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Wozu die Verpachtung von Windenergie-tauglichen Waldflächen intensiv voran zu treiben ist. War doch der Ausbau ausgerechnet im Grün-regierten Baden-Württemberg seit etlichen Jahren ins Stolpen geraten: Bis zum Jahr 2020 hätten es nach dem Willen der Regierung 1200 WEA sein sollen, doch da waren es landesweit gerade mal 730 geworden, und auch der Zubau im Jahr 2020 blieb mit 14 WEA, 2021 mit 25 WEA dramatisch weit hinter den Zielvorstellungen zurück.
Schon im Vorfeld der jüngsten Landtagswahlen hatten die Medien aus der Delegiertenkonferenz von Bündnis 90 / Die Grünen die Meldung verbreitet, wonach im Staatswald des Landes 2.000 (!) WEA errichtet werden sollen. Im gedruckten Wahlprogramm wurde dann zwar wieder etwas zurückgerudert: „Wir werden die Windkraft auf allen geeigneten Flächen im Staatswald ausbauen, ebenso in der Fläche, so könnten über 1000 neue Anlagen entstehen.“ Der Staatswald stand nun ultimativ zur Disposition, mochte auch eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung bereits 2016 das für Windkraftbetreiber ernüchternde Ergebnis erbracht haben, dass 80 Prozent der Befragten Windräder im Wald ablehnen. Ob der Prozentsatz inzwischen wohl zusammengeschmolzen ist unterm Eindruck explodierender Gas-, Öl- und Spritpreise?
Ob tausend neue Windräder, wie sie der Koalitionsvertrag verspricht, oder auch „nur“ fünfhundert, neuerdings angekündigt durch Forstminister Hauk (CDU) auf der 324.000 ha umfassenden Staatswaldfläche (auf ca. 9 Prozent der Landesfläche): Es bleibt ein Ziel, das Waldfreunde erschaudern lassen muss! Es müsste jede auch nur halbwegs windhöffige Plateaulage und jeder Bergrücken mit WEA bestückt werden. Adieu Arten- und Landschaftsschutz, adieu Tourismus!
Denn bei derlei Zielgrößen ergibt sich rechnerisch für den Staatswald, so muss befürchtet werden, rund alle 300 ha eine Windenergieanlage (WEA), neuerdings ein bis 270 m hohes Monster, das sogar den Stuttgarter Fernsehturm noch weit überragt. Zieht man von der Staatswaldfläche noch 10 Prozent Tabuzonen mit Vorrangfunktion für den Naturschutz (Kernzonen von Nationalpark und Biosphärengebiet, Bannwälder, Waldrefugien) ab, schließlich auch noch den stadtnächsten Erholungswald, so ergibt sich für staatswaldreiche Landschaften wie den Nordschwarzwald eine gnadenlose Industrialisierung. Dies im bekanntermaßen windärmsten Bundesland der Republik, in einem touristisch intensiv genutzten Mittelgebirge von weltweitem Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad. Außerhalb der Grenzen des ca. 10.000 ha umfassenden Nationalparks, soviel ist abzusehen, wird sich der Naturpark Schwarzwald Mitte und Nord in einen Windtechnologiepark verwandeln. Und auch der Südschwarzwald wird nachziehen, denn wo die Landschaft mit Windrädern erst einmal vorbelastet ist, werden sich auch kommunale und private Waldeigentümer nicht mehr von Bauanträgen abhalten lassen – zumal der Großprivatwald, der schon bisher an der Spitze der Bewegung marschiert zum Wohle der Energiewende, aber auch mit dem klaren Ziel, die waldwirtschaftliche Ertragslage durch lukrative Pachterträge (mit jährlichen Einnahmen von 50.000 bis 80.000 € je WEA) aufzubessern. Dass dabei pro WEA etwa ein Hektar Wald gerodet werden muss als Standplatz für die Kräne wie für Ausbau und Verbreiterung der „Zuwegung“, dürfte klimapolitisch eher fragwürdig sein – trotz aller Auflagen wie Ausgleichsmaßnahmen und Ersatzzahlungen an den Naturschutzfonds. Als CO2-Senken, die bisher im intakten, voll bestockten Zustand je Hektar und Jahr bis zu 10 Tonnen Treibhausgas zu binden in der Lage waren, werden die geforderten Ersatzaufforstungen erst in vielen Jahrzehnten wieder zu Buche schlagen.
Weil sich aber für den „Flatterstrom“ von Wind und Sonne bis in fernere Zukunft keine adäquaten Speichermöglichkeiten anbieten, waren zur Aufrechterhaltung unserer Grundversorgung mit Energie bundesweit bis zu 80 neue Gaskraftwerke geplant, die im Bedarfsfall (etwa bei winterlichen „Dunkelflauten“) als einzige rasch hoch und wieder runter gefahren werden können – leider betrieben mit Erdgas, das bislang zu über 50 Prozent aus Russland bezogen wird. Seit der „Zeitenwende“, seit Putins Überfall auf die Ukraine, erschallt der Ruf nach regenerativen Energiequellen umso lauter, verstärkt zudem von der immer lauter vorgebrachten Forderung der Bündnispartner nach einem kompletten Embargo von russischem Gas und Öl. Ob sich die Landesregierung da nicht doch wieder an die ursprünglich geforderten 2000 WEA für den Staatswald erinnern wird?
So oder so, was die Rettung des Weltklimas anbetrifft, ist die Einsparung an fossiler Energie mit Hilfe der Windkraftnutzung allemal dem ökologischen Rucksack der gigantischen Beton- und Stahlkonstruktionen gegenüberzustellen mitsamt den aus kohlenstofffaserverstärkten Verbundwerkstoffen und aus tropischem Balsaholz hergestellten, brandgefährlichen, giftigen und kaum zu recycelnden Rotorblättern – zuzüglich dem CO2-Ausstoß für Schwertransporte, Wartung und schließlich für die Renaturierung im dereinst ausgedienten Zustand. Dass in die Ökobilanz auch die Verluste an Vögeln, Fledermäusen und Fluginsekten gehören, an Naturlebensraum wie an Natur-Erlebnisraum, versteht sich von selbst.
Keine Einladung zum Waldbaden
Wusch, wusch, wusch… so hören sich Rotorblätter an, sobald der Wind bläst, derweil bei schräg stehender Sonne ihr Schatten weit über die Wälder hinweg huscht, vom Infraschall ganz zu schweigen. Werden wir Waldbesucher also künftig damit leben müssen, die wir uns doch bisher Naturgenuss pur versprochen haben, auch Heil- und Segenswirkungen des Waldgrüns aufs Gemüt, auf Blutdruck, Herzkreislauf- und Immunsystem? Oder sollte das Gewohnheitstier Mensch eben doch im Stande sein, wie es einst schon Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, behauptet hat, sich an alles irgendwie gewöhnen zu können? Womöglich wird es uns bald allen so ergehen wie unlängst jenem New Yorker Gästepaar im Goldenen Raben, einem Schwarzwälder Silence-Hotel, das dabei auf den Gebrauch seiner Schlafmaschine nicht verzichten mochte. Deren sonderbares Geräusch hatte nachts den Wirt aufgeschreckt, weil er es partout nicht zu deuten vermochte: dass Großstädter sich ohne die gewohnte Geräuschkulisse schwer tun mit erholsamem Nachtschlaf. Wird uns beim Waldbesuch ohne Rotorrauschen und Drehbewegung hoch über uns bald etwas fehlen? Oder werden uns Flaute mit Stillstand da oben eher in Unruhe versetzen als beglücken, wo wir uns doch allesamt gegen den Klimawandel verschworen und für die Nutzung erneuerbarer Energie eingesetzt haben? Was für ein Dilemma – mit oder ohne Waldbaden!
Im schönen grünen Bergmischwald, wo heut Touristen wandeln, da werden Windturbinen bald den Wald vollends verschandeln.
Dann hält sich, wer auch kommen mag, die Augen zu und Ohren zum Schutze gegen Schattenschlag und rauschende Rotoren.
Die Landschaft, die uns teuer war, ist leider nicht erneuerbar.
zuerst zwei Aspekte zum Pfad in den Wutachflühen. Dort sind wir am 16. März eingetaucht. Die Inhalte der beiden ersten Bilder hatten wir schon einmal, kennen Sie noch die gelbe Masse an einem toten Stamm? Es ist die gelbe Lohblüte auch Hexenbutter genannt, ein Schleimpilz. So was muss man gesehen haben. Ich bin aber überzeugt, dass die wenigsten ihn gesehen haben.
Das zweite Bild zeigt den Pupurroten Becherling. Es gibt ihn in den Flühen fast wie Sand am Meer, aber nur fast. Der Grund, wieso ich ihn nochmals zeige, ist, dass ich bisher dachte, der wächst aus dem Boden heraus. Aber nein Pustekuchen, er wächst aus solchen abgestorbenen Ästen, wie ich es mehr zufällig herausgefunden habe.
Das dritte Bild zeigt etwas, was wir alle wahrscheinlich noch nie in der Intensität erlebt haben, voll konzentrierter Saharastaub ohne Ende am 15. März 2022. Etwa vor einem Jahr war das Thema in der Bürgerpost. Da sind viele Tonnen über Deutschland heruntergegangen.
Das vierte Bild entstand am 12. März beim Warten vor der Metzgerei Armin Schmid in Riedböhringen. Auf einer weißen Mercedeshaube sah ich etwas Erstaunliches, zwei sich paarende Fliegen. Das überraschte mich anständig, weil ich nicht dachte, dass die, kaum ist der Winter vorbei, schon Lustgefühle ausleben. Gottfried Stutz aber auch, finden Sie das nicht auch? Nun, ich musste nachschauen wegen des Größenunterschiedes und tatsächlich sind die Weibchen anständig größer als die Männchen. Haben Sie das schon gewusst? „Es dauert ungefähr 15-20 Minuten, um die Kopulation abzuschließen. Die Weibchen legen etwa 400 Eier auf verrottende Früchte und verfaulende Pilze. Die Größe eines Eies ist ungefähr 0,5 mm lang. Bis zum Schlüpfen dauert es normalerweise nur 12-15 Stunden“, das ist ja der Hammer.
Am 17. März 2022 berichtete die Neckarquelle von einer Sitzung des Kreisausschusses für Umwelt und Technik bei der die CDU Männer versuchten das Amt für Naturschutz und das Landwirtschaftsamt zu lähmen:
Das Land Baden-Württemberg hat drei voll finanzierte Stellen für die Umsetzung des Biodiversitätsgesetzes angeboten. Es ging hier also nicht um eine Finanzierung. Die CDU Herren im Kreistag argumentierten, dass die Stellen nicht gebraucht würden und die Behörden das nebenbei machen könnten, da sie anscheinend nichts zu tun hätten.
Hier zeigt sich wieder was ich schon lange bemängele:
Für das hiesige CDU Patriarchat sind manche Gesetze wichtig und werden bis auf den kleinsten Winkel ausgenützt, andere Gesetze werden ignoriert.
Wenn den Herren einer unangenehm ist und sie ihn ihre Stärke fühlen lassen wollen, dann lässt sich schwerlich etwas dagegen tun. Aber wenn die Männer sich nicht an Gesetze halten, so bleibt der kleinen Bürgerin und dem kleinen Bürger nur das Landratsamt.
Genau dies ist der Punkt warum die CDU kein Personal im Landratsamt wünscht.
Es hat sich nicht nur beim Streuobstmassaker gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Landratsamt ist.
Wenn ich mir anschaue was in der Politik ganz offen betrieben wird, dann gibt mir die chronische Unterbesetzung des Finanzamtes und auch der Gerichte doch einiges zu denken.
Ich kann nur an alle Menschen appellieren, die das lesen: Schaut hin wen ihr wählt! Es ist euer Land und eure Demokratie!
Wenn die CDU nicht mit zwei Stimmen Mehrheit gestoppt worden wäre, dann wären sie damit durchgekommen.
wie jedes Jahr, habe ich unseren Apfelbaum geschnitten, eine nicht ganz leichte Arbeit so nebenbei bemerkt. Zum ersten Mal sind mir dabei die Flechten aufgefallen siehe Bild oben. Typische graue Gebilde. Flechten, das wissen Sie bereits, sind eine nützliche Lebensgemeinschaft zwischen einem und mehreren Pilzen und einem oder mehreren Partnern, die mittels Photosynthese Licht in chemische Energieträger umwandeln können. Diese Photobionten sind Grünalgen oder Cyanobakterien.
Dann sah ich zu meinem Erstaunen überwiegend kleine napfförmige, teilweise leicht gefärbte Gestalten, mit denen ich nichts anfangen konnte:
Vor allen Dingen nicht, dass es einen Zusammenhang mit den Flechten gibt. Also, wer hilft mir in solchen Lagen? Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt in Villingen. „Das sind die Fruchtkörper der gezeigten Flechten, in der Fachsprache werden diese Apothecien genannt“.
Wikipedia gibt dazu folgende Auskunft: Apothecien sind ein Begriff aus der Pilz- beziehungsweise der Flechtenkunde. Damit bezeichnet man offene, schüssel-, scheiben- oder becherförmige Fruchtkörper bei Schlauchpilzen oder Flechten. Das Sporenlager liegt in dem Fall frei. Die Sporen entstehen in Schläuchen, die zwischen sterilen Pilzhyphen in einer Fruchtschicht angeordnet sind.
Super, wieder etwas gesehen und durch Mithilfe anderer geklärt. Das letzte Bild zeigt eine schöne filigrane Flechte im Unterhölzer Wald.