Alte Karten und Stadtpläne von Hüfingen

Dr. Jƶrg Martin hat am 23. Februar 2026 einen Vortrag über Martin Menrad und dessen „Nürnberger Karten“ für den Donaustrand von Sigismund Birken im Jahr 1664 gehalten:

Vortrag über Martin Menrad von Dr. Jörg Martin

Mit den Karten von diesem Vortrag habe ich diesen Artikel hier aktualisiert.

Karte aus 1612 mit Villingen, Donaueschingen und Hüfingen
Ausschnitt einer Karte vom Amt Tuttlingen aus 1612
alte Zeichnung aus etwa 1700 von der Baar.
Nachlass Johann Majer, Pfarrer und Kartograph (1680-1711).
Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 7 Nr. 14
Karte mit Breg und Bregauen. Hüfinen am Rand oben das Siechenhaus und Schächer
Mappa über den strittigen Bregabfluss zwischen der Gemeinde Allmentshofen und der Stadt Hiffingen, die Überschwemmung und Einrisse in die Güter betreffend.
Differenzen zwischen den Gemeinden Allmendshofen, Hüfingen und Donaueschingen wegen der Anlage eines Damms an der Breg und der Banngrenzen aus 1790-1793
Generallandesarchiv Karlsruhe 229 Nr. 1300 K 1

Stadtplan von Hüfingen 1786

Stadtplan von Hüfingen aus der zum fürstenbergischen Urbar von 1786 gehörenden Gemarkungskarte.

Der Stadtplan wurde 1968 von Paul Revellio in der Badischen Heimat verƶffentlicht.

Der Mühlibach wird mit Gewerbekanal beschrieben.

Links sieht man das Wappen von 1786 mit dem Hohenwiel. Leider ist der Hohentwiel selber nicht mit auf der Karte eingetragen.

Diese Karte mit den einzelnen Nummern der Häuser aus dem Jahr 1786 hat Dr. Jörg Martin bei seinem Vortrag über Martin Menrad gezeigt. Die Karte befindet sich im Hüfinger Archiv.

Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786
Karte von Hüfingen aus dem Archiv aus 1786

Nürnberger Karte von Martin Menradt aus dem Jahr 1664

Die zwei Karten unten sind Vorzeichnung für eine Nürnberger Karte von Martin Menradt aus dem Jahr 1664. Dr. Jörg Martin, der Leiter vom Fürstlich Fürstenbergisches Archiv, hat sie uns zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Auf dem Hüfinger Teil sieht man links die im Dreißigjährigen Krieg abgebrannte Seemühle an der Breg und auf der gegenüberliegenden Seite den Galgen. Über den Galgen schreibt Lucian Reich 1896 im Denkbuch:

ā€žDen Galgen, der sich auf der Hƶhe des ā€žHƶlensteinsā€œ, den derĀ Vater angekauft und teilweise kultiviertĀ hatte, erhoben. In einer finstern Dezembernacht hatte er und sein Freund,Ā Bürgermeister BurkhardĀ die Pfeiler umgestürzt und die schweren steinernen Kugeln, mit denen sie geziert waren, den felsigen Abhang hinunter rollen lassen ein Gepolter, das der alten Großmutter im nahen ā€žHenkerhausā€œ wie Geistergetƶs vorgekommen sei.ā€œ
Die steinernen Kugeln kann man unten auf der BrƤunlinger Mappa erkennen.

Das Schützenhaus erkennt man auf allen Karten an den Zielscheiben und dem Tor, das aussieht wie ein Galgen. Deswegen hatte Martin Menradt wohl einen Menschen am Galgen baumelnd mit eingezeichnet.


Hier sieht man wunderschƶn die Position vom Hohentwiel, Stadtmauer, Sumserturm, altes Tor an der Sparkasse und vieles mehr.


Ganz links die Leonhardkapelle mit dem Weg nach Hausen vor Wald. In Hausen vor Wald sieht man das alte Schellenberger Schloß und die Kirche.

Über Hausen ist Behla und Sumpfohren.

Oben an der Donau Neudingen.

Kartenausschnitt mit Mundelfingen
Mundelfingen mit der alten Stadtkirche die beim Friedhof stand.

BrƤunlinger Mappa


Aus dem Jahre 1620 stammt die ā€žBrƤunlinger mappaā€œ, in der die Territorialgrenze gegen BrƤunlingen hervorgehoben ist. Sie enthƤlt auch den westlichen Teil der Gemarkung Hüfingen, die allerdings ungenau gezeichnet ist. Dagegen sind die SchƤcherkapelle, das Leprosenhaus, St. Leonhard, das Schützenhaus, die Seemühle und der Galgen sowie der große Weiher richtiger eingetragen als in der Landtafel der Baar.
Verzeichnet sind das Scharfrichterhaus und der Weg nach Behla.* 1

Behla selber ist nicht mehr mit drauf. Oben links ist Hausen vor Wald und AUFGANG bedeutet, dass es Osten ist, weil da die Sonne auf geht.

Hier der Ausschnitt mit Hüfingen. Rechts oben von Hüfingen ist die Leonhardkapelle dann das große Kreuz ist da wo jetzt die Lorettokapelle steht. Daneben im Ziegeleschle sehe ich zwei HƤuser – andere sehen zwei große BƤume. Kann jeder für sich entscheinden.

Die Weyerwiesen sind mit SchwƤnen verziert. Das ist das Niedermoor wo unser Gemeinderat das riesige illegale Lidelzentrum durchgesetzt hatte.

Man sieht auch den Galgen mit den Kugeln verziert von dem Lucian Reich im Denkbuch berichtet, sowie die noch intakte Seemühle und das Schützenhaus.

Landtafel der Baar

Landtafel der Baar aus 1620 mit Hüfingen und den Ortschaften. Leider hatte später mal jemand darüber gekritzelt. Deswegen hat Vetter in der Chronik eine Reproduktion veröffentlicht. Oben das Bild davon was uns Dr. Jörg Martin überlassen hat. Fürstenberg und Mundelfingen sind da schön drauf!

Hüfingen in der Reproduktion der Landtafel der Baar 1620

Reproduktion von Hüfingen von August Vetter aus dem Jahr 1984: Landtafel der Baar von Hiffingen mit Schützenhaus und Stadtkirche. Die beiden Stadttore und überdimensional auch die Nikolauskapelle. Die Nikolauskapelle stand etwa da, wo die Stadtapotheke war. Deutlich lassen sich die an die Stadtmauer gebauten Häuser erkennen. Merkwürdigerweise fehlen die beiden Schlösser. Willkürlich ist die Bebauung innerhalb der Stadt gestaltet. Auf der Donaueschinger Stadtseite lagen eingezäunte Grundstücke (Gärten). Besonders ins Auge fällt ein Wegkreuz etwa auf dem Platz der nachmaligen Lorettokapelle. Weniger Sorgfalt als in der » Bräunlinger Mappa« wurde auf den Breglauf, die Wege und die topographisch richtige Lage der St. Leonhardskapelle und des Scharfrichterhauses (zwischen Kapelle und Wegkreuz) gelegt, das westlich der Dögginger Straße erbaut war.

Bild von Martin Menrad von Hüfingen
Hiffingen 1682 Martin Menrad

Vogelschutzgebiet Baar

09. MƤrz 2023 von Thomas Kring

Wer aktuell mit offenen Augen über die Baar wandert, kann eine Vielzahl von Vogelarten entdecken.

Einige WintergƤste, wie die Kornweihe (Circus cyaneus) und der Raubwürger (Lanius excubitor), sind noch nicht in ihre nƶrdlich gelegenen Brutgebiete abgeflogen. Andere Arten machen bei uns auf der Baar einen Zwischenstopp nach Norden. Dazu gehƶren auch die Pfeifente (Mareca penelope) und die Schnatterente (Mareca strepera). Kurz- oder Mittelstreckenzieher, zum Beispiel die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) oder der Star (Sturnus vulgaris), sind teilweise schon zurück. Ein richtiger Langstreckenzieher hingegen ist der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius). Das BlƤsshuhn (Fulica atra) bleib teilweise hier bei uns. Dies gilt auch für unseren ā€žNeubürgerā€œ (Neozoe/invasive Art) die Nilgans (Alopochen aegyptiacus).
Alle Fotos entstanden zwischen dem 4. März und dem 8. März 2023 auf den Gemarkungen Donaueschingen, Pfohren und Hüfingen.

  • Gebirgsstelze
    Gebirgsstelze

Artenschutzprojekt Kiebitz Wiesenackerhof

Hier einige Fotos von Thomas Kring aufgenommen am 19. Februar 2023:

  • RabenkrƤhe
    RabenkrƤhe


Beitrag vom 16. August 2021

Der Wiesenackerhof in Sumpfohren lässt mit seinem neuen Artenschutzprojekt für den Kiebitz alle Ornitiologenherzen auf der Baar höher schlagen.

Ein großer Traum von Professor Dr. Reichelt ist in Erfüllung gegangen und leider kann er die Rückkehr des Kiebitz auf die Baar nicht mehr erleben. Bis zu den „fast überall gegenwƤrtigen lauten Brutgenossenschaften der Kiebitze“ ist zwar noch ein sehr weiter Weg, aber ein Anfang ist gemacht.

Die Biotopentwicklung hat eben erst begonnen und schon kƶnnen im GelƤnde die ersten Paare Kibitze beobachtet werden.

Kiebitze auf dem WiesenƤcker

Der Maßnahmenkomplex wurde im Dezember 2020 genehmigt und soll als Artenschutzmaßnahme der in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohten Wiesenvogelart Kiebitz (Vanellus vanellus) eine Wiederansiedlung ermöglichen.

Kiebitze im Streit mit einer Nilgans

Zur Grundwasseranhebung wurden alte Drainagen verschlossen, um das Niedermoor wieder zu vernässen. Weiter wurden sogenannte Blänken angelegt. Dazu wurden die im Frühjahr am längsten Wasser haltenden Flächen ausgewählt, um dort Mulden mit möglichst flacher Profilierung auszuformen, die den Wasserabfluss verlangsamen und mit Wällen eigefasst sind. Diese Blänken werden vorbereitend auf die Brutzeit geeggt .

Auch wurde die Kiebitzschutzfläche mit einem etwa 2.500 Meter langen Elektro-Schafweidezaun eingezäunt, da Kiebitze Bodenbrüter sind und sie vor Raubtieren geschützt werden sollen. Der Zaun wurde vor der Brutzeit Mitte März aufgestellt und muss täglich kontrolliert werden. Auch muss die Fläche 1-2x während der Standzeit ausgemäht werden und nach dem Verlassen des Gebietes durch die flüggen Kiebitze Ende Juni/Juli muss der Zaun wieder abgebaut werden.

Die Fläche soll später mit Wagyū-Rinder-Kreuzungen beweidet werden. Wobei diese Tiere nicht reinrassig sind und nicht der Zucht dienen. Auch wurde eine speziellen Saatgutmischung aus dem Bodenseeraum mit einheimischen Wildpflanzen auf der Fläche ausgebracht.

Wagyū-Kreuzung

Um die Kiebitze vor dem Rotmilan zu schützen, musste eine alte Pappel entfernt werden und es wurden dafür in größerer Entfernung drei Schwarzpappeln gepflanzt.

Rotmilan

Vielen Dank an Prof. Dr. Helmut Gehring für folgende Beobachtungen auf der Fläche vom Wiesenackerhof im Frühjahr 2021.

ArtHƶchstzahl gleichzeitig beobachtet (Datum)
Kiebitz15 (17.2.)
KampflƤufer12 (4.4. bis 7.4.)
WaldwasserlƤufer6 (2.4.)
Grünschenkel7 (7.5.)
BruchwasserlƤufer3 (25.4.)
Flussregenpfeifer12 (11.08.)
Rotschenkel2 (15.4.)
AlpenstrandlƤufer2 (11.08.)
Dunkler WasserlƤufer1 (1.5.)
Sandregenpfeifer1 (1.5.)
Bekassine1 (2.4.)
Schwarzstorch1 (11.08.)

ZusƤtzliche bemerkenswerte Beobachtungen

am 7.5. 9 Silberreiher auf Wiese

am 9.5. ein subadulter Schwarzstorch, wird von Kiebitzen attackiert

1 Seidenreiher zusammen mit 3 Silberreihern auf der Wiese

Über den gesamten Beobachtungszeitraum hielten sich regelmäßig ca. 30 nicht brütende Rabenkrähen auf der Fläche auf und suchten nach Nahrung. Ebenso ca. 15 Nilgänse und 12 Rostgänse sowie 1-2 Mittelmeermöwen.

  • WaldwasserlƤufer
    Waldwasserlaeufer

Engel auf der Gruftkirche in Neudingen von Xaver Reich

Als nach dem Brand des Klosters Maria Hof bei Neudingen Fürst Karl Egon II. in den Jahren 1835-56 die Gruftkirche erbauen ließ, wurde Franz Xaver Reich mit der Ausschmückung beauftragt. Er modellierte die vier Engel aus Zinkguß auf den vier Nebentürmchen, die die Kuppel flankieren. Von ihm stammen ebenso die Madonna und die beiden Heiligenfiguren über der Portalwand wie die beiden Klosterfrauen über dem Portal. Ganz Raphael nachempfunden, dessen Werke Reich während seines Romaufenthaltes besonders stark beeindruckt hatten, ist das Verkündigungsrelief des Hauptaltars. Im Jahre 1870 entstanden die beiden Seitenaltäre, die wiederum eine Madonna und die acht Seligkeiten darstellen. Vielleicht spendet uns ja mal jemand Fotos von innen.

Adebar auf der Gruftkirche

Beitrag vom 5. Juni 2021von Wolf Hockenjos

Was für ein hoffnungsvolles Signal in Zeiten des weltweiten Artenschwunds: Die Störche, Symbole für Fruchtbarkeit, Wachstum und Kindersegen, nehmen auch auf der Baar wieder kräftig zu. Allein in Neudingen bezogen dieses Frühjahr wieder acht Storchenpaare ihre Brutplätze, ob auf Giebeln, Telegrafenmasten oder Bäumen und, ganz wie es sich gehört, auf dem Dach des Gasthauses Zum Storchen, ein weiteres nebenan auf der Sonne. Doch das spektakulärste Nest hatte ein Paar im Frühjahr 2019 auf den Schwingen einer der Engelsgestalten des Bildhauers Adolf Heer erbaut, welche die Außensäulen der F.F. Gruftkirche von 1853 schmücken. Leider waren im Frühjahr 2020 die Engel auf ihren Säulen mitsamt dem Storchennest verschwunden. Wurden sie womöglich entfernt, um fortan allfällige Zweckentfremdungen zu verhindern? Wollte man auf solch rigorose Weise die Verunzierung durch ätzenden Storchenkot, gar die Beschädigung der Engel unterbinden? An Stelle der Skulpturen zieren jetzt antennenartige Metallstäbe alle vier Säulen rundum, anscheinend eigens dazu ersonnen, den Störchen das Rasten, erst recht das Nisten zu vergällen.

05.08.2019
18.04.2020

Die Rückfrage im Fürstenhaus brachte ernüchternde Entwarnung: Die Engelsgestalt samt Nest habe aus Sicherheitsgründen entfernt werden müssen. Das Postament sei am Zerbröseln, die Skulptur selbst auf der Rückseite gespalten gewesen. Doch drohte das nämliche Schicksal auch den anderen drei Engeln? Waren etwa auch sie marode, oder wollte man einfach vorbeugen, dass nicht auch sie Störche anlockten? Schade drum, für kunstsinnige Parkbesucher wie für die Störche! Das Paar war inzwischen umgezogen. Es nistete jetzt, weit weniger spektakulär als auf Engels Fittichen, unmittelbar über dem Eingangsportal zur Gruft, und sie hatten auch schon für Nachwuchs gesorgt im neuerbauten Nest.

Ob sich die fürstliche Liegenschaftsverwaltung auch hier mit Fragen zur Verkehrssicherungspflicht konfrontiert sehen würde? Oder ob man den Stƶrchen unbesehen weiterhin Gastrecht gewƤhren wird – auch dann noch, wenn die Storchenjugend geschlüpft sein wird, wenn der Flugbetrieb zunehmen wird und auch der kalkweiße Storchenkot zunehmend als Ƅrgernis empfunden werden sollte?

13.06.2020
15.08.2020


Mitte August 2020, die Jungstƶrche hatten sich bereits auf den Wiesen der Riedbaar versammelt, um die Thermik des nƤchstbesten Hochdruckgebiets zum Start nach Süden zu nutzen, als die Tageszeitung unter der Überschrift Storchennest ist plƶtzlich weg die nachstehende Notiz aus Donaueschingen-Neudingen brachte: ā€žPlƶtzlich war es weg. Und lange scheint dieser Zustand niemandem aufgefallen zu sein. Unbekannte Personen haben laut Mitteilung der Polizei im Marienpark des Klosters Neudingen ein Weißstorchennest entfernt, das sich auf der Gruftkirche der Fürsten zu Fürstenberg befand. Die Polizei ordnet den Vorfall in einem Zeitraum zwischen 12. und 26. Juli ein. Warum drei Wochen lang keine Anzeige erfolgt ist, kann sich Jƶrg Kluge, Polizeisprecher beim PrƤsidium Konstanz, auch nicht erklƤren. Mƶglicherweise hƤnge es damit zusammen, dass das GelƤnde schwer zugƤnglich ist. Oder man wisse nicht, dass ein Storchennest auch nach der Aufzucht der Brut nicht abgebaut werden darf. Da Weißstƶrche nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt sind ist es verboten, ihre Brut- und RuhestƤtten zu entnehmen, zu beschƤdigen oder zu zerstƶren.ā€œ

Doch egal: im Frühjahr 2021 war das Storchenpaar jedenfalls wieder da, um sich aus Astmaterial an gleicher Stelle über dem Eingangportal der Gruftkirche erneut sein Nest zu bauen. Und Frau Storch machte sich auch alsbald ans Brüten. Der April war der kƤlteste seit vierzig Jahren und auch der Mai war kühl und nass – fürs BrutgeschƤft keine günstigen Voraussetzungen. Für die Neudinger Stƶrche sah es dennoch nicht schlecht aus gegen Ende Mai: In allen Nestern war Nachwuchs zu versorgen. Einzig das Nest auf der Gruftkirche war offenbar aufgegeben worden. Was war passiert? War es ein erneuter Platzverweis? Ein Schelm, wer Zweifel hegt an der Willkommenskultur des Fürstenhauses!

08.05.2021
02.06.2021

Feld- und Hirtenleben

Hieronymus Kapitel 6

Sechstes Kapitel gelesen aus dem Hieronymus von Lucian Reich

ā€œKennst du auch die goldene Zeit
Mit den frommen KindertrƤumen
Ach sie darf nicht lange trƤumen
Ihre Heimath liegt gar weitā€

A. Schreiber

Feld- und Hirtenleben

In das Stilleben des heimatlichen Tales zurückgekehrt, hatte Hieronymus Muße genug, die Erinnerungen, die er als bunte Bilder aus der Stadt mitgebracht, zurechtzulegen und andern mitzuteilen.

Mit erneuter Lust und Liebe wollte er jetzt wieder hinter das Zeichnen und Malen gehen. – Doch vorderhand mußte er seinen Eifer zƤhmen; denn mit dem Frühling waren andere BeschƤftigungen gekommen, die, an den Spruch erinnernd: im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen, wohl geeignet waren, die Gedanken abzuziehen und auf das AlltƤgliche, Materielle zu lenken. Nebst einem Vierling Feld zu einem Küchengarten hatte Mathias vom Hofbauern einige bisher unbebaute Grundstücke in Pacht erhalten; sie lagen entfernt vom Haus oben am Waldsaum. Um sie zur Ansaat tauglich zu machen, mußten sie erst umgebrochen werden. Da hieß es denn ā€žschaffen, solang der Tag ei’m hilft“. Seines Handübels wegen konnte der Vater, wie schon erwƤhnt, schwere Feldarbeit für sich allein nicht mehr verrichten, wƤhrend die Zeit der Mutter mit HausgeschƤften und dem NƤhen für Kunden vollauf in Anspruch genommen war. – So mußte denn der Sohn ein übriges tun, soviel es die noch schwachen KrƤfte erlaubten. – Es war kein leichtes GeschƤft, das mit Gestrüpp und Unkraut bewachsene Feld umzubrechen und den steinigen Boden zu behacken – doch tat er’s mit Freuden, im Bewußtsein, den Eltern damit ihr Los erleichtern zu kƶnnen. Wenn er aber dann abends mit dem Vater heimkam, mit schrundigen, oft blutiggerissenen HƤnden, so war’s ihm nicht mehr ums Zeichnen und Malen.

Ja, oft beschlich ihn der Gedanke, er werde wohl zeitlebens ein gewƶhnlicher Taglƶhner bleiben und den Vater, der immer mehr über zunehmende Schmerzen in der Hand klagte, unterstützen und vor Not schützen müssen. – Waren solche GeschƤfte beendigt, so kamen wieder andere; und bis das Heu und Ohmd unter Dach und Fach waren, die Garben gebunden und gedroschen waren, mußte mancher Schweißtropfen über die Wangen rinnen. Und zu alldem war der Sohn des Hausmanns hƤufig auch noch vom Bauer selbst in Anspruch genommen, namentlich im Herbst, wenn das Vieh auf die Weide getrieben und gehütet werden mußte. Dieses Amtlein lag dem Kleinen meist ausschließlich ob; doch hatte er nicht selten dabei eine Gesellschafterin – Florentina, das Tƶchterlein des Hofbauers.

Das Kind des reichen Mannes hatte in der Jugend wenig Genuß von der Wohlhabenheit des Vaters. Dieser, ein eigensinniger Mann, dem alles nur nach seinem Kopf gehen sollte, setzte etwas darein, seine Kinder, wie er sagte, nicht zu verzärteln und sie in Geschäften und Kleidern den Geringsten im Tale gleich zu halten. So ersparte ihm der ganz nach seinem Sinne geartete einzige Sohn Peter, kaum den Kinderschuhen entwachsen, beinahe schon vollständig einen Knecht. Der Junge fuhrwerkte und tat wie ein Alter.

Tagelang half er dem Fahrknecht mit dem Zuge Bauholz und schwere HollƤnderstƤmme aus den Waldungen schleifen; und wenn er abends heimkam, so verrichtete er unverdrossen und pünktlich noch alle GeschƤfte im Stall und beim Haus. Freilich – in der Schule hatte er’s kaum zum Lesen und Schreiben gebracht, was jedoch dem Alten wenig Kummer machte. Florentina hingegen schien weniger nach seinen Wünschen gedeihen zu wollen. Sie zeigte ein aufgeweckteres Temperament. Oft führte sie Klage bei der Mutter über die unnƶtige Sparsamkeit des Vaters, besonders wenn sie sehen mußte, wie andere Kinder, namentlich ihre Kameradinnen Juliana und Martina, die Tƶchterchen des Stabhalters, immer so neumodisch geputzt und nett einher kamen, wƤhrend allerdings in dem barfüßigen MƤdchen Florentina niemand die Tochter des reichsten Bauern im Tal vermutet haben würde. In solchen Dingen jedoch war die Mutter von geringem Einfluß bei ihrem Mann. Hatte dieser einmal seinen Kopf auf etwas gesetzt, so blieb’s dabei.

So zum Beispiel wollte er durchaus nicht zugeben, daß seine Tochter in der Schule schreiben lerne. Aber hier siegte die List des MƤdchens über den Eigensinn des Vaters. Florentina, von der Mutter begünstigt, machte ihre Schreibstudien in der Mühle, und Hieronymus war dabei ihr Lehrer. Und wahrlich, sie war eine aufmerksame Schülerin, die es in zierlichen Schriftzügen bald ihrem Instruktor gleichtun konnte. – So gewƶhnten sich die Kinder an ein stetes Zusammenleben. Sie glichen zwei nahe stehenden BƤumchen, deren Zweige und Kronen immer mehr und mehr ineinanderwachsen und sich verranken, um so in festem, getreuem Zusammenhalten dereinst heitere und stürmische Tage gemeinschaftlich zu durchleben.

Das Hüten der zahlreichen Herden des Hofbauers die lange Herbstzeit hindurch war nicht ohne Abwechslung. Bald geschah es im Talgrund, in den Matten am Bach, bald höher oben am Wald, auf weitschichtigen Heiden, an Abhängen, wo zwischen mächtigen Granitblöcken die nahrhaftesten Futterkräuter wachsen. War das Geschäft an sich auch kein besonders kurzweiliges, so fand Hieronymus eine gewisse Befriedigung in dem Gedanken, es komme ja auch den Eltern zugut, weil die Kuh und die paar Geißen, welche der Vater angeschafft, ebenfalls mit hinausgetrieben werden durften.

Florentina kam nicht nur hƤufig, um dem Hirtenknaben ein Abendbrot zu bringen, sie war ihm in der letzten Zeit fƶrmlich zur Aushilf beigegeben worden. Es gab keine Stelle auf dem ganzen umfangreichen Hofgut, wo das Zweigespann bei seinem unsteten Feld- und Hirtenleben nicht hingekommen wƤre.

An feuchtkalten Tagen kampierten sie in der Kƶhlerhütte des Forbachklaus und hƶrten ihm, am Herde gelagert, gerne zu, wenn er vom Heiligen Land, von Jerusalem und Bethlehem erzƤhlte oder von Begebenheiten aus alten Zeiten, von RƤuberbanden und Zigeunerhorden. – Sehr oft erzƤhlte er den Kindern auch von der lƤngst versunkenen Stadt, die droben auf dem Laubhauserberg gestanden haben sollte, an der Stelle im Wald, wo jetzt noch viele Steintrümmer zu sehen. –

Hier erzählt der Forbachklaus den Kindern die Geschichte der längst versunkenen Stadt, die droben auf dem Laubhauserberg gestanden haben soll. Laubhausen soll eine keltische Stadt gewesen sei die zum Krumpenschloss gehöre, mutmaßten schon manche. Andere meinen es wäre eine Siedlung aus dem frühen Mittelalter. Wobei diese Vermutung auch inzwischen bewiesen wurde. Sicher ist, dass vom Krumpenschloss sichtbar Mauern übrig sind, von Laubhausen selber nur viele Mutmaßungen.

Ebenso verhält es sich mit der Sage von dem prächtigen Kloster, welches auf dem Tierstein gestanden habe. Hierfür sind die Anzeichen noch dürftiger. Das große Kreuz auf demselben wurde erst 1866 errichtet und dürfte von daher im Buch noch keine Rolle spielen. Aber auch um dieses Kreuz ranken sich schon viele Legenden.

Dann brachte er die Rede auf das prƤchtige Kloster, welches, der Sage nach, auf dem großen Tierstein gestanden habe. ā€žEs muß“, meinte er, ā€žohng fƤhr zu der Zeit g wesen sein, wo noch die Ritter auf dem Zindelstein dort g’haust habe, von denen einer als Kreuzfahrer ins Heilige Land zogen ist und hernach den große Karfunkelstein heimbracht hat. In dunklen NƤchte, heißt es, hab er ihn zuweilen auf die Ringmauer g’legt, daß es weit naus ins Tal gezündet hab; und deswegen soll das Schloß den Name Zindelstein bekomme habe.“ –

Der Forbachklaus erzählt auch Geschichten zum Zindelstein und dem Karfunkelstein. Hiernach zog ein Kreuzfahrer von Zindelstein ins Heilige Land und kehrte mit dem Karfunkelstein zurück. Diesen legte der Ritter auf die Ringmauer und das Zündeln erhellte das ganze Bregtal und gab der Burg ihren Namen. Die Geschichten sind in der 1. Version des Buches besser erklärt.

Ruine Zindelstein etwa 1970

s’ chunt alles jung und neu und alles schlicht
im Alter zu, und alles nimmt en End,
und nüt stoht still. Hƶrsch nit, wie ’s Wasser ruuscht,
und siehsch am Himmel obe Stern an Stern?
Me meint, vo alle rühr si kein, und doch
ruckt alles witers, alles chunnt und goht.

Johann Peter Hebel

Auch vom bƶsen Grafen auf dem Hammerschloß erzƤhlte der Klaus den Kindern, der vor den rebellischen Bauern die Flucht ergriffen und – damit sie seine Spur nicht finden sollten – seinem Gaul die Eisen verkehrt hab aufnageln lassen. –

Zur Geschichte vom bösen Grafen auf dem Hammerschloß konnte mir Dr. Jörg Martin erhellendes berichten:

Ausführlich wußte er auch zu berichten von den sieben Schwestern von Vöhrenbach und vom Wunderkirchlein, in das die Fräulein vor den wilden Hunnen sich geflüchtet und aus welchem stets noch nächtlicherweile Harfengetön und Gesang erklingen soll.

Die Geschichte von den sieben Schwestern von Vöhrenbach und dem Wunderkirchlein läßt sich auf Wikipedia nachlesen.

Zuweilen war es auch die Hütte Stoffels, wohin das Paar seine Schritte lenkte. Als Hieronymus diesen alten Forstknecht zum erstenmal wieder seit seiner Ankunft aus der Amtstadt sah, erzählte er ihm, der Vetter Feldwaibel hab ihm gesagt, daß im vorigen Herbst der Kuhhirt von Hüfingen um zehn Pfund Wachs gebüßt worden sei, weil ihm der Wolf eine Kuh zerrissen hab.
– Der Alte lachte. ā€ž Was man jetzt für en Aufhebens macht“, sagte er, Ā» wenn sich mal so ne Bestie blicke laßt. Zu meiner Zeit ist es gar nix Seltenes g’wesen. Hab, als ich noch Knecht beim Oberfƶrster g’wesen bin, in einer Nacht oft zwei bis drei g’sehe, wenn wir im Winter vor der Hütte das Schalmenfleisch g’legt habe.“

Florentina dankte Gott, daß diese Tiere seltener geworden. Hieronymus aber versicherte sie, daß, sollte je einmal ein Wolf daherkommen, er dem Luder mit seinem Stock gewiß den Garaus machen werde.

Der letzte Wolf wurde auf der Baar 1805 bei Bachzimmern erlegt. So war wohl die Kuh bei Hüfingen das letzte Tier das vom Wolf gerissen wurde. Was es allerdings mit den zehn Pfund Wachs auf sich hat, kann ich nur erahnen. So musste der Hirte für sein Versagen die Kuh zu schützen, wohl Wachs für Kerzen besorgen?

Oft leisteten sie dem Stoffel auch Gesellschaft, wenn dieser in der erlenbeschatteten Bregach mit dem Forellenfang sich beschäftigte, wobei sie ihm gerne behilflich waren, während das ihrer Hut anvertraute Vieh, zerstreut weidend, in den üppigen Wiesen und Gründen umherlief.

Bei Sturm und Gewitter flüchteten sie unter die hohen, überhƤngenden Felsen des Tiersteins und lagerten sich unter seinem schwƤrzlich angerauchten Gestein, wo die Vaganten oft kochend übernachteten. – Nicht selten verschanzten sich die Kleinen auch im verfallenen GemƤuer des einsamen Zindelsteins. – Stille, klare Herbsttage verbrachten sie unter den hohen Tannen des Weißwaldes, wo einzelne Stellen eine weite Aussicht gewƤhrten, bis hinaus zu den Schneebergen der Schweiz. – Wenn sie dann so in der Wildnis, um das glimmende Feuer gelagert, einander ihre geheimsten Herzenswünsche in jugendlicher Lebensfreude offenbarten, kam das GesprƤch auf allerlei, in der NƤhe und Ferne, GegenwƤrtiges und Zukünftiges.

Tierstein

ā€žWenn du wünschen kƶnntest, was du wolltest, was tƤtest du dir wünschen?“ fragte ihn einmal das MƤdchen.
ā€žIch? Wenn ich emal groß bin, mƶcht ich ein Ritter sein, wie der vom Zindelstein einer g’wesen ist; da würd ich fortziehen ins Morgenland, und wenn ich heimkƤm, brƤcht ich dir auch so ein‘ Karfunkel mit, wie der g‘ wesen ist, von dem der Klaus erzƤhlt.“
ā€žJa“, sagte Florentina, ,weit, weit im Meer, da ist ein Felsen von Karfunkelstein, so groß fast wie der Tierstein; es kommt aber nur wunderselten ein Schiff dazu. Da müßtest du ja ein Schiffsmann sein.“ ā€žEin Schiffsmann mƶcht ich kein‘ sein“, entgegnete Hieronymus; ā€žlieber mƶcht ich ein rechter Maler sein, so geschickt, daß mich der Kaiser an sein‘ Hof berufe tƤt. „
ā€žOh, du bist ja schon ein rechter Maler“, meinte Florentina. ā€žDu kannst’s ja fast schon besser als dein Vater. Der kann ja nur KƤsten anstreichen und Herrgƶttle anmalen; du aber kannst ja schon ganze Bildle malen auf Papier!“
ā€žHab’s früher au g’meint, daß ich was kƶnn“, entgegnete Hieronymus.
ā€žSeitdem ich aber im Hüfinger Schloß g‘ wesen bin und die GemƤld‘ und andere schƶne Sache g’sehn hab, weiß ich, daß ich noch gar nix kann. Wollt nur, du wƤrst bei mir g‘ wese – hab allewil bei mir selber denkt, wenn nur au die Florentine da wƤr!“ – Und dann erzƤhlte er der Freundin ausführlich von all jener Pracht und Herrlichkeit, erzƤhlte ihr auch von dem vornehmen, hübsch frisierten Herrenkind im Garten des Vetters, welches zuletzt noch seine gute Freundin geworden usw. – Das war denn freilich eine Welt, von der Florentina, die noch nie aus ihrem Tal herausgekommen, sich kaum eine Vorstellung machen konnte. – Wenn hernach der Tag sich neigte, der Abendstern schon über’m Bergwald flimmerte, und aus dem Tal das Betglƶcklein wie eine Stimme aus der Heimat ertƶnte und die zerstreuten Menschen sich zu sammeln ermahnte, falteten auch sie die HƤnde zum Gebet.

Manchmal gab es auch größere Gesellschaften, wenn andere Hirten oder Kinder mit Lesholz, mit Kƶrbchen voll Heidel- oder Wacholderbeeren aus dem Wald daherkamen und ein Stündchen sich hier niederließen. – Dann wurden Spiele gemacht; die MƤdchen, gesondert, zƤhlten an in fremdklingenden Lauten oder mit deutschen Sprüchlein.

Bei den Buben ging’s gewƶhnlich wilder zu. Und hatte man genug ausgetobt und ausgespielt, so scharte man sich zusammen, die MƤdchen unter der großen Tanne dort, die mit ihren fast bis auf den Boden reichenden Ƅsten ein fƶrmliches Dach bildete.

ā€žWir wollen eins singen!“ heißt es, nachdem alle Platz genommen.
ā€žWas für eins?“
ā€žEs war einmal ein junger Knab'“, schlƤgt Juliana vor.
ā€žDas mag ich nit“, sagt Florentina, ā€žweil es allewil dabei heißt: das Trauern nimmt kein Ende mehr! – Lieber ein lustiges: Es reist ein Bettelmann aus Ungarn daher.“
ā€žNein!“ sagt ein anderes. ā€žLieber noch: Schlaf ein! Schlaf ein, mein Kindelein! Wo wird der Reiter, dein Vater sein? Wo suche, wo finde, wo finde?“ ā€žO je! das alte Wiegelied!“ fƤllt Florentina ein. ā€žWißt ihr was? Jetzt singe wir das Lied vom Grafen und der Nonne.“
ā€žJa, gelt“, unterbricht sie schnippisch ein drittes, ā€ždas singst du nur so gern, weil’s heißt:
ā€žEi, Jungfer, wƤrt‘ Ihr ein wenig reich, Fürwahr, ich wollt Euch nehmen, Fürwahr, ich wollt Euch nehmen: Wir sƤhten einander gleich.
Endlich nach vielem Hin- und Herreden werden sie einig, und ein altesWeihnachtsliedchen wird angestimmt:

ā€žInmitten der Nacht,
Die Hirten erwacht,
Die englischen Stimmen
Das Gloria singen,
Die himmlische Schar:
Geboren Gott war.

Die Hirten im Feld,
Die laufen’s so schnell;
Vor Rennen und Laufen
Kann keiner mehr schnaufen,
Dem Krippelein zue,
Der Hirt und der Bue!“

Jetzt aber fahren die Buben dazwischen – und alles hat ein End‘. Die Buben haben nƤmlich, wƤhrend die MƤdchen ihre Liedlein probiert, oben am Rain sich niedergelassen, dort bei der alten Eiche, wo eine fƶrmliche kleine Küche mit Herd und Rauchfang im trockenen Boden ausgehƶhlt zu sehen ist. Bald ist ein Feuer angefacht; Hieronymus zieht ein irdenes Schüsselein aus seinem Zwillichsack, Dionys hat Schlehen mitgebracht, die im Schmalz geschmort werden sollen. Romulus bringt Speck, der, in Stücke geschnitten, überm Feuer gebraten und dann zum Schwarzbrot mit beneidenswertem Appetit verzehrt wird.

Unterdessen sind die Nebel, welche oben am Walde gelagert, gewichen, sie ziehen ab in einzelnen Fetzen und Dunstgestalten. Ein plƶtzlicher Windstoß saust durch die Tannen und raschelt im dürren Heidegras, das Vieh rennt verscheucht aus den Hürsten, und ein mutwilliger Bub ruft: ā€žder Landenberger! der Landenberger!“ Ein anderer rennt zur großen Tanne, unter welcher die singenden MƤdchen wie die Küchlein unter den Flügeln der Henne sitzen, und schreit hinein: ā€žder Landenberger kommt!“ Und kreischend fƤhrt der Kreis auseinander; und eins will das andere bereden, es habe den bƶsen Vogt gesehen im flatternden Mantel ohne Kopf durchs Gebüsch reiten.

Zur Geschichte vom bösen Grafen Ladenberger auf dem Hammerschloß konnte mir Dr. Jörg Martin ebenfalls erhellendes berichten:

Gerne zogen die kleinen Nomaden auch den Landfahrern nach, wenn diese auf Waldblößen lagerten, spengelten und Kessel flickten, wƤhrend ihre Weiber bettelnd in den Ortschaften und Gehƶften umherzogen. Der Lange Hans, wenn er bei guter Laune war, spielte ihnen dann die lustigsten Stücklein und ā€žHopper“ auf, nach welchen sie so lange tanzten und sprangen, bis irgendein Geschrei mit Rauferei entstand, wozu die Vagantenkinder immer sehr aufgelegt waren. Der Lange aber, eine strenge Kinderzucht führend, fuhr alsdann nach einigem Zusehen dazwischen und erteilte seinem eigenen Fleisch und Blut mit einer alten ledernen SƤbelscheide eine derbe Lektion mit den Worten: ā€žHabt’s mit euers Gatting!“ – womit er sagen wollte, ein jeder solle sich zu seinesgleichen halten.

Sehr oft befand sich Hieronymus auch allein, ein unumschrƤnkter Regent seiner Herde, ein Fürst des Waldes und der Trift. – Wenn er dann, im Grase liegend, hinaufschaute in das blaue Meer des Himmels, in welchem einzelne lichte Wƶlkchen wie KƤhne dahinzogen – so trƤumte er sich hinaus in die Welt, in die Fremde, sah sich zurückkehren nach Jahren in das Vaterhaus, als ein Mann, glücklich und geehrt von Bekannten und Freunden. – Dann sprang er auf aus der Ruh, bestieg den hƶchsten Fels und schaute hinab ins Tal – und es war ihm so wohl, so frƶhlich ums Herz, daß er mit einem weithin schallenden Jauchzer sein Glück den Bergen und WƤldern verkünden mußte.

Wer wollte es unsern Hirtenkindern verdenken, wenn sie wünschten, das ungebundene Leben in Feld und Wald mƶchte noch lange, recht lange kein Ende nehmen? – Dennoch begrüßten sie wieder mit einer anderen Art von Behagen den ersten Schnee, die ersten Stürme, welche Menschen und Vieh zurück in ihre Wohnungen trieben. Für Hieronymus brachte der Winter manch freie Stunde, wƤhrend welcher er dem Vater beim Schreinern und BƤscheln helfen oder seiner LieblingsbeschƤftigung, dem Zeichnen und Malen, obliegen durfte.

Auch in diesem Kapitel begegnen uns wieder die Landfahrer. Der Lange Hans bringt hier auf den Punkt was damals für alle gegolten hat:

Habt`s mit euers Gatting!

Das Bruderkirchlein und die Familie des Kƶhlers
Beim rauchenden Meiler

Mehr dazu auch von Wolf Hockenjos:

Hieronymus und der Wald

Hier geht’s zur Übersicht:

Hieronymus Das Buch Von Lucian Reich 1858

Mehr zum Hieronymus gibt es hier:

Der Hüfinger Künstlerkreis

Johann Nepomuk Heinemanns ā€žHieronymusā€œ

Frühling

Liebe Bürgerpostleser,

zu diesem Beitrag haben mich zwei Menschen angeregt, Christiane Willmann aus T.-N.-Schwärzenbach und Thomas Kring aus Hüfingen. Thomas schickte mir Bilder vom Frühlingswald Wutachflühen und meinte, ob ich nicht etwas schreiben wolle. Bei Christiane Willmann war es indirekt, sie fragte am 4. März 2026, ob die Küchenschelle am Zisiberg bei Hondingen schon blühe. Ich schicke Ihr Küchenschellenbilder vom 11. März 2025, dort waren sie in Vollblüte. Dann hatte ich am Freitag, den 6. März kurz Zeit, nachzuschauen.

Daraus entstand der Gedanke, drei Dinge zusammenzuspannen. Zum Zisiberg ist zu sagen, dass er ein kleines Naturschutzgebiet an der Südseite am Waldrand von Hondingen ist, das zum einen durch den Frühblüher Küchenschelle bekannt ist, ich habe sie nicht gezählt, aber es sind einige Hunderte. Es ist eine Augenweide. Neu war mir, dass sie Ihre Blüten bei Bewölkung leicht und bei Dunkelheit voll schließen. Christiane hat es schon gewusst.

Oben ein Schnappschuss mit einer Hummel. Hier kann sie bestäuben und Pollen sammeln. Diese Frühblüher sind sehr wichtig für die frühaktiven Insekten. Später kommen am Zisiberg Orchideen dazu, speziell die kleinen Spinnenragwurze.

Als drittes möchte ich den Laubwald oben auf dem Wartenberg erwähnen, ein Eldorado für einen noch früheren Blüher, den Märzenbecher.

  • Märzenbecher

Märzenbecher von Thomas Kring im Frühlingswald Wutachflühen

Mathias Ebert aus Villingen meinte trocken, ā€žer muss bald in Februarbecher umgetauft werdenā€œ. Wie wenn sie gesƤt worden wƤren. In Wutachschlucht und -flühen kommt der MƤrzenbecher ebenfalls sehr hƤufig vor.

Echter Seidelbast

Echter Seidelbast
Foto: Thomas Kring
in Frühlingswald Wutachflühen

Der Duft vom Seidelbast ist einmalig, man muss unbedingt daran riechen.

Der scharlachrote Kelchbecherling und der Seidelbast sind Charakterpflanzen in diesen Gebieten. Die rote Farbe des Klechbecherlings beeindruckt sehr. Er wƤchst auf Totholz, was normalerweise nicht zu sehen ist. Man denkt er wƤchst direkt aus dem Boden heraus.

  • Zinnoberrote Kelchbecherling

Kelchbecherling von Thomas Kring im Frühlingswald Wutachflühen

Das letzte Bild bekam ich wiederum von Karl Wild aus Maichingen. Vielen Dank dafür. Ein Admiral am Winterschneeball. Wer kann sich noch erinnern an den Artikel von 2024 über das Thema? Ergebnis war damals, dass der Wanderfalter Admiral in der Zwischenzeit zunehmend bei uns überwintert und damit kein reiner Wanderfalter mehr ist. Als ich das Bild Dr. Hans-Peter Straub schickte, schrieb er, dass bei im in Königsfeld genau das gleiche zu sehen war. Ein Klimawandelhammer.

Herzliche Grüße
Franz Maus

ā€žDer Ton ist das Problem.ā€œ – Wie Frauen diszipliniert werden, wenn sie ihre Rolle verlassen

Es gibt einen erstaunlich stabilen Satz, der Frauen begleitet, sobald sie ƶffentlich Einfluss nehmen:

Sie seien ā€žzu vielā€œ.

Zu direkt.
Zu laut.
Zu emotional.
Zu ehrgeizig.
Zu prƤsent.

Der Satz wirkt harmlos. Fast wie ein persƶnlicher Eindruck. Aber wenn man genauer hinschaut, taucht er erstaunlich zuverlƤssig dort auf, wo Frauen beginnen, Raum einzunehmen.

Sobald sie nicht mehr nur teilnehmen, sondern prƤgen.
Sobald sie nicht mehr nur mitarbeiten, sondern widersprechen.
Sobald sie nicht mehr nur zustimmen, sondern entscheiden wollen.

Dann verschiebt sich plƶtzlich die Diskussion.

Nicht mehr: Stimmt das Argument?
Sondern: Wie hat sie das gesagt?

Die Philosophin Kate Manne beschreibt dieses Muster in ihrem Buch Down Girl: The Logic of Misogyny (2017) sehr prƤzise. Ihrer Analyse zufolge ist Frauenfeindlichkeit weniger ein individuelles Gefühl von Hass als ein sozialer Durchsetzungsmechanismus.

Mit anderen Worten: Misogynie ist nicht in erster Linie eine Emotion. Sie ist eine Form sozialer Ordnungspolitik.

Während Sexismus erklärt, warum Männer angeblich natürlicherweise führen und Frauen unterstützen sollen, sorgt Misogynie dafür, dass diese Ordnung auch eingehalten wird.

Sie belohnt Frauen, die sich an die erwartete Rolle halten.
Und sie sanktioniert Frauen, die davon abweichen.

Die Regeln sind selten ausgesprochen. Aber sie sind erstaunlich stabil.

Eine Frau, die freundlich, unterstützend und zurückhaltend ist, gilt als angenehm.
Eine Frau, die argumentiert, widerspricht oder eine Entscheidung einfordert, wird schnell anders beschrieben: schwierig, aggressiv, polarisierend.

Das Verhalten selbst hat sich nicht verƤndert.

Nur die Passung zur erwarteten Rolle.

Die Durchsetzung dieser Regeln kommt selten offen daher. Niemand sagt: ā€žSie ist ein Problem, weil sie eine Frau ist.ā€œ

Stattdessen klingt es wie sachliche Rückmeldung:

ā€žIhr Ton war unangemessen.ā€œ
ā€žSie wirkt sehr hart.ā€œ
ā€žMan kann mit ihr schlecht zusammenarbeiten.ā€œ
ā€žIch finde sie einfach unsympathisch.ā€œ
ā€žSie polarisiert.ā€œ

Solche Sätze wirken wie persönliche Eindrücke.

In Mannes Analyse sind sie oft Teil eines Systems, das Abweichungen korrigiert.

Besonders sichtbar wird dieses Muster dort, wo Frauen Macht erreichen.

Eigentlich könnte man erwarten, dass Kritik abnimmt, wenn Frauen Kompetenz zeigen, Verantwortung übernehmen und politische Erfahrung sammeln.

In der RealitƤt passiert hƤufig das Gegenteil.

Die Prüfung wird intensiver.

Je nƤher Frauen an Machtpositionen kommen, desto genauer wird ihr Verhalten beobachtet.

Das ist kein Widerspruch zum Fortschritt.
Es ist die Logik eines Systems, das seine eigenen Grenzen überwacht.

Ein System kontrolliert besonders dort, wo seine Regeln tatsƤchlich herausgefordert werden.

In der Kommunalpolitik lƤsst sich dieses Muster erstaunlich gut beobachten.

Zum Beispiel in Gemeinderatssitzungen.

Wenn ein mƤnnlicher Gemeinderat deutlich widerspricht, gilt er als engagiert oder durchsetzungsstark.
Wenn eine GemeinderƤtin dasselbe tut, wird plƶtzlich ihr Ton diskutiert.

Nicht der Inhalt.

Der Ton.

Oder in Ausschüssen, wenn Frauen fachliche Kritik äußern. Plötzlich wird nicht mehr über die Argumente gesprochen, sondern über den Stil:

Ob das ā€žnicht etwas zu scharf formuliertā€œ sei.
Ob man ā€žso nicht miteinander umgehen sollteā€œ.
Ob das ā€žjetzt nicht eskalieren müsseā€œ.

Die gleiche Klarheit, die bei Männern als Führungsstärke gilt, erscheint bei Frauen plötzlich als Problem.

Es gibt eine ganze Reihe von SƤtzen, die in politischen Gremien auffƤllig hƤufig fallen – besonders dann, wenn Frauen deutlich argumentieren oder Kritik Ƥußern.

Zum Beispiel:

ā€žJetzt bleiben wir mal sachlich.ā€œ
ā€žMan kann das auch freundlicher sagen.ā€œ
ā€žDer Ton macht die Musik.ā€œ
ā€žDas muss man jetzt nicht so emotional sehen.ā€œ
ā€žWir sollten das hier nicht eskalieren lassen.ā€œ
ā€žSo kommen wir hier nicht weiter.ā€œ
ā€žDas ist jetzt aber schon sehr konfrontativ.ā€œ

Interessant ist dabei eine kleine Verschiebung.

Der Inhalt verschwindet aus der Diskussion.

Stattdessen wird über Form, Ton und Stil gesprochen.

Nicht darüber, ob das Gesagte stimmt ā€“ sondern darüber, wie es gesagt wurde.

Das ist genau die Art von sozialer Korrektur, die Kate Manne beschreibt:
Die Abweichung von der erwarteten Rolle wird markiert, ohne dass sie jemals offen benannt werden muss.

Ein weiteres PhƤnomen, das Manne beschreibt, hat sie mit einem eigenen Begriff versehen: Himpathy.

Er bezeichnet eine auffƤllige Form von Empathieverschiebung.

Wenn Konflikte zwischen MƤnnern und Frauen entstehen, richtet sich das Mitgefühl oft stƤrker auf den Mann – selbst dann, wenn er derjenige ist, der Kritik ausgelƶst hat.

Plƶtzlich geht es um seine Zukunft.
Seinen Ruf.
Seine Karriere.
Seine Verdienste.

WƤhrend gleichzeitig die Frau, die das Problem angesprochen hat, sehr schnell selbst zum Problem erklƤrt wird.

Was Mannes Analyse so unbequem macht, ist ihre Konsequenz.

Wenn Misogynie nur aus individuellen Vorurteilen bestünde, wäre die Lösung einfach: Vorurteile erkennen, Einstellungen ändern, Problem gelöst.

Aber wenn Misogynie strukturell ist – eingebettet in Erwartungen, Bewertungen und institutionelle Routinen – dann kƶnnen auch Menschen mit guten Absichten Teil dieses Mechanismus sein.

Eine faire Person in einem unfairen System produziert immer noch unfaire Ergebnisse.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Wer hat Vorurteile?

Sondern auch:

Welche Verhaltensweisen belohnt unsere politische Kultur?
Welche sanktioniert sie?
Und wer zahlt den Preis, wenn jemand die unausgesprochenen Regeln nicht mehr akzeptiert?

Vielleicht erklärt das auch ein merkwürdiges Paradox politischer Arbeit.

Frauen wird oft geraten, sich einzubringen.
Mehr Verantwortung zu übernehmen.
Ihre Stimme zu erheben.

Aber wenn sie genau das tun, beginnt plƶtzlich eine zweite Debatte.

Nicht über ihre Argumente.

Sondern über ihre Art.

Über ihren Ton.
Ihr Auftreten.
Ihre Persƶnlichkeit.

Vielleicht ist das der eigentliche Test politischer Teilhabe.

Nicht, ob Frauen mitreden dürfen.

Sondern wie viel Raum sie einnehmen dürfen,
bevor jemand sagt:

ā€žDas ist jetzt aber schon ein bisschen viel.ā€œ

Im Frühlingswald

06. MƤrz 2026 von Thomas Kring

Wer im Frühjahr durch den Wald spaziert, wird viele Pflanzen finden, die bereits blühen. Manchmal ein wahres Blütenmeer, wie beim Märzenbecher.

  • Märzenbecher

Der Märzenbecher ist auch als Frühlings-Knotenblume bekannt.

Diese früh blühenden Pflanzen im Wald werden auch Frühlingsgeophyten genannt. Bei Geophyten handelt es sich um mehrjährige krautige Pflanzen, die eine ungünstige Jahreszeit, zum Beispiel den Winter oder trockene Sommer, unterirdisch überdauern. Sie bilden dann bei günstigeren Verhältnissen aus unterirdischen Erneuerungsknospen (Wurzeln, Knollen, Zwiebeln) neue Triebe.

Die Frühlingsgeophyten der Laubwälder blühen so früh, weil dann noch viel Licht den Waldboden erreicht. Damit können die Pflanzen Photosynthese betreiben und genug assimilieren, um Früchte auszubilden. Damit müssen die Pflanzen weitestgehend fertig sein bevor der Lichtreichtum endet, wenn die Bäume mit dem Laubaustrieb beginnen.

Die hier gezeigten Aufnahmen sind alle vom 06. MƤrz 2026.

  • Weiße Pestwurz
    Weiße Pestwurz


Eine Besonderheit ist der Zinnoberrote Kelchbecherling, dessen Fruchtkƶrper vor allem zwischen Januar und April auf totem Laubholz zu finden ist.


Zinnoberrote Kelchbecherling oder auch Scharlachroter Prachtbecherling genannt.

  • Zinnoberrote Kelchbecherling

Auch die Vogelwelt ist hoch aktiv. So lassen sich verschiedene Meisen, Zaunkƶnige, Buchfinke, Singdrosseln und WaldbaumlƤufer vernehmen.

Anhand des letzten Fotos kann der ein oder andere bestimmt feststelle, wo die Aufnahmen für den Artikel entstanden sind.

Wächter der Wutach
Wächter der Wutach

Der ZuckerbƤcker

Süsser Winkel Hüfingen 9.3.24 von Wolfgang Kleiser
Süsser Winkel Hüfingen 9.3.24 von Wolfgang Kleiser
SchwarzwƤlder Kirsch Torte
De Zuckerbeck von Hubert Mauz, gelesen von Maria Simon

De Zuckerbeck, am Siesse Winkel Eck

Es giht en Beck der no meh khaa
Drum fange mer vu vorne aa
Nuu Wecke, Halbwiess, Buurelaib
On woess vum Bache no meh bscheid

Es isch de Zuckerbeck, Conditor gnennt
Der hƤt bigott mords gschickti HƤnd
Im Kopf vill zuckrigi Rezept
Wa der alls khaa, Respekt, Respekt

Er doeget zerscht en Tortebode
Fürs Fundament muß mer ihn scho lobe
Wa dƤ druff kunnt, loset jetzt guet zue
Des haut di fascht scho us de Schuhe

I ville HƤfe Zimt Zucker, MeƤhl
De Safran macht e Torte geƤl
En Huufe Zuetate stond parat
Iidolt, gwoge, akkurat

Sie hohe Kunscht isch Schwarzwald Kirsch
Wer die genießt word zu me Hirsch
Sie Kaffeestub isch drum en Kult
Und Bsuecher lobets, voller Huld

Au Sachertorte hƤt er druff
De Duft verschleht der fascht de Schnuff
Schwarzbeer vu de Beerliewieber
En Torte Zauber, konn wid meh lieber

En Schoko Traum, so zart und fein
Sind d Pralinee, ob gross, ob klein
Au Nougat kha ganz guet der Maa
Nuu Feinback – Fraue kummet a den draa

Wa wƤr e StƤdtle ohni Zuckerbeck
Verzicht wƤr schad uffs FeingebƤck
Drum lobet mir de StƤdtli Beck
Am Huefinger Siesse Winkel Eck

Was ein Zuckerbecker alles kann von Maria Simon, Alemannisch von Hubert Mauz

Was ein Konditor alles kann

Er kann backen wie ein BƤcker,
doch auch wie ein Apotheker
mengen, wiegen, extrahieren,
wie ein Stuckateur verzieren.

Er kann kandieren und gelieren,
aber auch noch modellieren,
macht Figuren aus Marzipan
wie`s aus Ton der Künstler kann.

Wie ein Maurer Stein auf Stein
dazwischen Mƶrtel streichet ein.
Mit zarter Krem, wenn`s ist vonnƶten
streicht ein der Konditor Tortenbƶden

Er kann hobeln wie ein Schreiner
Schokospäne, so kann“s keiner.

Wie ein Gipser verputzt die WƤnde,
Torten überzieht er ganz behände.

Er entwirft ein Ornament
wie ein Grafiker das kennt,
spritzt dann aus `nem feinen Tütchen
schokoladig schmucke Hütchen.

Kunstmaler sind berühmt und bekannt
für ihre feinmotorische Hand.
Auch ein Konditor zeichnet mit Bravour,
er spritzt auf Torten Bilder mit Glasur.

Aus flüssigem Glase formt der Bläser,
formvollendet seine GlƤser.
Auch der Konditor bläst mit Gefühl
aus Zucker ein schƶnes Formenspiel.

Schneidet der Konditor dann
zuallerletzt sein Kunstwerk an,
so muss es zart und locker, fein
verzehrbar mittels GƤbelchen sein.

Wahlergebnisse für Hüfingen

Wer selber schauen möchte, hier geht es zu den Ergebnissen: Wahlergebnisse Hüfingen

Behla ist der Gewinner beim Auszählen. Glückwunsch! Ergebnisse um 18:39 Uhr
Mundelfingen hat den 2. Platz mit 19:05 Uhr, Sumpfohren 19:12 Uhr.

Ich beschränke mich hier auf die Parteien mit Direktkandidaten. Oben 2026 und unten die Ergebnisse 2021. 2021 gab es nur eine Stimme und die steht bei den Erststimmen. Von den Wahlräumen in Hüfingen Kernstadt habe ich abgesehen.
Alle Zahlen ohne GewƤhr!

Hüfingen gesamtErststimmenZweitstimmenProzent
Erststimmen
Prozent
Zweitstimmen
Jens Metzger
GRÜNE
686
1.013
912
17,5
29,09
23,1
Guido Wolf
CDU
1.419
906
1.28436,1
26,2
32,5
Christine Treublut
SPD
191
256
1784,9
7,35
4,5
Nikolai Reith
FDP
527
586
25113,4
16,83
6,4
Kay Rittweg
AfD
872
354
90922,2
10.17
23
Heinrich Alexandra Hermann, DIE LINKE 135
78
1173,4
2,24
3
Christane Fichter
Volt
99
11
442,5
0,32
1,1

2026 Wahlberechtigte: 5.656
Wahlberechtigte 2021: 5.539

2026 WƤhler/innen: 3.929 Wahlbeteiligung 2026: 70,3 %
WƤhler/innen 2021: 3.524 Wahlbeteiligung 2021: 63,62 %

Hier geht es zu den alten Ergebnissen: Wahlergebnisse

BehlaErststimmenZweitstimmenProzent
Erststimmen
Prozent
Zweitstimmen
Jens Metzger
GRÜNE
26
29
46
13,1
20,71
23,4
Guido Wolf
CDU
98
44
7949,2
31,43
40,1
Christine Treublut
SPD
9
4
84,5
2,86
4,1
Nikolai Reith
FDP
20
39
1210,1
27,86
6,1
Kay Rittweg
AfD
37
13
4218,6
9,29
21,3
Heinrich Alexandra Hermann, DIE LINKE 3
2
11,5
1,43
0,5
Christane Fichter
Volt
6
0
03,0
0
0
FürstenbergErststimmenZweitstimmenProzent
Erststimmen
Prozent
Zweitstimmen
Jens Metzger
GRÜNE
21
34
33
8,6
16,83
13,3
Guido Wolf
CDU
130
75
12853,1
37,13
51,6
Christine Treublut
SPD
6
2
62,4
0,99
2,4
Nikolai Reith
FDP
40
33
2016,3
16,34
8,1
Kay Rittweg
AfD
33
16
4213,5
7,92
16,9
Heinrich Alexandra Hermann, DIE LINKE 8
6
53,3
2,97
2
Christane Fichter
Volt

7
0

52,9
0
2
Hausen vor WaldErststimmenZweitstimmenProzent
Erststimmen
Prozent
Zweitstimmen
Jens Metzger
GRÜNE
29
32
33
14,6
20,92
16,7
Guido Wolf
CDU
61
44
6230,7
28,76
31,3
Christine Treublut
SPD
8
11
84
7,19
4
Nikolai Reith
FDP
44
36
1722,1
23,53
8,6
Kay Rittweg
AfD
49
17
5324,6
11,11
26,8
Heinrich Alexandra Hermann, DIE LINKE 5
2
32,5
1,31
1,5
Christane Fichter
Volt
3
1
41,5
0,65
2
MundelfingenErststimmenZweitstimmenProzent
Erststimmen
Prozent
Zweitstimmen
Jens Metzger
GRÜNE
44
75
54
15,8
30,74
19,2
Guido Wolf
CDU
98
65
9235,3
26,64
32,7
Christine Treublut
SPD
14
15
145
6,15
5
Nikolai Reith
FDP
51
42
2318,3
17,21
8,2
Kay Rittweg
AfD
59
19
6421,2
7,79
22,8
Heinrich Alexandra Hermann, DIE LINKE 6
8
102,2
3,28
3,6
Christane Fichter
Volt
6
0
52,2
0
1,8
SumpfohrenErststimmenZweitstimmenProzent
Erststimmen
Prozent
Zweitstimmen
Jens Metzger
GRÜNE
27
27
28
19,7
22,5
20,4
Guido Wolf
CDU
54
40
5439,4
33,33
39,4
Christine Treublut
SPD
3
5
22,2
4,17
1,5
Nikolai Reith
FDP
17
21
912,4
17,5
6,6
Kay Rittweg
AfD
28
18
3220,4
15,0
23,4
Heinrich Alexandra Hermann, DIE LINKE 2
2
51,5
1,67
3,6
Christane Fichter
Volt
6
0
24,4
0
1,5

Lieber Hüfingerinnen und liebe Hüfinger,

dieses Jahr dürfen wir am 8. März einen Landtag für Stuttgart wählen. Der 8. März ist ein besonderer Tag und soll auch daran erinnern, dass Frauen in der Politik, auch heute noch, so gut wie keine Rolle spielen. Wir werden hier in Südbaden von Stuttgart fremdbestimmt und wurden für die Wahlen extra in den Schwäbischen Kreis eingegliedert.

Meine Meinung zur Stuttgarter Politik habe ich schon sehr oft kund getan: Baden nach Bayern eingliedern?

Die 35 Landkreise, 9 Stadtkreise und 70 Wahlkreise in Baden-Württemberg sind ein unsinniger Luxus und dienen der übermäßigen Versorgung der Landräte, Politiker, Landesbeamten und Dezernenten auf Steuerzahlerkosten. Eine Zusammenlegung der Landratsämter und Wahlkreise auf etwa 20 würde nicht nur Milliarden einsparen, sondern wäre auch deutlich gerechter und effektiver. Aber es wird natürlich keiner der wichtigen Männer seine Pfründe freiwillig aufgeben und die AfD steht schon in den Startlöchern an den Fleischtöpfen bereit.

S’rumoret zmol landuff, landab.
Min Nochber debret bsƤsse:
Jetzt, guck emol des Gschmier do aa,
d’Badenser sottes fresse.

Südweschtstaat schtoht do krottebroat,
PotzhageldunderwƤtter,
sott ech am End en Schwob no geƤ?
Ho sell, sell wƤr no nƤtter.

..
Glaub nu, iis ginges drƤckig gnueg,
mier dierftet ninnt me sage.
Vum MuschterlƤndli wƤret d’Liit
… halt blos s’fifft Rad am Wage.


>Gottfried Schafbuch 1950

Wie der Hüfinger Frauenverband schon 1849 festgestellt hatte:
Worte kƶnnen unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern!

Es geht hier um die Landtagswahl am 8. März 2026 im Wahlkreis 55 Tuttlingen-Donaueschingen, im Speziellen um Hüfingen.

Für den Wahlkreis 55 hatte ich folgende Kandidatinnen und Kandidaten angeschrieben: Christane Fichter (Volt), Heinrich Alexandra Hermann (Die Linke), Jens Metzger (Bündnis 90/Die Grünen), Nikolai Reith (FDP), Kay Rittweg (AfD), Christine Treublut (SPD) und Guido Wolf (CDU).

Fragen zur Landtagswahl 2026

Vielen Dank an Christiane Fichter (Volt) für die Zeit und die klaren Antworten! Sie war die einzige die sich die Zeit für Hüfingen genommen hat.

Antworten von Christiane Fichter (Volt) für Hüfingen


1. Thema: Grünbrücke Hüfingen / B31
Mit dem Ausbau der B31 wurde das Landschaftsbild rund um Hüfingen stark verƤndert. Unter anderem ist das Naturschutzgebiet Deggenreuschen-Rauschachen durch die Trasse in zwei Teile geteilt, und die DurchgƤngigkeit für Menschen wie auch für Wildtiere ist stark eingeschrƤnkt. Es wurde damals wie heute auf unsere Natur und die Menschen die hier leben keine Rücksicht genommen. 
In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Summen in den Ausbau der B31/B27 investiert und weitere 70 Millionen sind für eine zweite Gauchachtalbrücke vorgesehen. Durch den ungezügelten Ausbau der Bundesstraßen wurden nicht nur die Menschen in Hüfingen selber ā€žeingesperrtā€œ, sondern auch alle nicht geflügelten Wildtiere am Wandern gehindert. So wurde mit dem Ausbau der B31 ein Naturschutzgebiet, ein Wildtierkorridor und sogar die Stadt Hüfingen in zwei Teile geteilt. 
Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich daher eine Grünbrücke, die sowohl Wildtieren sichere Wanderwege eröffnet als auch Fußgängerinnen und Fußgängern eine Querungsmöglichkeit bietet.

Frage: Wie stehen Sie zum Vorschlag einer Grünbrücke über die B31 in unserem Naturschutzgebiet?

Christiane Fichter DE City Lead Schwarzwald-Baar-Heuberg Direktkandidatin Tuttlingen-Donaueschingen Platz 13 der BW-Landesliste für die Landtagswahl 2026
Christiane Fichter:

Eine Grünbrücke ist ein wirkungsvolles Instrument, um LebensrƤume, die durch Verkehrswege getrennt wurden, wieder miteinander zu verbinden. Sie ermƶglicht Wildtieren sichere Wanderungen, erhƤlt genetische Vielfalt und stabilisiert ganze Ɩkosysteme.

Ich gebe offen zu, dass ich für den Abschnitt an der Hüfingen/B31 noch nicht alle Details kenne. Aber wo wir zusammenhängende Lebensräume getrennt haben, müssen wir wieder Verbindung schaffen. Denn nur so bleibt die Natur lebendig und die Vielfalt der Tiere erhalten.

Eine Grünbrücke kann genau das leisten. Sie wirkt wie eine geheilte Wunde in der Landschaft. Aber nur, wenn wir sie wirklich den Tieren überlassen. Wenn Menschen sie als Spazierweg nutzen, bleiben die Tiere fern. Dann verliert die Brücke ihren Sinn.

Ich wünsche mir, dass wir die Natur nicht länger nachrangig behandeln. Dass wir nicht zuerst neue Straßen planen und erst dann darüber nachdenken, was das für die Tiere bedeutet. Ich möchte, dass wir zuerst fragen, wie wir das Gleichgewicht erhalten und wie wir Schaden vermeiden können.

Denn am Ende geht es um unseren gemeinsamen Lebensraum. Und um die Verantwortung, die wir dafür tragen.


2. Thema: Wahlrecht und Landkreisordnung
Am 24. September 1950 stimmten etwa 65% der hiesigen Wahlberechtigten gegen einen Südweststaat und für die Wiederherstellung Badens. Wohl aus Strafe hatte Stuttgart später Hüfingen als Wahlkreis zusammen mit Donaueschingen und Blumberg ins schwäbische Tuttlingen zwangsverlegt. Unter Missachtung der Volksbefragung untersteht Hüfingen der baden-württembergischen Landkreisordnung, wird von Stuttgart regiert und vom RP in Freiburg verwaltet. Im Unterschied zu 14 anderen Bundesländern dürfen wir den Landrat nicht direkt wählen und bekommen von Stuttgart einen 1. Landesbeamten bestimmt. Die Konsequenz hiervon ist, dass dies immer Männer mit Parteibuch einer der in Stuttgart regierenden Parteien sind. Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine Einschränkung demokratischer Mitbestimmungsmöglichkeiten auf Landkreisebene.

Frage: Wie stehen Sie zu einer Reform der Landkreisordnung, insbesondere im Hinblick auf die Direktwahl von LandrƤtinnen und LandrƤten und der Anordnung der Wahlkreise?

Christiane Fichter DE City Lead Schwarzwald-Baar-Heuberg Direktkandidatin Tuttlingen-Donaueschingen Platz 13 der BW-Landesliste für die Landtagswahl 2026
Christiane Fichter:

Mein Vater ist Badner, meine Mutter Württembergerin. Ich bin in Württemberg geboren und in Baden aufgewachsen. Ich bin gerne Badenerin und gerne Württembergerin – und damit stolz, Baden-Württembergerin zu sein. Gleichzeitig bin ich überzeugte EuropƤerin.

Nichts ist für die Ewigkeit. Reformen sind dazu da, Strukturen zu prüfen, anzupassen und an verƤnderte RealitƤten anzupassen. Die Region Schwarzwald Baar ist wunderschƶn und vielfƤltig, und die Menschen hier verdienen ein System, das ihre Interessen abbildet. Es gibt Pro und Contra für eine Direktwahl von LandrƤtinnen und LandrƤten. Wie einige andere BundeslƤnder zeigen, kann die Direktwahl funktionieren. Ich denke, es gibt noch viele weitere Faktoren, die dazu gehƶren, dass bei uns meist LandrƤte sind und womƶglich mit der gleichen Partei wie in der Regierung in Stuttgart. Wie zum Beispiel ā€œhaben wir immer schon so gemacht/gewƤhltā€, patriarchale Strukturen etc. Aber ich freue mich, wenn mir jemand die Daten dazu aussucht, ob dies z.B. in Bayern mit direkt gewƤhlten LandrƤten und LandrƤtinnen anders aussieht. 

Noch wichtiger finde ich, dass Informationen und Veranstaltungsankündigungen nicht nur über die Zeitung bekannt gegeben werden, sondern auch über Social Media und andere digitale KanƤle. Dabei geht es nicht nur um Informationsveranstaltungen, sondern um echte Bürgerbeteiligung: Diskussionsrunden, Workshops und andere Mitwirkungsmƶglichkeiten sollten angeboten werden. Ɩffentliche Kreistagssitzungen kƶnnten online übertragen werden, ergƤnzt durch weitere Beteiligungsformate. Vor allem ist wichtig, dass Informationen frühzeitig und mit allen relevanten Daten und Fakten bereitgestellt werden. Nur so kƶnnen Menschen wirklich mitentscheiden, sich ein eigenes Bild machen und informiert mitwirken.

Die letzte große Kreisreform war 1973, als der Schwarzwald Baar Kreis entstanden ist. Eine strukturelle Reform kann sinnvoll sein, aktuell sehe ich jedoch keinen dringenden Handlungsbedarf. Für Nostalgikerinnen und Nostalgiker bleibt immerhin die Mƶglichkeit, das Kennzeichen DS zu wƤhlen – ein kleiner, aber schƶner Bezug zu unserer Geschichte.


3. Thema: Einsatz von Palantir-Software
Das Land Baden-Württemberg hat einen Vertrag über den Einsatz der US-amerikanischen Software ā€žPalantirā€œ abgeschlossen. Kritisch betrachtet wird dabei zum einen, dass der Vertrag offenbar keine Ausstiegsklausel enthƤlt, zum anderen, dass es alternative Anbieter gibt – darunter auch Unternehmen aus Baden-Württemberg – die aus Sicht vieler Fachleute mehr Transparenz und eine bessere rechtsstaatliche Einbettung gewƤhrleisten kƶnnten.

Frage: Wie bewerten Sie den Einsatz der Software Palantir in Baden-Württemberg? Halten Sie es für wichtig, stƤrker auf regionale und europƤische Anbieter zu setzen?

Christiane Fichter DE City Lead Schwarzwald-Baar-Heuberg Direktkandidatin Tuttlingen-Donaueschingen Platz 13 der BW-Landesliste für die Landtagswahl 2026
Christiane Fichter:

Palantir wurde von dem rechtslibertƤren US-MilliardƤr Peter Thiel mitgegründet, der Demokratie kritisch gegenübersteht. Allein diese Herkunft und AbhƤngigkeit macht die Software Gotham für den Einsatz in kritischer Sicherheitsinfrastruktur hochproblematisch. Daneben geht mit der Software aber auch Intransparenz und Kontrollverlust einher. Zwar wurde 2023 durch das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie eine Überprüfung des Quellcode durchgeführt, diese gilt jedoch nur für die konkrete überprüfte Version und müsste für jedes Update neu überprüft werden, wie Netzpolitik.org hervorhebt, weshalb nicht sichergestellt werden kann, dass womƶglich doch Daten abfließen, bspw. an us-amerikanische Geheimdienste und es zu Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit kommt. Die von der Landesregierung geplante Einführung von Gotham ist daher keine einfache Softwareinstallation. Es handelt sich um eine strategische Entscheidung für ein Betriebsmodell, das Schulungen, AbhƤngigkeiten und langfristige Integrationen mit sich bringt. Von der Polizei genutzte Software muss aus unserer Sicht jedoch geltende Grundrechte und Datenschutz achten. Gleichzeitig sollte Baden-Württemberg sich nicht langfristig an Einzelunternehmern mit autoritƤren Weltbildern, sondern Investitionen auch unter dem Gesichtspunkt digitaler SouverƤnitƤt betrachten. Es gibt bereits Software-Alternativen in Europa, eine Mƶglichkeit besteht jedoch auch in einer Eigenentwicklung, wie Europol es vorgemacht hat. Dort war man mit den Ergebnissen der Software so unzufrieden, dass sogar eine Klage erwogen wurde. Eine Mƶglichkeit der wƤre hier aber auch Innovation Hub 110 der Polizei Hessen, der als positives Beispiel für digitale Transformation in der Polizeiarbeit gilt. Dort findet seit 2020 eine EU-orientierte Entwicklung von digitalen Tools, Apps und Analyseverfahren in transparent ƶffentlichen Strukturen statt. Polizeiarbeit soll und muss modernisiert werden, das unterstützen wir ausdrücklich, aber wir wollen eine Polizei, die effektiv, demokratisch kontrolliert und technisch souverƤn arbeitet – keine blinde AbhƤngigkeit von US-Konzernen.


4. Thema: Qualifikation einheimischer Ingenieurinnen und Ingenieure
Deutschland – und insbesondere Baden-Württemberg – verfügt über eine große Zahl hochqualifizierter Ingenieurinnen und Ingenieure. Angesichts dessen stellt sich die Frage, warum auf international umstrittene Anbieter zurückgegriffen wird, obwohl auch im Land selbst Expertise und Innovationskraft vorhanden sind.

Frage: Sehen Sie Defizite in der Qualifikation unserer Ingenieurinnen und Ingenieure – oder sollte deren Know-how künftig stƤrker genutzt werden?

Christiane Fichter DE City Lead Schwarzwald-Baar-Heuberg Direktkandidatin Tuttlingen-Donaueschingen Platz 13 der BW-Landesliste für die Landtagswahl 2026
Christiane Fichter:

Wir haben sehr viele Ingenieure und Ingenieurinnen in BW und einige international bekannte Unis und Hochschulen. WƤhrend wir gerade in der Forschung und Entwicklung Vorreiter sind, haben wir aber in der Übersetzung in Anwendungen in der Wirtschaft hƤufig noch Defizite. In Deutschland fehlt es hƤufig noch an Risikokapital für die Entwicklung und Vermarktung  von Produkten und es gibt viele Hürden für die Gründung von neuen Unternehmen. Diese wollen wir angehen und Baden-Württemberg freundlicher für Gründerinnen und Gründer machen und so langfristig die Innovations- und Wirtschaftskraft unseres Landes stƤrken.


5. Thema: Wissenschaftsfreiheit und die Rolle vom Staat
Das sogenannte Gender Health Gap beschreibt die Tatsache, dass medizinische Forschung und Behandlung noch immer überwiegend am mƤnnlichen Kƶrper ausgerichtet sind, wodurch Frauen Nachteile erfahren. In den USA wurde jüngst Forschung an Frauen und Kindern teilweise als ā€žzu wokeā€œ eingeschrƤnkt. Auch in Baden-Württemberg gab es in der Vergangenheit politische AntrƤge, die den UniversitƤten Vorgaben machen sollten. Von Zigeunerschnitzel, Schokokuss über Tofuwurst; Worte werden verboten oder neue Worte vorgeschrieben, ein * ist schon zu Anarchie geworden. Der ƖPNV wird im Schwarzwald-Baar Kreis momentan stark eingeschrƤnkt und die Kommunen werden gezwungen, zusƤtzlich zur Kreisumlage, dies auch noch zu bezahlen. Damit stellen sich die grundsƤtzlichen Fragen was die Aufgabe des Staates in einer Demokratie ist und was die Politiker mit den Gesetzten erreichen wollen.

Frage: Wie stehen Sie zur Wissenschaftsfreiheit der UniversitƤten? Wo sehen Sie ihre legitimen Grenzen – und wo beginnt politische Einflussnahme, die Sie für problematisch halten? Welche Rolle sollte der Staat in einer modernen Gesellschaft spielen?

Christiane Fichter DE City Lead Schwarzwald-Baar-Heuberg Direktkandidatin Tuttlingen-Donaueschingen Platz 13 der BW-Landesliste für die Landtagswahl 2026
Christiane Fichter:

Wissenschaftsfreiheit ist ein grundlegendes Prinzip, das gewahrt werden muss. Staatliche Projektfƶrderung ist zunƤchst kein direkter Eingriff, nimmt aber natürlich Einfluss. Wenn Programme, die sich bspw. dem Gender Health Gap widmen, gestrichen werden, also der Forschung die sich Wissenslücken in der Medizin bezüglich der gesundheit von Frauen widmet aus Ideologie heraus gestrichen wird, wie wir es in den USA derzeit beobachten kƶnnen, ist das nicht nur problematisch, sondern gefƤhrdet auch die Gesundheit von Frauen.  Gleichzeitig müssen wir auch anerkennen, dass sich unsere Gesellschaft Ƥndert und damit auch die Sprache und wie wir miteinander sprechen. Es werden keine Worte „verboten“, sie werden gesellschaftlich anerkannt als was sie sind. Rassistisch bzw. Aus einem rassistischen und/oder abwertenden Kontext. Solche Vorgaben bei FƶrderantrƤgen stellen jedoch anders als die zuvor beschriebenen EinschrƤnkungen der Forschung zur Frauengesundheit keinen Eingriff in die Forschung ein, geforscht werden kann weiterhin vƶllig frei, sofern eine sensible Sprache gewƤhlt wird. GrundsƤtzlich ist es normal, dass der Staat Schwerpunkte und Spielregeln für FƶrderantrƤge festlegt, schon weil ein (zu) begrenztes Budget für Forschung und Entwicklung zur Verfügung steht.


6. Thema: Haltung zu BDS und AntisemitismusprƤvention
Am 17. Mai 2019 hat der Deutsche Bundestag mit breiter Mehrheit (CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen) den Antrag ā€žBDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekƤmpfenā€œ angenommen. Darin werden LƤnder, Kommunen und ƶffentliche Einrichtungen aufgefordert, sich dieser Haltung anzuschließen und antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten.
Im März 2025 fand an der Volkshochschule Baar in Hüfingen eine Veranstaltung mit Bezug zur BDS-Bewegung statt. Mit unserem Geld, in unserem Raum wurden Juden entrechtet, Schändungen an Frauen gerechtfertigt und Geschichte neu geschrieben.

Frage: Wie stehen Sie zum Beschluss des Deutschen Bundestages von 2019 und zur Durchführung von Veranstaltungen mit Bezug zur BDS-Bewegung in unserer Region?

Christiane Fichter DE City Lead Schwarzwald-Baar-Heuberg Direktkandidatin Tuttlingen-Donaueschingen Platz 13 der BW-Landesliste für die Landtagswahl 2026
Christiane Fichter:

Die BDS-Bewegung ist im Kern antisemtisch und wird maßgeblich vom Palestinian BDS National Committee geführt, zu dem das Council of National and Islamic Forces in Palestine gehören, welcher Terrorgruppen wie die Hamas und die PFLP vereint. Das BDS National Committee kann insofern auch nicht als friedliche Organisation betrachtet werden. Dazu kommt, dass Flügel des BDS in der Vergangenheit auch aktiv die Verfolgung und Ausschluss von Aktivisten und Organisationen unterstützt haben, die sich für eine Verständigung und Frieden zwischen Palästinensern und Juden eingesetzt haben. Die BDS-Bewegung wird daher auch vom Verfassungsschutz beobachtet und der Beschluss des Bundestages von 2019, Antisemitismus entschlossen entgegen zu treten unterstützenswert. Gerade auch in Zeiten von zunehmendem Antisemitismus und einer sich polarisierenden Gesellschaft sind (Bildungs-) Projekte gegen Hass und für Verständigung und ein offener Dialog sowohl mit jüdischen als auch palästinensichen Akteuren wichtig. Dazu gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Politik der israelischen Regierung. Das ist und muss aber mit Akteuren möglich sein, die sich tatsächlich für ein friedliches Miteinander und Verständigung einsetzen.


Letztes Jahr zur Bundestagswahl hatten wir im Januar alle Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten. Thorsten Frei hat sogar nur einen Tag gebraucht, um zu antworten. Was sagt uns das?
Unsere Bundestagsabgeordneten sind wirklich für alle da. Derya Türk-Nachbaur und Thorsten Frei, die wirklich genug zu tun haben – und um ehrlich zu sein – es auch nicht nƶtig hƤtten sich um die Hüfinger Provinz zu kümmern. Trotzdem nehmen sie uns ernst. Kein Wunder, dass wir von Stuttgart so absolut gar nichts zu erwarten haben. Der Stuttgarter Landtag ist halt nur für Schwaben da. Aus Nostalgie mƶchte ich die Reden unserer Bundestagsabgeordneten raus kramen.

Hier letztes Jahr die Bundestagswahl und Antworten aus 2021 sind hier: https://hieronymus-online.de/landtagswahl-2021/.

Derya Türk-Nachbaur am 5. Januar 2025 in der Stadthalle Hüfingen
Thorsten Frei am 5. Januar 2025 in der Stadthalle Hüfingen

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