sind das nicht eindrucksvolle Bilder, die mir Gabriele Schroll aus Mundelfingen geschickt hat? Haben Sie so etwas schon einmal gesehen? Ich nicht und Gabriele auch nicht.
Wissen Sie, wer einen Soforttreffer gelandet hat? Google lens. Da war ich erstaunt. Ich weiß nicht, ob da KI schon Anwendung findet. Google lens verwies mich auf: https://g.co/kgs/DbtKjpt.
Es ist der Weißdorn-Gitterrost. Das besondere an ihm ist, dass er zu den wirtswechselnden Rostpilzen gehört. Erkennen Sie, welcher Busch auf den Bildern befallen ist? Nein, nicht der namensgebende Weißdorn, sondern ein Wacholderbusch im Garten von Gabriele. Dort überwintert er und bildet Sporen, die im Frühjahr die jungen Blätter, Triebe, sowie Blüten- und Fruchtstände von Weiß- und Rotdorn befallen. Hier werden im Sommer wiederum Sporen gebildet, die den Wacholder infizieren. Interessant ist, dass ein befallener Wacholder dauerhaft infiziert bleibt, während Weiß- und Rotdorn jedes Jahr aufs Neue infiziert werden müssen. In den letzten Jahren tritt der Weißdorn-Gitterrost immer häufiger auf.
Ist dieser Wirtswechsel nicht ein absoluter Hammer?
Was die Bilder zeigen, sind die gelborangen Sporenlager, die ein bis zwei Zentimeter groß sind. Diese stehen dicht an dicht, weshalb ganze Zweigpartien sehr schön verfärbt sind. Im regenfeuchten Zustand wird das ganze gallertartig. Wieder eine tolle Geschichte.
Vielen Dank Gabriele Schroll für die Bildüberlassung und die Artikelermöglichung.
heute kommt etwas Nettes mit doch erstaunlichem Hintergrund. Christiane Willmann vom Lohrenhof in Titisee-Neustadt-Schwärzenbach hat zu Ostern Plastikeier draußen im Haselnussstrauch aufgehängt, ich denke, wie viele von uns. Dann musste Sie aber leider feststellen, dass die netten kleinen weißen Eier auf dem Boden lagen.
Von zwölf Eiern passierte das bei acht, das heißt, bei 2/3 wurde die Halteschlaufe geöffnet. Sie stellte schon die wagemutigsten Vermutungen an, wer da wohl der Übeltäter sei. Ihre Vermutungen reichten von ihren Hühnern, über ihre Katzen bis zu guter Letzt zu einem Fuchs. Ihre Kinder und ihren Mann hat sie jedenfalls nicht verdächtigt.
Auf dem Bild ganz oben sieht man ein Ei mit ganzem Band und drei beschädigte. Mann oh Mann, wer macht denn so etwas?
Zwei Bilder stellte Christiane in den Status und ich wurde neugierig. Sehen Sie was los ist? Blaumeisen hacken an den Schlaufen. Die Übeltäter sind gefunden, jetzt bleibt nur noch die Frage, wieso? Ahnen Sie es schon? Ich frug Christiane, ob es in der Nähe Meisenkästen gäbe, „ja klar, einige“ sagte sie. Dann war mir der Fall klar. Die Blaumeisen müssen erkannt haben, dass das Schnurmaterial etwas ist zum Auspolstern Ihres Kastens. Ganz schön clever muss man sagen, finden Sie nicht auch? Die bunten Eier blieben alle hängen, weil die Bänder aus Stoff und Plastik waren, für die Meisen nicht zu gebrauchen. Mir fiel eine Situation vor einigen Jahren auf unserer Terasse ein, als Blau- aber auch Tannenmeisen das Vlies um die Tontöpfe zum gleichen Zwecke einsammelten, siehe Bild unten. Vielen Dank Christiane für die Bereitstellung der Bilder und die Freigabe des Textes.
Was geht einem nicht alles durch den Kopf, wenn in den Nachrichten die Treckerkolonnen anrücken, wenn man gar selbst irgendwo im Stau steckt. Und wenn in der Abendschau dann auch noch Szenen von Pöbeleien und Handgreiflichkeiten gegen Politiker serviert werden. Oder die populistischen Anbiederungsversuche von Parteiengrößen, dazu der staatsmännische Auftritt des Bauernverbandspräsidenten und dessen Bekenntnisse zur Demokratie und zur EU. Daneben Gebrüll und Slogans wie „An den Galgen mit der Ampel!“ Ob sich die Wut wohl vollends entladen haben wird, ob genügend Dampf abgelassen worden ist, wenn all die großrädrigen und PS-strotzenden Traktoren nach den Demos in die Höfe zurückgekehrt und wieder zur Feldbestellung eingesetzt sein werden? Wird man in der Landwirtschaft wohl wieder zur Normalität zurückfinden, oder ist eher ein Flächenbrand zu befürchten nach den Muskelspielen auf zugestellten Straßen und Plätzen, zusätzlich befeuert durch Lokführer- und Ärztestreik sowie von extremistischen Brandbeschleunigern mit der Aussicht auf eine saftige Quittung bei den demnächst anstehenden Wahlen in Brüssel und in den ostdeutschen Bundesländern?
Ermahnung vorm Hallenstall: „Schimpfe nie mit vollem Mund über Bauern!“
Wie sich die Agrarpolitik hierzulande seit Sicco Mansholt selig („Wachsen oder Weichen!“) seit Jahrzehnten dargeboten hat, musste sie ja selbst unter urbanen Normalbürgern Skepsis auslösen angesichts des Höfesterbens, mehr aber auch des Artensterbens. Der für Milchbauern so ruinös niedrige Literpreis ist uns Konsumenten bei Lidl, Edeka oder Aldi ja dennoch stets zupass gekommen. Und wie rasant sich in der Folge – trotz aller Subventionen und satellitengestützter Überwachung der Auflagen – das Bild der Agrarlandschaft wie das der Bauernhöfe verwandelt hat, das konnte eigentlich keinem entgangen sein. Je rascher aus Höfen „Agrarfabriken“ wurden und je üppiger die neuen Hallenställe ausfielen, desto artenärmer und monotoner entwickelte sich die Feldflur. Während sich die Baar von der „Kornkammer Badens“ in eine Maiskammer verwandelte, wurde die Diskussion über CO2- und Umweltbilanz der Landwirtschaft immer lauter und unnachsichtiger geführt – Blühstreifen hin oder her. Zugleich wuchs mit dem Zwang zur Rationalisierung der Maschinenpark in den verbliebenen Vollerwerbsbetrieben, vom Melkroboter bis zur Biogasproduktion. Wie waren da all die Investitionen überhaupt noch finanziell zu stemmen?
Am auffälligsten war die Aufrüstung mit immer noch schwereren Traktoren mitsamt deren oft mehrachsigen Nachläufern für Gülletransport und Ernte: Was waren das doch für Zeiten, als außer den Misthaufen vor den Häusern auch noch geräuschvoll dahin tuckernde Kramer-, Deutz- oder Lanzbulldogs das Dorfbild prägten; nun haben allenfalls bei Hobby- und Nebenerwerbslandwirten noch welche überlebt. Umso mehr darf gerätselt werden, wie unter den Rädern der tonnenschweren Nachfolgergeneration die Produktionskraft der „Ackerkrume“ überhaupt erhalten werden kann, zumal unterm Vorzeichen des Klimawandels mit seinen sich häufenden Hitze-, Trocken- und Überflutungsphasen.
Feldbestellung im Zeichen des Klimawandels
Vom Artenschwund in der Insekten- und Vogelwelt ganz zu schweigen, egal ob mehr vom Kunstdünger- oder vom Pestizideinsatz verursacht. Doch mit jeder erneuten Umwelt- und Tierwohlauflage staute sich noch mehr Frust an, Wut auf die Bürokraten in Brüssel wie auf die Regierenden in Berlin, sodass schließlich die Aufkündigung der bisher gewährten Steuervorteile und des Agrardiesel-Vorzugspreises der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, mochte die Ampel in Berlin noch so verzweifelt nach akzeptableren Einsparmaßnahmen gesucht haben seit dem Stopp durch das Verfassungsgerichtsurteil.
„Landwirtschaft hilft allen“, so lautete unlängst noch ein vollmundiger Werbeslogan des Bauernverbands, der auf Autoaufklebern und Plakaten weite Verbreitung gefunden hatte. Ob unter den Vorzeichen des sich steigernden Proteststurms, gar dessen Unterwanderung durch extremistische Kräfte, nicht doch das noch immer vorwiegend positive Image des Bauernstands Schaden erleiden wird – so sehr, dass sogar die Umsätze der Biolandwirte, der Selbstvermarkter und Bauernläden abzusinken beginnen? Warten wir´s ab: Kommt es zu wachsender Radikalisierung, zur Vereinnahmung durch AfD, Querdenker und Reichsbürger oder bleibt es bei halbwegs maßvoller Ausübung des demokratisch-zulässigen Demonstrationsrechts? Und nimmt man wirklich den Mund zu voll, wenn man Zweifel äußert an Sinn und Zweck der gegenwärtigen Protestwelle?
erinnern Sie sich noch an die Geschichte unten von den beiden Töpferwespen- Brutbehältern auf dem Handtuch in meinem Gartenhaus? Die Aufnahme entstand am 23. Juli 2023. Ich schrieb damals: „Das Ei entwickelt sich zur hungrigen Larve, die den Behälterinhalt leerfrißt. Dann kommt der Moment der Umwandlung und wenn die Töpferwespen fertig sind, fressen sie sich aus dem Gefängnis. Das kann im Herbst sein oder erst im Frühjahr des nächsten Jahres“. Ehrlich gesagt, ich hätte eine Wette darauf gesetzt, dass das mit dem Herbst bei uns auf der Baar nicht hinhauen wird. Trotzdem beobachtete ich die beiden Töpfe in unregelmäßigen Abständen.
Dann kam der 18. Dezember 2023 und ich war total überrascht, was ich zu sehen bekam. Beide Töpfe sahen aus, wie wenn sie in mehr als der halben Höhe geköpft worden wären und sie waren leer. Stopp, nicht ganz, im linken Topf war noch etwas Inhalt. Auf jeden Fall waren die jungen Töpferwespen verschwunden. Ich vermute, dass Sie es vorzogen, doch noch im Spätherbst ins Erwachsenenalter einzutreten. So etwas aber auch. Ich kann nur hoffen, dass sie ein gutes und sicheres Winterquartier gefunden haben. Den Restinhalt vom linken Topf versuchte ich zu sezieren. Tatsächlich fand ich ein Räupchen das offensichtlich nicht gefressen wurde. Die Natur ist voller Überraschungen und die Töpferwespe spielt dabei mit in der ersten Liga.
2. August 2023
Vom Schaffen im Garten hatte ich nasse und dreckige Hände und im Gartenhaus ging ich zielgerichtet auf ein herumliegendes Handtuch zu. Stopp, langsam, was ist denn da los? Da sind ja zwei Tontöpfchen, der Farbe nach noch ziemlich frisch, auf dem Tuch befestigt, das ist ja der Hammer. Von der Größe her nicht gerade groß und mit einem Deckel versehen.
23. Juli 2023
So weit so gut. Jetzt die Geschichte dazu:
Eine von sieben in Deutschland vorkommenden Töpferwespenarten, und zwar ein Weibchen, hat aus einem Lehmgemisch zwei Brutzellen gebaut. In jede Zelle wird ein befruchtetes Ei gelegt und jetzt kommts, der ganze Topf wird gefüllt mit kleinen Raupen und Larven. Ja wie soll das gehen? Betäuben mit dem Stachel ist die Methode der Wahl und ab damit in den Behälter und wenn er voll ist, wird er mit einem Deckel (Bild oben rechts) verschlossen. Was sagt man dazu? Man kann nur staunen. Das Ei entwickelt sich zu hungrigen Larve, die den Behälterinhalt leerfrisst. Dann kommt der Moment der Umwandlung und wenn die Töpferwespen fertig sind, fressen sie sich aus dem Gefängnis. Das kann im Herbst sein oder erst im Frühjahr des nächsten Jahres.
Bei Edmund Zeiser in Zimmern unter der Burg hat sich eine kleine Kolonie in einem Bienenstock angesiedelt.
jetzt kommt etwas über den Allerweltsvogel Sperling, auch Spatz genannt. Ich hatte ihn schon einige Male erwähnt, beim Sandbaden und als Rasensamenfresser.
Diesmal schreib ich über ihn aus einem lustigen Grund. Simone Granacher aus Waldshut-Gutenburg schickte mir das Quiz, „Erkennen Sie alle 14 heimischen Wintervögel“? Unten befindet sich der Link, so dass jeder sich testen kann. Und jetzt kommts, die Frage, handelt es sich um einen Haussperling oder um einen Feldsperling bereitete mir die größten Schwierigkeiten. Die meisten von Ihnen werden sich vielleicht wundern, aber es war so. Allerdings merkte ich, dass es anderen auch so ging, und der Gedanke, daraus einen Beitrag zu machen, war geboren.
Vielleicht kümmerte man sich um den Allerweltsvogel Spatz weniger, weil er nichts Besonderes war. Dann ergab es sich, dass sich vor kurzem ein wunderschöner Feldsperling, auf der Futterkette geradezu in Fotoposition setzte. Ganz klar, er war zu erkennen an der rotbraunen Kopfplatte, am großen schwarzem Wangenfleck und dem schmalen weißen Nackenband. Als Höhlenbrüter sehen Männlein und Weiblein gleich aus. Die beiden anderen Bilder zeigen den Haussperlinghahn und die Haussperlingdame. Muss man noch etwas zum Unterschied sagen? Graue Kopfplatte beim Hahn und das Gefieder wird als „schmutzig“ beschrieben. Jetzt ist auch der Ausdruck „Dreckspatz“ klar, auf was wir nicht noch alles kommen im alten Jahr. So jetzt bin ich froh, dass ich diese Bildungslücke schließen konnte.
heute will ich mal wieder etwas aus meinem ursprünglichen Interessensgebiet, der Vogelwelt, schreiben. In meiner Kindheit in den 60 er Jahren war mir dieser Vogel nicht so geläufig, vielleicht auch, weil er mit 12 cm Körperlänge relativ klein ist. Die letzten Jahre sind sie temporär in großen Schwärmen unterwegs, um Erlen- und Birkensamen geschickt aus den Fruchtständen zu holen. Es sind freche Burschen, denn wenn Sie im Futterhaus sind, trauen sich Meisen nur ganz vorsichtig an den Hausrand. Dieses Jahr sind sie bei mir von Anfang an stark vertreten.
Um das Futterangebot etwas flächiger zu verteilen, benutzte ich die Unterseite einer Plastikwanne. Und siehe da, obwohl es etwas rutschig herging, wurde sie recht gut besucht, 16 Exemplare weilten gleichzeitig darauf. Keine andere Vogelart ist sonst zu sehen, weil sie vertrieben wurden.
Wissen Sie schon, welche Vogelart gemeint ist? Ich vermute fast. Es sind Erlenzeisige aus der Familie der Finken.
Die Bilder unten sind entstanden, weil diese beiden Exemplare leider gegen die Scheibe geflogen sind. Ich habe sie mit ihren Flügeln am Körper in die Hand genommen. Man spürt ihren schnellen Herzschlag aber man merkt auch, dass Sie sich über die Wärme der Hand freuen. Das Weiblein war etwas stärker malträtiert, deswegen habe ich sie mit Tüchern umhüllt in einen Vogelkäfig gesetzt und in die warme Wohnung gebracht. Das Männchen war viel besser dran, ihn konnte ich nach kurzer Zeit wieder fliegen lassen. Aber auch das Weibchen kam nach einer Stunde wieder zu sich und ich entließ es wieder in die Freiheit. Als ich das Ellen Claasen berichtete, meinte Sie dass man solche angeschlagenen Vögel länger in Obhut nehmen sollte. Nicht dass Sie meinen, alle Scheibenschläge gingen so glücklich aus, aber ich schätze, so etwa die Hälfte.
Nun noch die Preisfrage, wer ist Männlein und wer Weiblein? Richtig, der schönere ist der Zeisighahn und das ist der rechte. Schauen Sie auf die filigranen Schnäbel, die in der Lage sind, an Birken- und Erlensamen zu gelangen. Sieht doch sehr gut aus, finden Sie nicht auch?
Unter der Überschrift „Alles andere als Urwald“ erschien in der Zeitschrift Der Schwarzwald 3/2022, dem Organ des Schwarzwaldvereins, ein Beitrag von Peter Grassmann1, einem der Kuratoren der Ausstellung KULT(UR)WALD im Villinger Franziskaner Museum. Sie war der Besiedelung des Schwarzwalds gewidmet und räumte mit der laienhaften Vorstellung auf, wonach das „siedlungsunfreundliche“ Waldgebirge bis zu den Klostergründungen ein undurchdringlicher Urwald gewesen sei, allenfalls „ein Kult(ur)wald eben“. (Vgl. „Kein Urwald – nirgends?“)
Nun haben auch noch zwei Forstwissenschaftler nachgelegt: Unter der Überschrift „Kulturwald in Mitteleuropa – Schwarzwald und Choriner Wald“ wird von Helmut Volk (Freiburg) und Peter Spathelf (Greifswald) in der Allgemeinen Forstzeitschrift (AFZ/Der Wald v. 6. 12. 2023) die Ansicht vertreten, die Urwaldzeit sei da wie dort viel früher zu Ende gewesen als bislang angenommen. Weshalb auch nicht der Naturwald Grundlage für die heutige Waldnutzung sein könne, auch nicht für die Bemühungen um Klimaschutz, Wasserschutz, Naturschutz und Erholung, sondern der Kulturwald. Selbst im Schwarzwald habe seit der Jungsteinzeit „ein lichter Agro-Forst mit einzelnen Baumgruppen“ dominiert.
Wie finster und unwegsam war der Schwarzwald?
Für den Choriner Wald in Brandenburg mag das zutreffen. Muss aber auch das Bild des düsteren, wilden und unwegsamen Waldgebirges, das sich wie ein Riegel zwischen die Zentren der Zivilisation im Osten und Westen schob, zurechtgerückt werden? Da stellen sich einem denn doch etliche Fragen: War es wirklich ein komplettes Trugbild, das der Märchenerzähler Wilhelm Hauff 1828 im Kalten Herz verbreitete (Dein ist all Land, wo Tannen stehen…) und das man, ausweislich der pollenanalytischen Befunde, bis unlängst ja auch von der Wissenschaft noch präsentiert bekommen hat? Ganz zu schweigen von den Schilderungen der Römer, man denke nur an die Klage des Kaisers Julian (332 – 363 n. Chr.) über den Hercynischen Wald: „In diesem Walde habe ich Naturszenen gesehen, die unglaublich sind; ich verbürge es euch durch mein Wort, dass im Reich der Römer nichts Ähnliches erblickt wird.“ Und was könnte die Mönche des Klosters St. Gallen anno 763 n. Chr. noch veranlasst haben, ausgerechnet für einen „lichten Agro-Forst“ in ihrer Urkunde den Namen „saltus Swarzwald“ zu verwenden? Wo sind schließlich „die schauerlichen Tannenhaine“ geblieben, „von denen dieses Gebirge seinen Namen hat, die sich zu allen Seiten erheben“, die ein Ferdinand Ochsenheimer 1795 noch in seinen „Streifereien durch einige Gegenden Deutschlands“ beschreibt? Mag man sich so einen „Kulturwald“ ausmalen?
Glich die Siedlungsgeschichte im Schwarzwald über Jahrtausende hinweg nicht eher einem Kampf, einem erbitterten Ringen, um den Wald daran zu hindern, sein Terrain zurückzuerobern, sobald die Landwirtschaft wieder einmal durch Klimaungunst lahmte oder die Feldflur durch Abwanderung und kriegerische Auseinandersetzungen ein paar Jahre lang brach liegen blieb? Und beschreiben die Begriffe „Forst“ und „Aufforsten“ nicht eine ganz und gar neuzeitliche Praxis aus der Ära der sog. Altersklassenwirtschaft? Dass der Schwarzwald auch immer wieder dicht bewaldet war und dass es sich dabei vorwiegend um einen Mischwald aus schattentoleranten Nadel- und unterschiedlichen Laubbaumarten gehandelt hat, mithin um die für den Schwarzwald so charakteristische Bergmischwaldgesellschaft, beweisen doch unzählige Pollenprofile. Selbst die Peutingersche Tafel (Tabula Peutingeriana), die auf einer Straßenkarte aus spätrömischer Zeit basiert, zeigt den Schwarzwald als durchgehend mit Nadel- und Laubbäumen bestockte Kulisse.
Zwar kann Bergmischwald auch im Urzustand nicht mit einem undurchdringlichen Dschungel gleichgesetzt werden. Wirklich siedlungsfeindlich und unwegsam war der Schwarzwald wohl immer nur je nach Topographie, also vor allem in den felsdurchsetzten Steilhängen des rhenanischen Teils*. Zu keinem Zeitpunkt musste er großräumig umgangen werden, vielmehr wurde er schon früh auf uralten Handelsrouten durchquert. Für Nischen mit Urwaldcharakter blieb dennoch Platz. Wie sonst sollten „Urwaldreliktarten“ überdauert haben, zu denen man ja nicht nur ein paar seltene Vogel-, Pilz- und Insektenarten, sondern im Grunde auch den Schwarzwälder „Charakterbaum“, die Weißtanne, zählen muss. Bergmischwälder sind jedenfalls bis in die Neuzeit hinein niemals durch Aufforstung entstanden; nach Rodungen und Kahlschlägen haben sie sich stets dank natürlicher Sukzession von allein wieder eingefunden: Was an diesem Mosaik-Zyklus-Prozess des Waldökosystems kann da als „Kulturwald“, gar als „Agri-Forst“ interpretiert werden?
Alles Kultur im Schwarzwald?
Wie sich zumal die Weißtanne im Schwarzwald, ihrem heutigen Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland, gegen alle Rodungswellen behaupten konnte, lässt sich mit der These vom durchweg kulturbedingten, womöglich „lichten Agro-Forst“ nicht in Einklang bringen. Nicht einmal die ordnungsgemäße Forstwirtschaft der jüngsten zweihundert Jahre hat nennenswert zu ihrem Überleben beigetragen – man denke nur an ihre Arealverluste seit Beginn der Altersklassenwirtschaft. Der Beitrag von H. Volk und P. Spathelf fällt in eine Zeit, in der nicht nur aufgrund des Klimawandels, sondern auch des Artenschwunds die Auseinandersetzungen zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft an Schärfe enorm zugenommen haben. Wobei es nicht nur um die Forderungen nach weiteren Flächenstilllegungen geht, nachdem die 2007 von der Bundesregierung beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt ihr bis 2020 angestrebtes Ziel von fünf Prozent unbewirtschafteter Waldwildnis weit verfehlt hat. Der Forstseite muss sich auch gegen den Vorwurf wehren, dass sie aus Gründen der Gewinnmaximierung noch immer Nadelholzforste bevorzuge und den Wald nach Sturm, Trockenheit und Käferfraß nach wie vor lieber als Kunstforst bewirtschafte als nach dem Vorbild der Naturwalds – als möglichst resilienter Dauerwald. Ob da die These weiterhilft, es sei ja ohnehin alles Kulturwald?
1 Graßmann, P. / Ade D. / Rademacher, L (Hrsg.): KULTURWALD Die Besiedlung des Schwarzwalds. Verl. der Stadt Villingen-Schwenningen * Das rhenanische System umfasst den Rhein und alle Flüsse, die in den Rhein münden.
beim Schneiden der Gartenhecke im November 2023 war ich sehr beeindruckt, was für kleine unscheinbare Pilze zum Vorschein kamen. Alle vier Arten fand ich an abgestorbenen Ästen und Stämmchen, was ja typisch für von holz lebenden Pilzen. Dass diese so klein und unterschiedlich sein können, hat mich erstaunt. Sieht der „Zinnoberrote Pustelpilz“ nicht farbenprächtig aus? Trotzdem muss man genau schauen, weil der Durchmesser der Fruchtkörper nur bei etwa 2 Millimeter liegt. Bei mir scheint er Feldahorn zu lieben. Typisch ist, dass das abgestorbene Holz noch berindet sein muß.
Zinnoberrote Pustelpilz
Das Bild unten ist ein schön beschirmter weißer Kamerad, von dem verschiedene Altersstufen zu sehen sind. Leider konnte ich die Art nicht bestimmen.
Den Pilz unten konnte ich als „Striegliger Schichtpilz“ bestimmen. Auch er ist ein optischer Hingucker. Er hat einen abgestorbenen Haselnußtrieb befallen.
Striegliger Schichtpilz
Auf dem letzten Bild sind kleine weiße Pilze zu sehen auf einem Lindenbaumstrunk. Leider gelang mir die Bestimmung dieser Art nicht. Ihre Formen machen Eindruck, wie Hinkelsteine stehen sie auf der Unterlage.
letzte Woche noch gefrorene Grannen in der Bürgerpost, und dann ein fast nicht mehr zu erwartender Schneeeinbruch. Ein herrliches Naturschauspiel. Ich startete einen Schneehöhenaufruf über Whatsapp. Als es bei mir im Garten 20 cm hatte, meldete Cathrin Schelshorn von der Feldberg-Passhöhe 72 cm und viele Flachlandregionen gar nichts. Erstaunliche Unterschiede. Höhepunkt war bei mir am 2. Dezember mit 26 cm, heute, am 5. Dezember ist sie auf 16 cm zurückgegangen.
Von diesem Ereignis möchte ich ein paar Bilder zeigen. Bild 1 zeigt, wie langsam aber stetig fallender Schnee ohne Windbewegung sich an jeder erdenklichen Stelle auftürmt, hier am Zaun unseres Nachbarn. Das ist doch eine schöne Verwandlung nicht wahr?
Bild 2 fasziniert mich stets aufs Neue, wenn meine zwei „Vögel“ abzustürzen drohen, weil Sie durch ihre große Oberfläche viel mehr Schneegewicht abbekommen, als das gleichschwere Gegengewicht der Glaskugel.
Vom Schnee sehr heimelig behütet sehen die beiden Eulen aus, siehe Bild 3. Bild 4 zeigt einen prächtigen Lindenbaum auf dem Auenberg etwa gegenüber des Windrades. Erkennen sie die Last, die dieser Baum tragen muss? Stellen Sie sich vor, er hätte noch seine Blätter, ich behaupte, er würde zerbersten. Dass trotzdem so viel Schnee auf ihm lastet, liegt daran, dass er noch voller Samenstände ist, zu erkennen an der braunen Farbe.
Bild 5 ist mir jetzt erst aufgefallen bei unseren hinteren Nachbarn, als ich als Urlaubsvertretung die Papiertonne bewegte. Unter Obhut einer schöner Kiefer hat sich eine große Heckenrose mit ihren Hagebutten entwickeln können. Ich finde den Farbkontrast grün, weiß und rot etwas sehr Schönes.
Jetzt ist es tatsächlich wahr geworden: Am 1. Dezember 2023 wurde im dick verschneiten Nordschwarzwald die erste Luchskatze freigelassen, und das in Anwesenheit von Forstminister Peter Hauk, der Presse und allerlei Prominenz. Tags darauf hat es Finja als Sympathieträgerin sogar auf die Titelseite des Schwarzwälder Boten geschafft – noch vor der Meldung „Problemwölfe im Visier“ und anderen heiklen Tagesthemen, dazu im Inneren dann ein ausführlicher Bericht unter der Rubrik Baden-Württemberg. Unerwähnt blieb nur der genaue Ort der Freilassung, um ja keinen Luchs-Tourismus auszulösen.
Finja auf der Titelseite
Nun soll sie, wenn alles zusammenpasst, Stammmutter einer baden-württembergischen Luchspopulation werden, im günstigsten Fall schon im kommenden Frühjahr durch Paarung mit Luchskuder Toni, der seit 2019 im Nordschwarzwald sein Revier gefunden hat, zugewandert wie vier weitere männliche Luchse und sodann besendert durch die Experten der Freiburger Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA). Auch Finja, gebürtig in einem Thüringer Wildgehege, aufgezogen und auf die Freiheit vorbereitet in einem Auswilderungsgehege im Pfälzerwald, trägt zu ihrem Schutz und zu ihrer Überwachung per Monitoring einen Halsbandsender. Weil weibliche Luchse sich als weniger wanderfreudig erwiesen haben als ihre männlichen Artgenossen, die seit 1987 immer wieder einmal diesseits des Rheins aufgetaucht sind, ist es bisher nie zu Nachwuchs gekommen. Wo das waldreiche Baden-Württemberg doch für die europäische Luchspopulation als unverzichtbarer Trittstein gilt.
Insgesamt 10 weibliche Luchse sollen deshalb bis 2027 zur Bestandesstützung ausgewildert werden, und dies bei einem Kostenumfang von 1,8 Millionen Euro, wie die Pressemitteilung 254/2023 des MLR verrät. In ihr wird der 1. Dezember als „historischer Tag für den Artenschutz“ gefeiert, zumal auch mit Spenden der Umweltverbände gerechnet werden darf. Das Auswilderungsprojekt dürfte den Agrarminister, der sich seit Jahren als Befürworter bekennt, dennoch viel Nerven gekostet und Stehvermögen abverlangt haben, auch wenn das Vorhaben ja bereits im grünschwarzen Koalitionsvertrag von 2021 festgeschrieben steht. Denn zeitgleich hat sich die Auseinandersetzung um den anderen großen Beutegreifer, um den Wolf, enorm verschärft, nachdem im Südschwarzwald – sehr zum Verdruss der Viehhalter – erstmals für Wolfnachwuchs nachgewiesen wurde und seine Rudelbildung absehbar geworden ist. Weidetiere statt Raubtiere, so lautet schon seit Jahren ein vielplakatierter Slogan der Schwarzwälder Höhenlandwirte.
So war es denn auch wenig verwunderlich, dass bis vor Kurzem noch der Luchs-Managementplans zu wackeln schien: Im Rahmen der 2004 vom Stuttgarter MLR eingesetzten AG Luchs und Wolf wurde noch einmal heftig diskutiert, wobei auch noch einmal Uraltargumente für und wider die Bestandesstützung aufgewärmt worden sind. Als Pressure-group gegen die Vorverurteilung Pinselohrs und für seine Wiederansiedlung war auch die Luchs-Initiative Baden-Württemberg e. V. wieder mit dabei, die seit – sage und schreibe – 37 (!) Jahren für den Luchs im Einsatz ist: Anno 1986, noch ganz unterm Eindruck des Kernkraft-GAUs in Tschernobyl und der Verstrahlung auch des Wilds, war erstmals die Idee aufgekommen, dessen natürliche Regulatoren, nebst dem Winter (nach schweizerischem und elsässischem Vorbild) auch den Fressfeind der Rehe, den Luchs, wieder ins Spiel zu bringen. Denn wegen des ausbleibenden Wildbretabsatzes hatten die Forstleute eine nachlassende Bejagung sowie zunehmende Verbissschäden im Wald befürchtet. Was in der Jägerschaft gar nicht gut angekommen war, von den Protesten der Landwirte ganz zu schweigen. Mochte der Agrarminister auch damals schon in seiner Pressemitteilung (vom 15. 11. 1986 Aktenzeichen 9/3640) darauf hinweisen, dass die Wiedereinbürgerung des Luchses „ein Beitrag zur Erhaltung einer in Europa vom Aussterben bedrohten Tierart“ sei und der Schwarzwald zu den dafür in Betracht kommenden Lebensräumen gerechnet werden könne.
Seit dem 1. Dezember 2023 sollte das alles Schnee von gestern sein – umso lebhafter möchten wir Finja ein langes Leben, dem Bestandesstützungsprojekt viel Erfolg wünschen!
Nichts wie raus aus der Kiste und rein in den winterlichen Schwarzwald (Foto FVA Strein)