Riesenfichte

Liebe Bürgerpostleser,

letzten Mittwoch wollte ich wiederum den Schwarzspecht in der absterbenden Riesenfichte beobachten, aber der Baum war umgesägt aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers. Na ja, die Spechte werden sicher damit klarkommen und Ersatzfuttergründe finden und aufsuchen. Für mich war der Hammer, dass der Baum in über einem Meter Höhe einen Durchmesser von 140 cm aufwies, so auf die Schnelle habe ich ihn auf 100 cm geschätzt. Die Neugier erwachte in mir, wie alt der Baum wohl sei und ich habe in der Schnitthöhe gezählt, siehe Bild 3. Können Sie es sehen? So etwa 135 Ringe, rechnet man 10 Jahre dazu für die Anfangsjahre, dann kommt man auf ungefähr 145 Jahre. So alt wird auf jeden Fall keine Sau und auch kein Mensch. Ehrlich gesagt, ich hätte bei der Breite mehr gedacht. Interessant ist, dass die ersten 43 Ringe ein sehr schnelles Wachstum zeigen, dass es zwischen dem 50 und 70 sehr langsam herging und bis zum Schluss die Ringabstände ebenfalls relativ klein sind. Es gibt einen Wissenschaftszweig, die Dendrochronologie, mit deren Hilfe man anhand der Ringabstände das Alter von Balken und damit von Gebäuden, in die sie verbaut sind, herleiten kann. Denn ungleiche Ringabstände zeigen die unterschiedlichen Jahre und so gibt es Profile, die einem Alter zuzuordnen sind. Spannend, nicht wahr?

Das zweite Bild hat mich erstaunt. Wieso diese Etage auf der Sägefläche? Des Rätsels Lösung ist einfach, sie beantwortet die Frage, wie man mit einer Motorsäge, die ein 50 cm Schwert hat, einen 140 cm breiten Baum umsägen kann. Da musste gegenüber des Fällrichtung der Baum „schlanker“ gemacht werden durch Herausschneiden von Keilen. Not macht erfinderisch, auf eine solche Idee muss man kommen, Hut ab vor dem Fällmeister.

Das nächst Bild zeigt einen vom Schwarzspecht bearbeiteten Ast vermutlich auf der Suche nach Borkenkäferlarven, die nicht ins Holz gehen, sondern unter der Rinde hausen. Ich finde, es sieht eindrucksvoll aus, er hat ja nicht nur die Rinde entfernt, sondern auch Teile des Holzes. Kunst am Ast könnte man sagen.

Das letzte Bild zeigt, dass auch schon im Holz Schädlinge eingedrungen sind, vielleicht die Larven den Fichtensplintbockes. Man kann nur staunen, wie Spechte es schaffen, gezielt nach den Larven zu hacken. Vielleicht hören sie gut und kommen über die Nagegeräusche zum Ziel.

Zu dem ganzen Thema möchte ich Johann Wolfgang von Goethe zitieren:

Solang Du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist Du ein trüber Gast auf dieser dunklen Erde.

Wilde Zerstörung einer jahrzehntealter Streuobstwiese!

01.02.2022 Hildegard und Bruno Eichinger

Ich traute am Samstag, 29. Januar kaum meinen Augen, als beim Blick aus dem Fenster auf die Wiese hinter dem Haus, die große, wuchtige Esche fehlte.
Kurze Zeit später wurden in einer „Hau-Ruck-Aktion“ sämtliche, jahrzehntealten Apfelbäume mit roher Gewalt zu Fall gebracht.
Bäume, die mein ganzes Leben und das meiner Familie begleiteten.
Zu jeder Jahreszeit hatte die Streuobstwiese, die an unser Grundstück grenzt, ihren Reiz.

Wir haben täglich den Straßenlärm vor dem Wohnhaus. Dieser Lärm ist auch im Garten hinter dem Haus deutlich zu hören.
Doch die schöne Aussicht auf die Wiese, die Obstbäume und deren Bewohner sorgt für Ablenkung und Entspannung. Immer gibt es interessantes zu beobachten.
Die Raubvögel ziehen ihre Kreise. Oft ließen sie sich auf den höchsten Baumspitzen nieder, um sich nach Nahrung umzuschauen.
Zu Brutzeiten jagen sich Raubvögel mit Elstern und Raben.
Wir konnten die „Hüfinger Störche“ beobachten, als sie Nistmaterial für den Bau ihres Nestes auf dem Kirchturm suchten. Auch zur Nahrungssuche sind die Störche auf der Wiese zu beobachten.

Interessant zu beobachten war es, wenn sich riesige Starenschwärme auf der Wiese und den Bäumen niederließen.
Vermissen werden wir das Zwitschern der vielen Wildvögel, die ihr Plätzchen in den Bäumen hatten. Auch den vielseitigen Gesang der Amseln, die sich besonders gerne in der Esche aufhielten.
Im Moment sind wir geschockt und traurig. Beim Blick aus dem Fenster, schauen wir auf ein „Bild der Verwüstung der Natur“.
Ein wunderschönes Stück Naturidylle geht durch den Eingriff des Menschen verloren und damit viele schöne Kindheitserinnerungen von mir und meiner Familie.

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Wenn die Müllabfuhr den Müll nicht beseitigt

01.02.2022 von Edith Brietzke

Wie so viele andere bin ich derzeit im Homeoffice tätig und habe das liebliche Geräusch der gelegentlichen Müllabfuhr am Morgen in meine Routine eingebaut.
Neulich, das neue Jahr war gerade ein paar Tage alt, rückte die Müllabfuhr frühmorgens an, um ihren Dienst zu verrichten. Der LKW fuhr mit viel Lärm die Straße entlang, was meine Aufmerksamkeit weckte. So früh am Morgen ist das Spektakel zugegebenermaßen spannender als meine Tätigkeit am Laptop, weshalb ich den Müllleuten kurz zusah. An diesem Tag wurde in Donaueschingen die grüne Tonne geleert.


Hierbei konnte ich Folgendes beobachten:
Auf einer der beiden Papiertonnen war ein leerer Kaffeebecher abgestellt. Dies sicherlich in der guten Absicht, Abfall dem Abfall zuzuführen. Scheinbar jedoch wusste der oder die KaffeetrinkerIn, dass to-go-Becher Plastik enthalten und somit nicht dem Papiermüll zuzuführen sind, denn warum sollte sonst jemand den Becher auf die Papiertonne stellen, statt ihn hinein zu schmeißen?
Als der Müllmann nun zur Tat schritt und die Tonne an den LKW hängen wollte, damit sich diese leerte, konnte er den Becher ebenfalls nicht in die grüne Tonne werfen, da er dort schlicht nicht richtig einsortiert ist. Das gebietet neben dem menschlichen Verstand wohl nebenbei auch die Berufsehre. Ein öffentlicher Mülleimer oder andere Mülltonnen, gar gelbe Säcke, waren nicht in der Nähe. Kurzum ließ der Müllmann den Becher auf den Boden fallen, sichtlich nicht zufrieden mit seinem Verhalten.
So ruckelte der schnaufende Lastwagen auch schon auf, der Müllmann sprang auf den Tritt am Ende des Gefährts und sie setzten ihre Tour fort. Der Becher lag nun dort am Boden, stumm bei mir nach Aufmerksamkeit schreiend, ob dieser Kleinigkeit, die viele Menschen in schleierhafter guter Absicht ignorieren. Als ich eine Stunde später hinaus gehen wollte, um den Becher zu entfernen, war dieser bereits vom Wind außer Sicht getragen worden. Szenen wie diese spielen sich vermutlich häufig, wenn nicht täglich ab. Darum ist es sehr wichtig, dass wir alle unseren Müll korrekt entsorgen. Wir lösen damit keine Probleme, Abfall wie einen einmal benutzten Kaffeebecher in scheinbar guter Absicht auf eine fremde Tonne zu stellen. Denn das Problem verlagert sich nur auf den oder die NächsteN. Im schlechtesten Falle landet der Müll, den wir wohlwollend mangels Alternativen anderen aufdrücken, irgendwo in der Natur.


Besser wäre es doch für sein Konsumverhalten einzustehen und wenigstens den Minimalaufwand zu betreiben, gekauften Abfall in den nächsten geeigneten Mülleimer zu werfen – oder besser noch: wie wäre es mit dem guten alten Thermo-Becher von daheim? Schützt Umwelt UND Geldbeutel!

Schwarzspecht

Liebe Bürgerpostleser, 

im Schlosspark an der Donaueschinger Donau 200 m vor dem Zusammenfluss mit der Breg ist direkt am Weg eine Riesenfichte am Sterben. Die ersten etwa acht Meter sind noch grün, der Rest ist mausetot. Nicht mehr lange, dann sieht der ganze Baum so aus. Traurige Sache.

Das ist die einen Sache. Die andere ist, dass ein solcher Baum Nahrungsquelle ist zum Beispiel für Spechte. Als ich am 13. Januar das erste Mal dort war, waren gleichzeitig drei Spechtarten zu sehen.

Das Bild zeigt ein Buntspecht Männchen, den Grünspecht habe ich leider nicht erwischt, dafür aber den Schwarzspecht. Und das hat mir sehr gefallen, denn den wollte ich Ihnen schon lange vorstellen. Was mich sehr überraschte, dass der große Kerle nicht am Stamm arbeitete, sondern an den Ästen, auch an relativ dünnen.

Dort ist auch schön der schmale Hals dieser Spechtart zu sehen.

Auf dem nächsten Bild sieht man, was charakteristisch ist für Schwarzspechte, nämlich die weiße Iris und die gekrümmte Pupille, hammerhart, finden Sie nicht auch? Dort sieht man auch, dass ein Weibchen am Arbeiten ist, der rote Fleck bedeckt nur den Hinterkopf, beim Männchen ist der Oberkopf bis zum Schnabel rot. Was denken Sie, wie groß der Schnabel ist? Sagenhafte 5-6 cm.

Das letzte Bild zeigt, dass er auch gegen die Schwerkraft von unten am Ast klar kommt. Interessant zu sehen war, dass die Schwarzspechtdame nur eine wenig oberhalb der grünen Zweige die Rinde entfernte. Ich vermute, dass im abgestorbenen Teil oberhalb nichts Fressbares mehr zu finden ist. 

Herzliche Grüße

Franz Maus

Merkur

Liebe Bürgerpostleser,
der 1. Januar 2022 war herrlich. Die ersten beiden Bilder stammen davon.
Das erste wurde vom Auenberg Richtung Mundelfingen aufgenommen und zeigt das Alpenpanorama als dunkle Front, ich dachte, das ist doch einmal etwas anderes. Über der dunklen Kette allerdings sieht man noch das zartes Abendrot.

Das zweite Bild ist etwa zeitgleich Richtung Westen vom gleichen Standort aufgenommen worden. Sehen Sie den Lichtpunkt über den Schwarzwaldhöhen? Haben sie eine Ahnung, was das sein könnte? Genau, Sie wissen es bestimmt. Es ist Merkur, der nächste Planet zur Sonne. 

Weil er so nah ist, hat er eine schnelle Umlaufbahn und ist nicht allzu häufig zu sehen. Die momentane Abendsichtbarkeit dauert vom 12. Dezember 2021 bis 17. Januar 2022 und am höchsten über dem Horizont steht er vom 7. bis zum 13. Januar 2022. Also, es ist relativ wenig Zeit zum Schauen, vor allem, wenn es am Horizont bewölkt ist. 

Ich wünsche Ihnen Glück, dass es Ihnen gelingt.

Die nächsten zwei Bilder haben mich zum Erstaunen gebracht. Wissen Sie, um welche Frucht es sich handelt? Es handelt sich um eine Eiweißpflanze, die ich aus meinen längst vergangenen Studienzeiten, aber nicht als Winter-, sondern nur als Sommerfrucht kannte. Kommt so langsam die Erleuchtung bei Ihnen?

Es ist die Winterackerbohne, eine relative junge Neuzüchtung, bedingt auch durch den Klimawandel. Bei uns hat sie noch eine geringe Bedeutung, in England wird sie stärker angebaut.
Es ist immer interessant, was einem so alles vor die Linse kommt, immer wieder ist etwas Überraschendes dabei.


Herzliche Grüße
Franz Maus

Beton für Fürstenberg

Da der Südkurier wieder falsche Behauptungen aufstellt, wollte ich hier die Stellungnahmen vom „Naturschutz“ noch einmal hervorheben.

Die Meldung unten vom 20.01.2022 im Südkurier entspricht nicht der Wahrheit.

Es gab keine Diskussionen, keine Ausgleichsmaßnahmen, da nach 13b gebaut wird und keiner vom Naturschutz ist zufrieden. (Davon abgesehen ist das über die Römer auch Mist.)
Einzig und alleine das Landratsamt hat die Abholzung der Streuobstwiese genehmigt. Dies wird vom Südkurier harmlos als „Umwandlung“ bezeichnet.

Alles schien perfekt zu laufen. Auch Diskussionen mit dem Naturschutz um Streuobstwiesen und Ausgleichsmaßnahmen, fanden für beide Seiten ein zufriedenstellendes Ende.

https://www.suedkurier.de/region/schwarzwald/huefingen/warum-die-alten-roemer-die-erschliessung-des-huefinger-neubaugebiets-hondinger-strasse-vorerst-gestoppt-haben;art372521,11020499

Da wir alle auf der Schwarzen Liste des Südkuriers stehen, dürfen wir uns bei der Zeitung dazu nicht öffentlich äußern. Deshalb hier.

Von Hannah Miriam Jaag am 01.06.2020

Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG)
§ 44 Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten

(1) Es ist verboten, 
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
4. wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören

In Hüfingen werden manche Gesetze besonders ausgelegt, als wichtig erachtet und durchgesetzt, andere Gesetze werden ignoriert. Je nachdem, wie es momentan den Herren in den Kram passt.

Das Gesetz oben zählt zu den lästigen Gesetzen und wird deshalb ignoriert. Dies geschieht zum Teil mit Wissen der Unteren Naturschutzbehörde die mir schon mitgeteilt hat, dass dieses Gesetz im Schwarzwald-Baar Kreis nicht „so eng gesehen wird

In Fürstenberg wird nach dem berühmten Beton-Paragraph gebaut. Der § 13b des Baugesetzbuches erlaubt es Wohnbaugebiete ohne Flächennutzungsplan, ohne Umweltprüfung, ohne Eingriffskompensation und mit reduzierter Bürgerbeteiligung durchzuziehen.

Und genau dies geschieht in Fürstenberg. So wurde im Winter schon vorsorglich ein Teil der Streuobstwiese gefällt. Auf Grund der Besonderheiten des Beton-Paragraphen wurden die Vorkommen der Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Großes Mausohr (Myotis myotis) und Braunes Langohr (Plecotus auritus) gleich gar nicht untersucht.

Bleiben wir lieber bei der Aussage des Ortsvorstehers, dass alte Obstbäume ja keinen Wert haben. Genau so wenig Wert wie das Bundesnaturschutzgesetz. Mann ist ja keine Fledermaus oder gar ein Insekt.

Aber kommen wir zu den Kompensationsmaßnahmen, die ja wegen 13b nicht gefordert werden, die aber die Stadt Hüfingen vielleicht trotzdem durchführen könnte.

Eigentlich würde sich hier unser Umweltbüro anbieten, das ja auch von Hüfingen mit finanziert wird, aber leider hat sich der Hüfinger Bürgermeister dafür entschieden nicht mit kompetenten Menschen Rücksprache zu halten.

Was ist überhaupt eine Streuobstwiese?

Bei einer Streuobstwiese stehen hochstämmige Obstbäume auf Wiesen, Weiden oder Mähweiden. Dies hat sogar das Planungsbüro begriffen. Deshalb wurde im Bebauungsplan die Anpflanzung von hochstämmigen Obstbäumen gefordert.

Als Hochstamm bezeichnet man Obstbäume, deren Kronenansatz in mindestens 180 – 220 cm Höhe liegt – gültige bundesweite Norm seit 1995. Bundesweit? Nein, nicht in Baden-Württemberg. Deshalb werden in Baden-Württemberg aus Kosten- und Intelligenz- gründen von den Kommunen die falschen Bäume nachgepflanzt.

Unser Antrag die Hochstämme mit mindestens 180 cm zu spezifizieren wurde vom Gemeinderat Hüfingen abgelehnt. In diesem Fall wohl zufällig nicht aus Kostengründen, sondern wegen des anderen Grundes.

Falls einer meiner Leser mal in den Genuss kommt eine Streuobstwiese anzulegen, wollen wir Ihnen daher das Know-How zur Pflanzung der ökologisch so wertvollen Obst-Hochstämme geben.

Der Erfolg der Pflanzung hängt maßgeblich von der Qualität des Pflanzgutes ab. Die Obst-Hochstämme sollten folgenden Qualitätskriterien entsprechen:

  • Hochstämme mit Stammhöhe >180 cm
  • Stammumfang in 1 m Stammhöhe mindestens 7-8 cm
  • Krone aus mindestens 4 starken Leittrieben
  • Veredlungsstelle mindestens 10 cm über den Wurzeln
  • Veredlungsunterlage: Sämling oder stark wachsende vegetativ vermehrte Unterlage
Alter Birnbaum auf dem Bauplatz in Fürstenberg

Der SPD war übrigens der Zerstörung nicht genug in Fürstenberg und es wurde gefordert die obere Streuobstwiese wegen einer „Verdichtung“ auch noch platt zu machen.

Weil, wenn man Fledermäuse nicht sieht, gibt es sie selbstverständlich auch nicht.

Keine Hiobsbotschaft aus dem Höllental

Die Tanne war wie lebend
In Trauermelodie
Durch alle Fasern bebend
Sang diese Worte sie:

Du kehrst zur rechten Stunde,
O Wanderer, hier ein
Du bist´s, für den die Wunde
Mir dringt ins Herz hinein!

Aus: Justinus Kerner (1786-1862): DerWanderer in der Sägemühle

Es geht nicht gut aus im Gedicht Der Wanderer in der Sägemühle des dichtenden schwäbischen Arztes Justinus Kerner, weder für die Tanne, die in der Sägemühle zerlegt wird, noch für den Wanderer, zu dessen Sarg sich die vier Tannenbretter zusammenfügen lassen. „Trauermelodien“ stimmen derzeit nicht nur die Medien an, wenn es den Zustand der Wälder zu beschreiben gilt; in den Berichten tragen selbst die unlängst noch als klimahart gepriesenen Weißtannen Trauer nach den drei so extremen Trockenjahren, von den Fichten ganz zu schweigen. Da möchte man sich doch auch selbst ein ungeschminktes (weder allzu desolates noch touristisch geschöntes) Bild vom Gesundheitszustand verschaffen: Wie haben die Tannen wohl den Trockenstress überstanden – gar in den blocküberlagerten sommerseitigen Steilhängen des Höllentals? 

Eben dort hatte ich vor vierzehneinhalb Jahren Motive für mein Tannenbuch1 gefunden, fünf Jahre nach jenem trockenheißen Rekordsommer 2003, der nur Weinkennern positiv als Jahrhundertjahrgang in Erinnerung geblieben ist. Wo, wenn nicht hier, müssten die überalterten Tannengreise doch mittlerweile am Darben und Verdursten sein: In den Blockhalden hoch über dem Zinken Posthalde mit seinem einstigen Gasthaus Adler, das zur Hälfte mitsamt der hauseigenen Sägemühle dem vierspurigen Ausbau der B 31 hatte weichen müssen wie auch mit einer Station der Höllentalbahn, wo seit dem Ende der 1970er Jahre kein Zug mehr hält. Und wo, wenn nicht im Henslerwald, im Privatwald der seit dem 17. Jahrhundert hier ansässigen Posthalter- und Gastwirtefamilie Hensler. Das Waldsterben der 1980er Jahre hatten die Tannen, all der Abgasbelastung des nicht mehr abreißenden Verkehrsstroms auf der Bundesstraße zum Trotz, leidlich überstanden wie auch die Orkane der 1990er Jahre. Gewiss, es war auch die eine oder andere Tanne vorzeitig rotbraun und abgängig geworden, wie sich mir der Bergmischwald damals präsentiert hatte, zerzaust auch da und dort von den Stürmen. Sogar die bizarre, uralte Kandelabertanne hatte es zerrissen, die ich hoch oben in der Halde entdeckt und für mein Buchprojekt reserviert hatte.

Kandelabertanne im Henslerwald
Nach dem Orkan Lothar vom 26. 12. 1999

Doch alles in allem schienen mir die Tannen, wie ich sie im Jahr 2008 mit der Kamera  festgehalten hatte, weitaus besser dazustehen als befürchtet. Zwar zeigten die Storchennestkronen vielfach noch die  aus den Jahren des Waldsterbens sattsam bekannten Verlichtungen, doch die Ausfälle hatten sich offensichtlich in Grenzen gehalten – selbst auf den extremsten Standorten der Halde.

Aufnahme vom Februar 2008

Nun also ein erneuter Krankenbesuch, diesmal bei strahlendem Hochdruckwetter im allzu lauen November 2020 und nach einem Jahr, das bereits jetzt einen neuerlichen Wärmerekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen versprach. Den Wagen vor dem lärmumtosten einstigen Gasthaus  abgestellt, die Bergschuhe geschnürt, den Rucksack mit der Kamera geschultert und gemächlich den steilen Schleifweg hochgestiegen, über welchen die Henslers seit vier Jahrhunderten ihre Tannen zur Sägemühle brachten – wie heute noch zum kranbeschickten Holztransporter an der Hofeinfahrt. Die Henslers sind auch diesmal am Holzschleifen, der Senior auf dem Schlepper, der ebenfalls bereits graubärtige Schwiegersohn zu Fuß beim Abhängen und Poltern der Laubhölzer, die sie sich für den Heizbedarf aus dem Hang geholt haben. Vom jüngeren der Beiden möchte ich nach kurzer Begrüßung wissen, wie er die gegenwärtige Lage im Wald einschätzt: „Was machen denn Eure Tannen da oben?“, frage ich ihn, „wie haben sie den Sommer überstanden?“ „Sie stehen noch“, ist seine lakonische Antwort. Worauf ich ihm erkläre, dass ich mich extra ihretwegen mit der Kamera in den Henslerwald aufgemacht habe.

Alsdann klettere ich über die Felsbrocken der Geröllhalde hinweg exakt zur Stelle, von wo aus ich damals, zwölf Jahre jünger und auch etwas geländegängiger noch, fotografiert hatte. Und o Wunder: Gar nichts Dramatisches scheint sich inzwischen ereignet zu haben – die Tannenkronen wollen mir jetzt eher voller und dichter benadelt erscheinen als auf den Fotos von damals! Als ob nicht unlängst erst der Waldzustandsbericht Gegenteiliges vermeldet hätte: Noch nie seit dem Jahr 1984, der Ersterfassung, sei die Benadelung der Baumkronen so schütter gewesen wie gegenwärtig! Gewiss, da oben strecken ein paar Käferfichten ihre dürren Dolden oben heraus, wie sie ja auch auf der Herfahrt bereits das Waldbild der Sommerhänge des Höllentals geprägt und verunziert haben. 

Macht jetzt etwa auch die Weißtanne schlapp? – so hatte ich im Frühjahr 2020 angesichts all der Hiobsbotschaften im forst- und holzwirtschaftlichen Fachblatt2 gefragt? Entsetzt über die Zunahme des Schadholzprozente auch der Weißtannen in den forstlichen Statistiken und über die Waldbilder oberhalb der Stadt Freiburg mit all den braun verfärbten, vom krummzähnigen Tannenborkenkäfer befallenen Weißtannen in den flachgründigen Hanglagen um den Kybfelsen, hatte ich die Befürchtung geäußert, dass nächstens auch mit der Weißtanne kein Staat mehr zu machen sein könnte. Wo sich die Experten der Freiburger Forstlichen Versuchs und Forschungsanstalt beim Thema Waldumbau im Klimawandel doch längst mit Libanonzedern und Douglasien anstatt mit Tannen befassen.

Aufnahme vom November 2020

Doch hier, beim Blick über die Blockhalde hinweg, fasse ich mit einem Mal wieder Hoffnung für diese Baumart, verspüre ich einen neuerlichen Schub an Sympathie, wie sie mich schon ein Berufsleben lang begleitet und für die Weißtanne motiviert hat. Sodass mich nun der Schleifweg dazu verleitet, ihm noch ein ganzes Stück bergauf zu folgen. Im Gegenlicht sind – allem Anschein nach – kerngesunde Tannenkronen zu bewundern mit reichlich Kerzenpracht obendrauf, von der Novembersonne prächtig in Szene gesetzt vor dem schwarzschattigen Gegenhang. Derweil sind am Unterhang die beiden Henslers noch immer am Holzschleifen, weshalb ich, unten angekommen, einen Moment bei ihnen verschnaufe, vielleicht um sie ein wenig teilhaben zu lassen an meiner neu gewonnenen Zuversicht. Was auf freundliche Erwiderung stößt. 

Schließlich, am einstigen Gasthaus „Adler“ wieder angelangt, tritt eben die Henslerin vor die Tür, und wir begrüßen uns recht vertraut, denn nach den zwölf Jahren hat sie mich offensichtlich wiedererkannt. Auf meine Frage, wie denn nun sie den Zustand ihres Walds einschätzt, berichtet sie, kürzlich erst selber den Schleifweg hinaufgestiegen sein: Ob der vielen Dürrständer sei sie erschüttert gewesen! Ob ihr die Weißtannen da oben nicht doch auch Anlass sein könnten für mehr Gelassenheit, hätte ich sie zum Abschied gern gefragt, die gleichmütigen Äußerungen des Schwiegersohns noch im Ohr und die Zapfen tragenden Tannenkronen noch vor Augen – doch dann habe ich die Frage wieder runtergeschluckt. Genug der Hiobsbotschaften und der „Trauermelodien“ nach Justinus Kerner um die Tannen?

1Hockenjos, W.:Tannenbäume. Eine Zukunft für Abies alba. DRW-Verl. 2008.
2Hockenjos, W.: Macht jetzt auch noch die Tanne schlapp? Holz-Zentralblatt v. 17. 4. 2020 Nr.16 S. 303.

Uuvergänglichs Zindelstoener Bahhöfle

Rauhriiff Strahleglanz

Gschechteverzeller sottet konni Bewies hinverribringe
Sie sottet Träum hinterlau
Dene mir aagregt nohsinniere kennet

D Schwiizer Nationalhymne, de schwülschtig „Schwiezer Psalm“, fang aa mit „ Trittst im Morgenrot daher, seh ich dich im Strahlenmeer ……..„. S Zindelststoener Bahhöfle erstrahlt noch knackige Rauhriif- Frostnächt noch über 50 Johr au wieder im glitzige, kristallne Rauhriif Strahlekranz. Obwohl des Bregtalbähnli scho vill Johr still gleit isch, des legendär, hölzern Zindelstoener Bahhöfle abmuntiert wore isch, und die Holzverladerampe vum zwei gleisige Bahhof im me Waldstreife grad wieder vu de Natur zruckeroberet word, strahlt des Relief- Bahhöfle wieder bei me Riife, nit i me Strahlemeer, aber i me Eiskristallkranz.
1972 also isch de Goldig Schwellenagel vu 1895 us de Holzschwelle uussizoge wore und des herzig, segensriich Bregtalbähnli isch in en lange Schlummer gfalle.

Zindelsteiner Bahnhof mit Doornkatwerbung um 1955, im Hintergrund der „Schwarze Bube“

S hölzern Bahhöfle mit de Doornkaat Werbung hät sich en Huverzover für fufzg Mark unter de Nagel grisse und en Bienstand druus baut. Aber au der isch zwischeziitlich leider vermauchet. Wurum die Norddeutsche Kornschnapsbrenner uusgrechnet z` Zindelstoe am Bahof gworbe hond, isch dem Werbeplakat schwer zum ablausche. Amend hond sie gwisst, dass die Beerliwieber i ihrne Heidelbeerkante hählinge so e Fläschli verschoppet hond. So en Kornfusel- Flachmaa hond sie gnitz no vor de Abfahrt is Bregtal an Halleberg beim Feroldi am Eschinger Bahhofskiosk iikromet. Au die Schaffner und Lokführer hond gern so en Schluck gnomme. Hät nit der Lokführer im Erinnerungs- Relief vum Künstler Heiner Graf eweng e roti Nase und d Schildkappe eweng schreeg uff ?

Erinnerungsrelief an Zindelsteiner Bahhöfle, Bregtalbähnle und Anton Durler- Loipe nach Heiner Graf.

Oder hond nit au die hagebiechene Waldarbeiter und Schloepfer immer so en Buddel us de Wolterdinger Glasi im Vesperrucksack zwischem Speck- Ortmogge, de greichte Schwarzwurscht und em Ranke Buurebrot ghet ? Iipackt i druckergschärztem Ziitingspapier oder em letzte Konradsblatt.

Rucksack- Schnappsbuddel von der Wolterdinger Glasfabrik.

D Gleis sind bald mol i Schmelzhochöfe verkochet wore. Amend isch des rostig Iise vu dem jetzt uffgstellte Bahhöfle- Lokomotive- und Langläuferrelief sogar us dem Aaltisse gwalzt wore ? De Hammricher Granit Bahschotter isch zu me andere herte Schotter, zu dene Mark und Pfennig, umgmodlet wore, also verscherblet wore. Und die überzellige Bahhöfle im Hammer, z Verrebach, Schönebach und em Rohrbe a Bürger verkipperet wore. S Rollmatrial, de Schienebus, de Rot Arnold, de sogenannt Jägermeister- Express, mit em legendäre Jägermeister Uffdruck, isch zum Toel verreist zu gütige Iisebahfreund i dene ihrne Museums Hangar. Zwei Wäge lieget im Fundus vu de Kandertäler Museumsbah und wartet mit wehmüetigem Hoemweh, dass sie amend bald emol vu Bregtäler Nostalgiker wachküsst werdet.
E Paar mol im Johr erstrahlt aber des Iisig, rostig Kultbahhöfle im strahlende Schneekristallglanz.
De Modellbau Faller us em Gietbach, hät des Bahhöfle eweng verhübscht und uffgmotzt, selli erfolgriich zu tausende verscherblet. De Name Zindelstein isch i IIsebähnlerkreis berühmt wore. Obwohl i de vor GOOGLE Ziit so guet wie kon gwisst hät, wo Zindelstein isch.

Der legendäre, verhübschte HO Faller- Modellbau Zindelsteiner Bahnhof.
Faller Modellbau Bahnhof Zindelstein mit Güterhalle und Plumpsklo Hinweis und (gültigem ?) Fahrplan.

Die andere, frostfreie Täg im Johr muess de original Glas – Zindelstei, wo a dem Relief hanget, de Glanz vu de Burg Zindelstoe und em durch de Fallerbahhof berühmt Zinke Zindelstoe zum Blinke, zum „Zindeln“ und Erstrahle bringe.

Werner Engesser spielt den Bregtälerblues bei Einweihung Relief mit blitzendem (Original) Glas- Zindelstein.

Ja so wars, und so isches mit em langewige Bregtalbähnle

Zindelsteiner Relief nach Rauhreif Morgen im Januar 2022

Laizismus oder Kindergärten in katholischer Trägerschaft

Wesensmerkmale katholischer Kindergärten

Das Mitarbeiterinnenprofil

Für alle Mitarbeiterinnen in katholischen Kindergärten gilt: Durch ihre Tätigkeit tragen diese dazu bei, dass die jeweilige Einrichtung ihren Teil am Sendungsauftrag der katholischen Kirche erfüllen kann. Deshalb muss sich das gesamte Handeln und „Sein“ der Einrichtung an der Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche ausrichten. „Der kirchliche Dienstgeber kann pastorale, katechetische sowie in der Regel erzieherische und leitende Aufgaben nur einer Person übertragen, die der katholischen Kirche angehört.“ (Grundordnung des kirchlichen Dienstes)

Die Folge davon ist, dass

  1. alle Erzieherinnen in katholischen Kindergärten katholisch sind, und 
  2. „die rechte Gesinnung“ nachgewiesen werden muss. 

Dies sorgt für eine Selektion der Bewerberinnen für Stellen in diesen Kindergärten!

Wenn Eltern ihr Kind in einen katholischen Kindergarten bringen, haben sie es automatisch mit einer eingeschränkten Auswahl an Erzieherinnen zu tun. Dies mag von manchen Eltern gewünscht sein. Aber diese Eltern bezahlen auch gerne eine Kirchensteuer.

Was ist mit allen anderen Eltern?

Diese müssen in Hüfingen lange Fahrten auf sich nehmen, um ihre Kinder in städtische Kindergärten zu bringen. Trotzdem werden ihre Steuern an die Kirche gezahlt, um Kinder im römisch-katholischen Dogma zu erziehen.

Laizismus in Deutschland

Der Katholizismus akzeptiert seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine relative Laizität des Staates und der weltlichen Sachbereiche, hält aber an seinem geistlichen Absolutheitsanspruch fest.

Christliche Kindergärten werden vom Staat grundsätzlich im Rahmen der Grundversorgung gefördert. Dies heißt am Beispiel Hüfingens, dass die Stadt Kindergärten plant, baut und dann später der Kirche absolute Hoheit über die Erziehung der Kinder gibt. Ja, die Kirche auch noch dafür bezahlt.

Blick über den Tellerrand von Hüfingen

Blumberg
4 kommunale und 4 kirchliche Kindertagesstätten.

Bräunlingen
1 Städtischer Kindergarten, 2 kirchliche Kindergärten.

Brigachtal
4 gemeindeeigene Kindergärten.

Donaueschingen
9 städtische Kindergärten, 6 kirchliche Kindergärten und 1 Naturkindergarten in freier Trägerschaft.

Löffingen
6 städtische Kindergärten.

Hüfingen
0 städtische Kindergarten, 4 (5) katholische Kindergärten, 1 evangelischer Kindergarten.

Fazit

Hüfingen ist nicht attraktiv für junge Erzieherinnen, die sich nicht in das alte patriarchale Dogma einfügen möchten. Eltern die ihre Kinder lieber in Toleranz, Naturverbundenheit und auf Augenhöhe mit anderen Kulturen aufwachsen sehen möchten, müssen hohe Kosten und weite Wege in Kauf nehmen.

Es ist mir durchaus klar, dass die Stadt Hüfingen seit einiger Zeit kein begehrter Arbeitgeber mehr ist. Aber der Kirche viel Steuergeld zu bezahlen und den Eltern keine Auswahl zu lassen, kann und darf nicht die Lösung für junge Familien sein.

Aquari – Warum man sich nicht traut?

15. Januar 2022 von Frank Meckes

“Warum finden immer wieder diese Diskussionen mit Vermutungen, unvollständigen Aussagen und Halbwahrheiten beim Thema Hallenbad statt?“, fragte Stadträtin Skodell am 17.10.2019 im Schwarzwälder Boten zu Recht. Liebe Frau Skodell, haben Sie schon eine Antwort erhalten? Ich fürchte nicht. Auf der Facebookseite >SPD Hüfingen< haben Sie im Dezember 2021 nochmals die Thematik in gleicher Weise aufgegriffen. Also mehr als 2 Jahre nach Ihrem Aufruf, dass die Aquari-Situation nun endlich mal konkret angegangen werden soll!

Als Bürger habe ich mich nun nach 6 Jahren der Diskussion zum Hallenbad in Hüfingen auch gefragt, was da eigentlich los ist und mir die Presseartikel der letzten 10 Jahre angesehen. Für jeden, den es wirklich interessiert, ein spannender Verlauf, den die Öffentlichkeit hier zu lesen bekommt. Zu Beginn zeigte sich ganz offensichtlich auch hier – ähnlich anderen Stellen innerhalb der Verwaltung in dieser Zeit – eine hohe Personalfluktuation. Schon das Aquari hatte dauerhaft ein Leitungsproblem (mindestens 4 Namen in 6 Jahren), dass dann über die Einbindung der Bäder Competenz GmbH im Jahr 2017 gelöst wurde. Ein für die Stadt kluger Schritt, kehrte doch dann hinsichtlich des Personals erstmal Ruhe ein. Doch die Ruhe währte nicht lange.

Seit 2019 wurde das Aquari mit erschreckenden Gutachten in der Öffentlichkeit erwähnt und Wahnsinnskosten, die auf die Gemeinschaft der Stadt zukommen sollen. Da wurde neben der klaren Befürwortung des Bades von Seiten der SPD auch von Schließung geschrieben (BFSO). Der (fast schon gewohnte) Hauch von Gleichgültigkeit in der öffentlichen Diskussion drang aus der Fraktion von CDU und UWG/FW/FDP.

Es stellt sich dabei auch die Frage, warum der gesamte Gemeinderat nicht vehement an diesem wichtigen Thema der Stadt – schließlich geht es um ein Investitionsvolumen nach den Gutachtern (für Sanierung und Neubau) in Höhe von 13 Millionen Euro Stadtvermögen, wenn wir dem Pressebericht vom 12.04.2019 („Aquari-Pläne werden richtig teuer“) folgen – nicht eingesetzt hat. Bei anderen wichtigen Themen, wie der Unechten Teilortswahl ging es ja auch. Klar ist die Haltung der SPD. Die CDU versteckt sich hinter presseöffentlichen Floskeln und die FDP äußert sich wohl nur, wenn der Fraktionssprecher von UWG/FW/FDP anwesend ist (Schwabo vom 20.09.2019 „Aquari sollte bald Thema sein“).

Aufgefallen ist dagegen die Tatsache, dass durch das Absenken der Wassertemperatur dem Behindertensportverein Hüfingens 2017 der Hahn abgedreht wurde. Da wäre eine klare Kante des Behindertenbeauftragten (CDU) lobenswert gewesen, jedoch war von diesem hier zu nichts zu lesen. Dagegen von einem anderen Stadtrat der CDU, der die Öffentlichkeit über die Sozialen Netzwerke nutzte, um eine Entscheidung hier schlussendlich zu „erzwingen“.

Bringt das neue Jahr 2022 nun die Wende? Hat die CDU im neuesten Hüfinger Boten vom 12. Januar 2022 doch auf Seite 22 in Ihrem Fraktionsgrußwort davon geschrieben, dass „in diesem Jahr eine Entscheidung fallen muss, wie es mit dem Aquari weiter geht“. Da stellt sich mir die Frage, warum sich die SPD dieses Thema bereits seit über 3 Jahren auf die öffentliche Agenda schreibt und es für die CDU bisher keine so wichtige Rolle gespielt hat. Oder soll das Aquari das Wahlkampfthema zur anstehenden Bürgermeister- und Gemeinderatswahl werden? Davon gehe ich nun nicht aus, wäre dieses Vorgehen doch eher plump. 

Oder braucht es noch mehr Zeit, da man nun in den Bürgerfragebögen zum sogenannten Zukunftsdialog das Aquari zum Kernthema erhoben hat? Mit einer scheinbar ganz neuen Investitionsoption, nämlich einer Sanierung über 5 bis 7 Millionen Euro, die dann 15 Jahre halten soll, wie aus dem Fragebogen zum Zukunftsdialog zu lesen war. Und dann? Bereits im Jahr 2001 hat die Stadt mit 3,1 Millionen und dann gute 10 Jahre später nochmals mit einer Million eine Sanierungsinvestition in Hallenbad und Sauna getätigt, hinzu kam der Rutschenanbau. Die Fassadenarbeiten und die Verschönerung durch den Fassadenkünstler Karsten Kruse im Zusammenwirken mit der Firma Labor wurde dann auch nicht mehr öffentlich mit Zahlen unterlegt. Doch ob ich lieber das Aquari als Familienbad oder als Sportstätte nutze, hilft über das neue Investitionsvolumen auch nicht hinweg. 

Auffällig ist im gleichen Fragebogen nur ein Absatz weiter, dass hier 3 Optionen genannt werden, wie es mit dem Bad nun weiter gehen könnte. Die hier dargestellten Geldwerte weichen jedoch stark von den Gutachten und dem dargestellten Sanierungsvolumen ab. So wird im 1. Punkt plötzlich von einer Sanierungsinvestition von 5 bis 13 Millionen Euro gesprochen. Wie kommt es zu dieser großen Spanne, während man erst von 5 bis 7 Millionen sprach? In der 2. Option von einem Neubau am aktuellen Standort von 15,5 Millionen Euro am gleichen Standort. Dies wäre dann 2,5 Millionen Euro teurer, als ein von den Gutachtern errechneter Wert inklusive Sauna aus 2019. Als Drittes dann an einem anderen Standort mit 17 Millionen ohne und 19,5 Millionen Euro mit Sauna, und dies ohne Erschließungskosten. Doch wo soll dies dann sein? Und wurde nicht durch das Heizkraftwerk ein klarer Vorteil am bisherigen Standort gesehen. Und warum kann die Sauna dann nicht am Standort verbleiben? Eine Sauna, die – wenn man das glaubt was man hört – mit 14 Euro je Eintrittspreis subventioniert wird. Die auch schon angesprochene Einbindung der Nachbargemeinden in ein Gemeinschaftsprojekt fällt augenscheinlich aus, da Bräunlingen noch immer nicht weiß, was es mit der Infrastruktur ihres alten Bades machen soll und Donaueschingen scheinbar keinen Bedarf sieht.  

Aus meiner Sicht sind 6 Jahre nun wirklich Zeit genug gewesen, sich über diese kostenschwere Situation in umfangreichem Maß Gedanken gemacht und Lösungsansätze entwickelt zu haben. Vor allem wenn Rückwirkend schon viele Millionen eingebracht wurden. Verwirrend sind auch die immer neuen Zahlenspiele, die der Bürgerin und dem Bürger präsentiert werden. 

Also trauen Sie sich, liebe Gemeinderäte und beginnen Sie damit, Ihren Weg für das Schwimm- und Sportvergnügen Hüfingens gesamtfraktionell öffentlich klar darzustellen. Die Bürgerinnen und Bürger warten. 

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