Flu(o)rschaden

Es liegt unter Normalbedingungen in Form des zweiatomigen Moleküls F2 gasförmig vor und ist das reaktivste aller Elemente. (Fluor – Wikipedia)

Wann immer ich vom Element Fluor und seinen brisanten Verbindungen lese, werde ich an meinen Start als Villinger Forstamtsleiter erinnert. Damals, im Sommer 1980 und noch in den Tagen der Amtsübernahme, besuchte ich gemeinsam mit meinem in den Ruhestand verabschiedeten Vorgänger das Tuninger Blähtonwerk, genauer: den unmittelbar daran angrenzenden Haldenwald. Denn dort waren ihm in den zurückliegenden Wochen kupferrot benadelte Tannen aufgefallen. Die Aufklärung dieses Phänomens wollte er mir doch ganz besonders noch ans Herz gelegt haben. Weshalb ich in der Folge zwei forstpathologische Gutachten einholte, die beide zum nämlichen Ergebnis kamen: Es handele sich eindeutig um Nahimmissionsschäden, verursacht durch Fluor, wie es beim extremen Erhitzen von Opalinuston zur Herstellung der als Dämmstoff verwendeten Blähtonkügelchen entweicht.

Die Liapor-Werksleitung reagierte erstaunlich rasch, wo doch in jenen Jahren das Thema Waldsterben zu rumoren begann; und „der Druck der Straße“ sollte alsbald dafür sorgen, dass der Automobilindustrie der Katalysator aufgenötigt und bundesweit eine neue Großfeuerungsanlagenverordnung durchgesetzt wurde. Im Blähtonwerk wurde nun eine Entschwefelungsanlage installiert, und die Beheizung des Drehrohrofens erfolgte fortan mit Abgas aus der Tuninger Kreismülldeponie. Womit es offenbar auch gelang, die Fluor-Emissionen zu verringern und die Schädigung der Tannen rundum zu stoppen – eine umweltpolitische Erfolgsgeschichte.

Das Element Fluor geriet dennoch nicht aus den Schlagzeilen. Denn nun rückte, in weit größerem Ausmaß, eine andere Bedrohung in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: das Schwinden der Ozonschicht in der Stratosphäre durch langlebige chlor- und bromhaltige Verbindungen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Um diesem dramatischen Vorgang entgegenzuwirken, wurde im Jahr 1987 das Montrealer Protokoll unterzeichnet, das danach in Europa durch verschiedene Verordnungen auch umgesetzt wurde. FCKW in den Kühlschränken war fortan jedenfalls tabu. Und o Wunder! – am 16. September 2025 konnte per Tagesschau endlich wieder einmal eine Erfolgsmeldung in den globalen Umweltschutzbemühungen verkündet werden: Das Ozonloch, durch welches mehr hautschädliche UV-Strahlung auf die Erde gelangt, war geschrumpft; es sei inzwischen „so klein wie lange nicht mehr“!

Das Liapor-Unternehmen im Tuninger Wald hatte bereits im Frühjahr 2012 sein Blähtonwerk schließen müssen, begründet schon damals mit rasant gestiegenen Energiepreisen. Auch habe in der Bau-Branche die Mehrschichtbauweise dem Blähton als Dämmstoff den Rang abgelaufen, sodass der Absatz der Kügelchen eingebrochen war. Seither rostet das Werk nun still vor sich hin – als hätten Bau- und die Betriebsgenehmigung in den 1960er Jahren nicht auch schon den Abriss des Werks und die Rekultivierung nach Stilllegung und Beendigung des Tonabbaus vorgesehen haben müssen. 

2012 stillgelegtes und vor sich hin rostendes Liaporwerk im Tuninger Wald
2012 stillgelegtes und vor sich hin rostendes Liaporwerk im Tuninger Wald

Eine Zeitlang hoffte die Gemeinde, dass das riesige Areal einschließlich der Tonabbaufläche Standort einer Justizvollzugsanstalt werden könnte, doch die Gefängnisidee zerschlug sich bald wieder. Inzwischen ist eine Recyclinganlage im Gespräch – doch ob die dann die rostige Ruine wohl vollends abräumen wird?

Die Probleme mit dem chemischen Element Fluor scheinen unterdessen mächtig eskaliert zu sein: Neuerdings bereitet insbesondere das extrem klimaschädlichen Gas Schwefelhexafluorid (SF6) die größten Sorgen: Ein einziges Kilogramm davon, so stellt es DER SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe (vom 5.12.2025 unter der Überschrift Wolke von Bad Wimpfen) dar, heize die Atmosphäre im Verlauf von 100 Jahren ungefähr so stark auf wie 24 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Seit Jahren schon war die Bad Wimpfener Chemiefabrik Solvay in der Kritik, weil sie allzu viel der so gefährlichen „Ewigkeitschemikalie“ Trifluoressigsäure in den Neckar einleitete. Zugleich entströmten Unmengen eines Gases, das zu den klimaschädlichsten Stoffen gehört, die die Menschheit jemals hergestellt hat. Das grüngeführte Umweltministerium wisse davon, unternehme aber offenbar wenig. SF6 werde seit Jahrzehnten weltweit in technischen Schaltanlagen verwendet, etwa in Windkraftanlagen oder bei der Produktion von Mikrochips für Computer. Früher sei das Gas sogar bei der Herstellung von Schallschutzfenstern und von Polstern für Sportschuhe eingesetzt worden. 

Kein Wunder, dass das Umweltministerium nun plötzlich doch, wie die Tagespresse vom 10.12.2025 berichtet, eine drastische Reduzierung des Gasausstoßes verlangt und sofortigen Vollzug angeordnet hat – wogegen das Werk freilich bereits Klage einreichte.

Wehe dem also, was bei der Produktion von Pflanzenschutzmitteln, aber etwa auch beim Recyceln alter Joggingschuhe, von Schallschutzfenstern wie von abbruchreifen Windrädern alles in die Atmosphäre gelangen kann! Ob sich das im Tuninger Haldenwald von der Gemeinde so herbeigesehnte Recyclingunternehmen wohl auch schon mit der SPIEGEL-Botschaft vertraut gemacht hat? Die Waldstandorte auf Opalinuston gelten als besonders wüchsig und ertragreich; überdies speichert der Wald hier reichlicher CO2 (geschätzte 10 Tonnen pro Jahr und Hektar) als anderwärts. Doch was taugt das noch als Argument in Nachbarschaft eines Recyclingunternehmens, in dessen Betrieb womöglich ein Treibhausgas entweicht, das 24.000 mal klimaschädlicher ist als CO2? Fluor – was für ein Teufelszeug bei all seinem industriellen Nutzen!

Bild von Bäumen mit Farn
CO2-Speicherung im Tuninger Haldenwald

Zitterpappel: Baum des Jahres 2026

Ende eines Sommers
Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!
>Günther Eich; 1954/55; Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1973, 1991

Diesmal hat das Kuratorium Baum des Jahres eine weise Wahl getroffen: Als ob die jüngste Weltklimakonferenz nicht eine Zitterpartie gewesen wäre! Angesichts des so deprimierenden Anstiegs der Erderwärmung, mutmaßlich bereits über die 1,5°C-Grenze hinaus aufgrund der weiter ansteigenden CO2-Emissionen bei zugleich nachlassenden politischen und gesellschaftlichen Bemühungen zu deren Eindämmung, herrscht ein Zittern und Zagen vor dem nächsten Extremereignis: Wann immer es dann eintritt, zittern die Menschen vor Angst wie Espenlaub. Die Zitterpappel (Populus tremula L.), auch Espe oder Aspe genannt, und das Zittern ihrer langgestielten Blättchen schon beim leichtesten Luftzug ist so charakteristisch für diese Baumart, dass der Volksmund ihr Laub gleichsetzt mit unserem Verhalten in Angstsituationen. 

Und auch sonst passt diese Baumart perfekt in unsere krisengeschüttelte Zeit: Sie ist mit ihrem weitfliegenden Samen (neben Birken, Ebereschen und Salweiden) unsere wichtigste „Pionierbaumart“, wie geschaffen zur Reparatur von Schadflächen in den gestressten, von Trocknis, Brand und Borkenkäfern geschädigten Wäldern. Wobei ihr die weite „eurosibirische“ Verbreitung zustattenkommt, passend von den Auewäldern über die kollinen und montanen Zonen hinweg bis in alpine Höhen hinauf. Weil Wälder hierzulande zuallermeist intensiv bewirtschaftet werden, trifft man den Baum des Jahres 2026 am ehesten noch an verhagerten und untersonnten Waldrändern an oder auf lichten, felsigen oder moorigen Extensivstandorten sowie in Flurgehölzen. Pionierbaumarten dienen dem Ökosystem als  Nährstoffpumpen wie als Schutzschirm über spätfrost- und hitzegefährdeten Jungpflanzen der nachfolgenden Waldgesellschaft. Espenlaub vermodert nicht nur rasch zu Humus, es ernährt auch eine Vielzahl von Schmetterlingsarten. Zwar wird der Baum nicht sonderlich alt und mächtig, doch ist sein weiches Holz besonders beliebt bei Buntspechten, die sich hier leichter tun beim Anlegen ihrer Bruthöhlen.  Sehr zu Recht weist die Schirmherrin für den Baum des Jahres 2026, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Silvia Breher, darauf hin, dass die Zitterpappel eine wahre Anpassungskünstlerin und Allrounderin unter unseren heimischen Baumarten ist und „eine unverzichtbare Helferin bei der Wiederbewaldung“. Sie stehe für Vielfalt, Lebenskraft und Erneuerung. 

Schon nach den verheerenden Orkanschäden gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde im Staatswald Baden-Württembergs daher per Ministerialerlass die Devise ausgegeben: jetzt nur keine überstürzten Pflanzaktionen auf den entstandenen Kahlflächen! Vielmehr sollten die Selbstheilungskräfte des Waldes genutzt werden – im Klartext: Es soll abgewartet werden, bis sich die raschwüchsigen Pioniere als Helfer in der Not von allein eingefunden und ausgebreitet haben.

Neben ihrer ökologischen Rolle tritt in Mitteleuropa die Verwendung von Zitterpappelholz längst in den Hintergrund, so leicht es durch seine geringe Dichte und seine Weichheit auch zu bearbeiten sein mag. Wie alle Pappelhölzer hat es eine geringe Witterungsbeständigkeit und ist überdies anfällig für Schädlinge, sodass es allenfalls in der Papier- und Zellstoffproduktion gefragt ist. Doch in größeren, wirtschaftlich relevanten Kontingenten ist Zitterpappelholz hierzulande ohnehin nicht zu haben. Auch für die Herstellung von Zündhölzern oder Zahnstochern taugen eher hybride (aus Züchtungen mit Ausländersorten hervorgegangene) Wirtschaftspappeln. Und die Zeiten, als die Schneflerzunft aus Pappelholz noch Holzpantoffeln fertigte, sind längst vorbei.

Was für die Bevölkerung aber in neblig-trüben Herbst- wie in Krisenzeiten kaum weniger zählt als der bloße Nutzwert, ist die ästhetisch überaus reizvolle, gar tröstlich empfundene Herbstverfärbung: vorwiegend in leuchtendem Gelb, mitunter jedoch auch in flammendem Rotorange. Im laublosen Winterzustand erscheinen Zitterpappeln dann silbrigweiß und unterscheiden sich damit noch immer deutlich von allen sonstigen Baumkronen.

Ein Trost spendender Baum: passt der etwa nicht perfekt in unsere Gegenwart?

Verglühender Herbst: Zitterpappeln am Kirnbergsee
Verglühender Herbst: Zitterpappeln am Kirnbergsee
Nach dem Laubabwurf: Zitterpappeln am Rand der Jungviehweide
Nach dem Laubabwurf: Zitterpappeln am Rand der Jungviehweide

Begegnungen im stadtnahen Wald

„Rennen tun Sie jetzt nimmer, gell!“ War das nun Anteilnahme oder eher eine spöttisch-hämische Bemerkung? Eine mir unbekannte Waldbesucherin mittleren Alters, die mich mit ihren beiden (ordnungsgemäß angeleinten) Mischlingen beiseitetretend passieren ließ, sprach mich so an. Und exakt dieselbe Bemerkung hatte sie sich schon vor ein paar Wochen bei einer ersten Begegnung nicht verkneifen können, während ich flotten Schrittes an ihr vorbeigeeilt war. Reichlich perplex, aber lachend antwortete ich beide Male, dass ich es mittlerweile halt etwas moderater mag. Sollte ich sie irgendwann einmal, zu Zeiten, als ich noch zu joggen pflegte, so sehr erschreckt oder ihr dermaßen imponiert haben, dass sie sich danach jedes Mal, wenn sie mich erblickte, zur nämlichen Frage veranlasst sah? Waren vielleicht ihre Hunde einst bei meinem Überholvorgang außer Rand und Band geraten, wie es bei Begegnungen mit Joggern ja nicht selten geschieht? Oder könnte es sich bei dem so eigenartig wiederholten Satz womöglich auch um ein Anzeichen einsetzender Demenz gehandelt haben? Der soll man ja, wie in den Medien neuerdings allenthalben empfohlen wird, mit viel Bewegung (zumal in würziger Waldluft) entgegenwirken – was natürlich auch zur Prophylaxe aller sonstigen Zivilisationsschäden tauge.  Im Stadtwald auf meiner Runde derart ungeniert angesprochen zu werden, ist jedenfalls ein denkbar seltenes Vorkommnis.

Seltsam ist doch allein schon, wie unterschiedlich Waldbesucher einander zur Kenntnis nehmen, wie sie aufs Grüßen reagieren: die Sportiveren zumeist mit einem knappem Hallo, egal ob männlichen oder weiblichen Geschlechts. HundehalterInnen pflegen zumindest kurz zu nicken, froh, wenn es nicht zu Stress mit ihren Lieblingen kommt. Speziell das weibliche Sicherheitsbedürfnis scheint bei Gegen- oder Überholverkehr die entscheidende Rolle zu spielen: je tiefer im Waldesinneren und je weiter vom Stadtrand entfernt, gewiss auch je spärlicher der Besucherverkehr, desto schüchterner wird Unsereinem der Gruß abgenommen. Von hinten auflaufend empfiehlt es sich allemal, sich rechtzeitig zu räuspern, um Schnappatmung bei den Überholten zu vermeiden. Gänzlich grußlos pflegen vor allem Handynutzer und Menschen mit übergestülpten Kopfhörern an einem vorbei zu schlendern. Nicht anders die (im Stadtwald allerdings seltener anzutreffenden) Kopftuchträgerinnen, denen der Blickkontakt mit männlichen Personen, gar das Grüßen derselben anscheinend noch immer verwehrt wird. Weshalb wohl auch kaum zu befürchten ist, dass die unsägliche Stadtbild-Diskussion nächstens auch auf den stadtnahen Wald überschwappen könnte. 

Ob freilich das Grüßen, wie es im ländlichen Milieu, bei Wanderern, Waldläufern und Alpinisten noch an der Tagesordnung ist, im urbanen Umfeld überhaupt überleben wird?  Barttragende, vorwiegend dunkel gekleidete Angehörige der Generation Z, ob mit oder ohne Handy und Hund, scheinen schon jetzt kaum noch geneigt zu sein, sich den Grußsitten der Altvorderen anzuschließen.

Ach ja, auch um die grüne Waldidylle steht es in Krisenzeiten nicht mehr zum allerbesten, vom Klimawandel und seinen Auswirkungen auf das Waldökosystem ganz zu schweigen. Bis in die abgelegensten Stadtwaldwinkel dringt bisweilen, jetzt erst so richtig wahrgenommen, das Tatütata von Feuerwehr- und Rotkreuzfahrzeugen, auch mal das Röhren beim Aufdrehen eines Bikers. Zuhinterst auf meiner Runde dominiert dann sogar das Geknatter von Maschinengewehrsalven (Gefechtslärm auf dem benachbarten Übungsgelände der Bundeswehr gottlob mit Übungsmunition, mit scharfer einstweilen nur auf der neuen, strenggesicherten Schießanlage bei gehisster Deutschlandfahne). Wie vertraut und friedlich sind da doch die polternden Schienengeräusche der Schwarzwaldbahn, wie sie immer wieder einmal aus dem Brigachtal herauf zu vernehmen sind. Doch vibriert da nicht eben wieder das Smartphone in der Jackentasche? Gelegentlich hämmert immerhin noch ein Specht oder gurrt eine Ringeltaube. Allenfalls an den immer selteneren Schneetagen lässt sich am Fährtenbild auch noch die Anwesenheit von Hasen, Fuchs und Reh ablesen.

Aber gell, rennen muss ich da jetzt nimmer. Egal wie: auf meine Stadtwaldrunde mag ich auch weiterhin nicht verzichten, sofern mir nur die Beine und der Motor nicht den Dienst versagen – auch das Grüßen werde ich dabei nicht lassen.

Weißtannen-Vitalität

Schon seit langer Zeit schreibt man viel und fortwährend über das allmählich immer mehr und mehr sichtbar werdende Verschwinden der Weißtanne von unseren Bergen. Auch gibt sich zu ihr eine gewisse weitverbreitete Sympathie kund, welche an die Wehmut beim Scheiden eines geliebten Freunds erinnert. (K. Gebhardt, Freiburg 1842)

An Sympathien für die Weißtanne hat es – o Tannenbaum! – nie gefehlt, schon gar nicht in der Forstpartie. Allerdings hält sich bis heute das Narrativ, sie sei überempfindlich wie eine Mimose. Allein schon die Tatsache, dass sie in Deutschland nur mehr auf ca. zehn Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets vorkommt, spricht wahrlich nicht für Vitalität und Widerstandskraft. Spätestens das „Tannensterben“ hat ihrem Ruf den Rest gegeben. „Ist die Weißtanne eine sterbende Baumart?“, so fragten sich 1979 Baden-Württembergs Forstleute anlässlich einer Fachtagung. Der Wiener Waldbauprofessor Hannes Mayer, einer der besten Tannenkenner, wies in seinem Beitrag darauf hin, dass das „Tannensterben“ schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt sei. Es handle sich dabei alles in allem um eine „Komplexwirkung verschiedenster vitalitätsmindernder Faktoren“. Freilich würden diese nicht zum Totalausfall der Tanne führen, „wenn nicht anthropogene Schadfaktoren wie überhöhte Immissionen dazukommen.“ In den Medien schlug die Geburtsstunde des neuen Schockbegriffs „Waldsterben“. Für die Politik sollte es bald höchste Zeit werden, im Kampf gegen den sauren Regen der Automobilindustrie den Katalysator vorzuschreiben, die TA-Luft zu verschärfen und per Großfeuerungsanlagen-Verordnung die Entschwefelung der den Fabrikschloten entweichenden Emissionen voranzutreiben.


„Der Schwarzwald stirbt“, so lautete 1984 die Weihnachtsbotschaft des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, als Titelbild dient ein halbseits entnadelter Tannenbaum vor winterlicher Schwarzwaldidylle. Gegen Ende des Jahrtausends war in den Medien dann freilich bald nur noch vom „sogenannten Waldsterben“ die Rede, ehe auch dieses – ausgerechnet im „Jahrhundertsommer 2003“ – von der grünen Umweltministerin Renate Künast offiziell für beendet erklärt worden war. Doch nach einer Serie sich steigernder Hitze- und Trockenjahre tauchte das Phänomen als „Waldsterben 2.0“ plötzlich wieder aus der Versenkung auf: Dürre- und Borkenkäferschäden, die Häufung der Waldbrände sowie eine verheerende Flutkatastrophe sorgten dafür, dass der Verursacher, der Klimawandel, fortan nicht mehr aus den Schlagzeilen verschwinden sollte.

Als Fotograf mit einem Faible für Baum und Wald lechzt man bei all den Hiobsbotschaften förmlich nach Motiven abseits der Katastrophenszenarien, und so entstand im Jahr 2011 beiläufig auch das Foto einer ungemein langschäftigen, allem Anschein nach kerngesunden Weißtanne. Angetroffen hatte ich sie auf einem Streifzug durch Wutachschlucht unweit der überdachten Stallegger Brücke, über die einst der Fernhandelsweg vom Neckar zum Hochrhein führte. Eigentlich war ich nur im Begriff, mich unter den dortigen Tannenriesen nach einer Ersatzkandidatin umzusehen für die zwar prominente, doch leider seit Jahren kränkelnde Stallegger Tanne, auf welche am Wanderweg eine Hinweistafel aufmerksam machte mit ihren famosen Daten: Höhe 52 m, Volumen 34 Erntefestmeter, Umfang in Brusthöhe 4,52 m, Alter ca. 280 Jahre. Ob für ihren angeschlagenen Gesundheitszustand wohl der Klimawandel verantwortlich war – oder war ihr Siechtum eher dem Greisenalter geschuldet?

Was Alter, Umfang und Stammvolumen anbetraf, so würde mein Ersatzbaum natürlich noch längst nicht mithalten können, doch die Baumhöhe, immerhin, dürfte bereits an die 50 m heranreichen, so schien es mir vom Gegenhang beim Betrachten seines langen vollholzigen (walzenförmigen) Schaftes mit der dicht benadelten runden Kuppelkrone oben drauf; in ihr entdeckte ich mit dem Fernglas einen aufwärts gebogenen Kandelaberast, Indiz für einen früh verheilten Wipfelbruch. Ansonsten aber schien mir mein Baum, fern aller „anthropogenen Schadfaktoren“ und deren Komplexwirkung (H. Mayer), der Inbegriff einer makellosen und vor Gesundheit strotzenden Weißtanne zu sein.

Tanne 2011
Tanne 2015

Doch was war das für eine Enttäuschung, als ich mich vier Jahre später, im März 2015, wieder der Stallegger Brücke näherte, um nach der Tanne Ausschau zu halten! Denn ein Sturm (oder war es gar die Windhose eines Tornados?) hatte sie inzwischen brutal geköpft, sodass von der stolzen Krone am Stamm nur wenige grüne Wasserreißer (Klebäste) verblieben waren! War das nun das Aus für meine Tanne? Zwar war mir das phänomenale Ausheilungsvermögen der Weißtannen von zahlreichen frappierenden Beispielen durchaus vertraut, doch hier schien Hopfen und Malz verloren.

Im Sommer 2019, nach abermals vier Jahren, zog es mich erneut in die Schlucht: Was mochte aus meinem Motiv geworden sein? Sieh einer an, es gab sie noch, die Tanne – und sie war eben im Begriff, sich eine neue Krone zuzulegen. Zuoberst an der Bruchstelle schob sich tatsächlich ein neuer Leittrieb in die Höhe und die spärlichen Wasserreißer hatten sich auf wundersame Weise buschig vermehrt. Der staunenswerte Vorgang verdiente es, weiter verfolgt zu werden.

Tanne 2019
Tanne 2020

Zum Winterauftakt, am 8. Dezember 2020, war ein weiterer Besuch angesagt. Lag es am Neuschnee, dass sich der Wipfel erneut verändert zu haben schien: Knapp unterhalb der Bruchstelle, die sich wieder deutlicher abzeichnete, schoben sich nun sogar drei Leittriebe in die Höhe als gelte es neuerdings, da oben Christbäume zu züchten – an Saft und Kraft fehlte es der neuen Krone ganz offensichtlich nicht.

Mein vorerst letztes Foto stammt vom 5. November 2022, dem Vorabend der jüngsten Weltklimakonferenz. Und wieder hatte sich das Kronenbild der Tanne verändert: Nun sieht es ganz so aus, als hätten die Leittriebe sich im Wettbewerb um die Führungsrolle gegenseitig hoch getrieben, derweil ein paar flechtengraue Seitenäste vorzeitig ausgeschieden sind. Doch alles in allem bietet sich das Bild eines wohlgeratenen jugendlichen Tannenbaums, der sich da jetzt, seitlich leicht versetzt, auf dem weit über hundertjährigen Stamm breit gemacht hat. Dem Fotografen erwuchs so im Verlauf nur eines knappen Jahrzehnts ein neues Sinnbild für Vitalität, auch ein Hilfsmittel gegen das Verzagen angesichts all der Krisen, ein für sich selbst sprechendes Musterbeispiel für das Zauberwort im Zeichen des Klimawandels: für Resilienz.

Klar, dass nun auch noch ein Krankenbesuch bei der Stallegger Tanne anstand: Sie ist inzwischen vollends abgestorben, reckt ihre morschen kahlen Äste in die Luft, derweil die Rinde am Stamm bereits abzublättern beginnt und zwei prächtige Fruchtkörper des seltenen Stachelbartpilzes aus ihm hervorwachsen. Tannen pflegen lotrecht zu sterben und ihr Totholz ist voller Leben – das Hinweisschild mit ihren stolzen Daten wurde vorsorglich entfernt, damit andächtige, gar trauernde Tannenfreunde nicht unnötig lang im Gefahrenbereich verharren. Von „Wehmut beim Scheiden eines geliebten Freunds“ (K. Gebhardt), vom „Tannensterben“, jener „Komplexwirkung verschiedenster vitalitätsmindernder Faktoren“ (H. Mayer) ist in der Wutachschlucht derzeit wenig zu spüren.

Weißtannen-Vitalität 2022

Anmerkungen zur Vitalität der Weißtanne
Nachtrag:

Im zu Ende gehenden Oktober 2025, nach einer regenreichen Woche, zog es mich wieder mal hinab zur Stallegger Brücke, unter der die Wutach diesmal prächtig schäumend hindurchrauschte. Dass die bei meinem Besuch vor drei Jahren bereits sterbenskranke Stallegger Tanne hart oberhalb des vielbegangenen Wanderwegs inzwischen aus Verkehrssicherungsgründen hat gefällt werden müssen, das hatte man vor Jahresfrist schon der Presse entnehmen können. An der Schnittfläche des gewaltigen Strunks gedeiht noch immer die Tannenglucke, während darunter eine blitzblanke Informationstafel der Naturschutzverwaltung nun an den Baum und seinen Riesenwuchs erinnert, dazu an den heutigen Nutzungsverzicht in Naturschutzgebieten wie an den einstigen Raubbau inklusive der Flößerei. Bis zum Bau der Eisenbahnen und der forstwirtschaftlichen Wegeerschließung war es auf der Wutach (anders als es die Abbildung auf der Tafel suggeriert) bei der blockweisen Holztrift geblieben, nachdem die Wolfacher Schiffergesellschaft, die den wilden Fluss für die stammweise Flößerei herzurichten versucht hatte, damit 1847 kläglich gescheitert ist bei einem Gesamtschaden von 200.000 Gulden.

Überrest der Stallegger Tanne (mit Gluckepilz)
Überrest der Stallegger Tanne (mit Gluckepilz)
Infotafel zum Angedenken
Infotafel zum Angedenken

Gänzlich unbeeinflusst von der Nutzungsgeschichte der Schlucht hat sich indessen der neue Wipfel meiner im Jahr 2015 vom Sturm geköpften (und zuletzt vor drei Jahren fotografisch dokumentierten) „Ersatztanne“ weiterentwickelt. Und wenn ihre Ersatzkrone ungestört so weiterwächst, wird man der Tanne den Stammbruch wohl bald nicht mehr anmerken können, so perfekt ist sie schon jetzt wieder geformt – nach gerade mal einem Jahrzehnt. Und selbst wenn es erneut zu einem Missgeschick kommen sollte, so hat sie bereits vorgesorgt: In ca. fünf Metern Höhe hat sich am Stamm aus einem Klebast ein grün benadeltes Bajonett gebildet, sodass sie auch einen weiteren Stammbruch überleben könnte. Nein, auch Weißtannen wachsen nicht in den Himmel, ihre Vitalität ist dennoch wahrhaft staunenswert!

Nur das von Rehen heillos verbissene Tännchen am Standort des Fotografen (knapp oberhalb der Wegböschung der einstigen hier die Wutach querenden Postverbindung zwischen Neckar und Hochrhein) hat es mit seinem Gipfeltrieb noch immer nicht über die Äserhöhe hinausgeschafft. Ob im Klimawandel zur Erhaltung des „Schwarzwälder Charakterbaums“ nicht vielleicht doch nebst den Jägern auch die großen Beutegreifer Luchs und Wolf wieder ihren Beitrag leisten sollten?

Grünes Bajonett am Stamm meiner „Ersatztanne“
Grünes Bajonett am Stamm meiner „Ersatztanne“
10 Jahre nach dem Stammbruch
10 Jahre nach dem Stammbruch

Gigantismus

In Brandenburg bauen sie das größte Windrad der Welt. Es könnte die Energiewende im wahrsten Sinne des Wortes auf eine neue Stufe heben – wenn denn alles gut geht. (Süddeutsche Zeitung v. 22. 10. 2025)

In der Lausitz, inmitten eines Waldgebiets, entsteht derzeit ein Riesenwindrad. Mit seiner maximalen Rotorhöhe von 365 Metern soll es das zweithöchste Bauwerk Deutschlands werden, rangierend gleich hinter dem Berliner Fernsehturm. In solcher Höhe lasse sich mehr und gleichmäßiger Wind ernten, so das Kalkül, ähnlich wie auf See. Derlei Höhenwindräder ließen sich, so sieht es der SZ-Journalist nach seinem Baustellenbesuch, in bestehende Windparks integrieren und „im windschwächeren Bayern oder Baden-Württemberg“ einsetzen. „Für die Energiewende“, so der Chef der Baugesellschaft, „kann das der totale Gamechanger werden“: Tausende Riesenwindanlagen erträumt er sich für Deutschland, wenn es denn klappen sollte mit dem Lausitzer Prototypen auf seiner gewaltigen Fundamentplatte mitsamt zwölf Meter langen Pfählen darunter.

Windrad auf der Länge
Windradzwerg der Nullerjahre auf der Längewiese

Was für eine Perspektive für die ohnehin schon von Nah- und Fernwirkung vorhandener und geplanter Windparks bereits bedrohten Kultur- wie Erholungslandschaften! Wie hat man sich da bloß den Schwarzwald in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts vorzustellen? Oder die Schwäbische Alb? Oder die Länge? Was, wenn einer der Riesen, trotz aller Ingenieurskunst, unter einer Orkanböe zu wanken beginnt und umstürzt? Wenn aus der beschädigten Gondel SF6, das gefährliche Schwefelhexafluorid, austritt, ein vieltausendmal schädlicher wirkendes Treibhausgas als CO2? Wie hat man sich überhaupt den ökologischen Fußabdruck solcher Betonriesen vorzustellen – und das in einem Industrieland mit Vorbildfunktion, das – weltweit einzigartig – Tempolimits auf Autobahnen seinen Bürgern noch immer nicht zumuten mag, selbst wenn durch die Begrenzung auf 120 Kilometer pro Stunde (nach einer Studie des Umweltbundesamtes) jährlich 6,7 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden könnten? Und wo doch die Zementindustrie zu den allergrößten CO2-Schleudern zählt, klimaschädlicher als der gesamte Luftverkehr?

Foto von einem Windrad noch ohne Rotoren
Demnächst doppelt so hoch!

Wie es ausschaut, lässt sich mit Riesenwindrädern der Teufel mit dem Beelzebub austreiben – mit ihrem Nutzen fürs Weltklima wie mit ihrer Wirkung aufs Landschaftsbild. Fast will da Freude aufkommen, dass man die heimatliche Welt noch unversehrter hat erleben dürfen.

Demnächst zehnmal so hoch wie das Windrad auf dem Auenberg !

Streicheleinheiten für den Klimaschutz

Der Landrat rät dem Unbequemen,
Die Sache nicht mehr aufzunehmen.
Es wollen Presse auch und Funk
Sich nicht mehr mischen in den Stunk
Der Mensch steigt von den Barrikaden – 
Er ist zum Richtfest eingeladen.

Eugen Roth: Ermüdung (1948)

Nun ist es soweit: Die Betontürme stehen und können, wenn auch noch ohne Rotoren obendrauf, stolz der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Hunderte Neugierige kommen zum Tag der offenen Tür beim Windpark Länge“ berichtet der Schwarzwälder Bote am 1. Oktober 2025 unter der Überschrift „So sieht es im Windradturm aus“. Für den Vorstand der Betreibergesellschaft sei die Veranstaltung „ein Volltreffer“ gewesen. Eine nicht enden wollende Menschenschlange habe sich vor dem Turm eingefunden, „um einen Blick ins Innere des Bauwerks zu ergattern“. Neben dessen Türe präsentieren sich plakativ die Betreibergesellschaft und ihre Kommanditisten, daneben sind (wie in Eiszeithöhlen) Abdrucke farbiger Hände zu bestaunen. Wie sollen die bloß gedeutet werden? Sind´s überschwängliche Sympathiebekundungen oder sollten sich hier schon Windkraftgegner mit abwehrendem Geschmier verewigt haben?

Der Turm vom Windpark Länge unten mit der Infotafel: Der Windpark Länge besteht aus 6 modernen Windkraftanlagen Nordex N-163. Betreibergesellschaft ist die Solarcomplex GmbH Windpark Länge.

Der Blick ins Turminnere dürfte die Besucher auch etwas abgelenkt haben vom Staunen über das Ausmaß der Baustelle rundherum wie über den gewöhnungsbedürftigen Umgang mit dem herbstlich verfärbtem Wald, und dies gedanklich mal sechs: an allen sechs Standorten – inklusive der  inzwischen auf über Kreisstraßenbreite ausgebauten Zufahrtswege mit ihren für den Transport von Kränen und Rotorflügeln üppig erweiterten, vom Gehölz geräumten Radien.

Nicht etwa nur ins Turminnere, sondern buchstäblich in die Röhre schauen unterdessen die Gegner von der hiesigen Bürgerinitiative, die sich mit Gutachten, Petitionen und Verwaltungsgerichtsverfahren so energisch gegen das Projekt gewehrt hatten. Die Beanspruchung des Längewalds, so spendet ihnen der Chef der Betreiberfirma zur Feier des „Tages des offenen Bauwerks“ Trost, erfordere ja doch nur einen „relativ geringen Flächenverbrauch“, vergleiche man ihn mit dem Braunkohleabbau in der Lausitz. Ist damit jetzt alles gesagt zu den Fragen einer Verhältnismäßigkeit von Eingriffen in ein bisher gänzlich unzerschnittenes und unvorbelastetes, ökologisch hochwertiges Waldgebiet und dem erhofften Nutzen für den Klimaschutz?

Neue Akzente im herbstlich verfärbten Längewald

Für den erwarteten Besucherandrang am „Tag des offenen Bauwerks“ hatte man eine stattliche Zahl von blauen Dixi-Klos herbei geschafft und sogar einen Partyservice engagiert, um es an nichts fehlen zu lassen „trotz schwieriger Anfahrt und eines mehrere hundert Meter langen Fußmarsches“. Als ob man sich nach über 12 Jahren kontroverser Diskussion um den Windpark nicht auch mal etwas spendabel zeigen dürfte. „An Stehtischen und auf Sitzgelegenheiten“, so beschreibt der Schwarzwälder Bote die Stimmung, „ging es beim Publikum im geselligen Beisammensein zumeist um die Notwendigkeit erneuerter Energien, insbesondere der Windenergie. Doch auch Bedenken gab es.“

Noch sind es ja nur sechs solcher Türme geworden, wo es ursprünglich ja elf  werden sollten, bevor die im Blumberger Teil der Länge agierende Betreiberfirma Insolvenz angemeldet hatte. Doch nach den Plänen des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg bleibt die gesamte Länge Vorranggebiet, sodass die Blumberger wie auch die Geisinger ja wohl noch nacharbeiten müssen. Ade Längewald – wird die Badische Alb vollends zum Albtraum? 

Natur – Wald – Reh: ein Lehrstück 


Es lässt sich trefflich werben mit dem Dreiklang Natur – Wald – Reh, auch in der Schwarzwälder Gastronomie. Wo ihm doch unsere ungeteilte Sympathie gehört. Ganz besonders angesprochen fühlen sich davon die Gäste der Geroldsauer Mühle, des im Schwarzwaldstil ganz aus hellem Weißtannenholz neu errichteten Gasthauses unweit von Baden-Baden – am Tor zum Schwarzwald.

Werbung mit Reh
Werbung mit Reh

Wie kann einer da bloß den Forstleuten glauben, die im sanftäugigen Bambi (silberne Exemplare sind in der Bäderstadt unlängst erst als populäre Medienpreise verliehen worden) vorrangig den „Waldschädling“ erblicken, gar den Verursacher des „Waldsterbens von unten“, mithin einen heiklen Gegenspieler für den im Zeichen des Klimawandels so unabdingbaren Waldumbau hin zu mehr Resilienz? Die notwendige Reduzierung überhöhter Rehwildbestände sollte da vielleicht doch besser geräuschlos und unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen. Womöglich ist das Wald-Wild-Problem auch schuld daran, dass man auf der Speisekarte der Geroldsauer Mühle den Rehbraten vergeblich sucht. Ob aber die Wirtsleute, erst recht ob die Gäste wohl je einen Gedanken daran verschwendet haben, dass mit dem Angebot und Verzehr von heimischem Wildbret ja auch ein Beitrag geleistet werden kann zur Wiederverbreitung der vielerorts verlorengegangenen Baumart Weißtanne?

Unstrittig ist, dass die Tanne mit am stärksten leidet unter allzu vielen Rehen, ja, dass der „Schwarzwälder Charakterbaum“ sein Überleben in der Vergangenheit zumeist einem rehwildarmen Ausnahmezustand zu verdanken hatte: Etwa jenen der ungebremsten „Franzosenjagd“ in den Nachkriegsjahren oder den in den Wirren der 1848er Revolution, als die aufständischen Bauern sich nicht nur das Ende der Jagdfron erkämpft hatten, sondern kurzzeitig auch „freie Büchse“ genossen, vom Adel beschimpft als „Vernichtungskrieg gegen das Wild“. Inzwischen setzt man freilich mehr denn je auf die Weißtanne, wo doch die Fichte in der Klimakrise auszufallen droht, was allenthalben zur Intensivierung der jagdlichen Bemühungen zwingt. Und es schließen sich derzeit weitere Frage an: ob nicht auch die natürlichen Regulatoren von Pflanzenfressern wieder besser ins Spiel gebracht werden sollten, der Winter sowie die Fressfeinde Luchs und Wolf. Auch ob denn die Winterfütterung des Rehwilds überhaupt noch zu verantworten ist im klimagestressten Wald und der immer milderen Winter? Doch leere und zerfallende Futterraufen sind, zumal in winterlichen Notzeiten, dem Image der Jäger als Heger des Wilds wahrlich nicht zuträglich.

Doch die Bauwirtschaft setzt wieder mehr denn je auf den CO2-neutralen Baustoff Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Wo Tannenjugend aber erfolgreich durchstarten soll, um im künftigen (stabileren und widerstandfähigeren) Bergmischwald wieder ausreichend vertreten zu sein und um trotz des Ausfalls der Fichten weiterhin wertvolles Bauholz liefern zu können, muss demnach effizient gejagt werden. Und auch Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss werden oft unerlässlich sein – mag das Jagdgesetz (in Baden-Württemberg das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz JWMG) noch so fordern, dass der Wildbestand so einreguliert werden muss, dass die Hauptbaumarten sich ohne Schutz ansamen und heranwachsen können.

Vom Rehwild verbissene junge Tanne
Vom Rehwild verbissene junge Tanne
Tanne mit Verbissschutz
Verbissschutz

Ein besonders unschuldiges Anschauungsbeispiel für das (oft so konfliktträchtige) Zusammenspiel von Wald, Wild und Jagd hat der Fotograf im Spätjahr 2020 im Wald der Gemeinde Brigachtal im Schwarzwald-Baar-Kreis festgehalten: Ein offenbar ebenso tier- wie kinderlieb gesonnener  Zeitgenosse (sollte es sich gar um den örtlich zuständigen Jagdpächter gehandelt haben?) hatte in Wegnähe eigens für junge Waldbesucher eine Futterkrippe gebastelt und mit einer hölzernen Rehfamilie umstellt. Hockten da nicht auch noch ein Auerhahn oder ein Waldkauz auf dem Krippendach? Sogar Tannenjugend, noch etwas schütter zwar, hatte sich bereits eingefunden, die Gipfelknospen – sieh einer an! – sorgfältig mit blauen Klammern vor Verbiss geschützt.

Hölzernes Ensemble, entdeckt und festgehalten im Spätjahr 2020
Hölzernes Ensemble, entdeckt und festgehalten im Spätjahr 2020

Fünf Jahre nach seiner Entdeckung, im Sommer 2025, zeigt sich das nämliche Ensemble dem Fotografen zwar merklich gealtert und ramponiert, auch ist die Krippe am Kippen und die hölzernen Rehskulpturen samt Kauz und Auerhahn scheinen in Auflösung begriffen zu sein. Doch frohwüchsig und unbeschädigt zeigen sich die Weißtännchen rundherum. Was zeigt, dass die Umwandlung des von Fichten dominierten Altbestands in einen Mischwald offensichtlich Fortschritte macht: Wild und Wald befinden sich in Balance – was für ein mustergültiges Lehrstück!

Dasselbe Motiv im Jahr 2025 mit frohwüchsiger Tannenjugend
Dasselbe Motiv im Jahr 2025 mit frohwüchsiger Tannenjugend

Starke Eschen – ein Nachruf?


Um die Baumart Esche steht es nicht gut. In ganz Europa grassiert das Eschentriebsterben, verursacht von einem aus Fernost eingeschleppten Pilz mit dem so possierlichen Namen Falsches Weißes Stengelbecherchen. Vielerorts hat man sie schon aufgegeben, zumal längs von Wegen und Straßen, wo Gefahr droht von herab brechenden Ästen, gar von umstürzenden Baumleichen. Für unsere Waldökosysteme, aber auch für die gesamte Kulturlandschaft wäre es nach dem Ulmensterben, das ja ebenfalls durch einen invasiven Pilz ausgelöst worden war, ein weiterer schlimmer Verlust, der weit über den holzwirtschaftlichen Nutzen hinausreicht. Auch wenn der Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der Esche in der Öffentlichkeit nie an die Prominenz kapitaler Eichen- und Lindengestalten herangereicht hat. Und das, obwohl sie in der germanischen Mythologie ja schon den Weltenbaum Yggdrasil gestellt hatte, den Schutz- und Schicksalsbaum und Sitz der Götter.

Hofesche am Burgbacherhof (2016)

Der Schutz von Bäumen als Naturdenkmäler war erstmals im anbrechenden 20. Jahrhundert so richtig in Gang gekommen. Was einherging mit der Dokumentation und Veröffentlichung besonders „bemerkungswerter“ Exemplare in „Baumbüchern“. In Preußen und Hessen, in Elsass-Lothringen, im Großherzogtum Baden wie im Königtum Württemberg erschienen sie zumeist reich bebildert, um so auf die oft genug durch die Industrialisierung, auch durch die Intensivierung von Forst- und Landwirtschaft bedrohten Schätze aufmerksam zu machen. Es fällt dabei auf, dass sowohl in Württemberg wie auch in Baden die Baumart Esche deutlich unterrepräsentiert war im Vergleich zu den weitaus spektakuläreren Eichen, Linden und Tannenriesen. Im von Forstassessor Otto Feucht 1911 im Auftrag der Königlich württembergischen Forstdirektion verfassten Schwäbischen Baumbuch*1 wird seltsamerweise unter all den aufgeführten Baumveteranen nur eine einzige Esche erwähnt: Und die stand nicht in freier Natur, sondern im Schlosspark von Friedrichshafen und war eine Sonderform der Baumart: „Ziemlich unerkannt bleibt ein starkes Exemplar unserer heimischen Esche (Umfang 2,33 m)…, dessen Blätter durchweg nicht gefiedert, sondern einfach-eiförmig gesägt sind.“ Diese Spielart der Esche (var. monophyllos) finde sich in Württemberg wild vor allem im Stromberggebiet. Mehr wusste er über die Eschen, über die Gewöhnliche mit gefiederten Blättern wie über die Einblättrige, nicht zu berichten.

Ludwig Klein, Großherzoglich badischer Geheimer Hofrat und ord. Botanikprofessor, Leiter des Botanischen Instituts wie des Botanischen Gartens der TH Karlsruhe, veröffentlichte 1908 Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden*2, in dem er der Esche ein ganzes Kapitel widmete. Leider gelang ihm nur ein einziges Foto der Baumart; es zeigt unmittelbar neben einem Haus in Rötenbach ein noch recht schmächtiges Exemplar mit ausgedehnten Überwallungen einer früheren Brandbeschädigung. Lebhaft beklagt der Autor, dass Eschen in den Auewaldungen zwar eine Baumhöhe von bis 45 m erreichen können, doch seien außergewöhnliche Bäume hier leider nicht mehr zu finden, „da die Esche wie andere wertvolle Nutzhölzer längst hiebsreif zu sein pflegt, ehe sie außergewöhnliche Stärke erreicht hat.“ 

Umso erfolgreicher ist er im höheren Schwarzwald auf seiner Suche nach im Freistand erwachsenen Eschen, zumeist Hofeschen. „Die schönste Esche, die mir im Schwarzwalde (erst im Spätsommer 1907) bekannt wurde, ein wahres Prachtexemplar des freiständigen Baumes, steht, 25 m hoch (!), im Grasgarten des Hierahofes, etwa 20 Minuten südöstlich von Saig, in einer Meereshöhe von 945 m. Der Stamm von 4,88 m Umfang teilt sich schon in 3 m Höhe in drei mächtige stammähnliche Äste, die sich ihrerseits in insgesamt 15 starke und sehr lange Äste aufteilen.“ Das Alter des Baums schätzte Klein auf mindestens 200 – 250 Jahre. Derart starke Gebirgseschen seien im Schwarzwald sonst nirgends mehr zu finden. Klar, dass auch der Botanikprofessor in seinem Eschenkapitel deren „einfachblättrige Spielart“ erwähnt, die er – leider ebenfalls ohne fotografischen Beleg – im äußersten Norden des badischen Stiefels verortet. Dass sich mit dieser Unterart ein Jahrhundert später die vage Hoffnung verbinden würde, sie könnte womöglich resistenter sein gegen eine die Baumart europaweit bedrohende Seuche aus Fernost namens Eschentriebsterben, konnte der Botanikprofessor Ludwig Klein freilich noch nicht ahnen.

Esche am Hierahof 1977…
…und 2016

Dass auch ich vor knapp einem halben Jahrhundert auf der Fährte von Ludwig Klein mit großen Erwartungen den Hierahof ansteuern sollte, entsprang einer beruflichen Pflichtübung. Denn von meinem obersten Dienstherrn, dem Stuttgarter Forstminister, hatte ich den Auftrag erhalten, nachzuprüfen und zu dokumentieren, was denn von den „Prachtexemplaren“ der Baumbücher der Jahrhundertwende eigentlich die zwei Weltkriege überlebt hatte und noch auffindbar war. Aus der Recherche entstand 1978 mein Bildtextband Begegnung mit Bäumen*3, und darin beschrieb ich den Hofbaum, belegt durch ein Schwarzweißfoto mitsamt Personenstaffage zur Vermittlung der Stärke des Stammes,  frei weg als „unstreitig schönste und gewaltigste Esche des Landes“. Sie hatte seit Ludwig Kleins Besuch vor abermals siebzig Jahren nochmals kräftig an Umfang zugelegt: „Nun misst sie 6,40 Meter“, hielt ich fest, „was einen Durchmesserzuwachs von 64 Zentimetern ergibt! Die Krone des Baumes ist voll und gesund. Doch während die Altbäuerin ein wenig gedankenverloren an der dem Hof zugewandten Seite des Stammanlaufs mit der Heugabel tief in Hohlräumen und morschem Holz herumstochert, erzählt sie uns von einer denkwürdigen Begebenheit, die für den Baum Folgen haben sollte: Am Vorabend ihrer Hochzeit vor nun schon fünfzig Jahren hat der Nachbarssohn – Gott hab ihn selig – hier eine Sprengladung entzündet. War´s Scherz, war´s Kummer: der Anfang vom Ende des stolzen Baumes war vorgezeichnet.“ 

Doch auch weitere vierzig Jahre später, im Winter 2016, war die Esche noch immer nicht am Ende, wie ich mich vergewisserte, auch wenn im Land bereits das Eschentriebsterben wütete. Offenbar hatte sie die Wunde der Sprengladung besser überwallt, als von der Altbäuerin damals befürchtet. Dennoch hatten sich inzwischen Baumchirurgen der Krone angenommen, hatten sie mit einem Stahlseil verspannt und auch einige vermorschende Äste gekappt. 

Auch im jüngsten, 2022 erschienenen Baumbuch Baumschätze Baden-Württembergs*4 wird sie noch beschrieben und in grün belaubtem Zustand fotografiert. „Die früher einmal riesige Krone“, schränkt der Verfasser, Jürgen Blümle, allerdings ein, „ist heute sehr stark reduziert, denn der alte Hofbaum kämpft ums Überleben.“ Doch er kann jetzt auch auf ein Deutsches Baumarchiv verweisen, dem der Baum, bei einem geschätzten Alter von 300 – 350 Jahren, als älteste Esche Deutschlands gilt.

Zu Lebzeiten Ludwig Kleins befand sich die allerstärkste lebende Esche Badens allerdings nicht im Hochschwarzwald, sondern im F.F. Schlossgarten zu Donaueschingen. Er scheint sie selbst nicht vor Ort aufgesucht und bewundert zu haben, sondern musste dazu als Gewährsmann den Gartenbaudirektor Berndt zitieren: „Der etwa 250 – 300 Jahre alte, knorrige Baum hat 1,25 m über dem Boden einen Stammumfang von rund 5 m. Über dieser Höhe sind stark ausladende Wülste und über diesen beginnt die Teilung in verschiedene baumstarke Äste, zwischen und über denen eine Holzgalerie eingebaut ist.“ 1922, anlässlich der ersten Donaueschinger Musiktage, inspirierte der Baum den Komponisten Richard Strauß dazu, am Serenadenabend auf der beleuchteten Altane Mozarts Kleine Nachtmusik spielen zu lassen; seitdem trug der Baum den Namen „Richard-Strauß-Esche“. Letztmals wurde sie 1949 beschrieben, nun mit einem Stammumfang von 11,79 m. Mit seiner asphaltierten Empore, die über eine gewundene Treppe bestiegen werden konnte, soll der Baum mit seiner altersgrauen furchigen Rinde mehr und mehr einem Elefanten geglichen haben, weshalb er im Volksmund zuletzt auch schlicht „Elefantenbaum“ genannt wurde. Seine sterblichen Überreste sollen in den frühen 1960er Jahren aus Verkehrssicherungsgründen endgültig beseitigt worden sein.

Eine Kleine Nachtmusik auf der Richard-Strauß-Esche im F.F. Schlosspark 1921

Auch an weiteren beeindruckend starken und höchst vitalen Eschen sollte es im Quellenlandkreis (mit seinen zahlreichen Orts- und Bachnamen, in denen an die Baumart erinnert wird wie Escheck, Eschbach, Ober- oder Niedereschach und selbst in Donau-eschingen) aber auch weiterhin nicht fehlen*5, ob im Unterhölzer Wald oder auf dem Wartenberg. Im Spätfrostklima der Baar kommt ihnen zupass, dass sie im Frühjahr erst sehr spät auszutreiben pflegen. Die unstreitig prächtigste Hofesche mit einem Brusthöhenumfang von 6, 30 steht bislang hart an der Hocheinfahrt des Burgbacherhofs am Brogen auf Gemarkung Buchenberg. Wie alle Hofeschen dürfte auch sie einst „geschneitelt“, das Eschenlaub vor allem in Notzeiten als Viehfutter verwendet worden sein – eine uralte Nutzungsform, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.

Doch seit dem 3. November 2023 scheint auch ihr Schicksal besiegelt zu sein: der Hof ist einem Brand zum Opfer gefallen. Weit über die Hälfte der gewaltigen Eschenkrone ist dabei so massiv beschädigt worden, dass ein neuerliches Austreiben kaum mehr vorstellbar ist – selbst bei dieser für ihre Überlebensfähigkeit durch immer neue Stockausschläge und Überwallungen, auch durch ihre tiefe Verwurzelung so unverwüstlichen Baumart. Oder sollte etwa Ludwig Kleins Beispiel von jener Esche aus Rötenbach, die ihre Brandverletzungen einfach überwallt hatte, am Ende doch noch einen Hoffnungsfunken weiterglimmen lassen? Die Brandruine auf dem Brogen mit der versengten Esche neben der Hofeinfahrt – ein Fanal auch für ihr Schicksal in ganz Europa?

Wird die Hofesche den Brand überleben?
Burgbacherhof am 4. 11. 2023
Esche am 27. 10. 2024
Esche am 27. 10. 2024
Esche am 11. Juli 2025
und am 11. Juli 2025


Am Ende ist wohl doch kein Nachruf fällig: Der Burgbacherhof ist wiedererstanden und seine Esche scheint überlebt zu haben. Oder wird sie das Eschentriebsterben doch noch einholen?


 *1Schwäbisches Baumbuch. Hsg. Kgl. Württ. Forstdirektion. Verl. von Strecker & Schröder, Stuttgart 1011.
*2 Klein, L.: Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden. Heidelberg 1908.
*3 Hockenjos, W.: Begegnung mit Bäumen. DRW-Verl. Stuttgart 1978.
*4 Blümle, J.: Baumschätze. Oertel & Spörer Verlags GmbH Reutlingen, 2. aktualisierte Aufl. 2023.
*5 Hockenjos, W.: Die Esche – eine verlorene Baumart? In: Schwarzwald-Baar Jahrbuch 2017 S. 254 ff.

Das Ende der Max-Eiche

Was mag wohl dazu geführt haben, dass eine mehrhundertjährige Eiche mit einem Mal umfällt – ohne nennenswertes Sturmgeschehen und ohne Schneelast? Wo uns die Eiche (Quercus robur) doch als Inbegriff von Robustheit und Standfestigkeit gilt. Nun hat es also auch die Max-Eiche getroffen, wie der Schwarzwälder Bote am 27. September berichtet, die Max Prinz zu Fürstenberg (1896 – 1959) geweihte Starkeiche am Südrand der Königswiese; ihr Wurzelbereich sei „total verfault“ gewesen. Auf die Prominenz dieser Eiche hatte bis vor etlichen Jahren ein am Stamm befestigtes hölzernes Halbrelief mit den Lebensdaten  des Prinzen und mit dem heiligen Maximilian (samt Bischofsstab und Schwert) hingewiesen. Es war freilich nicht entwendet worden (wie fälschlicherweise im Buch Unterhölzer. Liebeserklärung an einen alten Wald erwähnt wird), vielmehr hatte es ein aufmerksamer Waldbesucher am Stammfuß aufgelesen und in den FF-Sammlungen abgeliefert.

Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)
Max-Eiche (noch mit hölzernem Halbrelief)

Eichen wurzeln bekanntlich besonders tief, weshalb die Baumart auch als vergleichsweise widerstandsfähig gegen Trockenheit gilt. Dem Stress der Hitzejahre 2018 bis 2023 scheinen manche jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein, speziell auf den zu Stein verbackenen Tonlehm-Standorten des Braunjuras, weshalb es an der Königswiese nicht nur die Max-Eiche getroffen hat: Auch eine zweite Alteiche, diesmal am Nordrand der Königswiese, war ohne Vorankündigung im Spätjahr 2023 einfach umgekippt; auch ihre Wurzeln waren großteils verfault; nichts in ihrer Krone, kein Dürrast und auch kein Baumschwamm hatte auf eine Schwächung hingedeutet. Vieles erscheint daher noch immer rätselhaft an ihrem plötzlichen Ende. Doch fraglos wäre es ein schlimmer Verlust für die Region, wenn es um die prachtvollen Gestalten des Unterhölzers, aus diesem „Zauberreich wie aus Grimms Märchen mit uralten knorrigen Eichen und Buchen“ (K. Kwasnitschka), im Zuge des Klimawandels bald vollends geschehen wäre. „HL Maximilian“, so las es sich auf der hölzernen Tafel zum Andenken an Max Prinz zu Fürstenberg, „bitt für uns“.

Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese
Abgefaulte Eichenwurzeln am Nordrand der Königswiese
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