Antrag Tempo 30

Antrag Michael Steinemann, BFSO/DIE GRÜNEN Fraktion


Die Einrichtung von Tempo 30-Zonen wird durch die Straßenverkehrsordnung bundesweit einheitlich geregelt. Dies passt oft nicht zu den Bedürfnissen vor Ort. Die Kommunen benötigen mehr Entscheidungsfreiheit bei der Gestaltung von lebenswerten öffentlichen Räumen. Dazu gehören auch Straßen und ihr direktes Umfeld. Tempo-30- Zonen erhöhen durch mehr Ruhe die Lebensqualität und verbessern die Verkehrssicherheit.

Die kommunale Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten eine neue kommunale Initiative für stadtverträglicheren Verkehr“ fordert den Bund auf, umgehend die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Kommunen im Sinne der Resolution des Deutschen Bundestags vom 17.01.2020 ohne weitere Einschränkungen Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit innerorts dort anordnen können, wo sie es für notwendig halten. Die Leistungsfähigkeit für den Verkehr wird durch Tempo 30 nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität dagegen spürbar erhöht. Die Kommunen haben immer noch nicht die Möglichkeit zu entscheiden, wann und wo Geschwindigkeiten flexibel und ortsbezogen angeordnet werden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit muss endlich überall über die zuständigen Straßenverkehrsbehörden so angeordnet werden können, wie es unter Abwägung aller relevanten umwelt-, verkehrs- und städtebaubezogenen Belange angemessen ist. Dies nutzt den Städten, erweitert ihre Gestaltungsfreiheit und öffnet ihre Entwicklung in Richtung mehr Lebendigkeit, Lebensqualität und Nachhaltigkeit. Diese Forderung ist alles andere als radikal – sie ist anderswo in Europa längst umgesetzt und bewegt sich auch in Deutschland in einem Umfeld von aktuellen politischen Positionierungen, die die Dringlichkeit dieser Anpassung des Rechtsrahmens unterstreichen.

Wichtigste Ziele des Antrages sind mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer und der Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen. Die Maßnahme dient als Schutz des Erholungsortes Hüfingen, da der Grad der Lärmbeeinträchtigungen und der Schadstoffemissionen sehr hoch ist. Eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr. Die Funktion der innerstädtischen Hauptverkehrsstraße (vom künftigen Kreisverkehr Schaffhauser Straße/Dögginger Straße, über die Hauptstraße bis einschließlich Donaueschinger Straße) für den Kfz-Verkehr wird daher durch Tempo 30 nicht oder nicht nennenswert beeinträchtigt. Die Wirksamkeit der Maßnahme aus lärmtechnischer Sicht wird im „Lärmaktionsplan Hüfingen“ bestätigt. Insbesondere entlang der Hauptstraße ist eine große Zahl von Bürgern betroffen. Außerdem muss eine große Zahl von Schülern täglich die Straße (z. B. vom Bahnhof kommend) zur Schule überqueren. Die Forderung der Temporeduzierung ist der zuständigen Straßenverkehrsbehörde zeitnahe zu übermitteln.

Beschlussvorschlag:

Der Gemeinderat der Stadt Hüfingen möge beschließen:

  1. Die Stadt Hüfingen tritt der kommunalen Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ bei.
  2. Von der Schaffhauser Straße (Startpunkt neuer Kreisverkehr Dögginger Straße), über die Hauptstraße bis einschließlich Donaueschinger Straße soll die Geschwindigkeit auf Tempo 30 abgesenkt werden.

IGEL sind noch im WINTERSCHLAF !

17. März 2022 von Manuela Martin von der Igelhilfe E/igeltingen

Steigende Temperaturen kombiniert mit viel Sonnenschein – Ideal um den heimischen Garten fit für die neue Saison zu machen. Vertrocknete Gräser und Laubhaufen stören dabei oftmals die Optik, doch 
V O R S I C H T: unter Hecken und Sträuchern, sowie in Laubhaufen und im Kompost könnte ein Igel in den letzten Phasen seines Winterschlafes noch tief und fest schlummern. 

Die stachligen Gartenbewohner erwachen nämlich erst dann, wenn es richtig grün geworden ist und er auch seine Lieblingsspeisen, bestehend aus Insekten und Käfern, wieder zu fressen hat. Dies kann noch bis Ende März oder sogar Mitte April dauern. 

B I T T E   V E R M E I D E N  Sie unbedingt den Einsatz von Heugabeln, Rasentrimmern oder ähnlichem, denn diese können schlimmste Verletzungen verursachen!

Nur im oberen Bereich bis ca. 30 cm zum Boden diese Geräte verwenden. Wer unbedingt Ordnung schaffen will, sollte dafür lieber einen Rechen verwenden und dabei sehr vorsichtig vorgehen. Sollte man doch versehentlich das „Schlafzimmer“ eines Igels entdecken, bitte dieses wieder  vorsichtig schließen und ihm noch ein paar Wochen Zeit für einen freiwilligen Auszug einräumen. Seine Mietschulden wird er nach Erwachen sicher mit der Beseitigung von Schnecken und anderen eher unerwünschten Insekten begleichen.

Für die früh wach gewordenen Igel ist es sehr hilfreich jetzt Futter und Wasser aufzustellen, da die Natur noch nicht genug Nahrung für sie bereit hält. 

ACHTUNG bei Brauchtumsfeuer und verbrennen von Astschnitten!

Bevor Sie Asthäufen verbrennen, bitte umschichten, auch hier können Igel und auch Feldhasen und auch Vögel darunter sein!

Danke, dass Sie mithelfen, unnötiges Tierleid zu vermeiden!

Lob des Krummwüchsigen

Es ist mir wohl bewusst, dass die Ästhetik nach  einer gewissen strengeren Begrenzung des Begriffes mit Gut und Böse, mit Zweckmäßig und Unzweckmäßig nichts zu tun hat, sondern sich auf das beschränkt, was die Sinne uns übermitteln. (Heinrich von Salisch: Forstästhetik. Berlin 1911)

Der Wald als „Tausendsäulensaal“, bestehend aus schlanken, kerzengeraden und  dicht an dicht stehenden Fichten, hat ausgedient. Dafür hat nicht zuletzt der Klimawandel gesorgt, mit Trockenstress, Käferkalamitäten, Stürmen und Überflutungen nach Starkniederschlägen, aber auch mit neuen Anforderungen der Gesellschaft an den Wald – insbesondere im Hinblick auf seine Funktion als Kohlenstoffsenke. Mit plantagenartigen „Nadelholzfabriken“ ist jedenfalls kein Staat mehr zu machen, so sehr der (Nadel-)Holzmarkt boomt. Im Gefolge der Corona-Pandemie ist auch die Erholungsfunktion der Wälder wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt: Für Zeitgenossen, die an der Kriegsberichterstattung (was für ein altmodischer Begriff aus vermeintlich fernen Zeiten!) oder an der Hektik und den Zumutungen des Alltags zu verzweifeln drohen, die an digitaler Überforderung leiden wie an der fortschreitenden Naturentfremdung, ist der Wald oft letzte Zuflucht und Gegenwelt – wird er zum Psychotop.

So ganz neu und überraschend ist dieser Reflex einer von Krisen gebeutelten Gesellschaft freilich auch wieder nicht; schon Erich Kästner hat ihn auf den Punkt gebracht: 

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden.
Und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen, doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Nicht alle Wälder taugen als Seelentröster, manche bleiben erstaunlich stumm, zumal der großmaschinengerecht erschlossene und „homogenisierte“ Kunstforst, der Wirtschaftswald. Da lobe ich mir den Unterhölzer Wald, das ortsnahe Naturschutzgebiet, vormals Wildpark der Fürsten zu Fürstenberg. Dort haben es mir seit Jahren zwei Buchen besonders angetan, auch wenn ich mich noch nicht dabei ertappt habe, dass ich mit ihnen „wie mit Brüdern“ rede. Ohnehin wäre ja allenfalls „wie mit Schwestern“ zu kommunizieren, gilt die Buche, „Baum des Jahres“ 2022 wie schon 1990, doch als „Mutter des Waldes“. Schon beim allerersten Besuch dort stand für mich fest: Die beiden krummen Baumgestalten scheinen miteinander zu tanzen – so wenig Bäume, bei nüchterner Betrachtung, doch im Stande sind, das Tanzbein zu schwingen. War es ein in Moll gehaltener, Chopin-Walzer, nach dem sich die beiden in meiner Fantasie bewegen oder eher ein heiterer Ringelreigen? Je nach Tages- und Jahreszeit, je nach Gemütsverfassung ließ sich mein Motiv, auch wie es sich über Jahre hinweg im Ordner Buchentanz des heimischen Rechners gespeichert findet, nicht eindeutig einer Stimmungslage zuordnen. Doch die Ästhetik der angedeuteten Tanzbewegung, der Schwung der sich nach außen lehnenden Körper erschien mir von hinreißender Eleganz –  Erlkönigs Töchter (sie wiegen und tanzen und singen dich ein) dürften sich nicht viel verheißungsvoller  bewegt haben.

Zugleich stellt sich – abseits jeglicher Imagination –  dem Forstmann in mir natürlich die Frage nach den natürlichen Ursachen der „Performance“ dieses so augenscheinlich auseinander strebenden wie von einander angezogenen Buchenpaares. Wären die beiden einst am Stammfuß einer herrschsüchtigen Mutterbuche heran gewachsen und hätten sie sich unter deren Geäst und Blätterdach mühsam hervorgekrümmt, so wären ja wohl zumindest noch die vermoderten Andeutungen eines Wurzelstocks zu sehen. Doch der Waldboden zwischen und unter den beiden Tänzerinnen weist keinerlei Spuren davon auf. So bleibt es ihr Geheimnis, wie es zu den Stammverformungen gekommen sein könnte, wo Bäume ansonsten doch stets den direkten Weg nach oben durch den nächstbesten Lichtschacht wählen.

Ästhetik im Wald, Schönheit der Waldnatur findet sich am ehesten noch in geschützten Waldreservaten. Der Autor des 1885 erschienenen Buches „Forstästhetik“, der schlesische Gutsherr und Reichstagsabgeordnete Heinrich von Salisch (s. o.), scheiterte zwar mit seiner Idee, das Fach Forstästhetik in den Lehrplänen der Forstlichen Hochschulen zu verankern, doch seine Motive haben plötzlich wieder an Aktualität gewonnen: Man dürfe nicht erwarten, dass die Bevölkerung einen Wald liebe und schätze, „wenn sie wahrnimmt, dass die Besitzer und berufenen Pfleger des Waldes ihn mit kaltem Eigennutz als Geldquelle ausbeuten unter gänzlicher Missachtung alles dessen, was den Wald eigentlich zum Walde macht.“ Und so ist das Buch ausdrücklich auch der „Schönheit des Wirtschaftswaldes“ gewidmet.

Inzwischen hat mein Buchenpaar leider ausgetanzt. Der letzte Herbststurm hat zugeschlagen und die stammstärkere der Partnerinnen zerbrochen. Wird sich auch künftig noch ein Besuch dort lohnen? Werden Strunk und zerborstener Stamm nächstens zu Brennholz aufgearbeitet und verheizt sein, oder bleiben sie als Totholz stehen und liegen, sodass sie alsbald vom Zunderschwamm besiedelt, von Spechten bearbeitet und schließlich auch wieder dem Nährstoffkreislauf zugeführt werden können – so wie es in intakten Waldökosystemen vorgesehen ist? Gelegentlich werde ich wohl doch wieder vorbeischauen, ihr Beiden.

Ob wir uns wiedersehen ……..

Was einem einmal durch Mark und Bein gegangen ist, vergisst man nie.

Unvergessen, Alexander Krieger

Donaueschingen 04.03.2022 / Okt. 1962

Jeden Morgen um Halb – Acht zur Schulzeit müht sich ein Mann vom Hindenburgring, durch das Friedensgässle, durch den Lassberg ins neue Gymnasium im Lehen in Donaueschingen. Während man noch das Marmeladenbutterbrot verspeist, sieht man aus dem Esszimmer auf den Gehweg. Ein Mann mit einem Stock humpelt mit von Schmerzen gezeichnetem Gesicht vorbei. Den Stock braucht er, um besser das Gleichgewicht zu halten und die Plagen, die ihm der Beinstumpf bereitet, etwas zu lindern. Die Prothese am Beinstumpf unter dem Bügelfalten Hosenbein muss ihn wohl sehr quälen. Seine Phantomschmerzen sind selbst aus der Distanz zu erahnen. Was Phantomschmerzen sind, weiß ein Quartaner in den 60-er Jahren in der Garnisonstadt aus familiären Gründen. Noch humpeln viele verhärmte Männer mit Krücken unter den Achseln durch die Stadt. Manche fahren auch mit dreirädrigen Gefährten, die sie mit den Armen antreiben und auch lenken, durch die Stadt. Das sind die unglücklichen Vollamputierten ohne Beine. Onkel Albert, dessen Holzfuß meist in der Ecke steht, quälen diese fürchterlichen Phantomschmerzen. Anschaulich und drastisch wurde einem das erklärt. Man weiß von diesen Schmerzen.

Einige Minuten nach dem humpelnden Mann mit dem Stock und der Prothese rennt man auch noch die Paar Meter zur Penne, wo es gerade klingelt.
Erste Stunde Latein bei diesem zwar etwas grimmigen, leidenden, aber dennoch gütigen Mann mit der gekrümmten Haltung. Dann andere Fächer und dann in der letzten Stunde auch noch Griechisch bei diesem Mann. Altphilologe, nennt man diesen strengen, respektierten und gerechten Mann. Anders wie viele seiner traumatisierten Kollegen spricht er nie von seinen sicher fürchterlichen Erfahrungen und Erlebnissen, die ihm das Bein gekostet haben. In den letzten zehn Minuten an diesem Vormittag ist das aber plötzlich ganz anders.

Zwar haben wir die Dramatik dieser Tage im Oktober 1962 am Radio und in Erwachsenen- und Elterngesprächen mitbekommen und gespürt. Aber was nun Studienrat Alexander Krieger erklärt und eindrücklich, eindringlich erläutert geht durch Mark und Bein. Noch heute kann ich die knisternde Atmosphäre und die Aura, die dieser Mann in diesen Minuten erzeugte, fühlen und spüren.

Bewegt, aufgewühlt und tief erschüttert berichtet er von den aktuell ablaufenden Vorgängen in der Kubakrise. Namen wie Nikita Chrustschow, J.F. Kennedy und andere Weltlenker fielen. Atomkrieg, Raketen, Embargo und U- Boote. Noch nie hatte der geschundene Weltkriegsinvalide auch nur ein persönliches Wort über Krieg und Militär in seinem Latein- und Griechischunterricht verloren. Die unerwartete Weltpolitik- Unterrichstminuten beeendete er mit den Worten:

„Es ist nicht sicher, ob wir uns jemals wiedersehen“.

Psychologen reden von vier Erinnerungsebenen. Der Kollektiven, der Kulturellen, der Kommunikativen und der Episodischen. Die Episodische taucht immer wieder mal auf und holt die anderen auch an die Oberfläche.
Denn 60 Jahre später endet ein erschütternd emotionaler Appel eines Staatsoberhauptes, dessen Land barbarisch und menschenverachtend überfallen wird, in einem Videoausschnitt mit einem luxemburgischen Staatsmann mit den gleichen Worten:

„ Es ist nicht sicher, ob wir uns jemals wieder treffen werden“.

Diesmal hören das nicht humanistische Spracheleven, sondern die ganze Weltöffentlichkeit. Und auch die ist, wie damals die Quartaner, zutiefst erschüttert und betroffen.

Immer wieder ist mir der unvergessliche Satz von Herrn Krieger durch den Kopf gegangen. Ob bei Vietnam , Sarajevo, Mauerfall, bei 9/11, bei Afghanistan, Chile, Irak, Syrien, Libyen und nun Ukraine. Schon deshalb haben sich die fünf wenig erfolgreichen, mühsamen Jahre Griechisch mehr als gelohnt.

Oberstudienrat Alexander Krieger bei Schulausflug auf Lindenhof Immendingen (um 1960)

Hilfe mit Auto gesucht!

In Neudingen und Sumpfohren sind etwas 50 Ukrainische Flüchtlinge untergebracht.

Der Ortsvorsteher von Behla, Christoph Martin, hilft dabei einen Fahrdienst für diese Menschen zu organisieren.

Alle die hier helfen können, dürfen sich in die die Liste im Rathauskänzele in Behla für einen Fahrdienst eintragen!

Ortsvorsteher Behla Christoph Martin:

Mehlschwalbenschädlinge

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist eine Geschichte, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ulrike Guttenberger aus Brachbach, einem Ortsteil von Untermünkheim im Kreis Schwäbisch Hall hat mir diese Bilder geschickt. Toll ist das 1. Bild mit den vier künstlichen Nestern für die Mehlschwalben. Frau Guttenberger schreibt, „seit Jahren haben wir diese als wartungsfrei beworbenen Mehlschwalbennester am Haus. Dann sind uns im dritten oder vierten Jahr mehrere Bruten ohne erkennbaren Grund gestorben“. Als Tierärztin hatte sie einen Verdacht und Sie überzeugte ihren Mann, die „wartungsfreien“ Nester zu kontrollieren. Beide waren sprachlos, als sie die Ansammlung von Parasiten sahen, die sich da in und oberhalb der Nester versteckt hatten und dort überwinterten. Seitdem werden jedes Jahr im Februar/ März die Nester abmontiert und gereinigt. Zur Klarheit, die Bilder 2 bis 4 stammen nicht vom Katastrophenbefall mit den abgestorbenen Bruten, sondern von der regulären jährlichen Reinigung in diesem Jahr. Wahrscheinlich sind es Schwalbenwanzen, auf Bild 3 sind zwei zu sehen. 

Man muss sagen, dass die aus Holzbeton gefertigten Kunstnester eine wesentlich längere Lebensdauer haben als die selbsthergestellten Lehmnester. Dadurch ist natürlich eine Anreicherung mit Parasiten möglich. Das zweite sind die einfach gestalteten Pressspanplatten, die sehr viele Versteckmöglichkeiten bieten. Ein funierten glattes Holz wäre sicherlich besser und wird heute auch im Handel angeboten. Das Ganze ist schon eine erstaunliche Angelegenheit. 

Wenn Sie auch den Eindruck haben, dass die Bruten leiden, dann ist es sinnvoll, nach Parasiten zu schauen. Und momentan ist der richtige Zeitpunkt dafür, bevor im April die schönen Mehlschwalben wieder kommen.

Herzliche Grüße

Franz Maus

Entlang der Umzugsstraße

23.02.2022 von Michaela Moser

Entlang des ursprünglichen Hüfinger Umzugsweges tummeln sich in der Hauptstraße die Narren. Nicht alle „life“ versteht sich. Solche Unterfangen gestalten sich momentan zu Coronazeiten noch schwer. Jedoch wusste sich die Narrenzunft Hüfingen, gemeinsam mit den katholischen Frauen zu helfen. Wie einst das schlaue Baptistle, die Urgestalt der Hüfinger Fasnet, sich das Feiern nicht nehmen ließ, und der damaligen Obrigkeit ein Schnippchen schlug, indem es sich die Erlaubnis holte, aus dem Fenster heraus die Fasnet erleben zu dürfen, fanden die Hüfinger Narren ebenfallls ihren eigenen Weg. Baptistle trug damals, der Überlieferung nach, das Fenster um den Hals und durchstreifte die Straßen.

Das Baptistle im Zunftbuch

Heute lachen einem aus den Schaufenstern der gewerbetreibenden Geschäfte die Hüfinger Fasnetfiguren entgegen. Beginnend gleich neben dem Hüfinger Tor, rechterhand, steht es schwarz auf weiß bzw. bunt: „Die Narrenzunft Hüfingen e.V. und die katholischen Frauen Hüfingen Ikfd machen für euch die Fenschderfasnet 2022“. So findet der Spaziergänger entlang des Weges durch die Hauptstraße, Gretle und Hansel, Die Reti-Wölfe aus Hausen vor Wald, Hexen, Schallmeien und nicht zu vergessen – das unvergleichliche Baptistle. Selbst die alte Musikeruniform durfte nicht fehlen, handelt es sich hierbei doch um ein Relikt der Stadtgeschichte. Peter Albert, Urhüfinger, Narrenfreund und Verfasser eines bereits 1992 herausgegebenen Buches zur Hüfinger Fasnet weiß dazu zu berichten:

„Fasnet ist kein oberflächlicher Klamauk und keine ausschweifende Fröhlichkeit, sondern lebendiges Brauchtum, dass Teil der Identität als Alemannen und Baaremer ist. Aus dem Verständnis unserer eigenen, gewachsenen alten Bräuche heraus sind wir daher in der Lage, Achtung und Wertschätzung anderen Bräuchen und Völkern entgegenzubringen.“

Hansel

Viele der Fasnetfiguren entstanden aber auch, laut Albert, erst in den letzten 100 Jahren wie z. Bsp. Die Hexen oder Teufel. Sie sind nicht alle wie ursprünglich angenommen, mittelalterlichen Ursprungs. Die Fasnetgestalt „Bercheappeli“ (1966 ins Leben gerufen) entstammt einer Hüfinger Sage, dass im Berchenwald vor vielen Jahren ein altes Weiblein hauste, das den Wanderern allerlei Schabernack spielte ohne grob oder unverschämt zu werden. Die „Berghexe“ gründete sich 1977. Schon in den Jahren zuvor wurde mit dem Hexenrennen der Schulbuben durch die Hinterstadt, die Fasnet eingeläutet. Das inspirierte die Narrenzunft dazu auch eine Erwachsenenhexengruppe zu gründen. 1979 wurden die „Siere- Schalme“ kreiert. Entwurf und Anfertigiung lagen damals in den Händen des ortsansässigen Bildhauers Otmar Mayer. Eine der jüngeren Gruppen zeigt sich in den 1985 gegründeten „Schalmeien“, welche 1986 ihren ersten Auftritt beim Hüfinger Fasnetgeschehen hatten. Als alles beherrschende Gestalt, neben dem legendären Baptistle, stellt der „Hansel“, begleitet von seinem „Gretle“ die zentrale Figur der Fasnet dar. Vermutlich entwickelte sich die Gestalt aus dem mittelalterlichen Hofnarren heraus.

Scheeremaa

Alle diese spektakulären Figuren treten dieser Tage wieder erneut ins Rampenlicht und als Spiegelbild der Gesellschaft auf. Und möglicherweise ist deshalb der Aschermittwoch so wichtig wie der in Alberts Buch zu Wort kommende Prof. Dr. Utz Jeggle von der Universität Tübingen sagte:

„ … bringt er doch das wahre Gesicht ans Licht -, aber was ist das wahre?“

Narrensame

Stellungnahme des LNV zum Bebauungsplan Ziegeleschle II

Diese Stellungnahme zum Bebauungsplan Ziegeleschle II erfolgt im Auftrag des NABU Landesverbandes von Baden-Württemberg, des BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg und des Landesnaturschutzverbandes von Baden-Württemberg.

Die frühzeitige Anhörung der Öffentlichkeit hat weitere Anregungen – insbesondere des Umweltbüros im Städtedreieck – und Erkenntnisse in das Bebauungsplan-Verfahren „Ziegeleschle II“ eingebracht.
Zu dem nun in der Offenlage vorliegenden Bebauungsplan nehmen die Umweltverbände – ergänzend zu unserem Schreiben vom 8.9.2021 – wie folgt Stellung:

Eine teilweise erhebliche Beeinträchtigung der Schutzgüter Boden, Grundwasser, Fauna und Flora (insbesondere Avifauna, Kleinsäuger, Reptilien, Falter, Mager-Mähwiese, Hecke, Ruderal+Gebüsch-Flächen), allgemeiner Naturhaushalt, Klima und Luft wird festgestellt. Dementsprechend sind Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen erforderlich und im Bebauungsplan aufzunehmen (was teilweise geschehen ist), u.a.:

  • Die Baumpflanzungen (großkronig, auch hochstämmige Obstbäume) und die zugehörige Pflanzliste werden begrüßt und sind so umzusetzen.
  • Begrünungs/Solarpflicht auf Dächern: eine entsprechende Festsetzung dient der Retention, dem Landschaftsbild (Erscheinung von Süden), der Stadtökologie (s. Motto von Hüfingen!) und reduziert den Ausgleichsbedarf (Schonung landwirtschaftlicher Flächen!)
  • insektenfreundliche Gestaltung der Grünflächen: Zumindest für die öffentlichen Grünflächen ist es angesichts des stetigen Rückgangs der Insekten ein Gebot der Stunde, diese naturnah, artenreich zu gestalten: unter den Streuobstbäumen sollte eine artenreiche Blumenwiese (Magerwiese) entwickelt werden, die Retentionsfläche durch Mahd mit Abräumen statt mulchen aufgewertet werden.
  • Maßnahmen gegen Vogelschlag werden ausdrücklich begrüßt.
  • Mehrgeschossiges Bauen ist auch im Bereich des Gewerbe möglich z.B. Büro- und/ oder Lagerräume über Produktion, Parkebenen im EG oder als Dachgeschoss. Angesichts des immer noch zu hohen Flächenverbrauchs und der immer knapper werden geeigneten Flächen sollte dafür jede Möglichkeit, ggf. auch erst bei den späteren Baugenehmigungen, genutzt werden.
  • breitflächige Versickerung von Niederschlagswasser bzw Regenklärbecken, wasserdurchlässige Beläge: die getroffenen Festsetzungen sind unbedingt umzusetzten
  • Freihaltung eines Frischluftkorridors: vgl. Umweltbericht Klima
  • Trotz aller Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen im geplanten Baugebiet bleiben erhebliche Beeinträchtigungen, die extern (über ein Ökokonto) ausgeglichen werden sollen. Ein solcher Ausgleich ist natürlich immer kritisch zu betrachten, denn es geht offene Naturfläche durch Überbauung und Versiegelung verloren: das wäre eigentlich nur durch Renaturierung überbauter und versiegelter Flächen an anderer Stelle auszugleichen. Dies ist nicht der Fall. Wir schlagen daher vor, als Trennung zum später geplanten Wohngebiet im Westen bereits jetzt einen ausreichend großen Pufferstreifen als Streuobstwiese mit Blumenwiese zu entwickeln, die die beiden Nutzungen voneinander trennt, eine Kaltluftbahn darstellt und mit der Zeit einen hochwertigen Lebensraum mit hohem Erlebniswert entwickelt. Dieser sollte angeschlossen werden an den bestehenden Streuobstbestand auf Flst. 1408, 411 und 412, Kernfläche des Biotopverbundes nach LUBW.
  • Die Stadtplanung ist weiterhin – auch nach den großen Erweiterungen (LIDL&Co, Gewerbegebiet an der Bräunlinger Straße) der vergangenen Jahrzehnte – auf Expansion ausgerichtet. Die Methode der Bedarfsflächenermittlung, die für den FNP angewendet wurde stammt aus den 80er Jahren, wurde kaum modifiziert und ist umstritten (Leibnitzinstitut f. ökologische Raumplanung IÖR Bd. 58 u. 61). Nachhaltigkeit ist kein Thema. Die Berechnung nach dieser Methode kommt zu viel höheren Flächenzuwächsen als politisch gewollt. Zunehmende Größe ist kein Indikator für das Wohlergehen einer Gemeinde. Die hohe urbane Kunst eines Stadtplaners besteht darin, mit den vorhandenen Flächen, eventuell kleinen Abrundungen auszukommen – mit Nutzung von Brachen, mit Aufstockung, mit Verdichtung, mit Minimierung von Parkplätzen und Verkehrsflächen. Das ist in Hüfingen nicht der Fall (s. z.B. Gewerbebrache Sägewerk).
  • Das Pariser Klima-Abkommen, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (allein die Interessen der heutigen Generation sind nicht Maßstab: Wir müssen schon heute alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um die Lebensgrundlagen und Freiheitsrechte zukünftiger Generationen zu schützen) ist auch und besonders auf der kommunalen Ebene verpflichtend, d.h. jeder kommunale Verwaltungsakt ist auf Enkeltauglichkeit zu prüfen. Der Flächennutzungsplan aus dem Jahre 2007 ist in Hinsicht auf Einhaltung der Klima- und BVerFG-Anforderungen überprüfungsbedürftig. Fazit: Die Umweltverbände halten als konkrete Folge auf die Herausforderungen von extremen klimatischen Ereignissen, von Corona, Paris-Abkommen, Urteil des BVerFG die folgende Anpassung der Bebauungspläne betreffend Ziegeleschle II und Baugebietsplanung an der Dögginger Straße für notwendig: Das Gewerbegebiet „Ziegeleschle II“ wird nur einreihig entlang der Hausener Straße ausgeführt mit entsprechend geringerem Infrastrukturausbau und geringeren Eingriffen in den Naturhaushalt. Ebenso sollte das geplante Wohngebiet entlang der Dögginger Straße nur unmittelbar an der Straße entlang ausgeführt werden. Die somit eingesparten Finanzmittel können für Öko- und Ausgleichsmaßnahmen verwendet werden.
    Als wirksame Ausgleichsmaßnahme wird das übrige, weiterhin landwirtschaftlich betriebene Gebiet (im Besitz der Stadt!) ökologisch aufgewertet u.a. mit folgenden Maßnahmen:

Vitalisierung und Erweiterung des mageren Mähwiesenbiotops (annähernd 200 qm) durch Extensivierung und Entwicklung der gesamten, artenarmen Fettwiese (37.000 qm).
Ersatz für den Wegfall der Scheune (einschließlich Holzstapel) in Form einer für diesen Zweck (teilweise aus der alten Scheune) erstellten, kleinen historischen Feld-Scheune mit Umfeld als Sekundärbiotop, v.a. für Kleinsäuger (Haselmaus?), Gartenrotschwanz, Wildbienen, Eidechsen, Fledermäuse.

Vitalisierung und landschaftsbereichernde Erweiterung der vorhandenen Hecke
Vitalisierung und Erweiterung der bestehenden Streuobstwiese zu einem Streuobstgürtel, wie es einmal an den Ortsrändern Tradition war (vgl. oben)

Damit wäre ein vollständiger, gebiets- und naturnaher Ausgleich zu schaffen – weniger in bürokratischer, behördlicher Form und in der Feststellung eines bereits degenerierten, naturfernen, nicht ausgleichbedürftigen Zustands, sondern mit kreativer Intelligenz in einer wirklichen, ökologischen Aufwertung, die die Eigenwerbung Hüfingens (Geschichte, Ökologie, Kunst) konkret unterstützt.

Damit wäre das Prinzip des „Weiter so“ durchbrochen und eine zukunftsfähige, nachhaltige Entwicklung eingeleitet.
Wünschenswert wäre, wenn die Vorschläge der Naturschutzverbände nicht nur zur Kenntnis genommen werden, sondern auch Folgen haben könnten im weiteren Verfahren.

Mit freundlichen Grüßen H. Krafft / H. Körner

LNV Arbeitskreis Schwarzwald-Baar, im Auftrag des Landesverbandes Kreisgruppe des NABU Schwarzwald-Baar, im Auftrag des Landesverbandes BUND, Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg

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