Haareis

Liebe Bürgerpostleser, 

könnt Ihr Euch noch an die interessante Haareisgeschichte erinnern? Das Bild unten zeigt das herrliche Gebilde, das ich über Hubert Schätzle aus Totdnau-Präg von dessen Bruder Hermann bekommen habe. 


Seit damals wissen wir, wie so etwas entsteht: Morsches und feuchtes Totholz ist eine Voraussetzung. Im Totholz muss sich Myzel winteraktiver Pilze befinden. Diese produzieren beim Stoffwechsel Gase, die das im Holz vorhandene kühle Wasser an die Oberfläche drängen. Dort gefriert es bei Minusgraden und wird durch nachdrängendes ebenfalls gefrierendes Wasser weitergeschoben. Dies geschieht ausschließlich bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, wenn das Wasser im Holz noch nicht gefroren ist. Ich finde es immer noch ein absoluter Hammer.

Wieso greife ich dieses Thema nochmals auf? Weil ich Haareis am Sonntagnachmittag in Hausen vor Wald beim Eingang in den Kohlwald an einem Stock tatsächlich gesehen habe. Das ist aber jetzt noch nicht der Grund. Tatsache ist, wenn Sie das linke Bild genau anschauen, dass das Eis über den Tag schon etwas geschmolzen ist. Aber mir war klar, dass es aus Haareis entstanden ist. Denn nirgends sonst um den Fundort war Eis zu sehen. Also beschloss ich, die Stelle zur Nachtzeit nochmals aufzusuchen in der Hoffnung, dass sich neues Haareis gebildet hat. Sie glauben nicht, wie unterschiedlich die Standorte im Wald aussehen, ob es Tag oder Nacht ist, weshalb ich die Händitaschenlampe benutzte. Eine tolle Erfindung nebenbei gesagt. Der Holzstock sah unverändert aus, allerdings habe ich einen 50 Meter weit entfernt wohnenden Bürger auf mich aufmerksam gemacht, der sich zu Recht gefragt hat, wer wird wohl mit einer Lampe im Wald herumrennen. 

Nun gut, am Montag, den 29. Januar 2024 war der Gedanke geboren, den Stock lieber nach Hause zu nehmen, statt immer wieder in den Wald zu gehen. Vielleicht kann ich Haareis vor meinen Augen im Garten züchten. Wie Sie bereits wissen, ist es wichtig, dass das Totholz nass ist. Deshalb habe ich den Bengel ins Wasser gelegt und mit der Gießkanne begossen, dann sah er blitze blank aus wie auf dem Bild oben rechts.


Und so konnte ich heute Morgen den Haareiszüchtungserfolg hocherfreut genießen.


Ist das nicht sensationell? Was ich erkannt habe, dass nur an den von der Rinde befreiten Stellen sich Haareis bildet. Heute den Bengel wieder nass gemacht, bin ich gespannt auf viele Wiederholungen der Haareisbildung.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Haus Hofmaier

Wer gucken will, seit gestern gibt es jetzt ein Loch im Holz!



Beitrag vom 30. November 2023

Schwer geschädigt von Corona ging im Jahr 2021 die Bäckerei Hofmaier an der Hauptstrasse 25 in 4. Generation in Konkurs.

Der erste Bäckermeister war Karl Hofmaier, das älteste von elf Kindern des Maurermeisters Karl Hofmaier (21.01.1840-28.09.1905).

* 18.02.1870 – Karl Hofmaier, Bäckermeister, 5 Kinder mit Martha Dürringer.
* 12.04.1898 – Wilhelm Hofmaier, Bäckermeister, 6 Kinder mit Anna Ottilia Schaar.
*20.10.1934 – Klaus Wilhelm Hofmaier Bäckermeister.
Hubertus Hofmaier, Bäckermeister.

Hauptstrasse in den 1970ern. Haus Hofmaier ist hinter dem Zebrastreifenschild. Vorne ist Cafe Holm.
Hauptstrasse in den 1980ern nach der Renovierung von Klaus Hofmaier.
Fotos: Karl Schweizer
Bäckerei Hofmaier an Fronleichnam 15. Juni 2015
Bäckerei Hofmaier
Bäckerei Hofmaier Weihnachten 2017
Weihnachten 2015
Weihnachtsengel von Frau Hofmaier

Das Haus wurde dann im Jahr 2022 vom Konkursverwalter an einen Investor verkauft der das Haus seit Sommer umfassend renoviert.

Hauptstrasse 25 am 29. November 2023

Vielen Dank an Kerstin Skodell für die Besichtigung des denkmalgeschützten Hauses heute!
Es durfte keinem Hüfinger entgangen sein, dass dieses Haus momentan umgebaut wird. Die podologische Praxis platzt aus allen Nähten und soll erweitert werden.

Deswegen muss der Eingangsbereich umfassend saniert werden, damit die Praxisräume für alle Menschen barrierefrei erreichbar sind.

Eingangsbereich. Hier musste eine dicke Betonschicht entfernt werden.
Weiter hinten im Anbau war früher der Backofen.
Der Anbau steht nicht unter Denkmalschutz und wurde wohl erst in den 1970ern mit dem Haus verbunden.

Oben entstehen 4 Appartements und ganz oben eine Loft. Leider konnte man da heute noch nicht hoch, da dies noch zu gefährlich ist.

Ich werde aber weiter berichten.

Gendern in der Forstpartie

Strobl will Gendern verbieten (Schlagzeile auf der Titelseite des Schwarzwälder Boten am 17. 1. 2024)

„Bin im Wald! – Mit einem Forstexperten durchs grüne Dickicht“, so lauten Titel und Untertitel 1 eines 2022 erschienenen Buches, verfasst von Bastian Kaiser, seines Zeichens Rektor der Forsthochschule Rottenburg. „Bin im Wald!“ basiert auf einer Erinnerung des Autors an seinen ersten Lehrherrn: an eine Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab und der Forstberuf noch ausschließlich eine Männerdomäne war: Bei Reviergängen hing damals jeweils ein kleines Schild an der Forsthaustür mit dem Hinweis „Bin im Wald!“ Dass sich zwischenzeitlich im Forst und unter den Forstleuten einiges bewegt hat, dass Försterinnen erfreulicherweise längst keine Exotinnen mehr sind, schlägt sich im Buch in ebenso konsequenter wie gewöhnungsbedürftiger Verwendung der Gendersprache nieder, die im Plural anscheinend nur noch die weibliche Form kennt: Demnach ist der Wald neuerdings durchweg im Besitz von „Waldbesitzerinnen“ (S. 37), was freilich nicht ausschließt, dass die Forstleute „häufig keine Expertinnen für gute Kommunikation“ (S. 40) seien. Unter Lehrkräften und Studierenden an der Forsthochschule scheint sich das Gendern inzwischen eingebürgert zu haben, auch wenn der Leser von Bastian Kaisers Buch dabei noch so sehr ins Stolpern gerät.

Dessen Lektüre, so wendet sich der Autor gleich im Vorwort an seine Leserschaft, „macht Sie noch nicht zu Expertinnen, soll aber Ihre Emotionen um Fakten ergänzen“. Denn die früher verbreitete, naiv-romantische Försterverehrung scheine in eine „manchmal sehr allgemeine und besserwisserische Forstwirtschaftskritik umzuschlagen“. Was wiederum „den Nährboden für populistische Vereinfachungen und Verschwörungstheorien“ biete. 

Dass Bastian Kaiser – von gelegentlich durchschimmernder Polemik abgesehen – klug zu erklären versteht, was er seinen Studierenden beibringt, um sie trotz der enormen Breite des Wissensstoffs zu tüchtigen „Försterinnen“ heranreifen zu lassen, versteht sich von selbst. Und so kommt denn auch für interessierte Laien (oder muss es nicht besser „Laiinnen“ heißen?) reichlich Licht ins „grüne Dickicht“ der Waldwirtschaft – spätestens mithilfe des Anhangs mit seinen 142 Anmerkungen. 

Ungeklärt bleibt freilich, was Hochschulprofessoren wohl dazu treibt, im Plural nur noch die weibliche Form der Berufsbezeichnung zu verwenden. Sollte es sich dabei um eine subtile Form des Protests gegen Sternchen und Großbuchstaben, gegen Förster*innen und FörsterInnen oder das doch etwas umständliche Försterinnen und Förster handeln, wozu in Baden-Württemberg doch das Chancengleichheitsgesetz verpflichte. Schließlich sind mittlerweile ja 30 % der Absolventinnen (m/w/div) der forstlichen Universitäten und Hochschulen weiblichen Geschlechts. Ob man dort inzwischen im Plural generell auch von Forstwirtinnen schreibt, wo bislang nur von Forstwirten, Waldarbeitern und Holzhauern die Rede war – und dies, obwohl auf dieser Berufsebene derzeit begreiflicherweise nur ca. 1 % weiblichen Geschlechts ist?

Doch jetzt wird man an der Rottenburger Hochschule und der Freiburger Uni reagieren müssen. Seit nämlich durchgesickert ist, dass Landesinnenminister Thomas Strobl (wie auch in Bayern Markus Söder) das Gendern in der Amtssprache verbieten will? Wird man im exklusiven Hochschulbereich den Studierenden (falls Strobls Plan aufgehen sollte) weiterhin das Gendern erlauben bzw. zumuten, wiewohl sie sich hernach im Beruf der (genderfreien) Behördensprache zu befleißigen haben werden? Eher zu vermuten ist wohl, dass alsbald neue sprachliche Mischformen entstehen werden, um die Klippen der offiziellen Schreibweise zu umschiffen. Mag sein, dass Rektor Bastian Kaiser mit seinen Försterinnen ja den Stein der Weisen bereits gefunden hat.

Im grünen Dickicht

 1 Bastian Kaiser: Bin im Wald! – Mit einem Forstexperten durchs grüne Dickicht. Hirzel-Verlag Stuttgart 2022. 300 Seiten mit 24 farbigen Abbildungen.
Hardcover 22,00 €. ISBN 978-3-7776-3040-3

Eisgebilde

Liebe Bürgerpostleser, 

am 9. und 10. Januar 2024 bin ich vom Technikzentrum Bäurer entlang der Stillen Musel Richtung Donaueschingen gelaufen. Überraschender Weise sah ich auf Höhe des Poloplatzes schöne Eisgebilde an abgestorbenen Grashalmen hängen. Eiszapfen kann man wohl nicht sagen, denn diese entstehen ja bekannter Maßen von oben nach unten. Diese hier sind entstanden, weil das Wasser an diesen Stellen etwas mehr Gefälle hat und die Wasserspritzer an die Halme hingefroren und von unter her gewachsen sind. Ist das nicht eine Augenweide?


Die ersten beiden Bilder sind an der gleichen Stelle aufgenommen mit einem Tag Unterschied. An den Zapfen im rechten Bereich ist noch einiges an Eis dazugekommen und die Formen haben sich auch verändert. Im mittleren Bereich gibt es fünf, die sich nicht verändert haben, warum wohl? Weil keine Spritzwasser mehr durch die zurückgehende Wassermenge der Stillen Musel zum Eis gelangte. Was sagt man dazu? Einfach toll. 
Das Bild ganz oben ist auch am zweiten Tag entstanden.

Dann zum Bild oben eine Frage: Wieso ist die Bolkartwiese an manchen Stellen weiß und an manchen nicht? Ahnen Sie die Lösung? Das Bild ist vom 10. Januar. Über Nacht hatte es ein „Muckenseckele“ geschneit und an den mit Eis überzogenen Stellen kommt der Schnee zur Geltung, an den anderen nicht. Erstaunlich. Es ist aber zu erkennen, dass es vor nicht allzu langer Zeit ergiebig geregnet hat. Die Bilder aus Nord und Mitteldeutschland haben wir alle noch in Erinnerung. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Bauernaufstand

Was geht einem nicht alles durch den Kopf, wenn in den Nachrichten die Treckerkolonnen anrücken, wenn man gar selbst irgendwo im Stau steckt. Und wenn in der Abendschau dann auch noch Szenen von Pöbeleien und Handgreiflichkeiten gegen Politiker serviert werden. Oder die populistischen Anbiederungsversuche von Parteiengrößen, dazu der  staatsmännische Auftritt des Bauernverbandspräsidenten  und dessen Bekenntnisse zur Demokratie und zur EU. Daneben Gebrüll und Slogans wie „An den Galgen mit der Ampel!“ Ob sich die Wut wohl vollends entladen haben wird, ob genügend Dampf abgelassen worden ist, wenn all die großrädrigen und PS-strotzenden Traktoren nach den Demos in die Höfe zurückgekehrt und wieder zur Feldbestellung eingesetzt sein werden? Wird man in der Landwirtschaft wohl wieder zur Normalität zurückfinden, oder ist eher ein Flächenbrand zu befürchten nach den Muskelspielen auf zugestellten Straßen und Plätzen, zusätzlich befeuert durch Lokführer- und Ärztestreik sowie von extremistischen Brandbeschleunigern mit der Aussicht auf eine saftige Quittung bei den demnächst anstehenden Wahlen in Brüssel und in den ostdeutschen Bundesländern?

Ermahnung vorm Hallenstall: „Schimpfe nie mit vollem Mund über Bauern!“

Wie sich die Agrarpolitik hierzulande seit Sicco Mansholt selig („Wachsen oder Weichen!“) seit Jahrzehnten dargeboten hat, musste sie ja selbst unter urbanen Normalbürgern Skepsis auslösen angesichts des Höfesterbens, mehr aber auch des Artensterbens. Der für Milchbauern so ruinös niedrige Literpreis ist uns Konsumenten bei Lidl, Edeka oder Aldi ja dennoch stets zupass gekommen. Und wie rasant sich in der Folge – trotz aller Subventionen und satellitengestützter Überwachung der Auflagen – das Bild der Agrarlandschaft wie das der Bauernhöfe verwandelt hat, das konnte eigentlich keinem entgangen sein. Je rascher aus Höfen „Agrarfabriken“ wurden und je üppiger die neuen Hallenställe ausfielen, desto artenärmer und monotoner entwickelte sich die Feldflur. Während sich die Baar von der „Kornkammer Badens“ in eine Maiskammer verwandelte, wurde die Diskussion über CO2- und Umweltbilanz der Landwirtschaft immer lauter und unnachsichtiger geführt – Blühstreifen hin oder her. Zugleich wuchs mit dem Zwang zur Rationalisierung der Maschinenpark in den verbliebenen Vollerwerbsbetrieben, vom Melkroboter bis zur Biogasproduktion. Wie waren da all die Investitionen überhaupt noch finanziell zu stemmen? 

Am auffälligsten war die Aufrüstung mit immer noch schwereren Traktoren mitsamt deren oft mehrachsigen Nachläufern für Gülletransport und Ernte: Was waren das doch für Zeiten, als außer den Misthaufen vor den Häusern auch noch geräuschvoll dahin tuckernde Kramer-, Deutz- oder Lanzbulldogs das Dorfbild prägten; nun haben allenfalls bei Hobby- und Nebenerwerbslandwirten noch welche überlebt. Umso mehr darf gerätselt werden, wie unter den Rädern der tonnenschweren Nachfolgergeneration die Produktionskraft der „Ackerkrume“ überhaupt erhalten werden kann, zumal unterm Vorzeichen des Klimawandels mit seinen sich häufenden Hitze-, Trocken- und Überflutungsphasen.

Feldbestellung im Zeichen des Klimawandels

Vom Artenschwund in der Insekten- und Vogelwelt ganz zu schweigen, egal ob mehr vom Kunstdünger- oder vom Pestizideinsatz verursacht. Doch mit jeder erneuten Umwelt- und Tierwohlauflage staute sich noch mehr Frust an, Wut auf die Bürokraten in Brüssel wie auf die Regierenden in Berlin, sodass schließlich die Aufkündigung der bisher gewährten Steuervorteile und des Agrardiesel-Vorzugspreises der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, mochte die Ampel in Berlin noch so verzweifelt nach akzeptableren Einsparmaßnahmen gesucht haben seit dem Stopp durch das Verfassungsgerichtsurteil.

„Landwirtschaft hilft allen“, so lautete unlängst noch ein vollmundiger Werbeslogan des Bauernverbands, der auf Autoaufklebern und Plakaten weite Verbreitung gefunden hatte. Ob unter den Vorzeichen des sich steigernden Proteststurms, gar dessen Unterwanderung durch extremistische Kräfte, nicht doch das noch immer vorwiegend positive Image des Bauernstands Schaden erleiden wird – so sehr, dass sogar die Umsätze der Biolandwirte, der Selbstvermarkter und Bauernläden abzusinken beginnen? Warten wir´s ab: Kommt es zu wachsender Radikalisierung, zur Vereinnahmung durch AfD, Querdenker und Reichsbürger oder bleibt es bei halbwegs maßvoller Ausübung des demokratisch-zulässigen Demonstrationsrechts? Und nimmt man wirklich den Mund zu voll, wenn man Zweifel äußert an Sinn und Zweck der gegenwärtigen Protestwelle?

Von der Bauernhof-Idylle…
…zur „Agrarfabrik“

Töpferwespen

Liebe Bürgerpostleser, 

erinnern Sie sich noch an die Geschichte unten von den beiden Töpferwespen- Brutbehältern auf dem Handtuch in meinem Gartenhaus? Die Aufnahme entstand am 23. Juli 2023. Ich schrieb damals: „Das Ei entwickelt sich zur hungrigen Larve, die den Behälterinhalt leerfrißt. Dann kommt der Moment der Umwandlung und wenn die Töpferwespen fertig sind, fressen sie sich aus dem Gefängnis. Das kann im Herbst sein oder erst im Frühjahr des nächsten Jahres“. Ehrlich gesagt, ich hätte eine Wette darauf gesetzt, dass das mit dem Herbst bei uns auf der Baar nicht hinhauen wird. Trotzdem beobachtete ich die beiden Töpfe in unregelmäßigen Abständen.

Dann kam der 18. Dezember 2023 und ich war total überrascht, was ich zu sehen bekam. Beide Töpfe sahen aus, wie wenn sie in mehr als der halben Höhe geköpft worden wären und sie waren leer. Stopp, nicht ganz, im linken Topf war noch etwas Inhalt.  Auf jeden Fall waren die jungen Töpferwespen verschwunden. Ich vermute, dass Sie es vorzogen, doch noch im Spätherbst ins Erwachsenenalter einzutreten. So etwas aber auch. Ich kann nur hoffen, dass sie ein gutes und sicheres Winterquartier gefunden haben. Den Restinhalt vom linken Topf versuchte ich zu sezieren. Tatsächlich fand ich ein Räupchen das offensichtlich nicht gefressen wurde. Die Natur ist voller Überraschungen und die Töpferwespe spielt dabei mit in der ersten Liga.

2. August 2023

Vom Schaffen im Garten hatte ich nasse und dreckige Hände und im Gartenhaus ging ich zielgerichtet auf ein herumliegendes Handtuch zu. Stopp, langsam, was ist denn da los? Da sind ja zwei Tontöpfchen, der Farbe nach noch ziemlich frisch, auf dem Tuch befestigt, das ist ja der Hammer. Von der Größe her nicht gerade groß und mit einem Deckel versehen.

23. Juli 2023


So weit so gut. Jetzt die Geschichte dazu:

Eine von sieben in Deutschland vorkommenden Töpferwespenarten, und zwar ein Weibchen, hat aus einem Lehmgemisch zwei Brutzellen gebaut. In jede Zelle wird ein befruchtetes Ei gelegt und jetzt kommts, der ganze Topf wird gefüllt mit kleinen Raupen und Larven. Ja wie soll das gehen? Betäuben mit dem Stachel ist die Methode der Wahl und ab damit in den Behälter und wenn er voll ist, wird er mit einem Deckel (Bild oben rechts) verschlossen. Was sagt man dazu? Man kann nur staunen. Das Ei entwickelt sich zu hungrigen Larve, die den Behälterinhalt leerfrisst. Dann kommt der Moment der Umwandlung und wenn die Töpferwespen fertig sind, fressen sie sich aus dem Gefängnis. Das kann im Herbst sein oder erst im Frühjahr des nächsten Jahres. 

Bei Edmund Zeiser in Zimmern unter der Burg hat sich eine kleine Kolonie in einem Bienenstock angesiedelt.

Unten die gekrönte Töpferwespe, die Christian Kobel aus Valagin in der Schweiz auf https://www.flickr.com/photos/hitschko/7599222836 eingestellt hat. Auffallend ist die sehr schlanke Taille. 


Herzliche Grüße
Franz Maus 

Frischer Wind?

„Beim Ausbau der Windenergie sind wir gut dabei. Bereits 106 Windkraftanlagen drehen sich über den Baumwipfeln im Staatswald. ForstBW treibt die Verpachtung landeseigener Waldflächen intensiv voran, um seinen Beitrag zu leisten und zeitnah den Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromversorgung zu sichern.“ (Peter Hauk MdL, Minister für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, Aufsichtsratsvorsitzender von ForstBW in ForstBW INTERN, Ausgabe Dezember 2023)

Keine neuen Windräder im Staatswald. Trotz der Vermarktungsoffensive im Staatswald ist noch kein Windrad auf den seit 2021 ausgewiesenen Flächen genehmigt. (Schlagzeile des Schwarzwälder Boten v. 4. 1. 2024)

Auf der Titelseite von ForstBW INTERN vom Dezember 2023, den Mitteilungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wünscht die Betriebsleitung ForstBW frohe Weihnachten. Darunter werden aus dem Inhalt vor allem drei Beiträge angekündigt: „Frauen im Forst – über Chancengleichheit und Wandel in der Forstwelt“, „Moorrevitalisierung – Startschuss für das Naturschutzgroßprojekt MooReKa“ und unter „Frischer Wind im Wald“ ein Bericht über die Einweihung des Windparks „Junge Donau“. Die Anstalt öffentlichen Rechts (AöR), zu welcher die Staatsforstverwaltung 2020 umgewandelt worden ist, hat mittlerweile, so ahnt man schon vor dem Öffnen des Blattes, neben der Staatswaldbewirtschaftung ein zusehends breiter gefächertes Aufgabenspektrum zu bewältigen. Dafür hat ForstBW immerhin, wie der Leser auf Seite 3 erfährt, in der Branche Forstwirtschaft den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2024 gewonnen, verliehen von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Womit die Vorreiterrolle der AöR im Bereich der multifunktionalen Waldbewirtschaftung belohnt werde. Nominiert worden sei ForstBW als eines von mehreren Forstunternehmen nach einem mehrstufigen Auswahlprozess, „zunächst mithilfe KI-basierter Recherchen“, was immer man sich darunter vorzustellen hat. Es glaube nur ja niemand, im Staatswald unseres Bundeslands seien noch Hinterwäldler am Werk, sei die Neuzeit noch nicht angebrochen!

Dass der „frische Wind im Wald“ (bzw. „über den Baumwipfeln“) mächtig die Backen aufbläst, zeigt sich sodann im halbseitigen Bericht über die  Einweihungsfeierlichkeiten des Windparks „Junge Donau“ vom 22. September 2023. Illustriert ist er mit zwei Fotos: auf dem einen ist zuoberst auf der Außentreppe eines der fünf gigantischen Türme Ministerin Thekla Walker MdL festgehalten, darunter Landrat Stefan Bär vom Landkreis Tuttlingen, dazu Oberbürgermeister und Bürgermeister der umliegenden Gemeinden sowie ForstBW-Vorstand (alias Landesforstpräsident) Felix Reining, weil nämlich drei der fünf Windräder im Staatswald stehen; das zweite Foto zeigt neben einem zehnachsigen Spezialtransporter mit einem in Schrägstellung aufgeladenem gewaltigen Rotorflügel das Forstbezirksteam (23 Mitarbeiter*innen in warnfarbener Arbeitskluft) zu Besuch im zentralen Zwischenlager der Windenergiebranche bei Neuenbürg im Nordschwarzwald. 


Bei der anschließenden Pressekonferenz im Tuttlinger Rathaus hob ForstBW-Vorstand Reining hervor, „dass die Flächenverfügbarkeit eine grundlegende Voraussetzung für einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sei und ForstBW hierzu einen wichtigen Beitrag leiste.“ Erfreut gezeigt „über die Früchte der Windkraftarbeit des Windkraftteams“ hat sich, dem Bericht zufolge, auch Geschäftsbereichsleiter GB 33 Jörg Hertie (sollte sich hinter GB der vormalige Forstrevier- oder der Forstamtsleiter verstecken?), schließlich hätten die Arbeiten zur Flächenbereitstellung ja bereits 2014 begonnen und 2016 sei dann der Gestattungsvertrag abgeschlossen worden – ein langer Planungsprozess sei somit glücklich beendet und mit der „Jungen Donau“ drehten sich nun also 106 Windenergieanlagen in den Staatswäldern von Baden-Württemberg. 

Doch trotz dieser Erfolgsmeldung sollte noch vor Dreikönig, am 4. Januar des neuen Jahrs, Gegenwind aufkommen: „Bremst Forst BW den Ausbau?“, so fragt der Schwarzwälder Bote auf seiner Titelseite. Auch im vergangenen Jahr seien im Südwesten nur einige wenige Windkraftanlagen genehmigt worden. Weshalb die für die Ausweisung von Flächen im Staatswald zuständige Behörde in der Kritik stehe. Landsweit seien laut Umweltministerium 774 Anlagen in Betrieb, nur 16 seien neu ans Netz gekommen, netto sogar nur 13, da auch Anlagen abgeschaltet worden seien. Und das, obwohl die Landesregierung doch eigens eine Taskforce Erneuerbare Energien eingesetzt habe, um Hindernisse für den Windkraftausbau aus dem Weg zu räumen. Doch gerade der Staatswald komme nicht voran: Auf den seit 2021 ausgewiesenen Flächen sei „kein einziges neues Windrad entstanden“. Dabei sollen es nach den im Koalitionsvertrag festgelegten Zielvorstellungen der Landesregierung doch bis zu den Neuwahlen allein im Staatswald 1000 werden. Mag sein, dass man im Ministerium Ländlicher Raum (MLR) die Utopie dieser Zielvorgabe erkannt hatte: Ein paar Monate später wurde die Zahl jedenfalls auf 500 abgeschwächt, während noch knapp vor der Wahl, auf der Delegiertenkonferenz von Bündnis 90 / Die Grünen, sogar 2000 Windräder für den Staatswald eingefordert worden waren.


Und dies, obwohl zuvor eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtierstiftung herausgefunden hatte, dass 80 % der  Befragten Windräder im Wald ablehnen. Und wo doch auch Deutschlands bekanntester (und umstrittenster) Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben (im Interview mit der Stuttgarter Zeitung v. 6. August 2021) aus Anlass seines Nationalen Waldgipfels noch die Ansicht vertreten hatte, Windkraft im Wald sei „Irrsinn im Quadrat“. Jetzt aber verrät der Naturschutzbund (Nabu) dem Schwarzwälder Boten, es seien halt vielfach Flächen ausgewiesen worden, die artenschutzrechtlich sensibel sind: „Wir haben den Eindruck, Forst BW sieht die ganze Ausschreibung zu technisch und zu wenig gesellschaftlich.“ Ja wie, bitteschön, wünschen wir ihn uns denn nun eigentlich, den deutschen Wald?

O, wie hat sie sich verändert, die forstliche Welt, seit sich die baden-württembergische Staatsforstverwaltung als Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) vermehrt dem Zugriff der Politik ausgesetzt sieht! Aus den Waldhütern alter Schule, die sich vordem noch mit Zähnen und Klauen gegen jede unangemessene, gar ungesetzliche Waldinanspruchnahme zur Wehr gesetzt haben, sollen nun also in Windeseile multifunktionstüchtige Windkraftarbeiter und Windkraftteams werden. „Wir sind gut dabei“, meinen sie derweil in ForstBW INTERN.

Im schönen grünen Bergmischwald,
wo heut Touristen wandeln,
da werden Windturbinen bald
den Wald vollends verschandeln.

Dann hält sich,
wer auch kommen mag, 
die Augen zu und Ohren
zum Schutze gegen Schattenschlag 
und rauschende Rotoren.                                                                                     
Die Landschaft, die uns teuer war,
ist leider nicht erneuerbar.                           

nach M. Lieser, 2017


„Junge Donau“: die neue Skyline der Schwäbischen Alb – gesellschaftlich erwünscht?

Stellungnahme Fraktionssprecher Bürgerforum/DIE GRÜNEN FRAKTION

6. Januar 2024 Peter Albert

Zum bevorstehenden Fraktionswechsel von Michael Steinemann möchte ich mich folgendermaßen äußern:

In der Tagespresse wurde ausführlich darüber berichtet. Bedauerlicherweise wurde ich als Fraktionssprecher von der Zeitung um keine Stellungnahme gebeten, obwohl unsere Gruppierung dadurch den Fraktionsstatus verliert.

Hannah Miriam Jaag und ich wurden am Nachmittag des 2. Januar, kurz vor der Veröffentlichung
im Südkurier, von Michael Steinemann über sein Vorhaben, unsere Fraktion vorzeitig verlassen zu wollen, per Zoom informiert.

Die Fraktionsarbeit von uns Dreien war im Hüfinger Gemeinderat die ganzen Jahre über vertrauensvoll, sachorientiert und daher auch erfolgreich.
Unsere kleine Fraktion hat in 4 ½ Jahren einiges erreicht, was viele Außenstehende anfangs nicht für möglich gehalten hatten. Auch persönlich sind wir uns in der Fraktion dabei näher gekommen. Noch Ende Dezember hatten wir uns zu einer kleinen Weihnachtsfeier mit Partner*innen getroffen.

Leider wurden Hannah Miriam Jaag und ich zu keinem Zeitpunkt in diesen Entscheidungsprozess miteinbezogen. Wir wurden von einem Tag auf den anderen vor vollendete Tatsachen gestellt und hatten keine Chance, mit Michael Steinemann über seinen Fraktionswechsel zu sprechen.

Wir sind menschlich sehr enttäuscht.

Eschenbastkäfer

Liebe Bürgerpostleser, 

diese Geschichte begann im Juli 2022 mit einer Bilderanfrage von Alois Welte aus Mundelfingen, was das für Käfer seien. „Sehr klein sind sie, nur 2 bis 3 Millimeter lang und treten massenhaft im Türrahmen einer Stalltür auf“. Na ja, meine Neugier war geweckt, denn wann sieht man dicht gedrängt eine solche Menge Käferlein. Da mir eine Bestimmung zu „heiß“ war, schickte ich die Bilder weiter an Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt in Villingen. „Morgen bin ich am Landwirtschaftsamt, da könntest Du mir ein paar Exemplare mitbringen“. Gesagt getan, Alois Welte brachte mir dankenswerter Weise einen ordentlich mit den Käfern gefüllten Glasbehälter, den ich mit dem Fahrrad nach Donaueschingen zur Arbeit mitnahm. 

Nach einer gewissen Zeit kam das mit Spannung erwartete Ergebnis, es seien Bunte Eschenbastkäfer, eine Borkenkäferart, deren Larven unter der Rinde von Eschen ihren Nahrungbedarf decken. Also ein Nahrungsspezialist. Dann kam natürlich meine Rückfrage an Alois Welte, ob Eschenholz dort gelagert sei. Die prompte Antwort war: „In drei Meter Entfernung vom Käferfundort lagert zu Brennholz aufbereitetes Eschenholz“. Damit passte alles zusammen. Die Geschichte ließ ich trotzdem als Entwurf liegen, irgendetwas sagte mir, da wartest Du noch etwas ab. Und tatsächlich, um Weihnachten herum schickte mir Alois Welte die beiden anderen Bilder. Dann war klar, jetzt wird das Thema angepackt.

Fraßbild der Larven unterhalb der Eschenrinde
Bohrmehl vom darüber liegenden Holzscheit und links unten sind zudem Bohrlöcher zu sehen, durch die die fertigen Käfer die Esche verlassen haben.

Diese Massen von Käfern stehen auch im Zusammenhang, dass viele Eschen gesundheitlich angeschlagen sind und dadurch diese Käfer sozusagen leichtes Spiel haben. 

Hand aufs Herz, wer hat schon einmal etwas vom Bunten Eschenbastkäfer gehört? Ich jedenfalls zum ersten Mal. Danke an Alois Welte fürs Mitteilen und Dr. Hans Peter Straub fürs Bestimmen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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