nun zur Rätselauflösung vom letzten Beitrag: Das gelbe zwischen den beiden Fenstern war der Platz eines Briefkastens. Von jetzt auf nachher wurde er abmontiert. Das haben viele richtig beantwortet. Ich war sehr positiv überrascht, denn viele von Euch hatten auch die richtige Antwort auf Frage, was auf dem anderen Bild zu sehen ist, nämlich einen Fangtrichter des Ameisenlöwen. Einige hatten beides richtig beantwortet. Die Erste, die beides wußte, war Michaela Lang aus Wieladingen, einem Ortsteil von Rickenbach im wunderschönen Hotzenwald. Herzlichen Glückwunsch. Sie hat mir eine Geschichte dazu geschrieben, die kommt später.
Ameisenlöwen sind die räuberischen Larven der Ameisenjungfern, die für ihre Jagdtechnik bekannt sind. Sie graben mit einer ausgereiften Technik trichterförmige Fallen in lockeren Sand, um Ameisen und andere kleine Insekten zu fangen, indem sie diese mit Sand bewerfen. Unten angekommen, wird das Opfer mit den Zangen gepackt, mit Gift betäubt und ausgesaugt. Welch grausiges Ende, ein Oberhammer. Erstaunlich ist, dass Ameisenlöwen bis zu drei Monate ohne Nahrung auskommen können. Die Larven machen drei Stadien durch und leben bis zu drei Jahre im Trichterhals, bevor sie sich verpuppen und als zarte Ameisenjungfer, die wie eine Libelle aussieht, schlüpfen. Die Ameisenjungfer ist ein friedliches, nachtaktives Insekt, das sich von Pollen und Nektar ernährt und eine Flügelspannweite von bis zu 55 mm aufweist. Die Larve wird bis zu 17 mm groß, Nadine Linhard-Blum aus Hohberg hat eine fotografieren können. Sieht schon wie nicht ganz von dieser Welt aus, oder um es auf den Punkt zu bringen, hammermäßig.
Der Lebensraum der Ameisenlöwen sind warme, trockene, sandige und regengeschützte Stellen, wie unter Baumwurzeln, Brücken, Schuppen oder an Hauswänden.
Bei Dr. Ulrike Guttenberger im Hohelohischen fanden sie sich in einer stillgelegten Mörtelwanne. Ameisenlöwen können nur rückwärts laufen und, ganz wichtig, sie sind für den Menschen völlig ungefährlich. Wenn die Bedingungen für den Trichterbau passen, kommen sie regelmäßig bis auf 1.200 m Meereshöhe vor. Die oben angedeutete Geschichte von Michaela Lang ist die, dass es um ihr Heimathaus in Öflingen, einem Stadtteil von Wehr, viele Fangtrichter gab. Was machte sie als Kind? Sie angelte mit Grashalmen nach den Ameisenlöwen und ab und zu schnappte einer zu und sie bekam ihn zu sehen. In ihrem jetzigen Wohnort Wieladingen hat sie diese Methode mit ihren Kindern gespielt, ist das nicht rührend?
Simone Bröcheler aus WT-Gutenburg berichtete ebenfalls, dass sie „Ameisenlöwenangeln“ auf ihrem Hof gemacht hat. Da ich in meinem Leben bis jetzt noch nie einen Fangtrichter gesehen habe, ist mir dieses „Naturspiel“ leider entgangen. Vielleicht könnt Ihr dazu berichten, ich würde mich sehr freuen.
ich möchte hier eine neue Kolumne beginnen. Ein Thema, das mir seit Langem am Herzen liegt und ehrlich gesagt auch seit Langem auf die Nerven geht.
Gemeint sind damit jene kleinen Mechanismen, die oft harmlos wirken und doch erstaunlich wirksam sind. Nicht die große, offizielle Macht, nicht das, was in Gesetzen steht, sondern das, was in unserem Alltag passiert. Dort, wo Menschen eingeordnet werden, kleingemacht werden, zum Schweigen gebracht werden, übersehen werden und nur dann Anerkennung bekommen, wenn sie sich in die vorgesehene Rolle fügen.
Diese Mechanismen gibt es nicht nur in Hüfingen und den Ortsteilen. Aber da dies ein Hüfinger Blog ist, werde ich von hier aus schreiben. Von dem Ort, den ich kenne, von dem, was ich beobachte, von dem, was mir auffällt. Nicht, weil hier alles schlimmer wäre als anderswo, sondern weil man das Allgemeine oft am deutlichsten im Konkreten erkennt.
Mich beschäftigt das auch deshalb, weil solche Mechanismen nie belanglos sind.
Wer Menschen systematisch klein hält, wer sie entmutigt, wer ihnen das Wort nimmt, wer Anerkennung ungerecht verteilt, wer Kritik lächerlich macht, der macht mehr als nur schlechte Stimmung. Der will Hierarchie und Unterordnung – das ist Autoritätssehnsucht und damit auch der Boden für autoritäres Denken. Die großen Verwerfungen beginnen selten groß, sie beginnen im Kleinen.
Mir ist völlig klar, dass diejenigen, die solche Mechanismen nutzen, sich kaum für meine Texte interessieren werden. Darum geht es auch nicht. Diese Kolumne richtet sich an diejenigen, die solche Situationen kennen und spüren, dass etwas nicht stimmt und die merken, dass sie abgewertet werden. Menschen die fragen, warum bestimmte Muster sich ständig wiederholen und die dann hören, sie seien einfach zu empfindlich.
Nein, ihr seid nicht empfindlich oder übertreibt mal wieder, denn da ist tatsächlich ein Muster!
Ich möchte diese Muster sichtbar machen und Worte dafür finden, denn es ist kein Zufall ist, kein Missverständnis, keine einzelne schlechte Laune, sondern Teil einer sozialen Mechanik. Nicht jede Form von Mikromacht ist bewusst geplant aber sehr vieles wird bewusst genutzt. Und zwar
Von Männern. Von Frauen. Von Lauten. Von Freundlichen. Von denen mit Amt. Und von denen ohne Amt. Mikromacht hat viele Gesichter.
Verändern kann man nur, was man erkennt. Darum diese Kolumne.
Texte über Sprache, Rollen, Anerkennung, Integrität – und die kleinen Formen sozialer Herrschaft im Alltag:
Ein in jüngster Zeit zunehmender Flächenbedarf entsteht durch den Bau von Windkraftanlagen. Gerade für wandernde Jungauerhühner, die für den Austausch zwischen den Teilpopulationen im Schwarzwald besonders wichtig sind, könnten Windräder sehr problematisch werden. (Bergmann, H., Klaus S., Suchant, R.: Auerhühner. G. Braun-Buchverl., Karlsruhe 2003)
Windenergie und Auerhühner – ein Reizthema par excellence selbst unter Naturschützern! Was ist nicht schon alles geschrieben und diskutiert worden, wenn es um die Rettung des existenzbedrohten „Schwarzwälder Charaktervogels“ geht. Sogar der Stuttgarter Landtag hat (am 11. Mai 2022) über ihn debattiert. Wo doch der grün geführten Landesregierung nichts ungelegener käme, als wenn ausgerechnet sie für das Aussterben des Auerhuhns verantwortlich gemacht würde mit ihrem durch Gas- und Ölmangel, durch Ukraine- und Irankrieg zusätzlich angespornten Windkraft-Elan.
Präzedenzfall auf dem Rohrhardsberg
So war es denn auch kein Wunder, dass damals in der Parlamentsdebatte grüne wie schwarze Abgeordnete im Brustton der Überzeugung hervorgehoben haben, die Windenergie treffe keinerlei Schuld am so bedauerlichen, allem Anschein nach jedoch kaum noch aufzuhaltenden Rückgang des einst größten mitteleuropäischen Auerhuhn-Bestands außerhalb der Alpen. Der fürs Jagdrecht zuständige Forstminister Peter Hauk (CDU) ließ keine Zweifel aufkommen an der Dramatik der Bestandsentwicklung, verursacht freilich vor allem durch allzu dunkle Nadelwälder, durch den Besucher- wie den Raubwilddruck sowie gewiss auch durch den Klimawandel. Auch er verneinte den Einfluss der Windräder und verwies dabei auf das (vom Land Baden-Württemberg und aus Drittmitteln des Bundesverbands WindEnergie e. V. sowie einiger heimischer Energieversorgungsunternehmen finanzierte) internationale Forschungsprojekt Windenergie & Auerhuhn, das auch im Schwarzwald zu dem wenig überraschenden Ergebnis gekommen war, dass Auerhühner Windenergieanlagen weiträumig meiden, sodass sie daher auch nicht nennenswert vom Lärm, Drehbewegung und Schlagschatten der Rotoren gestresst werden können. Versprochen wurde ein Maßnahmenplan, mit welchem der Beweis erbracht werden soll, dass Klima- und Artenschutz durchaus miteinander zu vereinbaren sei.
Wo der Schwarzwälder Charaktervogel wohl noch balzt?
Exemplarisch für die seit über einem Vierteljahrhundert andauernden und sich verschärfenden Auseinandersetzungen steht im zentralen Schwarzwald der Rohrhardsberg (genauer: sein Nebengipfel Passeck), der für wandernde Junghühner auch eine Art Brückenkopf darstellt für die zwecks Genaustausch unverzichtbare Verbindung zwischen den von Verinselung bedrohten Teilpopulationen von Süd- und Nordschwarzwald. Ausgerechnet hier oben ist im Jahr 2003 erstmals ein Windrad im Auerhuhn-Habitat genehmigt worden – ein Sündenfall mit Präzedenzwirkung. Dem Antragsteller hatte man zuvor im Elztal die Genehmigung einer Wasserkraftanlage versagt, sodass das Landratsamt, nach massivem Druck des CDU-Wahlkreisabgeordneten und gegen alle Proteste und Petitionen, offenbar nicht auch noch den Bau der Windkraftanlage glaubte ablehnen zu dürfen. Für seinen beharrlichen und schließlich erfolgreichen Einsatz für die regenerative Energiegewinnung ist dem Unternehmer im Jahr 2003 – Auerhühner hin oder her – der BUND-Umweltpreis zuerkannt worden.
Es hatte in jenem Genehmigungsverfahren auch nichts mehr geholfen, dass kurz zuvor dem eigens zum Schutz des Auerhuhns ins Leben gerufenen «Modellprojekt Rohrhardsberg» der Deutsche Umweltpreis verliehen worden war. Erstmals war es doch hier gelungen, Nutzer und Schützer (Forstverwaltung, staatlicher und privater Naturschutz, Kommunen, Tourismus- und Skiverbände) an einen Tisch zu bringen mit dem erklärten Ziel, Skiloipen und Wanderwege aus den fürs Auerhuhn besonders sensiblen Räumen weg zu verlegen und zu bündeln, Biotoppflegemaßnahmen einzuleiten und einen hühnerfreundlichen Waldbau festzuschreiben. Im Jahr 2006 schließlich war auch noch ein «LIFE-Projekt Rohrhardsberg» zustande gekommen, mit 15 Partnern, fünfjähriger Laufzeit und einem Fördervolumen von zwei Millionen Euro. Zur Hälfte von Brüssel gefördert, sollte auch der Auerhuhnschutz profitieren, nicht zuletzt durch Finanzierung eines Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL) für die FFH-Gebiete rund um das obere Elztal, insbesondere für das EU-Vogelschutzgebiet Mittlerer Schwarzwald, einem der wenigen im Land, die ausdrücklich auch dem Auerhuhn gelten. Es sage niemand, die Kommunen, der Landkreis und die Bevölkerung der Region hätten kein Herz gezeigt für den «Charaktervogel».
Dennoch droht es seitdem eng und enger zu werden für die Vögel angesichts der so überaus ehrgeizigen grün-roten Zielvorstellungen für den Ausbau der Windenergie. Die Verlockung der lukrativen Pachterlöse für die in Aussicht stehenden WEA-Standorte und der politische Druck auf die Kommunen wie auf den öffentlichen Wald sorgen dafür, dass weitere Einengungen des aktuell noch besiedelten wie des potenziellen Lebensraums der großen scheuen Vögel vorprogrammiert sind: Kaum einer der das obere Elztal einrahmenden Waldberge, der nicht schon längst in den Blickpunkt der Windmüller wie auch des Regionalverbands geraten wäre.
Schon seit über einem Jahrzehnt bemühte sich der rührige Betreiber des Windrads auf dem Passeck um die behördliche Genehmigung des Repowerings seiner Anlage, des Ersatzes des bisher 100 m hohen Windrads durch ein neues und leistungsstärkeres von 200 m Gesamthöhe. Endlich, kurz vor Weihnacht 2025, erging der Bescheid des Landratsamtes Emmendingen, dass die immissionsschutz- und baurechtliche Genehmigung nunmehr erteilt sei – was für Behörden zu einem solchen Zeitpunkt eine nicht ganz unübliche Praxis zu sein scheint, wo doch die Chance für eine fundierte juristische und fachliche Prüfung der (hier 122 Seiten umfassenden) Genehmigung und für einen Eilantrag im Falle des Widerspruchs damit (Weihnachtsferien-bedingt) ziemlich vertan ist. Zudem sieht die neue Rechtslage ja die erneuerbaren Energien als „von überragendem öffentlichem Interesse“ an, gegen welches selbst noch so begründete Einsprüche und Petitionen zugunsten des Artenschutzes kaum mehr erfolgversprechend vorzubringen sind. Allenfalls beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim (VGH) kann noch geklagt werden, wenn auch nicht von Seiten jedes Bürgers und jeder Bürgerinitiative, sondern allenfalls per Verbandsklage, angestrengt etwa von gesetzlich anerkannten Naturschutzverbänden. Geklagt haben nun immerhin die Landschafts- und Naturschutzinitiative Schwarzwald e. V. (LANA) sowie ein weiterer Naturschutzverband, der mit Rücksicht auf seine traditionell eher der regenerativen Energiegewinnung verpflichteten Mitglieder nicht genannt werden möchte. Dies, obwohl sich auch der Landesnaturschutzverband LNV unlängst erst sehr kritisch geäußert hat in der Streitfrage der inzwischen so verbreiteten Inanspruchnahme selbst ökologisch hochwertiger Wälder für die Windstromerzeugung. Zwar enthält die erteilte Genehmigung reichlich Ausgleichsmaßnahmen und Abschaltauflagen zugunsten von Vögeln und Fledermäusen, umso kritischer wird jedoch die noch ungeklärte „Zuwegung“ für den Baustellen- und Wartungsverkehr beurteilt, denn dafür müsste ein Waldweg im Kerngebiet des Auerhuhnhabitats massiv verbreitert werden.
Aber was soll´s: nichts wird gegenwärtig so massiv gefordert wie der Bürokratieabbau bei den Behörden – auch und gerade auf dem so heiklen Feld der natur- und immissionsschutzrechtlichen Vorgaben. Als ob „das überwiegende öffentliche Interesse“ nicht auch für den Artenschutz gelten sollte. Oder ist es womöglich doch bereits fünf nach Zwölf für den Schwarzwälder Charaktervogel, wie in jener Landtagsdebatte anno 2022 eine CDU-Abgeordnete glaubte feststellen zu müssen? Nein, in den Köpfen und Roben der Mannheimer Verwaltungsrichter möchte man wahrlich nicht stecken in diesem Streitfall.
Warum das Problem oft nicht der Ton ist – sondern das, was unter Belastung sichtbar wird.
In der Politik wird gern über den Ton gestritten.
Zu scharf. Zu persönlich. Zu emotional. Nicht sachlich genug.
Das ist praktisch, denn über den Ton zu sprechen heißt, über Oberfläche sprechen. Es ist die bequemste Art, nicht über das Eigentliche reden zu müssen. Was dabei untergeht, ist etwas anderes, etwas Unbequemeres. Nämlich die Statik. Denn nicht jede Entgleisung ist ein Ausrutscher. Manche sind ein Blick ins Tragwerk. Solange alles glatt läuft, wirken viele stabil, sachlich, ausgewogen, verlässlich. Das hält solange nichts dagegenhält.
Solange Zustimmung da ist. Solange niemand stört. Solange das eigene Bild unbeschädigt bleibt.
Die Fassade hält nur bei schönem Wetter, aber wehe es gibt Gewitter. Spätestens wenn Widerspruch kommt, wenn Interessen kollidieren, wenn jemand nicht mehr durchkommt, wenn Applaus ausbleibt, dann zeigt sich etwas ganz anderes: Es zeigt sich wie jemand gebaut ist. Plötzlich kippt etwas und Risse im Tragwerk werden sichtbar.
Dann wird aus Sachlichkeit Gereiztheit, aus Souveränität Dünnhäutigkeit, aus Argumentation Abwertung, aus Gelassenheit Trotz, aus Haltung nackte Pose. Und genau da beginnt es interessant zu werden, denn das sind nicht einfach Stilfragen. Das sind Hinweise. Hinweise darauf, was trägt und was nur gut angemalt war. Manche Reaktionen wirken wie spontane Entgleisungen, sind sie aber oft nicht. Sie sind eher kleine statische Prüfungen, die plötzlich sichtbar werden.
Ein scharfer Einwand. Eine unbequeme Nachfrage. Ein Moment ohne Applaus, ohne Zustimmung. Ein Widerspruch zur falschen Zeit.
Und plötzlich zeigt sich, die viel beschworene Haltung war an Bedingungen geknüpft.
An Zustimmung. An Kontrolle. An Überlegenheit. An das eigene Bild.
Das ist kein Versehen, das ist Bauweise. Darum lohnt es sich, genau hinzusehen. Nicht, um jeden Fehler zu skandalisieren. Fehler passieren, jeder verliert einmal die Fassung und jeder sagt einmal etwas Schlechtes. Darum geht es nicht. Aber es gibt diese Momente, in denen klar wird, hier verrutscht nicht nur ein Satz, sondern hier zeigt sich ein Integritätsbruch.
Nicht als großer moralischer Skandal, sondern als etwas Nüchterneres. Ein Bruch zwischen Anspruch und Verhalten. Zwischen Rolle und Reaktion. Zwischen dem, was jemand vorgibt zu tragen und dem, was tatsächlich hält. Das Problem ist dann nicht der Ton. Der Ton ist nur das Geräusch, das entsteht, wenn innen etwas nachgibt und genau deshalb hilft es so wenig, im Nachhinein über Formulierungen zu streiten. Das ist nur Reparatur an der Fassade, die eigentliche Frage liegt darunter:
Was passiert hier unter Last?
Wer hält Widerspruch aus, ohne abzuwerten? Wer bleibt ruhig, ohne sich zu entziehen? Wer kann Kritik aufnehmen, ohne sofort in Verteidigung zu gehen? Wer verliert nicht die Achtung vor anderen, nur weil sie widersprechen? Wer braucht Bewunderung, um freundlich zu bleiben?
Das sind keine Stilfragen. Das sind statische Fragen und vielleicht müsste man politische Auftritte nicht als Abfolge von Argumenten, sondern als Belastungstest lesen. Was hier sichtbar wird, ist nicht nur Meinung sondern es ist Struktur.
Und manchmal reicht ein einziger Moment, um zu verstehen:
Das Problem war nie der Ton. Das Problem war die Statik.
Spätestens seit 2020 haben es mir die Baar-Störche angetan: Die Zunahme ihrer Population ist eines der wenigen mich hoffnungsfroh stimmenden Zeichen und Wunder auf dieser von Krisen so gebeutelten Welt. Damals, vor sechs Jahren, war es die Coronaseuche, die es ratsam erscheinen ließ, zu Fuß oder per Rad ins Freie zu flüchten, um sich nicht anzustecken und um sich fit zu halten. Und eines Vorfrühlingstages entdeckte ich von meinem Radweg aus das Storchenpaar hoch oben am äußersten Ende des Querarms eines der Masten der Überlandleitung, die längs der Stillen Musel und der lärmigen Schnellstraße verläuft – was für ein kühnes Experiment des eben aus seinem Winterquartier zurückgekehrten Storchenpaars! Klar, dass ich das fotografisch festhalten musste, zumal sich auf dem Foto dann ja auch noch ein zweiter Horst herausstellte.
Seither benutze ich diesen Radweg besonders gern bei meinen Ausritten in den Baarfrühling, denn die Horste haben sich mittlerweile vervielfacht, auch weitere Masten wurden besiedelt; die Bruten in schwindelnder Höhe und inmitten von Stromkabeln scheinen da oben erstaunlich erfolgreich zu verlaufen, egal wie der Witterungsverlauf im Frühjahr jeweils ausgefallen ist, ob es zu kalt war, zu warm, zu regnerisch oder zu trocken war. Nirgends war von einem Stromschlag zu lesen, ausgelöst durch fütternde an- oder abfliegenden Storcheneltern oder durch einen noch gar zu ungeschickten Jungstorch. Umso mehr beunruhigte mich unlängst die Zeitungsnotiz, wonach die Strombetreibergesellschaft beabsichtige, aus Gründen der Versorgungssicherheit die Horste zu beseitigen.
2020
2021
2022
Doch auch dieses Frühjahr sind sie anscheinend alle noch da, die Horste wie die Storchenpaare, und dies trotz des Winterrückfalles Ende März. Die Bruten scheinen sogar erfolgreicher denn je ausgefallen zu sein. Strom-Blackouts, von denen im Januar halb Berlin, kurzzeitig auch mal ein Teil der Donaustadt betroffen war, hatten nachweislich andere Ursachen. Bleibt zu fragen, was die Überlandleitungsmasten, noch dazu am Stadtrand und über Schnellstraßen, für Störche so unwiderstehlich anziehend macht. Und weshalb ihnen das rustikale Milieu der Baardörfer nicht besser behagt. Oder sollten dort die für Horste geeigneten Kirchtürme und Dächer alle bereits ausgebucht sein? Doch das müssen Ornithologen beantworten. Bleibt zu hoffen, dass sie gute Argumente für den Verbleib auf den Masten ins Feld führen, die den Stromversorger auch weiterhin zu überzeugen vermögen. Wo das Beseitigen der Horste doch nach Bundesnaturschutzgesetz verboten ist.
Die Geschichte lehrt uns, dass wir aus der Geschichte nichts lernen so ein Historiker
Gerade gehen die Skiflugweltmeiserschaften im norwegischen Vikersund zu Ende. Vor 8 Jahren waren wir bei diesem großen Weltsportereignis dort zu Gast. An vier Tagen sind wir von unserem Hotel aus zur größten Schanze der Welt morgens und abends an der Insel Ütöya vorbeigefahren. Jedes Mal war die Stimmung einige Minute sehr bedrückt. Man wird daran erinnert, dass einer der größten Psychopaten der moderneren europäischen Geschichte über 70 Jugendliche wahllos, gnadenlos und sehr gezielt ermordet hat. Im freiheitsliebenden, stolzen, eigentlich fremdenfreundlichen Norwegen eine unauslöschliches Nationaltrauma. Dennoch waren es zunächst unbeschwerte, eindrückliche Tage bei herrlichstem Winterwetter. Geradezu mystische Besuche der schönsten Stabkirchen im Hochwinter im Hallingdaal, ganz alleine ohne die sonst üblichen Besucherströme, machten die Sport- und Kulturreise zum schönsten Norwegenerlebnis. Jeden Morgen und Abend gingen wir ziemlich gedankenlos an einer anmutigen, aber auch eine seltsame Traurigkeit verströmende Bronzeskulptur vor dem Hoteleingang vorbei. Spätestens seit Munch und Herbjörg Wasmo weiss man, dass Norweger auch zur Melancholie neigen. „Das Mädchen ist halt traurig, weil sie nach schönen Ferientagen wieder abreisen muss“. So unsere oberflächlichen Gedanken zu dem anmutigen, anrührenden „Denkmal“.
Was uns das Mädchen auf dem Koffer sagen kann
Auch wir wurden bei unserer Abreise, beim Abschied, von dieser Traurigkeit erfasst. Die Hotelchefin gab uns zum freundlichen Abschied, sichtlich etwas unsicher, noch eine Broschüre über die Geschichte des altehrwürdigen Hauses mit. Eine historisch bedeutende Traditions- Relaisstation an der wichtigen Fjellroute Bergen- Finse- Hardangervidda- Hönefoss- Oslo war diese Herberge. Soviel haben wir anhand der nostalgischen Ausstattung und den traditionellen, norwegischen Gemälden bereits mitbekommen.
Im Nachhinein waren wir froh, dass wir diese Broschüre erst bei der Abreise erhielten. Sonst wären die anregenden Tage stark eingetrübt gewesen. Abgesehen von der Bedrückung durch das täglich vergegenwärtigte National- Trauma, was diese Insel Ütöya jeweils auslöste. Erst nachdem wir mit der Fähre den vereisten, Winterzauber- Oslofjord nochmals mit allen Sinnen genossen haben und auf dem offenen Meer waren, kamen wir abrupt in der Wirklichkeit an.
In der mitgebrachten Hotel- Broschüre war nachzulesen, dass unser gastfreundliches, gediegenes Hotel befristet eine unsägliche Last aus der Vergangenheit trug. Hatte uns deshalb die kluge Hauswirtin die Broschüre erst bei der Abreise überreicht, um uns Deutschen den Aufenthalt und unsere wundervollen Erlebnisse nicht zu trüben?
Abreisende Frau mit dem Habseligkeitskoffer und dem Kummer
Die Nazi Besatzer und die Norwegischen Quisling- Nazis haben dieses große idyllische Haus requiriert und ein „Erholungsheim“ für Wehrmachtsoldaten darin eingerichtet. Aus ganz Südnorwegen wurden blonde, arische, gesunde, norwegische Mädchen zwangseinquartiert, um die Soldaten zu bespaßen und zu unterhalten. Es war also ein Puff. Mehr noch: Es war auch ein Mütter- und Kinderheim des NS- Mütterborns. Die so gezeugten, besser gesagt die gezüchteten Kinder, wurden den Müttern nach spätestens 1-2 Jahren weggenommen und nach Großdeutschland in Mütterborn- Kinderheime verlegt; also gefühlskalt entführt. Schätzungsweise 7 000 norwegisch-deutsche. „arische“ Kinder kamen so zur Blutauffrischung heim ins Reich. Von fast 14 000 norwegischen Frauen weiß man, dass sie so missbraucht und aufs schändlichste gedemütigt wurden. Zum Dank für ihr Leid wurden sie bei Kriegsende meist von den empörten Landsleuten kahlgeschoren und dem Hohn und dem Hass der Bevölkerung ausgesetzt. Dass sie nackt durch die Strassen getrieben wurden, wie ihre holländischen Leidensgenossinnen, blieb ihnen in Norwegen erspart. Eine persönlich bekannte Zeitzeugin wanderte, nach dem ihr die Haare wieder gewachsen waren, ins Land ihrer Peiniger aus. So wie die meisten der anderen gedemütigten norwegischen Frauen. Auch um der Brandmarkung in der Heimat zu entkommen, aber hauptsächlich, um nach ihren Kindern zu suchen. Dabei half manchmal die pedantische, recherchierbare Buchhaltung der Nazis. Oder die jungen Frauen zogen weg in weit entfernte andere Regionen des Landes, weil in der Heimatregion die anhaltenden Demütigungen und Erniedrigungen nicht auszuhalten waren.
Vielleicht versteht man jetzt die bedrückende, erschütternde Symbolkraft des „Mädchens auf dem Koffer“
bei der Abreise und dem meist endgültigen Abschied von der leiblichen Mutter. Die wenigsten Mädchen konnten mit ihren Müttern wieder zusammengeführt werden.
Warum man das gerade jetzt doch mal erzählen sollte?
Frauen, Mädchen und Kinder saßen mit dem gleichen Gesichtsausdruck und der geknickten Haltung am Tisch beim Begrüßungs- und Freundschaftskaffee für die geflohenen Ukrainerinnen in Sumpfohren am 8.3.2022 bei der gütigen Familie Schöndienst. In zuverlässigen Presseinfos wird derzeit berichtet, dass kriminelle Zuhälter traumatisierte, hilflose Flüchtlingsfrauen an Bahnhöfen mit sicherem Blick, zweifelhaftem Charme und €uroschein- fächernd anheuern und verführen wollen. Auch das ist ein hässlicher Teil des Putin Krieges neben den berüchtigten Kadirov- Tschedschenen Söldnern.
Denn nach oder bei jedem militärischem Krieg findet ein geheimnisumwitterter, unausgesprochener, unsäglicher Krieg statt. Ein Testosteron gesteuerter Nebenkriegsschauplatz. Das war so in der Steinzeit, bei den Wikingern, den Römern, bei der blonden Baaremerin Bisulla, den besagten Norwegerinnen, den Kosovarinnen, unlängst bei den Jessidinnen und das kann, wenn wir keinen Schutz gewähren und aufpassen, auch beim Ukraine Krieg so sein. Auch vor unserer Haustür.
Von der Weltöffentlichkeit und den Friedensengeln wird dieser Subkrieg selten angemahnt und meist schamhaft verschwiegen, übersehen und ignoriert.
Und deshalb mahnt uns das „Mädchen mit dem Koffer“.
schaut Euch diese Bilder an. Ich finde sie fantastisch. Ein lebender Baum, wahrscheinlich ein Spitzahorn, aus dem eine „Dachrinne herausgehauen“ wurde. Wer von Euch hat so etwas schon gesehen? Ich wäre sehr dankbar, wenn es Rückmeldungen gäbe. Für mich jedenfalls ist es eine Erstsichtung.
Die Bilder schickte mir Dr. Hans-Peter Straub, der im Fränkischen einen Kurzurlaub machte und dabei die Schwarzachklamm westlich von Schwarzenbruck durchquerte. Vielen Dank dafür. Auf Bild 1 sieht man die Dimension der Rinne und dass der Baum sich in starker Schräglage befindet. Man wundert sich wie er sich in der Lage überhaupt halten kann. Vielleicht ist die Schräglage der Grund des Phänomens. Ich denke, an einem geraden Baum würde das nicht entstehen. Reinhold Mayer, mein Helfer in Forstfragen, schrieb: „Ein Dachrinnenbaum. Er ist vermutlich aus einer alten Verletzung mit nachfolgender Kernfäule entstanden. Sieht klasse aus“.
Die Rinnenränder scheinen etwas verdickt zu sein durch Umwallung und die Äste wachsen logoischerweise nur aus der gesunden Seite heraus. Wiederum ein absoluter Oberhammer.
An Karfreitag gibt´s Fisch nach dem Kirchgang – das ist so obligatorisch wie der Narzissen-Strauß zu Ostern. Manch einen zieht es da aber auch unwiderstehlich hinaus in den Frühling: Mich etwa wieder mal an die Gauchach, nicht in die Schlucht, die an Feiertagen überlaufen sein könnte, sondern auf bequemerem Weg unter dem stählernen Viadukt der Höllentalbahn hindurch zur Eulenmühle (Ihlemühli) und von dort einen kurzen Abstecher hinauf zur Kapelle mit den beiden stattlichen Linden vorm Eingang. Das fotogene Ensemble habe ich liebgewonnen und schon zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten besucht und fotografiert, für mich ein würdiger Kirchgangersatz, zumal am Karfreitagmorgen. Diesmal trete ich sogar durch das niedere Türchen ein, nicht aus Frömmelei, eher aus historischem Interesse. „Eulenmüllers Käppele“, das auch unterm Namen Dreifaltigkeitskapelle geführt wird, soll schon im Jahr 1527 erbaut worden sein.
Eulenmüllers Käppele
Der Anlass: ein Kind der Eulenmüllers soll zwei Tage lang vermisst, dann aber doch glücklich wieder aufgefunden worden sein; nein, es hatte gottlob nicht, wie befürchtet, tot aus der Gauchach geborgen werden müssen. Die beiden Linden waren erst anno 1899 vor die Eingangstür gepflanzt worden. Man weiß das deshalb so genau, weil zur Einweihung der Höllentalbahn in Unadingen die neue Straße zum Bahnhof (die heutige Lindenstraße) mit Linden bepflanzt worden war, und dabei waren diese beiden übrig geblieben. Heute präsentieren sie sich noch in winterkahlem Zustand, denn der Frühling ist reichlich spät dran, und in den schattigen Partien der Talaue finden sich sogar noch letzte Schneereste. Nur am sonnigen Steilhang blühen erste schüchterne Buschwindröschen gemischt mit dem Zartlila des Lerchensporns.
Eulenmühle
Zurück alsdann wieder zur Eulenmühle hinab, deren Fensterläden rundum geschlossen sind; sie scheint schon länger nicht mehr bewohnt zu sein, vom Mühlenbetrieb ganz zu schweigen, doch vor dem Eingangstor sind zwei Pkws mit auswärtigen Kennzeichen geparkt. Ich beschließe, noch ein Stück bachaufwärts zu wandern. Die Gauchach führt trotz der jüngsten Schneeschmelze kein Hochwasser mehr, dafür haben sich freilich weiße Schaumkissen an den in den Bach gestürzten Stämmen und Wipfeln verfangen. Was mich rätseln lässt, wie der Schaum wohl entstanden sein mag, ob auf natürliche Weise oder durch Fremdchemikalien; wo doch am Oberlauf kaum potenzielle Verursacher anzutreffen sein dürften.
Kurz vor der Dögginger Trinkwasser-Pumpstation, wo einst auch der Mühlenkanal abzweigte, überquert eine Brücke, beidseits mit eisernen Geländern versehen, den Bach. Und hier stutze ich: Denn auf dem Weg liegt zu meiner Verblüffung eine komplette Anglerausrüstung: die Rute noch im halbgeöffneten Futteral, daneben eine große mit mehreren Reißverschlüssen zu öffnende Tragetasche voller Zubehör fürs Fliegenfischen, Messer und Schere inklusive. Doch der Angler ist weit und breit nicht zu entdecken – auch nicht im Bach unter der Brücke! Hat da etwa einer, mag sein wegen des Schaums und weil nichts anbeißen wollte, sein Zeug frustriert weggeworfen? Oder verrichtet er vielleicht gerade seine Notdurft – irgendwo mit Blickkontakt versteckt hinter einem Busch oder Baum? Handelt es sich gar um einen medizinischen Notfall? Oder hat einer Hals über Kopf den Heimweg angetreten, um zuhause eben noch rechtzeitig vor dem Mittagessen die versprochenen Bachforellen abzuliefern – und in der Hetze seine gesamte Ausrüstung hier liegen lassen?
Ich beschließe umzukehren, nachdem ich die Tasche vorsorglich vom Weg aufgehoben und ans Brückengeländer gehängt habe, rätselnd, ob ich die Entdeckung nicht doch dem zuständigen Polizeiposten melden sollte. Aber am heiligen Karfreitag die Polizei strapazieren? Spätestens am Osterdienstagmorgen wird man dann ja im Lokalteil nachlesen können, ob es an der Gauchach womöglich einen Vermissten-, gar einen Kriminalfall gegeben hat.
Was sind wir Deutschen doch für ein tierliebendes Volk! „Timmi“, dem verirrten und am Timmendorfer Strand auf einer Sandbank gestrandeten Buckelwal, gilt derzeit unser aller Mitgefühl. Gebannt verfolgen wir in den Medien schon über eine Woche hinweg die Rettungsbemühungen. Sogar ein Schwimmbagger kam zum Einsatz, der dem Gestrandeten eine Rinne zum Davonschwimmen gegraben hat. Trotzdem ist noch immer kein Happyend zu vermelden, zumal sich der Fluchtweg durch Skagerrak und Kattegat zurück in den rettenden Atlantik selbst für wanderfreudige Wale als weit und verschlungen darstellt. Einstweilen leiden wir förmlich mit, wenn dem Tonnen schweren und 15 Meter langen, offenbar schon stark geschwächten Meeressäuger die Möwen auf dem Rücken herumpicken. Jetzt soll er gar vor der Insel Poel erneut gestrandet sein. Sollen die Rettungsversuche nun etwa doch eingestellt werden?
Der arme verirrte Wal war eben als Toppmeldung in den Medien aufgetaucht, als ein anderes Tierdrama, das die breite Öffentlichkeit über Wochen alarmiert hatte, unerwartet glimpflich endete und wieder aus den Schlagzeilen verschwand: „Grindi“, der wegen seiner Vertrautheit insbesondere gegenüber Hunde mitführenden Waldbesuchern „auffällig“ gewordene und deshalb zum Abschuss freigegebene „Hornisgrinde-Wolf“ hat die verwaltungsgerichtlich bestätigte Entnahmefrist (bis zum 6. März) offenbar überlebt! Weshalb das für die Tötung eingesetzte Spezialisten-Team erfolglos geblieben ist, lässt sich derzeit noch nicht in Erfahrung bringen: War sein Versagen letztlich dem Druck der öffentlichen Meinung geschuldet, nachdem nicht nur in den Leserbriefspalten die Stimmung gekippt und vermehrt für den partnerlosen Rüden ausgefallen war. Mehrere Petitionen für seine Verschonung waren beim Umweltministerium eingegangen, und sogar eine Mahnwache von „Wolfsrettern“ hatte stattgefunden, zu welcher der Verband Naturschutz-Initiative e. V. aufgerufen hatte.
Doch jetzt auch das noch: Ausgerechnet am 1. April (kein Scherz!) berichten die Medien in großer Aufmachung, dass in Hamburg (!) eine Frau von einem Wolf gebissen und verletzt worden ist – ein für Wölfe seit ihrem Wiederauftauchen in Deutschland um die Jahrtausendwende erstmaliges, ganz und gar ungewöhnliches Vorkommnis, das sich da am 30. März abends in einem Einkaufszentrum zugetragen hatte. Das offenbar völlig verängstigte Tier sei gegen die automatisch schließenden gläsernen Türen gerannt, weshalb die Frau – wohl aus Tierliebe – versucht habe, ihm wieder hinaus zu helfen und dabei ins Gesicht gebissen worden sei. Sie musste von Sanitätern versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden, das sie aber bereits wieder habe verlassen können.
Der Wolf sei auf der Flucht in die Binnenalster gesprungen, heißt es, wo er dann von Polizisten mit einer Schlinge habe eingefangen werden können. Inzwischen sei er in einem Tiergehege im Hamburger Umland gelandet, wo nun, nach gründlicher tiermedizinischer Untersuchung, über seine Zukunft beraten wird: Soll er, mit einem Sender versehen, wieder freigelassen werden oder aufgrund seines absonderlichen Verhaltens nicht doch besser getötet werden? Dass Jungtiere nach dem Verlassen des Rudels weite Wanderungen zurücklegen und dabei gerne Flüssen folgen ist nach Aussagen der Wolfexperten nicht ungewöhnlich. Dass dieser Jungwolf freilich, der Elbe folgend, ins Stadtgebiet geraten ist und seine Scheu dabei offenbar ziemlich verloren hat, grenzt dennoch ans Märchenhafte („Großmutter, warum hast Du so große Ohren?“). Aber musste nicht neulich erst, am Rosenmontag, in Leverkusen der Fasnachtsumzug wegen eines Wolfs gestoppt werden, und ist nicht ein weiterer am 6. März (am Wahlsonntag der Baden-Württemberger) bei Walldorf auf der A 5 zu Tode gekommen ist?
Kein Aprilscherz am 1. 4. 2026
Egal ob Wal oder Wolf: da haben doch im Frühjahr 2026 plötzlich wieder einmal Wildtiere ein Maximum an öffentlicher Aufmerksamkeit abbekommen, und die verstädterte Gesellschaft durfte reichlich Empathie beweisen. Oder war es doch eher Sensationslüsternheit? Kurzzeitig wurde man jedenfalls abgelenkt von all den brennenden Gegenwartsproblemen, von Kriegen in Nahost und in der Ukraine, von Energiekrise und Inflation – heutzutage doch fast gar ein Geschenk!
im November 2025 konnte ich in einem leer stehenden Haus diese gewaltigen Aufnahmen machen. Etwas geschützt unter dem Vordach waren eine Menge vertikaler Bienenwaben an der Holzdecke angeheftet. Etwas nachgedacht und Imker Jürgen Mess aus Aselfingen befragt, war klar, es handelt sich um die ehemalige Wohnstatt eines Bienenschwarms, der seinem Imker entflohen ist. Dass das im Freien geschah, erstaunte den erfahrenen Imker Jürgen Mess auch außerordentlich. Üblicher Weise suchen sie ein neues zu Hause in großen Baumhöhlen oder Nistkästen. Nun, die Bilder geben einiges her: Zum Beispiel fällt auf, dass es helle und dunkle Waben gibt.
Habt Ihr eine Idee, womit das zusammenhängen könnte? In den hellen Waben war von der Königin noch kein Brut eingesetzt, in den dunklen war das der Fall. Die dunkle Farbe kommt von den zurückgelassenen Kokons der Bienen nach dem Schlüpfen. So kann man an der Farbe Brut- von Honigwaben unterscheiden. Ein kleines Hämmerchen, im Vergleich dazu, was noch kommt. Ob der Bienenschwarm ein oder zwei oder mehrere Jahre besiedelt war, entzieht sich unserer Kenntnis.
Genauer hingeschaut sieht man, dass Wabenteile fehlen, dass sie durchlöchert sind und schräg hängen. Wer hat für diese Unordnung gesorgt?
Das Bild liefert den Übeltäter in Form der weißen Puppen der Honigwachsmotte. Sie fressen als Larven hauptsächlich organische Rückstände in Bienennestern wie Pollen, Brutrückstände wie Nymphenhäutchen und Honig. Sie können sich durch die Waben und sogar durch das Holz des Bienenkastens fressen, auf dem Bild unten sieht man ihre Fraßspuren. Die Larven zerstören dabei Bienenwaben, verkleben diese mit Gespinsten und hinterlassen Fäkalien, was insbesondere für geschwächte Bienenvölker eine Gefährdung darstellt. Man sieht auf den Bildern, dass die hellen Waben nicht von Ihnen befallen werden. Deswegen sollen in der Imkerei nur diese hellen, unbebrüteten und pollenfreien Waben gelagert werden. Brutwaben dagegen sollten eingeschmolzen werden. Als Schuljunge war ich Adjutant bei meinem Opa, der 60 Bienenvölker besaß. Sehr stark habe ich in Erinnerung, dass die Wabenschränke mit Schwefelschwarten eingeräuchert wurden, das war kein schlechtes Gschmäckle, kann ich Euch sagen. Diese Verwendung von Schwefel als Biozid ist seit 2014 in der EU nicht mehr erlaubt.
Es gibt zwei Arten, die große Honigwachsmotte, die hauptsächlich bienenfreie Waben befällt, und die kleine Honigwachsmotte, die auch in aktiven Völkern zu finden ist. Welche hier am Werke war, kann nicht zugeordnet werden. Der Lebenszyklus läuft wie folgt: Die befruchteten weiblichen Falter der Honigwachsmotten fliegen durch Duft angelockt in die Nester von Honigbienen und legen dort mehrere hundert Eier je Falter ab. Diese schlüpfen zu Larven, die Ihre Fraßspuren hinterlassen. Täuschen und Tarnen kann ich nur sagen, denn die Wachsmottenlarven nehmen den Nestgeruch schnell an und werden dadurch kaum als Eindringlinge erkannt und nicht bekämpft. Ein klassischer Hammer. Die ausgewachsene Larven spinnen einen festen, widerstandsfähigen Kokon aus Seide, oft in Ecken oder Nischen des Bienenstocks. Das Bild hier zeigt diese Kokons im Detail. Aus ihnen schlüpfen die Falter und ein neuer Zyklus beginnt.