bevor der Frühling beginnt, möchte ich zum Abschluss des Winters ein paar schöne Bilder zeigen. Es darf natürlich gelächelt werden. Wie sagte mein Opa, „wenn die Tage langen, kommt der Winter erst gegangen“. Wir werden sehen.
Das Bild entstand in einem Kanal neben dem Riedsee. Mit etwas Fantasie könnte man einen Hund sehen. Da es viel Wasser gab, bevor es kalt wurde und die Wasserstände sanken, gab es relativ viele solcher schönen Eisgebilde. Ich denke, Sie werden einige gesehen haben.
Bild oben zeigt die Raureifsituation auf dem Auenberg. Dieses Jahr gab es einen schönen Kontrast zwischen grünen Wiesen und den weißen Raureifbäumen. Bild unten zeigt einen solchen prachtvollen Raureif-Lindenbaum.
Beim Bild unten stellte ich im Status die Frage, aus welcher Richtung kam der Wind. Viele sagten von rechts. Das stimmt aber nicht, den der Rauhreif bildet sich gegen die Windrichtung, also kam der Wind von links. Sie wussten das bestimmt. Oder?
Daneben einen Ast, bei dem sich mit zunehmender Raureifbidung eine Kule exakt in der Mitte des Astes gebildet hat. Das beeindruckt mich in höchsten Maße, wenn ich es zu Gesicht bekomme. Denn es ist Physik pur. Hammerhart könnte man sagen.
Unten noch Haareis oder Engelshaar. Das war ab und zu zu sehen und ich bekam einige Anfragen dazu. Sie wissen, dass Gase eines Pilzes Wasser aus dem Totholz treiben und sich bei schwachen Minusgraden diese ganz feinen Eisstreifen bilden. Schauen Sie mal, mit etwas Fantasie kann man die markante vordere Haartracht von Donald Trump erkennen, was die Natur nicht alles hinbekommt.
heute kommt wieder eine spannende Geschichte. Simone Bröcheler schickte mir am Samstag, den 18. Januar 2025 diese Bilder mit folgendem Text: „Wir haben heute unseren Birnbaum in der Nähe des Hauses gefällt. Als er gefällt war, sind uns diese Löcher in der Rinde aufgefallen. Ab den ersten Ästen in vier bis fünf Meter Höhe hat es angefangen. Nur der halbe Stammumfang in Richtung Schuppen – zur Wetterseite Westen hin – sei angepickt gewesen. Was könnte das sein“? Ich fragte bei Simone nach, ob der Baum abgestorben gewesen sie. „Nein, im Gegenteil, der war voll im Saft“. Also dann waren es keine Holzschädlinge, die da bekämpft wurden. Ich stand auf dem Schlauch, noch nie hatte ich solches gesehen. Ich googelte „Spechtlöcher“, dort wurde die Frage, wann machen Spechte Löcher, wie folgt beantwortet: „Schäden durch Spechte treten insbesondere im zeitigen Frühjahr auf, wenn die Tiere Löcher in die Rinde hacken, um den zuckerhaltigen Saft aufzunehmen.“
Die etwa 5 mm großen Löcher gehen dabei bis ins Splintholz, schön zu sehen auf dem Bild oben, wo ein Teil der behackten Rinde entfernt wurde. Sie werden meist in waagerechten, teilweise auch spiraliger Weise von den Spechten in den Stamm gehackt. Je nach Stammdicke wird nur ein Teil der Rinde bearbeitet – wie beim besprochenen Birnbaum, bei dünneren Stämmen kommt es auch zum „Ringeln“ der Bäume, also einer stammumfassenden Schädigung.
Der sich in den Löchern ansammelnde Saft wird dann getrunken. Diese Behacken der Rinde tritt bevorzugt im zeitigen Frühjahr zum Saftaustrieb der Bäume auf, bereits ab Februar. In unserem Fall bereits kurz nach Mitte Januar, vermutlich lässt der Klimawandel grüßen. Diese hier näher beschriebenen Spechtschäden werden insbesondere dem Buntspecht sowie dem Dreizehenspecht zugesprochen. Simone wohnt in Waldshut-Gutenburg auf 421 m Meereshöhe. Da kann man den Dreizehenspecht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.
Ich habe das Thema in den Status gestellt und einige meldeten den Specht aber nicht als Safttrinker, sondern als Larvenfresser. Nur Otto Körner als Bräunlingen kannte den Zusammenhang, weil er einen Dreizehenspecht bei dieser Tätigkeit beobachten konnte. Ein Ornithologe aus Hessen wusste es auch. Ich frage mich, woran das liegt. Der Grund ist vielleicht, dass wir das nicht sehen im normalen Alltag. Denn wenn der Birnbaum nicht gefällt worden wäre, hätte es Simone nicht sehen können in vier bis fünf Meter Baumhöhe.
Ist das nicht wieder ein tolles Beispiel, was es alles gibt in der Natur?
Simone, herzlichen Dank für die Bilder und die Ermöglichung dieses Beitrags.
mein Referendarskollege Dr. Jürgen Looser aus Karlsruhe schickte mir diese beiden Bilder vom 24. Dezember 2024 und vom 1. Januar 2025, acht Tage später. Er vermutete einen Goldgelben Zitterling und er lag damit voll richtig. Ich hatte auf die Schnelle die Riesengallertträne ins Spiel gebracht, aber das war falsch. Ist das nicht eine richtig schöne Augenweide? Und das auch noch zur Winterszeit? Jürgen fand ihn auf einem Spaziergang in einer Hecke. Wegen der Größe sagte er fünf bis zehn Zentimeter, eher zehn.
Aus Wikipedia will ich die interessantesten Punkte aufgreifen. Es heißt dort, der Goldgelbe Zitterling ist eine häufige Pilzart aus der Familie der Zitterlingsverwandten. Anmerkung: Hinter häufig mach ich ein Fragezeichen, außer ich bekomme von Ihnen eine Vielzahl von Rückmeldungen. Er wächst überwiegend an toten, noch ansitzenden, aber auch an bereits herabgefallenen Ästen und Zweigen, was hier der Fall ist. Der Pilz parasitiert holzzersetzende Pilze aus der Gattung der Zystidenrindenpilze. Das ist doch ein Hammer, finden Sie nicht auch? Der gallertartige, blass gelbliche bis orange-gelbe Fruchtkörper des Zitterlings besitzt eine gewundene, gelappte Form und bei feuchter Witterung eine schmierige oder schleimige Oberfläche. Er wächst aus Rindenspalten und erscheint bei Regenwetter. Bei Trockenheit schrumpft er innerhalb weniger Tage zu einem dünnen Film oder einer kleinen Masse zusammen. Bei anschließender feuchter Witterung lebt der Fruchtkörper wieder auf. Was sagt man dazu? Die Spezies kommt in Laub- und Mischwäldern vor und ist in den gemäßigten und tropischen Regionen von Afrika, Asien, Australien, Europa sowie Nord- und Südamerika verbreitet. Der Goldgelbe Zitterling durchläuft in seinem Lebenszyklus ein hefeartiges Stadium, das durch knospende Basidiosporen gekennzeichnet ist. Der Wechsel zwischen asexueller und sexueller Fortpflanzung wird durch die Vereinigung hefeartiger Zellen zweier kompatibler Paarungstypen erreicht.
Wenn man das so liest, kommt man doch aus dem Staunen nicht heraus. Obwohl der Pilz als fad und geschmacklos erachtet wird, ist er genießbar. Die gallertartige bis gummiartige Konsistenz verleiht Suppen Textur. In China wird der Pilz von Vegetariern verwendet, um eine immunstimulierende kühle Suppe mit Lotuskernen, Lilienknollen und Chinesischen Datteln zuzubereiten. Einige Zitterlinge produzieren Polysaccharide, die aufgrund ihrer biologischen Aktivität für den medizinischen Bereich von Interesse sind; in China wurden mehrere Patente im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Verbindungen zur Krebsprävention oder Stärkung des Immunsystems angemeldet.
Jürgen, vielen Dank für die Überlassung der Bilder und dass ich darüber schreiben darf. Uns wäre einiges Interessantes entgangen.
um die Jahreswende etwas Astronomisches. Wer erinnert sich noch an die Collage mit den Bildern vom 20. und 30. Dezember 2004? Das ist immerhin 20 Jahre her. Wissen Sie auch noch, was zum Ausdruck gebracht werden sollte? Ich muss dazu sagen, dass die Voraussetzung war, dass beide Aufnahmen vom gleichen Platz und mit demselben Teleobjektiv erstellt wurden. Wenn Sie die Pfeile in Ruhe anschauen, erkennen Sie bestimmt, dass die Sonne in 10 Tagen nur einen Sonnendurchmesser nach Norden gewandert ist. Den Tag 21. Dezember als Winteranfang, 2024 war das um 10.21 Uhr, vernachlässigen wir, vermutlich war damals die Sonne wegen schlechtem Wetter nicht zu fotografieren.
Jetzt schaut Euch auf unten die Situation kurz vor Frühlingsanfang an. Es sind die Sonnenuntergänge drei Tage hintereinander von unserem Westbalkon am gleichen Punkt – übrigens über dem Feldbergmassiv – festgehalten. Und was ist zu sehen? Einen Sonnendurchmesser je Tag ist die Veränderung, die gleiche Strecke wie nach Winteranfang in zehn Tagen. Ist das nicht seltsam? Wie kommt es dazu? Es hat einen ganz normalen physikalischen Hintergrund: Der Verlauf der schräg geneigten Erde um die Sonne entspricht einer Sinuskurve. Eine Sinuskurve hat einen Hoch- und einen Tiefpunkt und zwei Wendepunkte. Ein Grundgesetz der Sinuskurve ist, dass die Veränderungsraten über die Zeit um den Hoch- und Tiefpunkt sehr gering sind aber an den Wendepunkten recht groß. Der Hochpunkt ist der Sommeranfang und der Tiefpunkt der Winteranfang, das heißt langsame Veränderung der Tageslänge. Die Wendepunkte sind der Frühlings- und der Herbstanfang, da ist die Tageslängenänderung sehr schnell.
Oben ist die Sonne bei Sonnenferne als schwarze Scheibe auf die Sonne bei Sonnennähe aufgelegt worden. Man sieht, dass die Sonne bei Sonnennähe die schwarze Scheibe bei Sonnenferne etwas überragt. Der Grund ist, dass die Umlaufbahn der Erde um die Sonne keine Kreis-, sondern eine Elipsenbahn beschreibt. Wie beim Mond um die Erde auch. Und bei Elipsenbahnen gibt es einen Fernpunkt und einen Nahpunkt. Bei der Erdbahn um die Sonnen ist es der 4. Januar und der 6. Juli. Bei Sonnennähe ist die Sonne etwa 147.000.000 Kilometer von uns weg und bei Sonnenferne etwa 152.000.000 Kilometer also etwa 5.000.000 Kilometer Differenz. Nun eine Preisfrage, wann ist Sonnenferne? Wenn Sie sagen am 4. Januar, weil es da Winter ist, dann liegen Sie nicht richtig. Es ist am 6. Juli. Da die Verbindungslinie der Erde zur Sonne in der gleichen Zeit gleiche Flächen durchläuft – Johannes Kepler hat das festgestellt -, läuft die Erde um den 4. Januar schneller um die Sonne und um den 6. Juli langsamer. Das heißt, wir auf der Nordhalbkugel kommen etwas schneller durch den Winter als die Bewohner der Südhalbkugel.
heute eilt es etwas, außerdem ist das Thema recht komplex. Deshalb mache ich sozusagen heute den Einstieg. Die Bilder habe ich dankenswerter Weise von Ralf Claasen aus Villingen bekommen. Er ist ehrenamtlich im Naturschutz tätig und ist Ansprechpartner, wenn ein Wespen- oder Hornissennest im häusliche Umfeld umgesiedelt werden muss.
Sehen Sie das Etwas auf dem Bild oben, was wie eine dichte Mistel aussieht? Okay, Pusteblume, das ist ein typischer Platz für das Nest der asiatischen Hornisse, immer sehr hoch oben in Bäumen. Sie ist eine invasive Art, die vor ein paar Jahren in der Nähe von Karlsruhe entdeckt wurde.
Raten Sie mal, in welcher Stadt dieses Nest entdeckt wurde? In Schramberg, kurz vor unserer Haustür. Ich bin gespannt, wann die Baar auch erobert wird, wahrscheinlich geht es nicht mehr lange. Da die invasive Art Honigbienen als Leibspeise ansieht, ist es leicht verständlich, dass auch die EU eine rigorose Bekämpfung vorsieht. Wie das geht? Durch Entnahme der Nester und die Vernichtung der Insekten. Darum geht es im nächsten Beitrag. Was sehr erstaunlich ist, ist die Zunahme dieser Biester. Es ist eine ungemeine Dynamik zu sehen.
Für mich war interessant, dass die Aufnahmen vom 27. Oktober 2024 stammen, also erst als das Laub sich lichtete. Mein Hornissennest auf dem Speicher war zu dem Zeitpunkt schon längst Vergangenheit.
Unten das Entfernen des kugelförmigen Nestes dass noch lebende Hornissen zu sehen sind. Die großen sind alles Jungköniginnen, die für weitere Verbreitung 2025 sorgen würden.
Also, das war Teil 1. Im Teil 2 geht es um weitere Details
heute war ich überrascht von diesen schönen Eisblumen auf unserem Auto. Jemand hat geschrieben, das sind doch eher Eispalmen, fürwahr, so könnte man das auch nennen. Laut Wikipedia ist eine Eisblume ein Eiskristall, dem wegen seiner Form Ähnlichkeit mit einer Pflanze respektive Blume zugesprochen wird. Es handelt sich um eine Sonderform von Raureif. Eisblumen entstehen typischerweise an Fenstern. Ich erinnere mich noch gut an die Kindheit, als man an Ihrer Größe die Kältesituation abschätzen konnte. Seltener ist der umgekehrte Fall: Streicht etwa Außenluft mit über Null Grad über vorher unter den Gefrierpunkt gekühlte Oberflächen, entstehen die Gebilde an der Außenseite.
Auf der Windschutzscheibe
Auf dem Auto
Genau diesen Fall sehen wir hier, über Nacht hat es geregnet und am Morgen – typisch für die Baar – ging die Temperatur bei klarem Himmel unter Null und es entstanden diese schönen Eispalmen. Auf der Frontscheibe sehen sie anders aus. Eisblumen sind ebene Kristalle des Wassers. Meist mischen sich sechseckige (blumenartige) Formen, die auf der hexagonalen Symmetrie beruhen (wie bei der Schneeflocke) mit dendritischen, baumähnlich verzweigtem Wachstum. Zum Schluß heißt es: „Die genauen Prozesse sind bis heute nicht konkret verstanden“.
haben Sie so etwas schon gesehen wie auf dem Bild? Das bekam ich von Ingo Kirchhoff, meinem guten Bekannten aus Niedersachsen. Ich habe den Eindruck, dass es so etwas Gigantisches bei uns im Süden nicht gibt, oder haben Sie schon so etwas gesehen? Natürlich war Reinhold Mayer, wie in allen forstlichen Fragen, mein Ansprechpartner, ein herzlicher Dank dafür.
Nun, jeder kennt den „normalen“ Wipfelbruch. Er passiert gerne bei Nassschneefall in Fichtenbeständen. Diese traurige Aufnahme oben entstand am 27. Januar 2023 in Oberkirnach. In Folge davon übernimmt ein oder mehrere Äste den Ersatzwipfel, streben nach oben und bilden eine hervorragende Nestgrundlage.
Das Bild habe ich von der Homepage des Nabu Schwarzwald-Baar. Dort findet sich eine Auflistung, dass in elf Horsten in Wipfelbrüchen von Fichten folgende Bruten stattgefunden haben: 1 mal Habicht, 2 mal Mäusebussard, 4 mal Rotmilan und 3 mal Wespenbussard. Diese Daten stammen vom Vogelexperten des Landkreises, Hans Schonhardt. Ganz erstaunlich, nicht wahr?
Nun aber zur unserem norddeutschen Fall: Hammermäßig finde ich das „unrunde“, zackige an der Sache. Reinhold klärte auf, dass der verlorene Gipfeltrieb des Baum nur wenige Jahre alt war. Können Sie sich vorstellen warum? Ganz einfach, weil der untere Stammteil etwa gleich dick ist wie der Ersatztrieb. Wieso aber jeweils mit zwei rechten Winkeln? Weil der Ersatztrieb unmittelbar an der Bruchstelle ansaß und horizontal zum Stamm stand. Da bei Nadelbäume die letzte Knospe am stärksten wächst, strebte der neue Gipfeltrieb sofort wieder in die Senkrechte. Wissen Sie, was ich gedacht habe? Wie werden wohl die Jahresringe angeordnet sein? Ich denke, Sie können sich es gut vorstellen. Erkennen Sie auch den Ellenbogen beim Abgang nach links und die Verdickung beim Abgang nach oben? Das sind Maßnahmen auf Zellebene, um den Baum in der stabilen Lage zu halten. Sehr erstaunlich finde ich.
Übrigens, was für eine Baumart finden wir vor? Genau, eine Lärche.
mit dem Bild oben geht diese Geschichte los. Ganz kleine Eier, links ist mein Zeigefinger zum Vergleich, sind an der Garagenwand außen angebracht. Was könnte das sein, war die Frage an mich. Die Antwort war, ich weiß es nicht, aber das werde ich schon herausbekommen.
Das Bild zeigt das nächste Stadium, es sind Larven aus den Eiern geschlüpft und blitzartig erinnerte ich mich, so etwas schon einmal gesehen zu haben. In einem früheren Beitrag vom Juli 2018 habe ich darüber geschrieben, es sind schlicht und ergreifend Wanzen.
Bei diesem Bild hatte ich Glück, denn rasant machten sie sich auch dem Staub und waren und blieben verschwunden.
Das Bild zeigt, dass Wanzen auch schön sei können, hier habe ich im Garten eine Zweikeulenweichwanze vor die Linse bekommen.
Allerdings kann ich nicht sagen, welche Wanzenart aus den hiesigen Eiern entstand. Den weiteren Part werde ich aus meinem letzten Wanzenbeitrag übernehmen. Denn wie heißt es so wahrhaft, die Wiederholung ist die Mutter der Studierenden.
Die etwa 1 Millimeter kleinen befruchteten Eier wurden in einer Gruppe dicht nebeneinander gelegt. Die daraus schlüpfenden Larven leben meist gesellig, wobei sie – man höre und staune – durch Zusammenhaltsduftstoffe (Aggregationspheromone) beieinander bleiben. Dieses Zusammensein war sehr auffallend. Wenn die Tiere Gefahr wittern, sondern sie Alarmdurftstoffe (-pheromone) aus, durch die sich die Gruppe zerstreut. Auch spannend. Sie durchlaufen sage und schreibe fünf Larvenstadien. In Europa überwintern sie überwiegend im Erwachsenenstadium.
Wanzen sind einfach der Hammer. Die Feuer- und erst kürzlich die Lindenwanze habe ich schon vorgestellt. Es gibt weltweit 6.000 Arten. Damit ist sie die artenreichste Familie dieser Insektengruppe. In Mitteleuropa kommen mit etwa 70 Arten relativ wenige vor. Etliche Baumwanzen haben Stinkdrüsen, ich nehme an, dass viele von Ihnen mit deren Inhalt schon einmal unangenehme Bekanntschaft gemacht haben. Die meisten Arten ernähren sich von Pflanzensäften, die sie aufsaugen. Es gibt aber auch räuberisch lebende Arten, die als Nützlinge gelten, da sie sich von zahlreichen Schädlingen ernähren.
Herzliche Grüße Franz Maus
Linden- oder Malvenwanze
Beitrag vom 16.10.2024
Liebe Bürgerpostleser,
Hand aufs Herz, haben Sie so etwas bei uns schon einmal gesehen? Ich vermute nicht. Denn ursprünglich waren diese Krabbeltiere im westlichen Mittelmeerraum, im westlichen Nordafrikas und den Kanaren verbreitet. Auf Europa bezogen sind das Portugal, Spanien, das südliche Frankreich, fast ganz Italien bis ins Tessin und nach Südtirol, und der Nordwesten der Balkanhalbinsel. Und jetzt kommts: Kurioser Weise begann die Art seit etwa Mitte der 1990 er Jahre sich nach Norden und Osten mit rasanter Geschwindigkeit auszubreiten. Bis 2000 wurden Ungarn (1994), die Slowakei (1995) und Bulgarien erreicht, 2001 Österreich. Der erste deutsche Nachweis stammt von 2004 aus der Oberrheinebene, von wo aus sich die Art rasch im Rheintal nach Norden ausbreitete. 2019 waren sie in Berlin angekommen. In der Schweiz gibt es bereits 2005 Massenvorkommen. Nach Osten hin wurden Serbien, Bulgarien und Rumänien besiedelt. Inzwischen kommt die Art auch in Nordfrankreich bis in die Normandie vor. Eine erstaunlich schnelle Gebietserweiterung, finden Sie nicht auch? Man könnte sagen, ein absoluter Hammer. Die Bedingungen in den neuen Gebieten haben sich anscheinend so positiv verändert, dass das die fünf bis sechs Millimeter kleinen Tierchen angezogen hat.
Diese Bilder erhielt ich dankenswerter von Frau Dr. Doris Seichter aus München-Grub. Im ersten Moment dachte ich kurz, es seien Feuerwanzen. Zu sehen sind typische große Ansammlungen der Linden- beziehungsweise Malvenwanzen, wie sie im Herbst vorkommen. Es sind in der Mehrzahl verschiedene rot-schwarz gefärbte Nymphenstadien zu sehen, die wenigen erwachsenen Tiere sind auf dem Rücken weiß gefärbt. Idealerweise überwintern sie als erwachsene Tiere an den Lindenbäumen. Im Sommer saugen Larven und erwachsene Tiere in Mitteleuropa an Trieben und Ästen von Linden, und zwar ohne die Bäume zu schädigen. Im Ursprungsgebiet findet man die Lindenwanzen auch an Malvengewächsen wie Strauchpappeln, Eibisch, Hibiskus und Malven, weshalb sie auch Malvenwanzen genannt werden.
Wir brauchen vermutlich nicht lange warten, bis sie auch auf der Baar auftauchen.
heute gibt es einen krassen Themenwechsel. Hinauf an das Firmament. Können Sie sich vorstellen, was Sie da zu sehen bekommen? Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen. Es sind über 20 Satelliten, die gemeinsam in die Erdumlaufbahn geschossen wurden. Und zwar auf den Bildern unten, am 27. Oktober 2024, einen Tag nach dem Abschuß noch relativ nahe beieinander und deswegen durch die längere Belichtungszeit als Strichspur zu sehen.
27. Oktober 2024
Ich bekam zufällig Wind davon, weil meine Nichte Nadine Scherer aus Blumberg-Hondingen mir ein Bild schickte und mich vor ein Rätsel stellte. Ein Gedanke war ein Meteor, also eine Sternschnuppe, aber die ist viel schneller. Dieses Gebilde brauchte zwei bis drei Minuten, bis es verschwand. Dann fand ich die Lösung im Internet unter: Starlink. Mit diesen Starlink Satelliten bringt Elon Musk schnelles Internet in entlegene Orte unseres Globus. Nach jedem neuen Start fliegen die Satelliten erstmal in einer Kette beieinander, bevor sie sich auf die für sie vorgesehenen Umlaufbahnen verteilen. Die Satelliten werden von einer Falcon 9 Rakete von SpaceX in den Erdorbit geschossen. Hier lösen sie sich und die Rakete landet wieder heil auf der Erde.
Nebenbei habe ich erfahren, dass diese Satelliten am 28. Oktober kurz vor 18.40 Uhr wieder zu sehen sind. Das wollte ich nicht verpassen und mir ist das Bild unten gelungen. 21 Satelliten wie eine Perlenkette, ich sags Ihnen, mir liefs bei dem Anblick kalt den Rücken hinunter. Wie ein Zug am Firmament sah es aus, ein Gedanke war auch, dass der Weihnachtsmann dieses Jahr etwas früher kommt. Wie wenn ein Schalter umgelegt wird, war der Spuck vorbei und nichts mehr zu sehen. Sie wissen es wahrscheinlich, der Grund für das Leuchten der Satelliten ist das Bestrahltwerden durch die Sonne und sobald der Erdschatten auf sie fällt, ist Feierabend.
28. Oktober kurz vor 18.40 Uhr
Zwei Bilder habe ich im Status der ehemaligen Kollegin Claudia Baur aus St. Georgen-Stockwald gesehen und war begeistert von der Qualität. Sie erlaubte mir sie zu benutzen, herzlichen Dank dafür. Ich vermutete, dass sie ein Stativ nahm. Sie verneinte. „Mein Samsung s23 hat eine Nacht-Funktion, wodurch 3 Sekunden lang belichtet wird“. Das kann sich doch prima sehen lassen. Für mich war es ein Lerneffekt, denn ich stellte fest, dass mein Händi auch diese Funktion hat. Toll, was man noch alles lernen darf.
Die Bilder unten zeigen, dass die Abstände deutlich größer sind als tags zuvor und mit der Zeit schwenkt jeder Satellit in seine vorgesehen Umlaufbahn.Vorbei ist die Perlenkette, aber noch ist nicht aller Tage Abend, es sind noch viele Abschüsse geplant. Über die „Satellite Tracker app“ kann man die Geschehnisse verfolgen.
Das Bild links zeigt den großen Abstand vom ersten Satelliten und ganz oben it zur Orientierung der sechsthellste Stern Wega in der Leier als Orientierungspunkt zu sehen.
Herzliche Grüße Franz Maus
Claudia Baur schickte mir vom 29. Oktober ein weiteres Bild, das letzte, auf der man deutlich sieht, wie die Abstände nochmals deutlich größer geworden sind. Ich habe das Ereignis auch wieder sehen dürfen und war wiederum sehr begeistert.
Das Bild habe ich am Sonntag, den 20. Oktober 2024 von Claudia Kirn aus dem Nordschwarzwald erhalten. Sie war früher in der Tierzucht tätig und hat unter anderem die Vorderwälder- und Hinterwälderjungkühe bewertet. Sie sei an der Ostsee zur Mutter-Kind-Kur. Sie schickte mir dieses ausdrucksstarke Foto mit den Worten: “Bei diesen Bäumen musste ich an Dich denken“. Das fand ich sehr nett von ihr. Ich fragte zurück, ob das Birnbäume wären, was sie eher verneinte. „Pappeln habe ich am meisten gesehen hier in der Ecke“. Aber das sind sie garantiert nicht. Ich war mit meinem Latein am Ende. Haben Sie vielleicht eine Ahnung, was für Bäume es sein könnten? Es wäre eine Meisterleistung, wenn jemand darauf käme, behaupte ich einfach so.
Sie kennen meinen Ansprechpartner in Forstfragen, Reinhold Mayer. Auch er war begeistert von der Aufnahme und legte los: “Soviel ist mal klar, es ist die Windflüchter-Baumreihe entlang der Straße von Pruchten nach Bresewitz Richtung Zingst“. Es stellte sich heraus, dass er noch nicht persönlich dort war. Das mit der Baumart konnte er nicht aus dem Hute zaubern und im Internet habe er nichts dazu gefunden. Im Ausschlußverfahren schrieb er, „anhand der Rinde und der etwas verschwommenen Blätter sind es jedenfalls keine Buchen, Hainbuchen, Eichen, Ahorne, Eschen, Kirschen, Nussbäume, Ulmen, Vogelbeeren…, sondern er tippe auf die Schwedische Mehlbeere, sorbus intermedia“. Ja Mensch, noch nie gehört, gibt’s denn sowas? Schwedische Gardinen kennen wir alle. Daraufhin schaute ich im Kosmos Baumführer Europa nach. „Dieses Gehölz entstand erst in der Nacheiszeit aus einer Kreuzung der Elsbeere mit der Gewöhnlichen Mehlbeere oder der Gewöhnlichen Eberesche. Sie entwickelte sich zu einer eigenen Art und wächst in Skandinavien und um die Ostsee“. Und jetzt kommts, „in Mitteleuropa pflanzen sie Gärtner oft in Alleen und Parks“.
Wenn das keine Allee ist, dann weiß ich auch nicht. Es fehlt natürlich die zweite Baumreihe, ich vermute, vor lauter „Windflucht“ wurde sie schon lange gefällt, oder man hat sie vorsorglich gar nicht gepflanzt. Der Begriff „Windflucht“ ist mir neu, aber trifft den Sachverhalt einwandfrei. Auf dem Schauinsland gibt es einige Windfluchtbuchen, vielleicht einmal darauf achten.
Ich habe zur Vertiefung des Themas die unzentrierten Jahresringe unten eingefügt. Ich bin sicher, sie wissen noch, wo diese Schwedischen Windflucht Mehlbeeren deutlich dickere Jahreringe haben……Auf der rechten windabgewandten Seite zur Abstützung der Bäume.
Vielen Dank Claudia Kirn für die Zusendung des Bildes und Dein Einverständnis darüber zu schreiben und ebenso vielen Dank an Reinhold Mayer.