diese Bilder hat mir dankenswerter Weise Alois Welte aus Mundelfingen zukommen lassen. Es ist ein Achatfalter aus der Familie der Eulenfalter zu sehen. Vielleicht fragen Sie, warum dieser Bursche heute zum Thema wird. Ich will Sie mit der Antwort noch etwas bei Spannung halten.
Zunächst die Frage, ob es ein Tag- oder Nachtfalter ist. Sehen Sie das große Auge auf dem Bild? Also klarer Fall, es ist ein Nachtfalter, der bei wenig Licht wegen großer Augen trotzdem genug sieht.
Alois Welte sah die Achateule auf seiner Gartenchrysantheme sitzen. Die Färbung und die leicht gefaltete Flügelstellung erinnern an ein welkes, abgestorbenes Blatt. Tarnen und Täuschen sind bekanntlich ganz wichtig fürs Überleben. Ihre Flügelspannweite beträgt zwischen 4,5 und 5,5 Zentimeter, also etwa so groß wie beim kleine Fuchs. Der nachtaktive Falter ist ein Wanderfalter. Das sind auch einige andere Arten bei uns, wie Distelfalter und Totenkopfschwämer. Die Annahme aber, dass die Art nördlich der Alpen nicht bodenständig sei, wurde durch regelmäßigen Winterfunde inzwischen widerlegt. Sie erinnern sich vielleicht, das trifft in der Zwischenzeit auch für andere Arten zu, wie zum Beispiel für den Admiral und das Taubenschwänzchen. Jetzt kommt aber der Hammer, denn gefunden wurden nicht Puppen, sondern überwinternde Raupen. Ja gibt’s denn sowas? Ja, das gibt es, zum Beispiel beim Zimtbär, dessen Raupe mir Edmund Zeiser aus Zimmern unter der Burg am 17. Januar 2019 geschickt hat. Laut schmetterling-raupe.de können etwa 15 Arten als Raupen überwintern. Und die Achateule ist einen von ihnen, deswegen habe ich mich entschieden, heute über sie zu schreiben.
Die Achateule fliegt in zwei Generationen von Mai bis Juli und von August bis November. Dabei handelt es sich bei den Faltern der ersten schwächeren Generation, die von Mai bis Juli zu sehen sind, vermutlich um Tiere, die als Raupe überwintert haben. Die stärkere zweite Generation wird unterstützt durch aus dem Süden eingewanderte Tiere.
Raupe der Achateule. Foto: Gabi Schroll, Mundelfingen (2021)
Man kann sich schon fragen, wie die Raupe durch den Winter kommt.
Alois Welte, herzlichen Dank für die Überlassung der Bilder!
heute zeige ich ein paar Beispiele, zu welchen Reparaturleistungen Pflanzen in der Lage sind. Die drei bernsteinfarbene Waldschaben habe ich auf frischer Tat ertappt. Sehen Sie, dass sie die jungen Dahlientriebe durchtrennt haben, um sich am Pflanzensaft genüßlich zu tun? Es freut mich, dass ich das festhalten konnte, denn denen hätte ich es nicht zugetraut. Was macht die Dahlie? Sie kapituliert nicht, sondern sie läßt in den nächstgelegenen Blattachseln Ersatztriebe wachsen. Nicht schlecht Herr Specht kann man sagen.
Bernsteinfarbene Waldschaben
Dahlientrieb
In diesem Jahr habe ich einige Sonnenblumen in den Ringelblumen-Blumenhäfen gepflanzt. Nacktschnecken hatten es sehr leicht in diesem Jahr, deshalb kamen Sie besonders häufig vor. Die Blumenhäfen hatte ich auf einen Meter hohe Holzklötze gestellt und dachte, da sind sie schneckensicher. Falsch gedacht, ruck zuck waren etliche Sonnenblumenstengel von Nacktschnecken durchgefressen, an Ringelblumen hatten sie kein Interesse. Ich war traurig darüber, denn ich dachte, das ist das Ende. Aber schauen Sie unten, kurze Zeit später zeigt sich neues Leben am durchtrennten Teil.
Zwei neue Blütenstande haben sich gebildet, die Blühzeit ist leicht verzögert, kein Wunder, wenn man einen solchen Schneckendämpfer verkraften muss.
Oben sind zwei Ersatztriebe aus den Blattachseln entstanden. Ist das nicht hammerhart? Die Reparaturleistung ist sehr erstaunlich. Aber, nicht alle abgefressenen Sonnenblumen haben eine solche Meisterleistung geschafft.
diese Aufnahmen stammen vom 12., 13. und vom 14. September, also kurz hintereinander. Sie zeigen etwas, was mich sehr an den rötlichen Springschwanz erinnerte, worüber ich vor kurzem geschrieben habe. Trotzdem war ich auf whatsapp Hilfe im Status angewiesen, weil ich es auch fast nicht glauben wollte, was ich sah. Einige haben es gewußt, vielen Dank für das Melden. Also es sind weitere Urinsekten, die Wasserspringschwanz oder schwarze Wasserspringer genannt werden. Wikipedia beschreibt sie wie folgt: Sie erreichen eine Körpergröße von nur 1,1 bis 1,5 mm und haben relativ kurze Beine und Fühler. Die der Fortbewegung dienende Sprunggabel ist nach innen geklappt, weshalb man sie leider auf den Bildern nicht sehen kann. Dieser zweizinkige Körperfortsatz wird mit einem Muskel ruckartig nach hinten geschnellt. Hammerhart kann man da nur sagen.
12. September 2024
13. September 2024
14. September 2024
Typisch ist, dass Wasserspringer auf der Oberfläche stehender Kleingewässer – Tümpel und länger existierende Pfützen – leben. In unserem Fall haben sie unsere Vogeltränke auserkoren, vielleicht gefiel es ihnen, dass sie nicht ganz steril war. Mitunter komme es zu großen Ansammlungen aufgrund von Massenvermehrungen so dass die entsprechende Gewässerfläche von Individuen wie schwarz berußt wirkt. Die Nahrung besteht aus Bakterien, Algen und Pollenkörnern, die auf der Wasseroberfläche treiben. Bei Störungen springen die Tiere ungestüm in alle Richtungen auseinander. Weil sie so klein und leicht sind, werden sie von der Oberflächenspannung des Wassers getragen. Man muss sich das einmal vorstellen.
Die Art verfüge über ein komplexes Paarungsverhalten, welches eine indirekte Spermatophorenübertragung beinhaltet. Auf der einen Seite eines Weibchens baut das Männchen einen „Zaun“ aus Samenpaketen. Anschließend schiebt es das Weibchen von der anderen Seite her in die Spermatophoren hinein. Ist das nicht genial? Was es halt nicht alles gibt in der Natur.
Hier wurde ich auf die Tiere aufmerksam, weil die große Ansammlung auffiel.
Das Bild oben ohne Zoom
mit zweifachem Zoom
mit fünffachem Zoom
Wie gesagt, die Wasserspringer sind 1,1 bis 1,5 mm lang.
Mich würde sehr interessieren, ob jemand von Ihnen den Schwarzen Wasserspringer schon gesehen hat. Rückmeldungen per Whatsapp oder E-mail gerne erwünscht. Ich sah sie jedenfalls zum ersten Mal.
hier das zweite Thema aus dem Urlaub im Erzgebirge, rotbraun gefärbte Stämme. Da ich das bei uns noch nicht gesehen habe, gewinne ich den Eindruck, dass das ein „Sachsenphänomen“ ist. Ich lass mich aber gerne eines anderen belehren.
Das Bild oben zeigt einen Baumstamm, der fiel mir im letzten Jahr beim Referendarstreffen in Dresden auf. Sieht er nicht hammermäßig aus? Trotzdem ließ ich aber das Thema erstmals ruhen. Man muss ja auch mal warten können. Dann sahen wir im Erzgebirge an der Talstraße von Niederschmiedeberg in Richtung Arnsfeld eine Reihe von Strassenbäumen, die farbenprächtig aussahen wie unten zu sehen.
Damit war das Thema in den Fokus gerückt. Sofort arbeitete mein Hirn, wie ich an Informationen darüber herankomme. Denn aus dem hohlen Bauch kam da garnichts, nur Erstaunen. Sitzbänke mit der Aufschrift „Sachsenforst“ brachten mich auf die Idee, bei der örtlichen Forstbehörde per E-mail nachzufragen. Und, es war von Erfolg gekrönt, noch im Urlaub konnte ich das Phänomen dank des Forstbezirksleiters von Mariaberg, Ingo Reinhold, klären:
„Verursacher des rostfarbenen Rindenbelags, der besonders an der Wetterseite von Eschen auftritt, sind zu den Grünalgen gehörende Luftalgen, die außerhalb von Gewässern leben und die Luftfeuchtigkeit nutzen. Eine der betreffenden Algenarten aus der Gattung Trentepohlia lagert einen rötlichen Farbstoff ein, der nach außen durchschimmert und den Eindruck eines rostigen Belags erweckt. Der Algenbefall ist Ausdruck einer vergleichsweise guten Luftqualität, welche die Existenz und das Wachstum der Algen überhaupt erst ermöglicht. Denn noch in den 1980er bis 1990er Jahren waren sie nur selten zu finden, weil die Schadstoffbelastung der Luft vor allem mit alkalischen Stäuben kaum einen Algen- oder Flechtenbewuchs zuließ“.
Grüne Algen kommen ebenso vor, fallen aber weniger auf. Man sieht sie punktuell auf dem Bild oben auf der linken Stammseite. Es wird erwähnt, dass überwiegend Eschen betroffen sind, die ersten Bilder sind Eschen, aber das Bild unten zeigt auch eine betroffene Eiche.
Das war wieder so eine Angelegenheit, die rostigen Bäume aus dem Erzgebirge. Herrn Ingo Reinhold danke ich sehr herzlich für die Lösung des Phänomens.
heute kommt eine von zwei Urlaubsgeschichten. Wir waren im Erzgebirge und, um es vowegznehmen, es war ein toller Urlaub. Okay, das sind die Urlaube doch meistens.
Ein Erlebnis war dieses: Wir wanderten am „Grünen Graben“ entlang im Schwarzwassertal. Der „Grüne Graben“ wurde auf über acht Kilometer Länge vor über 200 Jahren errichtet, um im anschließenden Bergwerk Wasser zur Energiegewinnung zu haben. Eine beeindruckende Leistung, zumal 700 Meter durch den Fels gehauen wurden.
Ausschnitt vom „Grünen Graben“ mit dem Wanderweg daneben.
Dann sehe ich diese Situation und sofort war mir klar, dass da eine Blindschleiche im Wasser liegt.
Die Frage war, wird sie noch leben? Schwimmen kann sie, das ist bekannt, aber sie kommt offensichtlich nicht aus dem Wasser heraus ans Land. Als Echsen sind Blindchleichen wechselwarme Tiere, die nicht zu lange im relativ kühlen Wasser überleben können. Das war Fakt. Was ist zu tun?
Nun, ich wollte die nette Blindschleiche retten. Also bin ich elegant über den Graben gesprungen, habe einen meterlangen Stock genommen, die Blindschleiche darauf balanciert und mit Schwung auf den Wanderweg buxiert. Es gibt Videos davon, aber leider keine Bilder.
Unten zeigt, wie sie sich in meiner Hand aufwärmen durfte. Anschließend legten wir sie in die Sonne und wenige Zeit später war sie verschwunden. Ich war richtig gerührt über dieses Erlebnis, können Sie das verstehen? Beim Nachlesen über die Blindschleiche sind mir einige Dinge hängengeblieben: Sie ist unsere häufigste Echse, sie ist im Garten sehr nützlich, weil sie auch Nacktschnecken frisst und sie kann 40 Jahre alt werden. Das fand ich hammerhart.
Im Schwanz hat die Blindschleiche ein paar Sollbruchstellen, an denen sie den Schwanz abwerfen kann. Der Schwanz wächst aber nicht nach. Fast die Hälfte aller erwachsenen Tiere fehlt ein Teil des Schwanzes. Auch hammerhart.
So, das war die erste von zwei Geschichten aus dem Erzgebirge.
jetzt kommt die Fortsetzung zum Thema Weidenbohrer, aber eine, die sich gewaschen hat. Sie erinnern sich, Anfang Juni kroch die Raupe in das Erdreich meines Schlupfbehälters. Die Frage war, wie lange es dauert, bis er fertig verpuppt ist und wann wird er schlüpfen. Also voll verpuppt sei er erst mit etwa 20 Tagen, und schlüpfen soll er sechs bis acht Wochen nach dem Einbuddeln. Das finde ich kurz. Wissen Sie noch, wie lange es beim Schwalbenschwanz dauerte? Sehr lange acht Monate.
Am 23. Juli 2024 erhielt ich aus der weiteren Nachbarschaft eine Bildnachricht von Kurt Zimmermann mit den Bildern: „Ein Totenkopfschwärmer ist geschlüpft“. Nun, das mit dem Totenkopfschwärmer war schnell geregelt, denn der ist noch zwei Zentimeter größer und hat einen Totenkopf auf dem Haupt. Nein, das war der frischgeschlüpfte Falter des Weidenbohrers.
Das Schlupfloch im Gemüsegarten, das runde Grüne ist Schnittlauch als Größenvergleich
Einfach tolle Bilder! Dankeschön an Kurt Zimmermann.
Die Puppenhülle und den Falter mit noch nicht voll aufgepumpten Flügeln.
Da ich tagsüber unterwegs war, bin Ich abends noch hin zu den Zimmermänners Birgit und Kurt.
Der wuchtige Körper des Falters von vorne an einer Holzabgrenzung aufgenommen. Da ist Power dahinter.
Er ließ sich auf meine Hand nehmen, ein Zeichen, dass er noch nicht ganz flugfähig war oder noch nicht fliegen wollte, weil es noch zu hell war.
Sehen Sie die sehr großen Augen des Weidenbohrers?
Man sieht, dass die Flügel voll ausgebildet sind. Als es dämmrig wurde, hat er sich aus dem Staub gemacht. Übrigens, Männchen haben 8 cm Flügelspannweite, die Weibchen sogar 10 cm. Der Saugrüssel des Weidenbohrers ist verkümmert, deshalb kann der Falter keine Nahrung aufnehmen und stirbt nach wenigen Wochen. Den nachtaktiven Falter bekommt man selten zu Gesicht, da er tagsüber gut getarnt schläft. Umso schöner ist es, ihn vor die Linse bekommen zu haben.
Nachdem ich das gesehen hatte, habe ich am anderen Tag meinen Schlupfbehälter untersucht und siehe da, die Puppe war noch da. Na ja, es wird nicht mehr lange gehen, dachte ich. Täglich kontrollierte ich, es tat sich aber nichts. Vier Wochen später, am 21. August 2024 wurde es mir zu bunt. Ich durchsuchte den Boden und jetzt, ob Sie es glauben oder nicht, ich fand null und nichts in Richtung Puppe. Ich wollte es nicht wahrhaben, ich leerte den Inhalt langsam in einen anderen Eimer und wieder zurück und nochmals, es war nichts zu finden. Ach Du grüne Neune, was könnte passiert sein? Ich vermute, der Kerle ist geschlüpft und da der Deckel nur lose aufgelegt war, hat er ihn mit seiner Kraft hochgewuchtet und ist entfleucht. Sie müssen bedenken, er muss sich ja aus dem Boden kämpfen. Das nächste Mal passiert mir das nicht mehr, das wird der Deckel beschwert.
Herzliche Grüße Franz Maus
Beitrag vom 12. Juni 2024
Liebe Bürgerpostleser,
unser Nachbar Wolfgang Schorp klingelte bei uns am 5. Juni 2024. Da ich ihn nicht gleich in Empfang nehmen konnte, sprach er in die Sprechanlage: „Du Franz, ich stell Dir etwas vor die Haustür, es ist etwas Grandioses“. Oha, dachte ich und beeilte mich natürlich, das Objekt zu sehen. Mann oh Mann, war ich baff, eine große rotgefärbte Raupe hatte er in einem Eimer platziert. Da ich diese fast 10 cm lange Raupe schon ab und zu gesehen habe, war mir sofort klar, dass es eine Weidenbohrerraupe ist. Als Wolfgang dann erklärte, dass er sie beim Verebnen eines Ameisenhaufens im Rasen entdeckt hatte, war mir vollkommen klar, dass sie in den Boden wollte, um sich dort zu verpuppen. Er ist damit nicht allein, so verpuppen sich zum Beispiel auch der Totenkopf- und der Windenschwärmer.
Also, können Sie sich vorstellen, was ich gemacht habe? Genau, ich vermute es zumindest. Ich habe zügig einen Fünflitereimer halb mit Gartenboden gefüllt und die Raupe darauf platziert. Sofort begann sie sich in den Boden zu schieben und in sage und schreibe nur vier Minuten war sie im Erdreich verschwunden. Schauen Sie auf die Bilder. Ich glaube, die Raupe hatte richtige Legenot. Sie kam mir vor, wie ein Mensch, der dringend auf die Toilette muss.
Wie kommt die Raupe in Wolfgangs Garten? Nun, dort befindet sich an der Grenze ein schon etwas lädierter Weidenbaum. Und in diesem hat die Karriere vor zwei bis vier Jahren begonnen, als die Mutter dieser Raupe ihn als Ei in die Rinde gelegt hat. Er ist dann als Räupchen in den Stamm gekrochen und hat Löcher gebohrt, mit zunehmender Entwicklung richtig große. Gewaltig kann man da nur sagen. Dass sich eine Raupe von Holz ernährt , ist auch staunenswert.
Also, die Grundlage der Falterzucht ist gelegt, irgendwann wird der Falter aus dem Boden kommen. Der Eimer ist mit perforiertem Deckel verschlossen.
Da bin ich gespannt, weil den Weidenbohrer sieht man als Nachfalter kaum, auch weil er gut getarnt ist. Was schätzen Sie, wie lange die Raupe braucht bis sie vollkommen verpuppt ist? Sage und schreibe drei bis vier Wochen. Ich werde Sie dann freilegen um zu sehen, wie das Ganze aussieht. Natürlich wird die Puppe wieder im Boden – wie vorgefunden – vergraben. Ich will ja auch den Falter sehen.
Beitrag vom 5. Mai 2022
Liebe Bürgerpostleser,
das ist wieder eine spannende Geschichte. Dieses Frühjahr ist rechts vor der Bahnunterführung Hüfingen nach Hausen vor Wald das Gehölz stark auf den Stock gesetzt worden. Für meinen Geschmack etwas zu stark für die Natur und speziell für die Vogelwelt.
Als die Schlüsselblumen dort blühten, schaute ich mir das Ganze aus der Nähe an. Verwundert erblickte ich die unterschiedlich vielen Löcher auf den Weidenstöcken, die auch noch unterschiedlich dick waren. Fast jeder Stock hatte diese Löcher.
Nach einem kurzen effektiven Austausch mit Dr. Hans- Peter Straub waren wir uns einig, das sind die Fraßgänge einer Raupe. Ja sag mal, ist das nicht der Hammer? Raupen, die lebendes Holz fressen? Für mich war noch interessant, dass die meisten Gänge ausgekleidet waren, hat das der Baum gemacht als Gegenreaktion gegen den „Aggressor“ oder war es die Raupe selber? Sehr gut sieht man das auf Bild 3 links. Tatsache ist, dass sich die Raupe zwei bis vier Jahre lang in der Weide im wahrsten Sinne des Wortes durchfrisst, ehe sie den Stamm verlässt, um sich im Boden zu verpuppen. Und daher rühren auch die unterschiedlich dicken Gänge. Die Weiden überleben dies im Normalfall.
Ein solches Prachtexemplar sah ich vor fast genau vier Jahren und habe darüber einen Bericht verfasst. Wissen Sie noch, wie der Nachfalter heißt? Ganz einfach, bezeichnender Weise Weidenbohrer, ein Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer. Anhand der zahlreichen Gänge vermute ich, dass der Falter dort nicht selten ist. Als Nachtfalter ist er halt für uns Menschen schwer sichtbar.
ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hirschkäfer, Alpenbock und Alpensegler, große Themen in letzter Zeit. Jetzt schauen Sie, was ich am 2. August auf meinem Holzlager entdeckt habe. Ich dachte im ersten Moment an rote kleine Pilze, wie den Zinnoberroter Pustelpilz, den ich Mitte Dezember 2023 beschrieben habe. Aber das Gesehene ist nicht so gleichmäßig verteilt wie der Pilz. Aber, was ist es dann? Groß und klein spricht vielleicht doch für etwas Tierisches, dachte ich mir.
Was macht man heute, wenn man etwas wissen will? Genau, die Bilder rein in Google lens und warten was kommt. Gekommen ist „Rötlicher Springschwanz“ Haben Sie das schon einmal gehört? Ich jedenfalls nicht. Stellen Sie sich vor, es gibt keinen Wikipedia Artikel zu diesen Tierchen. Und über Google kommt man an Kaufangebote für diese Tiere, wissen Sie warum? Weil der rötliche Springschwanz als perfekter Bodenpolizist fungiert. Er hält im Terrarium den Bodengrund sowie die Einrichtung schimmelfrei, zudem dienen sie auch als Futtergrundlage für unzählige Arten an Wirbellosen-Tieren, Reptilien und Amphibien. Ein großer Vorteil gegenüber den „tropischen Springschwänzen“ ist, dass der „rötliche Springschwanz“ keine Sprunggabeln besitzt. Ich vermute, dass das heißt, er kann nicht wegspringen, der arme rötliche Sprungschwanz.
Um zur Beschreibung des Tieres zu kommen, brauchte ich eine Weile, auf der folgenden Homepage wurde ich fündig:
Dort steht, „sie leben an Totholz und verottetem Laub und lieben es, wie alle Springschwänze, gerne sehr feucht“. Also zum Thema feucht brauche ich dieses Jahr nicht viel zu sagen, tags zuvor hat es bei uns 33 Liter geregnet. „Springschwänze gehören wie die Felsenspringer und Silberfischchen zu den Urinsekten. Es sind also Tiere, die schon sehr lange hier auf der Erde zugegen sind. In Deutschland soll es rund 400 Arten geben, die meist zwischen 1,0 und 6,0 mm groß werden, sehr selten größer. Die meisten besitzen eine sogenannte Sprunggabel, mit der sie sich bei Gefahr durch die Luft schleudern können. Springschwänze sind wichtige Helfer, um pflanzliche Reststoffe zu verwerten und wieder zu Nährstoffen für Pflanzen, insbesondere für Bäume umzuwandeln. Sie stehen am Anfang der Nahrungskette und sind für sehr viele räuberisch lebende Tierarten die Nahrung, die sie brauchen, um als Jungtier wachsen zu können“. Die rote gefärbten sind ein Zeichen fürs Erwachsensein, das Leben beginnt für sie in weiß. Auf den Bilder unten sind einige weiße Jungtiere zu sehen.
Komischweise sind die Tieren so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen sind, heute sah ich nur noch wenige Exemplare. Das ist schon der Hammer, diese Urinsekten. Aber toll, dass ich sie fotografieren durfte.
heute ist ein Vogel an der Reihe, bei dem ich gespannt bin, ob Ihr schon von ihm gehört habt, der Alpensegler. Wieso der Alpensegler, frag man sich vielleicht. Ganz einfach, weil er seit kurzem in Tuttlingen einen Verbreitungsschwerpunkt in Süddeutschland hat. Über 50 Brutpaare nisten in der Zwischenzeit dort im Kirchturm der Stadtkirche. Der Hammer ist, sie fliegen hinter den Zifferblättern an ihre Brutplätze im Innern des Turmes.
Jetzt kommt das Interessante, denn erst seit etwa 60 Jahren gibt es den Alpensegler in Deutschland. Die erste Kolonie ist Mitte der 1950 er Jahre in Freiburg entstanden. Und wann kam er nach Tuttlingen? Im Jahr 2000 wurde die erste Brut festgestellt und 24 Jahre später sind es sage und schreibe 50 Paare. Anscheinend gefällt es ihm dort bestens. Ich dachte, Freiburg und Tuttlingen, das wars. Aber dann wurde ich auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg schlauer, denn mittlerweile brütet er auch in weiteren Städten Süddeutschlands, wie z. B. in Waldshut, Emmendingen, Lörrach, Tuttlingen, Lindau, Offenburg, Ettenheim, Lahr, Bühl, Achern, Sasbach (bei Achern) und Gundelfingen. Ich war geplättet. So weit hat sich der Kerle ausgebreitet. Wenn´s passt, dann passt´s, würde der Bayer und der Österreicher sagen, in der Natur geht es bei passenden Dingen sehr schnell. Gründe sind das Wachstum der Freiburger Kolonie und erneute Zuwanderung aus der Schweiz, was sicher für Tuttlingen und Lindau zutrifft. In Schaffhausen gibt es auch eine alte Kolonie. Der Hammer ist, dass Baden-Württemberg die bisher nördlichsten Vorkommen weltweit beherbergt. Denn ursprünglich ist er in den Felsregionen Südeuropas, des Orients und Indiens sowie in Afrika zu Hause. Und zwar keineswegs nur in Gebirgen, wie der Name vermuten lässt, sondern auch an steilen Felsküsten in geschützten Spalten und Nischen. Doch er ist bereits frühzeitig den Menschen in die Städte gefolgt, wo Gebäude seine Ersatzfelsen bilden.
hier sieht man gut den weißen Bauch
Hausener Mauserseglerkolonie
Mauersegler und Alpensegler sind verwandt. Ich habe ein Bild der Hausener Mauersegler eingefügt, die übrigens schon seit etwa 26. Juli 2024 nach Süden abgezogen sind. Der Unterschied liegt in der Färbung und in der Größe. Mauersegler sind komplett braunschwarz und der Alpensegler ist am Bauch und Kehle weiß. Die Größenunterschiede sind beachtlich, der Mauersegler hat eine Flügelspanne von etwa 45 cm und der Alpensegler von etwa 55 cm, der Alpensegler ist doppelt so schwer und sechs Zentimeter länger als der Verwandte. Gut, am Himmel ist das nicht leicht zu erkennen. Dazu kommt die Schnelligkeit dieser Burschen, sie gelten als die schnellsten Vögel der Welt. Für mich persönlich gibt es ein tolles Erlebnis aus der Kindheit, ich sah bei der Feldarbeit über Uttenhofen eine kleine Kolonie von Alpensegler vermutlich aus Schaffhausen dahinziehen. Wieso ich das gewußt habe, fragen Sie vielleicht. Weil ich schon damals grundsätzlich eine Fernglas dabei hatte und die weiße Bäuche deutlich sehen konnte. Wie der Mauersegler kommt der Alpensegler sein ganzes Leben nur zum Brüten in ein Nest, alles weitere findet in der Luft statt. Anders als beim Mauersegler bleibt der Alpensegler deutlich länger bei uns. Sind es nur drei Monate bei Mauersegler, sind es von März bis Oktober gute sieben Monate. Das heißt man hat viel länger Zeit zum Beobachten. Ein paar Worte zu den Bildern, das Bild ganz oben zeigt neben dem Kirchturm und dem Zifferblatt oben rechts ein Alpensegler, mit etwas Phantasie sieht man den weißen Bauch. Gerne hätte ich das Ein- und Ausfliegen fotografiert, es ist mir wegen der Schnelligkeit nicht gelungen.
es krabbelt zur Zeit so richtig. Kaum ist der Hirschkäfer durch, kommt der nächste beeindruckende Geselle. Mein Freund aus Referendariatszeiten Albrecht Siegel aus Herbertingen schickte mir diese Bilder. „Wir sind grad auf Fahradtour am Königssee und da hängt dieses Tier am Garagentor. Weißt Du, was das ist“? Ich musste kurz überlegen, dann war klar, es ist der unverwechselbare Alpenbock. Die Färbung ist doch herrlich. Nun, wie der Hirschkäfer für die Vermehrung die Eiche braucht, so braucht der Alpenbock die Buche. Neben den Alpen kommt er auch auf der mit Buche bestandenen Schwäbischen Alb und im Donautal vor. Mit etwa drei Zentimeter Körperlänge ist er ein stattlicher Bursche. Charakteristisch für die Bockkäfer sind die langen Fühler. Denken Sie an den bei uns heimischen Moschusbock, über den ich schon geschrieben habe. Die Geschlechter können anhand der Fühlerlänge unterschieden werden: Beim Männchen überragen die Fühler das Hinterende der Flügeldecke bei weitem, beim Weibchen erreichen sie dieses knapp. Ich muss ehrlich sagen, ich will mich da nicht festlegen. An den mittleren der Fühlerglieder befinden sich schwarze Haarbüschel, wodurch die entsprechenden Fühlergelenke schwarz verdickt erscheinen. Auf dem Bild ist das am rechten Fühler gut zu sehen.
Nach dem Schlüpfen der Käfer Ende Juni/Anfang Juli erfolgt die Paarung und die Eiablage. Wenn frischgeschlagene Buchenholzstämme oder Brennholzklafter mit Buchenholz in der Nähe sind, wird der Käfer durch diese angezogen. Andernfalls wird der besonnte untere Stammteil eines möglichen Brutbaumes angeflogen. Das Weibchen tastet mit der ausgestülpten Hinterleibsspitze den Untergrund nach Verletzungen der Rinde oder Risse im Holz ab. Dann dringt der Legeapparat bis zu vier Zentimeter ins Holz oder unter die Rinde vor. Die Eier werden gewöhnlich einzeln abgelegt. Die aus dem Ei geschlüpfte Larve frisst im Bereich des austrocknenden Holzes weiter, später dringt sie ins Totholz ein. Es dauert gewöhnlich drei bis vier Jahren bis die Larve sich in einer Puppenwiege verpuppt. Nach dem Schlüpfen zwängt sich der Käfer durch eine ovale Öffnung ins Freie. Diese Öffnungen dienen dem Käfernachweis. Das ist doch ein interessantes Detail, finden Sie das nicht auch? Jetzt kommt eine aus menschlicher Sicht traurige Wahrheit, die erwachsenen Käfer werden nur zehn Tage alt, Literaturangaben nennen auch 20 bis 40 Tage.
Der Alpenbock ist europaweit geschützt. Die Schutzmaßnahmen haben zu einer Stabilisierung der Bestände geführt. Man sieht, dass Totholz eben auch einen Lebensraum darstellt, den man im Rahmen des Möglichen schützen soll.
Ganz herzlichen Dank Dir Albrecht Siegel für die Überlassung der Bilder und die Einwilligung, daraus einen Beitrag zu schreiben. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie Ihre Freude daran haben.
Liebe Bürgerpostleser, ich kann Euch sagen, das ist eine größere Geschichte. Dass es sich um den Hirschkäfer handelt, dürfte beim Bilderbetrachten schnell klar sein. Aber der Reihe nach: Elisabeth Weisbrodt, eine Bekannte aus Lohnsfeld am Donnersberg in der Pfalz schickte mir als erstes am 25. Juni 2024 ein Bild und fragte mich, was das denn sei.
Ich musste etwas überlegen und frug zurück, wieviele Zentimeter der Käfer mißt: „6-7 cm oder noch mehr“. Elisabeth hat dann nachgemessen, vom Panzer hinten bis einschließlich der Greifzangen vorne sind es – etwa 4,3 cm. Wie heißt es so schön, „Schätzen kann fehlen“. Auf jeden Fall konnte ich antworten: „ein weiblicher Hirschkäfer“. Wenn der Käfer kleiner gewesen wäre, hätte es der Balkenschrödter sein können. Als zweites schickte mir Armin Roser aus Müllheim-Britzingen-Muggardt am 28. Juni 2024 noch ein Bild, ein herrliches Männchen.
Es befand sich auf der Plane eines Anhängers, der unter einer Eiche platziert war. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, das gibt einen Bürgerpostbeitrag. Dann frug ich ganz beiläufig Nadine Linhard-Blum aus Hohberg bei Offenburg, ob es bei ihr Hirschkäfer gebe, und die Geschichte nahm Schwung auf. „Ja, momentan sehr viele.“ Das war einmal eine positive, aber auch überraschende Antwort.
Rivalenkampf
Annäherung
Paarung
Die Bilder oben hat uns dankenswerter Weise Nadins Jagdkollegin Silke Hahn überlassen. „Sie ist eine sehr gute Fotografin“ so Nadine. Ich vermute, dass beim Rivalenkampf der hintere sich in der besseren Position befindet. Wie es der „Kran von Schifferstadt“, der Ringer Wilfried Dietrich, beherrschte, kann er ihn aushebeln. Wer erinnert sich noch an Olympia München 1972, als er den 182 kg Mann Chris Taylor auf die Bretter zwang?
Das Bild mit den zwei Hirschkäfergeweihen vermutete ich links vom Männchen und rechts vom Weibchen? Ich bin darauf reingefallen, aber Nadine hat mich aufgeklärt, rechts ist auch ein Männchen, aber ein „Spießer“ im Gegensatz zum „Kronenhirsch“ links. Spießer entstehen, wenn die Bedingungen in der Larvenzeit nicht gut ist.
Apropos Larvenzeit, was schätzen Sie, wie lange sie dauert? Fünf bis acht Jahre. Das heißt die diesjährigen Käfer sind von 2016 bis 2019 als Ei gelegt worden. Hammermäßig. Und wie lang lebt er als Käfer? Nur wenige Wochen. Ebenfalls hammermäßig. Er lebt als Käfer eigentlich nur um sich zu paaren, das Weibchen etwas länger wegen der Eiablage. Nach der Paarung legt das Weibchen etwa 20 Eier bis zu 75 Zentimeter tief in den Boden an die Wurzeln von toten oder kranken Bäumen, insbesondere von Eichen. Die Larven entwickeln sich in den Wurzeln, Stämmen und Stümpfen, brauchen jedoch durch Pilzbefall zermürbtes Totholz. Das ist auch der Grund, dass die Entwicklung so lange dauert, denn in dem zermürbten Totholz gibt es keine reichhaltige Nahrung.
Das letzte Bild ist von Nadine, es zeigt eine Larve im jungen Alter. Wissen wie groß die Larven werden? Bis zu 11 cm lang. Der Hammer. Die Verpuppung dauert etwa 60 Tage. Jetzt kommt noch was: Nadine hat extra Totholzliegen aus Buchen- und Eichenholz angelegt, so dass mich Ihre Aussage mit dem reichlichen Vorkommen von Hirschkäfern nicht mehr wundert. „Andere sagen, die Liegen sind eine Sauerei“. Aber Hirschkäfer gibt’s eben nur, wenn man diese Möglichkeit zulässt.
Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Deutschlands und ist auf die warmen Gebiete begrenzt. Also im Unterhölzer Eichenwald kommt er nicht vor, die nächsten Gebiete sind am Hochrhein und im Klettgau. Hier ein Link zu den Fundorten in Baden-Württemberg: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft
Zum Schluß einen herzlichen Dank an Elisabeth Weißbrodt, Armin Roser, Silke Hahn und Nadine Linhard-Blum für die Bilderbereitstellung.