„D Seegfrörne anne 1963″ Eisgschichte und Eiszziite

Prozession von Hans Sauerbruch
Seegförene gesprochen von Maria Simon

Eisziite

Wer noch 1950 uff d Welt kumme isch könnt sich grad no so dra erinnere oder hät amend sogar bei me Uusflug mit de Familie des Jahrtausend-Ereignis erlebt.
Ganz gwiss kah sich nährmerd meh a die letscht Eiszziit vor so 12 000 Johr erinnere. Dä isch de Feldberggletscher no bis gi Füetze gange, oder d Wiese aabi bis gi Schopfe und de Brendgletscher bis knapp vor Wolterdinge. Wenn au e paar Liit monet er sei bis i die Guetmedinge- Wartebergpforte gange, sait on vu de beschte Gletscher- Schmecker, dass mer nit emol am mächtige Tierstoe im untere Bregtal Gletscherschliff Runse und Schliffspure sieht. Ganz abgsähne vu Strudeltöpf oder Gletschermühlene.

Au über die Klei Eiszziht vu anne 1784 ka mer nuu no us Chronike und Uffschrieb vu Klosterschrieber ebbis erfahre. Dämols häts im Wälderwaald meterhohni Schneeverwajete und sau Fröscht gähe. Schuld war de gwaltig Vulkanuusbruch vu de Lakhi im Feuer und Eis Wikingerland Island. Dä sind tausende vu Liit, Schoof und wuselige Islandrösser gstorbe. Au uff de nächstliegende Insel, im keltische Irland, sind hunderttausende vu Liit verhungeret und vill drum gi Amerika uusgwanderet. Es isch z ganz Europa duschter, staubig und kaalt wore, weil d Sunn kumm no dorch den Vulkäschedunscht dorch kumme isch. D Ährne (Ernte) sind uusgfalle und Hungersnöt sind au dä uusbroche. Im Glashitteloch im Ferndobel häts meterhoh Schnee gähe und d Glaser hond sich nimme us de Hieser traut weg de Lawine und sie sind wochelang iigschneit gsii. Anne 1963 war aber kon Vulkan an dem uubachene Eiswinter schuldig. Es war oefach ab em November scho saukaalt mit Dauerfrost bis minus zeh grad. Weiher, Seeli und Bäch sind iigfrore. Au de gross Bodesee, s Schwäbisch Meer.

Temperaturverlauf Grafik von Hans Sauerbruch

Am 27. Dezember häts minus 14 Grad ghet, sodass mer scho vu Markelfinge am Gnadesee entlang bis gi Allendsbach uff em Eis hät laufe kinne. 8 cm hät s Eis scho Dicki ghet. Bei 6 cm kinnet scho 2 Persone uff om Quadratmeter sicher stau uhni iizkrache. Bei 8 cm traits sogar scho mindschtens 4 Liit und ab 10 cm kam er mit eme Kleiwage, zum Beispiel mit eme Fiat Topolino, druff umme kessle. Wenn mer die Johreszahle vu totale Seegfrörene sit 871 aaguckt, häts i dene 1200 Johr 35 Seegfrörene gähe. Am Meischte zwische 1200 und 1600. Die letscht ganz gross war anne 1830. Dä isch die Büschte vum Heilige Johannes vu Münschterlinge im Thurgau is badisch Hagnau, i d Hansjakob Wiigmond, trait wore mit über 1000 volksfromme, innbrünstig Rosekranz- brudlende Prozessionsteilnehmer.

Wie es de Bruuch will, word die Johannes Büschte bei jedere totale Seegfrörne zwische dene zwei Gmonde uustauscht. Sie bliibt bis zum näschte tragfähige Iis am letzte Aakunfs- und Übergabeort i de Kirche uffbewahrt. 133 Johr isch sie bis anne 1963 z Hagnau gstande und jetzt deno wiedermol z Münschterlinge. Es spricht vill defür, dass die rustikal gschnitz Holzbüschte no selli, selli lang, wenn nit sogar fascht ewig dä stau word. Für spirituelle Poesie hät mer dämols no Sinn khaa. Het mer nit au so en Bruuch iiführe kinne, wo die St. Johann Büschte us Granit nint ganz widerspruchlos vu St. Bläsi gi Eschinge uff de Stadtkircheplatz brocht wore isch ? Zum Beispiel jedesmol, wenns entweder z Eschinge oder au St. Bläsi 35 Grad Hitz hät. Mit so Glübbte isch es halt aber nimme wiit her. Scho gar nit i de hitige Ziit mit neue Idee. Mit so me Staffete Bruuch, de Übergabe zwische Eschinge und St. Bläsi vu dem St. Jonhannes- Haupt, könnt d Kirch au mol ganz iidrücklich und wirksam uff s Weltklima änniwiese uhni vill Sprüch und fromme Bredigte. Und die Kritiker hetet nint me zum Gosche wegem köpfte Haupt uff em Kircheplatz, wa selli oefältig Tabeltänzeri Salome verbotzget hät.

No e paar vu de wichtigschte Chronischte Date

Am 27.12.1962 hät mer vu Allensbach gi Markelfinge uff 8 cm Iis Laufe, Schlittschuhe , Radfahre oder Schlittefahre kinne.

Am 15.1.1963 isch en Weag vu Radolfzell gi Iznagn über de Gnadesse mit Dännli uusgmarkt wore. Am 17.1.1963 hät mer vu Steckborn über de Untersee gi Hemehofe uff eme Eisweag schliefere kinne.

Ab em 20.1.1963 hät es uff em Untersee vum Seerhein bis gi Wange 20 cm Eis im Mittel gähe, wa Tausende vu Schwitzer und Diitsche uffs des Seeiis glockt hät. Es hät meh Liit khaa wie im Summer bim bade.

Tenge im suscht milde Hegau isch ab em 21.1.1963 tagelang vu de Ussewelt abgschnitte gsii wege Schneewajete. Genauso wars z Höcheschwand gi Waldshuet aabi. Koe Dorchkumme fer d Bahschlitte.

Au de Zürisee isch vu Rapperswil bis gi Herliberg total zuegfrore.

Und so wars au ab em 25.1.1963 mit em Überlingerseewinkel vor Bodman und Ludwigshafe. Dä hond sich am 2./3.2.19963 über 7 000 Liit zu me riese Eisfescht mi Wurscht und Weck uff 15 cm Iis troffe. Hond gfesse und gsoffe und gsunge und danzet.

Eisfest von Hans Sauerbruch

D Konschtanzer Bucht isch am 3.2.1963 zuegfrore gsi. D Imperia, die verfrore Katz, hät des no nit erlebt. Sunsch het sie ihre blutte Schenkeli unterme Kardinals Hermelin- Pelzmänteli us em Second Hand Kurie Lade verschobbe messe.

Am 4.2.1963 hät mer vor Konschtanz mit eme Sportflieger Fuetter für die notliedende Wasservögel uusgsaiet.

Ab em 7.2.1963 därf mer vu Überlinge gi Dingelsdorf oder Wallhuuse schliefere a de eng gsteckte Markierungs- Dännli entlang. So khaa konn bei dickem Nebel de Weag verfehle und sich verirre.

Jetzt gohts loos mit em Obersee

Ab em 10.2.1963 därf mer vum Hörnle gi Bottighofe, vu Immestaaad gi Romanshorn und vu Hagnau gi Münschterlinge.
Schnell mond Münschterlinger s Köpfle vum Sankt Johannes abstaube und uffmöble. Den hond sie anne 1830 vu de Hagnauer i treue und fromme Verwahrung griegt. Am 12.2.1963, noch lange 133 Johr, sotet sie den zruckgähe is Badisch, gi Hagnau. So isches uusgmacht und versproche noch eme uugrschriebene Bruuch. Wenn sie`s au nit gern machet, aber versproche isch versproche. Also setzt sich a dem denkwürdige Tag die Tausedfüessler Johrhundertprozession vum Thurgauische Münschterlinge gmächlich und würdig is badisch Hagnau i Bewegung. Die Sänfteträger mit de Büschte oberdruff mond all paar hundert Meter gwaeslet were weil Finger horniglet. Innbrünstig, hochspirituell und ergreifend nehmet über 1000 Prozessionsteilnehmer an dem Gang über s Eis vum Obersee teil. E Zeitzeugin sait, dass des ihr ergreifendschtes und eindrücklichstes Erlebnis vu ihrem lange Lebe gsii wär. Me kaahs guet nochempfinde e und me beduurets, dass mer des riese, des Gänsehuut – Erlebnis nit au miterlebe hät kinne.

Nuu fünf Tag noch dem einmalige, hochspirituelle Tag rumorts uf em Iis. Es fangt tatsächlich a eweng zum taue und s Eis word uusicherer. Und promt verirret sich 2 Friedrichshafener Schüeler uff ere abtriebende Iisscholle. Suchflieger findet sie nit und sie wered uff em Iis festgfrore im Schwiizerische Güttinge gfunde.

Aber am 1.3.1963 macht de Winter nomols ernscht. 500 Schüeler vum Rorschacherberg wanderet gi Kressbronn uff komfortable 20 – 60 cm dickem Eis.

Am 2./3.3. 1963 erlebet nomol Tausende bei strahlendem Märzewetter im Aagsicht vum Säntis und em Pfänder des Eiswunder vum Bodesee. Uff allne abgsteckte Eisweg kriiz und quer über die 4 Seeabschnitt, em Untersee, em Gnadesee, em Überlinger See und uff em grosse Obersee wuselet sie ummenand.

Erscht ab em 10.3.1963, noch lange 10 Woche Bodesseeis- Wunderwelt, bauet d Behörde die Wegmarkierunge ab und warnet vor dem kommende gfährliche Eisgang, de broete Riss und de hinterlistige Waakebildunge.

Erscht noch em 17.3.1963 könnet die Fähre und d Schiff zaghaft de Betrieb wieder am Tag uffnehme. Riese Eisschibbel schwimmet de Seerhein , de Untersee geg de Hochrhii zue und verrammlet a manche Stelle die Stromzunge. De Eisverhau isch fascht so gwaltig wie wenn d Arktis im spote Frühejoor us em Eisschloof verwachet.

Au noch sechzig Johr isch mer vu dem uuglaubliche Johrhundertereignis Bodesee- Seegfrörne 1963 beeeindruck, wenn nit sogar ergriffe. Denn es isch selli uuwahrscheinlich, dass mir und die Menscheit vum 21.und 22. Johrhundert so ebbis nomol erlebe wered. Wenns au i Aasätz vor 8 Johr im Markelfinger Winkel paar Tag doch au nomol so war wie dämols.

E Spezies Seegfrörne gihts zwar nit, so wie i de Tier- und Pflanzewelt. Aber au so Naturschauspiel und Naturwundereignis sind vum Uussterbe bedroht und villmols uuwiederbringlich uusgrottet. So wies au mit de Bodesseegfrörni sie word. Und eweng mond mir iis au a die oege, immer seltener werend, kalte Nase lange.

Jo, so wars,
und villiecht verzehl ich eich mol vum gfrorene Markelfinger Winkel vor paar Johr und em Kultgerät, em Spark.

Spannungsrisse
Methangas Eisblasen im Markelfinger Winkel Eis

Lindeninnerei

Liebe Bürgerpostleser, 

jetzt kommt eine Geschichte, die es in sich hat. Bis vor ein paar Tagen war das Ganze ein Geheimnis. Es wurde gelüftet durch Christiane Willmann aus Schwärzenbach. Sie hat das neue großformatige 595 seitige Buch, „die Baumschätze Baden-Württembergs“ erstanden, auch weil zwei tolle Bäume von Ihrem Hof aufgeführt sind. Ja, was hat das mit der Rätsellösung zu tun? Wissen Sie überhaupt schon, um welches Rätsel es geht? Jetzt erst mal weiter. Letzte Woche frug sie mich, ob ich die Gerichtslinde am Tengener Eck kenne. Der Grund ist der, weil mein Heimatort Uttenhofen zu Tengen gehört. Das bejahte ich, wobei ich die Linde nicht als Gerichtslinde kannte. Dann schickte sie mir eine Fotokopie des umfassenden Textes und dann gingen die Lichter an. Dort stand, dass die 300 bis 500 Jahre alte Linde 1960 von einem Blitzschlag getroffen und wenig später von einem Brand heimgesucht wurde. Sie habe durch Überwallungen und durch das Anlegen von Adventivwurzeln einen Überlebenskampf bis heute erfolgreich geführt. Adventivwurzeln, mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Diese Gebilde, die auf Bild 2 und 3 zu sehen sind, sind Adventivwurzeln, der absolute Hammer. Ich habe im Vorfeld einige namhafte Experten gefragt und keiner hatte gewußt, was es ist. Meistens lautete die Antwort, es seinen Efeuranken, aber innerhalb eines Stammes? Nein, die ranken außen an den Bäumen empor und bilden eine großes Blätterwerk. Außerdem hatte Stefan Weiss, der Hofbesitzer, nie und nirgends Efeublätter in der Linde gesehen.

Die Internetrecherche über https://www.unigoettingen.de/de/regenerationsf%C3%A4higkeit/41757.html erklärte es klipp und klar. Das Lindenholz ist stark Fäulnis anfällig. Das sieht man eindeutig an dem Stammrest, innen ist alles kaputt bis auf einen 15 bis 20 cm dicken Außenring. Kein Wunder, ist der stattliche Baum bei einem Februarsturm 2022 mit brachialer Gewalt abgedreht worden. Die Adventivwurzeln natürlich auch, siehe Bild rechts.

Der Beitrag schreibt, dass im Alter neue Innenwurzeln gebildet werden, die sich von den Ästen her wie Luftwurzeln nach unten schieben. Durch diese Innenwurzeln wird der Baum wieder fest verankert und stabilisiert und eine anhaltende Nährstoffversorgung sichergestellt, wodurch Linden ein sehr hohes Alter erreichen können. Müssen Sie auch kurz durchschnaufen, was Sie da lesen? Für mich ist es das Wunderbarste, was ich bisher geschrieben habe. Das so etwas möglich ist, hätte ich nie im Leben gedacht. 

Toll finde ich, dass Stefan Weiss den Baum gewähren lässt. Sehen Sie auf dem Bild rechts, wie der alte Riese bereits wieder grüne Stellen hat? Die Aufnahme stammt vom 19. September 2022. Vielleicht schafft er es, wieder eine kleine Krone zu bekommen. 

Das Ganze erinnerte mich an Würgefeigen im tropischen Regenwald. Deren Samen werden von Vögeln in Urwaldriesen auf hohe Äste platziert, die dann Wurzeln nach unten treiben, und so wuchern, dass sie den Riesenbaum mit der Zeit zu Tode würgen. Dagegen sind die Adventivwurzeln der Linden von anderer Natur, freundlich und hilfreich. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Wie man aus Wasser Kraft macht

Anlässlich des kommenden Öffnungssonntags der Sonderausstellung „100 Jahre Brändbachtalsperre“ im Kelnhof-Museum wurde nun zur Veranschaulichung eine Flussmühle im Brändbach bei der Stadthalle vom Stapel gelassen. 

Fast jedes Kind kennt die Bilder aus Mesopotamien oder vom Nil mit den riesigen Wasserschöpfrädern. Oder von den klappernden Mühlen in Schwarzwaldtälern. Sie alle nutzen ein Naturgesetz. Wasser will immer von der höher gelegenen Quelle zum Meer fließen. Es verändert, bedingt durch die Schwerkraft, seine Lage von oben nach unten. Daher kommt der Begriff der Lageenergie. Das Wassergewicht im Fließgewässer verändert ständig seine Lage. 

Der Brändbach mit seinem Wassergewicht verändert seine Lage schwerkraftbedingt vom Höchst auf 1000 m Meereshöhe bis nach Bräunlingen um 300 m Höhenunterschied. Dabei nimmt sein Fallgewicht durch ständige Zuläufe ständig zu. Genutzt wird dieses fallende Wassergewicht im Brändbach Wasserkraftwerk in Waldhausen. So nutzten die Bräunlinger seit 1923 aus dem Kirnberg Speichersee diese Wasserkraft mit einer hochtechnisierten Anlage. 

Mit einer einfachen, uralten Methode wird nun an den Brändbach-Terrassen bei der Stadthalle in Bräunlingen das Prinzip der Lageenergie verblüffend anschaulich und fast selbsterklärend gezeigt. Nämlich mit der ältesten Wasserkraftanwendung, der legendären Flussmühle, einem schwimmenden, unterschlächtigen Wasserrad. Unabhängig von Stauhaltung, Stauwehr, Gewässerveränderung, Aufstiegshilfen und Wasserspiegeländerungen kann damit Energie gewonnen werden. Das ist der pfiffige Vorläufer aller Wasserkrafttechniken. 

Anschaulich zu besichtigen ist dieses Modell, das mit Hilfe einer Materialspende der Firma Bedrunka+Hirth anlässlich des 100jährigen Bestehens der Brändbachtalsperre gebaut wurde, an den Brändbach-Terrassen gegenüber der Stadthalle. 

Sichelschrecken

Liebe Bürgerpostleser,

na, haben Sie so etwas schon gesehen? Ich nicht, aber Frau Sabine Weisser aus St. Georgen-Brigach. Sie hat diese zwei Bilder geschickt und nach einer eigenen Internetrecherche auch bestimmt. Laut Wikipedia leben sie in Mitteleuropa bis nach Norddeutschland hin und sind eine Unterart der Heuschrecken, genannt Sichelschrecken. Diese hier heißt Laubholz-Säbelschrecke. Die Fühler sind bis zu dreimal länger als der Körper, ist das nicht sehr beachtlich? Man muss vielleicht dazusagen, dass die Schrecke nur zwei cm lang wird und damit relativ klein ist. Neben der Musterung am Körper sind die Miniflügel herrlich, und auffallend sind auch die zwei gelben Linien links und rechts bis zum Ende der Flügelchen. 

Die Art sei schwierig zu finden, weil sie sich gerne in den Kronen von Bäumen aufhält. Kein Wunder habe ich sie noch nie gesehen. Die Chance, sie zu Gesicht zu bekommen, sei am höchsten, wenn Gewitterstürme die Säbelschrecken heruntergeweht haben und sie sich in Büschen von der Sonne trocknen ließen. Frau Weisser hat sie in der Milchkammer angetroffen, vielleicht wollte sie Milch trinken. Übrigens handelt es sich um ein Männchen, wissen Sie wieso? Weil am Körperende kein Legebohrer ist und weil die Flügelchen doppelt so lang sind wie bei den Weibchen. Was ich sehr beachtlich finde, dass die Eier unter die Rinde von Bäumen wie Eichen, Kiefern und Birken abgelegt werden und 2-3 Jahre in dem Stadium überdauern. 

Wirklich sehr erstaunlich das „Schrecklein“ und herzliches Dankeschön an Frau Sabine Weisser für die Bildüberlassung.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Schnee von gestern – Schnee von morgen?

Er ist den meisten Skiläufern eine so selbstverständliche Sache, dass man nicht weiter über ihn redet, höchstens wenn er ausbleibt oder wenn er „pappt“. (A. Fendrich: Der Skiläufer. Stuttgart 1924)

Was, wenn unsere Kinder aufgrund unseres Verhaltens nicht nur ein Jahr ohne Schnee, sondern ein ganzes Jahrzehnt ohne Winter erleben? (A. Gore: Wege zum Gleichgewicht. S. Fischer, 1992)

Was waren das diesmal für trostlose TV-Übertragungen mit all den weißen Kunstschneebändern in grüner Landschaft, auf denen per Ski gesprungen, gerannt, geschossen und zu Tal gerast wurde. Nie wurde der Klimawandel wirkungsvoller in Szene gesetzt, dazu beigemischt Silvesterkrawalle, die Räumung von Lützerath und zu allem hin auch noch die Einschläge russischer Raketen in ukrainische Wohnblocks – wer da zum Jahreswechsel mal nicht Gefahr lief, depressiv zu werden! Das wärmste Jahr, der wärmste Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, jetzt sogar als Glücksfall gepriesen angesichts der knappen und sündhaft teuren Heizenergie! 

Sollen Kinder da noch Ski laufen lernen, so wurde in den Medien gefragt, macht Skisport  überhaupt noch Sinn? Riesenglück hatten immerhin die Neustädter, denn exakt zum Weltcupspringen auf ihrer Hochfirstschanze war das schmutzige Snowfarming-Weiß vom Vorjahr eben noch rechtzeitig von einem Hauch Naturschnee überpudert worden, sodass in den Übertragungen zumindest ein Anschein von Schwarzwaldwinter noch vermittelt werden konnte. Dabei hatte es hier doch schon im vorigen Jahrhundert Kritik gehagelt, lange bevor allenthalben Schneekanonen in Stellung gebracht worden waren, weil man damals schon den Schnee mangels eigener weißer Pracht per Lkw-Flotte vom St. Gotthartpass herbeigekarrt hatte. Demgegenüber hatten die pfiffigen Schonacher mit ihrem (zumeist spätwinterlichen) Weltcuptermin der nordischen Kombination schon bald nach der Jahrtausendwende dafür gesorgt, dass die Kritik am Energieverbrauch künstlicher Beschneiung verstummte angesichts der Windenergieanlagen auf den Höhen rund um ihr Langlaufstadion.

Schneenotstand (2017)

Schwarzwaldwinter ade, so wird freilich nicht erst seit Kurzem beim Thema Wintersport und Wintertourismus geunkt, wenn wieder einmal der Schnee ausgeblieben ist und wenn wehmütig einstiger „Jahrhundertwinter“ gedacht wird. Etwa so wie jenem anno 1907, als es dem Schneepflug nicht einmal mehr sechsspännig gelang, die Straßen von den Schneemassen frei zu räumen und als man zu den Nachbarn manchenorts sogar Tunnels graben musste. 


Schneenotstand (1907)

Oder gar so wie in Lucian Reichs Anekdote „Winter auf dem Walde“, in welcher es den Rettern erst am Karfreitag endlich gelungen ist, am Feldberg einen Bauernhof von oben her durch die Schneedecke auszugraben. „Karfreitag, und wir verzehren soeben das letzte Stück vom letzten Stier“, sollen die Geretteten von unten herauf gerufen haben – entsetzt darüber, unwissend das Fastgebot übertreten zu haben. Aus dem im Februar 1848 von einer Lawine („Schneeschalte“) verschütteten Königenhof im Wagnerstal bei Neukirch, in dem 17 Personen nebst vielem Vieh zu Tode gekommen waren, wird wohl niemand mehr herausgerufen haben.

Und doch hat es im Schwarzwald immer auch schon schneearme Winter gegeben. „Wer seinen Wohnsitz am Fuß des hohen Schwarzwaldes hat,“ schreiben in Deutschlands erstem Skiführer die beiden Skipioniere Henry Hoek und Heinrich Wallau (Skifahrten im südlichen Schwarzwald, München 1911), „ist natürlich in der glücklichen Lage, jeden günstigen Schneefall zu einer Fahrt auszunutzen. Wer weiter reisen muss, wird gut tun, sich über die Schneeverhältnisse genau zu erkundigen.“ Was keinen andern Schluss zulässt, als dass es mit der Verlässlichkeit der Winter selbst im Hochschwarzwald noch nie besonders gut bestellt war. 

Ein fotografischer Schnappschuss des Schwarzwaldmalers Hermann Dischler, entstanden auf dem Thurner im Winter 1903, zeigt eine eher dürftige, ziemlich ausgeaperte Schneedecke. Hier oben sollen die Jungbauern und -bäuerinnen, angesteckt vom in Freiburg unten so heftig grassierenden Schneeschuhlauf-Bazillus, um die Jahrhundertwende mit ihrem Vorhaben kläglich gescheitert sein, ihren eigenen Skiclub zu gründen. Vorausgesetzt, die Erzählung des Thurnerwirts, des Chefs des seit 1502 auf der Passhöhe nachgewiesenen Gasthauses, trifft zu, die er in den schrecklichen, den schneelosen Wintern der 1990er Jahre unter seinen Gästen ausgestreut hatte, soll der junge Verein sich nach sieben (!) schneemageren Wintern wieder aufgelöst haben. 

Dünne Schneedecke auf dem Thurner (Foto H. Dischler, 1903)

Und doch sollte es sie auch weiterhin geben, die „Jahrhundertwinter“: Am ehesten, versteht sich, wenn der erste Schneefall auf den Tag des Heiligen Andreas am 30. November fiel. Dann nämlich, so will es die Bauernregel, bleibt der Schnee hundert Tage liegen – wofür ich mich als langjähriger Vorsitzender des Fördervereins Club Thurnerspur e. V. verbürge, mit dessen Mitgliedsbeiträgen das 1972 auf dem Thurner gegründete Langlaufzentrum unterhalten wird. In besonders lebhafter Erinnerung ist mir der erste Winter geblieben, nicht etwa nur wegen des Sonntagsfahrverbots aufgrund der damaligen Ölkrise, sondern auch weil auf der noch immer durchgängig präparierten (Natur-)Schneeloipe bis in den Mai langgelaufen werden konnte. In unserem nach finnischem Vorbild knapp unterm Kulminationspunkt ausgelegten Loipenbuch hatte sich ein euphorisch gestimmter Läufer sogar in Reimform verewigt:

Der Mai ist gekommen, 
es grünt in Wald und Flur,
noch ist uns nicht genommen
die schöne Thurnerspur.

Im nämlichen Winter hatte ich freilich im italienischen Fassatal bei weitaus ungünstigeren Bedingungen am populären Volksskilauf Marcialonga teilgenommen. Die 70 Kilometer lange Wettkampfstrecke von Moena nach Cavalese war damals schon zu weiten Teilen ein weißes Band aus künstlich herbeigeschafftem Schnee – kaum anders als bei der jüngsten Tour de Ski  (Silvester 2022 bis zum 8. Januar), deren Veranstalter bis hinauf zur Alpe Cerni auch diesmal wieder mit Schneemangel zu kämpfen hatten. Der Unterschied: Damals hatte lediglich die Alpensüdseite nichts abbekommen von der weißen Pracht, diesmal war es beidseits des Alpenhauptkammes geschehen, wie wir TV-Zuschauer uns mit Grausen auch ob der verregneten Kunstschneebänder in Obersdorf, bei der Vierschanzentournee oder beim Ruhpoldinger Biathlon erinnern.

Wahre Rekordschneemengen gab es im Schwarzwald zuletzt im Spätwinter 1988: Erst gegen Ende Februar fing es zu schneien an, und in der ersten Märzwoche begannen die Markierungsstangen des Fernskiwanderwegs von Schonach zum Belchen unter die Schneedecke abzutauchen. Und noch gegen Monatsende konnte sogar der Rucksacklauf –   durchweg noch per Ski –  über die 100 Kilometer absolviert werden.

Jahrhundertwinter März 1988

Doch dann folgten die 1990er Jahre, die dem Skilauf gnadenlos zusetzten, nicht nur weil der Schnee ausblieb, sondern auch wegen der Orkane, die man sich ohne Zutun des Treibhausklimas in der Wetterküche des Nordatlantiks nicht mehr erklären konnte. Oft genug waren nach den Stürmen die Waldpassagen verbarrikadiert, wenn endlich ein nachfolgender Kaltluftvorstoß wieder mal eine dünne Schneedecke hinterlassen hatte, die eher einem Leichentuch glich. 

Auch im Förderverein auf dem Thurner sollte der Klimawandel nun zum Dauerthema werden. Zu dessen Mitgliederversammlung 1990 lud man den namhaften Freiburger Meteorologen Hans Rudloff ein, der zum Thema „Winter ade – wie ändert sich unser Klima“ referierte. Weil er dabei den Klimawandel zu Teilen auch noch als Medienprodukt eingestuft und die Badische Zeitung ausführlich darüber berichtet hatte, wurde er nachfolgend von Leserbriefen so bedrängt, dass er Abbitte leisten musste. Doch immerhin eine der Rudloff´schen Thesen sollte sich bewahrheiten: Im Abstand von 21 Jahren, so hatte er in seinem Vortrag angemerkt, seien alten Wetteraufzeichnungen zufolge besonders strenge und schneereiche Winter zu erwarten. Und siehe da: in der Saison 2008/09 verzeichnete das Langlaufzentrum mit 135 Betriebstagen (v. 22. November bis 4. April) seinen Rekordwinter. 

Seit mittlerweile fünfzig Wintern hat der Clubvorsitzende seinen (inzwischen 6700) Mitgliedern zur Jahresversammlung jeweils einen Rückblick auf die zurückliegende Langlaufsaison verfasst: eine Dokumentation eines fünf Jahrzehnte währenden Auf und Abs, erstaunlicherweise ohne so ganz eindeutige Negativtendenz. Auf die optimistischen Siebziger und Achtziger, die dem Skilanglauf im Schwarzwald einen wahren Boom beschert hatten, folgten in den Neunzigern die winterlichen Tiefpunkte, in denen der Vereinvorstand sich sogar mit dem Gedanken trug, aus Fairnessgründen die Mitgliedsbeiträge einzufrieren und in einen Dornröschenschlaf zu versinken. Doch das neue Jahrtausend brachte mehrheitlich wieder Winter, die zum Skilanglauf einluden und den Club förmlich aufblühen ließen.

So war denn auch der Katzenjammer um den Jahreswechsel 2022/23 rasch wieder verflogen, als Mitte Januar plötzlich ein Schwall arktischer Kaltluft gegen Süddeutschland vorstieß. Er ließ mit einem Mal all die Berichte über den beklagenswerten Notstand auf Pisten und Loipen heillos deplaziert erscheinen, die nach dem Kälteeinbruch von den Redaktionen nicht mehr rechtzeitig gestoppt worden waren. Jetzt also heißt es endlich wieder Ski und Rodel gut, wenn freilich auch noch auf bescheidener Schneedecke – derweil häufen sich die öffentlichen Appelle, trotz des eiskalten Nordwinds nur ja die Heizung, bitteschön, nicht gar zu weit aufzudrehen. Ob sich wohl auch der Klimawandel ein bisschen davon ausbremsen lässt?

Hüfingen im Schnee. Foto: Karl Schweizer

Wasserinsekten

Liebe Bürgerpostleser, 

unsere Regentonnen könnten Sie bereits kennen vom Beitrag über das Kondenswasser. Dieser Mal geht es um zwei Erlebnisse im Zusammenhang mit diesen. Am 10. Juli 2022 hatte ich vergessen, den Deckel auf die Tonne zu machen. Traurig sah ich dann vor dem Gießen ein Knäuel von kleinen Käferchen, traurig deshalb, weil ich dachte, die sind ersoffen, weil der Deckel nicht drauf war. Doch zu meiner freudigen Überraschung lebten alle, als ich sie mit meiner Hand aufnahm. Aber was sind das für nette Käferchen, so etwa 7 Millimeter lang, die im Wasser überleben können? Dr. Hans-Peter Straub wusste sofort Bescheid, als ich ihn fragte, es sind Seerosenblattkäfer. Ja bitte, bei mir gibt’s keine Seerosen und auch keine Teichrosen, nur Regentonnen. Aber unser Nachbar hat einen Riesenteich mit Teichrosen. Dann haben die wahrscheinlich einen Ausflug gemacht. Nach Wikipedia ist dieser Käfer der am häufigsten auftretende Schädling in Gartenteichen. Sein Nahrungsspektrum ist begrenzt, denn er frißt vor allem an Seerosen und Teichrosen. Ihre Entwicklung ist spannend.

Seerosenblattkäfer

Im April verlassen die erwachsenen Seerosenblattkäfer ihre Winterverstecke. Ab da können erste Fraßspuren an Blättern auftreten. Die Käfer legen ab Mai auf den Schwimmblättern kleine Eipakete ab, die aus 15 – 20 kleinen beigenen Eiern bestehen. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven und beginnen die oberste Schicht der Blätter abzuschaben. Sind dieLarven größer, fressen sie Löcher in die Blätter und später regelrechte Gänge. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind die Fraßschäden unübersehbar. Die Verpuppung findet ebenfalls auf dem Seerosenblatt statt und 30 bis 40 Tage nach der Eiablage schlüpft der fertige Käfer. In unseren Breiten können zwei bis fünf Generationen pro Jahr ausgebildet werden. Also können sie mit dem Wasser gut umgehen und es war nicht verwunderlich, dass sie als Knäuel überleben konnten.


Das oben hat mich auch sehr erstaunt. In der Regentonne fand ich erdfarbene kleine runde Gefäße und schlanke rötliche Wesen, die wurmähnlich aussahen. Oder waren es Larven? Ich war mir unschlüssig. Dann aber, wie wenn es so sein sollte, hatte der Insektenexperte Willy Bühler in der Frage und Antwort Rubrik der aktuellen BBZ 2/2023 eine Frage beantwortet, die genau die Lösung meines Rätsels war. Es sind Larven von Zuckmücken. Der Hammer ist, sie bauen sich diese Köcher, in denen sie Schutz finden. Der zweite Hammer ist, dass sie, um genügend Sauerstoff aufnehmen zu können, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin aufbauen, auf dem Bild unten ist die rote Farbe gut zu sehen. Das wichtigste ist die Erkenntnis, dass sie als Mücken vollkommen harmlos sind und riesige Schwärme bilden können. Sie sind also keine Stechmücken und man sollte sich an Ihnen erfreuen. Denn für unsere Schwalben sind diese Zuckmücken mit eine der Hauptnahrungsquellen. Und ob die Schwalben hoch oder tief fliegen, hängt in erster Linie mit der Höhenlage zusammen, in der die Zuckmücken sich aufhalten. Das ist von Wetter abhängig, wie wir wissen. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ist die Welt doch nur ein Dorf ? 

Schon zweimal war Lake Placid Austragungsort der Olympischen Winterspiele. 1932 und zuletzt 1980 haben Thomas Wassberg, Juha Mieto (das berühmte 100. stel Sekunden Rennen) , Hanni Wenzel und Toni Innauer um Goldmedaillen gekämpft. 

Fotos: Wikipedia

Die diesjährige Winter Universiade, die Studenten Olympiade,  findet derzeit ebenfalls dort im Nord-Osten der USA statt. Wie es bei derartigen Grossveranstaltungen üblich ist, werden die Delegationen von den Botschaftern des Heimatlandes empfangen. Im grossen Hotel, dem „Golden Arrow“ von Lake Placid, traut ein Funktionär aus dem Unteren Bregtal seinen Augen kaum:  Beim Festakt im riesen Kaminzimmer fühlt er sich wie Zuhause. In die rustikale geschichtete Kaminmauer ist eine Reliefsteinplatte eingelassen.


Eindeutig von einem Grossonkel gefertigt. „Bräunlingen Black Forest, Mühlentor„, ist in die Runde Solnhofer Kalkplatte eingeschnitten und im unverkennbaren Stil von Hermann Bertsch gestaltet.  Die Andacht bei der getragenen, bedeutungsschwangeren  Ansprache des wortgewandten Botschafters ist schnell verflogen als er auch noch ein Gemälde, ebenfalls mit Bildunterschrift „Mühlentor , Black Forest, Bräunlingen“ sichtet. Wie war eigentlich der Filmtitel?
Winteruniversiade Salt Lake? oder bin ich überhaupt im richtigen Film und wirklich in Gods own Country?, können die Brielinger tatsächlich auch Olympia und Universiade? Ja, Nachfahren aus dem Breg- Städtle können auch das. 
Die taffe Receptionsdame hat auf Nachfrage schon gehört, dass die Besitzerfamilie aus “ Old Germany, from nice Black Forest “ seien.  


Blitzanfrage im Unteren Bregtal beim dortigen Universal- Historien Orakel Joachim Schweitzer erhellt die Filmscene: Ja, 1960/70 sind zwei Schenkelisäger in die Nord- Appalachen ausgewandert, dort wo es ähnlich aussieht wie im Baarschwarzwald am Kirnberg, nur mit Laubwald statt Fichten und viel, viel  grösser. Der Hotelpatron war im Olympiabewerbungsausschuss und hat wirkungsvoll mitgeholfen, die Olympiade 1980 an Land, bzw. an den Salt Lake zu ziehen. Und jetzt kommt noch was raus:  „De Kächeli“ wie der Brielinger Ofensetzermeister Karl Brugger genannt wurde, hat nicht nur die Kacheln für den original Schwarzwälder Kachelofen in den „Güldenen Bogen“ geliefert, sondern den währschaften, opulenten Kachelofen mit Kuuscht in mehreren Wochen eigenhändig aufgesetzt. 
So spannen sich feingesponnene Spannungsboegen rund um die Welt. 

Ob dem Speck-, Schwarzwurst-, Bratwurstkonditionierten „Kaecheli“ allerdings die burgerlastige Kost, wie sie in den Menue- und Foodprints des Golden Arrow in zahlreichen Internetseiten angepriesen und anschaulich und hoffentlich gut verdaulich angepriesen werden, gut bekommen ist, war bisher noch nicht aus dem Kächeli- Clan zu erfahren. 

Immerhin erfährt man aber im seriösen  Wikipedia, dass die amerikanische Kost anno 1980 in den internationalen Olympiakreisen bemängelt wurde. Die Österreicher sollen sogar zur Selbstversorgung und Eigenbekochung mit Schmarrn, Hendl, Salzbuerger Nockerln und Gugelhupf gegriffen haben. Erst dann konnte  vermutlich der Bregenzer- Wälder Toni Innauer zu seinen legendären Gold- Flügen  abheben.

Ob wohl „de Kaecheli“, schon wieder so ein legendärer Brugger nach den drei knorrigen Kraftwerks- Brugern, wegen den bedrohlichen Big- Burgern vorsichtshalber  Speck, geräuchte Bratwürste und Schwarzwürste in seinem Werkzeugkoffer und Schamottsäcken verstaut hatte ?

Gruesse aus dem Globalen Dorf 

Mond und Mars

Liebe Bürgerpostleser, 

der heutige Beitrag handelt von einer Bildsequenz am Nachthimmel des 3. Januars 2023. Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres arbeitete ich etwas länger. Als ich das Haus in der Humboldtstraße 11 gegen 18 Uhr verließ, erkannte ich sofort, dass beim zunehmenden Mond relativ nahe sich ein Lichtpunkt befand. Da er etwas rötlich war, und ich wußte, dass sich Mars am Gegenpunkt zur Sonne, in „Opposition“ genannt, befand, war klar, das ist der Mars. Auf der Heimfahrt mit dem Fahrrad kam mir der Gedanke, diese Situation zu fotografieren, und, wenn die Sichtverhältnisse es zuließen, im Verlaufe des Abends weitere Aufnahmen zu machen. Bild 1 wurde um 18.13 Uhr aufgenommen, Sie sehen, dass links vom Mond relativ nah der Mars ist. Auf allen fünf Bildern sieht man die Spiegelung des Mondes, die von der Linse herrührt und lens flare genannt wird. Der Hammer ist, dass man auf den Spiegelbildern die tatsächliche Mondgröße sieht, nicht dagegen auf den Mondbildern direkt wegen der Überstrahlung. Das 5. Bild zeigt die Situation um 00.23 Uhr. Das sind über sechs Stunden Abstand zu Bild 1. Was ist in der Zeit passiert? Nun, der Mond ist gewandert und anhand vom relativ stabilen Mars kann man erkennen, wie schnell das geht. Wegen der Bildqualität bitte ich um Gnade, es ging mir einzig um den Bewegungseffekt des Mondes. 

18.13 Uhr
0:23 Uhr

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass der Mond 28 Tage für eine Erdumrundung braucht. Vielleicht macht es Ihnen auch Freude, zu sehen, wie der Mond täglich wandert. Probieren Sie einmal von einem gleichen Standort und einem Masten oder einem großen Solitärbaum und Sie werden auch überrascht sein. Es gibt auch die Begebenheit, dass der Mond über den Mars oder andere Paneten und Sterne „darüberfährt“, am Anfang der Bildsequenz habe ich es vermutet. Das ist natürlich auch spannend. Beim letzten Vollmond am 8. Dezember 2022 war das am Morgen der Fall und ich hab vergessen, danach zu schauen. Schade, aber es gibt Schlimmeres. 

Was einen sehr guten Überblick über die kosmischen Dinge im Jahresablauf gibt, ist das Buch „Kosmos Himmelsjahr“ vom Kosmosverlag. Das ist mein jährliches Weihnachtsgeschenk. Aber man muss natürlich auch reinschauen, wenn man nichts verpassen will, siehe oben. 

Weil es beeindruckend ist, das Sternbild Orion zu sehen, machte ich als Abschluß der Mond-Mars-Bildequenz ein Foto von ihm. Orion ist ein wunderschönes Wintersternbild. Sie haben sicher schon von den drei Gürtelsternen in der Mitte gehört. Unterhalb davon sieht man unter anderem den Orionnebel. Wie man heute weiß, ist das ein Sternentstehungsgebiet in 1.344 Lichjahren Entfernung. Schauen Sie mit dem Fernglas oder dem Fernrohr dorthin und ich bin sicher, dass Sie begeistert sein werden. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

(Draht-)Eseleien

Ach, das gute alte Fahrrad. Es war die letzte große technische Erneuerung, bei der die Ursache-Wirkung-Relation noch in Ketten lag, statt sich in einer Kettenreaktion zu entfesseln. (Probst, M.: Der Drahtesel – die letzte humane Technik. In: Die Philosophie des Radfahrens. mairisch verl. 2010) 

Radfahren kann bekanntlich zur Leidenschaft ausarten. Mich hat sie schon seit den ersten Fahrversuchen im Griff, damals in einer Karlsruher Schrebergartensiedlung, angeschoben vom noch rüstigen Großvater mütterlicherseits. Weil meine Beine noch nicht bis auf die Pedale herunter reichten, hatte er mir, an Stelle des Sattels, oben um die Rahmenstange herum zur Polsterung eine Decke gewickelt. Wie und wo er das schwarz lackierte Vorkriegsmodell mit Gesundheitslenker und Rücktrittsbremse aufgetrieben hatte, war sein Geheimnis; ein Fahrrad zu organisieren, war in der noch arg ramponierten badischen Nachkriegsmetropole gewiss kein leichtes Unterfangen gewesen. Unauslöschlich ist mir in Erinnerung geblieben, wie er anfangs, nach einem fast unmerklichen Schubs, neben dem um Balance ringenden Enkel noch ein Stück weit her rannte. Auch die ersten Radausflüge finden sich im Langzeitgedächtnis abgespeichert: aus der Stadt hinaus gondelnd bis an die Altrheinarme und wieder zurück in die Gottesauerstraße, wo wir in den großen Ferien Stadtluft schnuppern durften. Der Picknickkorb auf dem Gepäckträger des Großvaters enthielt, so meine ich mich zu erinnern, immer auch die köstlichen selbst nachgezogenen, von der Oma eingelegten Essiggurken aus dem Schrebergärtchen – die Tomaten hingegen verschmähe ich bis zum heutigen Tag.

Ob einem die Lust am Radeln sogar mit den Genen vererbt wird? Im Frankreichfeldzug hatte der Vater einen Radfahrerzug befehligt, und noch im russischen Winter schoben sie ihre Fahrräder durch knietiefen Schnee. Als ob da eine Skiausrüstung nicht sehr viel hilfreicher gewesen wäre, doch die Oberste Heeresleitung hatte ja rechtzeitig vor Wintereinbruch noch Moskau einnehmen wollen. Ein braves Durlacher Gritzner-Modell hatte Krieg und Gefangenschaft überlebt und wurde vom Vater selbst in der Wirtschaftswunderzeit noch über die Maßen gelobt und gepriesen, auch noch, als es längst mit platten Reifen im St. Märgener Forstamtskeller verstaubte.

Per Rad durch den russischen Winter

Auch für die Söhne sollten sich die früh erlernten Fahrkünste als überaus nützlich, ja, als unverzichtbar erweisen, spätestens ab dem Besuch des Freiburger Keplergymnasiums und mit dem Wechsel in unser „Zwing-Uri“, ins verhasste Schülerheim auf dem Lorettoberg: Nicht nur bei den täglichen Schulfahrten quer durch die zu Teilen noch in Trümmern liegende Stadt nach Herdern hinaus, sondern vor allem übers Wochenende. Denn die Familie wohnte oben in St. Märgen, und der Kraftpostbus nachhause, montags dann wieder runter in die Niederungen der Stadt kam allenfalls bei Schneelage in Betracht. Samstags, kaum war die letzte Unterrichtsstunde überstanden, schwangen sich die drei Brüder auf ihre Räder, um nachhause zu strampeln: Knapp 30 Kilometer und 700 Höhenmeter galt es zu bewältigen, und dies anfangs noch gänzlich ohne, später immerhin mit Unterstützung einer Dreigang-Nabenschaltung. Nein, wir sattelten damals beileibe noch keine Sporträder, sondern schwergewichtige „Böcke“, „Tourenschüttler“, „Göppel“, „Drahtesel“, wie wir sie eher abschätzig nannten. Heimwärts fuhren wir nur ausnahmsweise im Team, denn jeder der Drei bevorzugte eine andere (vermeintlich vorteilhaftere) Routenvariante, sei es über Eschbach und St. Peter, sei es über Himmelreich und Wagensteig mit Schlussanstieg den Ohmenberg hinauf. Wobei auch die Abkürzung der Serpentinen, das Rad schiebend auf dem steilen Kirchweg, durchaus nicht zwingend darüber entschied, wer als Erster, Zweiter oder Letzter das St. Märgener Forsthaus erreichte, wo das Mittagessen wartete. „Wer sein Rad liebt, der schiebt“, so pflegte man seinerzeit zu scherzen, wenn einem beim Strampeln „per Knochengas und Kniezündung“ doch einmal die Leistungsgrenzen aufgezeigt wurden.

Ganz anders montags in aller Herrgottsfrühe: Da pflegten sich die Brüder nach Kamikaze-Art, einer den Windschatten des andern suchend, ins Dreisamtal hinab zu stürzen. Sieger war, wer mit den wenigsten Bremsvorgängen in Wagensteig oder Eschbach unten ankam. Risiko hin oder her: wir fühlten uns da bisweilen wie zu allem entschlossene Desperados, wo doch schon in der zweiten Schulstunde der Lateinunterricht drohte mit der latenten Gefahr, beim Vokabelabhören drangenommen zu werden. Noch gefürchteter die Mathestunde, in der man womöglich wieder mal wie der Ochs vorm Berg vorne an der Tafel stand! Derart demotiviert, konnten auch (rettende?) Stürze nicht ausbleiben – und das in jener grauen Vorzeit, als noch nicht einmal Profis brauchbare Helme trugen. Zum Glück ging es meist mit Schrammen ab, doch einmal kostete es mich den Schneidezahn, als ich, in windschlüpfriger Sitzposition flach über den Lenker gebeugt, unweit St. Peter ein Schlagloch übersah. 

Unsere Räder ließen sich erst ab der Oberstufe peu à peu nachrüsten, mal mit einem leichterem Rahmen und schmaleren Felgen, mal mit Lenkstangen, die mehr und mehr „Rennlenkern“ glichen, schließlich sogar mit einer veritablen Dreigangschaltung; das dafür benötigte Taschengeld verdienten wir uns in den Ferien mit leichteren Waldarbeiten, mit Pflanzensetzen oder Kulturreinigen, später auch im Akkord mit dem Bau von Pirschpfaden quer durch steile Staatswaldhänge. 

Nach geglücktem Abi und absolviertem Wehrdienst beschloss ich, in Freiburg Forstwissenschaft zu studieren – ein Entschluss, den ich bestimmt nicht aus übertriebener Sympathie für den Karlsruher Forstmann und Erfinder, den Freiherrn Karl von Drais, gefasst hatte. Immerhin versprach ich mir vom Forstberuf die Chance, den Skilanglauf weiter betreiben zu können, nachdem sich in der Schulzeit erste Wettkampferfolge eingestellt hatten – nicht zuletzt dank Radlerlunge, eines Ausdauer-trainierten Herz-Kreislaufsystems und gestählter Oberschenkelmuskulatur nach all den samstäglichen Familienheimfahrten steil bergan.

Die Vorliebe fürs Radfahren sollte dann auch das Berufsleben überdauern; nicht etwa nur nach Dienstschluss und am Wochenende, sondern gelegentlich sogar in Ausübung von Amt und Ehrenämtern. Im Urlaub war es dann der Mont Ventoux, der einen herausforderte, der mythische Berg aller echten Rennrad-Fans. Doch die schneearmen 1990erJahre hatten, aus den USA herüberschwappend, zu einem Boom der stollenbereiften Mountainbikes geführt, auf die nun vorzugsweise auch die frustrierten Wintersportler umstiegen, um damit durch Wald und Flur zu brettern. Mit bis zu 24 Gängen (drei Kettenblätter vorne, acht Ritzel hinten) waren jetzt ja selbst giftigste Steigungen zu bewältigen. Weil auch Fußpfade lockten und die Konflikte mit fußläufigen Erholungssuchenden sich häuften, wurde im novellierten Landeswaldgesetz eigens eine 2-Meter-Regel festgeschrieben: Danach war Radfahren im Wald nur mehr auf über 2 Meter breiten Waldwegen erlaubt, es sei denn auf speziell ausgewiesenen und markierten, vom Waldeigentümer zu genehmigenden „Singletrails“. Die Regelung sollte sich freilich, da kaum kontrollierbar, als ziemlich unwirksam erweisen, zumal die Radfahr- und Tourismusverbände in Stuttgart mit Petitionen dagegen Sturm liefen. Selbst die Lobby der Wanderer, der Schwarzwaldverein, begann sich mit den Bergradlern zu arrangieren. Lediglich für motorisierte Zweiradfahrer blieb der Wald einstweilen noch tabu.

Auf Waldwegen nach der 2-Meter-Regel und mit 24 Gängen

Nach anfänglichem Zaudern hatte sich auch der Villinger Forstamtsleiter ein Mountainbike zugelegt, mit dem sich praktischerweise sogar manches Dienstgeschäft erledigen ließ, so etwa der Holzverkauf an einen nicht minder radenthusiastischen Kunden – dies, wohlgemerkt, stets unter Einhaltung der forstgesetzlichen 2-Meter-Regelung! Was eigentlich ja auch keine Einschränkung bedeuten sollte, wo das Forstwegenetz Baden-Württembergs doch – sage und schreibe – 87.000 Kilometer umfasst, soviel wie zweimal um den Äquator herum. Anlässlich der Pensionierung im Jahr 2005 wurde mir vom Personalratsvorsitzenden als Abschiedsgeschenk das opulente holzgeschnitzte Halbrelief eines künstlerisch begabten Mitarbeiters überreicht: physiognomisch unverkennbar, in Forstuniform mit Fernglas vor der Brust und lässig auf dem Sattel eines Mountainbikes hockend – der Chef. 

Im Dienst per MTB

Den Ruhestand verbringe ich seitdem auf der Baar, radtouristisch betrachtet ein kaum zu überbietendes Eldorado: versehen mit dem topographischen Vorzug flacher, seniorengerechter Einrollstrecken und sodann, je nach Wetter, Lust und Laune, mit schier unerschöpflichen Möglichkeiten zu anspruchsvolleren Touren, wahlweise in den angrenzenden Schwarzwald, auf die Alb oder in den Hegau, selbst der Bodensee lockt in erreichbarer Entfernung, ob auf Asphalt per Rennrad oder per MTB. Klar, dass dabei im Lauf der Jahre auch der eine oder andere Sturz noch zu verkraften war, der „Abstieg über die Lenkstange“, wie es im Radlerjargon verharmlosend heißt. Doch auch ein solches Missgeschick konnte das Radvergnügen nicht nachhaltig trüben.

Als erholsames Kontrastprogramm bietet sich dem Baarbewohner der weithin verkehrsfreie und flach verlaufende Donauradweg an, auf dem sich in der Radsaison erfreulicherweise mehr und mehr Radtouristen drängeln – und wo man inzwischen Zeuge einer erstaunlichen Entwicklung wird: Immer häufiger begegnen einem hier, zumeist dick eingemummt gegen den Fahrtwind, vorwiegend Seniorenradler, die dank Elektroantrieb in bemerkenswert flottem Tempo donauabwärts rollen, als hätten sie es brandeilig, nach Sigmaringen, Wien, Budapest oder ans Schwarze Meer zu gelangen. An manchen Sommertagen scheinen derzeit schon bis zu 70 Prozent der Donau-Radler mit E-Motor im klobigen und surrenden Tretlager unterwegs zu sein – ein wahrhaft verblüffender Trend, der längst auch beim alljährlichen Check im örtlichen Radgeschäft nicht mehr zu übersehen ist: Wo einst Touren- und Rennräder, Mountain-, City- und Trekkingbikes in der Auslage standen, überwiegen längst die um soviel profitableren Pedelecs (generalisierend E-Bikes genannt). Versprechen sich deren Käufer einen ganz neuen Lustgewinn, oder worin sonst besteht der Anreiz zur Motorisierung?

Die motorisierten Donauradler

Man hätte es vorausahnen können: „Entschleunigung“, „die Entdeckung der Langsamkeit“, Genussradeln im Bummeltempo, bergaufwärts gar mit Absteigen und Schieben: vorbei, vorbei! Die Branche setzt auf lustvolles Beschleunigen mit Hilfe der neuen Batterie-getriebenen Deluxe-Klasse, auf die neue Bequemlichkeit, auf unangestrengtes Fahrvergnügen! Und die Wohlstandsgesellschaft fährt voll darauf ab. Es lebe der Öko-Trend der E-Motorisierung, und wo sich schon bei den vierrädrigen Verkehrsmitteln nicht genug tut, so nun doch wenigstens beim Zweirad! Das Bekenntnis zur Energiewende will zur Schau getragen werden – weshalb nicht auch mit der Batterie am Rahmen? Wo doch all die Solardächer, die agrarindustriellen Biogasbetriebe und Windkraftanlagen, wie sie neuerdings auch auf der Baar den Horizont verstellen, genutzt sein wollen. Egal, was über Nacht tatsächlich aus der Steckdose in die Millionen Akkus fließt, mag der Strom-Mix (nicht nur bei „Dunkelflaute“) aus noch so diffusen Quellen stammen: Hauptsache, das Fahrrad gewinnt neue Freunde, und der Berufstätige holt morgens nicht mehr den SUV aus der Garage, sondern sein E-Bike!

Der verkehrs-, umwelt- und energiepolitische Zweck der Treibhausgasverminderung heilige jedes Mittel, hören wir von allen Seiten. Laufe ich nächstens also Gefahr, zum heillosen Nostalgiker und elitären Nörgler zu werden, wenn ich Verzicht übe und mich weiterhin auf mein „gutes altes Fahrrad“ schwinge? Und sind es womöglich Neidattacken, die in mir hoch kochen wollen, ist es der pure Verdruss, wenn ich, schnaufend und schwitzend in den Steigungen, von der motorisierten Konkurrenz scheinbar mühelos abgehängt werde, nicht selten mitleidig belächelt von hoch betagten E-Bike-Paaren? 

Wo mittlerweile doch selbst die Mountainbike-Szene nachzurüsten pflegt. Rudelweise strampeln sie –  beneidenswert locker und unangestrengt – über die Schwarzwaldhöhen, mitunter sogar geführte Touristengruppen mit Kameras auf den Helmen. „Doping aus der Steckdose“, so hat DER SPIEGEL schon vor Jahren (20/2015) seinen Bericht über die forcierten Bemühungen der E-Bike-Produzenten überschrieben, den Markt endlich „raus aus der Geriatrieecke“ zu steuern. Derweil preist der Tourismusverband des Hochschwarzwalds seinen neu geschaffenen „Gipfeltrail“ an; für allfällige Rettungseinsätze sind auf den Markierungen jeweils Standortskoordinaten und Rufnummer der Bergwacht vermerkt.

Regelwidrig durch den Wald

Im Wald sei das Fahren mit Elektromotor wie mit allen sonstigen Motorfahrzeugen unzulässig, es sei denn, der Waldbesitzer erteile dazu die Genehmigung. So hatte noch anno 2009 der Stuttgarter Forstminister den besorgten Präsidenten des Schwarzwaldvereins beschwichtigt. Damals hatte sich die Besorgnis der Wanderfreunde ob der neuen Konkurrenz freilich als verfrüht herausgestellt, hatte sie doch einem Vehikel gegolten, das, zumindest als Outdoor-Vergnügen, alsbald zum Flop geraten sollte: dem von einem E-Motor angetriebenen Einachsroller namens Segway. Dem (technisch genialen, computergesteuerten) Gefährt hatte man manchenorts sogar schon eine Revolutionierung des Straßenverkehrs zugetraut, erst recht einen neuen Schub für den Tourismus: „Kirschtorte meets Segway. Wir starten die Tour am Klettergarten Action Forest & schweben um den Titisee herum“, so las es sich seinerzeit im Angebot des Online-Reisebüros Schwarzwald-Reisen. Doch es blieb beim Nischenprodukt, zu besichtigen allenfalls bei der Flughafenpolizei und anderen Spezialanwendern, die per Segway durch Gänge und über Plätze  zu schweben pflegen. Inzwischen aber boomt der Elektromotor anderswo – und keiner wird mehr in Stuttgart die Frage nach seiner Zulässigkeit beim Befahren von Waldwegen stellen wollen.

Wie eigentlich erkläre ich mir selbst meine langjährigen Irritationen ob all der Neuentwicklungen, meine in Gesellschaftskritik verpackten miesepetrigen Einwürfe gegen die elektrifizierte neue Fahrlust? Dass auch ich dereinst umsteigen würde, hatte mir lang genug schon meine ob meiner gesundheitlichen Verfassung zunehmend besorgte Frau prophezeit: Spätestens, wenn ich noch ein paar Jahre älter und noch ein bisschen hinfälliger geworden sein würde. Und nun also ist es  tatsächlich passiert: Jetzt brause auch ich auf einem akkubetriebenen Gerät, schwer wie ein Leichtmotorrad, durch die Baar. Oder hätte ich am Ende nicht doch besser noch ein Weilchen zuwarten sollen: bis zur ultimativen Lösung auf dem Fahrradmarkt – dem vollautonomen, selbstfahrenden Drahtesel?

Lützerath ist überall

Christine Albert

Mein Vater und ich waren heute Abend spontan in der Villinger Innenstadt bei einer Demo von Fridays for Future. Leider war der Anlass sehr traurig, da momentan der Weiler Lützerath in Nordrhein-Westfalen von der Polizei im Auftrag der Politik geräumt wird, damit dort der Energieversorgungskonzern RWE weiter ungehindert Braunkohle abbauen kann. Lützerath soll vollständig abgerissen und danach vom Erdboden verschwinden.

So ist jedenfalls das von der Bundesregierung versprochene 1,5 Grad Ziel sicherlich nicht zu erreichen!

Greta Thunberg, die übrigens gestern ihren 20 Geburtstag feierte, äußert sich zu diesem Thema: „Doch die Ursachen der Klimakrise wurzeln nicht nur im Unvermögen verantwortlicher Politiker*innen, ihr Handeln am Stand der Klimaforschung auszurichten. Auch andere Akteure tragen Schuld daran, dass wir heute an dem Punkt stehen, wo wir stehen. Erdöl-, Gas- und Kohle- Konzerne bilden gemeinsam eine der mächtigsten Industriebranchen der Welt. Auch wenn Lützerath ein Ort voller Traurigkeit ist, finde ich es sehr hoffnungsvoll und inspirierend, die Hingabe und das Engagement der hier lebenden Menschen zu sehen – die kämpfen – um diese Dörfer zu behalten und die gegen Klima- und Umweltzerstörung vorgehen. Das ist es, was mir Hoffnung gibt.“

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