Töpferwespen

Liebe Bürgerpostleser, 

erinnern Sie sich noch an die Geschichte unten von den beiden Töpferwespen- Brutbehältern auf dem Handtuch in meinem Gartenhaus? Die Aufnahme entstand am 23. Juli 2023. Ich schrieb damals: „Das Ei entwickelt sich zur hungrigen Larve, die den Behälterinhalt leerfrißt. Dann kommt der Moment der Umwandlung und wenn die Töpferwespen fertig sind, fressen sie sich aus dem Gefängnis. Das kann im Herbst sein oder erst im Frühjahr des nächsten Jahres“. Ehrlich gesagt, ich hätte eine Wette darauf gesetzt, dass das mit dem Herbst bei uns auf der Baar nicht hinhauen wird. Trotzdem beobachtete ich die beiden Töpfe in unregelmäßigen Abständen.

Dann kam der 18. Dezember 2023 und ich war total überrascht, was ich zu sehen bekam. Beide Töpfe sahen aus, wie wenn sie in mehr als der halben Höhe geköpft worden wären und sie waren leer. Stopp, nicht ganz, im linken Topf war noch etwas Inhalt.  Auf jeden Fall waren die jungen Töpferwespen verschwunden. Ich vermute, dass Sie es vorzogen, doch noch im Spätherbst ins Erwachsenenalter einzutreten. So etwas aber auch. Ich kann nur hoffen, dass sie ein gutes und sicheres Winterquartier gefunden haben. Den Restinhalt vom linken Topf versuchte ich zu sezieren. Tatsächlich fand ich ein Räupchen das offensichtlich nicht gefressen wurde. Die Natur ist voller Überraschungen und die Töpferwespe spielt dabei mit in der ersten Liga.

2. August 2023

Vom Schaffen im Garten hatte ich nasse und dreckige Hände und im Gartenhaus ging ich zielgerichtet auf ein herumliegendes Handtuch zu. Stopp, langsam, was ist denn da los? Da sind ja zwei Tontöpfchen, der Farbe nach noch ziemlich frisch, auf dem Tuch befestigt, das ist ja der Hammer. Von der Größe her nicht gerade groß und mit einem Deckel versehen.

23. Juli 2023


So weit so gut. Jetzt die Geschichte dazu:

Eine von sieben in Deutschland vorkommenden Töpferwespenarten, und zwar ein Weibchen, hat aus einem Lehmgemisch zwei Brutzellen gebaut. In jede Zelle wird ein befruchtetes Ei gelegt und jetzt kommts, der ganze Topf wird gefüllt mit kleinen Raupen und Larven. Ja wie soll das gehen? Betäuben mit dem Stachel ist die Methode der Wahl und ab damit in den Behälter und wenn er voll ist, wird er mit einem Deckel (Bild oben rechts) verschlossen. Was sagt man dazu? Man kann nur staunen. Das Ei entwickelt sich zu hungrigen Larve, die den Behälterinhalt leerfrisst. Dann kommt der Moment der Umwandlung und wenn die Töpferwespen fertig sind, fressen sie sich aus dem Gefängnis. Das kann im Herbst sein oder erst im Frühjahr des nächsten Jahres. 

Bei Edmund Zeiser in Zimmern unter der Burg hat sich eine kleine Kolonie in einem Bienenstock angesiedelt.

Unten die gekrönte Töpferwespe, die Christian Kobel aus Valagin in der Schweiz auf https://www.flickr.com/photos/hitschko/7599222836 eingestellt hat. Auffallend ist die sehr schlanke Taille. 


Herzliche Grüße
Franz Maus 

Eschenbastkäfer

Liebe Bürgerpostleser, 

diese Geschichte begann im Juli 2022 mit einer Bilderanfrage von Alois Welte aus Mundelfingen, was das für Käfer seien. „Sehr klein sind sie, nur 2 bis 3 Millimeter lang und treten massenhaft im Türrahmen einer Stalltür auf“. Na ja, meine Neugier war geweckt, denn wann sieht man dicht gedrängt eine solche Menge Käferlein. Da mir eine Bestimmung zu „heiß“ war, schickte ich die Bilder weiter an Dr. Hans-Peter Straub vom Naturschutzamt in Villingen. „Morgen bin ich am Landwirtschaftsamt, da könntest Du mir ein paar Exemplare mitbringen“. Gesagt getan, Alois Welte brachte mir dankenswerter Weise einen ordentlich mit den Käfern gefüllten Glasbehälter, den ich mit dem Fahrrad nach Donaueschingen zur Arbeit mitnahm. 

Nach einer gewissen Zeit kam das mit Spannung erwartete Ergebnis, es seien Bunte Eschenbastkäfer, eine Borkenkäferart, deren Larven unter der Rinde von Eschen ihren Nahrungbedarf decken. Also ein Nahrungsspezialist. Dann kam natürlich meine Rückfrage an Alois Welte, ob Eschenholz dort gelagert sei. Die prompte Antwort war: „In drei Meter Entfernung vom Käferfundort lagert zu Brennholz aufbereitetes Eschenholz“. Damit passte alles zusammen. Die Geschichte ließ ich trotzdem als Entwurf liegen, irgendetwas sagte mir, da wartest Du noch etwas ab. Und tatsächlich, um Weihnachten herum schickte mir Alois Welte die beiden anderen Bilder. Dann war klar, jetzt wird das Thema angepackt.

Fraßbild der Larven unterhalb der Eschenrinde
Bohrmehl vom darüber liegenden Holzscheit und links unten sind zudem Bohrlöcher zu sehen, durch die die fertigen Käfer die Esche verlassen haben.

Diese Massen von Käfern stehen auch im Zusammenhang, dass viele Eschen gesundheitlich angeschlagen sind und dadurch diese Käfer sozusagen leichtes Spiel haben. 

Hand aufs Herz, wer hat schon einmal etwas vom Bunten Eschenbastkäfer gehört? Ich jedenfalls zum ersten Mal. Danke an Alois Welte fürs Mitteilen und Dr. Hans Peter Straub fürs Bestimmen.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Feld- und Haussperling

Liebe Bürgerpostleser, 

jetzt kommt etwas über den Allerweltsvogel Sperling, auch Spatz genannt. Ich hatte ihn schon einige Male erwähnt, beim Sandbaden und als Rasensamenfresser.

Diesmal schreib ich über ihn aus einem lustigen Grund. Simone Granacher aus Waldshut-Gutenburg schickte mir das Quiz, „Erkennen Sie alle 14 heimischen Wintervögel“? Unten befindet sich der Link, so dass jeder sich testen kann. Und jetzt kommts, die Frage, handelt es sich um einen Haussperling oder um einen Feldsperling bereitete mir die größten Schwierigkeiten. Die meisten von Ihnen werden sich vielleicht wundern, aber es war so. Allerdings merkte ich, dass es anderen auch so ging, und der Gedanke, daraus einen Beitrag zu machen, war geboren.

Vielleicht kümmerte man sich um den Allerweltsvogel Spatz weniger, weil er nichts Besonderes war. Dann ergab es sich, dass sich vor kurzem ein wunderschöner Feldsperling, auf der Futterkette geradezu in Fotoposition setzte. Ganz klar, er war zu erkennen an der rotbraunen Kopfplatte, am großen schwarzem Wangenfleck und dem schmalen weißen Nackenband. Als Höhlenbrüter sehen Männlein und Weiblein gleich aus. Die beiden anderen Bilder zeigen den Haussperlinghahn und die Haussperlingdame. Muss man noch etwas zum Unterschied sagen? Graue Kopfplatte beim Hahn und das Gefieder wird als „schmutzig“ beschrieben. Jetzt ist auch der Ausdruck „Dreckspatz“ klar, auf was wir nicht noch alles kommen im alten Jahr. So jetzt bin ich froh, dass ich diese Bildungslücke schließen konnte.

Feldsperling
Haussperlinghahn
Haussperlingdame

Herzliche Grüße
Franz Maus 

Erlenzeizige

Liebe Bürgerpostleser, 

heute will ich mal wieder etwas aus meinem ursprünglichen Interessensgebiet, der Vogelwelt, schreiben. In meiner Kindheit in den 60 er Jahren war mir dieser Vogel  nicht so geläufig, vielleicht auch, weil er mit 12 cm Körperlänge relativ klein ist. Die letzten Jahre sind sie temporär in großen Schwärmen unterwegs, um Erlen- und Birkensamen geschickt aus den Fruchtständen zu holen. Es sind freche Burschen, denn wenn Sie im Futterhaus sind, trauen sich Meisen nur ganz vorsichtig an den Hausrand. Dieses Jahr sind sie bei mir von Anfang an stark vertreten. 

Um das Futterangebot etwas flächiger zu verteilen, benutzte ich die Unterseite einer Plastikwanne. Und siehe da, obwohl es etwas rutschig herging, wurde sie recht gut besucht, 16 Exemplare weilten gleichzeitig darauf. Keine andere Vogelart ist sonst zu sehen, weil sie vertrieben wurden. 

Wissen Sie schon, welche Vogelart gemeint ist? Ich vermute fast. Es sind Erlenzeisige aus der Familie der Finken. 


Die Bilder unten sind entstanden, weil diese beiden Exemplare leider gegen die Scheibe geflogen sind. Ich habe sie mit ihren Flügeln am Körper in die Hand genommen. Man spürt ihren schnellen Herzschlag aber man merkt auch, dass Sie sich über die Wärme der Hand freuen. Das Weiblein war etwas stärker malträtiert, deswegen habe ich sie mit Tüchern umhüllt in einen Vogelkäfig gesetzt und in die warme Wohnung gebracht. Das Männchen war viel besser dran, ihn konnte ich nach kurzer Zeit wieder fliegen lassen. Aber auch das Weibchen kam nach einer Stunde wieder zu sich und ich entließ es wieder in die Freiheit. Als ich das Ellen Claasen berichtete, meinte Sie dass man solche angeschlagenen Vögel länger in Obhut nehmen sollte. Nicht dass Sie meinen, alle Scheibenschläge gingen so glücklich aus, aber ich schätze, so etwa die Hälfte.


Nun noch die Preisfrage, wer ist Männlein und wer Weiblein? Richtig, der schönere ist der Zeisighahn und das ist der rechte. Schauen Sie auf die filigranen Schnäbel, die in der Lage sind, an Birken- und Erlensamen zu gelangen. Sieht doch sehr gut aus, finden Sie nicht auch?

Herzliche Grüße
Franz Maus

Kleine Pilze

Liebe Bürgerpostleser, 

beim Schneiden der Gartenhecke im November 2023 war ich sehr beeindruckt, was für kleine unscheinbare Pilze zum Vorschein kamen. Alle vier Arten fand ich an abgestorbenen Ästen und Stämmchen, was ja typisch für von holz lebenden Pilzen. Dass diese so klein und unterschiedlich sein können, hat mich erstaunt. Sieht der „Zinnoberrote Pustelpilz“ nicht farbenprächtig aus? Trotzdem muss man genau schauen, weil der Durchmesser der Fruchtkörper nur bei etwa 2 Millimeter liegt. Bei mir scheint er Feldahorn zu lieben. Typisch ist, dass das abgestorbene Holz noch berindet sein muß. 

Zinnoberrote Pustelpilz

Das Bild unten ist ein schön beschirmter weißer Kamerad, von dem verschiedene Altersstufen zu sehen sind. Leider konnte ich die Art nicht bestimmen. 


Den Pilz unten konnte ich als „Striegliger Schichtpilz“ bestimmen. Auch er ist ein optischer Hingucker. Er hat einen abgestorbenen Haselnußtrieb befallen. 

Striegliger Schichtpilz

Auf dem letzten Bild sind kleine weiße Pilze zu sehen auf einem Lindenbaumstrunk. Leider gelang mir die Bestimmung dieser Art nicht. Ihre Formen machen Eindruck, wie Hinkelsteine stehen sie auf der Unterlage. 


Herzliche Grüße
Franz Maus

Schnee im Dezember 2023

Liebe Bürgerpostleser, 

letzte Woche noch gefrorene Grannen in der Bürgerpost, und dann ein fast nicht mehr zu erwartender Schneeeinbruch. Ein herrliches Naturschauspiel. Ich startete einen Schneehöhenaufruf über Whatsapp. Als es bei mir im Garten 20 cm hatte, meldete Cathrin Schelshorn von der Feldberg-Passhöhe 72 cm und viele Flachlandregionen gar nichts. Erstaunliche Unterschiede. Höhepunkt war bei mir am 2. Dezember mit 26 cm, heute, am 5. Dezember ist sie auf 16 cm zurückgegangen. 

Von diesem Ereignis möchte ich ein paar Bilder zeigen. Bild 1 zeigt, wie langsam aber stetig fallender Schnee ohne Windbewegung sich an jeder erdenklichen Stelle auftürmt, hier am Zaun unseres Nachbarn. Das ist doch eine schöne Verwandlung nicht wahr?

Bild 2 fasziniert mich stets aufs Neue, wenn meine zwei „Vögel“ abzustürzen drohen, weil Sie durch ihre große Oberfläche viel mehr Schneegewicht abbekommen, als das gleichschwere Gegengewicht der Glaskugel.

Vom Schnee sehr heimelig behütet sehen die beiden Eulen aus, siehe Bild 3. Bild 4 zeigt einen prächtigen Lindenbaum auf dem Auenberg etwa gegenüber des Windrades. Erkennen sie die Last, die dieser Baum tragen muss? Stellen Sie sich vor, er hätte noch seine Blätter, ich behaupte, er würde zerbersten. Dass trotzdem so viel Schnee auf ihm lastet, liegt daran, dass er noch voller Samenstände ist, zu erkennen an der braunen Farbe.

Bild 5 ist mir jetzt erst aufgefallen bei unseren hinteren Nachbarn, als ich als Urlaubsvertretung die Papiertonne bewegte. Unter Obhut einer schöner Kiefer hat sich eine große Heckenrose mit ihren Hagebutten entwickeln können. Ich finde den Farbkontrast grün, weiß und rot etwas sehr Schönes. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Gefrorene Grannen

Liebe Bürgerpostleser, 

das ist wieder eine besondere Geschichte: Ich fahre am 18. November 2023 mit dem Auto über Mundelfingen nach Döggingen zum Weckle holen und denke, was ist denn das neben und südlich der Fahrbahn zwischen Hausen vor Wald und Döggingen. Auf der Rückfahrt war mir klar, da musst Du anhalten. Schauen Sie die Bilder an, sehen sie nicht toll aus? Mit Eis überzogene Ähren und Grannen, ja wo gibt’s denn so etwas?


Auf dem Bild links sieht man sogar noch gelbe Staubbeutel. Und das alles am 18. November. Man fragt sich, ob es da noch eine Ernte im Winter gibt. Kommen Ihnen diese Bilder nicht auch irgendwie komisch vor? Ich vermute ja, weil Sie und ich noch nie mit Eis überzogene Ähren gesehen haben, oder? Das wirkt völlig wirklichkeitsfremd. Ähren stehen für Sommer und Frühherbst, aber nicht für November und Eis. Das ist ein Hammer. Ich holte mir Hilfe bei Felix Käfer vom Landwirtschaftsamt. Er sagte, er könne sich nur vorstellen, dass am Ackerrand im Frühjahr oder Frühsommer Getreidesamen zum Keimen kam und durch den milden Herbst zu diesem Reifegrad heranwuchsen. So, wie es aussieht, handelt es sich um Triticale, eine Kreuzung zwischen Weizen und Roggen.

Triticale

Jetzt noch zum Zoombild eine Frage:


Aus welcher Richtung hat sich das Eis gebildet?




Richtig, von links aus der Windrichtung der feuchten Luft, die an den Ähren zu Eis erstarrte. Dass die Eispracht schwer ist, ist auch deutlich zu sehen. Na, was sagen Sie dazu?

Herzliche Grüße
Franz Maus

Sumpfzypresse

Liebe Bürgerpostleser,

die Lärche mit „ä“ geschrieben, ist bekanntermaßen ein Nadelbaum in unseren Breiten, der seine Nadeln über den Winter verliert. Kurz vor dem Nadelfall besticht sie mit schönen gelben Farben. Sie wächst sehr schnell, diese haben wir beim Waldfest 2006 in Döggingen mitnehmen dürfen und seither ist sie ein stolzes Bäumchen geworden. Sie ist auch als ein möglicher Fichtenersatzbaum gegen Dürre und Hitze in der Diskussion.

Aufsteigende Sumpfzypresse

Haben Sie schon einmal einen herbstfarbenen roten Nadelbaum gesehen? Bitteschön, schauen Sie auf das Bild oben, nicht wahr? Es ist die Aufsteigende Sumpfzypresse aus dem Südöstlichen Nordamerika unter anderem Florida. Nun, den sah ich aber leider nicht dort, sondern im Botanischen Garten von Hohenheim. Der Hammer war, ich habe mich über die auf dem Boden liegende Zweige gewundert.


Mein Schnellschluß war, dass das wohl Sturmböen verursacht haben. Pustekuchen, dieser Baum wirft nicht nur seinen Nadeln ab, sondern ganze Zweige. Ist das nicht seltsam? Was es halt nicht alles gibt in der Natur.

Kaukasische Flügelnuss

Von vielen tollen Bäumen im botanischen Garten hat mich der oben am meisten beeindruckt. Die kaukasische Flügelnuss. Sie ist bekannt für ihre mehr- bis vielstämmige Wuchsform. Sieht das nicht sehr beeindruckend aus? Bezüglich des Alters war ich überrascht, sie sei 1934 hier gepflanzt worden, also erst vor 89 Jahren. Der Mann mit dem Rücken zur Kamera ist mindestens 1,90 Meter groß. Daran kann man die Ausmaße dieses Baumriesen erkennen.
Nach Hohenheim hat es uns verschlagen, weil wir dort ein Treffen organisiert haben. Wir studierten dort Anfang der 1980er Jahren Landwirtschaft und sind eine tolle Gemeinschaft geworden.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Minierfraß

Liebe Bürgerpostleser, 

vor kurzem habe ich das Bild oben näher angeschaut und war von den gelben Kunstwerken auf den roten Blättern des Essigbaumes begeistert. Die Frage war, was das wohl sein könnte. Dann erinnerte ich mich das Bild unten, das mir Annegreth Schulze aus Donaueschingen vor drei Jahren geschickt hatte. Zudem war ich motiviert, mir verstärkt bei Spaziergängen Blätter anzusehen. Ich war von den Ergebnissen überrascht, weil recht viele Blattveränderungen zu sehen waren.

Haben Sie eine Ahnung, was das sein könnte? Ich hatte eine Ahnung, aber keine konkrete. Jetzt, da es akut wurde, habe ich recherchiert, und weiß jetzt, dass es sich um Minierfraß handelt. Das Wort Mine stammt aus dem Französichen und bedeutet Bergwerk. Aha, da wird also etwas in Bergbaumanier abgebaut. Nämlich das Grundgewebe der Blätter zwischen Ober-und Unterseite in flächiger Art wie auf dem Essigbaum oder in gangartiger Weise wie an einem Buchenblatt.

Essigbaum
Ahornblatt

Buchenblatt
Haselnussblatt

Nun, wer macht so etwas? Die Larven von Miniermotten und -fliegen, die das Pflanzengewebe als Nahrung nutzen. Das sind in der Regel sehr kleine Schmetterlingsarten und, welch ein Wunder, die Larven sind nicht rund, sondern platt mit nach vorne gerichteten Mundwerkzeugen, damit sie den „Bergbau“ gut betreiben können. Die Tierchen sind spezialisiert auf eine Blattart. Auf dem Buchenblatt sieht man, dass der Gang der Buchenminiermotte zwischen zwei Blattrippen von dünn nach dick verläuft, das heißt, als Ei beginnend und als immer größere Larve endend. Fantastisch. Zu sehen ist auch, dass es sich vom Gang- zum Flächenfraß ausweitet. Der Gang wird befüllt vom Kot der Larven. Das ist auch schön auf dem Haselnussblatt zu sehen. 

In alle Munde kam die Kastanienminiermotte, die erst Mitte der 1980 er Jahre in Mazedonien auftauchte und in der Zwischenzeit ganz Mitteleuropa und angrenzende Gebiete erobert hat. Der Hammer ist, dass nur die weißblütigen befallen werden, bei den roten sterben die Larven beim Wachsen ab. Sachen gibt’s, man kann nur staunen. 

Auf Bild unten ist ein Lochfresser an einem Haselnussblatt tätig gewesen, das sieht auch sehr eindrücklich aus.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Unzentrierte Jahresringe

Liebe Bürgerpostleser, 

mir ist vor Jahren aufgefallen, wie bei einem waagrechten Kiefernast die Jahresringe sehr unzentriert verliefen. Dann entdeckte ich diesen Herbst das Phänomen an einer gefällten dürren Kiefer. Vom Ring 0 sind es nach außen an der dünnsten Stelle nur 9,5 cm und nach gegenüber 16 cm. Also ganz beachtlich unterschiedlich. 

Ist Ihnen so etwas auch schon aufgefallen und haben Sie sich gefragt, womit das zusammenhängt? 


Ich stellte dieses Foto in den Whatsapp-Status und viele meinten, dass es mit der Sonnenseite zu tun habe und dass dort die größeren Ringabstände seien. Das stimmt nicht, Sonnen- und Schattenseite haben keinen Einfluß auf den Abstand. Das bestätigte Reinhold Mayer, mein Ex-Dezernent, dessen Hilfe in Anspruch nehmen durfte. Es ist etwas, was den Baum zwingt, gerade zu bleiben. Was könnte das sein? Zum einen, wenn ein Baum konstant stark einer Windrichtung ausgesetzt ist. Bei uns sind das im Regelfall Westwinde. Zum anderen bei Traufbäumen, bei denen die Äste auf der Taufseite viel zahlreicher und stärker entwickelt sind als die zum Wald hin. Und zum dritten, wenn ein Baum an einem Hang wächst und er schauen muss, dass er gerade nach oben kommt. Das war bei meiner Kiefer der Fall. Jetzt noch die Frage, auf welcher Seite sind die Ringe weiter auseinander? Was denken Sie? Auf der Seite, wo der Baum sich „wehren“ muß, also auf der Wind abgewandten Seite, gegenüber der Traufseite und auf der Hangabwärtsseite. Nur so kann er ein gerades Wachstum erreichen. Das ist doch interessant. Reinhold Mayer schrieb, dass man das Holz mit den breiteren Ringen Reduktionsholz nennt und das mit den schmaleren Ringen Zugholz. Interessant war für mich, dass diese unzentrierten Bäume als „Holzfehler“ gelten, die höherwertigen Verwendungen entgegenstehen. „Als Schwarzwaldförster bekam ich das hin und wieder bei Preisverhandlungen zu spüren. Vor allem beim Export nach Österreich reagierten die Abnehmer stark auf diesen Holzfehler“. Martin Tritschler aus T.-N.- Schwärzenbach, ein großer Waldbesitzer und Sägewerker berichtete, dass sich dieses Holz beim Sägen in alle Richtungen krümmen und drehen kann. „Balken zu sägen ist normaler Weise kein Problem, aber Latten sind eher schwierig zu sägen“. Hätten Sie das gedacht? Zwei Aspekte noch, der Baum hat an der Stelle 75 Jahresringe, die letzten 25 waren sehr dürftig. Kiefern besitzen ein stabiles Kernkolz und ein instabiles, Pilz- und Insektenbefall anfälliges Splintholz. Der Übergang ist nicht ganz klar, weil Bläuepilze das Äußere befallen hat. Im Kernholz finden sie aber keine Nahrung.  


Das Bild oben ist beim Veredeln unseres Apfelbaumes entstanden, Ende April 2023 im Garten durch den Spezialisten Hans Hasenfratz aus Mundelfingen. Sie sehen die vier Anschnitte für die Veredlungszweige, die erfreulicher Weise alle angewachsen sind. Sehen Sie, wie unzentriert die Jahresringe an diesem ziemlich waagrechten Ast sind? Hammerhart würde ich sagen, nach unten doppelt so breit wie nach oben. Sogar die Rindendicke ist beeinflußt, wobei eine dickere Rinde vermutlich auch einen dickeren Jahresring ergibt. 

Nur so kann sich der Ast gegen die Gravitationskraft senkrecht halten. Was es nicht alles gibt.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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