Weißer Waldportier

Liebe Bürgerpostleser, 

falls Sie den Falter schon hier auf der Baar gesehen haben, schätzen Sie sich glücklich, denn nur wenige Personen haben ihn bisher gesehen. Dazu zählt Petra Schmidtmann aus Schramberg, die diese Geschichte angestoßen hat. Sie arbeitet am Bauamt in Bad Dürrheim. Interessant und lustig ist, wieso Sie meinen Kontakt hatte.
Als ich 2020 kurze Zeit das Bauamt in Hüfingen leitete, erhielt ich die Bürgerpost, die ich bis zum heutigen Tag weiter empfange“.


Aha, deswegen habe Sie meinen Kontakt. Auf Bild oben ist der Schmetterling mit geschlossenen Flügeln auf dem Poolflamingo von Petra Schmidtmann in ihrem Garten zu sehen. Das war Ende Juni 2025. Ich hoffte noch auf ein Bild mit offenen Flügeln von oben, aber leider glückte das nicht. Sie sind recht fotoscheu. Ein zweiter ist auch dazugekommen, hoffen wir auf eine Paarbildung. 

Mit dieser Information von Petra Schmidtmann wandte ich mich an Thomas Schalk, dem ausgewiesenen Schmetterlingsexperten und NABU – Kreisvorsitzenden. Er schrieb: „Ganz toll, diese Beobachtung. Das ist eine neue Art für den Schwarzwald-Baar-Kreis und angrenzende Gebiete. Sie kommen jetzt aus dem Rheintal hoch, weil es bei uns auch immer wärmer wird. In Döggingen hatte ich schon eine Eiablage beobachten können. In St.Georgen, in Unterkirnach, in Bad Dürrheim und in Tennenbronn gab es ihn auch schon mehrfach. Ein toller Falter“. Das Bild unten hat freundlicher Weise Gabi Ebenhöh zur Verfügung gestellt, es stammt – wie Gabi Ebenhöh auch- von Unterkirnach und zeigt den Falter von der Unterseite. 


Ja wie heißt der schöne Kerle? Weißer Waldportier. Die folgenden Fakten stammen aus Wikipedia: Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 55 bis 65 Millimetern. Er ist damit der größte heimische Augenfalter, zu denen auch häufigere Arten wie Schachbrett, Ochsenauge, Wiesenvögelchen und Waldbrettspiel gehören. Auffällig ist der Weiße Waldportier aufgrund seiner Augenflecke auf der Flügeloberseite, aber auch an der Unterseite sind sie zu sehen. Die Falter fliegen jährlich in einer Generation von Anfang Juni bis Mitte September, man kann sie oft auf Blüten beobachten. Die Weibchen werfen ihre Eier während des Fluges auf dem Boden. Wenn das kein Hammer ist. Die Raupen suchen sich dann eine geeignete Futterpflanze. Sie überwintern halbwüchsig und verpuppen sich im nächsten Jahr in einer Kammer unter der Erde. Das ist Hammer Nummer zwei. Sie sind vor allem im Mittelmeergebiet häufig, in den warmen Gebieten Süddeutschlands wie dem Kaiserstuhl sind sie recht selten vorkommend. Man findet sie besonders auf Trockenrasen nahe an Wäldern. Nach 1919 erfolgte in Vorarlberg erst 2024 wieder eine Sichtung, das ist doch interessant.

Schauen wir auch etwas aufmerksamer die Schmetterlinge um uns herum an, vielleicht haben wir auch Glück, einen weißen Waldportier zu sichten.

Vielen Dank Frau Petra Schmidtmann und Frau Gabi Ebenhöh für die Bilderüberlassung und Thomas Schalk für die fachliche Unterstützung.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Lindenschwärmer

zwei Lindenschwärmer

Liebe Bürgerpostleser, 

endlich mal wieder etwas „Normales“ nach der Sackträgermotte und dem Ameisensackkäfer könnte man sagen, eine Schmetterlingspaarung. Brigitte Riesle aus Gütenbach hat sie mit geschickt mit der Frage, „was sind das für zwei Hübsche“? Eines der beiden Bilder ist seitenverkehrt, sie dürfen anhand der Beschreibung erkennen, welches. 

zwei Lindenschwärmer
zwei Lindenschwärmer


Zunächst geht’s um die Frage, ob Sie die Art kennen. Ich behaupte frech, die meisten nicht, aus dem einfachen Grund, weil sie als eine Nachtfalterart normaler Weise tagsüber nicht zu sehen ist. Wieso auch immer, findet aber die Paarung tagsüber statt, dauert um die 20 Stunden und nach Sonnenuntergang läßt sich das Männchen fallen und fliegt fort. Das Weibchen beginnt alsbald mit der Eiablage. Der Hammer ist, dass die Falter keinerlei Nahrung aufnehmen können, weil der Saugrüssel zurückgebildet ist. Deshalb ist nach der Paarung und der Eiablage der biologische Sinn ihres Daseins erloschen und das Leben bald zu Ende. Menschlich grausam, von der Natur konsequent zu Ende gedacht, wenn man es so sagen darf. 

Die Falter sind mit 60 bis 80 mm ordentlich groß, die Weibchen in der Regel etwas größer als die Männchen. Aufgrund von etwa 130 Eiern ist der Hinterleib des Weibchens prall gefüllt. Ein weiterer Hammer ist, dass die Eier bereits in der weiblichen Puppe voll entwickelt sind. Obwohl die Färbung der Tiere sehr variabel ist – die Grundfarbe der Tiere reicht von fuchsrot, braun, grau, gelb bis zu grün – ist die Art in ihrem Verbreitungsgebiet unverwechselbar.

Ach, da fällt mir gerade ein, den Namen habe ich noch gar nicht erwähnt, der Nachtfalter heißt Lindenschwärmer. Das leuchtet ein, weil die Eiablage und das Leben als Raupe vorwiegend in Lindenbäumen stattfindet. Sie verpuppen sich im Regelfall in der Vegetation am Boden, überwintern dort und schlüpfen ab Ende Mai des nächsten Jahres.

Und haben Sie erkannt welches das seitenverkehrte Bild ist? Ich vermute schon, Bild 2, Bild 1 mit Weibchen oben und Männchen unten ist richtig.

Vielen Dank Brigitte Riesle für die Überlassung der beiden hübschen Kerle.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Nachtrag: Unten ein Exemplar, das mir Cathrin Schelshorn vom Feldberg nach dem letzten Beitrag zugeschickt hat. Auch interessant muss man sagen. Danke Cathrin Schelshorn!

Ameinsensackkäfer

Ameinsensackkäfer

Liebe Bürgerpostleser, 

wie schrieb ich ich letzte Woche über die Sackträgermotte? Etwas ganz Verruckts. Den gleichen Kommentar vergebe ich zum heutigen Thema über den Ameisensackkäfer. Was ist das denn für ein komischer Name? Abwarten, die Auflösung kommt. 

Das erste Bild schickte mir Tierzuchtleiterkollege Dieter Kraft aus Schwäbisch Hall. Schöner Käfer dachte ich mir, fast wie ein Marienkäfer, aber der ist runder. Dann schickte mir kurz darauf Edmund Zeiser aus Zimmern unter der Burg das zweite Bild und schrieb:
Die Brutbiologie von diesem Käfer würde einen interessanten Beitrag abgeben“.

Ameinsensackkäfer

Ich wurde stutzig und nachdem ich nachgeschaut hatte, war vollkommen klar, dass das wieder ein Hammer ist. In meinem Hirn ratterte es, Mensch, den hast Du doch auch schon fotografiert und tatsächlich am 27. Juni 2024 auf einer verblühten Margerite in unserem Garten.

Ameinsensackkäfer

Der Hammer sind nicht die Käfer, sie ernähren sich ganz normal von Blättern verschiedener Baum- und Straucharten. Der Hammer sind die Larven. Sie leben in Ameisennestern und fressen Reste der eingetragenen Ameisenbeute oder auch tote Ameisen. Und nun kommt der Oberhammer, wie kommen sie in die Ameisennester hinein? Ich glaube, man kann es sich nicht vorstellen. Die Käfermama dreht zwischen den Hinterbeinen eine Eikugel. Dabei wird das Ei am Hinterleibsende immer wieder mit etwas betupft. Es wird dadurch mit einer Exkrementhülle umgeben. Dann wird das Ei in der Nähe eines Ameisennestes, meist von Nestern der Roten Waldameise fallen gelassen. Entweder wird es dann von den Ameisen aktiv in das Nest eingetragen, weil sie es irrtümlich als Nistmaterial verwenden wollen, oder die Larven dringen selbstständig in das Ameisennest ein.

Nach dem Schlüpfen aus dem Ei verbleibt die Larve in der Exkrementhülle, von daher kommt die Bezeichnung „Sackkäfer“, und erweitert sie sogar. Der Kopf der Larve ist stark geschützt. Zieht sie sich in ihren „Sack“ zurück, verschließt sie mit der Kopfkapsel ihr Refugium wie mit einem Deckel, der von den Ameisen nicht zerbissen werden kann. Ich würde sagen, hier kann man vom Oberoberhammer sprechen.

In der Zeit, in der sie sich im Ameisennest entwickeln, werden sie von dem Ameisen nicht als Feind wahrgenommen. Für erwachsene Ameisensackkäfer scheint das nicht zu gelten, weswegen sich die Larve kurz vor der Verpuppung möglichst nah an eine Stelle innerhalb des Nests begibt, die es dem geschlüpften Erwachsenen ermöglicht, das Nest schnell zu verlassen. Aus diesem Grund findet auch die Verpuppung innerhalb des Kotsackes statt. Diese Schutzhülle wird erst verlassen, nachdem der Käfer geschlüpft und sein Chitinpanzer ausgehärtet ist.

Was denken Sie, wie lange diese Entwicklung dauert? Erstaunliche zwei bis vier Jahre, bevor im Frühjahr das Ameisennest verlassen wird. Erwachsene Tiere findet man von Mai bis August beispielsweise an sonnigen Waldrändern, aber auch im menschlichen Umfeld wie Parks und Gärten können sie einem begegnen.

https://www.welt-im-verborgenen.de/Insekten/Kaefer/Ameisensackkaefer.html

Vielen Dank Dieter Kraft und vor allem Edmund Zeiser, er mich ermuntert hat, das Erstaunliche des Ameisensackkäfers zu thematisieren. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Sackträgermotte

Sackträgermotte

Liebe Bürgerpostleser, 

heute kommt etwas „ganz Verruckts“, wie der Schweizer säge dät. Dr. Gerhard Bronner vom GVV Donaueschingen schickte mir als Privatmann das Bild und meinte, das wäre doch auch was für die Bürgerpost. Gott sei Dank lieferte er auch die Erklärung dazu. Zunächst vermutete er eine Köcherfliegenlarve bei diesem Gebilde an seiner Hauswand, aber die kann nur im Wasser existieren. Über „iNaturalist“,  inzwischen eine der beliebtesten Natur-Beobachtungs-Plattformen weltweit, kam er auf die Lösung, es ist ein Weibchen einer Rauch-Sackträgermotte. Ein Oberhammer, finden Sie nicht auch? Als ich die E-mail von Dr. Gerhard Bronner gelesen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich ging sofort in den Garten, weil ich genau wusste, dass ein Exemplar an der Hauswand und eins sich am Wasserfass befand.

Sackträgermotte

Rauch-Sackträgermotte von Dr. Bronner

Sackträgermotte

Sackträgermotte

„Wasserfass“ Sackträgermotte

Sackträgermotte

Mich würde an der Stelle interessieren, wer von Ihnen das Wesen gekannt hat? Oder wem es ging wie mir, der es gesehen hat und trotzdem blind war. Denn ich dachte, das kann nichts Lebendes sein.

Die Larven der Sackträgermotte bauen sich nämlich einen schützenden Sack aus Seide und verschiedenen Materialien wie Blättern, Zweigen oder anderen kleinen Partikeln. In diesen Säcken leben sie und schützen sich so vor Fressfeinden. Wenn sie ausgewachsen sind, verpuppen sie sich in ihrem Sack und schlüpfen schließlich als erwachsene Motten. Jetzt kommt aber ein zweiter Oberhammer, das machen nur die Männchen. Denn die Weibchen sind meist flügellos und bleiben oft ihr Leben lang im schützenden Gespinstsack. Der Körper des Weibchens ist madenförmig und kann gelblich oder hellbraun gefärbt sein, mit einigen dunkelbraunen Rückenplatten. Es hat gut entwickelte Beine, mit denen es sich fortbewegen kann. 

Die Weibchen locken mit Duftstoffen die Männchen an, um sich zu paaren, und legen ihre Eier im Sack ab. Die Männchen leben nur wenige Tage, eigentlich nur wegen der Paarung. 

Jetzt noch ein Detail: Vergeichen Sie die Sackträgermotte von Bild 1 mit den anderen beiden. Ich würde sagen, bei Bild 1 sieht man das weibliche Wesen, wie es aus dem Sack schaut. Meine sind in der Puppenruhe. 

Vielen Dank Ihnen Herr Dr. Gerhard Bronner für die Zurverfügungstellung der Sackträgermotte. Das war Spitze.

Viele Grüße
Franz Maus

Ästlinge Fortsetzung

junger Hausrotschwanz

Liebe Bürgerpostleser,

die Hausrotschwanzgeschichte ging noch etwas weiter, weil sich ein Jungtier bei uns im Haus verirrte und tags darauf im Zimmer unseres Sohnemannes. Das Bild zeigt den stolzen Burschen, wie er selbstverständlich auf der Gardinenstange sitzt. Ich machte das Fenster auf und versuchte ihn zum Hinausfliegen zu bewegen. Aber anscheinend kannte er mit seinem jungen Alter noch nicht, dass man durch ein offenens Fenster fliegen kann. Immer wieder, wenn ich dachte, jetzt müsste es passieren, flog er die Gardinenstange an. Es half nur, ihn mit einem Käscher zu fangen und in der Hand – sicher gehalten – aus dem Zimmer zu begleiten. Er zeigte sich sehr vital und nach dem Fototermin flog er auf den nächsten Baum. Die Elterntiere waren sofort zu Stelle. Anders als bei Kitzen macht bei Vögeln die Berührung der Jungtiere durch uns Menschen nichts aus. Ein Riesenvorteil.

Das 2. Bild zeigt das zweite Eindringen. Er ist erstaunlicher Weise durch das gekippte Fenster in die Wohnung gelangt. Ich vermute, es war der gleiche Bursche wie am Vortag, dem hat es einfach gut gefallen. Über die Balkontüre verließ er anstandslos die Wohnung.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Ästlinge 1. Teil vom 4. Juni 2025

Liebe Bürgerpostleser, 

ist das nicht ein putziges Kerlchen auf dem Bild unten? Man fragt sich, was ist mit dem Schwanz los, hat er ihn verloren oder kommt er noch? Ich habe ihn in den Status gestellt, nur Ralf Claaßen aus Villingen und Oliver Bury aus Frittlingen hatten die richtige Antwort, es sei eine junge Mönchsgrasmücke. Hätten Sie sie erkannt? Ich war auch unsicher, anhand der braunen Kappe hatte ich einen unsicheren Verdacht. Ein Dank gilt Ingo Kirchhoff aus Wietzen, der mir dieses Bild geschickt hat. Übrigens, der Schwanz kommt noch, er ist das letzte, was sich entwickelt. Eine Frage stellt sich einem bei diesem Anblick, muß man dem Vogel helfen oder nicht. Sie können sich kurz dazu Gedanken machen, die Lösung kommt noch.



Die nächsten drei Bilder sind bei mir entstanden und zeigen auch einen Jungvogel. Ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen, es ist ein junger Hausrotschwanz. Die brüten die letzten Jahre gerne bei unserem Haus auf dem Firstbalken meist mit zwei Bruten. Ich wusste das natürlich, aber erst am Geschrei bei der Fütterung der Jungvögel hab ich es gemerkt. Das wird mit der Zeit immer lauter und man kann abschätzen, wann das Ausfliegen beginnen könnte.

15 bis 17 Tage sind die Jungvögel Nestlinge.  Am 1. Juni entdeckte ich den Jungvogel im Gartenschuppen und er ließ mich in Ruhe an sich herankommen, bis die Altvögel ihm zuriefen: „Versteck Dich, wer weiß, was der Franz Maus mit Dir vorhat“. Wie vom Blitz getroffen war er in der Hütte verschwunden. Auch hier die Frage, muß man helfen oder nicht?

Ein klares nein, das muss man nicht!

Denn die Altvögel versorgen sie weiterhin mit allem, was sie brauchen. Natürlich haben Feinde in der Phase ein leichteres Spiel, aber das ist Natur. Dieser Ästlingsphase genannte Zeitraum dauert bei den Hausrotschwänzen etwa zehn Tage, bis der Schwanz die volle Länge hat, vergehen zwei bis drei Wochen. Gott sei Dank gibt es in Villingen beim Ehepaar Claaßen eine Aufzucht- und Pflegestation. Wenn man unsicher ist, ob alles klar läuft in der Ästlingsphase, ob die Eltern noch leben beispielsweise, dann kann man sich telefonisch melden. Dort erhält man dann eine Händynummer, an die man ein Bild des Jungvogels schickt. Anhand dessen wird entschieden, was zu tun ist. Ich habe schon mehrmals einen guten Rat bekommen, wofür ich sehr dankbar bin. 

Zum Hausrotschwanz noch ein paar Fakten: Er wurde Vogel den Jahres 2025. Rund 70 Minuten vor Sonnenaufgang beginnt er als einer der ersten Sänger und ist bis nach der Abenddämmerung zu hören. Über den Gesang des Jahresvogels schrieb der bekannte Zoologe Alfred Brehm in seinem „Tierleben“ allerdings ein wenig erbauliches Urteil: Das ihm eigene Röcheln, das sich mit knirschenden, klappernden Tönen und flötenden Trillerlauten abwechselt, nannte er als „jeden Wohlklanges bar“. Dem Hausrotschwanz kommt zugute, dass er keine hohen Ansprüche an seine Brutgebiete stellt. Steinig, trocken und warm sollte es sein, dann kann der Hausrotschwanz seine Nester in nahezu jede Nische und jeden Hohlraum bauen. Gesellige Typen sind Hausrotschwänze allerdings nicht. Im Spätherbst machen sich die Mittelstreckenzieher allein auf den Weg und halten sogar an Sammelstellen wie Gewässern, Feldern oder Klippen einen angemessenen Abstand zueinander.

Ich freue mich jedenfalls, dass er bei uns ist und besonders im Frühjahr, wenn er relativ früh wieder bei uns erscheint. Mit 800.000 bis 1.000.000 Brutpaaren ist er bei uns in Deutschland verhältnismäßig häufig.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Schmetterlingshaft

Schmetterlingshaft

Liebe Bürgerpostleser,

vor zwei Wochen schickte mir Thomas Kring – er ist seit 2013 Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes Baar beim Schwarzwald-Baar-Kreis – diese beiden Bilder. Er schrieb dazu: „Falls Du noch ein Thema für einen Bürgerpostartikel suchst, wie wäre es damit, am 10. Mai 2025 fand ich bei Geisingen im Naturschutzgebiet Albtrauf-Baar den Libellen-Schmetterlingshaft“. Ich dachte, wie bitte, Libellen-Schmetterlingshaft, so etwas soll es bei uns geben? Das ist doch ein absoluter Oberhammer, finden Sie nicht auch?

Vor langer Zeit habe ich einmal Bilder von ihnen gesehen, aber nie gedacht, sie noch einmal zu Gesicht zu bekommen. Was sind das nur für Wesen? Laut Wikipedia sind es keine Schmetterlinge, sondern Netzflügler aus der Familie der Schmetterlingshafte. In Deutschland kommt nur der Libellen-Schmetterlingshaft vor, eine von drei in Mitteleuropa vorkommenden Arten. Nur im Süden Deutschlands, in wärmeren Gebieten ist sein auf Deutschland bezogenes Verbreitungsgebiet. Dass dazu auch die Baar gehört, ist erstaunlich. Aber auf der Baar gibt es schöne Südlagen, wo sie – siehe Bildbeleg von Thomas Kring – zweifelsohne leben können. Was brauchen der Libellen-Schmetterlingshaft noch zum Existieren? Halbtrockenrasen und magere Mähwiesen. Er könnte auch vom Klimawandel profitieren.
Die Tiere erreichen eine Flügelspannweite von 4,2 bis 5,5 cm. Also ganz ordentlich. Das Aussehen ist fantastisch. Man darf die Bilder der beiden Exemplare einfach genießen. Besonders auch die langen schwarzen Fühler mit der Verdickung an den Enden. Die Männchen kann man an ihrer gekrümmten Hinterleibszange erkennen. Sehen Sie bei den Bildern, welches Geschlecht Thomas Kring fotografiert hat?

Die ausgewachsenen Tiere besitzen eine Lebenserwartung von vier bis fünf Wochen. Nach dem Schlüpfen Anfang bis Mitte Mai fliegen sie an trockenen und sonnigen Tagen von Mai bis Juli auch im Schwirrflug dicht über der Vegetation oder sehr hoch, um kleine Fluginsekten zu jagen. Verschwindet die Sonne, wenn auch nur für kurze Zeit, heften sie sich mit ihren beißenden Mundwerkzeugen an einen Halm und verharren während der Beschattungszeit inaktiv. In dieser Situation hat Thomas Kring sie fotografiert. Dabei breiten sie ihre Flügel gegen die Sonne aus, so dass die Flügel aller Libellen-Schmetterlingshafte parallel ausgerichtet sind.

Die Eiablage erfolgt meist im oberen Hangbereich an offenen Bodenstellen. Dabei legt das Weibchen wahrscheinlich nur ein einziges Gelege von 30–65 Eiern an einen frei stehenden Stängel, der durch Rückstrahlung vom Boden zusätzlich erwärmt wird, was die Trocknung der Eier nach Regen beschleunigt. Ist das nicht erstaunlich? Trotzdem ist dieser Halm so gewählt, dass er überwiegend beschattet ist und auf nur wenig geneigter Fläche steht. Dieser Platz kann so rar und attraktiv sein, dass ein Halm auch für mehrere Gelege genutzt werden kann. Gerät das Gelege in Bodennähe, weil der Halm knickte, gelangen die Eier kaum noch zur Reife, dann werden sie von Bodentieren erbeutet oder trocknen zu langsam nach Regen. Die Schlupfdauer variiert je nach Trockenheit, sie beträgt meist vier Wochen, kann aber erheblich kürzer sein oder über 40 Tage dauern.

Die Larvenentwicklung bis zum erwachsenen Tier findet am Boden statt und dauert lange vermutlich zwei Jahre.
Thomas Kring betont, „Schutzgebiete, insbesondere Naturschutzgebiete, sind für die Biodiversität und den Naturschutz allgemein von extrem großer Bedeutung. Und ohne Pflege der Lebensräume verschwinden über kurz oder lang sehr viele seltene Arten, wie die gezeigten Libellen-Schmetterlingshafte“.

Vielen Dank Thomas für die Überlassung dieser beiden Bilder. Ich glaube, sie sind ein absoluter Höhepunkt der Bürgerpostbeiträge.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Thomas Kring ist übrigens nächsten Sonntag mit dem Naturschutzgroßprojekt auf dem Naturparkmakt in Mundelfingen!

Insektenfortpflanzung

Liebe Bürgerpostleser,

schaut man sich diese vier Bilder an, erkennt man schnell, dass sich jeweils zwei Wesen in enger Verbindung zueinander befinden. Wir wissen es, es ist Paarungszeit, nicht nur bei den Blindschleichen wie letzte Woche, sondern auch bei den vorgestellten Insekten.

Lilienhähnchen, das Weibchen nimmt das Männchen Huckepack

Das kleinere Männchen der Märzfliege wird von der größeren Dame einfach mitgeschleift. Das sieht nicht gerade lustvoll aus, finden Sie nicht auch?



Auf die Fotos bin ich richtig stolz. Die Ausgangsstellung der Weichkäfer zeigt sozusagen ein Standart Huckepack. Und dann kommt es plötzlich zum halben Überschlag des Männchens auf der rechten Bildseite.


Bild oben zeigt die Paarung der Hauhechel-Bläulinge. Ratet mal, wer das Männchen und wer das Weibchen ist. Man kann es an der unterschiedlichen Färbung feststellen. Das untere ist das Männchen und das obere das Weibchen. Ob es auch das Gegenteil gibt, Männchen oben und Weibchen unten, ich weiß es nicht und ich fand es auch nicht im Internet. Auf jeden Fall findet die Paarung bei allen Schmetterlingen so statt, dass die Hinterleiber von Männchen und Weibchen verbunden werden, um die Samen des Männchens in den Körper des Weibchens zu übertragen, was zur Befruchtung der Eier, die das Weibchen trägt, führt.

Herzliche Grüße
Franz Maus

Blindschleichenpaarung

Zwei Blindschleichen

Liebe Bürgerpostleser, 

haben Sie sich erholt vom letzten Bericht über die Kreuzotter in Ischgl? Ich bin überzeugt davon. Heute geht es mit Spannung weiter. Frau Margit Wehrle aus St. Märgen schickte mir die ersten beiden Bilder. Klar war, dass es sich um Blindschleichen handelt. Aber worum geht’s dabei? Meine Spontanantwort lautete, entweder handelt es sich um einen Rivalenkampf oder um ein Paarungsverhalten. Ein Blick ins Internet klärte auf, es ist ein Paarungsritual der Blindschleichen und kein Revierkampf und keine Fresshandlung. Jetzt muss die Frage beantwortet werden, wer beißt da wen und zu welchem Zweck? Ohne große Umschweife ist zu sagen, dass das Männchen das Weibchen heftig packt und beißt, siehe Bilder. Der Grund ist, dass sie die Weibchen damit ruhigstellen, um die Kopulation zu ermöglichen „Bisshaltung zur Ruhigstellung“. Was für ein Hammer. 


Im übrigen sei die spiralförmige Umklammerung typisch für das Paarungsverhalten bei Reptilien. Auf meine Frage, wie es zu den Bildern kam, schrieb mir Frau Wehrle: „Es war im Garten, ich habe zuvor mit dem Freischneider gemäht, beim Zusammenrechen sah ich sie dann und bin sehr erschrocken, weil ich dachte, ich hätte vielleicht eine mit dem Freischneider erwischt. Aber es war alles in Ordnung“. Was ich bisher auch nicht wußte, dass die Färbung der Geschlechter bei Blindschleichen so verschieden ist, grau die Männchen und braun gestreift die Weibchen. 


Mit zunehmenden Alter zeigen die Männer auch eine bläuliche Färbung. Das bekam ich zeitgleich von Gabi Schroll aus Mundelfingen geschickt. Ich war erstaunt über die Größenunterschiede. Thematisch würde ich davon ausgehen, dass hier die Paarung beendet ist und beide friedlich auseinandergehen. Was denken Sie? Sehen Sie, dass dem alten Männchen ein Großteil des Schwanzes fehlt? Typisch für Blindschleichen und Eidechsen, die bei Gefahr die Schwänze abwerfen können.

Herzlichen Dank Frau Margit Wehrle und Gabi Schroll für die Bilder, die diesen Beitrag ermöglicht haben. 

Herzliche Grüße
Franz Maus

Kreuzotter in Ischgl

Liebe Bürgerpostleser,

was heute kommt, ich glaube, die wenigsten würden es für wahr halten. Doch der Reihe nach: Am 1. Mai schickte mir Cathrin Schelshorn geborene Wasmer vom Feldberg diese absoluten Hammerbilder. Eine Schlange im Schnee mitten auf der Skipiste in Ischgl in über 2.000 Meter Höhe.

Wir erinnern uns, Schlangen sind wechselwarme Tiere, wer denkt da an so etwas? Mir kam das Ganze so vor wir bei den Bildern mit Rauhreif an Ährengrannen, erinnern Sie sich noch? Völlig absurd. Zunächst die Frage, um was für eine Schlange handelt es sich bei dem eleganten Exemplar. Cathrin meinte, eine Aspisviper, ich schwankte zwischen Aspisviper und Kreuzotter. Es ist gut, wenn man jemand befragen kann, Dr. Gerrit Müller ist da meine Adresse: „Die Polen nennen dieses Tier klar und eindeutig Zickzackschlange. Wir nennen es ohne überzeugende Argumente Kreuzotter“. Schauen Sie auf das Bild, dort ist die Zickzacklinie am deutlich zu sehen. Die Szene beschrieb er so, „erstaunlich, aber im letzten Schnee nicht ungewöhnlich – doch selten dokumentiert“.

Vielen Dank Gerrit für die Klarstellung. Cathrin Schelshorn hat es dokumentiert. Hätten wir den Mut gehabt, die Schlange auf den Skistock zu nehmen? Sie war es Gott sei Dank und Sie hat die Otter außerhalb der Piste in Sicherheit angelegt. Jetzt kommt noch ein Oberhammer, ich habe Cathrin natürlich extra gefragt, ob ich das bringen darf: Sie hat eine starke Spinnenallergie, was erst vor kurzem herauskam, als sie auf eine Spinne im meinem Status erschrocken reagiert hat. Ich griff das Thema auf und fragte sie so nebenbei, ob sie auch vor Schlangen Angst habe, worauf sie antwortete, „Schlangen sind schöne Tiere, die mir gefallen“. Den Beweis hat sie hiermit geliefert. Bravo Cathrin.

Unter https://naturparkschwarzwald.blog/tiersteckbrief-die-kreuzotter/ steht, „ein bisschen Schnee macht der Kreuzotter nichts aus. Kreuzottern sind die einzigen Schlangen, die man schon über Schnee kriechen gesehen hat, obwohl sie wie alle Reptilien wechselwarm sind.“

Unter https://nationalpark.ch/flora-und-fauna/kreuzotter/ findet man folgendes: „Sie lebt im Bereich feuchter Wiesen, an sonnigen Waldrändern und auf Geröllhalden bis in eine Höhe von beinahe 3.000 Meter Höhe. Ihr Gift setzen sie zur Erlegung ihrer Beute – Mäuse, kleine Vögel, Frösche und Bergeidechsen – ein. Im Gebirge bringt ein Kreuzotterweibchen alle 2–3 Jahre 4–18 Junge zur Welt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien sind Kreuzottern lebendgebärend. Sie verbringen den Winter in einer Kältestarre bei wenigen Grad Celsius im Boden. Im April erwachen sie aus der Winterstarre und suchen den Weg an die Oberfläche. Dort treffen sie stellenweise noch auf Schnee, was sie aber nicht davon abhält, weiterzuwandern. Auf Dauer ist der Schneeuntergrund aber nichts für sie, denn er kühlt die wechselwarmen Tiere aus und macht sie träge. Dadurch werden sie zu einem leichten Fang für Raubvögel oder Fuchs“.

Also hat Cathrin alles richtig gemacht und die Kreuzotter vom Schnee in die Sonne gesetzt.
Wer erinnert sich noch an meine letzte Kreuzottergeschichte von Helmut Hessenauer mit dem vom Mountainbike überfahrenen Exemplar? Das war nicht so schön wie diese heute. Nach Gartenschläfer und Dreizehenspecht hat mir Cathrin mit dieser Geschichte bereits die dritte Hammerstory geliefert, vielen Dank dafür. Nach dem Vorfall wurden übrigends Schilder zum Kreuzotterschutz aufgestellt.


Herzliche Grüße
Franz Maus


Addendum von Hannah:
Kreuzottern gibt es auch hier bei uns. Eine Infotafel befindet sich am Reicheltbiotop.
Auch gibt es hier mehr Fotos:

Cirruswolken und Lichtsäule

Liebe Bürgerpostleser, 

zu Beginn will ich Ihnen etwas verraten, ich bin gespannt, ob Sie es merken. Das heißt, ich mache es anderst, die Auflösung kommt erst am Schluß.

Freitag, den 28. April 2025 um 6:08 Uhr

und um 6:21 Uhr

Also, die Bilder zeigen angedeutete Lichtsäulen über der aufgehenden Sonne am Freitag, den 28. April 2025 um 6:08 Uhr und um 6:21 Uhr. Die Bilder konnte ich nur machen, weil mir früh morgens siedend heiß eingefallen ist, dass die Mülltonne raus muss. Bei vierwöchiger Abholung ist das besonders wichtig. Nun eine Lichtsäule ist eine Haloerscheinung wie zum Beispiel die Nebensonne, Bedingungen sind absolute Windstille und sechseckige Eiskristalle, an denen sich das Sonnenlicht spiegelt. 


Die drei weiteren Bilder habe ich am 9. April 2025 von zu Hause aufgenommen. Es sind Aufnahmen von schönen Cirruswolken, die auch – gut nachvollziehbar – Federwolken genannt werden. Sie befinden sich sehr hoch über der Erde, 7 bis zu 13 km in der Troposphäre, und bestehen nur aus Eiskristallen. Kein Wunder, denn dort herrschen minus 40 bis 50° Celsius. Cirruswolken werden schön wie folgt beschrieben: Sie sind dünn, faserartig und können einen seidigen Glanz haben. Macht schon etwas her, finden Sie nicht auch? Die charakteristische Form entsteht übrigens durch starke Windverwehungen, die typisch für die Troposphäre sind. Die Kondensstreifen von Flugzeugen, die in dieser Höhe fliegen, zählen ebenfalls zu den Cirren. Der durch die Turbinen erzeugte Wasserdampf ändert seinen Aggregatszustand sofort zu Eisnadeln, die für die bekannten Wolkenstreifen am Himmel sorgen. Ist das nicht der Eishammer?

Jetzt zur Auflösung der Frage, ob Sie etwas gemerkt haben. Haben Sie registriet, dass ich beide Themen schon einmal behandelt habe? Und zwar die Lichtsäule am 11. Februar 2020 und die Cirruswolken am 5. Mai 2020. Ich muss ehrlich sagen, ich habe es erst gemerkt, als ich in meinem Bürgerpostordner die Suchmaschine laufen ließ. Aus der Erinnerung hätte ich es nicht sicher sagen können.
Dann dachte ich, schauen wir mal, ob es Ihnen als Leser genauso geht. Außerdem ist die Wiederholung die Mutter aller Studierenden.

Herzliche Grüße
Franz Maus

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