Ist die VHS Baar obsolet?
Am 21. Mai 2025 habe ich gefragt, ob die VHS Baar obsolet ist.
https://hieronymus-online.de/vhs-baar-ein-luxusprodukt/
Leider steht dieses Konstrukt immer noch mit jährlich 40.000 Euro im Hüfinger Haushaltsplan.
Damals hatte ich argumentiert, dass die VHS Baar ein Luxusprodukt sei, das in direkter Konkurrenz zu unseren Vereinen steht. Es ist Geld, das unseren über 70 Vereinen fehlt!
Unsere Vereine leisten hervorragende Arbeit. Sie engagieren sich ehrenamtlich für Bildung, Kultur, Sport und Begegnung. Und zwar für alle Bürgerinnen und Bürger. Im Gegensatz zur VHS erhalten sie dafür keine institutionelle Förderung in dieser Größenordnung. Ihre Arbeit wird zudem in den regionalen Zeitungen aus Donaueschingen häufig kaum wahrgenommen.

Geschichtsklitterung ist keine Bildung.
Siehe dazu meinen Beitrag: https://hieronymus-online.de/nie-wieder-ist-jetzt/
Damals lud die VHS einen Referenten ein, der sich auf Nachfrage ausdrücklich zu den drei Hauptforderungen der BDS-Bewegung bekannte. In der Veranstaltung wurden historische Entwicklungen und die israelische Politik aus einer bestimmten Perspektive dargestellt. In meinem damaligen Beitrag kritisierte ich fragwürdige historische Darstellungen und eine problematische Täter-Opfer-Umkehr.
Der Beutelsbacher Konsens verpflichtet politische Bildung unter anderem dazu, Kontroverses auch kontrovers darzustellen. Er ist jedoch kein Freibrief, einer bestimmten politischen Position eine öffentliche Bühne zu geben und die notwendige kritische Einordnung anderen zu überlassen.
Auch die damalige Berichterstattung im Schwarzwälder Boten folgte weitgehend der Argumentationslinie des Referenten. Eine eigenständige historische Einordnung oder eine ernsthafte Gegenüberstellung unterschiedlicher historischer Bewertungen war im Artikel kaum erkennbar. Gerade das hätte Anlass für eine journalistische Einordnung sein müssen. Darauf wurde jedoch verzichtet.
Und dieses Jahr lädt die VHS Baar ausgerechnet am 9. November zu einem Vortrag über die deutsche Teilung und Wiedervereinigung ein.
Der 9. November ist ein bedeutendes Datum der deutschen Geschichte. Er steht für den Fall der Berliner Mauer, aber ebenso für die Reichspogromnacht von 1938. In der Einladung der VHS findet sich dazu kein Wort.
Es fügt sich in ein Bild einer Erinnerungskultur, die historische Zusammenhänge selektiv gewichtet.
Relativierung und Kontextualisierung scheinen dabei durchaus ihren Platz zu haben.
Hüfingen war einmal eine Künstlerstadt, deren kulturelle Bedeutung weit über die Baar hinausreichte, bis nach Karlsruhe und Heidelberg. Heute wird ausgerechnet der Autor eines politisch einseitig geprägten Artikels aus dem Jahr 2025 in der Einladung der VHS als „Hüfinger Historiker“ präsentiert und darf über deutsche Geschichte dozieren. Währenddessen gerät die eigene Stadtgeschichte in Vergessenheit.
Der 200. Geburtstag des großen Hüfinger Historienmalers Rudolf Gleichauf wurde in seiner Heimatstadt schlichtweg ignoriert. Meine wiederholten Versuche, auf diesen bedeutenden Künstler und seinen Geburtstag aufmerksam zu machen, blieben ohne Erfolg. Weder die Stadt noch das Museum richteten eine Würdigung aus. Karlsruhe hingegen erinnerte an ihn.
Man muss sich das einmal vor Augen führen: Für einen DDR-Vortrag ist in Hüfingen Platz. Für das eigene kulturelle Erbe nicht.
Wer bezahlt dieses selektive Geschichtsbewusstsein? Die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger.
Wofür sollen wir also die VHS bezahlen? Sollen wir am Ende das Aquari schließen, damit wir uns den Luxus einer VHS leisten können?
Dabei wurde an anderer Stelle längst gestrichen: echte Kultur, und zwar auf Kosten der Musikschule Donaueschingen.
Die Musikschule veranstaltet wunderbare Konzerte im FFA. Sie bringt Musik, Kunst und Kultur ins Haus, schafft Begegnungen und ermöglicht Kindern, Gemeinschaft zu erleben. Eine Arbeit, die weit über gewöhnlichen Musikunterricht hinausgeht.
Doch diese Kultur scheint in der städtischen Wahrnehmung kaum vorzukommen. Vielleicht gehört es inzwischen zum Hüfinger Kulturverständnis, authentische Geschichte und wirkliche Künstler zu übersehen.
Für die Kinder, für Musik, Kultur und echte Gemeinschaft wurden 40.000 Euro gestrichen. Für die VHS werden dagegen weiterhin 40.000 Euro bereitgestellt.

Man muss die Hüfinger Kulturpolitik nicht verstehen. Aber bezahlen sollen sie letztendlich die Hüfinger Bürgerinnen und Bürger.
Ich möchte den Hüfinger Gemeinderat bitten, endlich andere Prioritäten zu setzen:
Investitionen in unsere über 70 Hüfinger Vereine, in das Aquari und, wenn es denn sein muss, auch in einen Kunstrasenplatz.
Unsere prekäre Haushaltslage lässt keinen Spielraum für die institutionelle Finanzierung einer solchen Bildungseinrichtung.
Der Gemeinderat möge die Verwaltung beauftragen, die geltende Verbandssatzung und die rechtlichen Möglichkeiten eines Ausscheidens der Stadt Hüfingen aus dem Zweckverband VHS Baar zu prüfen, die finanziellen und organisatorischen Folgen eines Austritts darzustellen, einen konkreten Vorschlag für das weitere Vorgehen einschließlich eines möglichen Austrittstermins vorzulegen.
Ziel ist es, die jährliche finanzielle Belastung Hüfingens durch den Zweckverband zu beenden.
Bei der Musikschule wurde eine bestehende Vereinbarung gekündigt. Bei der VHS soll schon die Prüfung eines Austritts kompliziert sein?
