Verantwortung – Was ist das?

Vor einiger Zeit war ich in Bayern, ganz in der Nähe der Zugspitze, in einem Ort, der von Touristen sehr frequentiert wird. Nach langem Suchen fand ich endlich ein kleines Café mit einer gemütlichen Terrasse davor. Mir fiel sofort ein Schild auf der Wiese vor der Terrasse auf, das vor Schlangen warnte, die dort leben sollten. Um die Wiese mit hohem Gras und Blumen waren Büsche zum Schutz vor der Straße gepflanzt. Bevor wir uns verabschiedeten fragte ich, um welche Art von Schlangen es sich denn hier handele, denn mir war keine Schlangenart bekannt, die in einem solchen Terrain leben könnte. Die Wirtin, übrigens eine Schwarzwälderin, schaute mich verschmitzt an und sagte: “ Das ist das Einzige, was hilft.“ Ich fragte sie, gegen was des denn helfen würde.

Gegen Eltern, die meinten ihr Garten sei ein Spielplatz für die Kinder und das Blumenpflücken dort doch eine nette Ablenkung für diese, damit die Eltern ihren Kaffee in Ruhe genießen könnten und gegen Hundebesitzer, die der Auffassung wären, die Wiese wäre ein idealer Platz für ihre Hunde, um dort ungefährdet herumtollen zu können, lautete die Antwort.

Diese Worte veranlassen mich heute darüber zu schreiben, wie wenig doch Rücksicht auf die Natur und öffentliches Eigentum genommen wird und wie wenig Verantwortung für eigenes Handeln übernommen wird. Jeder kennt sie, diese Schilder mit ähnlich fantasievollen Versuchen Mitmenschen Manieren beizubringen. Komischerweise beschwert sich jeder über das rüpelhafte Benehmen seiner Mitmenschen und den Umgang mit der Natur – nur macht derjenige es besser?

Nicht nur, dass die Straßenbäume in Hüfingen ein elendes Leben leben müssen, manche Zeitgenossen meinen, man könne dafür sorgen, dass es ihnen noch ein bisschen schwerer gemacht werden könnte. Zudem stören sie ja ohnehin für manche überdimensionale Garagenausfahrt.

Müll in und um Hüfingen ist zur Normalität geworden. Achtlos in die Gegend geworfene Masken, weil man zu faul ist sich zu bücken und, weil die Teile einem inzwischen nachgeworfen werden, sind zum Alltag geworden. Auf einer kurzen Runde auf Hohen II habe ich alleine 5 Masken auf dem Boden vorgefunden.

Dem Heer von Reinigungskräften und Ehrenamtlichen es zu überlassen hinter einem aufzuräumen ist nicht nur menschenverachtend, sondern auch asozial. Auch sich zu freuen bei einem Verstoß gegen was auch immer nicht erwischt worden zu sein, ist nichts, worauf man stolz sein kann, denn ein ungeahndeter Verstoß bleibt ein Verstoß und schadet darüber hinaus der Umwelt und dem Mitmenschen.

Ich amüsierte mich, wie die Wirtin aus dem Schwarzwald eine wohl funktionierende Möglichkeit gefunden hatte ihre Wiese zu schützen, die ihr am Herzen lag. Aber ich bin auch betrübt darüber, dass solche Dinge überhaupt notwendig sind, um Menschen davon abzuhalten fremdes oder auch öffentliches Eigentum zu beschädigen. Was tun wir, um die nur noch rudimentär vorhandene Natur in unseren Wohngebieten zu schützen? Was tragen wir dazu bei Hüfingen wirklich zu einer Stadt zu machen, die ein ökologisches Prädikat verdient?

Jeder Baum und jede Grünfläche ist wichtig, denn sie tragen zu einem ökologischen Klima bei. Und das unsere Erde das nötig hat zeigen die vielen Naturkatastrophen in diesem Jahr. Tragen wir also gemeinsam dazu bei und fangen wir vor unserer Haustür damit an.

Welche Freiheit?

Während in frühen Zeiten Frauen, Sklaven, fremde Rassen oder Menschen anderer Religionszugehörigkeit nicht als Bestandteil des Volkes angesehen wurden und daher nicht stimmberechtigt waren, so ist das Fundament der parlamentarischen Demokratie durch die Charta der Menschenrechte von 1948 nun Freiheit und Gleichheit für jede einzelne Person und damit für alle Menschen gleichermaßen.

Doch Freiheit ist nur solange Freiheit, bis sie auf Kosten anderer Menschen ausgelebt wird , dann wird sie zu Egoismus. Natürlich müssen mündige Bürger wachsam sein, wenn es um Einschränkungen ihrer Freiheiten geht, doch auch, wenn das Wort Rücksichtnahme nicht mehr modern erscheint, so ist ein Mensch, der seine Freiheiten auf Kosten anderer und seiner Umwelt auszuleben versucht und das unter dem Begriff freiheitliche Rechte tut, alles andere als demokratisch. Er denkt in erster Linie an sich . Sicherlich mögen unsere gewählten Volksvertreter nicht immer Bürgerrechte im Blick haben, wenn sie Gesetze erlassen und werden genau deshalb des Öfteren von den Gerichten ausgebremst. Hierin unterscheidet sich unsere parlamentarische Demokratie von der Diktatur und dem Despotismus anderer Länder. Es scheint auch oft so zu wirken, als ob Lobbyisten die wahren Entscheider im Lande sind. Und natürlich macht es genau da dann Sinn, seine Stimme zu erheben und auf diese Missstände hinzuweisen.

Natürlich haben wir Rechte und natürlich haben wir Freiheiten. Doch wir haben diese Erde nur von unseren Kindern geliehen. Sie gehört uns nicht. Und so, wie wir mit ihr umgehen, wird diese Leihgabe vermutlich desolat übergeben werden. Das, was wir in dieser Zeit erleben ist die Frucht unserer immerwährenden Gier nach mehr Macht und Geld und der Meinung alles ist machbar. Dieser Virus ist real und ihn zu verleugnen gefährdet andere Menschen, ihn zu missachten gefährdet denjenigen, der ihn ignoriert und belastet die Menschen, die sich dann um Schwerkranke kümmern müssen. Vielleicht ist nicht alles, was uns auferlegt wird angenehm und Manches vielleicht auch übertrieben aber schon Paulus sage: “ Doch wacht beständig darüber, das diese eure Befugnis nicht irgendwie eine Ursache zum Straucheln für die werde, die schwach sind.“

Wenn wir uns alle als Christen bezeichnen, so sollten wir die Denkweise von Paulus annehmen , denn es geht nicht alleine um unsere Freiheit, mag sie noch so berechtigt sein. Rücksichtnahme und das Erkennen, das man nicht alleine auf diesem Planeten lebt stände hier besser zu Gesicht und mehr Demonstrationen für die Schwachen in unserer Gesellschaft ( wie z.Bsp. gegen die Ungerechtigkeiten bei Löhnen, gegen die steigende Altersarmut, für mehr Klimaschutz, mehr Bildung unserer Kinder, mehr bezahlbaren Wohnraum, gegen Aufrüstung, gegen Leiharbeit und Werksverträge, für mehr Tierschutz und gegen Rassismus im eigenen Land) wären Gründe auf die Straße zu gehen für die Freiheit der schwachen Menschen unter uns und unseren Planeten ,damit unsere gewählten Volksvertreter sich dieser dringenden Probleme annehmen.

Es wäre daher schön, wenn Menschen dafür auf die Straße gehen mit Maske und Abstand und ohne Hass und Aggression, denn schätzen wir den Frieden unter dem wir in Europa nach zwei grausamen und menschenverachtenden Kriegen nunmehr seit 75 Jahren leben dürfen. Das ist auch einer umsichtigen Politik zu verdanken. Andere würden sich freuen nur einen Tag in Frieden und Freiheit zu leben. Daher missachten wir diese Freiheit nicht, indem wir den Begriff für eigene selbstsüchtige Zwecke missbrauchen. Denn wahre Freiheit ist die Entscheidung auch zugunsten Schwacher auf etwas zu verzichten.