Liebe Bürgerpostleser,
im November 2025 konnte ich in einem leer stehenden Haus diese gewaltigen Aufnahmen machen. Etwas geschützt unter dem Vordach waren eine Menge vertikaler Bienenwaben an der Holzdecke angeheftet. Etwas nachgedacht und Imker Jürgen Mess aus Aselfingen befragt, war klar, es handelt sich um die ehemalige Wohnstatt eines Bienenschwarms, der seinem Imker entflohen ist. Dass das im Freien geschah, erstaunte den erfahrenen Imker Jürgen Mess auch außerordentlich. Üblicher Weise suchen sie ein neues zu Hause in großen Baumhöhlen oder Nistkästen. Nun, die Bilder geben einiges her: Zum Beispiel fällt auf, dass es helle und dunkle Waben gibt.



Habt Ihr eine Idee, womit das zusammenhängen könnte? In den hellen Waben war von der Königin noch kein Brut eingesetzt, in den dunklen war das der Fall. Die dunkle Farbe kommt von den zurückgelassenen Kokons der Bienen nach dem Schlüpfen. So kann man an der Farbe Brut- von Honigwaben unterscheiden. Ein kleines Hämmerchen, im Vergleich dazu, was noch kommt. Ob der Bienenschwarm ein oder zwei oder mehrere Jahre besiedelt war, entzieht sich unserer Kenntnis.
Genauer hingeschaut sieht man, dass Wabenteile fehlen, dass sie durchlöchert sind und schräg hängen. Wer hat für diese Unordnung gesorgt?

Das Bild liefert den Übeltäter in Form der weißen Puppen der Honigwachsmotte. Sie fressen als Larven hauptsächlich organische Rückstände in Bienennestern wie Pollen, Brutrückstände wie Nymphenhäutchen und Honig. Sie können sich durch die Waben und sogar durch das Holz des Bienenkastens fressen, auf dem Bild unten sieht man ihre Fraßspuren. Die Larven zerstören dabei Bienenwaben, verkleben diese mit Gespinsten und hinterlassen Fäkalien, was insbesondere für geschwächte Bienenvölker eine Gefährdung darstellt. Man sieht auf den Bildern, dass die hellen Waben nicht von Ihnen befallen werden. Deswegen sollen in der Imkerei nur diese hellen, unbebrüteten und pollenfreien Waben gelagert werden. Brutwaben dagegen sollten eingeschmolzen werden. Als Schuljunge war ich Adjutant bei meinem Opa, der 60 Bienenvölker besaß. Sehr stark habe ich in Erinnerung, dass die Wabenschränke mit Schwefelschwarten eingeräuchert wurden, das war kein schlechtes Gschmäckle, kann ich Euch sagen. Diese Verwendung von Schwefel als Biozid ist seit 2014 in der EU nicht mehr erlaubt.

Es gibt zwei Arten, die große Honigwachsmotte, die hauptsächlich bienenfreie Waben befällt, und die kleine Honigwachsmotte, die auch in aktiven Völkern zu finden ist. Welche hier am Werke war, kann nicht zugeordnet werden. Der Lebenszyklus läuft wie folgt: Die befruchteten weiblichen Falter der Honigwachsmotten fliegen durch Duft angelockt in die Nester von Honigbienen und legen dort mehrere hundert Eier je Falter ab. Diese schlüpfen zu Larven, die Ihre Fraßspuren hinterlassen. Täuschen und Tarnen kann ich nur sagen, denn die Wachsmottenlarven nehmen den Nestgeruch schnell an und werden dadurch kaum als Eindringlinge erkannt und nicht bekämpft. Ein klassischer Hammer. Die ausgewachsene Larven spinnen einen festen, widerstandsfähigen Kokon aus Seide, oft in Ecken oder Nischen des Bienenstocks. Das Bild hier zeigt diese Kokons im Detail. Aus ihnen schlüpfen die Falter und ein neuer Zyklus beginnt.
Übrigens, am 10. April 2024 hatte ich einen Beitrag über die verwandte Hummelwachsmotte geschrieben. Wer kann sich noch erinnern?
Herzliche Grüße
Franz Maus
