Mechanik der Mikromacht

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte hier eine neue Kolumne beginnen. Ein Thema, das mir seit Langem am Herzen liegt und ehrlich gesagt auch seit Langem auf die Nerven geht.

Gemeint sind damit jene kleinen Mechanismen, die oft harmlos wirken und doch erstaunlich wirksam sind. Nicht die große, offizielle Macht, nicht das, was in Gesetzen steht, sondern das, was in unserem Alltag passiert. Dort, wo Menschen eingeordnet werden, kleingemacht werden, zum Schweigen gebracht werden, übersehen werden und nur dann Anerkennung bekommen, wenn sie sich in die vorgesehene Rolle fügen.

Diese Mechanismen gibt es nicht nur in Hüfingen und den Ortsteilen. Aber da dies ein Hüfinger Blog ist, werde ich von hier aus schreiben. Von dem Ort, den ich kenne, von dem, was ich beobachte, von dem, was mir auffällt. Nicht, weil hier alles schlimmer wäre als anderswo, sondern weil man das Allgemeine oft am deutlichsten im Konkreten erkennt.

Mich beschäftigt das auch deshalb, weil solche Mechanismen nie belanglos sind.

Wer Menschen systematisch klein hält, wer sie entmutigt, wer ihnen das Wort nimmt, wer Anerkennung ungerecht verteilt, wer Kritik lächerlich macht, der macht mehr als nur schlechte Stimmung. Der will Hierarchie und Unterordnung – das ist Autoritätssehnsucht und damit auch der Boden für autoritäres Denken. Die großen Verwerfungen beginnen selten groß, sie beginnen im Kleinen.

Mir ist völlig klar, dass diejenigen, die solche Mechanismen nutzen, sich kaum für meine Texte interessieren werden. Darum geht es auch nicht. Diese Kolumne richtet sich an diejenigen, die solche Situationen kennen und spüren, dass etwas nicht stimmt und die merken, dass sie abgewertet werden. Menschen die fragen, warum bestimmte Muster sich ständig wiederholen und die dann hören, sie seien einfach zu empfindlich.

Nein, ihr seid nicht empfindlich oder übertreibt mal wieder, denn da ist tatsächlich ein Muster!

Ich möchte diese Muster sichtbar machen und Worte dafür finden, denn es ist kein Zufall ist, kein Missverständnis, keine einzelne schlechte Laune, sondern Teil einer sozialen Mechanik. Nicht jede Form von Mikromacht ist bewusst geplant aber sehr vieles wird bewusst genutzt. Und zwar

Von Männern.
Von Frauen.
Von Lauten.
Von Freundlichen.
Von denen mit Amt.
Und von denen ohne Amt.
Mikromacht hat viele Gesichter.

Verändern kann man nur, was man erkennt. Darum diese Kolumne.

Texte über Sprache, Rollen, Anerkennung, Integrität – und die kleinen Formen sozialer Herrschaft im Alltag:

Der Preis der Anpassung

Die Statik der Integrität

Frauen fehlen nicht!

Wenn Männer sich engagieren, ist es Ehrenamt. Wenn Frauen sich engagieren, ist es selbstverständlich.

„Jetzt bleiben wir mal sachlich.“ – Wie Frauen diszipliniert werden, wenn sie ihre Rolle verlassen

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