Fischtag

An Karfreitag gibt´s Fisch nach dem Kirchgang – das ist so obligatorisch wie der Narzissen-Strauß zu Ostern. Manch einen zieht es da aber auch unwiderstehlich hinaus in den Frühling: Mich etwa wieder mal an die Gauchach, nicht in die Schlucht, die an Feiertagen überlaufen sein könnte, sondern auf bequemerem Weg unter dem stählernen Viadukt der Höllentalbahn hindurch zur Eulenmühle (Ihlemühli) und von dort einen kurzen Abstecher hinauf zur Kapelle mit den beiden stattlichen Linden vorm Eingang. Das fotogene Ensemble habe ich liebgewonnen und schon zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten besucht und fotografiert, für mich ein würdiger Kirchgangersatz, zumal am Karfreitagmorgen. Diesmal trete ich sogar durch das niedere Türchen ein, nicht aus Frömmelei, eher aus historischem Interesse. „Eulenmüllers Käppele“, das auch unterm Namen Dreifaltigkeitskapelle geführt wird, soll schon im Jahr 1527 erbaut worden sein.

Die Kapelle im April
Eulenmüllers Käppele
Kapelle an der Eulenmühle im Winter

Der Anlass: ein Kind der Eulenmüllers soll zwei Tage lang vermisst, dann aber doch glücklich wieder aufgefunden worden sein; nein, es hatte gottlob nicht, wie befürchtet, tot aus der Gauchach geborgen werden müssen. Die beiden Linden waren erst anno 1899 vor die Eingangstür gepflanzt worden. Man weiß das deshalb so genau, weil zur Einweihung der Höllentalbahn in Unadingen die neue Straße zum Bahnhof (die heutige Lindenstraße) mit Linden bepflanzt worden war, und dabei waren diese beiden übrig geblieben. Heute präsentieren sie sich noch in winterkahlem Zustand, denn der Frühling ist reichlich spät dran, und in den schattigen Partien der Talaue finden sich sogar noch letzte Schneereste. Nur am sonnigen Steilhang blühen erste schüchterne Buschwindröschen gemischt mit dem Zartlila des Lerchensporns.

Eulenmühle

Zurück alsdann wieder zur Eulenmühle hinab, deren Fensterläden rundum geschlossen sind; sie scheint schon länger nicht mehr bewohnt zu sein, vom Mühlenbetrieb ganz zu schweigen, doch vor dem Eingangstor sind zwei Pkws mit auswärtigen Kennzeichen geparkt. Ich beschließe, noch ein Stück bachaufwärts zu wandern. Die Gauchach führt trotz der jüngsten Schneeschmelze kein Hochwasser mehr, dafür haben sich freilich weiße Schaumkissen an den in den Bach gestürzten Stämmen und Wipfeln verfangen. Was mich rätseln lässt, wie der Schaum wohl entstanden sein mag, ob auf natürliche Weise oder durch Fremdchemikalien; wo doch am Oberlauf kaum potenzielle Verursacher anzutreffen sein dürften.

Kurz vor der Dögginger Trinkwasser-Pumpstation, wo einst auch der Mühlenkanal abzweigte, überquert eine Brücke, beidseits mit eisernen Geländern versehen, den Bach. Und hier stutze ich: Denn auf dem Weg liegt zu meiner Verblüffung eine komplette Anglerausrüstung: die Rute noch im halbgeöffneten Futteral, daneben eine große mit mehreren Reißverschlüssen zu öffnende Tragetasche voller Zubehör fürs Fliegenfischen, Messer und Schere inklusive. Doch der Angler ist weit und breit nicht zu entdecken – auch nicht im Bach unter der Brücke! Hat da etwa einer, mag sein wegen des Schaums und weil nichts anbeißen wollte, sein Zeug frustriert weggeworfen? Oder verrichtet er vielleicht gerade seine Notdurft – irgendwo mit Blickkontakt versteckt hinter einem Busch oder Baum? Handelt es sich gar um einen medizinischen Notfall? Oder hat einer Hals über Kopf den Heimweg angetreten, um zuhause eben noch rechtzeitig vor dem Mittagessen die versprochenen Bachforellen abzuliefern – und in der Hetze seine gesamte Ausrüstung hier liegen lassen?

Ich beschließe umzukehren, nachdem ich die Tasche vorsorglich vom Weg aufgehoben und ans Brückengeländer gehängt habe, rätselnd, ob ich die Entdeckung nicht doch dem zuständigen Polizeiposten melden sollte. Aber am heiligen Karfreitag die Polizei strapazieren? Spätestens am Osterdienstagmorgen wird man dann ja im Lokalteil nachlesen können, ob es an der Gauchach womöglich einen Vermissten-, gar einen Kriminalfall gegeben hat.

Bild vom Hang in der GAuchachschlucht
Was geschah bloß an der Gauchach?

Draisine, Dögginger Loch, Ihlemühli
S Brucke und Tunnel Land 

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