Liebe Bürgerpostleser,
Kraniche über Hausen vor Wald? Das ist ja ein Hammer. Tatsächlich wäre das vor 20 Jahren noch nicht zu sehen gewesen. Unten die Zugrouten der Kraniche durch Europa vom NABU-Kranichzentrum (https://www.kraniche.de/de/zugwege.html).

Seltsam wirkt die Ost-West-Route vom ungarischen Rastplatz Hotobagy über Süddeutschland und südlich der Alpen in die Überwinterungsgebiete nach Frankreich in die Carmargue und nach Spanien in die Extramadura. Und diese Route ist relativ neu und durch Satellitensender wissenschaftlich bestätigt. Erst ab dem Jahre 2008 gab es eine deutliche Zunahme dieser südlichen Route. Die Jahre danach wiederholten sich die westwärts gerichteten Zugbewegungen. Seit etwa 2020 ist diese Route als regelmäßiger Zugweg mit steigenden Zahlen etabliert.
Was sind die Gründe für diese neue Route?
Im Gebiet Hortobágy finden Kraniche viel Nahrung und geeignete Schlafplätze. Von dort können sie unterschiedliche Zugrichtungen einschlagen. Dann spielen Wind und Wetter eine Rolle. So zum Beipiel 2011, als länger anhaltende Ostwinde den Weiterflug aus Ungarn Richtung Westen begünstigten. Zugrouten sind nicht starr genetisch festgelegt. Erfahrene Tiere können neue Wege vorgeben, denen andere Kraniche folgen. Mildere Winter, veränderte Rastbedingungen und die Ausbreitung der Brutgebiete können die Zugbewegungen auch beeinflussen.
Kennen Sie das Geflöte der Kraniche? Wenn man das einmal gehört hat, erkennt man es sofort wieder. Das lassen die Kraniche auch im Flug von sich hören. Allerdings nicht die 26 über Hausen ziehenden Exemplare. Wenn ihr wollt, könnt Ihr gerne nachzählen. Das war am 24. Oktober 2026 um 13.45 Uhr. Sie waren zum einen sehr weit oben. Man hatte auch das Gefühl, wie wenn sie sich orientieren mussten, weil sie eine Ehrenrunde flogen, bevor sie dann schnurstraks im typischen V-Formationsflug nach Westen abzogen.

Im übrigen sind es etwa 300.000 Exemplare, die sich auf die Reise machen. Eine große Zahl. Dass sie Glücksvögel genannt werden, wisst Ihr wahrscheinlich. Vielleicht ist uns das Glück noch einmal hold und wir sehen noch weitere Trupps von Ihnen auf dem Durchzug. Denn der dauert noch bis spät in den November hinein und Ostwinde haben wir zur Zeit auch ganz enorme. Einfach den Himmel beobachten und auch mit den Ohren aufmerksam sein.
Ist das nicht erstaunlich, dass wir erst seit geraumer Zeit Kraniche auch auf der Baar erleben können?
Herzliche Grüße
Franz Maus
