Seit der Umgestaltung von Brigach und Breg ist ihre Vereinigung nun also ein touristischer Anziehungspunkt geworden. Vor ihm haben sich kurz vor den Sommerferien ganze Schulklassen gestaut. Doch der heimatkundliche Lernort dürfte die jungen Betrachter kaum mehr sonderlich beeindruckt haben; eher manifestiert sich hier gegenwärtig der beängstigend weit fortgeschrittene Klimawandel (mag er von Trump und Konsorten wie von den AfD-Wählern noch so geleugnet werden). Vor allem der Quellfluss Breg ist nur noch ein äußerst klägliches Rinnsal, nachdem er zuvor ja zu Teilen auch noch den fürstlichen Park mit zu bewässern hatte.
Auch all die Donauradler, die sich trotz noch so beklemmender Hitze nicht von ihrer Tour abbringen lassen, legen hier nach dem Start in Richtung Sigmaringen, Ulm, Wien oder Schwarzes Meer einen ersten obligatorischen Zwischenstopp ein: ein Selfie vor dem Hintergrund des Zusammenflusses ist nun einmal unverzichtbar, mag dieser derzeit noch so kläglich erscheinen. Wo ja doch Niedrigwasserrekorde in Seen, Flüssen und Bächen inzwischen ganz Europa belasten: damit die Energiewirtschaft wie die Binnenschifffahrt und mit ihr auch die transportabhängige Gesamtwirtschaft, von den ausufernden Waldbränden und den menschlichen Hitzeopfern ganz zu schweigen. Hauptsache, im Etappenziel versagt abends die Dusche nicht und der E-Bike-Nutzer kann seinen Akku wieder aufladen – wozu haben wir schließlich all die Solarfelder und Windräder!
Doch schon längs des allersten Kilometers auf dem Donauradweg erwartet die Radler ein überraschendes Kontrastprogramm: Hart neben der Fahrbahn verläuft ein Graben, randvoll gefüllt mit Wasser! Wasser, das man eben noch am Zusammenfluss doch so schmerzlich vermisst hat. Vielleicht entdeckt ja der eine oder der andere nicht gar zu eilige Radtourist sogar die Ursache des reichlichen Wasserangebots: unmittelbar neben dem Fahrbahnrand einen veritablen Biberbau. Offenbar hatte der Verkehrssicherungspflichtige sogar Sorge, der Radweg könnte vollends überschwemmt werden. Weshalb er veranlasst hatte, dass im Zuge des Bibermanagements ein PVC-Rohr als Überlauf in den Damm eingebaut worden war. Was der Biber jedoch gar nicht mochte und den Fremdkörper wieder aus seinem Damm entfernt hat. Auch die Gefährdung durch von ihm benagte und gefällte Bäume längs des Sträßchens war Thema geworden, sodass als Warnung ein Hinweisschild aufgestellt wurde. Merke: Biber schaffen vielerorts auch Ärger.
Was Wunder, dass die Landesregierung da noch im zurückliegenden Winter eigens eine neue Biberschutzverordnung erlassen hat, nach welcher Biberdämme und Biberburgen auch wieder beseitigt werden dürfen, ihre naturschutzrechtlich streng geschützten Erbauer eingefangen und sogar getötet werden dürfen, sofern ihre Schäden allzu sehr überhand zu nehmen drohen. Ob da wohl unterm Eindruck des Hitzesommers und des Wassernotstands eine Neubewertung ihrer Nützlichkeit und Schädlichkeit fällig wird? Als ob Biberdämme fürs Land nicht vor allem ein wasserwirtschaftlicher Segen wären! Wie soll denn auch jemals ohne die eifrigen vierbeinigen Helfershelfer die 2024 von Brüssel verordnete Wiederherstellung der Natur (WVO) gelingen, zu welcher die EU-Länder verpflichtet wurden? Bis 2030 sollen zwanzig Prozent der geschädigten Natur (der entwässerten Wiesen, Moore und Wälder) renaturiert sein!
Immerhin hat der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof (VGH) soeben bekannt gegeben, dass mit Beschluss vom 17. Juni 2026 dem Eilantrag eines Naturschutzverbands stattgegeben und die Verordnung zum Schutz vor Beeinträchtigungen durch den Biber (Biberschutzverordnung) der Landesregierung Baden-Württemberg vorläufig außer Vollzug gesetzt worden ist. Nicht zuletzt die Donauradler dürften den Beschluss ja wohl begrüßen – angesichts all der Trockenheit in Fahrtrichtung Schwarzes Meer.




