Storchen-Eldorado Baar

Spätestens seit 2020 haben es mir die Baar-Störche angetan: Die Zunahme ihrer Population ist eines der wenigen mich hoffnungsfroh stimmenden Zeichen und Wunder auf dieser von Krisen so gebeutelten Welt. Damals, vor sechs Jahren, war es die Coronaseuche, die es ratsam erscheinen ließ, zu Fuß oder per Rad ins Freie zu flüchten, um sich nicht anzustecken und um sich fit zu halten. Und eines Vorfrühlingstages entdeckte ich von meinem Radweg aus das Storchenpaar hoch oben am äußersten Ende des Querarms eines der Masten der Überlandleitung, die längs der Stillen Musel und der lärmigen   Schnellstraße verläuft – was für ein kühnes Experiment des eben aus seinem Winterquartier zurückgekehrten Storchenpaars! Klar, dass ich das fotografisch festhalten musste, zumal sich auf dem Foto dann ja auch noch ein zweiter Horst herausstellte.

Seither benutze ich diesen Radweg besonders gern bei meinen Ausritten in den Baarfrühling, denn die Horste haben sich mittlerweile vervielfacht, auch weitere Masten wurden besiedelt; die Bruten in schwindelnder Höhe und inmitten von Stromkabeln scheinen da oben erstaunlich erfolgreich zu verlaufen, egal wie der Witterungsverlauf im Frühjahr jeweils ausgefallen ist, ob es zu kalt war, zu warm, zu regnerisch oder zu trocken war. Nirgends war von einem Stromschlag zu lesen, ausgelöst durch fütternde an- oder abfliegenden Storcheneltern oder durch einen noch gar zu ungeschickten Jungstorch. Umso mehr beunruhigte mich unlängst die Zeitungsnotiz, wonach die Strombetreibergesellschaft beabsichtige, aus Gründen der Versorgungssicherheit die Horste zu beseitigen.

Störche auf Strommasten
2020
Störche auf Strommasten
2021
Störche auf Strommasten
2022

Doch auch dieses Frühjahr sind sie anscheinend alle noch da, die Horste wie die Storchenpaare, und dies trotz des Winterrückfalles Ende März. Die Bruten scheinen sogar erfolgreicher denn je ausgefallen zu sein. Strom-Blackouts, von denen im Januar halb Berlin, kurzzeitig auch mal ein Teil der Donaustadt betroffen war, hatten nachweislich andere Ursachen. Bleibt zu fragen, was die Überlandleitungsmasten, noch dazu am Stadtrand und über Schnellstraßen, für Störche so unwiderstehlich anziehend macht. Und weshalb ihnen das rustikale Milieu der Baardörfer nicht besser behagt. Oder sollten dort die für Horste geeigneten Kirchtürme und Dächer alle bereits ausgebucht sein? Doch das müssen Ornithologen beantworten. Bleibt zu hoffen, dass sie gute Argumente für den Verbleib auf den Masten ins Feld führen, die den Stromversorger auch weiterhin zu überzeugen vermögen. Wo das Beseitigen der Horste doch nach Bundesnaturschutzgesetz verboten ist.  

Störche auf Strommasten
2023
Störche auf Strommasten
2026

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