Die für ihre Handelsketten Lidl und Kaufland bekannte Schwarz-Gruppe will 5,6 Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock investieren. Geplant sei der Aufbau eines Datacenters mit einer Kapazität von 240 Megawatt bis 2033, teilte das Unternehmen mit. (Bad. Zeitung v 28. August 2026)
Wo sie neuerdings doch überall diese riesigen Zentren errichten – was steckt da bloß dahinter? Die in Heilbronn beheimatete Schwarz-Gruppe baue bereits ein weiteres Rechenzentrum in Brandenburg für elf Milliarden Euro, berichtet die Badische Zeitung und zitiert den Chef des Unternehmens, Gerd Chrzanowski: „Digitale Souveränität entsteht nicht durch Appelle oder Reden. Sie entsteht durch Handeln, durch verlässliche Infrastruktur und durch praxistaugliche Anwendungen.“ Standortsvorteile würden Mecklenburg-Vorpommern wie auch Brandenburg bieten durch die hier produzierte Windenergie, wo solche Rechenzentren doch Unmengen von Energie benötigen – spätestens dann, wenn sich der Einsatz künstlicher Intelligenz vollends durchgesetzt haben wird.
Vor unbeherrschbaren Risiken der KI-Revolution glaubt inzwischen allerdings sogar ein Bill Gates warnen zu müssen, der sich bei Microsoft aus dem operativen Geschäft längst zurückgezogen hat. Sein Unternehmen plant unterdessen im Elsass drüben dennoch gerade ebenfalls ein Rechenzentrum gigantischen Ausmaßes. Ob auch dort die dafür verfügbare Energie den Standortsvorteil bringt, scheint eher zweifelhaft zu sein, nachdem das AKW in Fessenheim doch schon seit Jahren stillgelegt ist und nun endlich rückgebaut werden soll. Dass auch auf Kühlung und Wasserkraft des Rheins spätestens seit diesem Hitzesommer kein Verlass mehr ist, sollte sich eigentlich doch auch bis in die Vereinigten Staaten herumgesprochen haben, so sehr man dort weiterhin den Klimawandel meint ignorieren zu können. Oder setzt man bei Microsoft (wie auch beim französischen Energieversorger EDF) bereits auf die Kernfusion als Schlüsseltechnologie der Zukunft?
Ob man sich da nicht auch auf der Baar auf derlei Rechenzentren gefasst machen sollte, seien sie von Lidl oder von ALDI? Ob man sich für die kommunalen Haushalte nicht sogar schon darauf verlassen darf – wo doch bereits die Zentrallager bzw. Logistikzentren dieser Firmen hier angesiedelt sind? Und schaut man auf die Horizonte ringsum: Haben wir in Sachen Wind- und Sonnenenergie nicht mächtig aufgeholt und in den zurückliegenden Jahren schon beinahe mecklen- bis brandenburgische Verhältnisse erreicht. Schade nur, dass wir, was die hiesige Windhöffigkeit anbetrifft, noch immer nicht so ganz konkurrenzfähig sind. Aber was soll´s: wenn rundum alle Windräder 250 Meter hoch wären, so wie unsere neuen auf der Länge, so müsste es doch klappen – allenfalls Repowering der Altanlagen ist also angesagt, wo auf „digitale Souveränität“ (G. Chrzanowski) Wert gelegt wird!
Oder sollte ich da womöglich ein bisschen geträumt haben nach der Lektüre der Tageszeitung bei schwüler Mittagshitze? War es gar ein Albtraum? Vor neun Jahren hatte ich in der Zeitschrift Schwäbische Heimat (2/2017 unter der Überschrift Albtraum badische Alb. Wie ein Waldgebiet der Windkraft geopfert wird) einen recht kritischen Beitrag über die Vorgänge auf der Länge veröffentlicht. Denn kurz vor Jahresschluss 2016 war hier die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für zwei Windparks mit zusammen 13 Anlagen erteilt worden. Was war das damals doch für eine Aufregung unter den Wald-, Landschafts-, Vogel- und Fledermausfreunden – und an was alles werden die sich künftig erst noch zu gewöhnen haben … trotz oder wegen der sich verschärfenden Klima- und Biodiversitätskrisen!
